Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Hänsel und Gretel – Engelbert Humperdinck, IOCO Kritik, 15.01.2019

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Hänsel und Gretel –  Engelbert Humperdinck

– Mit Lebkuchen und Kleinbären gegen das System –

Von Julian Führer

Hänsel und Gretel ist eigentlich weder eine Weihnachts- noch eine Kinderoper, doch ist das Stück durch die Rezeption dazu gemacht worden. Bereits die Uraufführung fand an einem 23. Dezember statt (1893 in Weimar unter keinem Geringeren als Richard Strauss), und in der Folge schaute das Publikum oft mehr auf die Lebkuchen als auf das Libretto. Das, was in polemischen Diskussionen eine „werktreue“ Inszenierung genannt wird, müsste das Stück im Juni spielen lassen, wenn die Erdbeeren reif sind und eine Übernachtung im Wald unter freiem Himmel die Kinder nicht erfrieren lassen würde wie im Winter.

Hänsel und Gretel   –  Engelbert Humperdinck
Youtube Trailer der Staatsoper Unter den Linden
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Soll man diese Oper nun als naives Märchen erzählen, als Stück über Gewalt im Elternhaus, über sexuellen Missbrauch? Welche Rolle wird der Knusperhexe zugewiesen: eine reale Bedrohung, eine Knallcharge oder doch das alter Ego der überforderten Mutter? Welche Rolle spielt der Wald? Wenn Achim Freyer inszeniert, ist klar, dass das Publikum nicht einfach Lebkuchen sehen wird. Freyer hat bereits zahlreiche Opern inszeniert (von Orfeo ed Euridice 1982 in Berlin über den Ring des Nibelungen in Los Angeles und Mannheim bis zu Schönbergs Moses und Aaron in Zürich). In seiner Interpretation von Hänsel und Gretel bleibt er sich über weite Strecken treu, indem er auf ein Zusammenspiel plakativer Farben und eine Puppentheaterästhetik setzt.

Die neueröffnete Staatsoper Unter den Linden in Berlin wurde im Zuschauerraum leicht verändert, so dass nicht alle Schwierigkeiten der auf vielen Plätzen problematischen Akustik gelöst wurden, aber doch mit einigen Anpassungen zumindest abgefedert werden konnten. Die Staatskapelle sitzt tief im Orchestergraben. Die Spielfläche ist um eine verbreiterte Balustrade vor dem Orchestergraben erweitert.

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel - hier : Hänsel und Gretel © Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel – hier : Hänsel und Gretel © Monika Rittershaus

Zu den ersten Takten des Abendsegen auf der Bühne
Mäuse, Katzen jagen sich; Hänsel und Gretel erscheinen als Kunstfiguren

Die musikalische Leitung lag für diese Aufführungsserie bei Christopher Moulds, eigentlich einem Spezialisten für Barockmusik. Moulds wählte ein grundsätzlich eher zügiges Tempo, verzichtete auf Rubati und markante Tempowechsel und verfiel auch bei der Dynamik nicht in Extreme. Bei den ersten Takten, dem berühmten „Abendsegen“ (zu Beginn in C-Dur), wird es auf der Bühne bereits unruhig: ferngesteuerte Mäuse fangen an zu kreisen, eine überdimensionierte Kreuzspinne wird aus dem Schnürboden herabgelassen. Für die Kinder und ihre Eltern im Publikum gab es also viel zu sehen – und viele Gründe, der Musik keine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Eine überlebensgroße Katze macht sich auf die Jagd nach den Mäusen und spielt dann doch mit einem Wollknäuel. Dies alles ist unterhaltsam und ohne Zweifel hübsch anzusehen. Währenddessen gibt es kleinere Abstimmungsprobleme im Orchestergraben. Doch was tut sich weiter auf der Bühne?

Hänsel (Katrin Wundsam) und Gretel (Adriane Queiroz), Foto oben, kommen als Marionettenfiguren auf die Bühne: Sie haben überdimensionierte Kinderköpfe mit Klapperaugen. Für die Stimmen und die Personenführung ist diese ästhetische Entscheidung tückisch, werden die Stimmen doch erheblich gedämpft. An manchen Stellen der Bühne kommt ein starker Nachhall dazu, der vielleicht den weiterhin nicht einfachen akustischen Verhältnissen geschuldet ist. Natürlich sind die beiden Hauptpersonen in ihrem Spiel über Rudern der Arme hinaus eingeengt, und der wohl durch die Riesenköpfe manchmal unmögliche Blickkontakt führt zu bedrohlichen Koordinationsproblemen beim Gesang (etwa bei den ineinandergreifenden Sechzehnteln von „packe dich, trolle dich, schäbiger Wicht“, dem Ende von „Griesgram hinaus“).

Marina Prudenskaya, die die Mutter im Dezember mehrfach auch in Zürich sang, und Vater Peter (Arttu Kataja) tragen Kostüme, die ihre Köpfe hingegen besonders klein erscheinen lassen. Die nicht einfache Partie der Mutter im ersten Bild enthält viele Sprünge, zwischendurch Passagen fast im Parlando, dann aber Spitzentöne wie bei Wagner mit einem am Ende fast brünnhildenhaften hohen h („dann hau ich euch, dass ihr fliegt an die Wand!“). Die Sängerin hatte punktuell mit den Registerwechseln zu kämpfen, szenisch ließ die Inszenierung ihr nicht die Möglichkeit, ihrer Figur eine tiefergehende Charakteristik zu verleihen.

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel - hier : Mutter und Vater Besenbinder © Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel – hier : Mutter und Vater Besenbinder © Monika Rittershaus

1997 zeichnete Andreas Homoki an der Deutschen Oper Berlin (die Inszenierung wurde noch 2016 gezeigt) die Mutter voller Mitgefühl als liebende, doch heillos überforderte Figur. Vor gerade einmal zwei Monaten brachte Robert Carsen in Zürich das Stück als beißende Konsumkritik mit der Mutter als dem Alkohol verfallener Prostituierten im Minirock auf die Bühne. Hier an der Staatsoper gehen die Kostüme (ebenfalls von Achim Freyer) zu Lasten einer genauen Charakteristik der Figuren. In der Oper geht ein mit wertvoller Milch gefüllter Topf zu Bruch. Hier ist der Topf überdimensioniert und sieht wie vieles andere aus wie aus Disneys Die Schöne und das Biest. Der Riesentopf verzieht sich einfach nach hinten, es ist nicht nachvollziehbar, wo hier für die Mutter die Katastrophe liegt, und natürlich zerspringt der Topf in der Musik sehr deutlich und sehr schnell, er geht nicht langsam nach hinten ab…

Der Vater, halb Clown, halb Zirkusdirektor, singt erst aus dem rechten Parkettfoyer und wirkt gar nicht so angeschlagen wie bei Humperdinck, der das Stolpern und Lallen des tatsächlich sturzbetrunken nach Hause torkelnden Vaters deutlich komponiert hat. Die an diesem Abend viel beschäftigte Statisterie der Staatsoper steuerte neben vielen anderen mal märchenhaften, mal grotesken Figuren auch eine übergroße Gestalt mit Kochlöffel und großem Loch im Bauch bei – hier endlich mit einem Bezug zu Musik und Text („in dem Beutel ein großes Loch, und im Magen ein größ’res noch. Rallalala, rallalala, Hunger ist der beste Koch!“). Das Orchester hatte inzwischen auch zu einem warmen, satten Klang der tiefen Streicher gefunden, Fagotte und Klarinetten harmonierten, die Flöten waren eine Spur zu laut, doch war die Erzählung „eine Hex‘, steinalt“, von Arttu Kataja auch mit dramatischem Impetus vorgetragen, ein Höhepunkt des ersten Teils.

Im zweiten Bild („Im Walde“) hat sich die Bühne nicht groß verändert. Der Zwiegesang mit dem Kuckuck wird durch geräuschvoll hochgezogene zahlreiche Vogelköpfe am Rand des Bühnenkastens, die die Kinder gleichzeitig überwachen, anschaulich gemacht. Was den Wald ausmacht, ob er etwas Bergendes oder etwas Bedrohliches in sich hat, bleibt in dieser Inszenierung hingegen offen. Die in Musik und Text gerade bei Gretel, aber auch bei Hänsel überhand nehmende Angst war in Freiburg von Thalia Schuster in zwingend-beklemmende und gleichzeitig poetische Bilder gefasst worden; in Berlin bleibt eigentlich alles, auch das Licht, wie zu Beginn. Musikalisch hingegen schön und ergreifend war der Sandmann von Antje Bornemeier in einem Kostüm, das Anklänge an das Spitzbart-Sandmännchen des DDR-Fernsehens (das auch Bestandteil der Vorgängerinszenierung war) hatte. Diese Szene wurde vom Orchester klangvoll und präzise begleitet. Der folgende gesungene „Abendsegen“ (jetzt in D) litt unter Abstimmungsschwierigkeiten der Sängerinnen, besonders vor dem pianissimo „zwei zu meiner Linken“. Die Pantomime knüpfte szenisch dann an das Vorspiel an und verlief im Sande, sie erzählt keine Geschichte, sondern assoziiert frei, während die Musik im Hintergrund verläuft: Misstrauen gegenüber der Musik oder gegenüber der Konzentrationsspanne der jüngeren Besucher? Von links bewegt sich ein großer Frosch auf die Bühne, von hinten rechts kommt ein kleiner Bär mit Flügeln auf einem Dreirad hereingefahren, es ist viel Bewegung auf der Bühne, die jedoch aus der Musik nicht motiviert ist, in ihrer dramaturgischen Aussage unklar bleibt und kalt lässt. Der leuchtende, perfekt ausbalancierte und lang ausgehaltene Schlussakkord nach dem zweiten Bild entschädigte jedoch für manche Unstimmigkeit.

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel - hier : Katrin Wundsam als Hänsel, Juergen Sacher als Knusperhexe, Elsa Dresig als Gretel © Monika Rittershaus

Staatsoper Unter den Linden / Hänsel und Gretel – hier : Katrin Wundsam als Hänsel, Juergen Sacher als Knusperhexe, Elsa Dresig als Gretel © Monika Rittershaus

Wann kommt denn nun die Knusperhexe?“, fragte einst der Rezensent seine Mutter, als es ihm bei seiner zweiten Aufführung von Hänsel und Gretel kurz einmal langweilig wurde (damals eine Inszenierung von Filippo Sanjust an der Deutschen Oper Berlin mit einer hinreißenden Hexe, die die Kinder mit einem Riesenlolli in ihr Haus locken wollte…). Natürlich ist auch heute der Auftritt der Knusperhexe für viele der Höhepunkt des Abends. Zunächst weckt das Taumännchen (hier besser Giesskannenmännchen) die Kinder. Sarah Aristidiou singt die kurze Partie mustergültig. Hänsel und Gretel rekapitulieren kurz den gemeinsamen Traum von den 14 Engeln (oder eben radfahrenden Kleinbären), bevor es dann ernst wird: „Knusper knusper knäuschen, wer knuspert mir am Häuschen“? Während Hänsel und Gretel immer noch in ihren den Klang dämpfenden Riesenköpfen stecken, wird die Knusperhexe von hinten elektronisch verstärkt – mit dramatischen Folgen für die Klangbalance im Zuschauerraum.

Die Statisterie verkörpert inzwischen bedrohliche Wesen mit glühenden Augen, am hinteren Bühnenrand sieht man diverse Reklamen, und dann kommt die Knusperhexe: zwei Lippen aus Wurst, eine Tasse auf dem Kopf, Augen aus Bonbons. In diesem Kostüm steckte an diesem Abend Jürgen Sacher, ein dunkel timbrierter Tenor mit durchschlagender Spielfreude (sofern es das Kostüm zuließ) und großer Textverständlichkeit, den man gerne einmal als Mime hören würde. Hinreißend das buchstäblich geblökte in die Länge gezogene b bei „fügsam und geduldig wie ein Schaaaf“! Zwei von der Statisterie bewegte Riesenhände fangen die Kinder ein, das hat tatsächlich etwas Magisches. Doch wer ist diese Knusperhexe, und was will sie? Diese Frage bleibt unbeantwortet. Das groteske Äußere wie aus einem Comic von Edika führt jedenfalls nicht dazu, dass man vor dieser Gestalt Angst haben muss, was sich auch beim musikalisch wilden Besenritt „hurr-hopp hopphopp“ zeigt, der selbst zur komponierten Applauspause das Publikum unbeeindruckt lässt. Mit dieser nachhaltig eingeschränkten Bewegungsfreiheit aufgrund des Kostüms ist die Hexe auch nicht weiter schwierig zu beseitigen – allerdings wird sie schlicht von den Kindern hinter den hinteren Vorhang geleitet, auf den diffus eine Art Ofen projiziert zu werden scheint, und das war es dann. Wie im ersten Bild beim Topf verhindern die ins Riesenhafte vergrößerten Requisiten und Kostüme ein präzises und wirkungsvolles Agieren auf der Bühne. Das Ende ist fröhlich, die Riesenspinne hat jetzt ein großes Laken „Revolutio“ dabei (das N wird auf der Bühne nachgereicht), aber worin besteht die Revolution? Wogegen haben Hänsel und Gretel sich eigentlich aufgelehnt? Gegen die Eltern nicht (anders als bei Katharina Thalbach an der Dresdener Semperoper). Steht die Knusperhexe etwa für das Schweinesystem?

Vieles an dieser Inszenierung hätte auch ohne das Libretto funktioniert. Drehende Spiegelwände sorgen auf die Auftritte und Abgänge der Fabelwesen und Tiere, blenden bei der Bewegung aber auch und geben den Blick auf Technik und Abendspielleitung frei. Wird uns hier absichtlich gezeigt, dass alles nur Theater ist? Achim Freyers Bilderwelten bieten sich für eine Auseinandersetzung mit Hänsel und Gretel ohne Zweifel an, doch bleibt an diesem Abend vieles im Ungefähren, mitunter im Beliebigen.

Dort, wo Präzision tatsächlich unabdingbar ist, im Orchester, tat sich an diesem Abend einiges. Immer wieder gab es Probleme in der Koordination, und auch wenn ein einzelner verpasster Einsatz oder eine falsche Note nicht der Erwähnung wert sein sollte, ist doch in der Summe viel ‚passiert‘: angefangen vom abgerutschten Ton zum ersten Einsatz der Trompete beim musikalischen Auftritt der Hexe während des Vorspiels über den verpassten Einsatz der Oboe zu Gretels „Hokus pokus Holderbusch“ und die Abstimmungsschwierigkeiten zwischen Graben und Bühne (sicher wegen der Riesenköpfe, zumal wenn Hänsel und Gretel auf dem Laufsteg stehen und den Dirigenten im Rücken haben). Einen rabenschwarzen Tag hatte mindestens ein Horn erwischt, immer wieder war die Intonation unsauber, oder der Ton rutschte ab. Das Holz und die tiefen Streicher boten hingegen eine Ahnung des Wohlklangs, für den die Staatskapelle sonst gerühmt wird.

Die Qualität eines Hauses bemisst sich nicht nur, aber auch an glanzvollen Premieren. Das tatsächliche Niveau erweist sich aber im täglichen Repertoirebetrieb. Die Nagelprobe ist vielleicht eine Vorstellung von Hänsel und Gretel zur Weihnachtszeit, Beginn um 18 Uhr. Hänsel und Gretel wird seit genau 125 Jahren als Weihnachts- und Kinderoper wahrgenommen und mit dieser Erwartungshaltung besucht. Auch am besprochenen Abend waren viele Kinder im Publikum, von denen einige allerdings das Haus bereits zur Pause wieder verließen. Man möchte ihnen wünschen, dass es nicht ihre letzte Oper war.

Hänsel und Gretel in der Staatsoper Unter den Linden: In der Spielzeit 2018/19 sind keine weiteren Vorstellungen vorgesehen.

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Chemnitz, Theater Chemnitz, My Fair Lady – Open Air auf dem Theaterplatz , 23.06.2017

Mai 26, 2017 by  
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Theater Chemnitz

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Theater Chemnitz © Dieter Wuschanski

Auf dem Theaterplatz –  My Fair Lady

Musical nach Bernard Shaws Pygmalion und dem Film von Gabriel Pascal, Buch von Alan Jay Lerner, Musik von Frederick Loewe, Deutsch von Robert Gilbert

Premiere: 23. Juni 2017, 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: 24. Juni, 19.30 Uhr / 25. Juni, 17.00 Uhr / 29. Juni, 19.30 Uhr / 30. Juni, 19.30 Uhr / 1. Juli / 19.30 Uhr / 2. Juli, 17.00 Uhr

Theater Chemnitz / My Fair Lady © Theater Chemnitz

Theater Chemnitz / My Fair Lady © Theater Chemnitz

Die Theater Chemnitz setzen Eliza an die Luft – natürlich nur im übertragenen Sinne. Ab dem 23. Juni wird in sieben Vorstellungen mit My Fair Lady eines der populärsten Musicals aller Zeiten als großes Open-Air-Event auf dem Theaterplatz zu sehen sein. Dabei werden die altehrwürdigen Gebäude fast von selbst zur imposanten Kulisse für die unterhaltsame Geschichte um das Blumenmädchen Eliza Doolittle. In der Inszenierung von Musicalspezialist Erik Petersen sind beliebte Solisten der Chemnitzer Oper wie Katharina Boschmann und Franziska Krötenheerdt als Eliza, Matthias Winter als Professor Higgins, Sylvia Schramm-Heilfort als Mrs. Pearce sowie Andreas Kindschuh als Oberst Pickering zu erleben. Die bekannte Schauspielerin und Chansonnière Dorit Gäbler, die als Elevin im hiesigen Opernhaus die Eliza spielte und seit vielen Jahren als gefragte Entertainerin sowie Sängerin mit eigener Band in ganz Deutschland gastiert, kehrt nun als Mrs. Higgins nach Chemnitz zurück. In der Paraderolle des Alfred Doolittle stellt sich Nik Breidenbach erstmalig den Chemnitzer Musical-Fans vor. Er begann seine Karriere bei Produktionen wie „Elisabeth“ und „Tanz der Vampire“, gehörte zwischen 2007 und 2009 zur Besetzung der erfolgreichen Fernsehserie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und steht derzeit vor allem in Hamburg auf der Bühne.

Die Geschichte Eliza Doolittle, ein Blumenmädchen mit Herz und Verstand, fällt dem Sprachforscher Henry Higgins durch ihren ordinären Dialekt auf. Er schließt mit seinem Freund Oberst Pickering eine Wette ab, in der es darum geht, binnen weniger Wochen aus der, wie Higgins sagt, „Rinnsteinpflanze“ Eliza eine Grande Dame werden zu lassen. Womit Higgins allerdings nicht gerechnet hat, ist, dass neben dem „dienstlichen“ Verhältnis zu Eliza plötzlich auch die Liebe eine große Rolle spielt.

Der Urheber der Geschichte Die Geschichte, die die beiden Musical-Autoren Alan Jay Lerner und Frederick Loewe für ihr Musical My Fair Lady benutzten, beruht auf dem Schauspiel Pygmalion des Iren George Bernard Shaw. Geboren 1856 in Dublin, wuchs er in einem Elternhaus auf, in dem der Vater trank und sich die Mutter mehr der Musik als ihren Kindern widmete. Mit kindlichem Spürsinn gewann der Junge dieser häuslichen Situation trotz allem Wesentliches für seine eigene Entwicklung ab: Vom Vater schaute er sich den skurrilen Sinn für Komik ab, von der Mutter die Liebe zur Musik. Mit 18 Jahren übersiedelte Shaw nach London, um Maler oder Opernsänger oder am liebsten beides zu werden. Viel Schulwissen besaß er nicht, konnte dafür aber die Hauptwerke von Händel, Haydn, Mozart, Beethoven und Rossini, Bellini, Donizetti und Verdi auswendig. Um seine Bildung zu vervollkommnen, las er täglich im Lesesaal des Britischen Museums abwechselnd Wagners „Tristan“-Partitur und Gabriel Devilles Abriss des „Kapitals“. Er wurde vor allem als Musikkritiker berühmt und schrieb unter dem Pseudonym Corno di Bassetto Rezensionen, die sich durch ihren saloppen Stil vom Üblichen unterschieden. Ein ganzer Teil seiner Schriften war den Werken Richard Wagners gewidmet, dessen Kompositionen er schätzte, im Gegensatz zum Großteil des Londoner Publikums. Sein eigentliches Bestreben galt aber dem Schreiben eigener Theaterstücke. Pygmalion wurde 1914 in London uraufgeführt. George Bernard Shaw war ein Mann, der sich seiner Wirkung auf Frauen durchaus bewusst war. Zwar heiratete er 42jährig, allerdings hinderte ihn das nicht daran, sich mehrfach und heftig in andere Frauen zu verlieben. Die damals berühmte Schauspielerin Stella Patrick Campbell inspirierte ihn zu seiner Eliza in Pygmalion und spielte diese auch (47jährig!) in der Uraufführung.

Musikalische Leitung: Jakob Brenner, Inszenierung: Erik Petersen, Choreografie: Sabine Arthold, Bühne: Sam Madwar, Kostüme: Lukas Waßmann

Mit: Katharina Boschmann / Franziska Krötenheerdt (Eliza Doolittle), Matthias Winter (Henry Higgins), Andreas Kindschuh (Oberst Pickering), Nik Breidenbach (Alfred P. Doolittle), Dorit Gäbler (Mrs. Higgins), Sylvia Schramm-Heilfort (Mrs. Pearce), Hubert Walawski (Freddy Eynsford-Hill), André Riemer (Harry), Thomas Mäthger (Jamie), Monika Straube (Lady Boxington / Mrs. Hopkins), Jürgen Mutze (Lord Boxington);
Opernchor und Ballett Chemnitz; Robert-Schumann-Philharmonie
Open-Air-Event auf dem Theaterplatz mit prominenten Gästen


Das Musical

Alan Jay Lerner und Frederick Loewe lernten sich 1942 in New York kennen. Der Komponist Loewe sprach den um vierzehn Jahre jüngeren Textdichter Lerner in einem Künstlerklub an und schlug ihm vor, zusammen ein Musical zu schreiben. Im Unterschied zu Loewe, der bereits auf ein Leben voller Höhepunkte und Enttäuschungen zurückblicken konnte, hatte Alan Jay Lerner noch nicht besonders viel geleistet und betrachtete aufgrund seiner gut situierten Familie die Welt grundsätzlich aus der Perspektive der oberen Zehntausend.

Frederick Loewe dagegen kannte sie aus allen Blickwinkeln. Als Sohn eines Wiener Operettentenors wurde er zehnjährig in Berlin Schüler Eugen d’Alberts und studierte bei Ferruccio Busoni. 1924 folgte er seinem Vater auf eine Amerikatournee und beschloss, in den Vereinigten Staaten zu bleiben. Doch sein in Berlin erfolgreicher Schlager-Stil war nichts für Amerika. Der Durchbruch kam erst, als er sich mit Lerner aufmachte, Shaws „Pygmalion“ zu vertonen. Dabei hatte es Shaw zu Lebzeiten mehrfach abgelehnt, sein Stück auf der Musik-Bühne zu sehen. Erst nach seinem Tod gelang es dem amerikanischen Produzenten Gabriel Pascal bei Shaws Erben die gewünschte Genehmigung zu erhalten und das Team Lerner/Loewe für die Realisierung zu verpflichten. Die Uraufführung am 15. März 1956 im Mark-Hellinger-Theatre am Broadway in New York wurde ein großer Erfolg, auf über 2700 Vorstellungen brachte es die „Lady“ allein an diesem Haus. Die hinreißenden Dialoge und Evergreens wie „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“ und „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“ oder „Hei, heute Morgen mach’ ich Hochzeit“ sind der Grund, warum „My Fair Lady“ zu den erfolgreichsten Musicals der Welt gehört.

My Fair Lady“ in Chemnitz Auch das Chemnitzer Publikum liebt „My Fair Lady“. Erstmalig stand das Werk hier ab 1967 auf dem Spielplan. Als Eliza debütierte Dorit Gäbler, die damals als Elevin zum Schauspielensemble gehörte und nun, 50 Jahre später, als Mrs. Higgins auf die Chemnitzer Bretter zurückkehrt. Ab 1991 war „My Fair Lady“ fast ununterbrochen in zwei Inszenierungen von Michael Heinicke zu erleben. Viele Jahre davon spielte Sylvia Schramm-Heilfort die Berliner Göre, bevor sie nun als Mrs. Pearce ihre Eliza-Erfahrungen in eine neue Rolle einbringt. So stehen am Ende mit den beiden aktuellen Elizas drei Generationen dieser Rolle auf der Bühne.

Mit der Neuproduktion dieses Musical-Klassikers möchte die Oper Chemnitz eine Musical-Open-Air-Tradition begründen; so wird im Sommer 2018 das Musical „Hair“ folgen. Für „My Fair Lady“ konnte mit dem Team um den jungen Regisseur Erik Petersen ein Team verpflichtet werden, das sich dem Klassiker mit frischem Schwung nähert und bewusst die ideale Lage des Spielortes vor dem Opernhaus benutzt. Wo sonst könnte man zum Beispiel den Stückbeginn so authentisch zeigen: Eliza wartet auf die Besucher einer Opernvorstellung, um ihnen auf dem Nachhauseweg Veilchensträuße zu verkaufen. Oder die Petrikirche nebenan: Doolittles Unbehagen vor dem Kirchgang zu seiner Hochzeit erhält in „Hey, heute Morgen mach‘ ich Hochzeit“ spielerische Nähe. Ein spektakulär verwandelbares Bühnenbild sorgt für die verschiedenen Spielräume und gibt wahlweise den Blick auf das imposante Chemnitzer Opernhaus frei.

Gastronomie Das Sommer-Open-Air bietet nicht nur musikalische, sondern auch kulinarische Köstlichkeiten – eine eigene Theaterplatz-Gastronomie wird das Publikum mit sommerlich kühlen Getränken und pikanten Häppchen verwöhnen. Zum Genießen und Verweilen vor und nach der Vorstellung laden außerdem die Terrasse des benachbarten Opera Restaurants des Chemnitzer Hofes, das Scala Restaurant des Hotels an der Oper und das Restaurant Heck-Art ein. Egal wo, für das leibliche Wohl ist in jedem Fall bestens gesorgt.


Das Inszenierungsteam
Jakob Brenner (Musikalische Leitung) geboren in Regensburg, studierte an der Hochschule für Musik und Theater München. Seine musikalische Bandbreite hat er in zahlreichen Kursen erweitert. Von 2013 bis 2016 war er Musikalischer Leiter am Theater der Altmark in Stendal mit Dirigaten in Operette und Musical. Zudem begleitete er Liederabende und komponierte Schauspielmusiken. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist er als Repetitor mit Dirigierverpflichtung / Piano Conductor an der Oper Chemnitz engagiert, wo er bisher u. a. „Flashdance – Das Musical“ und „Das scharlachrote Siegel“ leitete.

Erik Petersen (Inszenierung) sammelte Theater- und Regieerfahrungen u. a. als Regieassistent und Abendspielleiter bei den Bad Hersfelder Festspielen und an der Oper Dortmund, wo er mit Regisseuren wie Matthias Davids, Stefan Huber, Jens-Daniel Herzog, Mariame Clement und Gil Mehmert zusammengearbeitet hat. Bei den Magdeburger Domfestspielen 2013 war er als Co-Regisseur für „Les Misérables“ engagiert, bei den Bad Hersfelder Festspielen 2015 in gleicher Funktion bei „Cabaret“. Darüber hinaus ist es Erik Petersen in den vergangenen drei Jahren gelungen, mit eigenen Inszenierungen auf sich aufmerksam machen: Für die Oper Dortmund inszenierte er „La Cenerentola“ sowie „Hänsel und Gretel“, für das Staatstheater Oldenburg „Evita“, für die Oper Bonn „Der kleine Horrorladen“ und für das Theater Magdeburg „Crazy for You“. Im Sommer 2016 hat er für das DomplatzOpenAir des Theaters Magdeburg das Musical „Hair“ inszeniert.

Sabine Arthold (Choreografie)geboren in Wien, studierte Tanz in Wien, London und New York und absolvierte ihre Ausbildung zur Musicaldarstellerin am Performing Center Austria in Wien. Es folgte eine künstlerische Karriere im tänzerischen und gesanglichen Bereich im In- und Ausland. An der Wiener Performing Academy ist sie seit einigen Jahren erfolgreich als Choreografin, Dozentin und Künstlerische Leiterin tätig. Als Choreografin zeichnete sie sowohl für zahlreiche Shows und Events als auch für erfolgreiche Produktionen verantwortlich. Am Staatstheater Darmstadt übernahm sie 2016 die Choreografie für „Evita“. Im Sommer 2017 erarbeitet sie die Choreografie für „Zorro“ (Musicalsommer Winzendorf).

Sam Madwar (Bühnenbild) ist Darsteller, Autor, Regisseur, Übersetzer, Licht- und Projektionsdesigner, hauptsächlich aber Bühnenbildner, bevorzugt für Musiktheater. Er schuf an der Wiener Volksoper überaus erfolgreich die Ausstattungen für „Frau Luna“, „Guys and Dolls“, „Hello, Dolly!“ und zuletzt für „Axel an der Himmelstür“. Mehrfach war er an der Bühne Baden zu Gast, außerdem u. a. am Theater der Jugend Wien, am Hamburger Schmidt Theater sowie am Berliner Theater am Kurfürstendamm. Sein Fantasy-Bühnenbild für das Musical „Die 13 1/2 Leben des Käpt‘n Blaubär“, 2006 in Köln uraufgeführt, war auf großer Tour durch Deutschland. Das Bühnenbild für „Shrek“ ging nach der Premiere in Düsseldorf auf Tournee durch die Schweiz und nach Wien, derzeit ist eine neue „Shrek“-Produktion in seiner Ausstattung auf Welttournee. Weitere Arbeiten in Österreich führten ihn ans Stadttheater Klagenfurt, an die Stadthalle Wien, zum Musicalfestival Graz, an die Kammerspiele Wien, das Stadttheater Mödling/Scala Wien sowie zum Theatersommer Haag, zu den Wachaufestspiele Weißenkirchen u.v.m.

Lukas Waßmann (Kostüme) studierte Kostümbild an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Hamburg. Ein Auslandssemester absolvierte er an der California State University in Long Beach, Kalifornien. Zu seinen Projekten zählen neben zahlreichen Kurzfilmen und Opernassistenzen Produktionen im Schauspiel und im Musiktheater, u. a. „Romeo und Julia“, „Glaube Liebe Hoffnung“ von Gunnur Schlüter, aber auch „Die Suche nach dem blauen Klang“ von Aileen Schneider, mit der er beim Projekt „Chopin im Spiegel“ das Masefield Stipendium gewann. Außerdem hat er für das Musik- und Tanzprojekt „Amazonia“ der Philharmonie Luxembourg das Kostüm- und Bühnenbild entworfen. Dem Kostüm- und Bühnenbildner Reinhard von der Thannen assistierte Lukas Waßmann 2014 an der Oper Zürich bei der Uraufführung „Rote Laterne“ und 2016 bei den Salzburger Festspielen für die Oper „Faust“.


In den Hauptrollen (Auswahl)

Katharina Boschmann (Eliza) studierte Gesang an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar. Von 2013 bis zum Sommer 2016 war sie am Theater Nordhausen engagiert und konnte sich bereits ein breitgefächertes Repertoire in Oper, Operette und Musical erarbeiten. Sie war Gast am Deutschen Nationaltheater Weimar, bei den Schlossfestspielen Sondershausen und am Goethe-Theater Bad Lauchstädt, wo sie als Anna in Scarlattis „Didone Delirante“ debütierte und an der Ersteinspielung dieser Oper gemeinsam mit dem Bayerischen Rundfunk beteiligt war. Seit Beginn der Spielzeit 2016/2017 gehört sie zum Solistenensemble der Oper Chemnitz und ist u. a. als Juliette Vermont in Franz Lehárs „Der Graf von Luxemburg“, als Almirena in Händels „Rinaldo“ sowie als Sand- und Taumännchen in „Hänsel und Gretel“ zu erleben.

Franziska Krötenheerdt (Eliza) studierte ebenfalls Gesang an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ Weimar. 2010 erhielt sie ein Engagement am Theater Erfurt und sang u. a. Adele in einer Inszenierung von Katharina Thalbach, eine Zusammenarbeit, die sich 2011 mit der Papagena bei den Seefestspielen Berlin fortsetzte. Es folgten Festengagements am Theater Vorpommern und am Stadttheater Bremerhaven, wo sie Partien wie Ilia, Zerlina, Gretchen, Ännchen, Eliza und Maria („West Side Story“) sang. Seit 2014 gehört die vielseitige Sopranistin zum Solistenensemble der Oper Chemnitz, wo sie u. a. bereits als Clorinda, Ghita, Gretel sowie zuletzt als Susanna in „Die Hochzeit des Figaro“ zu erleben war.

Matthias Winter (Henry Higgins) wurde nach dem Gesangsstudium in Leipzig am Theater Gera engagiert. Dort gestaltete er zahlreiche große Bariton-Partien, führte Regie bei Werken aller Bühnengenres und war für Konzept und Inszenierung mehrerer Theaterbälle verantwortlich. Seit 2001 ist er an der Oper Chemnitz engagiert. Hier sang er u. a. Faninal, Heerrufer, Kothner, Vater („Hänsel und Gretel“), Don Magnifico („La Cenerentola“), Geppetto („Pinocchios Abenteuer“), Zar, Onegin, Graf Tomsky, Javert, Doolittle, Tewje, Danilo und inszenierte die Operette „Die Csárdásfürstin“ sowie mehrere erfolgreiche Musicals, darunter „FMA – Falco Meets Amadeus“, „West Side Story“, „Evita“ und Elton Johns „Aida“. Darüber hinaus ist er seit 2001 als Dozent für Dramatischen Unterricht an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig tätig.

Dorit Gäbler (Mrs. Higgins) kehrt mit der Rolle der Mrs. Higgins an den Ort ihres Karrierestarts zurück: 1967 eroberte sie im damaligen Karl-Marx-Stadt als Eliza Doolittle die Herzen des Publikums. Erst ein Jahr zuvor hatte die junge Schauspielerin ihr Studium an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin erfolgreich beendet und war im hiesigen Ensemble als Elevin engagiert worden. Die Beschäftigung mit der Musik sollte fortan ein wesentlicher Teil ihres Berufes werden. Zunächst aber wechselte sie 1968 ans Staatsschauspiel Dresden, wo sie fast zwölf Jahre lang engagiert war. Danach fand sie ebenso erfolgreich ihren Weg als freischaffende Unterhaltungskünstlerin. Unter anderem hat sie in mehr als 30 Filmen mitgewirkt und mehrfach die Fernsehshow „Ein Kessel Buntes“ moderiert. Ihre Vielseitigkeit stellte sie auch als gefragte Chanson-Interpretin und Sängerin mit eigener Band und eigenen Songs unter Beweis. Seit geraumer Zeit ist sie wieder regelmäßig im Theater zu erleben. So spielte sie in der Komödie am Kurfürstendamm, an der Komödie Dresden, an „Köfers Komödiantenbühne“ und ist mit Soloprogrammen unterwegs. Im Juli 2016 hat sie an der Theaternative Cottbus mit großem Erfolg das Ein-Personen-Stück „Verliebt Verlobt Verschwunden“ von Stefan Vögel herausgebracht, für das sie auch die Musik schrieb. Mit dieser Produktion sind für 2017 Gastspiele an verschiedenen Theatern geplant.

Nik Breidenbach (Alfred P. Doolittle) ist erstmalig am Theater Chemnitz zu Gast und kommt auch zum ersten Mal mit „My Fair Lady“ in Berührung. Dabei hat das Genre Musical in seiner Karriere bereits eine große Rolle gespielt. Nach seiner Ausbildung im Tanz-, Gesangs-, und Schauspielstudio Theater an der Wien spielte er in zahlreichen Musicalproduktionen, u. a. Kaiser Franz-Joseph in „Elisabeth“ am Theater an der Wien, Conférencier in „Cabaret“ im Capitol Theater Düsseldorf und Lumière in „Disney‘s Die Schöne und das Biest“ in Stuttgart. Bei der Uraufführung von „Tanz der Vampire“ in Wien unter der Regie von Roman Polanski übernahm er die Erstbesetzung des Herbert. Fans von „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ ist er in der Rolle des Alexander Cöster in Erinnerung, die er von 2007 bis 2009 spielte. In den letzten Jahren hat er sich mehr der Schauspielbühne zugewandt. So war er in Berlin mehrfach am Theater am Kurfürstendamm zu erleben. In Hamburg spielte er diverse Rollen am St. Pauli Theater, in Schmidts Tivoli (u. a. in „Heiße Ecke – Das St. Pauli-Musical“), am Altonaer Theater sowie am Thalia Theater. Im Schmidt Theater war er in der Uraufführung des Soloprogramms „Cavequeen“ zu sehen, außerdem mit Carolin Fortenbacher in „Oh Alpenglühn“ und in „Entführung aus dem Paradies“. Nik Breidenbachs aktueller Solo-Abend „Gaaanz ruhig“, welcher vor kurzem im Schmittchen Theater Hamburg Premiere hatte, ist sein erstes selbstgeschriebenes Stück.

—| Pressemeldung Theater Chemnitz |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, URAUFFÜHRUNG DAS MOLEKÜL, 19.05.2017

April 24, 2017 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

URAUFFÜHRUNG
DAS MOLEKÜL –  WILLIAM WARD MURTA
Deutsch Constanze Grohmann (Songs) und Thomas Winter (Buch)

PREMIERE 19.05.17, 20:00 Uhr, weitere Vorstellungen 25.05., 28.05., 02.06., 03.06., 17.06., 08.07.2017

Was ist Leben? Das fragt sich die Menschheit, seit es sie gibt. In den letzten 75 Jahren fanden einige von ihnen Antworten, die geradezu frappierende neue Wünsche und Fragen aufwerfen, etwa: Wie soll mein Kind aussehen? Im neuen Musical von William Ward Murta, dessen The Birds of Alfred Hitchcock dem Bielefelder Publikum noch gut im Ohr ist, treten Rosalind Franklin, Maurice Wilkins, Francis Crick und James Watson auf, während sie in London und Cambridge versuchen, dem Geheimnis der DNA auf die Spur zu kommen. Wir schreiben das Jahr 1951 und die vier müssen nicht nur mit vorsintflutlicher technischer Ausrüstung auskommen, die ihre Gesundheit angreift, sondern haben mit Mobbing, Misstrauen, Eifersucht und Betrug zu kämpfen. Doch ihre Vision beflügelt sie und der Konkurrenzdruck treibt sie voran. Das sensationelle Forschungsergebnis, die Doppelhelix, wurde für Murta, der Komponist und Texter in einer Person ist, zur reizvollen Formel für das ganze Stück. In die frühere ist eine spätere Handlung eingewoben, die Geschichte eines noch viel größeren Projekts, das um die Jahrtausendwende die Medien beherrschte: Die Berechnung des menschlichen Erbguts, im jahrelangen Wettbewerb zwischen einem staatlichen und einem privaten Forscherteam vorangetrieben, bis US-Präsident Bill Clinton im Frühjahr 2000 stolz verkünden konnte: »We did it!«.

Auch das musikalische Material, aus denen Murta in seinem unverwechselbaren Broadway-Stil Songs, Ensembles und Underscores komponierte, ist von der Doppelhelix inspiriert. Titel wie Es gibt noch mehr, Der klügste Kopf, Jedes Problem hat eine Lösung, Foto 51 oder Lukrative Möglichkeit beleuchten Menschen, für die »trockene« Wissenschaft eine Art Hochleistungssport ist, der sie zu Entscheidungen treibt, deren Folgen sie nicht übersehen, geschweige denn, verantworten können. Ein überaus prominentes Darsteller-Sextett ist angetreten, um den über 25 Rollen des neuen Stücks Gestalt und Stimme zu verleihen: Carolin Soyka, Roberta Valentini, Alexander Franzen, Thomas Klotz, Carlos Rivas und Veit Schäfermeier haben am Theater Bielefeld zahlreiche Musical-Hauptrollen gespielt, ob in Jekyll & Hyde, Me & My Girl, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Sunset Boulevard oder aktuell im Loft Die letzten fünf Jahre. Mit dabei sind auch der Bielefelder Opernchor und die Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung des Komponisten William W. Murta. Auch für die Inszenierung ist mit Thomas Winter, Ulv Jakobsen (Bühne & Kostüme), Konrad Kästner (Video) und Frank Wöhrmann (Choreografie) ein bewährtes Team angetreten.

Was wie eine Science-Show beginnt, fokussiert in zwei Handlungssträngen, dass hinter komplexen Formeln und Ergebnissen immer fühlende Menschen stecken. Im musicaltypischen Happy-End schwingen – neben einer tragischen Fußnote – offene Fragen mit, wie »Was kann Wissenschaft erreichen?« und schließlich »Wohin führt das die Menschheit?«.

KOMPOSITION UND MUSIKALISCHE LEITUNG
William Ward Murta, geboren in Fort Smith/Arkansas und aufgewachsen in Oklahoma, ist seit 1984 Musical-Kapellmeister am Theater Bielefeld. Er übernahm die musikalische Leitung vieler Produktionen wie Cabaret, Evita, Chicago, La Cage aux Folles, Piaf, Die Comedian Harmonists, der Uraufführung von James Lyons Für mich soll’s rote Rosen regnen, Franz Wittenbrinks Männer – Tore, Tränen und Triumphe, Sekretärinnen und Mütter, außerdem She Loves Me, Jekyll & Hyde, Me and My Girl, Crazy For You, The Scarlet Pimpernel, Chess, Company, The Birds of Alfred Hitchcock, City of Angels, Die Hexen von Eastwick, Bonnie & Clyde, Sunset Boulevard, A Little Night Music und aktuell Hochzeit mit Hindernissen. Murta ist in Musikerkreisen ein gefragter Arrangeur; zahlreiche seiner Arrangements gehören zu den Standards von Musical- und Gala- Aufführungen im In- und Ausland. Darüber hinaus komponiert Murta eigene Musicals: 1987 M … wie Marilyn und sein Werk über das Leben von Galileo Galilei, Starry Messenger (Sternenbote), das 2004 sehr erfolgreich am Theater Bielefeld uraufgeführt wurde. Zu Beginn der Spielzeit 2010/11 folgte ebenso erfolgreich die Uraufführung von The Birds of Alfred Hitchcock.

INSZENIERUNG
Thomas Winter war Sänger der Kölner Soulfunk Band Upstairs bevor er von 1995 bis 1999 an der Folkwang Hochschule Essen Schauspiel, Gesang und Tanz studierte. 1997 gewann er den 1. Preis beim Bundeswettbewerb Gesang (Musical, Chanson, Song). Von 1999 bis 2001 war er fest als Schauspieler am Theater Heilbronn und von 2001 bis 2005 am Staatstheater Oldenburg engagiert. Seit 2005 arbeitet er als freier Schauspieler, war in Film- und Fernsehproduktionen wie Das Duo, SOKO München oder Der Baader-Meinhof- Komplex zu sehen und spielte unter anderem am Theater Bielefeld, im Winterhuder Fährhaus in Hamburg, am Theater Münster, in der Bar jeder Vernunft in Berlin, an der Deutschen Oper am Rhein und am Nationaltheater Mannheim.

Darüber hinaus ist er als Regisseur tätig und inszenierte u. a. an der Oper Chemnitz, am Volkstheater Rostock, am Theater Konstanz und am Theater Bielefeld, wo er auch seit 2011 die Spielstätte Loft künstlerisch betreut. Am Bielefelder Theater inszenierte er u. a. mit großem Erfolg City of Angels, Sunset Boulevard, Cyrano und Hochzeit mit Hindernissen.

BÜHNE UND KOSTÜME
Ulv Jakobsen wurde 1962 in Berlin-Pankow geboren. Er absolvierte sein Design- und Bühnenbildstudium an der Kunsthochschule Berlin- Weißensee und machte 1993 sein Diplom. 1992 war er Assistent bei Robert Wilson. Jakobsen war an über 80 Produktionen als Bühnen- und Kostümbildner an verschiedenen Theatern beteiligt. Darunter das Nationaltheater Lubljana (Slowenien), das Deutsche Theater Berlin, das Staatstheater Schwerin und das Theatret Vårt in Norwegen. Darüber hinaus arbeitete Jakobsen als Theater- und Filmautor in Schwerin, Bremerhaven und für den Kinofilm Die Datsche (2003). Seine Theaterplakate wurden mehrfach ausgezeichnet und fanden Aufnahme in staatliche und private Sammlungen. Am Theater Bielefeld war Ulv Jakobsen an den Musicalproduktionen City of Angels, Sunset Boulevard und Cyrano als Bühnen- und Kostümbildner beteiligt.

CHOREOGRAFIE
Der aus Recklinghausen stammende Wahlkölner Frank Wöhrmann war in seiner Jugend erfolgreicher Kunstturner. Seine Tanzausbildung begann er in seiner Heimatstadt am American Dance Center. Nach Abitur und Zivildienst studierte er an der renommierten Folkwang- Hochschule Essen die Fächer Schauspiel, Gesang und Tanz. Es folgten Engagements in Deutschland, Österreich und der Schweiz in bekannten Musicals wie West Side Story, Hair, Evita, Jesus Christ Superstar, La Cage aux Folles und Les Misérables, als auch immer wieder gern in unbekannten Stücken wie Silk Stockings, Kuss der Spinnenfrau und Sweeney Todd. Dort arbeitete er mit Regisseuren wie Stefan Huber, Matthias Davids, Josef E. Köpplinger, Glenn Casale, Katharina Thalbach und Helmut Lohner. Er gehörte 2006 zur Premierencast in Disneys Die Schöne und das Biest am Metronomtheater Oberhausen und gab 2010 in Bernd Mottls legendär gewordener Inszenierung der Csardasfürstin mit den Geschwistern Pfister an der Oper Köln sein Operettendebüt. Aktuell ist er in Paul Abrahams Operette Blume von Hawaii an der Oper Dortmund zu sehen. Ab 24. Juni 2017 steht er in der Produktion 3 Musketiere als Aramis auf der Freilichtbühne Altusried. Neben seiner Tätigkeit als Darsteller ist er auch als Regisseur und Choreograf für Musical- und Schauspielproduktionen tätig, u. a. am Volkstheater Rostock und bei den Bad Hersfelder Festspiele.

Musikalische LeitungWilliam Ward Murtal,  Inszenierung – Thomas Winter, Bühne und Kostüme – Ulv Jakobsen, Video – Konrad Kästner, Choreografie – Frank Wöhrmann
Dramaturgie – Jón Philipp von Linden, Mit Alexander Franzen // Thomas Klotz // Carlos Horacio Rivas // Veit Schäfermeier // Carolin Soyka // Roberta Valentini // Bielefelder Opernchor // Bielefelder Philharmoniker

BESETZUNG:  Rosalind Franklin / Claire Fraser / Beatrice Bateson / Phoebe
(Phoebus Levene) / Carol Roberta Valentini Odile Crick / Bernadine Healy / Emma Darwin / Florence Durham / Alice Carolin Soyka Francis Crick / Francis Collins / William
Bateson / Sir William Lawrence Bragg Veit Schäfermeier James Watson / Jose Raul Rodriguez / Charles Darwin / Carl Wilhelm von Nägeli / Cecile Carlos Rivas Maurice Wilkins / Mike Hunkapiller / Gregor Mendel / Erwin Chargaff / Bob Alexander Franzen
Craig Venter / Linus Pauling Thomas Klotz.

PREMIERE Das Molekül 19.05.17, 20:00 Uhr, weitere Vorstellungen 25.05., 28.05., 02.06., 03.06., 17.06., 08.07.2017

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Leipzig, Oper Leipzig, Premiere LUCIA DI LAMMERMOOR von Gaetano Donizetti, 26.11.2016

November 22, 2016 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

KATHARINA THALBACH INSZENIERT
  LUCIA DI LAMMERMOOR  von  Gaetano Donizetti

Lucia di Lammermoor: Premiere 26. November 2016, weitere Aufführungen 02. Dez. 2016?/?10. Dez. 2016?/?01. Jan. 2017 / 25. Feb. 2017?/?06. Mai 2017

Oper Leipzig / Katharina Thalbach © Lutz Edelhoff

Oper Leipzig / Katharina Thalbach © Lutz Edelhoff

Die erste Inszenierung der Schauspielerin und Regisseurin Katharina Thalbach an der Oper Leipzig feiert am Samstag, 26. November, 19 Uhr Premiere. Der tragische Belcantoklassiker Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti erzählt die Geschichte über zwei Liebende, die durcheine Familienfehde aufgerieben, in den Wahnsinn und letztendlich in den Tod getriebenwerden. Die musikalische Leitung des Gewandhausorchesters liegt in den Händen des stellvertretenden Generalmusikdirektors Anthony Bramall. In der Titelpartie debütiert Anna Virovlansky.

Oper Leipzig / Lucia di Lammermoor © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Lucia di Lammermoor © Kirsten Nijhof

Nah an der Romanvorlage von Walter Scott entführt die Regisseurin in die Weiten Schottlands und rückt in ihrer Inszenierung die Gefühle und Beziehungen der Protagonisten in den Mittelpunkt. Der Tragik der Oper stellt Thalbach subtil-humorvolle Elemente gegenüber. Das Bühnenbild spiegelt in einer Mischung aus abstrakten Räumen und naturalistischen Landschaftsbildern das Seelenleben der Figuren wider. Seit 1997 ist Katharina Thalbach neben einer beeindruckten Schauspielerkarriere als Opernregisseurin tätig. Fünfzehn Inszenierungen führten sie an die Deutsche Oper Berlin („Barbier von Sevilla“, „Das schlaue Füchslein“), die Opernhäuser in Dresden, Köln, Zürich, Basel, Genf, Lissabon und Tel Aviv (u.a. Fidelio, Salome, Jenufa, Hänsel und Gretel und Rigoletto).

Die Konstellation erinnert an Shakespeares Romeo und Julia: Lucia (Anna Virovlansky) liebt Edgardo (Antonio Poli), doch die schottischen Adelsfamilien, denen sie angehören, sind seit Urzeiten verfeindet. Als Edgardo außer Landes ist, nutzt Lucias Bruder Enrico (Mathias Hausmann) die Abwesenheit des Feindes und macht die eigene Schwester zum Instrument seiner Interessen. Sie soll einen anderen heiraten, um den Wohlstand der Familie zu sichern. Bei der Hochzeit kommt es schließlich zu einer tragischen Bluttat.

Lucia di Lammermoor: Premiere 26. November 2016, weitere Aufführungen 02. Dez. 2016?/?10. Dez. 2016?/?01. Jan. 2017 / 25. Feb. 2017?/?06. Mai 2017

 

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