Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Agrippina – Georg Friedrich Händel, IOCO Kritik, 30.05.2021

Mai 30, 2021 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Agrippina – Georg Friedrich Händel

Eröffnungspremiere der Hamburgischen Staatsoper –  gekonnte Personenregie von Barrie Kosky

von Patrik Klein

Sieben Monate lang war der Vorhang vor Zuhörern geschlossen. Kein Ton und kein Bild gelangten an die Ohren und Augen eines Live Publikums. Einzig ein paar Streams von intimen Produktionen oder gereiften Konserven aus dem Archiv, wie zum Beispiel die Neuinszenierung von Massenets Oper Manon, die im Januar 2021 von David Bösch mit ansprechenden Bildern inszeniert und mit einer guten musikalischen Leistung von Orchester und Sänger*innen  publikumslos über den Äther flimmerte.

Seit Monaten wurde geprobt und auf den fiktiven Termin des 28. Mai 2021 hingearbeitet mit allen Risiken einer im Hintergrund langsam abflauenden Pandemie. Ein überdimensionales Banner mit der Aufschrift „Wir proben für Sie“ flatterte seit Wochen im Wind der Hansestadt unterhalb der Dachkante des Hauses am Dammtor.

So verkündete dann auch Staatsopernintendant George Delnon stolz die nahende Doppelpremiere und den finalen Spielplan der Restsaison 2020/21 im Video auf der Webseite des Hamburger Hauses.  Zuerst mit Georg Friedrich Händels Oper Agrippina mit international aufregender Besetzung, dem Ensemble Resonanz im Graben, dem barockmusikerfahrenen Dirigenten Riccardo Minasi am Pult und unter der Regie des Berliner Regisseurs und Intendant der Komischen Oper Berlin  Barrie Kosky, sowie am darauffolgenden Tag die neue Ballettpremiere von John Neumeier mit Namen Beethoven-Projekt 2 mit dem Philharmonischen Staatsorchester und Kent Nagano am Pult.

Die Hygienemaßnahmen sind ähnlich wie die vor der zweiten Pandemiewelle Ende 2020. Reduzierte Zuschauerzahlen mit Wahrung des Abstands, negative Coronatestvorlage und  Maskenpflicht sogar am Sitzplatz. Eine Barockoper wie Händels Agrippina mit gerade einmal acht beteiligten Personen eignet sich in diesen Zeiten und unter diesen Umständen besonders.

Man griff in Hamburg szenisch und zum Teil auch musikalisch auf eine Produktion der Bayerischen Staatsoper München von den Sommerfestspielen 2019 zurück, wo es mit gleichem Regieteam und Countertenorstar Franco Fagioli gelang, dem Werk voller Intrigen und beißender Satire neues Leben einzuhauchen.

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Ensemble © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Ensemble © Hans Joerg Michel

Der 1685 in Halle geborene Georg Friedrich Händel komponierte Agrippina HWV 6 auf ein Libretto von Vincenzo Grimani. Grimani passte die historischen Personen und Gegebenheiten dem „Dramma per musica“ an. Niemand stirbt in seiner Oper. Stattdessen geht es bei ihm um das machtpolitische Ränkespiel. Ende des Jahres 1709 gab es für den jungen Händel ein besonderes Geschenk zu Weihnachten: Mit der Premiere von Agrippina in Venedig am 26. Dezember feierte er mit 24 Jahren seinen bis dahin größten Erfolg. Es war seine zweite italienische Oper. Sie wurde viele Male in Venedig aufgeführt, später sowohl in Neapel als auch in Hamburg ab 1718 über 30mal in den darauffolgenden Jahren. Erstaunlich war jedoch, dass die Agrippina trotz dieses großen Erfolges bis Mitte des 20. Jahrhunderts fast in Vergessenheit geraten war. Fast 300 Jahre später gelangt sie nun an die Staatsoper Hamburg zurück.

Die Handlung spielt etwa im Jahr 54 nach Christus. Kaisergattin Agrippina will unbedingt Nerone, einen Sohn aus einer früheren Ehe, als Nachfolger Claudios sehen und nicht den Feldherrn Ottone, den Lebensretter Claudios, dem die Thronnachfolge zusteht. Sie möchte das mit Intrigen durchsetzen und benutzt dafür zwei in sie verliebte Höflinge und später auch die Verliebtheit des Kaisers in die edle Römerin Poppea, Ottones Geliebte, für die sich auch Nerone interessiert. Als Poppea Agrippinas Intrige durchschaut, setzt nun sie zur Rache Claudio und Nerone ein. Am Ende erreicht Agrippina ihr Ziel, weil Ottone der Liebe wegen auf den Thron verzichtet.

Das Regieteam um Barrie Kosky (Mitarbeit Regie: Johannes Stepanek, Bühnenbild: Rebecca Ringst, Kostüme: Klaus Bruns, Licht: Joachim Klein und Benedikt Zehm, Dramaturgie: Nikolaus Stenitzer) legte das Augenmerk vor allem auf die Wechselwirkungen zwischen politischen Machtspielchen und der Heiterkeit des Werks. Kosky lehnte sich dafür bei der US-Erfolgsserie House of Cards mit Schauspielerin Robin Wright Mitte der 2010er Jahre an. Er wies seine Agrippina einer der Hauptfiguren, nämlich Claire Underwood zu, die unterkühlte Zieherin der Fäden, über Leichen gehende Präsidentengattin und spätere US-Präsidentin.

Einführung in Agrippina an der Hamburgischen Staatsoper
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Kosky sieht in der Oper ein Kammerspiel mit acht Figuren: „Ich möchte das Drama auf die psychologischen und emotionalen Beziehungen konzentrieren“. Gerade der Facettenreichtum des Stoffes macht das Stück für ihn interessant „Manchmal ist es ein Familiendrama, manchmal ist es tief emotional, dann wunderbar ironisch. Manchmal hat es eine große Leichtigkeit, manchmal eine große dunkle Seite.“

Ein großer beweglicher metallischer Container, der sich in viele Teile zerlegen ließ, mit mehreren durch Vorhänge verschließbaren Kammern in der Bühnenmitte, bildete bei der Inszenierung in Hamburg den zentralen Blickwinkel und stand für ein Symbol der Gefühlskälte der Figuren. Verstärkt wurde das Spiel durch gezielten Einsatz des Lichtes und mit prägnanten charakterunterstützenden Kostümen. Das waren ideale Voraussetzungen, um die verschiedenen Facetten der Personen in den Fokus zu stellen.

Agrippina hatte die Zügel in der Hand. Alle hörten auf ihr Kommando. Sie ist eine machtbesessene Alphafrau, die unbedingt ihren Sohn Nerone auf den Thron bringen will. Dafür zog sie alle Register der Intrige, setzte aber auch unverhohlen ihre erotischen Reize ein. Der Regisseur formte aus dieser Konstellation ein personenbezogenes Kammerspiel der individuellen Emotionen.

Am Ende schloss sich der Vorhang jedoch nicht im Jubel für den Herrscher und dem Lobpreis der Götter. Das Orchester brachte vielmehr einen melancholisch-musikalischen Epilog. Agrippina verblieb alleine auf der Bühne und verlassen von allen. Ein Rollo nach dem anderen senkte sich. Einsam und perspektivlos hatte sie zwar ihr Ziel erreicht, glücklich wurde sie dabei jedoch nicht.

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Julia Lezhneva als Agrippina, Franco Fagioli als Nerone © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Julia Lezhneva als Poppea, Franco Fagioli als Nerone © Hans Joerg Michel

Agrippina (Anna Bonitatibus) wirkte durch die Zurückweisung durch ihren Mann Claudio (Luca Tittoto) wie eine Furie getrieben von Eifersucht und Übersensibilität. Die junge, attraktive Poppea (Julia Lezhneva), die zweite starke Frau in dieser Oper folgte mehr der Empfindung und Liebe zu Ottone (Christophe Dumaux). Dagegen war Kaiser Claudio eher ein notgeiler Angeber, der es überhaupt nicht mitbekam, wie die dominierenden Damen ihn benutzten.

Der Starcountertenor Nerone (Franco Fagioli) wurde mit tätowiertem Klatzkopf als Dummerchen und Schwächling charakterisiert. Er kam wohl nicht klar mit seiner starken Mutter, die zudem noch sexuelle Kontakte zu ihm generierte. Da brodelte einiges im Inneren der Seele.

Der Regisseur lockerte gekonnt diese seriöse Personenpsychologisierung durch eine Reihe von eingefügten Witzen auf, die die Grenze zum Trash zwar streiften, aber nie überschritten. Und genau dadurch geriet der lange, fast vier Stunden währende Abend nahezu ohne Langeweile.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel baut die Oper musikalisch auf mit vielen Rezitativen, kürzeren Arien und Duetten  sowie mit einigen wenigen Quartetten bzw. kurzen Oktetten. Das Giftpfeilewerfen, das verliebt Hinterherstellen, das Ausnutzen der Liebe anderer, das Täuschen, das Heucheln, die Wutausbrüche, aber auch die wahre, innige Liebe sind in den vielen musikalischen Nummern durchgehend äußerst kurzweilig komponiert, so dass die  Zeit rasend verrinnen kann. Das lag jedoch auch an den spielenden und singenden Protagonist*innen des Abends aus dem Graben und von der Bühne des Hamburger Opernhauses.

Ricardo Minasi dirigierte nicht nur, sondern spielte auch die erste Geige an diesem Abend. Und das in unnachahmlicher Manier zusammen mit dem im Graben hoch positionierten und dadurch klanggewaltigem Ensemble Resonanz. Fasziniert schweifte der Blick häufig vom Geschehen auf der Bühne auf die Virtuosität im Graben. Mit diesem Orchester, mit dem er gemeinsame CDs herausbrachte und seit 2018 auch deren Artist in Residence an der Hamburger Elbphilharmonie ist, gelang ein frischer, luftiger, präziser und dynamisch barocker Marathonlauf. Die facettenreichen Charakterzüge und Handlungen der Personen wurden pathologisch seziert und an geeigneten Stellen fulminant wieder zusammengefügt. Nicht oft hörte man derart feinste Klänge, Nuancen und Wirbelstürme so präzise aus dem Operngraben hier am Dammtor.

Die acht Protagonist*innen dieses Kammerspiels spielten, gestalteten und sangen an diesem Premierenabend auf absolut ausgeglichenem und hohem Niveau. Wann durfte man das zuletzt in Hamburg erleben?

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Schlussapplaus © Patrik KleinPatrik

Staatsoper Hamburg / Agrippina hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Die italienische Mezzosopranistin Anna Bonitatibus, erfahren auf allen großen Bühnen in Europa auch zum Beispiel als Carmen zeigte in der Titelpartie, dass sie nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch über großen Gestaltungsspielraum verfügt. Bis auf einige wenige kleine Schärfen in den höheren Registern lieferte sie ein überzeugendes Rollenportrait der Titelfigur ab. Besonders eindrucksvoll geriet ihr die gewaltige Selbstentblößung bei „Pensieri, voi mi tormentate“ im ersten Akt, unterstrich mit ihrer persönlichkeitscharakterisierende Arie „L’alma mia fra le tempeste“ ihre musikalische Güte und sang am Ende bei ihrer letzten Arie im dritten Akt „Se vuoi pace, o volto amato“ ein leises Besänftigungslied zu ihrem gnadenlosen Verhalten.

Die in Russland geborene junge Sopranistin Julia Lezhneva, die bereits den OPUS Klassik und den ECHO Klassik Preis gewann und mit Partien wie Susanna (Le nozze di Figaro) oder Alcina (Il barbiere di Siviglia) an großen Häusern brillierte, gestaltet die Partie der Poppea mit größtem Variantenreichtum. Die ersten Töne wurden von ihr, liegend auf einer Treppe fast lautlos gehaucht begonnen und mündeten in einem Crescendo der absoluten Spitzenklasse, so dass man geneigt war an beste Gruberova Tage zu denken. Wie ein Maler die verschiedensten Farben von zart bis kräftig auf eine Leinwand tupft, so sang sie mit sowohl tiefster Traurigkeit, tröstlicher Wärme und auch großen Emotionen die Arien „Vaghe perle, eletti fiori“,  „È un foco quel d’amore“ sowie „Se giunge un dispetto“ im ersten Akt. Aber auch die feinen und hochkomplexen Koloraturen gerieten, für den Zuhörer, mit scheinbar atemberaubender Mühelosigkeit.

In Sachen Höhe und Stimmführung agierte der argentinische Starcountertenor Franco Fagioli in einer eigenen Liga. Bereits in der ersten Arie im ersten Akt „Con saggio tuo consiglio“, als er noch ganz der innig dankbare Sohn Nerone war, ließ er seine Technik und seine Gestaltungsmöglichkeiten aufblitzen. Dann beispielsweise im zweiten Akt bei der Arie „Quando invita la donna l’amante“ und später in „Come Nube Che Fugge Dal Vento“ im letzten Akt gelangen ihm Töne, die subjektiv die Grenze des für Herrenstimmbänder physikalisch möglichen sprengten.

Auch die weiteren Partien waren am Premierenabend bestens besetzt: Der italienische Bass Luca Tittoto gab den Claudio mit gut sitzender, prachtvoller, dunkler Stimme und in überzeugender schauspielerischer Manier.

Der aus Frankreich stammende zweite Countertenor in der Agrippinabesetzung, Christophe Dumaux, der bereits einige CDs in seinem Fach aufnahm und auch schon an der New Yorker MET als Tolomeo auftrat, spielte und sang den Ottone mit Eleganz,  prachtvoller Stimmführung, makellosen Koloraturen und seiden klingenden Obertönen. Der italienische Bariton Renato Dolcini, der u.a. bereits Figaro oder Leporello im Repertoire trägt, gab den Pallante intonationssicher und spielerisch-feinsinnig mit großer Spielfreude.

Der dritte Countertenor des Abends war der Russe Vasily Khoroshev als Narciso. Auch ihm gelang eine sehr gute musikalische Leistung mit einem cremig seiden timbrierten schön abgedunkelten Klang. Abgerundet wurde das vortreffliche Sänger*innenensemble durch den Lesbo des chinesischen Bass-Baritons Chao Deng, der erst kürzlich in das Ensemble der Staatsoper Hamburg übernommen wurde.

Als sich nach vier Stunden großartigem Musiktheater auf allerhöchstem musikalischem sowie szenischem Niveau der Vorhang senkte, dankten die etwa 400 zugelassenen Zuhörer*innen allen Beteiligten mit großem Jubel und herzlichem Beifall

Agrippina an der Hamburgische Staatsoper; hier die nächsten Termine:  3.6.; 6.6.; 10.6.2021

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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Hamburg, Hamburgische Staatsoper, Agrippina – Georg Friedrich Händel, IOCO Aktuell, 19.05.2021

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

28. Mai 2021  –  Agrippina – Wiederaufnahme des Spielbetriebs

Georges Delnon und John Neumeier freuen sich bekanntzugeben, dass die Hamburgische Staatsoper mit einer starken Doppelpremiere den Spielbetrieb wiederaufnimmt. Am 28. Mai startet der Opernbetrieb mit der Premiere von Agrippina in der Inszenierung von Barrie Kosky unter der Musikalischen Leitung von Ricardo Minasi und am 29. Mai der Ballettbetrieb mit der Premiere von John Neumeiers Beethoven-Projekt II  unter der Leitung von Generalmusikdirektor Kent Nagano.

Monate lang wurde geprobt und auf diesen Moment hingearbeitet. Jetzt wird der Spielbetrieb der Hamburgischen Staatsoper mit einer starken Doppelpremiere wiederaufgenommen:

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Die Staatsoper Hamburg zeigt ab dem 28. Mai für vier Vorstellungen die Neuproduktion von Georg Friedrich Händels Oper Agrippina in der Inszenierung von Barrie Kosky und der Musikalischen Leitung von Riccardo Minasi. Es singen u. a. Anna Bonitatibus, Luca Tittoto, Julia Lezhneva, Christophe Dumaux, Franco Fagioli, Renato Dolcini, Vasily Khoroshev und Chao Deng. Es spielt das Ensemble Resonanz. Die Premiere wird live auf NDR Kultur im Radio übertragen.

Das Hamburg Ballett bringt ab dem 29. Mai John Neumeiers jüngste abendfüllende Kreation Beethoven-Projekt II zur Uraufführung und zeigt zwei weitere Vorstellungen an den beiden folgenden Tagen (30., 31. Mai). Die Produktion entstand im Herbst 2020 anlässlich des 250-jährigen Geburtstags von Ludwig van Beethoven. Seit der Generalprobe am 4. Dezember hat John Neumeier das Ballett choreografisch weiterentwickelt, um es zum nächstmöglichen Zeitpunkt als Live-Vorstellung zu präsentieren. Beethoven-Projekt II ist nach Turangalîla (2016) die zweite Zusammenarbeit mit Generalmusikdirektor Kent Nagano.

John Neumeier © Steven Haberland

John Neumeier © Steven Haberland

Die Voraussetzungen unter denen ein Zutritt zu de Vorstellungen der Hamburgischen Staatsoper möglich sein wird, wird separat bekannt gegeben.

Der allgemeine Kartenvorverkauf beginnt bis auf Weiteres voraussichtlich jeweils zwei Wochen vor dem Aufführungstermin, für die ersten Vorstellungen frühestens jedoch am 20. Mai. Auch die Online-Buchung ist dann wieder möglich. Der Kartenservice ist vorrangig telefonisch (040) 35 68 68 erreichbar, daneben auch über E-Mail

ticket@staatsoper-hamburg.de

oder Fax (040) 35 68 610. Wann die Tageskasse wieder öffnen kann, hängt insbesondere von behördlichen Anordnungen ab, die derzeit noch nicht bekannt sind.

—| IOCO Aktuell Staatsoper Hamburg |—


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Künstler, Opern, Konzerte im Corona-Jahr 2020 – über Ländergrenzen, IOCO-Essay, 07.02.2021

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Opera House Lviv / Lemberg, Ukraine © Opera House Lviv

Opera House Lviv / Lemberg, Ukraine © Opera House Lviv

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  Künstler, Opern, Konzerte im Corona-Jahr 2020

Über Ländergrenzen hinweg – eine Bewertung

von Adelina Yefimenko

Das vergangene Jahr 2020 war für die Opernwelt weitgehend digital. Die Unterbrechung der Festivals in Bayreuth, Lyon, München u.a. wurde teilweise durch die Salzburger Festspiele ausgeglichen, die im Sommer trotz der Gefahr des Virus anlässlich ihres 100-jährigen Bestehens stattfanden. Online-Premieren, das Eintauchen in die Bühnen- und Klangillusion von Opernsendungen, digitale Konferenzen und Videokonzerte ersetzten oft die physische Präsenz und  interessante Gespräche mit Künstlern. 2020 wird man an die Jahrestage von A. Caldara, L. v. Beethoven, M. Beresowski (M. Berezovsky), M. Ravel, I. Pizzetti, B. Lyatoshynsky, E. Varèse und vielen anderen Komponisten erinnert. Es gab viele Veranstaltungen, und so erwuchs die Motivation, diejenigen Musiker zu ehren, die mit ihrer Kunst dieses Jahr für das Publikum doch interessant und faszinierend gemacht haben, trotz beschwerlicher Arbeitsbedingungen, Quarantänebeschränkungen, halb leerer Hallen, Gebührenverlusten und fast täglichen Covid-Tests.

  • Adelina Yefimenko, Autorin dieses Berichts, Professorin, lehrt als Musikwissenschaftlerin an der Nationalen M.-V.-Lysenko-Musikakademie Lviv (Lemberg) und der Ukrainischen Freie Universität München (UFU)

Jeder Künstler*in kultiviert „menschlich, allzu menschliche“ Hoffnungen auf Anerkennung und Bewunderung durch das Publikum, hofft auf Applaus, Applaus, Applaus! Ach, wie Applaus dies Jahr vermisst wurde! Aber neue Namen, Ereignisse und Artefakte bleiben nicht im Schatten, sie werden nicht zu einer Durchlaufseite des Pandemiejahres. Die Bewertung der Musikwissenschaftlerin Adelina Yefimenko, auch IOCO – Autorin, würdigt die herausragenden Phänomene des Jahres 2020, erhebt jedoch wie jede Bewertung keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist nur eine subjektive Erfahrung des Erlebten und Gehörten sowie ein wichtiges Ergebnis des vergangenen Jahres und ein Dank an die Künstler*innen für ihre Arbeit. 

The Claguers © The Claguers

The Claquers © The Claquers

MEDIA Aufbruch des Jahres 2020   

Ukraine – The Claquers. Die Internetplattform https://theclaquers.com/ junger ukrainischer Musikkritiker*innen (Stas Nevmerzhytsky, Lisa Sirenko, Dzvenislava Safyan, Oleksandr Ostrovskyi) informiert umgehend und provoziert, wie sie es ausdrückten, eine kritische Sicht auf klassische Musik in der Ukraine und darüber hinaus. Die jungen Musikkritiker drangen schnell in den Informationsraum der Ukraine ein „und nicht nur das“ (die Texte werden zweisprachig veröffentlicht – Ukrainisch, Englisch). Sie zeichneten sich in der Zone der aufregenden Kommunikation mit prominentenMusiker*innen, Musikwissenschaftler*innen, und Komponisten*innen aus – Valentin Silvestrov, Leonid Hrabovsky, Nina Gerasymova-Persydska, Alexander Shchetynsky, Alla Zagaykevych, Mykola Kovalinas, Zoltan Almashi, Andrey Merkhel, Roman Grygoriv, Illia Razumeiko. Musikwissenschaftler beleuchten und diskutieren künstlerische Themen, die alle Musiker*innen interessieren und betreffen „und nicht nur das“: https://theclaquers.com/

Deutschland  –  www.ioco.de, ist ein überregionales, deutschsprachiges Internet-Portal, welches mit über 30 Korrespondenten in Deutschland, Österreich, der Schweiz, von Hamburg bis Graz, von Aachen bis Berlin und durch seine IOCO Kultur community bei Facebook (über 2.700 Mitglieder) die vielseitig, breite Kultur unserer Region, unseres Lebens abbilden möchte. Schwerpunkt von IOCO sind die Theaterproduktionen, Sprech- und Musiktheater und Festspiele, so die Bayreuther Festspiele, die Salzburger Festspiele, die Festspiele der Arena di Verona. Doch IOCO sucht nicht allein die „ernste“ Kultur; auch Shows oder Varieté-Theater, so die großartigen Shows im Berliner Friedrichstadtpalast, aber auch der emotionsreiche Pariser Park-Friedhof Père Lachaise, wo den Besucher das Grab von Gioacchino Rossini  kurz hinter dem Eingang „begrüßt“, werden gerne besprochen. Die IOCO-Serien über Kunst und Künstler bilden einen interessanten Rahmen: Gerade endete eine spannende 4-teilige Serie über Geschichte und Hintergründe der Kunstfigur La Barbe-Bleue, Blaubart. Eine 6-teilige IOCO-Serie über Salome folgt in Kürze. CD-, DVD-, Buchbesprechungen sind auch Teil des IOCO Alltags. IOCO (Latein „ich spiele“ – geschützter Name) möchte durch sein Internet Portal www.ioco.de und in seiner Facebook IOCO Kultur community die Vielfalt unseres Lebens abbilden, vom düsteren Alltag bis zur inspirierend belebenden Bühnenkultur; doch – dem tieferen Wortsinn von IOCO folgend – schwebt über IOCO immer ein positiver, frohsinniger Ton.  https://www.ioco.de/

IOCO - Kultur im Netz © IOCO

IOCO – Kultur im Netz © IOCO

 MUSIKALISCHE RARITÄTEN des Jahres 2020

Ukraine – Musica sacra Ukraina: die Partes Dimension besteht in der Erinnerung an eine der ersten Forscherinnen der alten orthodoxen kirchlichen Tradition des Partes-Gesangs Prof. Dr. Nina Gerasimova-Persidskaya. Das Team der Open Opera Ukraine hat die ukrainische Barockmusik konsequent erforscht. Im Jahr 2020 wurde ein Partes-Labor eingerichtet, zehn Partes-Konzerte von Mykola Diletsky und drei Konzerte anonymer Autoren des 18. Jahrhunderts wurden aufgeführt und aufgezeichnet. Eine Website und eine Audio-CD wurden erstellt. Die Projektleiter sind die Programmdirektorin Anna Gadetska, die wissenschaftliche Beraterin, ukrainische Partesforscherin Yevgeniya Ignatenko und die künstlerische Leiterin Nataliia Khmilevska. So das Team von Musica sacra Ukraina: Partes Dimension habe eine Plattform entwickelt, für die Interaktion von Wissenschaftlern, Musikern, Kulturmanagern und Kuratoren, deren gemeinsame Aktivitäten bei der Präsentation von Partes Singing das Interesse und die gebührende Aufmerksamkeit für diese Musik fördern. Die wissenschaftliche Arbeit solle in das umgewandelt werden, was die Zuhörer hören werden – fasst Yevgeniya Ignatenko zusammen, die seit mehr als zwanzig Jahren über Partes forscht. Beispiele des Partes-Gesangs sind auf der Web-Sites Musica sacra Ukraine siehe Link: http://lab.openopera.com.ua/

Musica sacra Ukraina © Open Opera Ukraine

Musica sacra Ukraina © Open Opera Ukraine

  Carlo il Calvo –  Nicola Antonio Porpora

Deutschland –  Carlo il Calvo, eine selten gespielte Opernproduktion im Jahr 2020 beim Bayreuth Baroque Opera Festival: mit Franco Fagioli, Julia Lezhneva und dem künstlerischen Leiter des Festivals Max Emanuel Cencic (Countertenor) in der Hauptrolle des Lottario. Die Oper wurde zum ersten Mal seit 300 Jahren im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth (Foto oben) aufgeführt, das kürzlich nach der Restaurierung eröffnet worden ist. (Regie: Max Emanuel Cencic, Musikalische Leitung: George Petrou). Cencic faszinierte in seiner neuen Interpretation der verwirrenden Geschichte Karls des Kahlen, des Enkels Karls des Großen. Die Geschichte ist absolut verrückt, eine Art Telenovela, in der die Familie um das Erbe kämpft. Der Haupterbe ist ein kleiner Junge, der von seinem Halbbruder entführt wird, um ihn zu töten. Die Mutter ist verzweifelt. Mit einem Wort, eine verrückte Geschichte.

Carlo il Calvo – Nicola Antonio Porpora  – im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth
youtube Trailer Niels U. Kristiansen
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 III. WELTPREMIEREN DES JAHRES 2020 – Ukraine

Zum ersten Mal wurden in Lviv (Lemberg) Werke von Stefania Turkevych (offiziell als erste ukrainische Komponistin anerkannt) im Zusammenhang mit der Rückgabe des verlorenen Erbes an die Ukraine aufgeführt. Die Aufführung einer Reihe unbekannter Werke von Stefania Turkevych wurde durch das Studium der Manuskripte des Künstlers möglich, das der ukrainischen Musikwissenschaftlerin Prof. Stefania Pavlyshyn zu verdanken ist. Und, wie die moderne ukrainische Komponistin Bohdana Frolyak, Autorin der neue Redaktion der Kinderoper Zar Oh oder Oksanas Herz, feststellte, haben Pavlo und Larysa Hunka großartige Arbeit geleistet, um das Werk der Komponistin in die Ukraine zurückzubringen. Der ukrainisch-britische Bariton und seine Gattin Larysa digitalisierten das gesamte Archiv von Stefania Turkevych und präsentierten es in Lemberg. Die Reihe der Weltpremieren im Jahr 2020 umfasste u.a.: Die erste Symphonie von Stefania Turkevych (1937) wurde im Rahmen des Kulturprojekts Ukrainian Live Classic (Präsentation der klassischen Musik der Ukraine / erste ukrainische mobile Anwendung, Förderung ukrainischer Klassiker im globalen Aspekt) aufgeführt.

Stefania Turkevychs © Orgelsaal von Lviv

Stefania Turkevychs © Orgelsaal von Lviv

Die ukrainische Live-Strategie wurde in fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen dem Orgelsaal von Lviv, dem Collegium Management und dem Galizischen Musik Verein (Galician Music Socety (Leitung: Taras Demko) mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKS) entwickelt. Die erste Symphonie Stefania Turkevychs, aufgeführt vom Ukrainian Festival Orchestra, Dirigent Ivan Ostapovych.

Die Kinderoper Zar Oh, oder Oksanas Herz (1960) fand auf der Bühne des Stanislav-Lyudkevych-Konzertsaals statt (Lviv National MyroslavSkorykPhilharmonic). Die Oper wartete 60 Jahre auf ihre Aufführung. Mitwirkende: Instrumentalensemble des Lviv National Philharmonic Symphony Orchestra, 8 Solisten, Kinder- und Jugendkammerchor Zhayvir und Ballettschultheater L.Stage, Dirigent: Serhiy Khorovets, Regisseur: Oleh Oneshchak. Das Projekt wurde mit Unterstützung des Wettbewerbs Lviv 2020 – Fokus auf Kultur durchgeführt.  Aufzeichnung der Oper Zar Oh, oder Oksanas Herz – siehe den folgenden Film

Kinderoper – Zar Oh, oder Oksanas Herz – im Lemberg aufgeführt
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Das Ballett Hands or The Girl with the Withered Hands (Das Mädchen mit den verdorrten Händen, 1957, Bristol) wurde im Rahmen des Projekts Symphonie-Premieren des Orgelsaals von Lviv mit Unterstützung der öffentlichen Organisation Collegium Management und mit Unterstützung der Ukrainian Cultural Foundation (UKF) Der Regisseur der Aktion ist Taras Demko. Art Director und Dirigent – Ivan Ostapovich.

Ballett _ Hands or The Girl with the Withered Hands © Lviv Opera _ Orgelsaal LViv

Ballett _ Hands or The Girl with the Withered Hands © Lviv Opera _ Orgelsaal LViv

Zum ersten Mal wurden in Kyjiw drei Sinfonien des bedeutenden ukrainischen Komponisten Maksym Berezovsky (1745-1777) im Zusammenhang mit der Rückgabe des verlorenen Erbes an die Ukraine aufgeführt. Das Konzert leitete der ukrainische weltweit bekannte Dirigent Kirill Karabitz anlässlich Berezovskys 275.-Jubiläum. Vor einigen Jahren stellte die Musikwissenschaftlerin Larisa Ivchenko die Hypothese auf, dass die Manuskripte der Sinfonien Nr. 11 und Nr. 13 aus den Archiven des Fürsten Rasumowsky in der Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine von Maksym Berezovsky sind (signiert als Beresciollo). Kirill Karabitz fand die vollständigen Originalpartituren dieser Sinfonien im Nationalarchiv Paris, brachte sie nach Kyjiw und studierte sie mit Musikern des Nationalen Kammerensembles Kyiv Soloists ein. Das Konzert mit Berezovskys Sinfonien fand am 31.12.2020 in einer der schönsten Kirchen des ukrainischen Barock-Stils statt, der St.-Andreas-Kirche, die zu den Meisterwerken der ukrainischen Baukunst des 18. Jahrhunderts und in der sogenannten Tentativliste der UNESCO als nominierte Welterbestätte eingetragen ist. Das Konzert #Berezovsky275 wurde in der Ukraine zum historischen Ereignis des Jahres 2020.

#Berezovsky275  – Konzert
youtube Trailer Kirill Karabitz
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IV. FESTIVAL & KONZERT 2020    –  Deutschland

Bayreuth Baroque – das erste Bayreuth Baroque Opera Festival im 1748 erbauten Markgräflichen Opernhaus Bayreuth. Das Opernhaus gehört seit 2012 zum UNESCO-Weltkulturerbe und wurde 2018 komplett renoviert. Der künstlerische Leiter des Festivals Max Emanuel Cencic ist ein herausragender Opernsänger und Countertenor. Neben Solokonzerten der Stars Joyce DiDonato, Vivica Genaux, des Gambisten und Historikers Jordi Savall, der Accademia Bizantina und der Bratschistin Delphine Galou gipfelt das Festival in den Opern Antonio Porporas Carlo il Calvo und Leonardo Vincis Gismondo, Rè die Polonia. In der Oper Gismondo, Rè die Polonia, basierend auf der historischen Geschichte von Sigismund II. – König und Großfürst von Polen-Litauen, der Unterzeichnung der Lubliner Union zwischen dem Königreich Polen und dem Großfürstentum Litauen, wurde Otton von dem ukrainischen Kontertenor Yuri Minenko In beiden Opernproduktionen des Festivals sang Max Emanuel Cencic in der Titelrolle. Das {oh!} Orkiestra Historyczna! leitete die polnische Dirigentin Martyna Pastuszka. Das Festivalprogramm.

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

Markgräfliches Opernhaus Bayreuth / Der Zuschauerraum nach der Restaurierung, Blick zur Bühne mit neu rekonstruiertem Bühnenbild © Bayerische Schlösserverwaltung

IV. FESTIVAL & KONZERT 2020    –   Ukraine

Pro et Contra. Die Bühne für neue Musik ist eine Konzertreihe, die das zehntägige Festival Contrasts mit regelmäßigen Projekten das ganze Jahr über fortsetzt. Pro et Contra, die Bühne der neuen Musik wird ausgezeichnet für ihre Aufführung des Melodramas für Gesang und Instrumentalensemble Pierrot Lunaire von Arnold Schönberg 21 (1912). Die Übersetzung ins Ukrainische des französischen Gedichtzyklus von Albert Giraud (1884), in der freien deutschen Übertragung von Otto Erich Hartleben, (1892) – Maxim Rymar (2020). Mitwirkende: Liliya Nikitchuk (Mezzo-Sopran) – Gesang, Maksym Rymar – Cello, Natalya Kozhushko-Maksymiv – Flöte & Piccoloflöte, Taras Hamar – Klarinette & Bassklarinette, Iryna Kirchanova – Klavier, Olena Kravets – Geige, Serhiy Havryliuk – Bratsche, Roman Kreslenko – Dirigent, Kurator der Konzertreihe Pro et Contra Bohdan Sehin; Philharmonie-Direktor – Volodymyr Syvokhip. Siehe link HIER!:

V. JUBILÄUM 2020 – Fest trotzt Covid

Das Jahr 2020 wird als Pandemie-Krise tragisch in die Geschichte der Menschheit eingehen. Es lohnt nicht, darüber nachzudenken, warum Covid-19 zu einem für wichtige Jahrestage so ungünstigen Zeitpunkt ausbrach. Die beiden Festivalstädte Lviv (Lemberg) und Salzburg hatten jedoch keine Angst vor dem Virus und feierten ihr Jubiläum auf brillante Weise. Wahrscheinlich haben die Seelen von Wolfgang Amadeus Mozart – der Vater und Franz Xaver Mozart – der Sohn die Jubiläumsfeiern, die Künstler und die Öffentlichkeit unter ihre Schirmherrschaft genommen. Die Feierlichkeiten waren bezaubernd, alle blieben gesund.

Ukraine – Der 120. Jahrestag der Nationalen Akademischen Oper und des Balletttheaters Solomiya Krushelnytska

Das Informationsportal der Oper von Lemberg berichtete: „Der Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein festliches Grand-Konzert. Die Produzenten der Aktion – Regisseur Vasyl Vovkun, Dirigent Ivan Cherednichenko, Chorleiter Vadym Yatsenko haben das Programm so zusammengestellt, dass sie die wichtigsten historischen Premieren in der 120-jährigen Geschichte der Lemberger Oper widerspiegeln. Von der Grundsteinlegung für den Bau des Theaters, während der Pilgerchor aus Richard Wagners Oper Tannhäuser erklang, bis zur jüngsten Premiere der Volk-Oper des zeitgenössischen ukrainischen Komponisten Yevhen Stankovychs Wenn der Farn blüht – ein zweistündiger musikalischer Ausflug überwand die Zeit malte die wichtigsten Ereignisse auf die Bühne. Das Musikprogramm wurde durch interessante Fakten aus der Geschichte der Lemberger Oper ergänzt, die von den Gastgebern – dem Regisseur der Aktion Vasyl Vovkun und den Solisten der Lemberger Bühne – Liudmyla Ostash und Daryna Lytovchenko geteilt wurden. Schöne visuelle Projektionen, Bild- und Lichtdesign dekorierten pathetisch die Bühne (Dmitry Tsyperdyuk). Es erklangen die berühmtesten Fragmente aus Faust von Charles Gounod, Manon von Jules Massenet, Manru von Jan Paderewski, Madame Butterfly und La Boheme von Giacomo Puccini, Il trovatore von Giuseppe Verdi, Lohengrin von Richard Wagner. Zu den Programm-Perlen zählten die Arien und Ouvertüren aus den ukrainischen Opern Bogdan Khmelnytsky von Kostiantin Dankevych, Das gestohlene Glück von Julij Mejtus, Moses von Myroslav Skoryk, Die Goldene Krone von Boris Lyatoshynsky, Wenn der Farn blüht von Yevhen Stankovych. Neben den ukrainischen Kammersängern der LvivOpera (Olesia Bubela, Daryna Lytovchenko, Liubov Kachala, Liudmyla Ostash, Liudmyla Savchyk, (Sopran), Tetiana Vakhnovska (Mezzosopran), Oleh Lanovyi, Roman Trokhymuk (Tenöre), Roman Strakhov, Orest Sydir (Baritone), Yurii Trytsetskyi (Bass) –nahmen im (am) Konzert viele Gastsänger aus Europa teil: die Solisten der Nationaloper der Ukraine Valentyn Dytiuk (Tenor) und Serhii Magera (Bass), ukrainische Koloratursopranistin, Gastsolistin der Metropolitan Oper, Pariser Oper, Züricher Oper u.a. Olga Kulchynska.

 Österreich –  100 Jahre Salzburger Festspiele 

Die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Helga Rabl-Stadler, und Intendant Markus Hinterhäuser haben ihr Bestes getan, um diese „rein österreichische“ musikalisch-theatralische, luxuriös modische Kreation Salzburgs, einer Weltbühne, zum wichtigsten Datum ihres Lebens zu machen. Zwei Opernpremieren – Elektra von Richard Strauss und Cosi fan tutte von Wolfgang Amadeus Mozart – waren die einzigen Aufführungen, die stattfanden. Das Programm wurde gekürzt. Von den für 2020 geplanten Produktionen fanden Mozarts Zauberflöte, Puccinis Tosca, Mussorgskys Boris Godunov und Don Giovanni in der Version von Romeo Castellucci nicht statt. Unter den Raritäten wurden aus dem Programm Intolleranza von Luigi Nono, Neither von Morton Feldman Die verbleibenden Aufführungen im Programm reichten jedoch für die Salzburger Festspiele aus, um ihr 100-jähriges gebührend zu feiern

Cosi fan tutte Wolfgang Amadeus Mozart. 100 Jahre Salzburger Festspiele – Mozart als Erfolgsgarantie: Eine Besprechung zu Cosi hier  von Adelina Yefimenko / IOCO !

Cosi fan Tutte – Salzburger Festspiele 2020
youtube Trailer Salzburger Festspiele
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VI. SÄNGERIN DES JAHRES 2020

Ukraine –  Sofia Soloviy, Sopran – für die Hauptrolle Rusalka in Antonin Dvoraks Oper Rusalka im Theater St.Gallen (Regie: Vera Nemirova, Musikalische Leitung: Modestas Pitrenas / Stéphane Fromageot); für ihr Debüt als Rusalka an der Wiener Staatsoper (Regie: SvenEric Bechtolf, Dirigent: Tomáš Hanus); für die Hauptrolle Jane Seymour in Donizettis Anna Bolena (Regie: Stefano Mazzonis di Pralafera, Regie: Giampaolo Bisanti) in der Opéra Royal de Wallonie (Lüttich, Belgien), in der Royal Opera House Muscat (Maskat, Oman), sowie für die Aufführung der Werke ukrainischer Komponisten bei der Konzertpräsentation Your Taras Schewtschenko in der Lviv National Philharmonic unter Beteiligung des Lviv State Academic Male Choir Dudaryk (Chorleiter: Dmytro Katsal) und des Academic Symphony Orchestra vor Lviv National Philharmonic (Direktor und Dirigent: Volodymyr Syvokhip). Im Konzert Your Taras Schewtschenko sang Sofia Soloviy Werke von Mikola Lysenko und Yakiv Stepovy. Aufzeichnung der Konzertpräsentation – siehe Link HIER!:

Sofia Soloviy © Bruno Severini

Sofia Soloviy © Bruno Severini

Außerhalb des italienischen Repertoires trat Sofia Soloviy in Europa erfolgreich in den Rollen von Vitellia und Elettra (La Clemenza di Tito und Idomeneo von W. A. Mozart), in den Sopranstimmen Elias von F. Mendelssohn u.a. auf. Zum Repertoire gehört auch Elsa (Wagners Lohengrin). Das moderne Konzert- und Kammergesangsrepertoire der Sängerin umfasst Werke von Krzysztof Penderecki bis Yuri Laniuk sowie eine Vielzahl ukrainischer Sololieder. Sofia Soloviy ist davon überzeugt, dass cantilena belcanto in jedem Repertoire eine endlose Melodie ist, die mit dem Herzen gesungen werden soll.

Italien, Frankreich  –  Lea Desandre (MezzoSopran) – für die Rolle von Page Urban in Giacomo Meyerbeers Les Huguenots an der Grand Théâtre de Genève (Regie: Jossi Wieler, Sergio Morabito, Musikalische Leitung: Marc Minkowski); für die Rolle von Despina in Mozarts Così fan tutte (Regie: Christoph Loy, Musikalische Leitung: Joana Mallwitz, Salzburger Festspiele), für die Rolle der Priesterin Diana, Schäferin, Jägerin in der Oper Hippolyte et Aricie Jean-Philippe Rameaus (Inszenierung von François Roussillon et Associés der Pariser Opéra Comique am11. 2020, Regie: Jeanne Candel, Musikalische Leitung: Raphael Pishon); für die Kammerkonzerte mit Les Arts Florissants unter der Leitung von William Christie.

Presseberichte: Eine junge schlanke Schönheit in einem roten Faltenrock verursachte einen Blitzschlag mit ihrer charmanten Stimme wie eine Bergquelle. Die Luftkoloratur der jungen Französin Lea Desandre wurde zu einem unvergesslichen Auftakt des Opernabends.

Die junge Sängerin arbeitet mit dem Ensemble Les Arts Florissants von William Christie, den Festivals für Alte Musik von Innsbruck und Aix-en-Provence zusammen. In der Victoires de la Musique Classique-Bewertung wurde sie als Vokalfund von 2017 ausgezeichnet. Im Jahr 2020 spielte sie neben Produktionen von Così fan tutte und Les Huguenots die Rollen von Rosina (Rossinis Il barbiere di Siviglia), Annio (Mozarts La clemenza di Tito), Sesto (Händels Giulio Cesare in Egitto) u.a. Sie gab die Konzerte mit dem berühmten Lautenspieler Thomas Dunford und seinem Ensemble Jupiter.

ArtsFloWinter  #1: Lambert, Couperin, d’Ambruys, Matteis, Eccles @ La Grange
youtube Trailer Les Arts Florissants
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VII. SÄNGER DES JAHRES 2020

Ukraine  –  Bohdan Volkov (Tenor) – für die Rolle von Ferrando in Mozarts Così fan tutte (Regie: Christoph Loy, Musikalische Leitung: Joana Mallwitz (100 Jahre der Salzburger Festspiele) und Lensky in der Tschajkowskijs Oper Eugene Onegin (Regie: Dmitri Tschernjakov, Dirigent: Tomáš Hanus). Absolvent des R.Glier Kyiv Institute of Music (Ukraine). Er arbeitet regelmäßig mit Dmitri Tschernjakov zusammen: Die Verlobung im Kloster (Antonio) von Sergei Prokofjew an der Berliner Staatsoper, The Tale of Tsar Saltan von N. RimskyKorsakov (Tsarevich Gvidon) am Théâtre Royal de la Monnaie, Brüssel. Im Jahr 2021 soll Bohdan Volkov sein Debüt als Fenton in der Neuproduktion Falstaff an der Bayerischen Staatsoper.

Eugen Onegin – Bohdan Volkov als Lensky
youtube Trailer nexie aden
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Die Oper Eugene Onegin mit Bohdan Volkov als Lensky (Regie: Dmitri Tschernjakov, Regie: Tomáš Hanus)

Deutschland   –  Vincent Wolfsteiner (Tenor) – für die Aufführung von Tristan in Richard Wagners Oper Tristan und Isolde (Frankfurter Oper ( link HIER) unter der Regie von Katharina Thoma unter der Direktion von Sebastian Weigle) und von Herodes in der Oper Salome von Richard Strauss in der Berliner Staatsoper Unter den Linden unter der Regie von Hans Neuenfels und der Direktion von Thomas Guggeis). Einer der führenden Tenöre des Wagner-Strauss-Repertoires: er sang in Bayreuth, Berlin, Frankfurt, Massachusetts, New York, Florida, Nürnberg, Hannover, Freiburg und der National Taichung Theater (Taiwan). Darüber hinaus umfasst das Repertoire des Sängers alle führenden Tenorstimmen: Andrea Chénier, Othello, Kalaf, Siegmund und Siegfried, Eric in Fliegender Holländer, Lohengrin, Peter Grimes, Bacchus in Ariadne auf Naxos. Das Interview der Autorin mit  Vincent Wolfsteiner  – siehe IOCO  Link HIER!:

Vincent Wolfsteiner © Ludwig Olah

Vincent Wolfsteiner © Ludwig Olah

Frankfurt, Oper Frankfurt, Vincent Wolfsteiner, Tenor – im Gespräch, IOCO Aktuell, 11.02.2020

VIII. DIRIGENTIN DES JAHRES 2020

Deutschland  –  Joana Mallwitz – für die Musikalische Leitung und hervorragende Interpretation von Mozart Oper Così fan tutte zum 100. Jahre der Salzburger Festspiele. Die neue Mozart-Interpretation von Joana Mallwitz wird als brillantes Beispiel für die Mitautorschaft von Mozart-Mallwitz-Loy in die Geschichte eingehen. Kritiker lobten die Interpretation von Joanna Mallwitz als „Höhepunkt des modernen Verständnisses von Mozarts Stil, ein herausragender Moment der Salzburger Festspiele, als Herzstück dieser Produktion, als raffinierte Eleganz und unendliche Energie des Pulses der Musik“. Ihr Dirigat wurde als „Sternstunde in Sachen Mozart-Interpretation“ (von Friedemann Leipold, BR-Klassik) wahrgenommen. Sie war wirklich phänomenal in ihrer Selbstverständlichkeit, mit der sie Mozarts musikalischen Kosmos interpretiert. Die Wiener Philharmoniker unter der Leitung der brillanten Dirigentin des 21. Jahrhunderts sind nicht nur das Hauptereignis, sondern ein einzigartiges Ereignis von Salzburg 2020. Die Tatsache, dass das 100-jährige Jubiläum von einer der besten Interpretationen von Mozart der letzten Jahre geprägt war, ist ein gutes Zeichen, das Hoffnung und Vertrauen in den erfolgreichen Abschluss und die weitere Entfaltung des außergewöhnlichen Festivals gibt, das seine Geschichte mit großen Künstlern schreibt.

Joanna Mallwitz wurde auch zur Dirigentin des Jahres 2020 für ihre Interpretation von Beethoven und Schubert gekürt. In diesem Jahr startete sie mit dem Staatstheater Nürnberg eine Reihe von selbstgeschaffenen Videotouren zur 6. Symphonie in F-Dur, Pastorale und zur 7. Symphonie in A-Dur von Ludwig van Beethoven (zum 250. Jahrestag) auf BR-KLASSIK. Die bildeten zusammen mit der Interpretation von Franz Schuberts letzter Großer Symphonie in C-Dur mit dem Berliner Konzerthausorchester den speziellen Inhalt der Sendung „Reingehört!“, die live auf den Websites rbbKultur und dem Konzerthaus Berlin sowie im rbb Fernsehen übertragen wurde.

Joanna Mallwitz © Lutz Edelhoff

Joanna Mallwitz © Lutz Edelhoff

Joanna Mallwitz war die jüngste Dirigentin und Musikdirektorin des Theater Erfurt und Nürnberg. Die Fachzeitschrift Opernwelt zeichnete sie als Dirigentin des Jahres 2019 aus. Im Jahr 2020 wurde Joanna Mallwitz mit dem Bayerischen Kulturpreis ausgezeichnet. Videotouren und Interpretationen der Beethovens und Schuberts Symphonien – siehe den Links:

 

Joanna Mallwitz mit „Ihrem“ Rundgang durch die „Pastorale“
youtube Trailer BR – Klassik
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IX. DIRIGENT DES JAHRES 2020

Ukraine –  Kirill Karabits (Kyrylo Karabyz) – für die Suche nach Partituren und die Rückgabe des verlorenen musikalischen Erbes an die Ukraine, insbesondere für die Suche nach Partituren von Maksym Berezovsky Symphonien (ein Konzert zum 275. Jahrestag der Geburt des ukrainischen Genies – Autor der ersten ukrainischen Symphonie, erster ukrainischen Oper (Demofonte), Chorkonzerte, Sonaten für Violine und Cembalo usw.). Auszug aus dem Interview Yefimenko – Karabits: „Es gibt eine interessante Hypothese von Larisa Ivchenko über einen Fund von Manuskripten von Symphonien Nr. 11 und Nr. 13, unterzeichnet von einem Beresciollo (Berezovsky). Die Musikwissenschaftlerin verweist auf den Ort der Aufbewahrung einzelner Seiten dieser Symphonien in der Wernadskyj-Nationalbibliothek der Ukraine mit Anweisungen zum Ort der Veröffentlichung – Paris und Lyon (Simphonie Periodique? ?iu Stromenti Composte del Signor Beresciolo ? XI. – A Paris: chez Mr De La Chevardiere, aux Adresses Ordinaires; A Lyon: Les Freres Le Goux). Die russische Forscherin Aljoschina bestätigt diese Hypothese und analysiert diese Beispiele als frühe russische Symphonien. Wenn diese Symphonien tatsächlich aus der Feder von Berezovsky stammen, wo wirst Du diese Werke zuerst aufführen?“

Kyryll Karabyts © Kyryll Karabyts

Kyryll Karabyts © Kyryll Karabyts

Der Titel des Dirigent des Jahres 2020 wird dem Kirill Karabits (Kyrylo Karabyz) auch für die Musikalische Leitung einer pandemie-adaptierten Produktion Mussorgskys Oper Boris Godunov an der Zürcher Oper (Regie: Barrie Kosky) verliehen. Zum ersten Mal in der Geschichte der Opernproduktion hat Zürich ein hochmodernes Soundsystem wie digitale Kinogeräte erfolgreich getestet. Die technische Unterstützung der Aufführung – 60 Mikrofone im Proberaum, 100 Monitore im Auditorium des Theaters, synchronisierter Ton, der mit Lichtgeschwindigkeit virtuell über Glasfaserkabel an das Opernhaus geliefert wurde – all dies garantierte eine perfekte Verbindung und eine koordinierte Klangqualität. Der Dirigent leitet das Orchester und den Chor nicht aus dem Orchestergraben, sondern aus dem Proberaum in der Nähe des Opernhauses. Nur die Solisten traten auf der Bühne auf. Die Produktion wurde von Kritikern hochgelobt und vom Publikum feierlich bejubelt.

Kirill Karabits dirigiert Boris Godunow
youtube Trailer Opernhaus Zürich
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X. REGISSEURIN DES JAHRES 2020

Deutschland  –  Vera Nemirova – für die Inszenierung der Oper Fidelio. Im Jahr 2020 war die Produktion dem 250-jährigen Jubiläum von Ludwig van Beethoven und der Eröffnung des Gebäudes der Prager Staatsoper nach dreijähriger Restaurierung am 5. Januar 2020 gewidmet. Auf derselben Bühne wurde am 21. November 1814 unter der Leitung von Carl Maria von Weber die erste Prager Inszenierung von Fidelio aufgeführt, die den europäischen Triumph von Beethovens Opus Magnum ankurbelte (Berlin und Weimar 1815, Pesth – heute Budapest – und Kassel 1816, St. Petersburg 1818 und 1819, Wien 1822, Dresden 1823). Die Regisseurin arbeitet seit 2018 mit dem Musikdirektor der Prager Staatsoper Andreas Sebastian Weiser Vera Nemirova erhielt auch den Titel der Regisseurin des Jahres 2020 für eine scharf psychologische Inszenierung der Oper Rusalka von Antonín Dvo?ák in St. Gallen, die das aktuelle Thema „Inklusion und Künstler“ aufwirft. Das Stück wurde im Oktober 2019 uraufgeführt und im Jahr 2020 bis zur Ankündigung der globalen Sperrung fortgesetzt. Die Titelrolle Rusalka (die Meerjungfrau) in dieser Produktion sang Sofia Soloviy.

Vera Nemirova © Lutz Edelhoff

Vera Nemirova © Lutz Edelhoff

Die gebürtige Bulgarin Vera Nemirova lebt in Berlin und ist ein gern gesehener Gast in vielen europäischen Opernhäusern: in den Wiener, Berliner, Hamburger Staatsopern, der Bonner Oper, im Magdeburger und Weimarer Theater, in der Bukarester Nationaloper, der Grazer Oper, der Luzerner Oper. Die Regisseurin gilt als eine der besten Interpretinnen von Wagners Werken, darunter Der Ring des Nibelungen (Frankfurter Oper, 2010-2012) und Die Meistersinger von Nürnberg (Erfurt, Weimar, Regie in Zusammenarbeit mit dem ukrainischen Dirigenten Kirill Karabits, 2016).

XI. REGISSEUR DES JAHRES 2020

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

Tobias Kratzer © Tobias Kratzer

Deutschland  –  Tobias Kratzer – für die Inszenierung der Oper Fidelio am Royal Opera House in London. Die Oper wurde einige Tage vor der Ankündigung der weltweiten Sperrung Covid19 (1. März 2020) uraufgeführt. Fidelio sollte am 17. März live übertragen werden. Führende Kinos auf der ganzen Welt bereiteten sich auf diese Veranstaltung vor. Gleichzeitig sollten die Produktionen auf DVD aufgenommen werden. Leider sind diese Pläne nicht verwirklicht worden, aber die Aufzeichnung der Generalprobe, die am 26. Juli 2020 auf der BBC ausgestrahlt wurde, ist erhalten geblieben. In Großbritannien kann die Aufzeichnung 9 Monate lang kostenlos angesehen werden. Hier ist ein Auszug aus der Presse: „Die Freude, den 250. Jahrestag der Geburt eines Genies zu feiern, wird durch einen einzigen göttlichen Funken (Freude, schöner Götterfunken) entzündet“.  Tobias Kratzers Fidelio flammte wieder auf – nach seiner genialen (kein Kompliment, sondern eine objektive Einschätzung) und unübertroffenen Regie von Wagners Tannhäuser bei den Bayreuther Festspielen 2019. Meine Auszeichnung für Tobias Kratzer als Regisseur des Jahres ist weder neu noch originell. Der Regisseur hat laut einer Umfrage unter 50 verschiedenen unabhängigen Journalisten und Musikkritikern bereits zweimal den Titel Der beste Regisseur 2020 des beliebten Hochglanzmagazins Oper! und den Titel Regisseur des Jahres 2020 des professionellen deutschen Opernmagazins Opernwelt gewonnen.

Ich vermeide grundsätzlich Superlative wie „höchste“ oder „beste“ bei der Nominierung und Aufzeichnungen. Während des Pandemiejahres scheiterten viele Produktionen, darunter Opernpremieren vieler sehr guter Regisseure wie David Bösch, Dmitri Tcherniakov, Martin Kušej, Claus Guth, Axel Ranisch, Tatjana Gürbaca und Katie Mitchell.

Krzysztof Warlikowski und Barrie Kosky haben es in diesem Jahr geschafft, auf dem Höhepunkt der modernen Opernregie zu bleiben. Höhepunkte des Jahres 2020 waren Warlikowskis Inszenierung von Elektra von Richard Strauss zu 100. Jahre der Salzburger Festspiele unter der musikalischen Leitung von Franz WelserMöst und Barrie Koskys Inszenierung von Boris Godunov von Modest Mussorgski an der Zürcher Oper unter der Leitung von Kirill Karabits. Die Inszenierung von Katie Mitchell im Jahr 2020 war leider zum ersten Mal enttäuschend. Trotz ihrer großartigen und unumstrittenen Regiebegabung war ihre JudithKonzert für Orchester / Herzog Blaubarts Burg auf der Bühne der Bayerischen Staatsoper eine alarmierende Botschaft des radikalen Feminismus der Polizistin Judith, welche die von Herzog Blaubart ermordeten Frauen rettet, aber den Blaubart selbst, ohne Gerichtsverfahren, ermodet. Das symbolische Mysterien-Drama von Béla Bartók hat Katie Mitchell in ihrem Opern-Thriller wie zu dem Filmspiel Kill the Maniac heruntergestuft. Ich werde die Arbeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin weiterhin mit Interesse verfolgen, denn die Inszenierungen der Opern Written on Skin, Lessons in Love and Violance von George Benjamin u.a. sind ihre großen Regie-Leistungen.

Fidelio – Tobias Kratzer: Der Regisseur des Jahres über die Inszenierung des Fidelio in London am 30.10.2020.

Kirill Fidelio am Royal Opera House, Regie Tobias Kratzer; hier „Mir ist so wunderbar“ mit  Forsythe, Davidsen, Zeppenfeld, Tritschler

youtube Trailer Royal Opera House
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Und Misserfolge sowie Erfolge auf dem Weg zu einer langfristigen kreativen Bildung sind flüchtig, wenn sich der Künstler der sozialen Auswirkungen von Kunst auf Menschen bewusst ist.

Tobias Kratzer hat meine Aufmerksamkeit mit der Produktion von Fidelio erschüttert, nicht nur, weil 2020 ein Jubiläumsjahr war, das beethovensche. Der Regisseur gab zu: „Es geht um das Prinzip Leonore. Es geht mir um das Grundmuster, wie funktioniert eine Gesellschaft, wie kriegt man eine Gesellschaft zum Handeln. Also es ist ja immer einer, der startet, das kann ‚Fridays For Future‘ sein oder der Arabische Frühling. Das braucht sozusagen einen Funken, und daraus kann eine Bewegung entstehen, die plötzlich größer wird als die Figur, die es gestartet hat.“  Deshalb ist es so wichtig, dass sich sein „Bild des Publikums“ weiterentwickelt: Die passive Masse der Zuschauer des sakralen Dramas erhält so etwas wie einen „Durchbruch des Bewusstseins“.

—| IOCO Essay |—


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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Der fliegende Holländer – Alcina, Februar 2020

Februar 13, 2020 by  
Filed under Staatsoper Hamburg

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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Der fliegende Holländer –  Alcina

Letzte Chance an der Staatsoper Hamburg

Die beiden Staatsopernproduktionen Der fliegende Holländer und Alcina werden in der kommenden Aufführungsserie zum letzten Mal an der Dammtorstraße zu sehen sein.

Richard Wagners Der fliegende Holländer in der Inszenierung von Marco Arturo Marelli aus dem Jahr 1996 wird am 18., 21. und 27. Februar jeweils um 19.30 Uhr, sowie am 1. März 2020 um 17.00 Uhr, zum letzten Mal zu erleben sein und verabschiedet sich nach 80 Vorstellungen vom Spielplan der Staatsoper Hamburg. In der Titelpartie steht Andrzej Dobber auf der Bühne. Senta ist Allison Oakes, Erik Michael Schade im Rollendebüt, als Daland gibt es ein Wiedersehen mit Wilhelm Schwinghammer. In weiteren Rollen sind als Steuermann Daniel Kluge und als Mary Katja Pieweck besetzt. Am Pult des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg steht Christof Prick.

Georg Friedrich Händels Oper Alcina in der Inszenierung von Christof Loy aus dem Jahr 2002 wird ab 23. Februar 2020 für insgesamt vier Vorstellungen ebenfalls zum letzten Mal auf dem Spielplan der Staatsoper Hamburg stehen. Als Alcina gibt Layla Claire ihr Hausdebüt an der Dammtorstraße. Als Ruggiero ist Maite Beaumont wieder in Hamburg zu erleben. Ebenfalls ihr Hausdebüt gibt als Bradamante Katarina Bradic. Als Morgana gibt es ein Wiedersehen mit Julia Lezhneva. Narea Son singt und spielt Oberto, Fabio Trümpy Oronte und Nikolay Borchev gibt als Melisso sein Rollendebüt. Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg wird von Christopher Moulds geleitet, der ebenfalls das erste Mal an der Staatsoper Hamburg gastiert.

Richard Wagner   –  Der fliegende Holländer

Musikalische Leitung: Christof Prick, Inszenierung und Bühnenbild: Marco Arturo Marelli, Kostüme: Dagmar Niefind-Marelli, Licht: Manfred Voss, Chor: Christian Günther

Mit: Holländer Ks. Andrzej Dobber, Senta Allison Oakes, Erik Michael Schade (Rollendebüt), Daland Wilhelm Schwinghammer, Steuermann Daniel Kluge, Mary Katja Pieweck, Philharmonisches Staatsorchester Hamburg, Chor der Hamburgischen Staatsoper

Vorstellungen 18., 21. und 27. Februar 19.30 Uhr sowie am 1. März 2020 17.00 Uhr

Georg Friedrich Händel  –  Alcina

Musikalische Leitung: Christopher Moulds (Hausdebüt), Inszenierung: Christof Loy
Bühnenbild, Kostüme: Herbert Murauer, Choreografie: Beate Vollack, Licht: Reinhard Traub

Mit: Alcina Layla Claire (Hausdebüt), Ruggiero Maite Beaumont, Bradamante Katarina Bradic (Hausdebüt), Morgana Julia Lezhneva, Oberto Narea Son, Oronte Fabio Trümpy, Melisso Nikolay Borchev (Rollendebüt), Philharmonisches Staatsorchester Hamburg

Vorstellungen 23. Februar 17.00 Uhr sowie 28. Februar, 3. und 7. März 2020, 18.30 Uhr

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—


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