Wien, Wiener Staatsoper, LUCIA DI LAMMERMOOR – Gaetano Donizetti, 09.02.2019

Januar 30, 2019 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

LUCIA DI LAMMERMOOR  –  Gaetano Donizetti

Premiere 9. Februar 2019

Zur Premiere und Produktion

Nach sechseinhalb Jahren kehrt Donizettis Lucia di Lammermoor zurück auf die Staatsopernbühne und feiert am 9. Februar 2019 Premiere in einer Inszenierung von Laurent Pelly.

Lucia di Lammermoor – im Frühsommer 1835 in nur sechs Wochen entstanden – gilt als eines der Schlüsselwerke der Musikromantik. Nicht einmal zwei Jahre nach der Uraufführung (26. September 1835 am Teatro San Carlo in Neapel) wurde die Oper am Wiener Kärntnertortheater gezeigt. Es waren dies die ersten Aufführungen des Werks außerhalb des heutigen Italiens, erst danach folgten u. a. Paris, London, New Orleans und New York.

Am neuen Hoftheater, also der heutigen Wiener Staatsoper, wurde das Werk im Jänner 1870 erstmals gezeigt und stand bis 1926 regelmäßig am Spielplan. Hervorzuheben in der weiteren Aufführungsgeschichte des Werkes an der Wiener Staatsoper sind auch zwei Gastspiele der Mailänder Scala im Haus am Ring: 1929 unter Arturo Toscanini mit Toti dal Monte, Benvenuto Franci und Aureliano Pertile sowie die legendären – und einzigen drei an der Wiener Staatsoper – Abende der Maria Callas 1956 mit Herbert von Karajan am Pult und Giuseppe di Stefano als Edgardo. Und mit der bisher letzten Staatsopernpremiere von Lucia di Lammermoor 1978, die bis zuletzt 2012 insgesamt 158 Mal gezeigt wurde, startete KS Edita Gruberova in der Titelpartie damals endgültig ihre Weltkarriere. Musikalisch geleitet wird die nun anstehende Premierenproduktion von Evelino Pidò. Der italienische Dirigent gilt wie wenige andere als Spezialist für das italienische Fach, besonders auch für Belcanto-Werke. Lucia di Lammermoor ist seine dritte Premiere an der Wiener Staatsoper nach Anna Bolena und Adriana Lecouvreur, aber auch eine Vielzahl an Repertoireabenden wurden bisher von ihm im Haus am Ring geleitet – darunter La Fille du régiment, La cenerentola, L’elisir d’amore, I puritani, Don Pasquale, La traviata und zuletzt Tosca.

Für ihn gehören tiefschürfende musikalische Quellenstudien ebenso dazu wie das Studium, die Analyse und Auswertung des gesamten verfügbaren Materials rund um eine Oper. Bei dieser Produktion greift er auf die Kritische Notenausgabe zurück. „Mit dieser Fassung, denke ich, sind wir den Wünschen des Komponisten weit näher als mit bisherigen Ausgaben.“ Für ihn ist, wie er im Interview mit Staatsoperndramaturg Oliver Láng für das Staatsopernmagazin Prolog erzählt, „Lucia di Lammermoor das Meisterwerk in Donizettis Schaffen. Abgesehen von den wunderbaren Melodien, der spannenden Harmonik ist beeindruckend, wie gekonnt er auf die drei Protagonisten der Oper zu fokussieren versteht. Man darf neben Edgardo und Lucia nicht auf Enrico vergessen, der unheimlich wichtig ist.“ Speziell auf die Stimme von Olga Peretyatko, der Premieren-Lucia, zugeschnitten, hat der Dirigent die Kadenz in der Wahnsinnsarie der Lucia zudem neu verfasst. Die Sopranistin wird nun übrigens in dieser Arie– so wie von Donizetti ursprünglich intendiert – von einer Glasharmonika begleitet.

Für die anstehende Premiere, eine Koproduktion mit der Opera Philadelphia, konnte mit Laurent Pelly ein, wie ihn Andreas Láng im Staatsopernmagazin Prolog bezeichnet, „Regie-Magier“ gewonnen werden. Seine Inszenierung von La Fille du régiment (er zeichnete hierfür, ebenso wie für Lucia di Lammermoor, auch für die Kostüme verantwortlich) zählt seit Jahren zu den beliebtesten im Haus am Ring und auf anderen internationalen Bühnen. Mit Lucia di Lammermoor präsentiert der französische Regisseur und Kostümbildner seine zweite Arbeit an der Wiener Staatsoper.

Gemeinsam mit Bühnenbildnerin Chantal Thomas (für die er u. a. auch für La Fille du régiment zusammenarbeitete) schuf er für die aktuelle Lucia-Produktion eine zwischen Realem und Visionshaftem changierende Welt, inspiriert von Jean Epsteins 1928 herausgekommenem Horror-Stummfilm Fall of the House of Usher. In dieser nebelverhangenen, aus der Atmosphäre und Emotionalität der Donizetti-Partitur abgeleiteten traumhaft-mysteriösen Umgebung, in der sich Sein und Schein stets in einem fließenden Übergang befinden und in der von der Blutfarbe Rot in der Wahnsinnsszene ausgenommen, lediglich Schwarz-Weiß-Töne das Hell-Dunkel der Szenerie beherrschen, positioniert Laurent Pelly die unglückliche Protagonistin.

Die der umgebenden patriarchalen Gesellschaftsordnung hilflos ausgesetzte, von Kindheit an psychisch labile Lucia, versteht der Regisseur als unschuldiges Instrument einer in Machtkämpfen verstrickten Männerwelt. Weggesperrt von der Öffentlichkeit, wird sie von ihrem ebenfalls verhaltensauffälligen Bruder Enrico immer nur hervorgeholt, um strategisch eingesetzt zu werden. Aber auch Edgardos Handlungsimpulse entspringen für Laurent Pelly nicht ausschließlich der großen Liebe zu Lucia. Aus der Hektik, seiner Kurzangebundenheit beim einzigen alleinigen Zusammensein mit Lucia, an seinem in diesem Moment aus der Musik abzulauschenden Wunsch, endlich davoneilen zu können, liest Pelly, dass die Liebe zu Lucia durchaus eine Rolle in Edgardos Seelenleben spielen mag, doch für ihn im Vordergrund ganz andere Absichten stehen, die er über die Verbindung zu Lucia zu erreichen gedenkt – insofern treiben Edgardo am Ende der Oper diesbezügliche Schuldgefühle in den Tod. Die letztendlich notorisch
einsame Lucia (eine Art Schneelandschaft symbolisiert gleich zu Beginn ihre Reinheit) verlangt somit geradezu nach einem Anwalt – und ebendieser möchte Laurent Pelly mit dieser Produktion sein, wie Staatsoperndramaturg Andreas Láng nach seiner Einführung in Pellys Herangehensweise an Lucia di Lammermoor im Staatsopernmagazin „Prolog“ abschließend bemerkt.

Das Lichtdesign stammt von Duane Schuler (Debüt an der Wiener Staatsoper).

Die Besetzung

Hochkarätig präsentiert sich auch die Sängerbesetzung – bis auf George Petean (Enrico) geben alle Solistinnen und Solisten ihr Rollendebüt an der Wiener Staatsoper.

In der Titelpartie ist Olga Peretyatko zu erleben: Die aus Russland stammende international gefragte Sängerin sang die Lucia u. a. bereits an der New Yorker Met und Tokio und singt nun ihre erste Premiere an der Wiener Staatsoper, wo sie 2013 als Gilda (Rigoletto) debütierte und außerdem noch als Elvira (I puritani), Adina (L’elisir d’amore), Violetta (La traviata) sowie bei der künstlerischen Eröffnung des Wiener Opernballs 2016 zu erleben war. Im Interview mit Staatsoperndramaturg Oliver Láng charakterisiert sie die Lucia in der anstehenden Premierenproduktion: „Es ist wirklich eine arme, arme Lucia. Keiner kümmert sich um sie, es gibt keine Zärtlichkeit, keine Liebe, nichts. Ich habe eine verwandte Figur als Vorlage für diese Inszenierung gefunden, die Jane Eyre, ebenso von Anfang an traumatisiert. Man darf nicht vergessen, in dieser Zeit war der Wert einer Frau noch weniger als von diesem Sessel da. Ich habe mich bisher also immer ein wenig bemüht, einen feministischen, etwas kämpferischen Charakter in die Rolle der Lucia zu bringen – zum Beispiel in das Duett mit ihrem Bruder. Diese Konfrontation ist extrem wichtig! Aber diesmal darf ich als Lucia nicht ausbrechen – erst am Ende! Das ist aber sehr gut und spannend, weil es tatsächlich ein emotionaler Käfig ist, in dem Lucia sitzt, auch was die Körpersprache betrifft. Es ist anstrengend, aber extrem interessant! Zu dieser Einsamkeit kommt auch noch, dass sie ihre Visionen hat … Die Wahnsinnsszene hat Laurent Pelly übrigens genial inszeniert! Ganz besonders den Anfang!“

Den Edgardo verkörpert KS Juan Diego Flórez. Der Tenor gehört weltweit zu den gefragtesten Sängern seines Fachs und ist der Wiener Staatsoper seit seinem Debüt als Conte d’Almaviva (Il barbiere di Siviglia) 1999 eng verbunden. Hier sang er weiters u. a. Lord Arturo Talbo (I puritani), Nemorino (L’elisir d’amore), Lindoro (L’italiana in Algeri), Herzog von Mantua (Rigoletto), Roméo (Roméo et Juliette). Nach Rinuccio (Gianni Schicchi), Elvino (La sonnambula), Tonio (La Fille du régiment) und Ernesto (Don Pasquale) ist der Edgardo in Lucia di Lammermoor nun seine fünfte Staatsopernpremiere. Bisher war er u. a. in Barcelona sowie in einer Neuproduktion in München in dieser Partie zu erleben und sagt nun zu ihrer Charakteristik in Laurent Pellys Inszenierung: „Edgardo ist, zumindest in dieser Produktion, kein sehr sympathischer Mensch. Er benutzt Lucia für seine Zwecke. Daran ändert auch die schöne Musik nichts, die er singt. Er ist egoistisch und es geht ihm um seine Familie, seinen Einfluss. Am Ende freilich hat er alles verloren – da ähnelt er jenen Menschen, die bei einem Börsenkrach alles verlieren. So ist er im Finale auch alleine.“

Lucias Bruder Enrico wird von George Petean gesungen. Nach der Titelpartie von Macbeth (2015) ist Lucia di Lammermoor die zweite Staatsopernpremiere des rumänischen Baritons, der 2001 als Figaro (Il barbiere di Siviglia) sein Hausdebüt gab und hier in der Folge als Posa (franz. und ital. Don Carlo), Ankarström (Un ballo in maschera) und Rigoletto zu erleben war. Den Enrico in Lucia di Lammermoor sang er bereits 2009 im Haus am Ring. In der Premierenproduktion ist dieser aber nicht nur der „übliche Bösewicht“, sondern zusätzlich noch psychisch auffällig: „Enrico ist sicherlich für jeden, der später Jago oder Scarpia singen will, eine perfekte charakterliche Vorstudie: Ein mehrfacher Verbrecher zwar, der aber zum Schluss doch noch Gewissensbisse verspürt. Man kann sich also belcantesk im Bösen üben, ohne gleich kopfüber ins veristische schwarze Grundschlechte eines Jago zu springen. Dass Enrico in dieser Inszenierung auch noch Verhaltensauffälligkeiten aufweist, finde ich eine originelle Idee – sie erlaubt einen ganz eigenen Blick auf diese ganze Ashton-Familie, in der offenbar entweder ein genetisches Problem vorherrscht oder ein gravierender Erziehungsfehler die geschwisterliche Psyche aus der Bahn geworfen hat.“

In den weiteren Partien sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Lukhanyo Moyake als Arturo, Jongmin Park als Raimondo, Virginie Verrez als Alisa und Leonardo Navarro als Normanno zu erleben.

Es spielen das Orchester der Wiener Staatsoper sowie das Bühnenorchester der Wiener Staatoper, es singt der Chor der Wiener Staatsoper unter der Leitung von Martin Schebesta.


Lucia di Lammermoor – Im Radio und Fernsehen

Die Premiere am 9. Februar 2019 wird live auf Radio Ö1 (+ EBU) ausgestrahlt; ORF 2 überträgt die Vorstellung am 15. Februar 2019 ab 21.05 Uhr   live-zeitversetzt.

Ab 20.15 Uhr zeigt ORF 2 am 15. Februar vor der live-zeitversetzten Übertragung von Lucia di Lammermoor eine neue Dokumentation: „Wunderwelt Staatsoper“. In dieser führt Rolando Villazón durch das Haus am Ring und seine wechselvolle Geschichte und begegnet dabei vielen Kollegen – Sängern, Orchestermitgliedern, Direktoren und Bühnenarbeitern, die zum 150. Geburtstag des Hauses originelle wie berührende Geschichten zum Besten geben. Während ein Architektenteam die Baupläne der Oper auseinandernimmt, erweist sich Konrad Paul Liessmann einmal mehr als musikalischer Opernkenner mit philosophischem Hintergrund. Aber, worum es in der Oper wirklich geht, entscheidet letztlich ein vergnüglicher Sängerwettstreit mit den schönsten Arien. Regie: Felix Breisach; Buch: Christoph Wagner-Trenkwitz.

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Operngala – Camilla Nylund und Andreas Schager, 07.07.2018

April 13, 2018 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

DOR Operngala – Camilla Nylund und Andreas Schager

Götz Alsmann – Moderation

Zwei der derzeit angesagtesten Opernstars sind am Samstag, 7. Juli 2018, um 19.00 Uhr bei der vom Freundeskreis der Deutschen Oper am Rhein präsentierten Gala im Opernhaus Düsseldorf zu Gast: Die finnische Sopranistin Camilla Nylund gestaltet gemeinsam mit Tenor Andreas Schager den traditionsreichen Abend. Unter Leitung von Generalmusikdirektor Axel Kober begleiten die Duisburger Philharmoniker die beiden Solisten – Götz Alsmann führt durch das Programm.

Deutsche Oper am Rhein / Camilla Nylund © AnnaS

Deutsche Oper am Rhein / Camilla Nylund © AnnaS

Camilla Nylund zählt zu den weltweit führenden lyrisch-dramatischen Sopranen. Regelmäßig singt sie auf den wichtigen Konzertpodien mit führenden Orchestern und Dirigenten und ist Gast an den großen Opernhäusern von Zürich, Wien, Paris, Berlin, Dresden, Köln, Hamburg, Tokio, Helsinki, Barcelona, San Diego, Amsterdam, Bayreuth, San Francisco, London und Mailand.

Im Opernhaus Düsseldorf begeisterte Camilla Nylund zuletzt in ihrer Rolle der Marie in Alban Bergs Wozzeck, zuvor war sie dort bereits als Feldmarschallin in Strauss‘ Der Rosenkavalier und als Gräfin Madeleine in dessen Capriccio zu erleben.

 

Deutsche Oper am Rhein / Andreas Schager © David Jerusalem

Deutsche Oper am Rhein / Andreas Schager © David Jerusalem

Auch Andreas Schager ist auf den großen Bühnen der Welt unterwegs: Zunächst im lyrischen Fach zu Hause, machte er Station in Bologna, Frankfurt, Wien, Gent und an der Royal Opera Canada. Inzwischen ist Schager primär in Wagner-Partien zu hören, zuletzt unter Daniel Barenboim als Tristan in der Berliner Staatsoper Unter den Linden. In Düsseldorf gab Andreas Schager bei der AIDS-Gala 2014 seinen umjubelten Einstand.

Durch das Programm führt der Musiker und Entertainer Götz Alsmann. Der Deutschen Oper am Rhein ist Alsmann als Konzertmoderator bereits seit dem vom WDR übertragenen NRW-Sommerkonzert 2012 auf dem Düsseldorfer Burgplatz verbunden, wo er 2014 auch Oper am Rhein für alle begleitete. Bei den Haniel Klassik Open Air-Konzerten 2013, 2015 und 2017 begeisterte Alsmann tausende Gäste auf dem Vorplatz des Theaters Duisburg.

Die vom Freundeskreis präsentierte Operngala ist seit vielen Jahren ein musikalischer und gesellschaftlicher Höhepunkt zum Ende der Opernsaison. Mit Unterstützung der Opernfreunde konnten in den vergangenen Jahren großartige Interpreten für dieses besondere Konzertereignis gewonnen werden. So waren Stars wie Edita Gruberová, Anja Harteros, Emily Magee, Juan Diego Flórez, Marcello Giordani, Thomas Hampson, José Cura, Ramón Vargas und Elena Garanca zu erleben.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Juan Diego Flórez – Belcanto Konzert, 07.04.2018

März 23, 2018 by  
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Tonhalle Düsseldorf

Heinersdorff Konzerte

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Gregor-Hohenberg / Sony Classical

Belcanto im schönsten Wortsinn
Juan Diego Flórez Tenor

Samstag, 07. April 2018, 20 Uhr

 Gluck, Mozart, Donizetti, Massenet, Verdi

NDR Radiophilharmonie, Riccardo Minasi Leitung

Es scheint, als wäre der Begriff Belcanto extra erfunden worden, um seine Kunst zu beschreiben: Juan Diego Flórez übertrifft mit seinem kraftvollen Timbre und dem unverkennbaren Schmelz in der seelenvollen Tenorstimme alle Superlative des „schönen Gesangs“. Seit seinem überragenden Debüt als 23-Jähriger in der Mailänder Scala 1996 hat der peruanische Sängerestivals der Welt führt. Dass er dennoch niemals seine Herkunft als Sohn eines peruani eine Bilderbuchkarriere hingelegt, die ihn regelmäßig an die größten Opernhäuser und zu den renommiertesten Fschen Volkssängers vergisst und immer wieder gerne zur Gitarre greift, um sich selbst in schlichten Liedern und Canzonen zu begleiten, spricht für den sympathischen Superstar. Sein lang ersehntes Heinersdorff-Gastspiel steht ganz im Zeichen Mozarts und des italienischen Belcanto.

Karten: € 95,- / 85,- / 75,- / 60,- / 45,- zzgl. VVK-Gebühr
Vorverkauf: Opernshop, Tel. 0211 89 25 211, www.heinersdorff-konzerte.de

[Von Juan Diego Flórez wurden verschiedene Aufnahmen bei der Sony Classical veröffentlicht.]


Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Heinersdorff Konzerte / Juan Diego Flórez © Kristin Hoebermann

Juan Diego Flórez: Die großen Theater der Welt sehen in Juan Diego Flórez den Belcanto-Tenor par excellence. Sein ausdrucksstarker, müheloser und virtuoser Gesang macht ihn zu einem idealen Interpreten für Opern von Gioachino Rossini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini. Publikum und Kritiker feiern einhellig die Vorstellungen, die er auf den bedeutendsten internationalen Opernbühnen und Konzertpodien gibt. Sein Operndebüt gab der peruanisch-österreichische Sänger im Jahr 1996 in Rossinis Matilde di Shabran beim Rossini-Opernfestival in Pesaro. Heute singt er an den wichtigsten Opernhäusern der Welt, gastiert regelmäßig beim Festival in Pesaro und gibt regelmäßig Konzerte.

Der peruanische Tenor Juan Diego Flórez ist dank seiner einzigartigen Stimme und seiner sensationellen Technik einer der Weltstars der Oper. Auf seiner aktuellen CD singt Flórez erstmals Musik von Wolfgang Amadeus Mozart, einem weiteren Komponisten, dessen Werk ideal zu seinen Fähigkeiten passt. Mit 18 Jahren trat Flórez als Chorsänger in der Zauberflöte auf und fand so zur Oper. Seitdem hat er in zahlreichen Konzerten Mozart gesungen.

Die Einspielung entstand in Zürich mit dem herausragenden Orchester La Scintilla, den Alte Musik Spezialisten der Züricher Oper, unter Leitung von Mozart-Kenner Riccardo Minasi. Juan Diego Flórez wurde 1973 geboren und studierte Musik in seiner Heimatstadt Lima und am Curtis Institute in Philadelphia. 1996 gab er in Matilde di Shabran sein offizielles Debüt beim Rossini-Opernfestival in Pesaro, wo seine ausdrucksvolle Stimme und erstaunliche Agilität über Nacht für eine Sensation sorgten und ihn noch im selben Jahr, mit dreiundzwanzig Jahren, an die Scala führten. Seitdem tritt er regelmäßig unter den weltweit führenden Dirigenten auf den renommierten internationalen Opernbühnen auf. Als Belcanto-Tenor der Spitzenklasse hat sich Flórez vor allem in den führenden Tenorrollen von Rossini, Donizetti und Bellini sowie in Opern Verdis (Rigoletto und Falstaff), Puccinis (Gianni Schicchi), Glucks (Armide), Mozarts (Mitridate) und Nino Rotas (Il cappello di paglia di Firenze) einen Namen gemacht. 2007 brach er an der Scala mit einer 75 Jahre alten Tradition und sang eine Zugabe aus Donizettis Fille du régiment, die Arie ‚Ah! mes amis‘ mit neun hohen C; für eine ähnliche Sensation sorgte er 2008 mit der gleichen Meisterleistung an der New Yorker Metropolitan.

Er tritt auch als Solist und Konzertsänger in Werken wie Rossinis Stabat Mater auf. In den vergangenen Spielzeiten war er zu sehen und zu hören in: L’elisir d’amore an der WienerStaatsoper und der Met, Il barbiere di Siviglia in Lima, Le comte Ory an der Met,  I puritani in Tokio, Linda di Chamounix in Barcelona, Rigoletto in Zürich, Matilde di Shabran in Pesaro, Guillaume Tell in Lima und Pesaro, Les Pêcheurs de perles in Madrid, La donna del lago in Covent Garden, La Fille du régiment in Wien sowie in einem Konzert in Machu Picchu mit Gustavo Dudamel und dem Orquesta Sinfónica Simón Bolívar. Für 2014 sind geplant: La sonnambula in Barcelona, La Fille du régiment in Covent Garden, Roméo et Juliette in Lima, La Cenerentola an der Met, Il Barbiere di Siviglia in München, Le comte Ory an der Scala und La Favorite bei den Salzburger Festspielen sowie Konzerte in Marseille, Istanbul, Zürich, Genf, Madrid, Lüttich, Baden-Baden, Ludwigshafen, München und Wien.

Juan Diego Flórez hat als Decca-Exklusivkünstler seit 2001 zahlreiche Soloalben und Operngesamtaufnahmen auf CD und DVD veröffentlicht; viele davon haben Preise gewonnen, darunter den deutschen Echo und den Cannes Classical Award. Zu seinen neueren Einspielungen gehören Gesamtaufnahmen von Bellinis La sonnambula, mit Cecilia Bartoli auf CD und mit Natalie Dessay auf DVD, Glucks Orphée et Eurydice mit Ainhoa Garmendia, Bel  Canto spectacular – 2010 in der Kategorie ‚Best Classical Vocal Performance‘ für einen Grammy® nominiert – sowie 2010 eine CD mit geistlichen Liedern unter dem Titel ‚Santo‘. 2012 erschien die 2009 beim Rossini-Festival in Pesaro aufgenommene DVD mit Rossinis Zelmira, und 2013 folgte Rossinis Matilde di Shabran als Mitschnitt aus dem Teatro Comunale in Bologna. Für 2014 ist sein erstes, nur in französischer Sprache gesungenes Album ‚L’Amour‘ mit Opernarien von Donizetti bis Massenet geplant.

Der peruanische Tenor hat zahlreiche weitere internationale Kritikerpreise erhalten sowie den Sonnenorden als höchste Auszeichnung der peruanischen Regierung. 2012 wurde er zum Sonderbotschafter der UNESCO ernannt und in Wien als Kammersänger

—| Pressemeldung Tonhalle Düsseldorf |—

Salzburg, Salzburger Festspiele 2017, Belcanto zum Festspiel-Ende – Lucrezia Borgia, IOCO Kritik, 10.09.2017

September 12, 2017 by  
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Salzburger Festspiele

Salzburg / Grosses Festspielhaus © Salzburger Festspiele / Luigi Caputo

Salzburg / Grosses Festspielhaus © Salzburger Festspiele / Luigi Caputo

Belcanto beendet die Salzburger Festspielsaison 2017

Lucrezia Borgia von Gaetano Donizetti

Von Daniela Zimmermann

BELCANTO in reinster Form beendete im Großen Festspielhaus die Salzburger Festspiele 2017; Schöngesang, leider verpackt in einer grausigen Giftmischertragödie. In alter Tradition begannen die Festspiele 2017 am 21. Juli mit dem Mysterienspiel Jedermann von Hugo von Hoffmannsthal,

um über großartige Opern wie La clemenza di Tito, Ariodante, Wozzeck, mit hinreißendem Schauspiel wie Kasimir und Karoline oder Rose Bernd, begleitet von Meisterklassen oder Konzerten am 30.8. mit Lucrezia Borgia von Gaetano Donizetti (1797 – 1848) konzertant auszuklingen.

Lucrezia Borgia wurde 1833, in der Hoch-Zeit des Belcanto, am Teatro alla Scala in Mailand uraufgeführt. Das Libretto schrieb Felice Romani nach dem ebenfalls 1833 erschienenen Buch von Victor Hugo. Donizetti und Romani halten sich in der Oper streng an die zu ihrer Zeit bestehenden Vorurteile über Lucrezia Borgia, der Tochter von Papst Alexander VI., bürgerlich italienischer Name Rodrigo Borgia. Lucrezia war als gefährliche Intrigantin, Giftmischerin und Ehebrecherin gebrandmarkt, der nichts heilig war. (Ein maßgeblich von Hugo, Dumas und anderen Männern unkritisch gefördertes Vorurteil; durch neuere Forschung weitgehend widerlegt.) Doch Victor Hugo und der Belcanto dominierten, waren 1833 höchst populär. Das Ergebnis: Lucrezia Borgia. Szenische Produktionen sind wegen der psychogenen Windungen problematisch. Konzertante Aufführungen dagegen geben dem Belcanto, der herrlichen Musik, virtuoser Vokalkunst freien Raum. So geschehen in Salzburg, wo die Sommerfestspiele 2017 mit wunderbarem Gesang, in vollkommener Tongebung und Klangschönheit endeten.

 Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit vlnr Krassimira Stoyanova, Marco Armiliato, Juan Diego Florez © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit vlnr Krassimira Stoyanova, Marco Armiliato, Juan Diego Florez © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Felice Romani verlegt die Handlung ins karnevalistischen Treiben von Venedig, wo sich die in der Bevölkerung unbeliebte Lucrezia Borgia mit Maske und Hauptmann Gennaro, über die gegenseitige Herkunft wenig wissend, treffen und verlieben. Lucrecias Gatte, Don Alfonso d’Este erfährt von der Zuneigung seiner Frau zu diesem jungen Mann und beabsichtigt, diesen zu töten. Lucrezia versucht vergeblich ihren eifersüchtigen Mann umzustimmen. Lucrezia wiederum vergiftet die Freunde von Gennaro, aus Rache für deren Schmähungen. Unerwartet ist Gennaro auch unter den Freunden und trinkt mit ihnen den vergifteten Wein, will mit seinen Freunden sterben, verweigert das Gegengift. Jetzt gibt sie sich Gennaro als seine Mutter zu erkennen, in deren Armen er stirbt. Sie selbst stirbt am gebrochenen Herzen.

Festliches und Makabres, Tragisches oder Komisches: Gegensätze konzertant, allein mit der Stimme auszudrücken, zeichnet Lucrezia Borgia in Salzburg. Krassimira Stoyanova überzeugt in der mörderischen wie zwiespältigen Partie der Lucrecia Borgia; einerseits liebende Mutter andererseits das vor keiner schrecklichen Bösartigkeit zurückschreckende Teufelsweib. Stoyanova beseelt das Menschliche der Lucretia mit sicherem Sopran und satten Timbre; die facettenreichen Koloraturen bringt sie ausdrucksstark, ohne in überzeichnende Koloraturartistik zu verfallen. Der Besucher empfand so, dank Stoyanova, mit der zerrissenen Lucrezia, einer von der Rache des Himmels getroffenen Frau.

Juan Diego Florez als Gennaro erfüllte dagegen die Belcanto-Träume des Publikums. Mit hellem Klang und virtuoser Beweglichkeit in hohen Tenorlagen beherrschte Diego Florez seine anspruchsvolle Partie und begeisterte das Publikum. Seine große, von der großen Liebe zu der unbekannten Frau erfüllten Arie zu Beginn des 2. Aktes „T’amo qual dama un angelo…..“ (Ich liebe dich wie einen Engel), wurde ebenso enthusiastisch gefeiert wie sein sterbendes „Sono un Borgia? O ciel!”. Florez gab mit seiner hellen Tenorstimme und auffälliger Leichtigkeit dem Belcanto wunderbaren Ausdruck; doch auch dem jungen Gennaro verlieh er Charakter, wenn auch über den Belcanto der Ausdruck, Leidenschaft etwas kurz kam.

Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit Solisten, dem Wiener Staatsopernchor und dem Mozarteumorchester © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

Salzburger Festspiele / Lucrezia Borgia mit Solisten, dem Wiener Staatsopernchor und dem Mozarteumorchester © Salzburger Festspiele / Marco Borrelli

 

Doch auch die anderen Partien der Oper waren in Salzburg blendend besetzt: Maffio Orsini, eine Hosenrolle, Gennaros engster Freund und Gegner der Lucrezia, sang die junge, italienischen Mezzosopranistin Tersea Lervolino unbekümmert leicht, mit warmen Mezzosopran. In der nächsten Saison wird Lervolino in dieser Partie an der Bayerischen Staatsoper  (ich freue mich!) zu hören sein. Aber auch Ildar Abdrazakov als Don Alfonso d´Este wurde für einen breiten schweren Bass bejubelt, wie die Interpreten der anderen kleineren Partien. Mingjie Lei als Jeppo Liverotto, Ilker Arcayürek als Oloferno Vitellozzo, Gleb Peryazev als Apostolo Gazella, Ilya Kutyukin als Ascanio Petrucci, Andrzej Filonczyk als Gubetta, Andrew Haji als Rustighello sowie Gordon Bintner als Astolfo. Marco Armillato führte Ensemble, den Wiener Staatsopernchor und das Mozarteumorchester sängerfreundlich, den Stimmen, dem Belcanto  „Vorfahrt zu geben“.

Der Applaus des Publikums goutierte Dirigat, Orchester, Solisten wie Chor: Begeistert wie einhellig. Doch der große Applaus galt wohl nicht nur dem berührenden Belcanto, sondern, an diesem finalen Theaterabend, auch den Verantwortlichen des so spannenden Salzburger Festspielsommers 2017.

—| IOCO Kritik Salzburger Festspiele |—

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