Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Hänsel und Gretel – E. Humperdinck, 12.10.2019

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Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Rudolstadt / Thüringisches Landestheater © Friederike Lüdde

Theater Rudolstadt

Hänsel und Gretel –  Engelbert Humperdinck
Libretto Adelheid Wette

Premiere 12. Oktober 2019, Meininger Hof Saalfeld

Halbszenische Aufführung – in Kooperation mit dem Theater Nordhausen und dem Tiroler Landestheater Innsbruck

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

Knusper, Knusper, Knäuschen

 Märchenoper   Hänsel und Gretel   feiert in Saalfeld Premiere

Die abenteuerliche Geschichte der beiden Geschwister Hänsel und Gretel gehört zu den beliebtesten Märchen der Brüder Grimm. Geschwister sind auch der Komponist Engelbert Humperdinck und die Librettistin Adelheid Wette. Unter ihren Händen ist 1893 eine zauberhafte Märchenoper entstanden, die vor allem zur Vorweihnachtszeit seit Generationen Jung und Alt in die Opernhäuser lockt – und das obwohl sie ursprünglich gar nicht für Kinder gedacht war. Am 12. Oktober, um 19.30 Uhr feiert Hänsel und Gretel als halbszenische Aufführung im Meininger Hof Saalfeld Premiere. Es kooperieren dafür die Theater Rudolstadt und Nordhausen sowie das Tiroler Landestheater Innsbruck.

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

„Brüderchen, komm tanz mit mir!“ ? Hänsel und Gretel haben gerade ihre knurrenden Mägen vergessen, als der Milchtopf mit der kargen Abendmahlzeit zu Bruch geht. Die Mutter tobt und schickt sie zur Strafe in den Wald, um Beeren zu sammeln. Was sie nicht weiß: Dort haust die böse Knusperhexe! Die beiden Kinder verirren sich. Anders als beim Grimm’schen Märchen wird ihr einsamer Weg durch Dickicht und Dunkelheit in der Oper von traumhaften Gestalten mit wunderschönen Melodien begleitet: dem Sandmann, vierzehn Engeln und dem Taumännchen. Aber auch sie können nicht verhindern, dass die Geschwister der Versuchung erliegen, als am nächsten Morgen das verführerische Lebkuchenhaus auftaucht. Zum Glück ist die List auf der Seite von Hänsel und Gretel. Und so gelingt es ihnen, nicht nur sich selbst, sondern auch die anderen Lebkuchenkinder vor dem sicheren Tod zu befreien. Happy End garantiert!

Das Märchen von Hänsel und Gretel ist der Weihnachtsklassiker unter den Opern – kein Wunder, denn die Uraufführung fand 1893 einen Tag vor Heiligabend statt. Engelbert Humperdinck wagte damit den Versuch, Musik im komplexen und aufwändigen Wagner’schen Stil mit der naiven Welt der Märchen zu vereinen. Wie selbstverständlich erklingen sogar Volkslieder in der großen romantischen Oper.

Im Meininger Hof Saalfeld ist Hänsel und Gretel nun als halbszenische Aufführung mit Kostümen und Bühnenbildelementen, eingerichtet von der Nordhäuser Operndirektorin Anette Leistenschneider, zu erleben. Unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Oliver Weder spielen die Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt und das Sängerensemble des Theaters Nordhausen. Die beiden Titelrollen singen Carolin Schumann (Hänsel) und Amelie Petrich (Gretel), Mutter und Vater sind Katrin Kapplusch und Philipp Franke, Anja Daniela Wagner singt die Knusperhexe sowie Hayoung Ra (Thüringer Opernstudio) das Sand- und Taumännchen. Für den Part des Kinderchores am Ende der Oper hat sich an der Grundschule Schwarza ein Projektchor gebildet, angeleitet von Katja Bettenhausen und Kerstin Dyroff.

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

Theater Rudolstadt / Hänsel und Gretel © András Dobi

Musikalische Leitung: Oliver Weder, Szenische Einrichtung: Anette Leistenschneider
Bühne: Bernd Damovsky, Technische Umsetzung: Wolfgang Kurima Rauschning, Jonny Wilken, Kostüme: Michael D. Zimmermann

Mit:  Peter, Vater, Besenbinder: Philipp Franke, Gertrud, Mutter: Katrin Kapplusch/Zinzi Frohwein (ab 8.11.2019), Hänsel: Carolin Schumann, Gretel: Amelie Petrich, Knusperhexe: Anja Daniela Wagner  Sand- und Taumännchen: Hayoung Ra (Thüringer Opernstudio)

Ein Engel: Uta Haase,  Kinderchor: Projektchor der Grundschule Schwarza

Karten für die Aufführungen am 12. Oktober, 19.30 Uhr, am 20. Oktober, um 18 Uhr, am 22. Oktober und 17. November, um 15 Uhr sowie am 8. und 23. November, um 19.30 Uhr sind an den üblichen Vorverkaufsstellen und telefonisch unter 03672/422766 erhältlich. Es wird zudem ein kostenfreier Busshuttle aus Rudolstadt nach Saalfeld und zurück angeboten. Informationen dafür sind auf der Website des Theaters Rudolstadt zu finden.

—| Pressemeldung Theater Rudolstadt |—

Essen, Aalto Musiktheater, Lohengrin von Richard Wagner, IOCO Kritik, 12.12.2016

Dezember 14, 2016 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto Theater / Lohengrin - Lohengrin entzieht sich der Elsa © Karl Forster

Aalto Theater / Lohengrin – Lohengrin entzieht sich der Elsa © Karl Forster

Vor Heilsbringern wird gewarnt

Entromantisierter politischer  Lohengrin  im Aalto-Musiktheater 

Von Hanns Butterhof

Im Aalto-Musiktheater nützt Regisseurin Tatjana Gürbaca Richard Wagners romantische Oper „Lohengrin“ für ein deutliches politisches Statement gegen den Populismus.

Tatjana Gürbacas „Lohengrin“-Fassung spielt in der ortlos abstrakten Bühne Marc Weegers, einer weißen, sich nach oben verengenden Treppe. Deren übergroßen Stufen dementieren grundsätzlich, dass ein  Herabsteigen aus dem  Himmlischen ins Irdische überhaupt möglich ist.

Mit feinen Hinweisen hebt Gürbaca jenseits von Wagners religiösem Hintergrund die persönlichen Motive der Protagonisten hervor. Danach war Graf Telramund (Heiko Trinsinger) in Elsa (Jessica Muirhead) verliebt, die Tochter des verstorbenen Herzogs von Brabant. Als sie ihn abwies, war Ortrud (Katrin Kapplusch) seine zweite Wahl. Aus dieser Kränkung rührt ihr eifersüchtiger Hass auf Elsa, der in die Anklage mündet, Elsa habe ihren Bruder Gottfried getötet.

Essen / Aalto_Gottfried zwischen Lohengrin und Elsa © Karl Forster

Essen / Aalto_Gottfried zwischen Lohengrin und Elsa © Karl Forster

Elsa ist eine romantische Träumerin, die sich der Anklage nicht selbst erwehren kann. Vorverurteilt und in ein weißes Laken mit der Aufschrift „Hexe“ und „Mörderin“ gehüllt naht sie nicht licht und rein, sondern wird vor das von König Heinrich (Almas Svilpa) angeordnete Gottesgericht gezerrt. Als ein Unbekannter (Daniel Johansson) erscheint und siegreich für sie kämpft, ist sie willig, fraglos an ein Wunder zu glauben. Doch aus der naiven Jungfrau wird rasch eine vollsinnige Frau, auch weil Ortrud ihr blindes Vertrauen in Lohengrin untergräbt. Als dieser in der Hochzeitsnacht nicht auf ihr offenherziges Liebesangebot eingeht und sich ihr steif entzieht, stellt sie ihm die verbotene Frage nach seinem Namen und Stand. Es ist Lohengrins praktische Liebesunfähigkeit, an der die Beziehung nicht nur zu Elsa scheitert.

Die Katastrophe betrifft auch Land und Leute von Brabant. Ihnen hatte sich Lohengrin populistisch Heil versprechend als Schützer in unruhigen Zeiten und dem König als charismatischer Heerführer gegen die Ungarn angeboten. Daraufhin waren die anfangs wehrunwilligen Brabanter erst in quasireligiöse Verzückung verfallen und dann in Bundeswehruniformen (Kostüme: Silke Willrett) freudig in Heinrichs Heer zum Krieg angetreten. Als Lohengrin Elsa verlässt, lässt er auch die Brabanter allein. Dass er den blessierten, unbeholfenen Gottfried (Aron Gergely) als Ersatz zurücklässt, macht das Zerstörerische seines Auftritts in Brabant erst perfekt. Der einfältige Wunderglaube, der das verunsicherte Volk ergriffen hat, und sein blindes Vertrauen in eine charismatische Führerfigur führen es ins Unglück.

Aalto Theater / Lohengrin - Mit Lohengrin kommen auch Schwan / Gottfried © Karl Forster

Aalto Theater / Lohengrin – Mit Lohengrin kommen auch Schwan / Gottfried © Karl Forster

Es sind starke Thesen, die Tatjana Gürbaca aufstellt und mit eindringlichen Symbolen belegt. Aber sie verbinden sich nicht unbedingt bruchlos mit Text und Geist der Oper. Beeindruckende Bilder wie die Ankunft Lohengrins, als der Schwan/Gottfried auf Händen hereingetragen wird, stehen neben rätselhaften Albernheiten wie Ortruds angespanntem Lauschen an einem Miniaturhäuschen, während im Orchester das Fragemotiv rumort. Dass Lohengrin wohl als Folge von des Grales keuschem Dienst seine Liebesunfähigkeit in Gestalt Gottfrieds/des Schwans beständig mit sich führt, überzeugt szenisch nicht.

Die antiromantische Regie findet ihre Unterstützung im Dirigat Tomáš Netopils; flüssig und ohne großes Pathos begleiten die Essener Philharmoniker sehr genau das Bühnengeschehen, ohne die ganz große silbrig blaue Lohengrinstimmung aufkommen zu lassen.

Gesanglich ist der „Lohengrin“ hinreißend. Vor allem begeistern Jessica Muirhead mit silberrein fließendem Sopran, Heiko Trinsinger, der Telramund baritonale Statur verleiht, Katrin Kapplusch mit einnehmend lebensvollem Mezzo und Daniel Johansson mit verführerisch weichem Tenor. Martijn Cornet ist ein sehr präsenter Heerrufer, während Almas Svilpa rollenbedingt etwas königliche Tiefe fehlt. Der von Jens Bingert einstudierte Chor singt differenziert und überzeugt auch szenisch.

Nach viereinhalb fesselnden Stunden, die es schwer machen, fraglos in Wagners Märchenmelodien zu schwelgen, großer Premierenbeifall für alle Beteiligten, für die Regie Tatjana Gürbacas auch deutliche Buhs.

Lohengrin von Richard Wagner, weitere Vorstellungen 22.12.2016, 28.12.2016, 11.01.2017

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

 

 

Bregenz, Bregenzer Festspiele, Turandot: Verzaubernde Phantasmagorien auf der Seebühne, IOCO Kritik, 02.08.2016

August 2, 2016 by  
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Bregenzer Festspiele / Turandot © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Turandot © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Turandot auf der Seebühne in Bregenz

Dunkle Wolken zogen über den Bodensee. Regen war angekündigt. Die Aufführung ausverkauft,  7000 Augenpaare gingen immer wieder gen Himmel. Diese Blicke müssen den Regenwolken zugesetzt haben; sie verzogen sich. Der Zauber des Sees breitete seine Flügel aus: Chinesische Romantik, die Rätsel der Turandot, ein Rausch von Klängen und Farben ergriffen das Innerste der Turandot – Besucher.

Bregenzer Festspiele / Turandot © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Turandot © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Turandocht heißt ein altes persisches Märchen. Es berichtet von der  wunderschönen, engelsgleichen Prinzessin Turandocht, die jeden Prinzen verzaubert, aber keinen Mann möchte. Giacomo Puccini (1858 – 1924) übernahm diese Handlung in seine letzte, unvollendete Oper Turandot, welche 1926 unter Arturo Toscanini in der Mailänder Scala uraufgeführt wurde.

Bregenzer Festspiele / Turandot rescheint auf Barke © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Turandot rescheint auf Barke © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Marco Auturo Marelli, Regisseur und Bühnenbildner ließ auf der Bregenzer Seebühne in riesiger Drachenform einen Teil der chinesischen Mauer entstehen: 72 Meter breit, bis zu 29 Meter hoch, 335 Tonnen schwer bricht diese Mauer zu den ersten Takten der Musik in der Mitte auf und nimmt die Zuschauer mit in das chinesische Reich der Prinzessin Turandot. Auf der Seebühne werden zahlreiche, zwei Meter grosse Tonkrieger sichtbar, der  berühmten Terrakotta Armee des ersten chinesischen Kaisers nachempfunden; 61 solcher Krieger verteilen sich auf dem Wasser vor der Bühne. Dazu faszinieren Akrobaten, Feuerkünstler, eine beleuchtete Barke für Turandot  und eine aufklappbare Drehbühne, auf der LED Masken die Gefühle der Turandot  in leuchtenden Farben  spiegeln. So machen das Seeambiente, Bühnenbild und farbenreiche Illuminationen die Turandot Aufführung auf der Seebühne Bregenz zu einem illustren Kulturereignis.

Bregenzer Festspiele / Turandot Pause mit herrlichem Seeblick © D_Zimmermann

Bregenzer Festspiele / Turandot Pause mit herrlichem Seeblick © D_Zimmermann

Im Märchen zahlt jeder gescheiterte Prinz  mit seinem Leben für sein Versagen im werben um die Prinzessin Turandot. Auch die  grausame Zahl von bereits 27 toten gescheiterten Prinzen können den allseits unbekannten Prinzen Calaf, nicht davon abhalten, Turandot zu erobern. In ihrer zentralen Arie In questa reggia (In diesem Schloß) erklärt Turandot  die Gründe ihrer Abneigung gegen Männer und Liebe, von Katrin Kapplusch souverän wie mit der gelegentlich geforderten Schärfe gesungen: Ihre Ahnin Lou Ling war von einem Mann misshandelt und getötet worden, der Schrei ihrer Ahnin umklammert noch immer das zu Eis gewordene Herz der Turandot. Arnold Rawls löst als Calaf mit sicherer, warmer Tenorstimme alle ihm gestellten Rätsel. Turandot  verfällt in nun Panik, will sich nicht in die Heirat mit Calaf fügen. Aber der heilige Schwur, den zum Mann zu nehmen, der das Unmögliche schafft, ist nicht zu brechen. Da hilft auch kein Flehen bei Altoum, Sohn des Himmels,  von Christophe Mortagne blendend dargestellt. Calaf will will Liebe der Turandot, will sie erobern und gibt nun ihr in der Form eines Rätsels die Chance sich zu befreien. „Finde meinen Namen während dieser Nacht, dafür bin ich bereit zu sterben“, so Calafs weltberühmte Arie Nessun dorma, welche  auch am Bregenzer See zu einem Höhepunkt des Abends wird: Arnold Rawls singt lyrisch timbriert in die Nacht hinein, vor der drachenförmigen chinesischen Mauer, das großartige Bühnenbild mit tiefen Farben ergreifend illuminierend.

Bregenzer Festspiele / Turandot und Feuerkünstler © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Turandot und Feuerkünstler © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Paolo Carignani lenkte vom Festspielhaus die Wiener Symphoniker ruhig doch mit großem  Forte die Massenszenen kräftig untermalend,wie mit filigran vorgetragenen Soli die Spannung auf der Seebühne hoch haltend. Szenenapplaus gab es für  Yitian Luan in der großen Partie der Sklavin Liu, die mit herrlich höhensicherer  Stimme hingebungsvoll leidend ihre Liebe zu Calaf  ihren Opfertod (Tanto amore segreto)  besingt.  Gefeiert wurde eine letztendlich glückliche Turandot, ein großes Opern-Spektakel.

Bei Licht, Feuer und Wasserfontänen dankten 7000 Besucher für das ergreifende Gesamtkunstwerk Turandot  auf der Seebühne Bregenz. IOCO / D. Zimmermann / 30.07.2016