Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere – La Vie en rose – Edith Piaf, IOCO Kritik, 13.12.2015

Januar 29, 2016 by  
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Komische Oper Berlin

Musicalabend um Édith Piaf:   La Vie en rose

Komische Oper Berlin / La Vie en rose - Katharine Mehring © Magdalena Lepka

Komische Oper Berlin / La Vie en rose – Katharine Mehring © Magdalena Lepka

  Édith Piaf  – Der Spatz von Paris

Hundert Jahre wäre sie geworden – die legendäre, 1,47 Meter kleine, französische Chanson-Sängerin Édith Piaf (1915 – 1963). Fast auf den Tag genau, präsentierte die Komische Oper Berlin am 13. Dezember die Premiere des Chansonabends zu Ehren der großen Künstlerin. (Am 19. Dezember 2015, genau an Piafs Geburtstag, konnte man den Konzertabend ein zweites Mal erleben.)

Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Édith, begann ihre sängerische Laufbahn auf den Pariser Straßen, wurde aber dann von dem Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt und als Chanteuse in sein Kabarett geholt. Der große künstlerische Durchbruch gelang ihr gegen Ende der dreißiger Jahre, dem Schallplattenaufnahmen und Auftritte in ganz Europa folgten. Das Leben von Édith Piaf, das gekennzeichnet war von Elend, Traurigkeit und vielen Schicksalsschlägen, großen Leidenschaften, aber auch von Drogen- und Alkohol Exzessen, hat sich immer in den Liedern dieser großartigen Künstlerin widergespiegelt. Sie lebte und liebte mit vollem Einsatz und ließ all das Erlebte in ihre Lieder immer einfließen. 1961 starb sie nach langer Krankheit, ist aber mit ihren Chansons und Balladen unvergesslich geblieben.

Komische Oper Berlin / La Vie en rose - Katharine Mehring © Jim Rakete

Komische Oper Berlin / La Vie en rose – Katharine Mehring © Jim Rakete

Mittelpunkt dieses besonderen Konzertabends – natürlich neben der Piaf – die erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin Katherine Mehrling, dem Publikum der Komischen Oper bestens aus ihrer bejubelten Interpretation der Daisy Darlington in der Abraham Operette Ball im Savoy bekannt, oder aus ihrer letzten Verkörperung der Eliza in dem Musical My Fair Lady. Nach ihrem Studium in Schauspiel und Musical in London und New York, folgten zahlreiche Engagements in Deutschland und der Schweiz mit Hauptrollen in verschiedenen bekannten Musicals, wie Evita, Funny Girl oder Kiss me Kate. Seitdem ist die Wahlberlinerin auch immer wieder auf Berliner Theaterbühnen zu erleben. Bereits zwei Soloprogramme hat sie dem französischen Chanson gewidmet – ein von ihr sehr geliebtes Genre neben dem Jazz.

Begleitet vom vielseitigen Orchester der Komischen Oper, unter der musikalischen Leitung des baskischen Akkordeonisten Enrique Ugarte, interpretierte sie einfühlsam und mit perfekter französischer Aussprache Piafs Welterfolge, angefangen von L’Accordeoniste über Milord und Padam bis hin zu Non, je ne regrette rien oder dem wohl bekanntesten La vie en rose, zu dem sie selbst den Text schrieb. Katherine Mehrlings Interpretation der Lieder ist, als große Bewunderin der Piaf zu der sie sich bekennt, zwar an den Ausdruck der Chanson-Legende angelehnt, hat jedoch durch ihre eigene unverkennbare, rauchige Stimme, und im Zusammenspiel mit den neuen und teilweise überraschenden Arrangements von Enrique Ugarte, einen eigenen, persönlichen Stil. Mit viel Charme führte sie das Publikum durch die wunderbaren Melodien und Texte. Nur gelegentlich merkte man ihr ihre  Ehrfurcht vor der großen Piaf an, die sie etwas zu bescheiden, ja sogar fast etwas eingeschüchtert wirken lies.

Nicht desto trotz begeisterte sie das Publikum und wurde mit herzlichem Applaus belohnt. Ein ganz besonderer Genuss war auch das hervorragende, ausdruckstarke und beseelte Akkordeon Spiel von Enrique Ugarte.  Ein gelungener musikalischer Abend in Erinnerung an die  Künstlerin mit großer Seele, Édith Piaf.

IOCO / G.G. / 13.12.2015

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Berlin, Komische Oper Berlin, BALL IM SAVOY – Eine Operette kehrt zurück, IOCO Kritik, 09.06.2013

Juni 17, 2013 by  
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Kritik

Komische Oper Berlin 

Komische Oper Berlin © IOCO

Komische Oper Berlin © IOCO

BALL IM SAVOY – Eine Operette kehrt zurück 

Mit großem Publikumserfolg fand am 09.06.2013 die Premiere der Operette „Ball im Savoy“ von dem ungarisch-jüdischen Komponisten Paul Abraham („Viktoria und ihr Husar“ und „ Blume von Hawaii“) in der Regie von Barrie Kosky und unter dem Dirigat von Adam Benzwi statt. 

1932 in Berlin umjubelt uraufgeführt, stellte diese Revueoperette damals etwas Neues dar, da sie sich musikalisch durch die Mischung aus Berliner Jazzrhythmen, ungarischer Zigeunermusik und jüdischer Klänge, von der bis dahin bestehenden Wiener oder der Pariser Operette à la Offenbach absetzte.

Gespickt mit viel Wortwitz, frivoler Doppeldeutigkeit und wildem Tanz, ist sie Sinnbild für die zügellose Lebenslust und kulturelle Vielfalt der Berliner goldenen zwanziger Jahre. Eine Vielfalt und Lebenslust, der jedoch bereits kurz nach der Premiere, durch die Machtübernahme Hitlers und der Nationalsozialisten, ein Ende gesetzt werden sollte. Die meisten Werke jüdischer Autoren bekamen Aufführungsverbot, und durch die sich immer mehr ausbreitende antisemitische Hetzte mussten zahlreiche jüdische Künstler ins Ausland fliehen. So verließ auch Paul Abraham, einst gefragter, erfolgreicher und von der Berliner Gesellschaft umworbener Komponist, Deutschland und nach zahlreichen und wenig erfolgreichen Etappen in Budapest, Wien und Paris ging er nach Kuba und anschließend nach New York, wo er als gebrochener und verwirrter Mann schließlich in Vergessenheit geriet.

Nun hat Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper Berlin, die spritzige Operette des Komponisten „Ball im Savoy“, passend zum Berliner Themenjahr „zerstörte Vielfalt“, nach 80 Jahren wieder an seinen Entstehungsort Berlin zurückgebracht.

Mit viel Hingabe und Leidenschaft hat Kosky hier in seiner schillernden Inszenierung gekonnt das besondere Flair der Berliner 20er Jahre auf die Bühne gebracht. Gleich zu Beginn originelle und witzige Schattenspiel-Projektionen (Video: Klaus Grünberg und Anne Kuhn). Das Bühnenbild von Klaus Grünberg, von eher schlichter, jedoch kluger Ästhetik, ergibt zusammen mit den glitzernden Revue-Kostümen von Esther Bialas eine schöne und stimmige Szenerie.

Durch die richtige Mischung an Ironie, Erotik und abwechslungsreicher Tanz- und Steppeinlagen (Choreographie von Otto Pichler) ist hier, trotz der zwar witzigen jedoch nicht sonderbar originellen Handlung, eine heitere und sehr unterhaltsame Inszenierung gelungen.

Glanzvoll spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin unter der bravourösen musikalischen Leitung des amerikanischen, seit Jahren in Berlin ansässigen  Pianisten und Dirigenten Adam Benzwi.

Gestalterisch und sängerisch überzeugen Dagmar Manzel und der frisch ernannte Kammersänger Christoph Späth als Ehepaar Faublas.

Köstlich auch die Interpretation von Helmut Baumann (Tänzer, Choreograf, Schauspieler und Musicalregisseur) als türkischer Botschafter Mustafa Bey.

Als Star des Abends erwies sich die Schauspielerin und Sängerin Katharine Mehrling, bekannt aus der Musical- und Kleinkunstszene, als Jazzkomponistin Daisy Darlington. Hervorragend gesanglich wie darstellerisch und von bezaubernder Bühnenpräsenz. Großartig verkörperte die polnische Mezzosopranistin Agnes Zwierko die argentinische Tänzerin Tangolina, in dieser Produktion als polnische (Drag Queen)Tango-Diva angelegt. Gesanglich zwar etwas flackernd in der Höhe aber beeindruckend in ihrem tiefen Register.

Bestens besetzt auch die weiteren Rollen: Peter Renz als Kammerdiener Archibald und als Ober im „Savoy“, Pomerol; Christiane Oertel als Zofe Bébé; Frank Baer als Monsieur Albert, Matthias Spenke als Réné und das Lindenquintett Berlin als Die Savoy Boys.

Mit viel Beifall für alle Mitwirkenden und dem zum Abschluss noch in Andacht an den Komponisten im Chor sanft eingestimmten Lied „Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände“ (aus seiner Operette „Viktoria und ihr Husar“), endet ein zauberhafter Abend und ein erfolgreiches Comeback.

Unter dem freudig applaudierendem Publikum zahlreiche prominente Gäste der Theater- und Musikszene, u.a. Helen Schneider, Gitte Haenning, Gayle Tufts, Thomas Hermann, Ulrike Folkerts und Irm Hermann.

IOCO / G.G. / 09.06.2013

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