Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Neufassung Die Krönung der Poppea, 29.04.2017

April 25, 2017 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Die Krönung der Poppea  von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi / Elena Kats-Chernin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

Mit der Monteverdi-Trilogie eröffnete Barrie Kosky 2012 seine Intendanz an der Komischen Oper Berlin und begeisterte Presse und Publikum. Der letzte Teil dieses Opern-Marathons, Die Krönung der Poppea, kehrt nun mit neuer Besetzung der Hauptpartien in einer musikalisch und szenisch überarbeiteten Fassung auf den Spielplan zurück. Die jungen Ensemblemitglieder Dominik Köninger und Alma Sadé verkörpern das in gefährlicher Leidenschaft füreinander entbrannte Liebespaar und beleuchten das Drama zwischen Liebe, Macht und Politik rund um den römischen Kaiser Nero und seine Geliebte Poppea darstellerisch und sängerisch aus neuer Perspektive. Komponistin Elena Kats-Chernin, die Claudio Monteverdis drei vollständig überlieferten Opern eigens für die Trilogie neu instrumentierte, überarbeitete ihre Instrumentierung für diese Wiederaufnahme und überrascht mehr als zuvor mit außergewöhnlichen Klangkombinationen. Regisseur Barrie Kosky arbeitete für die neue musikalische Struktur auch an der Szene, die zudem im Bühnenraum anders arrangiert sein wird als bei der Premiere 2012. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Matthew Toogood. Monteverdi macht seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Selbst die Prediger einer Moral sind zu Heuchlern geworden, die am Ende nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Die Unschuld der Liebe ist längst verloren und in ihr Gegenteil verkehrt. Liebe ist nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. So ist es ausgerechnet die »amour fou« der beiden Hauptfiguren, die das Gleichgewicht der politischen Mächte zu gefährden droht. In weiteren Partien sind u. a. Karolina Gumos, Maria Fiselier, Talya Lieberman, Thomas Michael Allen sowie Peter Renz als Amor zu erleben. Bis zum 3. Juni steht Die Krönung der Poppea auf dem Spielplan, ab 23. Juni 2017 kehrt mit Orpheus – erneut mit Dominik Köninger in der Titelpartie – der erste Trilogie-Teil zurück.

Libretto von Giovanni Francesco Busenello, Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf, Auftragswerk der Komischen Oper Berlin, Uraufführung L’incoronazione di Poppea im Winter 1642/43, im Teatro Santi Giovanni e Paolo, Venedig, Uraufführung Poppea im Rahmen der Monteverdi-Trilogie am 16. September 2012, Uraufführung der Überarbeitung Die Krönung der Poppea am 29. April 2017, Musikalische Leitung: Matthew Toogood, Inszenierung: Barrie Kosky, Bühnenbild/Kostüme: Katrin Lea Tag, Kostüme: Katharina Tasch, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Licht: Alexander Koppelmann/Diego Leetz

Mit : Alma Sadé (Poppea), Dominik Köninger (Nero), Karolina Gumos (Octavia), Maria Fiselier (Otho), Julia Giebel (Drusilla), Jens Larsen (Seneca), Tansel Akzeybek (Valletto), Talya Lieberman (Damigella/Das Schicksal), Thomas Michael Allen (Arnalta), Tom Erik Lie (Amme), Peter Renz (Amor), Katarzyna Wodarczyk (Die Tugend), Adrian Strooper (Liberto) u. a.

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Hintergrund : Claudio Monteverdi und Die Krönung der Poppea,  Cremona, Mantua, Venedig – in diesen drei so unterschiedlichen oberitalienischen Städten spielt sich das Leben von Claudio Monteverdi ab, der in die Musikgeschichte zu Recht als Urvater der Gattung Oper eingegangen ist. Nicht nur mit seinen Lebensdaten (1567-1643) steht er zwischen Renaissance und Barock. Auch sein künstlerisches Werk ist zwischen diesen beiden kunstgeschichtlichen Epochen aufgespannt: Mit seinen Madrigalkompositionen bringt er die Vokalpolyphonie der Renaissance zu einem letzten Höhepunkt, mit seinen Opern wird er richtungsweisend für die um 1600 aufkommende, neue, Kompositionsweise des so genannten monodischen Stils.

Historische Personen und historisch belegte Ereignisse rund um den römischen Kaiser Nero bilden die Grundlage für Monteverdis letzte Oper Die Krönung der Poppea: Doch Monteverdi geht es nicht um historische Authentizität. Vielmehr macht er seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Weder die ehrgeizige Geliebte Poppea an der Seite des verliebten Machtmenschen Nero auf der einen Seite – noch Neros Lehrer und Mentor Seneca, der mit seinen Weisheiten die verstoßene Kaiserin Octavia zu trösten versucht, oder der von Poppea verschmähte Otho, der sein Schicksal bejammert und von Drusilla getröstet wird, auf der anderen Seite … Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Liebe ist in diesem Ränkespiel nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. Elena Kats-Chernin liest Claudio Monteverdi neu

Die uns überlieferten Handschriften der beiden letzten Opern Monteverdis lassen keinen Zweifel daran, dass es zwischen der notierten Form und der praktischen Ausführung eines größeren Anteils an ergänzender bzw. interpretierender Arbeit bedarf als bei einem Werk des 19. Jahrhunderts. Die Idee einer eindeutigen Festlegung im Sinne einer einzig gültigen Werkgestalt entstammt dem 18. und vor allem dem 19. Jahrhundert. Monteverdi und seinen Zeitgenossen wäre sie vollkommen fremd gewesen. Zahlreich sind die Bearbeiter*innen, die Monteverdis (heutigen Augen) fragmentarisch anmutende Opernwerke dem Publikum ihrer Zeit näher bringen wollten, darunter so bedeutende Namen wie Vincent d’Indy, Ottorino Respighi, Ernst Krenek, Luigi Dallapiccola, Nadia Boulanger, Luciano Berio, Bruno Maderna oder Hans Werner Henze. Von einer anderen Seite haben Musiker wie Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner oder Rene Jacobs versucht, die überlieferten Manuskripte mit den Augen von Monteverdis Zeitgenossen zu lesen und neu zu interpretieren.

Monteverdi gehörte zu den experimentierfreudigsten und offensten Komponisten der Musikgeschichte. Schließlich betrat er gerade mit seinen Opern völliges Neuland und besaß daher alle nur denkbaren Freiheiten. Nicht weniger experimentierfreudig ist das Schaffen der aus Usbekistan stammenden Komponistin Elena Kats-Chernin. Ähnlich wie Monteverdi zu seiner Zeit gehört auch sie nicht zu den Puristen. Als Grenzgängerin zwischen den unterschiedlichsten Kulturen (geboren in Taschkent, aufgewachsen in Moskau, Studium in Deutschland, lebt sie nun in Australien) eignet sie sich auf äußerst vitale Weise verschiedene Traditionen an, mit Hilfe derer sie auch populäre Quellen wie Jazz, Klezmer, Tango oder Ragtime in ihre Musik integriert. So findet in ihrer »Neuschöpfung« von Monteverdis letzter Oper neben traditionellen Instrumenten eines modernen Opernorchesters nicht nur ein barockes Instrument wie die Theorbe Verwendung, sondern auch für ein traditionelles Opernorchester eher ungewöhnliche Instrumente wie Saxophone, Banjos, eine Steel Guitar und ein Synthesizer. Ganz im frühbarocken Stil lässt sie – anders als die meisten Bearbeiter vor ihr – der Continuo-Gruppe Raum für improvisatorische Freiheiten.  Pressemeldung Komische Oper Berlin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

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Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Uraufführung: GEORGE, 25.09. und 11.10.2014

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Uraufführung: GEORGE Oper von Elena Kats-Chernin

Eine Produktion von Danya Segal mit dem TfN. Im Rahmen der Landesausstellung 2014 „Hannovers Herrscher auf Englands Thron 1714-1837“. In Kooperation mit den Niedersächsischen Musiktagen und den KunstFestSpielen Herrenhausen

Hinter GEORGE verbirgt sich Georg Friedrich Händel, der zu seinen Lebzeiten die Londoner Opern-Szene beherrschte. Er soll im Auftrag des britischen Königs Georg I. (Jochen Kowalski) für seine Oper neue Gesangsstars engagieren. Beim „Casting“ überschlagen sich die Ereignisse.

Musikalische Leitung Werner Seitzer Inszenierung Axel Ranisch Bühne Steffen Lebjedzinski Kostüme Alfred Mayerhofer Licht-Design Alexander Koppelmann

PREMIERE: Do, 25.9., 20:00 Uhr, Orangerie Herrenhausen und in Hildesheim ab Sa, 11.10., 20:00 Uhr, Großes Haus

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Berlin, Komische Oper Berlin, Die Oper lebt! Beeindruckender Monteverdi Marathon, IOCO Kritik, 03.10.2012

Oktober 8, 2012 by  
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Kritik

Komische Oper Berlin

Hymnisches  IOCO-Fazit: Die Oper lebt! Beeindruckender Monteverdi „Marathon“  an der Komischen Oper, Berlin

Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin © IOCO

In einem 12-stündigen Spektakel (ca. 9 Stunden reiner Musik) fand am 03.10.2012 die zweite der insgesamt drei Aufführungen der Monteverdi Trilogie: „Orpheus“, „Odysseus“ und „Poppea“ statt.

Nur schwer lässt sich hier die Fülle der musikalischen und visuellen Genüsse zusammenfassen. Als erstes ein großes Lob für den neuen Intendanten und Regisseur der Trilogie, Barrie Kosky, dem hier in Zusammenarbeit mit der in Usbekistan geborenen Komponistin Elena Kats-Chernin und allen weiteren zahlreichen Mitwirkenden (Musiker, Sänger, Tänzer, Puppenspieler, Statisten) etwas ganz Großartiges gelungen ist.

Die drei Monteverdi Opern, hier von Kosky in einer Trilogie präsentiert, sind in der musikalischen Neufassung der Komponistin Kats-Chernin und der textlichen Neuübersetzung von Susanne Felicitas Wolf/ Ulrich Lenz zu genießen.

Ob Bandoneon, Cimbalom, Banjo, ob Cello, Klavier oder Harmonium bis hin zur E-Gitarre und Synthesizer,  es ist eine Fülle neuer Klänge, die hier für die neue Orchestrierung des Monteverdi Kosmos einfühlsam, originell und vielseitig eingesetzt werden. Am Dirigentenpult (mal im Orchestergraben, mal auf der Bühne), in beeindruckender Ausdauer, André de Ridder, ein Dirigent der klassischen und zeitgenössischen aber auch der experimentellen Pop- und elektronischen Musik.

Ob verzaubernd, berührend, ergreifend oder amüsierend, alle drei Opern, die von den verschiedene Arten der Liebe handeln, überzeugen durch detaillierte und präzise Personenregie und szenischem Einfallsreichtum.

Sehr schön die Konzeption des jeweiligen Bühnenraumes und die farbenprächtigen und fantasievollen Kostüme von Katrin Lea Tag und Katharina Tasch. Stimmungsvoll die Beleuchtung von Alexander Koppelmann.

Orpheus“ besticht durch seine märchenhafte und opulente Paradiesgarten-Welt, mit üppiger Vegetation, Vögeln und Schmetterlingen, bevölkert von Faunen, halbnackten Nymphen und anderen Fantasiegestalten. Mitreißend auch die Tanzeinlagen.

Odysseus“ gestaltet sich hingegen statischer auf einem grünen Rasen und mehr im Stil eines Kammerspiels mit ergreifenden Momenten und einigen Komik-Einlagen, während „Poppea“ in kahler steiniger Landschaft von Ausschweifung und Dekadenz, Brutalität und Sex geprägt ist.

Die zahlreichen, verschiedenen Rollen sind durch die zum größten Teil jungen Sänger des Ensembles stimmlich wie visuell bestens besetzt. Besonders hervorzuheben sind hierbei jedoch: Dominik Köninger, der mit seinem schönen, warmen Bariton die Figur des Orpheus ausdrucksstark und mit viel Körpereinsatz gestaltet; Günter Papendell, auch Bariton, in der Rolle des Odysseus – mit männlichem Timbre und dramatischer Hingabe; die türkische Mezzosopranistin Ezgi Kutlu mit samtiger Stimme als Penelope; Theresa Kronthaler mit warmem und natürlich klingendem Mezzo als Sylvia/ Proserpina in „Orpheus“ und als Otho in „Poppea“; bemerkenswert auch der Tenor Peter Renz als Amor in allen drei Opern(!), ob als frecher Bub im Kleidchen oder in Marlene Dietrich Robe. Zauberhaft das Puppenspiel der Orpheus und Eurydike Figuren von Frank Soehnle.

Hymnisches IOCO-Fazit:  Ein großartiges Beispiel von lebendigem Musiktheater!

Diese Monteverdi-Produktion von Barrie Kosky können Berliner wie Zugereiste, in gleicher Besetzung, noch einmal erleben:   4. November 2012, Beginn  11.00 Uhr !

IOCO / G.G. / 03.10.2012

—| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |—