Salzburg, Stiftung Mozarteum, Neuerwerb – Reisebrief Mozart an Constanze, April 2020

April 10, 2020 by  
Filed under Mozarteum, Oper, Pressemeldung

Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze 1789 Ulrich Leisinger © Internationale Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze 1789 Ulrich Leisinger © Internationale Stiftung Mozarteum

Mozart an Frau Constanze – Charfreÿtage 1789  – „liebstes, bestes Weibchen!“

Die Stiftung Mozarteum Salzburg erwirbt seltenen Reisebrief

Auf den wenigen Reisen, die der Komponist Wolfgang Amadé Mozart in seinen Wiener Jahren ab 1781 unternahm, hat ihn fast immer seine Ehefrau Constanze begleitet. Daher gibt es nur aus der Zeit zwischen 1789 und 1791 Briefdokumente für diese ausgesprochene Liebesheirat. Sie bieten die Möglichkeit, tief in Mozarts Herz zu blicken. Im April 1789 unternahm Mozart gemeinsam mit dem als Mäzen Ludwig van Beethovens bekannten Fürsten Karl Lichnowsky eine Reise nach Berlin mit Zwischenstationen in Prag, Dresden und Leipzig. Hauptanliegen Mozarts war es, vor dem musikbegeisterten Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. in Berlin zu spielen; auch hoffte er, seine Kasse durch Konzerteinnahmen zu füllen, da das Konzertleben in Wien seit 1787 unter den Folgen des Russisch-türkischen Krieges litt.

Stiftung Mozarteum Salzburg / Wolfgang Amade Mozart - Silberstiftzeichnung - Doris Stock Dresden_1789 © Internationale Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Wolfgang Amade Mozart – Silberstiftzeichnung – Doris Stock Dresden_1789 © Internationale Stiftung Mozarteum

Auf dieser Reise schrieb Mozart mindestens zweimal pro Woche an seine in Wien zurückgeblie-bene Frau, berichtete ihr von Begegnungen mit gemeinsamen Bekannten und musikalischen Auftritten. Besonders herzlich wirken seine Liebesbeweise, seine Eifersüchteleien und seine Sorge um ihren Gesundheitszustand. Seinen Brief aus Prag vom Charfreÿtage, den 10. April 1789 eröffnet Mozart mit einem zärtlichen liebstes, bestes Weibchen! und erzählt über das Wiedersehen mit Freunden, einen „fast“ sicheren Vertrag für eine neue Oper für Prag (aus der aber letztlich nichts wurde) und von Gerüchten, dass der Preußenkönig seine Ankunft erwarte. Auch lässt Mozart seine Constanze wissen, wie sehr er sich nach Nachricht von ihr sehne und dass er hoffe an seiner nächsten Station, in Dresden, einen entsprechenden Brief vorzufinden. Mit „küsse tausendmahl unsern karl, und ich bin dich vom ganzen herzen küssend“ endet die Botschaft an zu Hause, an seine Ehefrau zusammen mit dem vierjährigen Sohn Carl Thomas.

Stiftung Mozarteum Salzburg / Constanze Mozart - Oelbild Portraet von Hans Hansen -Wien 1802 © Internationale Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Constanze Mozart – Ölbild Porträt von Hans Hansen -Wien 1802 © Internationale Stiftung Mozarteum

Der Brief war lange Zeit nur durch eine Publikation des 19. Jahrhunderts bekannt. Nunmehr befindet sich der Autograph in der Bibliotheca Mozartiana, der Sammlung der Stiftung Mozarteum Salzburg, und ist nun auch nach dem Original im Rahmen der

Digitalen-Mozart-Edition verfügbar:
https://dme.mozarteum.at/DME/briefe/letter.php?mid=1661

Die Neuerwerbung wird von Ulrich Leisinger und Andreas Fladvad-Geier, den Wissenschaftlichen und Künstlerischen Bereichsleitern der Stiftung Mozarteum Salzburg, hier in einem Video im Detail vorgestellt:

Reisebrief Wolfgang Amadeus Mozart
youtube Trailer Internationale Stiftung Mozarteum
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Die Stiftung Mozarteum Salzburg besitzt die weltweit größte Sammlung an Briefen der Familie Mozart. Die meisten befinden sich bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Salzburg, als die Mozart-Söhne Carl Thomas und Franz Xaver die in ihrem Besitz befindlichen Originalbriefe dem Dommusikverein und Mozarteum, dem direkten Vorgänger der Stiftung Mozarteum, vermachten. Mozarts Briefe an Constanze gehörten jedoch nicht zu diesen kostbaren Geschenken. Offenbar hat Constanze Mozart sie nie ihren Söhnen übergeben, sondern sie Stück für Stück an Freunde verschenkt. Von Zeit zu Zeit erscheint einer dieser Briefe wieder auf dem Markt; sie erreichen regelmäßig sechsstellige Preise pro geschriebener Seite. Der Brief vom 10. April 1789 wurde zuletzt Anfang der 1990er-Jahre versteigert. Es ist der erste Reisebrief Mozarts an Constanze, den die Stiftung Mozarteum erwerben konnte. Der Verkäufer wünscht, nicht genannt zu werden. Ebenso haben beide Parteien vereinbart, keine Angaben zum Kaufpreis zu machen.

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze Prag 10.Apri 1789 B D 1091 Seite 1 © Internationale Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze Prag 10.Apri 1789 B D 1091 Seite 1 © Internationale Stiftung Mozarteum

„Was für ein besonderer Moment, dass dieser Autograph sich nun in die Sammlung der Stiftung Mozarteum einfügt. Vor allem weil das kostbare Dokument eine der raren schriftlichen Liebesbekundungen von Wolfgang Amadé an seine Constanze ist. Wir sind den Vorbesitzern sehr dankbar, dass sie sich direkt an uns gewandt haben und wir diesen wunderbaren Brief am Karfreitag präsentieren können“, erläutert Stiftungs-Präsident Johannes Honsig-Erlenburg.

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze Prag 10.Apri 1789 B D 1091 Seite 2 © Internationale Stiftung Mozarteum

Stiftung Mozarteum Salzburg / Brief Mozart an Constanze Prag 10.Apri 1789 B D 1091 Seite 2 © Internationale Stiftung Mozarteum

Während dieser Reise ist im Übrigen in Dresden die berühmte Silberstiftzeichnung von Doris Stock entstanden, die sich seit 2005 in der Stiftung Mozarteum Salzburg befindet. Mozart besuchte am 16. oder/und 17. April 1789 den Oberkonsistorialrat Christian Gottfried, den Vater des Dichters Theodor Körner. In diesem Hause wohnte die Schwägerin Gottfrieds, Doris (Dorothea) Stock. Als Tochter und Schülerin eines Kupferstechers war Doris Stock eine hervorragende Pastellmalerin, die freundschaftliche Beziehungen zu zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten der Zeit (darunter Goethe und Schiller) unterhalten hat. Neben der Pastellmalerei widmete sie sich auch der Miniaturzeichnung. Während einem dieser Besuche wird Doris Stock wohl das Profil Mo-zarts festgehalten haben. Die filigrane Silberstiftzeichnung ist eines der wenigen authentischen Mo-zart-Porträts und das letzte, das zu seinen Lebzeiten gemacht wurde.

Stiftung Mozarteum Salzburg

Wolfgang Amadé Mozart fasziniert die Menschen in aller Welt seit mehr als 250 Jahren durch seine Werke und seine Persönlichkeit. Die Stiftung Mozarteum Salzburg ist die weltweit führende Insti-tution zur Bewahrung und Verbreitung dieses unschätzbaren kulturellen Erbes und trägt die vielfältigen Facetten Mozarts in die Welt mit dem Auftrag, allen Menschen und Generationen den Zugang zu seiner Musik, seinem Leben und seiner Persönlichkeit zu eröffnen.

Die Stiftung Mozarteum Salzburg setzt sich als Non-Profit-Organisation mit der Person und dem Werk Wolfgang Amadé Mozarts auseinander. Mit Initiativen in den drei Kernbereichen Konzert-veranstaltung (Mozartwoche, DIALOGE, Saisonkonzerte), Mozart-Museen und Wissenschaft schlägt sie die Brücke zwischen Bewahrung der Tradition und zeitgenössischer Kultur. Ihr Ziel ist es, wechselnde Perspektiven und neue Denkanstöße in der Auseinandersetzung mit dem Komponisten zu eröffnen.

Der Verein Stiftung Mozarteum Salzburg wurde 1880 von Bürgern der Stadt Salzburg als „Internationale Stiftung Mozarteum“ gegründet und hat seine Wurzeln im „Dom-MusikVerein und Mozarteum“ von 1841. Mozarts Witwe Constanze sowie die Söhne Carl Thomas und Franz Xaver Wolfgang stifteten dem Verein den Großteil seiner persönlichen Erinnerungsstücke. Die Stiftung Mozarteum verfügt damit über die weltweit größte Sammlung an originalen Briefen, Porträts und Instrumenten der Mozart-Familie.

 

—| Pressemeldung Mozarteum Salzburg |—

Ludwigsburg, Ludwigsburger Schlossfestspiele, Johannespassion – Zum Mitsingen, 10.04.2020

 

 

 

 

 

Ludwigsburger Schlossfestspiel

Ludwigsburger Schlossfestspiele  –  Johannespassion zum Mitsingen

  Aus der Thomaskirche in Leipzig

Am Karfreitag, 10. April, 15 Uhr u.a. live in https://www.facebook.com/schlossfestspiele und Arte Concert https://www.arte.tv/de/arte-concert/    sowie am Abend im MDR Hörfunk (19 Uhr) und Fernsehen (24 Uhr)

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Johannes Passion -Bach (Podium Esslingen) © Nino Halm

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Johannes Passion -Bach (Podium Esslingen) © Nino Halm

Die Ludwigsburger Schlossfestspiele freuen sich, die Konzertaufführung der JOHANNES PASSION BACH zum Mitsingen als Partner des Bachfests Leipzig mitpräsentieren und unterstützen zu dürfen. Die Aufführung findet am Karfreitag, 10. April um 15 Uhr (Todesstunde Jesu) in der Leipziger Thomaskirche am Grab Johann Sebastian Bachs in einer kammermusikalischen Fassung des PODUMS Esslingen statt – die globale Bach-Community ist zum Mitsingen eingeladen. Die Übertragung erfolgt im Livestream auf dem Facebook-Kanal der Schlossfestspiele und des Bach-Archivs. MDR KULTUR und MDR KLASSIK übertragen das besondere Konzert im Netz ab 15 Uhr im Video-Livestream, zusätzlich auf Facebook und zeitversetzt im Radio um 19 Uhr sowie um Mitternacht im MDR-Fernsehen. Im Anschluss ist das Konzert in der ARD Mediathek abrufbar. Auch auf ARTE Concert wird das Konzert übertragen. Prominente Musiker u. a. aus Malaysia, Kanada, den USA, Österreich und den Niederlanden werden zugeschaltet.

Ursprünglich war ein Konzert desselben Programmes in der Evangelischen Stadtkirche in Ludwigsburg am 2. April 2020 als spiritueller Auftakt SCHLOSS FEST SPIELE 2020 geplant und musste aufgrund der COVID-19-Pandemie abgesagt werden.

»Ich freue mich, dass uns der Kampf gegen COVID-19 trotz sozialer Distanz einander näherbringt. Wo Menschen sich, wie hier in der Musik und dem gemeinsamen Singen, verbinden, sind wir stärker als jedes Virus und überwinden die aktuell leider notwendige Isolation«, so Jochen Sandig, Intendant der Ludwigsburger Schlossfestspiele.

Die Produktion des PODIUMS Esslingen wurde 2019 als »Innovativstes Konzert des Jahres« mit dem Preis Opus Klassik ausgezeichnet. Die eigentliche Passions-Geschichte wird hier von nur drei Musikern vorgetragen: Der isländische Tenor Benedikt Kristjánsson erzählt die Leidensgeschichte Jesu auf der Basis von Bachs Passion, übernimmt dabei die Rolle des Evangelisten und aller handelnden Personen und dirigiert den virtuellen Chor. Cembalistin Elina Albach und Schlagzeuger Philipp Lamprecht übernehmen den Part des Orchesters, und für die Choräle werden – neben den fünf Sängern in der Thomaskirche um Thomaskantor Gotthold Schwarz – Künstler und Bach-Chöre, die zum Bachfest 2020 eingeladen sind, zugeschaltet. Zudem sollen alle Zuschauer daheim mitsingen. Dafür wird vom Bach-Archiv, dem Carus-Verlag sowie auf www.schlossfestspiele.de ein digitales Programmheft mit Noten bereitgestellt:

https://www.schlossfestspiele.de/de/festspiele/aktuelles/index.htm

St. John Passion – Johann Sebastian Bach
youtube Trailer Bach-Archiv Leipzig
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Vor 296 Jahren, am Karfreitag des Jahres 1724, erklang Johann Sebastian Bachs Johannes-Passion zum ersten Mal. Sie war das bis dato umfänglichste Werk des 1723 neu bestellten Leipziger Thomaskantors: Zwei Stunden lang folgte die Gemeinde dem musikalisch illustrierten Leiden Jesu Christi, und manch einer stimmte – gemeinsam mit dem Thomanerchor – in Bachs unsterbliche Choräle ein und zog daraus Kraft in schwierigen Zeiten. Bis heute finden Millionen Menschen weltweit Trost und Hoffnung im Musizieren und Hören dieser einzigartigen Musik.

Die Passionszeit 2020 ist überschattet von der Covid-19-Pandemie. Hunderte, vielleicht tausende Aufführungen von Bachs Passionen weltweit – seit fast zwei Jahrhunderten ein Ritual für Musikliebhaber – wurden aufgrund der überall geltenden Ausgangsbeschränkungen abgesagt. Um der globalen Bach-Community dennoch die aktive Mitwirkung an einer Bach-Passion zu ermöglichen, hatte der Intendant des Bachfest Leipzig eine außergewöhnliche Idee: Die Aufführung einer kammermusikalischen Version des Werks, produziert vom PODIUM Esslingen, musiziert von wenigen Musikern direkt an Bachs Grab in der Leipziger Thomaskirche unter Mitwirkung des amtierenden Thomaskantors Gotthold Schwarz und kostenfrei gestreamt rund um den Erdball – um Bach-Chöre und Musikfreunde aus aller Welt zum Mitsingen der Choräle einzuladen.

PASSION TROTZ(T) PANDEMIE

Prof. Dr. Michael Maul, Intendant des Bachfest Leipzig: »Schon jetzt haben so fantastische Bachfest-Künstler wie Ton Koopman, Klaus Mertens, Rudolf Lutz, Miriam Feuersinger, Martin Petzold , Mitglieder des Thomanerchors und die Chöre des Bachfests Malaysia, der J. S. Bach-Stiftung St. Gallen und der Ottawa Bach Choir eingewilligt, dass sie aus ihren Wohnstuben in die Aufführung zugeschaltet werden. Ich danke allen Mitwirkenden, der Stiftung Chorherren zu St. Thomae, der Thomaskirche, der Neuen Bachgesellschaft und dem Mitteldeutsche Rundfunk für diese großartige Kooperation in schwierigen Zeiten. BACH – We are FAMILY: Das gilt jetzt mehr denn je!«

Die Aufführung wird in Kooperation mit dem Mitteldeutschen Rundfunk realisiert und durch Spenden der Stiftung Chorherren zu St. Thomae und der Neuen Bachgesellschaft e.V. ermöglicht.  Sie wird unterstützt durch die Partnerschaft mit den Ludwigsburger Schlossfestspielen und weiteren Festivals, die das Konzert in ihren diesjährigen Programmen aufgrund der Pandemie nicht durchführen konnten und sich nun aktiv mit ihrem jeweiligen Publikum daran beteiligen.

Mit der Aufführung soll zugleich ein Beitrag zur Unterstützung der vielen freischaffenden Musiker geleistet werden, die von den Folgen der Pandemie betroffen sind. Sämtliche mitwirkenden Musiker sind Freischaffende. Zudem werden im Rahmen des Streams Spenden gesammelt. Diese werden in den kommenden Wochen und Monaten verwendet, um freischaffenden Musikern die Mitwirkung an unterschiedlichen musikalischen Darbietungen und Streaming-Formaten zu ermöglichen.

—| Pressemeldung Ludwigsburger Schlossfestspiele |—

Essen, Philharmonie Essen, Matthäuspassion, 30.03.2018

März 21, 2018 by  
Filed under Konzert, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Marc Minkowski © Marco Borggreve

Philharmonie Essen / Marc Minkowski © Marco Borggreve

Marc Minkowski dirigiert Bachs „Matthäuspassion“

Les Musiciens du Louvre am Karfreitag, 30.3., um 17 Uhr in der Philharmonie Essen zu Gast

Johann Sebastian Bachs „Matthäuspassion“ kommt am Karfreitag, 30. März 2018, um 17 Uhr in der Philharmonie Essen zur Aufführung. Das französische Ensemble Les Musiciens du Louvre sowie ein ausgesuchtes Solistenensemble werden das meisterhafte Chorwerk unter der Leitung von Marc Minkowski interpretieren. Mit Bachs Kompositionen haben sich der Dirigent und seine exzellenten Musiker vor allem in den vergangenen zehn Jahren intensiv auseinandergesetzt. Für ihre erste Aufnahme haben sie 2008 mit der h-Moll-Messe gleich den Olymp des Bach’schen Œuvres erklommen. 2013 sorgten sie damit auch in der Philharmonie Essen für Gänsehaut. Bei den Chören setzt Minkowski auf eine kleine Besetzung mit ausgesuchten Spitzen-Solisten. Diesem Interpretationsansatz bleibt er nun auch bei der Aufführung der „Matthäuspassion“ in der Philharmonie Essen treu.

Marc Minkowski gehört zu den international profiliertesten Dirigenten. 1982 gründete er das Ensemble Les Musiciens du Louvre, das unter seiner Leitung eine aktive Rolle bei der Erneuerung der barocken Aufführungspraxis einnahm. Als Gastdirigent ist Minkowski weltweit in den renommierten Opernhäusern und Konzertsälen der Welt zu erleben, darunter das Royal Opera House Covent Garden, die Mailänder Scala sowie die Festspiele in Salzburg und Aix-en-Provence. Er steht am Pult von großen Orchestern wie den Berliner und Wiener Philharmonikern. Seit 2016 ist Marc Minkowski Intendant der Opéra National de Bordeaux. Von 2013 bis 2017 war er künstlerischer Leiter der Mozartwoche Salzburg.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2017, Tristan – Parsifal – Festspiel-Erlebnisse, IOCO Aktuell, 20.08.2017

August 19, 2017 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Bayreuther Festspiele 2017 – Mitreißende IOCO Erfahrungen

Tristan und Isolde, Götterdämmerung, Parsifal, IOCO – Redaktionstreffen, Begegnung mit Richard Wagners Urenkelin Katharina Wagner

Von  Patrik Klein

Seit beinahe 30 Jahren reisen meine Frau und ich regelmäßig nach Bayreuth zu den Festspielen, so auch in diesem Jahr. Doch 2017 ist anders als die vielen Jahre zuvor: Erstmals fungiere ich in Bayreuth offiziell als IOCO Koordinator: IOCO Redaktionsmitglied Dr. Hanns Butterhof, besuchte die vier Vorstellungen des Ring des Nibelungen, den Castorf – Ring 2017 und veröffentlichte bei www.ioco.de seine packende Rezension. IOCO – Kollege Dr. Albrecht Schneider wird die Meistersinger, inszeniert von Barrie Kosky, noch besuchen und ebenso bei IOCO berichten. Als IOCO – Koordinator für die Bayreuther Festspiele nahm ich gerne die Gelegenheit wahr, das Kulturportal IOCO, meine Kollegen und mich bei Peter Emmerich, Leiter Marketing und Presse der Bayreuther Festspiele, vorzustellen. In seinem Büro sitzend, IOCO vorstellend, trat plötzlich und völlig unerwartet Katharina Wagner herein, setzte sich zu uns und nahm interessiert wie aktiv an unserem Gespräch teil. Da meine Frau und ich Karten für Tristan und Isolde hatten, Petra Lang (Isolde) aber wegen Indisposition durch Ricarda Merbeth ersetzt wurde, unterhielten wir uns mit Katharina Wagner angeregt über Nöte kurzfristiger Umbesetzungen, die Bayreuther Festspiele allgemein wie auch Ziele und Schwerpunkte des Kulturportales www.ioco.de, IOCO – Kultur im Netz GmbH. Eine für mich wunderbare Erfahrung, all dies im Herzen der Festspiele persönlich wie intensiv kommunizieren zu können.

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Die folgenden Tage in Bayreuth bestanden aus dem Besuch von Tristan und Isolde, Götterdämmerung und dem Spätwerk des Meisters, Parsifal. Dazu im Hotel Goldener Löwe eine kleine Redaktionssitzung zu aktuellen wie zukünftigen Zielen von IOCO; mit Viktor Jarosch und Dr. Hanns Butterhof. Dr. Butterhof besuchte und rezensierte bereits den Bayreuther  Castorf – Ring 2017 (link hier).

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Tristan, Götterdämmerung, Parsifal – Kurze Eindrücke

Tristan und Isolde: Die Musik Richard Wagners geht über Alles. Seine Musik geht durch Mark und Bein; sie regt auf; sie regt an zum Nachdenken, zum Träumen und zum Weinen. Katharina Wagner, Leiterin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin Richard Wagners, versteht es blendend in Ihrer Inszenierung von Tristan und Isolde Spannung aufzubauen, Spannung welche fasziniert. Sie schafft es, innere Seelenbilder „sichtbar“ zu machen. Ähnlich der Ruth Berghaus Inszenierung in Hamburg setzt sie an bei der Vorgeschichte.

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Tristan und Isolde lieben sich seit langem, bereits seit der Vorgeschichte in Irland (1. Akt „Dein Elend jammerte mich“ in Liebe-unterstreichender Tonart). König Marke wird nicht als etwas dümmlicher Opa charakterisiert, sondern ist Diktator, Schurke, Egoist. Die Handlung der Katharina Wagner – Inszenierung ist folgerichtig und klug durchdacht. Tristan und Isolde  brauchen keinen Liebestrank (mir klopft das Herz). Sie schütten ihn sogar weg u.v.m. Im zweiten Akt wird deutlich, dass sie wissen, dass dies ihre letze Nacht (Liebesnacht) werden wird. Der dritte Akt endet nicht wie so oft mit einem verklärten Liebestod (Wagner hat nie geschrieben, dass sie stirbt); Isolde spielt noch ein wenig mit der Leiche ihres Geliebten und wird dann schroff von Marke in ihre Kammer gezerrt. Atemberaubend und großartig dargestellt. Das Orchester der Bayreuther Festspiele ist „des Wahnsinns fette Beute“. Am Beginn des dritten Aktes kann man die Tränen angesichts der Schönheit der Musik nicht mehr zurückhalten. Warum auch?

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde – Schlussapplaus © Patrik Klein

Christian Thielemann dirigiert perfekt; flüssig; an manchen Stellen innehaltend; wuchtig; solide; abenteuerlich. Es ist eine Freude. Der Gesang ist besser als befürchtet. Grandios mit allesüberstrahlendem Bass René Pape. Kraftvoll bis zum letzten Atemzug der Tristan von Stephen Gould. Ricarda Merbeth singt ordentlich von der Seite für die erkrankte Petra Lang. Frau Lang spielt stumm. Die Brangäne wird von der wohlklingenden Christa Mayer dargestellt. Insgesamt sind die Stimmen bis auf René Pape wenig textverständlich. Obwohl ich den Text der Oper Tristan und Isolde recht gut kenne, sehnt man die fehlenden Übertitel herbei. Großer Jubel und Getrampel nach sechs Stunden spannendem Musiktheater.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Finale © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Finale © Enrico Nawrath

Götterdämmerung: Da Dr. Hanns Butterhof bereits ausführlich über den Ring berichtete, hier mein kurzer Eindruck von der Castorfschen Apokalypse des Kapitalismus. Die Vorstellung gerät, wenn man die drei vorherigen Teile nicht sehen konnte, leicht zu einer Reizüberflutung größten Ausmaßes. Nie zuvor war ich nach einer Götterdämmerung emotional so fertig und scheinbar überrannt. Doch die Musik war umso erstaunlicher. Marek Janowski dirigierte vor Kurzem mit dem NDR Elbphilharmonieorchester und Weltklassesängern ein großartiges Rheingold in der Elbphilharmonie Hamburg. Die musikalisch hohe Qualität setzte sich hier in Bayreuth   nahtlos fort.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Schlussapplaus © Patrik Klein

Janowski dirigiert zügig; sehr zügig, aber spannend und facettenhaft. Das machte Spaß. Die Sängerriege kurzum großartig erhielt Zuspruch ohne Einschränkungen. Es ist wunderbar, ein solches gleichförmiges Niveau erleben zu dürfen. Der Chor unter Eberhard Friedrich singt im Weltklassemodus. Man wünscht sich als Hamburger an dieser Stelle, dass es ihm gelänge, dies auch an der Hamburgischen Staatsoper häufiger umzusetzen.

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

„Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten“, so der Dalai Lama. Parsifal bei den Bayreuther Festspiele 2017: Ein Ereignis.  Regisseur Uwe Eric Laufenberg gibt zu denken; er provoziert mit sanften Bildern, nicht wie gestern der Chef des aktuellen Ringes. Seine Bilder rauben mir den Atem. Wir befinden uns in Mossul, wenn ich die Raumfahrt über google earth richtig gedeutet habe. In einer beschädigten Kirche, die nachts Flüchtlingen Unterschlupf gewährt. Soldaten queren und in der Kuppel sitzt eine Gestalt auf einem Stuhl, blau gekleidet mit schwarzen Locken…starr und stumm…sie wird uns die ganzen 4 Musikstunden begleiten, nichts sagen, nichts tun, nur ab und an mal angestrahlt; die machtlose Mutter Gottes? Die Gralsritter wirken hektisch und es lauert Gefahr. Gurnemanz (überragend Gerd Zeppenfeld) weist den schwantötenden Parsifal (Andreas Schagerl in Bestform) in seine Schranken. Die Verwandlungsmusik wird bebildert durch eine Videowand in voller Bühnenbreite. Durch das Kuppeldach der Kirche fliegen wir in den Weltraum und sehen Sterne, Chaos und wilde Schönheit. Und wir landen wieder dort, im Irak, an der Grenze zur Türkei. Amfortas (großartig Ryan McKinny) leidet und durchlebt eine Tortur des Rituals der Gralsenthüllung. Der Chor unter Eberhard Friedrich klingt erschütternd. Amfortas wird die Wunde gewaltsam geöffnet, Blut entnommen und in den Kelch gefüllt. Verrohen die Gralshüter angesichts der brutalen Ereignisse? Im zweiten Aufzug im Reich des Klingsors (Werner Van Mechelen mit einem kraftvollen Bayreuthdebut) findet in einem Hamam statt. Die Blumenmädchen sind als Muslima getarnt und unter Burkas verhüllt. Erst als Parsifal erscheint, entledigen sie sich der Kleidung und erscheinen in farbenfrohen Gewändern. Parsifal im Dialog mit der großartigen Kundry, Elena Pankratova, wird durch Mitleid wissend und nimmt sich Kundry ordentlich zur Brust.

Bayreuther Festspiele / Parsifal - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Parsifal – Schlussapplaus © Patrik Klein

Ein gefangen gehaltener Gralshüter tut es ihm gleich, während Klingsor sich in einem Kuppelraum vollgestopft mit Kreuzen mit einer Peitsche malträtiert. Im dritten Akt befinden wir uns viele Jahre später wieder im Dunstkreis Amfortas. Gurnemanz im Rollstuhl, kaum noch gehfähig, Kundry eine Greisin. Der Ort ist verwildert mit riesigen Pflanzen, die das Mauerwerk längst durchstoßen haben. Ersehntes Wasser regnet in Strömen aus den Wolken während beim Karfreitagszauber wieder ein Videoausflug stattfindet, bei dem Kundry, Amfortas und Wagners Totenmaske „erlöst“ werden. Die Schlussszene wiederholt sich wie am Anfang. Die wütenden Gralshüter fordern massiv ein letztes Mal die Enthüllung von Amfortas (der Chor sehr ausdrucksstark!). In offenem Sarg werden die religiösen Attribute der großen Weltreligionen versenkt, währenddem die Kirche aufreißt, das Licht im Zuschauerraum anschwillt und das Ensemble friedvoll in der Hinterbühne verschwinden. Der Vorhang fällt NICHT! Jubel ohne Ende für alle Beteiligten und ganz besonders für das atemberaubende Dirigat Hartmut Haenchens.

—| IOCO Aktuell Bayreuther Festspiele |—

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