Lockenhaus, Kammermusikfest 2021, Ein Wallfahrtsort für Kammermusik-Liebhaber, IOCO, 28.07.2021

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Burg und Kirche Lockenhaus - im abendlichen Nebel © a4grafik

Burg und Kirche Lockenhaus – im abendlichen Nebel © a4grafik

Kammermusikfest Lockenhaus

  Kammermusikfest Lockenhaus – 2021 „SINNESERWACHEN“

Wallfahrtsort im Burgenland für Kammermusikliebhaber

 von Hans-Günter Melchior

Lockenhaus, nahe der ungarischen Grenze  im Burgenland in Österreich ist eine Art Wallfahrtsort für Liebhaber und Kenner der Kammermusik. Wer hierher kommt, will nicht gesehen werden, er will hören und noch einmal hören –, bis in die Nacht hinein.

Seit 40 Jahren kommen immer dieselben Anhänger der Kammermusik. Zwanglos und ohne den sonst bei Festspielen ebenso üblichen wie lästigen Aufwand geht es zu, leger und in Freizeitkleidung, Jeans, manche in kurzen Hosen. Konzentriert und neugierig, sachverständig sind die Wallfahrer, entschlossen, sich einer Musikanstrengung sondergleichen auszuliefern. Hier geht es ausschließlich um die Musik, schwierige und schwierigste, die die Aufmerksamkeit von allem anderen abzieht und oft Versenkung erfordert. Mit anderen Worten: es sind nicht die ausgetretenen Pfade der üblichen und populären Renner zum Mitsingen, oft ist es Neuland, selbst für die Spezialisten, deren es hier nicht wenige gibt.

Viele der Besucher spielen ein Instrument. Wohl mehr als die Hälfte. An manchem des Dargebotenen haben sich selbst versucht und sind begeistert, wenn den Künstlern gelingt, woran sie sich abmühten. Überhaupt: bewundernswert ist die Reife, die technische Perfektion und das inhaltliche Verständnis der meist noch sehr jungen und äußerst engagierten Darbietenden, von denen manche bereits international etabliert sind.

Ganz zu schweigen von den Meisterleistungen eines Gidon Kremer oder Andras Schiff.

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt @ Niklas Schnaubelt

Die Musik also und nochmals die Musik. Das kann bis Mitternacht gehen, drei oder vier Vorstellungen hintereinander an einem Tag; bis dann doch der Kopf auf die Brust sinkt und der letzte Funken übergesprungen ist. Pierrot lunaire von Arnold Schönberg etwa, beginnend um 22.00 Uhr ist eine Herausforderung, textlich wie musikalisch, besonders wenn man bereits am Morgen um 11.15 Uhr George Antheil, Heinz Holliger György Kurtag und die Klaviersonate c-Moll op. 111 von Ludwig van Beethoven, am Nachmittag Werke von Debussy, Liszt, sodann  von 19.00 Uhr bis 21.00 Uhr Duos, Trios von Feldman, Camille Saint-Saens (mit Heinz Holliger als Oboist), ein 3-sätziges Sextett für Bläserquintett und Klavier von Francis Poulenc, außerdem Werke von Bohuslav Martinu, Benjamin Britten, Claude Vivier und anderen mehr gehört und zu verarbeiten hatte.

Dies nur ein Beispiel von einem einzigen Tag. Zehn Tage lange füllt einem – vor allem auch neue, zeitgenössische, auch experimentelle – Musik den Kopf, macht nachdenklich und wissbegierig, forschereifrig; und – selten zwar – mutlos aus mangelndem Verständnis. Es treten auch manche Komponisten mit eigenen Werken auf, stellen sich einem kritischen Publikum, zum Beispiel der Finne Olli Mustonen, der auch als Pianist und Dirigent zu internationalem Ansehen gelangte. Oder der 82-jährige Schweizer Heinz Holliger, Komponist, Oboist und Pianist.

Es ist einem Beitrag wie dem vorliegenden nicht möglich, die Fülle der in dem Lockenhauser Kammermusikfest dargebotenen Werke über 10 Tage zu benennen, geschweige denn zu besprechen.

Im Zentrum standen dieses Jahr – jedenfalls für mich, jeder hat so seine Prioritäten –  die 6 Streichquartette von Bela Bartok. Meisterhaft dargeboten von dem Kelemen Quartett. Jedes einzelne dieser Quartette stellt einen ganzen musikalischen Kosmos dar, fordert extreme Aufmerksamkeit für die höchst differenzierten rhythmischen und thematischen Feinheiten. Für das Volksliedhafte ebenso wie für die dodekaphonischen und chromatischen Besonderheiten im Werk dieses ganz Großen des 20. Jahrhunderts (er zählt neben Richard Strauss und Igor Strawinsky zu den Bedeutendsten seiner Zeit), dessen Musik weit in die Moderne hineinreicht und dabei Elemente aus den Musiken vieler Völker in sich aufnimmt. Bartoks komplexe Musik verdiente ein eigenes Kammermusikfest.

Dem Kelemen Quartett merkt man das intensive Studium der Musik des Landsmannes an, ein ursprüngliches Verständnis für gewisse Besonderheiten (z.B. das Bartok-Pizzicato, die Verarbeitung von Volksliedhaftem, Polymetrik, Ganztonleiter, Abweichungen von der herkömmlichen Diatonik, Eigenheiten der Pentatonik u.a.m.), die Musiker sind in dieser Musik zu Hause, spielen hinreißend engagiert und lassen sich selbst hinreißen.

Eine Werkstattveranstaltung mit dem Quartetts unter der Leitung des  Musiklehrers Prof. Eberhard Feltz arbeitete die höchst subtilen Besonderheiten z.B. des Streichquartetts Nr. 2 heraus, assoziierte eine Passage mit einem Todesmarsch von Nazi-Gefangenen. Was für ein Jammer, dass ein Genie wie Bartok völlig verarmt in den USA verstarb.

Natürlich kamen die Klassiker nicht zu kurz. Beethovens Klaviersonate in As–Dur op.26 und die Sonate für Viola und Klavier f–Moll op. 120 Nr.1 von Brahms wurden von Alexander Lonquich (Klavier) und Timothy Ridout (Viola) gespielt. Rachmaninov und Bach (Violine: Gidon Kremer) kamen zur Aufführung, nur  – leider – fehlte in diesem Jahr Mozart, sieht man von einer Nebenbemerkung des Pianisten András Schiff einmal ab.

Ein Gipfelpunkt war freilich das sogenannte Rezital von András Schiff. Er spielte die B-Dur Sonate von Schubert, ferner die sogen. Geisterromanze von Schumann und ein Jugendwerk von Bach.

Das vergeistigte Spiel dieses sich in die Musik nicht nur hinein versenkenden, sondern geradezu in ihr verschwindenden und mit ihr eins werdenden  Künstlers sorgte für eine atemlose, selten erlebte Spannung. Hier wurde die Musik zur Tat, dargeboten mit einer Autorität der Sinngebung, die für etwa 1 ½ Stunden die Welt um sich herum vergessen ließ. Immer wieder strebt das Kammermusikfest in Lockenhaus solchen Höhepunkten zu und macht seine Einzigartigkeit aus.

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest @ Alois Weber

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest @ Alois Weber

 Anmerkungen zur Geschichte und zum Festspielort

Das Kammermusikfest Lockenhaus wurde vor 40 Jahren von dem berühmten Geiger Gidon Kremer gegründet. Er ist auch der Begründer des Orchesters Kremerata Baltica, das inzwischen internationale Reputation genießt.

Im Jahre 2012 hat Gidon Kremer die künstlerische Leitung an den Cellisten Nicolas Altstaedt, Foto, abgegeben, der nicht nur an vielen Konzerten mitwirkt, sondern dem es immer wieder gelingt, renommierte Künstler aus vielen Nationen für Auftritte in Lockenhaus zu gewinnen.

Die Kartenpreise sind, verglichen mit den Beträgen anderer Festspielorte, durchaus erschwinglich, sie pendeln zwischen 25 und 34 Euro. Die Künstler bekommen keine Gage, finanziert wird nur die Anreise und der Aufenthalt am Festspielort.

Die Gemeinde Lockenhaus hat 1.981 Einwohner. Sie gehörte  bis in die 20-er Jahre des 19. Jahrhundert hinein zu Ungarn. Heute gehört sie zum Burgenland. Lockenhaus liegt etwa in der Mitte zwischen Wien und Graz, unmittelbar an der Grenze zu Ungarn, Die ungarische Stadt Sopron mit ihren mittelalterlichen und barocken Bauwerken liegt in der Nähe. Ferner die Stadt  Köszeg, die nur 2 km von der Grenze entfernt ist. Ungarischer Einfluss ist allenthalben bemerkbar, viele Ungarn pendeln zwischen ihrem Heimatort zum Arbeitsplatz in Österreich.

In Lockenhaus selbst gibt es nur wenige Unterkunftsmöglichkeiten. Die Besucher des Kammermusikfestes verteilen sich auf die umliegenden Ortschaften, insbesondere auf das ca. 16 km entfernte und über eine großzügig angelegte Straße leicht erreichbare Kirchschlag in Niederösterreich.

Spielstätten: Die mittelalterliche Ritterburg Lockenhaus  – Die Pfarrkirche

Die Ritterburg Lockenhaus liegt hoch über dem Dorf, ein majestätisches Bauwerk, dessen Bauzeit auf das 13. Jahrhundert zurückgeht und einmal ein Unterschlupf für die Tempelritter gewesen sein soll. Belegt ist, dass hier die ungarische Gräfin Elisabeth Báthory residierte, der Legende nach eine sadistische Massenmörderin, der über 80 Morde mittels Folter an Bauernmädchen und Frauen aus dem niederen Adel zur Last gelegt wurden. Sie wurde hingerichtet. Die Täterschaft der Gräfin ist neueren historischen Forschungen zufolge freilich umstritten.

Heute gehört die Burg einer Stiftung an. Sie ist vollständig restauriert und verfügt über einen Konzertsaal mit ausgesprochen guter Akustik. An heißen Sommertagen wabert hier freilich die Hitze, das dicke Gemäuer lädt sich auf wie ein Heizofen.

Die Pfarrkirche Lockenhaus wurde in der Zeit von 1656 bis 1669 errichtet, ein Barockbau mit großer Orgel und bemerkenswertem Altar und fein gestalteter Kanzel. Obwohl der Klang hier etwas „hallig“ ist, nimmt man dieses Manko an heißen Tagen gerne in Kauf. Die Kirche ist angenehm kühl.  Direkt neben der Pfarrkirche befindet sich das Sommerschloss der Adelsfamilie Esterházy.

Manchmal, freilich höchst selten, gibt es einige freie Stunden. Dann fährt man in der sogenannten „Buckligen Welt“, einer wunderbar weich geschwungenen Höhenlandschaft mit vielen Erhebungen (sich wellig ablösenden Buckeln) zu entlegenen Gasthäusern hinaus, wo man u.a. hervorragenden Fisch essen kann. Und abends empfiehlt sich der „Blaufränkische“, eine beliebte Rotweinsorte, die hier zu Hause ist.

Nach Ende des Kammermusikfestes Lockenhaus ist der Kopf noch lange gebannt von  herber Chromatik, harter Rhythmik der Moderne wie dem Ideenreichtum der Klassik. 2022 werde ich dem Kammermusikfest Lockehaus zum ..x..  Mal wieder beiwohnen.

—| IOCO Aktuell Kammermusikfest  Lockenhaus |—


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Lockenhaus, Kammermusikfest 2021, 40jähriges Jubiläum – Sinneserwachen, IOCO Aktuell, 12.06.2021

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Burg und Kirche Lockenhaus - im abendlichen Nebel © a4grafik

Burg und Kirche Lockenhaus – im abendlichen Nebel © a4grafik

Kammermusikfest Lockenhaus

Kammermusikfest Lockenhaus  –  8. – 17. Juli 2021 

40-jähriges Jubiläum  –  „Sinneserwachen“

„Lockerer und innerlich wie äußerlich aufgeheiterter hat man ein so individualistisches Künstlervölkchen selten einmal erlebt. Showgebärden sind in Lockenhaus allemal verpönt“ schrieb im Gründungsjahr 1981 Die Zeit über das Kammermusikfest Lockenhaus im Burgenland von Österreich.

Das 40 Jahre Jubiläum des Kammermusikfest Lockenhaus wird,wie geplant, von 8. – 17. Juli 2021 stattfinden; allerdins im Rahmen der Corona-Vorgaben (Imopfung, Testung). Ein Präventivkonzept wird dafür Sorge tragen, dass auch das 40 Jahre Jubiläum des Kammermusikfest wieder erfolgreich über die Bühne gehen kann.

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt © Niklas Schnaubelt

Kammermusikfest Lockenhaus / hier: künstlerischer Leiter und Cellist Nicolas Altstaedt © Niklas Schnaubelt

Zum 40-jährigen Jubiläums sendet Ö1 am 10.07.2021. um 10:05 Uhr einen Klassik Treffpunkt live aus der Ritterburg Lockenhaus, Foto oben. Helmut Jasbar moderiert die Sendung mit Nicolas Altstaedt, Festivalgründer Gidon Kremer und anderen. Auffällig, und nur in Lockehaus: Generalpassinhaber sind automatisch für diesen Termin auf ihren Stammplätzen gebucht!

IOCO Korrespondent HG  Melchior besucht das Kammermusikfest Lockenhaus seit vielen Jahren. Er  berichtete für IOCO über das Musikfest 2020, link HIER, und wird auch über das kommende Musifest Lockenhaus 2021 berichten

1981 von Gidon Kremer gegründet, entwickelte sich das Festival schnell zu einer international anerkannten Oase der Kammermusik. Die beeindruckende Ritterburg mit ihrem Rittersaal, der den Templern als geheimer Versammlungsort gedient haben soll, und die wunderschöne Barockkirche Lockenhaus bieten inmitten der Wälder des Mittelburgenlands bezaubernde Aufführungsorte. Das Festival dient seit jeher als Ort für Entdeckungen, Experimente, die Präsentation junger oder noch unbekannter Künstler, den Aufbau künstlerischer Partnerschaften und lebenslanger Freundschaften durch gemeinsames Musikmachen auf höchstem Niveau.

“Programm beim Kammermusikfest Lockenhaus ist, dass es vorab keine fest fixierten Programme gibt”. Die Konzertprogramme entstehen durch die Konstellation der Künstler und der Magie des Ortes. Um immer auf dem Neuesten Stand zu sein, sollte man den Newsletter beziehen!

Kammermusikfest Lockenhaus 2021 –  Programm HIER

Anlässlich der 100 Jahr Feierlichkeiten des Burgenlands lädt das Kammermusikfest Lockenhaus im Rahmen seines Jubiläums zu vier Konzerten fürs Burgenland

Die., 13.7., 18:00 Uhr: Gidon Kremer & Kremerata 
Mi., 14.7., 20:30 Uhr: Sir András Schiff
Do., 15.7., 21:30 Uhr: African Night 
Fr., 16.7., 22:00 Uhr: Pierrot Lunaire

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche in Lockenhaus / 2020 auch Spielort des Kammermusikfest @ Alois Weber

Die verzaubernde St Nikolaus Kirche, Lockenhaus / Teil des Kammermusikfest @ Alois Weber

Die Liste erstrangiger Künstler, die beim Kammermusikfest Lockenhaus auftraten, um diese Ziele zu verwirklichen, ist lang und sehr beeindruckend. Eine ganze Generation von Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Alfred Schnittke oder Arvo Pärt wurde durch Aufführungen beim Kammermusikfest Lockenhaus dem westlichen Publikum bekannt. György Kurtág präsentierte hier seine Kompositionen, Nikolaus Harnoncourt dirigierte das Lockenhaus Festival Ensemble bestehend aus namhaften Solisten der jeweiligen Saison und Boris Pergamenschikow, Heinz Holliger, András Schiff, Heinrich Schiff, Martha Argerich, Oleg Maisenberg, Robert Holl sowie Dietrich Fischer-Dieskau waren ebenso Teil des Kammermusikfests wie das noch sehr junge Hagen Quartett, das von Lockenhaus aus seine ersten Schritte zur Weltkarriere machte, um nur einige zu nennen.

Die Welt hat sich seitdem verändert, das Festival wurde von der New York Times zum Europäischen Kulturerbe ernannt und in der FAZ schreibt Eleonore Büning: „…das glaubt sowieso keiner, der nicht dabei gewesen ist.”

—| IOCO Aktuell Kammermusikfest  Lockenhaus |—


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Köln, Gürzenich-Orchester, Igor Strawinsky – Hommage zum 50. Todestag, IOCO Aktuell, 02.04.2021

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Grüzenich Orchester

Gürzenich Orchester Köln © Holger Talinski

Gürzenich Orchester Köln © Holger Talinski

Strawinsky – Marathon:  Hommage zum 50. Todestag

Igor Strawinsky hat viele Spuren hinterlassen – auch in Köln

Vor 90 Jahren gastierte er als Dirigent und Pianist beim Gürzenich-Orchester Köln. In einem Livestream anlässlich seines 50. Todestages am 6. April zeigt das Gürzenich-Orchester in Kooperation mit dem Museum Ludwig die Bandbreite von Strawinskys Schaffen.

Wohl nur wenige Komponisten des 20. Jahrhunderts haben ein derartig vielfältiges und in unterschiedlichsten Stilen schillerndes Gesamtwerk geschaffen wie Igor Strawinsky, geboren 1882 in der Nähe von St. Petersburg, gestorben 1971 in New York. Am 6. April 2021, genau an Strawinskys  50. Todestag also, lädt das Gürzenich-Orchester zu einem Strawinsky-Marathon ein, der als Livestream zu erleben ist. Und noch ein zweites Jubiläum gilt es damit zu feiern: Vor 90 Jahren trat Igor Strawinsky persönlich als Dirigent und Solist mit dem Gürzenich-Orchester auf. Ein weiteres Beispiel dafür, dass das Orchester in seiner langen Geschichte stets am Puls der Zeit mit vielen großen musikalischen Persönlichkeiten zusammengearbeitet hat. Durch das Programm führt live moderierend Gürzenich-Kapellmeister François-Xavier Roth. Er hat sich zudem verschiedene Gesprächspartner eingeladen, mit denen er unterschiedliche Aspekte von Strawinskys Werk beleuchten wird. Darunter den Pianisten Jean-Efflam Bavouzet, Solist in Igor Strawinskys »Capriccio« sowie Yilmaz Dziewior, Direktor des Museum Ludwig Köln.

Igor Stravinksky auf der Toteninsel von Venedig © IOCO

Igor Stravinksky auf der Toteninsel von Venedig © IOCO

Die erste Etappe des Marathons ist dem sinfonischen Schaffen Igor Strawinskys gewidmet. In der Kölner Philharmonie dirigiert François-Xavier Roth das Gürzenich-Orchester in Werken wie der Ballettmusik »Le baiser de la fée« (eine Hommage an Peter Tschaikowsky) oder dem Stück für 23 Bläser »Symphonies d’instruments à vent«. Außerdem werden selbstverständlich jene beiden Kompositionen erklingen, mit denen sich Strawinsky 1931 dem Kölner Publikum vorstellte: Vilde Frang ist die Solistin im grandiosen, seinerzeit brandneuen Violinkonzert. Der Pianist Jean-Efflam Bavouzet  tritt in die Fußstapfen von Strawinsky persönlich, der sich das bravouröse »Capriccio für Klavier und Orchester« für eigene Auftritte auf den Leib schrieb.

» Strawinskys Sinn für Farben, für rhythmische Raffinesse und für Proportion bringt mich immer wieder neu zum Staunen. Diese Musik wächst über sich selbst hinaus, das sind Ereignisse, die mich packen und dann einfach nicht mehr loslassen.«  François-Xavier Roth

Igor Strawinsky zog Zeit seines Lebens wichtige Impulse für die eigene Kreativität aus der Bildenden Kunst, war mit berühmten Malern, Designern und Modeschöpfern befreundet: Picasso inspirierte ihn. Léon Bakst, der damalige Superstar des Bühnen- und Kostümbilds, ließ den »Feuervogel« bei seiner Uraufführung märchenhaft schillern. Mit Coco Chanel, der Grande Dame französischer Eleganz, verstrickte Strawinsky sich in eine Liebesaffäre.

Gürzenich Orchester Köln / Francois-Xavier Roth © Holger Talinski

Gürzenich Orchester Köln / Francois-Xavier Roth © Holger Talinski

Gute Gründe also, den zweiten Teil des Kölner Strawinsky-Marathons im Museum Ludwig zu starten. Im Gespräch mit François-Xavier Roth spürt Museumsdirektor Yilmaz Dziewior den sichtbaren und unsichtbaren Brücken zwischen Strawinskys Werk und der Bildenden Kunst seiner Zeit nach.

»In der Musik des 20. Jahrhunderts gibt es nur wenige Personen, deren Einfluss auf die Bildende Kunst so tiefgreifend war wie der von Strawinsky. Umso mehr freut es mich, dass das Museum Ludwig und das Gürzenich-Orchester diese interdisziplinäre Tradition an einem Abend mit musikalischen und bildnerischen Beispielen unterhaltsam ins Bewusstsein rufen.«  Yilmaz Dziewior

Dieser Ausflug in die Welt der Farben und Formen stellt zudem ausgewählte Kammermusik Igor Strawinskys vor. Nathan Braude, Solo-Bratscher des Gürzenich-Orchesters, vertieft sich in die dunkle Stille der »Élegie« für Viola solo, drei Violoncelli lassen mit einer eleganten Adaption der »Suite italienne« das Licht des Südens flirren, Bläser des Gürzenich-Orchesters brillieren im jazzigen Oktett für Blasinstrumente, über das Strawinsky sagte, es müsse klingen wie perlender Sekt.

Apropos Jazz: Der lag Igor Strawinsky lebenslang am Herzen. In vielen seiner Werke sorgt er für Pfeffer und Pfiffigkeit. Und genau deswegen liegt die Ziellinie des Klang-Marathons im Kölner Jazzclub Papa Joe’s, wo Mitglieder des Gürzenich-Orchesters sich von einer ganz anderen Seite zeigen und mit Schwung auf den Jubilar anstoßen.

PROGRAMM  STRAWINSKY-MARATHON

Livestream:  Gürzenich-Orchester in Kooperation mit Museum Ludwig Köln

Dienstag –  06.04.2021  –  20:15 Uhr –  auf folgenden Plattformen

Webseite Gürzenich-Orchester: https://www.guerzenich-orchester.de/livestream
YouTube-Kanal Gürzenich-Orchester: https://youtu.be/QKzmQ2EX3VM

Vilde Frang Violine,  Jean-Efflam Bavouzet  Klavier,
Solisten des Gürzenich-Orchester Köln Gürzenich-Orchester Köln
François-Xavier Roth Dirigent und  Moderation
Gäste: Jean-Efflam Bavouzet, Yilmaz Dziewior und weitere

—| IOCO Aktuell Gürzenich Orchester Köln |—


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Klagenfurt, Kärntner Sinfonieorchester, Nicholas Milton – Neuer Chefdirigent, IOCO Aktuell, 01.03.2021

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Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Stadttheater Klagenfurt © Stadttheater Klagenfurt / Helge Bauer

Nicholas Milton – Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchester

Ab der Spielzeit 2021/2022 wird Nicholas Milton, *1967 in Sydney, neuer Chefdirigent des Kärntner Sinfonieorchesters. Er wird für seine herausragenden Interpretationen eines breitgefächerten Opern- und Konzertrepertoires geschätzt und ist auch Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Göttinger Symphonieorchesters. Er hat bereits Konzerte mit dem Kärntner Sinfonieorchester erarbeitet und wird die Spielzeit 2021/2022 in Klagenfurt mit Richard Wagners Die Walküre eröffnen.

Milton war von 2014 bis 2018 Generalmusikdirektor am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Gastengagements in den letzten Jahren führten ihn an Häuser wie die Deutsche Oper Berlin, die Komische Oper Berlin, die Volksoper Wien und Opernhäuser in Dortmund, Leipzig, Linz und Innsbruck. Zuletzt dirigierte er an der Deutschen Oper Berlin Tosca, Così fan tutte und Die Entführung aus dem Serail. Demnächst stehen La Bohème und Madama Butterfly an der Opera Australia (Sydney Opera House) und Don Giovanni an der Deutschen Oper Berlin auf dem Programm.

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Kärntner Sinfonieorchester / hier die Präsentation von Nicholas Milton © Christoph Mischke

Im Alter von 19 Jahren zum jüngsten Konzertmeister Australiens ernannt, begann Milton zunächst eine erfolgreiche Karriere als Solo-Violinist und Kammermusiker, bevor er sich ausschließlich dem Dirigieren widmete. Er war erster Konzertmeister beim Adelaide Symphony Orchestra und Violinist des renommierten Macquarie Trios in Australien. Von 2004 bis 2010 leitete er als Generalmusikdirektor die Jenaer Philharmonie, von 2007 bis 2020 war er Chefdirigent und Künstlerischer Leiter des Canberra Symphony Orchestra. Seit 2001 bekleidet er das Amt des Chefdirigenten des Willoughby Symphony Orchestra (Sydney).

Studien in Australien und den Vereinigten Staaten schloss Milton mit einem Master in Violine, Dirigieren, Musiktheorie und Philosophie ab. Außerdem promovierte er an der City University New York. Nicholas Milton wurde von Jorma Panula an der Sibelius Akademie Helsinki gefördert. Als Assistent von Mariss Jansons begleitete er das Koninklijk Concertgebouworkest Amsterdam auf einer umfangreichen Tournee durch Europa und die USA.

Nicholas Milton wurde für besondere Verdienste als Dirigent mit der Aufnahme in den Order of Australia (AM) geehrt. Seine Diskografie umfasst ca. 60 Aufnahmen. 2016 war er mit einem Album für den GRAMMY® nominiert. Mehrere CD-Aufnahmen mit dem Konzerthausorchester Berlin und der Deutschen Radio Philharmonie erscheinen demnächst bei Onyx Classics und cpo.
Nicholas Milton: „Ich freue mich sehr, mit dem Stadttheater Klagenfurt und den MusikerInnen des Kärntner Sinfonieorchesters auf diese aufregende musikalische Reise zu gehen. Die Konzerte, die wir bisher gemeinsam erarbeitet haben, sind für mich unvergesslich und ich denke, wir haben gemeinsam Momente von besonderer Schönheit geschaffen. Wir alle hoffen, dass das Stadttheater die dunklen Zeiten der Pandemie bald hinter sich lassen kann und ich freue mich darauf, eine zukunftsträchtige Grundlage zu schaffen, die unserem Publikum wieder Freude, Inspiration und Seelennahrung bringt.“

Intendant Aron Stiehl:Es ist uns eine große Freude, diesen international renommierten Dirigenten für unser Theater gewinnen zu können. Mit seiner reichen Erfahrung, seiner profunden und vielfältigen Repertoirekenntnis und vor allem seiner musikalischen Sensibilität wird er das KSO hervorragend leiten und inspirieren. Er hat bereits mit den MusikerInnen des KSO gearbeitet – die Chemie stimmt.“

  Das Orchester – Sinfonieorchester – Stadttheater Klagenfurt

Das Kärntner Sinfonieorchester gilt als das musikalische Aushängeschild Kärntens. Das „Orchester des Stadttheaters“ änderte in den 1990er Jahren nicht nur seinen Namen, sondern auch sein Repertoire und wurde in das  Sinfonieorchester des Landes Kärntens umgewandelt. Seitdem hat es sich, zusätzlich zum breiten Opern-, Operetten- und Musicalrepertoire ein umfangreiches sinfonisches Repertoire aufgebaut. Neben bedeutenden Dirigenten wie Bertrand de Billy, Antonello Manacorda, Lorenzo Viotti, Michael Güttler, Robin Ticciati oder Alexander Joel sind international renommierte Solisten wie Bernarda Fink, Michael Schade, Julian Rachlin oder Phillipe  Entremont musikalische Partner des Orchesters. Unter dem Chefdirigat Alexander Soddys (2013–2017) fand eine Repertoireerweiterung statt, unter anderem wurden Richard Strauss‘ Der Rosenkavalier sowie alle Brahms- Sinfonien erarbeitet. Das sinfonische Highlight der Saison 2013/2014 war die Eröffnung des neuadaptierten Großen Saales des Klagenfurter Konzerthauses mit Beethovens 9. Sinfonie. Seit dem Sommer 2015 ist das Kärntner Sinfonieorchester regelmäßig beim Carinthischen Sommer zu Gast. Seit Beginn der Spielzeit 2018/2019 steht Nicholas Carter dem Kärntner Sinfonieorchester als Chefdirigent vor.

—| IOCO Aktuell Stadttheater Klagenfurt |—

 


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