Hagen, Theater Hagen, Hoffmanns Erzählungen – Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 07.12.2019

Dezember 7, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Hoffmanns Erzählungen – Jacques Offenbach

– Aufgeklärte Frauen der Jetzt-Zeit auf einer Zeitreise in das Jahr 1907 –

von Viktor Jarosch

Jacques Offenbach in Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach in Montmartre © IOCO

Orpheus in der Unterwelt (1855), Die schöne Helena (1864) mit der umworbenen exzentrischen Diva Hortense Schneider und andere Operetten machten Jacques Offenbach (1819-1880) im französischen Kaiserreich um 1860 zu einem Star.  Für Gioacchino Rossini war Offenbach der „Mozart der Champs-Elysées“. Giacomo Meyerbeer besuchte  Offenbachs satirisch frivole Operetten französischer Prägung in dessen Theatre des Bouffes Parisiennes. Bezüge zur griechischen Antike persiflierten die Mittelschicht, Neureiche oder Emporkömmlinge. Der deutsch-französische Krieg 1870-71 und seine nun kritisch gesehene deutsche Herkunft beendeten in Paris die Popularität von Jacques Offenbach; er war nun nur noch berühmt. Noch schlimmer für ihn: Nach 1871 gab es in Paris keinen Platz mehr für seine prallen, lebensfrohen Operetten; so fand Offenbach in späten Jahren mit Hoffmanns Erzählungen zu ganz neuen Ufern.

Die Autoren von Hoffmanns Erzählungen (Les Contes D´Hoffmann), die Franzosen Jules Barbier und Michel Carré, waren große Bewunderer von E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) und dessen Karikaturen, Erzählungen, Satiren. In ihrem populären Drama Les Contes D´Hoffmann integrieren sie den Menschen E.T.A. Hoffmann in dessen Erzählungen Der Sandmann, Rat Krespel, Die Geschichte vom verlorenen Spiegelbild, Serapionsbrüder. Offenbach wiederum komponierte 1877 aus diesem 1851 in Frankreich entstandenen, fantastischen Drama eine Oper. Die Komposition der Oper gestaltete sich mühsam:. Offenbach war bereits krank, dürr, hinfällig; seinen baldigen Tod ahnend schreibt er Léon Carvalho, Direktor der Opéra-Comique, „Beeilen Sie sich, mein Stück herauszubringen; ich habe es eilig und hege nur den einzigen Wunsch, die Premiere zu sehen.“ Offenbach starb 1880; den Erfolg seiner 1881 uraufgeführten Oper erlebte er nicht mehr. Die zum Tod Offenbachs nur weitgehend fertige Komposition wurde in den Folgejahren immer wieder überarbeitet. Am Theater Hagen wurde die bekannteste, die Guiraud-Choudens-Fassung von 1907 gespielt.

 Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen - hier : moderne Frauen der Jetzt-Zeit begeben sich auf die Zeitreise in das Jahr 1907 © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen – hier : moderne Frauen der Jetzt-Zeit begeben sich auf die Zeitreise in das Jahr 1907 © Klaus Lefebvre

Hoffmanns Erzählungen ist ein ohnehin komplexes Werk, es spielt auf verschiedenen Ebenen und Wahrnehmungen. Regisseur (und Intendant des Theater Hagen) Francis Hüsers verwandelt Offenbachs klassische Komposition zusätzlich. In einem Spiel der Realitätsebenen der Jahre 2019  und 1907 geht es ihm besonders um die Wahrnehmung von Frauen in einer von Männern dominierten Gesellschaft.  Hüsers nimmt den Besucher so mit auf eine Zeitreise: Olympia, Antonia und Giulietta (als Prostituierte) sind moderne Frauen der Jetzt-Zeit, welche in die Welt des Jahres 1907 eintauchen und dort entstressten Umgang mit Liebe, Erotik, Männern, Sex leben. Es sind aktiv gestaltende, gleichberechtigte Frauen, welche Hoffmann auch verführen wollen. Warum gerade 1907? Hüsers sieht 1907 als ein besonderes Jahr, von großen Umbrüchen in der Kunst, in dem die „frühe Moderne“ aufblühte, in dem auch die Drucklegung der in Hagen gespielten Hoffmann – Fassung erfolgte.

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen - hier : Cristina Piccardi als Olympia, Boris Leisenheimer als Spalanzani © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen – hier : Cristina Piccardi als Olympia, Boris Leisenheimer als Spalanzani © Klaus Lefebvre

Olympia, Antonia und Giulietta werden auf der Zeitreise in das Jahr 1907 von Nicklausse, die Muse, begleitet, gestützt von ihrem Freund und Hoffmanns Gegenspieler Lindorf, welcher in der Welt von 1907 als Sinnbild des Bösen, als Coppelius, Miracle und Dapertutto, auch Hoffmann bekämpft. Hoffmanns Erzählungen wird in Hagen auch zu einem spannendem Plädoyer für Aufklärung, für Gleichberechtigung. #MeToo scheint auch ein wenig durch. Ein ungewöhnlich reizvoller Regieansatz, welcher auf der Bühne zu einer packender Produktion mutiert.

Lindorf (Dong-Won Seo) sitzt schon vor Beginn der Vorstellung an einem Tisch an der Bühnenrampe, die „Westfälische Rundschau“ lesend. Zu den ersten Klängen des Chors der Studenten („Wir vertreiben Leid und Sorgen …“) erscheinen Antonia, Giulietta und Olympia, klassisch wie lasziv gekleidet, setzten sich zu Lindorf, trinken Bier, spielen Karten: modern, gelassen, selbstbewusst.

Mit dem ersten Bild, dem Öffnen des Vorhangs, beginnt ihre Zeitreise in das Jahr 1907: Lutters Weinkeller, ein bedeutendes MUSS jeder Hoffmann-Inszenierung (ehemals auch Stammkneipe von E.T.A. Hoffmann), ist in Hagen ein weites, hohes Lokal mit gepflegten Kellnern und vornehm tanzenden Gästen in der Kleidung aus 1907. Im Hintergrund des Bühne unterlegen Bilder, Projektionen, Filme die Handlung der Protagonisten. Hoffmann erscheint und singt, von seinen Kumpels gedrängt – nicht verloren schwach, sondern selbstsicher auf einem Tisch und mitten im Leben stehend – das Lied von Klein-Zack: die vier aus der Jetzt-Zeit abgestiegenen Frauen mischen sich lässig unter die Gäste, geben durch ihre moderne Erscheinung der „Zeitreise 2019-1907“ Bild und Ausdruck. Das ungebrochene Französisch der SängerInnen verleiht der Produktion zusätzlichen Charme und Harmonie.

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen - hier : Thomas Paul als Hoffmann, Netta Or als Giulietta filmt ihn, um so sein Spiegelbild zu rauben © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Hoffmanns Erzählungen – hier : Thomas Paul als Hoffmann, Netta Or als Giulietta filmt ihn, um so sein Spiegelbild zu rauben © Klaus Lefebvre

Olympia, der von dem Physiker Spalanzani geschaffene Singautomat, ist dann im zweiten Bild eine gepflegte Frau in modern blauem Zweiteiler, Foto oben, welche zwischen den Gästen aus 1907 und ihren Freundinnen der Jetzt-Zeit flaniert, ihre große Arie singend Les oiseaux dans la charmille“ (Die Vögel in der Laube). Auch die folgenden Bilder der so vielschichtigen Handlung, die von Doktor Miracle zum Singen verführte Antonia, die mit ihrem Zuhälter Dapertutto um Hoffmanns Spiegelbild kämpfende Giulietta, Foto oben, spielen beständig mit der Wahrnehmung des Besuchers. Diese stetig wechselnden Ebenen  machen Hoffmanns Erzählungen in Hagen zu einer bis zum überraschenden Ende anregend vielschichtigen Inszenierung. Hier können sich, frei nach Goethe, die Geister verschiedener Zeiten gegenseitig bespiegeln. Und  den Besucher so bannen, faszinieren!

Die Faszination der Hoffmann-Produktion am Theater Hagen wird gleichermaßen über das darstellerisch und stimmlich mitreißend disponierte Ensemble gestaltet: Thomas Paul erhielt in seiner riesigen Partie des Hoffmann den ersten ungeteilten Beifall bereits zu Beginn, zu seiner Arie des Klein-Zack. Paul schonte sich jedoch dann nicht, schaffte es, große mitnehmende Ausstrahlung und seine wohltimbrierte kräftige Tenorstimme über den ganzen Abend zu wahren. Die drei in das Jahr 1907 abgestiegenen Freundinnen, Olympia (Cristina Piccardi),  Antonia (Angela Davis), Giulietta (Netta Or) faszinierten in ihren anspruchsvollen Sopran-Partien ebenfalls von Beginn an. Dong-Won Seo las als Lindorf zu Beginn der Vorstellung eine Zeitung: Als Coppelius, Doktor Miracle und Dapertutto war er der optisch und mit schwerem Bassbariton in der langen und stimmlich fordernden Oper stets präsente Gegenspieler von Hoffmann. Maria Markina wiederum begleitete Hoffmann als Muse und Nicklausse ebenfalls mit feinem Mezzo. Marilyn Bennett, hoch  geschätztes Ensemblemitglied am Theater Hagen, spielt, singt die verstorbene Mutter von Antonia stimmlich perfekt und erneut mit esoterischer Präsenz. Gestützt wurden Sänger und Komposition durch GMD Joseph Trafton und das sensibel eingestellte  Philharmonische Orchester Hagen.

Mit dem ungewöhnlichen Regie-Ansatz zu Hoffmanns Erzählungen und der gelungenen künstlerischen Umsetzung auf und vor der Bühne zeigt das Theater Hagen,  dass große Kultur in Deutschland auch in kleineren deutschen Städten stattfindet. Die Besucher dankten überschwänglich, allen: Regie, Ensemble, Dirigent und Orchester lang anhaltend.

Hoffmanns Erzählungen am Theater Hagen; die folgenden Termine 20.12.; 26.12.; 29.12.2019; 12.01.2020, 19.01.; 15.02.2020 und mehr

—| IOCO Kritik Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Drittes Sinfoniekonzert – Dmitri Schostakowitsch, 19.11.02019

November 14, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Drittes Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Hagen am

Dienstag, 19. November 2019 um 19.30 Uhr in der Stadthalle Hagen

Programm: Dmitri Schostakowitsch: „Festliche Ouvertüre“

Dmitri Kabalewski: Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 77
Sergei Rachmaninoff: Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27
Solist: Steven Isserlis (Violoncello)                                Leitung: Joseph Trafton

Theater Hagen / Steven Isserlis © Baptiste Millot

Theater Hagen / Steven Isserlis © Baptiste Millot

Im dritten Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters Hagen am 19. November 2019 um 19.30 Uhr in der Stadthalle Hagen ist erneut der britische Weltklasse-Cellist Steven Isserlis zu Gast, der durch seine herausragende Technik und außerordentliche Musikalität sein Publikum stets begeistert. Auf dem Programm stehen drei Komponisten, deren Leben stark durch das stalinistische Sowjetregime beeinflusst wurde – und das in unterschiedlichen Ausprägungen: Dmitri Kabalewski stellte sich in den Dienst des Regimes und u?bernahm zeitlebens zahlreiche politische Ämter. Sein zweites Cellokonzert aus dem Jahre 1964 zeichnet sich durch eine mystisch du?stere Stimmung und durch folkloristische Anklänge aus. Dmitri Schostakowitsch hingegen hat sein Leben lang mit dem politischen Regime gerungen, das ihn mit Verbot und Verfolgung strafte, aber zeitweise auch als Großmeister feierte. Seine rasante „Festliche Ouvertu?re“ schrieb er 1947 in nur drei Tagen anlässlich von Jubiläumsfeierlichkeiten zur Oktoberrevolution. Der dritte und älteste im Bunde, Sergei Rachmaninoff, verbrachte die letzten 25 Jahre seines Lebens im Exil in den USA. Seine klangfarbenreiche Sinfonie Nr. 2 wurde zuvor mit großem Erfolg 1908 in St. Petersburg uraufgeführt.

Die musikalische Leitung dieses vom Theaterförderverein Hagen e.V. unterstützten Konzertes hat Generalmusikdirektor Joseph Trafton.

Parallel zur Einführung für Erwachsene um 18.45 Uhr (Kleiner Saal, Eintritt frei) wird unter dem Titel „Sinfonikus“ auch eine interaktive Einführung für 8-12-Jährige im Sinfonium angeboten, in welcher die jungen Besucher*innen auf spielerische Weise gemeinsam musikalische Meisterwerke entdecken und die dabei eingesetzten Instrumente hautnah erleben und kennenlernen. Der Eintritt beträgt 12 Euro und beinhaltet die Teilnahme am „Sinfonikus“ sowie den Besuch des Konzertes.

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, CARDILLAC – Paul Hindemith, 21.09.2019

September 20, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

CARDILLAC – Oper von Paul Hindemith

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr

Die Eröffnungspremiere im Theater Hagen im Großen Haus am 21.9.2019 (19.30 Uhr) bildet die Aufführung der Oper Cardillac von Paul Hindemith in ihrer Erstfassung von 1926 mit einem Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann.

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um auf diese Weise Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem rein materialistisch motivierten Geschäftsmodell. Nicht so beim Goldschmied Cardillac, der doch genau das tut. Aber er mordet eben nicht aus Geldgier, sondern schlicht, weil er nicht ertragen kann, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist – der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. – E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von ‚Bauhaus‘ und ‚neuer Sachlichkeit‘, vertont hat.

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Cardillac- Thomas Berau (Cardillac) und Chor des Theaters Hagen © Klaus Lefebvre

Für die Umsetzung dieser Oper wirkt erneut ein Team zusammen, welches in der letzten Spielzeit mit großem und überregionalem Erfolg Wagners Tristan und Isolde im Theater Hagen realisiert hat und deutschlandweit für Aufsehen sorgte – eine Produktion, die von Fachkritikern mehrfach ausgezeichnet wurde: Joseph Trafton (Musikalische Leitung), Jochen Biganzoli (Regie), Wolf Gutjahr (Bühne), Katharina Weissenborn (Kostüme), Hans-Joachim Köster (Licht), Francis Hüsers (Dramaturgie). Dieses Team sieht den im Künstler-Psycho-Drama gefangenen Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem gesellschaftlichen Sinn von Kunst ausprobiert. So legt die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung von Hindemiths „Cardillac“ den bis heute währenden Streit um Kunst frei, der zuweilen in einer Radikalität geführt wird, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 beinahe wie religiöser Eifer aufscheint: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“ Die Aufführungen von dieser klangreichen, dramatischen Oper am Theater Hagen sind also nicht ohne Grund Teil der Veranstaltungen zum „Bauhaus-Jahr“ 2019. Generalmusikdirektor Joseph Trafton dirigiert dieses Werk, dessen Stil von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon mal als „Bauhaus-Barock“ bezeichnet wurde, und er hat mit dem Orchester, den Solo-Sänger*innen und dem Chor die höchste Ansprüche an alle stellende Partitur effektvoll erarbeitet. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist seine „Cardillac“-Musik doch ganz auf den fesselnden Klangeffekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert.

Es singen und spielen: Thomas Berau (Cardillac), Angela Davis (Cardillacs Tochter), Milen Bozhkov (Offizier), Thomas Paul (Kavalier), Veronika Haller (Eine Dame), Ivo Stánchev (Goldhändler), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté); Chor und Extrachor des Theaters Hagen, Statisterie des Theaters Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr , weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

DIE STUNDE DER KRITIK  – CARDILLAC
Sonntag, 10.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé, Eintritt frei
Zu Gast: Wiebke Roloff (Opernwelt), MIT MUSIK Kenneth Mattice singt Hindemiths „Drei Hymnen von Walt Whitman“, am Klavier: Amy Tarantino-Trafton

—| Pressemeldung Theater Hagen |—

Hagen, Theater Hagen, Premieren September – Oktober 2019, IOCO Aktuell

August 13, 2019 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

 

Theater Hagen :  Premieren September – Oktober 2019


CARDILLAC   –  Oper von Paul Hindemith in drei Akten, Erstfassung von 1926,  Libretto von Ferdinand Lion nach der Erzählung Das Fräulein von Scuderi von E.T.A. Hoffmann   – In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: Samstag, 21. September 2019, 19.30 Uhr | Großes Haus

Schmuck verkaufen und den Käufer dann hinterrücks ermorden, um Schmuck und Geld behalten zu können, klingt nach einem profitablen Geschäftsmodell. Doch der Goldschmied Cardillac mordet nicht aus Geldgier – er kann nur nicht ertragen, dass ‚sein’ Schmuck nicht mehr bei ihm ist: Der Künstler wird zum Psycho-Serientäter, und eine Stadt sucht einen Mörder. E.T.A. Hoffmann hat mit seiner Erzählung Das Fräulein von Scuderi den Stoff für diesen Krimi geliefert, den Paul Hindemith in den 1920er Jahren, zur Zeit von „Bauhaus“ und „neuer Sachlichkeit“, vertont hat.

Regisseur Jochen Biganzoli, der mit seiner Hagener Inszenierung von Wagners Tristan und Isolde deutschlandweit für Aufsehen sorgte, sieht den Goldschmied Cardillac als eine Art Kunst-Terrorist, der (zu) radikale Antworten auf die Frage nach dem Sinn von Kunst sehr praktisch ausprobiert. So macht die Hagener Inszenierung unter der Krimi-Handlung die Radikalität eines Kunst-Streits sichtbar, die selbst im Bauhaus-Manifest von Walter Gropius von 1918 schon als religiöser Eifer aufschien: „Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft […] als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“

Die Aufführungen von Hindemiths Cardillac sind Teil des „Bauhaus-Jahres“ 2019 in Hagen, wo an vielen Gebäuden der Anspruch dieser frühmodernen Kunstschule zu begutachten ist. Und dass dieser Anspruch weit über das Bauen hinausreichte, wird am Theater nun in einem Genre erlebbar, das mit Architektur gar nichts zu tun hat: das durch Klang ausgedrückte Drama, die alle Sinne fesselnde Oper.

Generalmusikdirektor Joseph Trafton wird die von der Musikwissenschaft tatsächlich auch schon als „Bauhaus-Barock“ bezeichnete Partitur effektvoll zum Klingen bringen. Denn trotz Hindemiths frühmoderner Vorliebe für Abstraktion und Stilisierung ist diese Musik doch ganz auf den fesselnden Effekt im Ablauf eines spannenden Psycho-Krimis konzentriert. Wieder einmal wird im Theater Hagen Außerordentliches zu erwarten sein!

Musikalische Leitung Joseph Trafton | Inszenierung Jochen Biganzoli | Bühne Wolf Gutjahr | Kostüme Katharina Weissenborn | Licht Hans-Joachim Köster | Dramaturgie Francis Hüsers | Mit Thomas Berau (Der Goldschmied Cardillac), Milen Bozhkov (Der Offizier), Angela Davis (Die Tochter), Veronika Haller (Die Dame), Kenneth Mattice (Der Führer der Prévôté), Thomas Paul (Der Kavalier), Ivo Stánchev (Der Goldhändler) | Chor und Extrachor des Theaters Hagen | Statisterie des Theaters Hagen | Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 3.10. (18.00 Uhr); 18.10. (19.30 Uhr); 10.11. (15.00 Uhr); 13.11.2019 (19.30 Uhr); 10.1. (19.30 Uhr); 16.1. (19.30 Uhr); 26.1.2020 (18.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): 16.9.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus,  Die Stunde der Kritik: 18.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé

b   –   Eine LiveMusikKlassikerShow nach dem Drama von Georg Büchner
In einer Fassung von Anja Schöne • Ab 14 Jahren
Schulvorstellungen besonders empfohlen für die Klassen 9-13

Premiere: SAMSTAG, 28. SEPTEMBER 2019, 19.30 Uhr | Lutz

Ein Radiomoderator hat jahrelang Anrufe von Menschen entgegengenommen, die seinen Rat suchten. Nun feiert er seine letzte Sendung und will seinen Abschied stimmungsvoll mit einer Liveband begehen. Doch da ruft ein gewisser Woyzeck an und stammelt, er habe seine Freundin Marie ermordet. Wegen des Tambourmajors, der Erbsen und der Stimmen in seinem Kopf. Statt der Feier beginnt eine musikalische Untersuchung, die die Geschehnisse rund um den Mord aufrollt.

Büchners radikales Fragment über Macht und Ohnmacht, Willensfreiheit und Fremdbestimmung und das gewalttätige Potential derer, die sich ausgeschlossen und ausgenutzt fühlen, verwandelt sich auf der Lutz-Bühne in das entlarvende Porträt einer unmenschlichen Gesellschaft, nah an Büchner und doch ganz im Heute.

Inszenierung Anja Schöne | Bühne Jeremias H. Vondrlik | Kostüme Sabine Kreiter | Musik Basil Weis | Dramaturgie Anne Schröder | Mit Justin Benedict Dörpinghaus, Kristina Günther, Aischa-Lina Löbbert, Björn Lukas, Basil Weis

Weitere Vorstellungen: 25.10.2019 (19.30 Uhr); 20.3. (19.30 Uhr); 25.4. (19.30 Uhr); 19.5.2020 (19.30 Uhr)

Schulvorstellungen: 1.10. (12.00 Uhr); 6.11. (12.00 Uhr); 8.11.2019 (12.00 Uhr); 18.3. (12.00 Uhr); 19.3. (12.00 Uhr); 28.4. (12.00 Uhr); 19.5.2020 (12.00 Uhr)

Diese Produktion wird vom Förderprojekt „Jeder Schüler ins Theater Hagen“ vom Theaterförderverein Hagen e.V. unterstützt, das einen kostenlosen Besuch für Schüler*innen im Klassen- oder Kursverband ermöglicht.

CASA AZUL  –  Inspired by Frida Kahlo
Ballett von Marguerite Donlon,   Komposition und musikalische Arrangements von Claas Willeke

Premiere: Samstag, 5. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus

Marguerite Donlon, neue künstlerische Leiterin des Balletts Hagen, hat sich für die Kreation von CASA AZUL intensiv mit Leben und Werk von Frida Kahlo auseinandergesetzt. „Schon zu Lebzeiten war sie eine Legende, heute ist sie zum Mythos geworden. Um durchzuhalten, malte sich Kahlo in ihren detailgenauen Selbstportraits die physischen und psychischen Leiden von der Seele. Durch das Malen überwand sie Schmerz, Liebesleid und Lebensverdruss. Kahlo malte buchstäblich um ihr Leben.“

Den transformatorischen Prozess ihrer inneren Phantasie-, Farb- und Gestaltwelten und die äußeren Zwänge ihres Lebens im „Korsett“, aber auch als eigenständige Frau im beginnenden 20. Jahrhundert in Tanz umzusetzen – die Poesie dieser großen Künstlerin bewegt zu gestalten, ihrem Leben nachzuspüren, ist eine wunderbare choreographische Herausforderung.

In der Casa Azul wurde sie geboren – im berühmten blauen Haus am Rande Mexico Cities ist sie auch 1954 verstorben. Kurz nach ihrem Tod hat ihr Ehemann, der Freskenmaler Diego Rivera, die Casa Azul als Museum der Öffentlichkeit übergeben.

Frida Kahlos intensives, kraftvolles wie kraftraubendes Leben ist geprägt von ihrem schier unbeugsamen Willen zu leben und zu überleben – eine kontinuierliche Selbstvergewisserung in einer von inneren und äußeren Brüchen bestimmten Lebenswelt. Ihre politischen Aktivitäten, die Rückbesinnung auf die indigene Kultur Mexikos, ihr politisches Bekenntnis zum Kommunismus, ihr Verständnis von freier Liebe zu beiden Geschlechtern, insbesondere aber die Liebe zu Diego Rivera, ihre zweifache Ehe mit dem berühmten Muralisten, ihre zahlreichen Aufenthalte in den USA und die Einladung des Surrealisten André Breton nach Paris, um nur einige Facetten ihres reichhaltigen Lebens hervorzuheben, verdeutlichen den unglaublichen Radius einer Frau, in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Ich necke den Tod und lache ihn aus, damit er mich nicht so leicht unterkriegt.“ Im Alter von 18 Jahren wurde Frida Kahlo durch einen tragischen Unfall in der Straßenbahn durch eine eiserne Griffleiste „wie ein Torerodegen den Stier durchbohrt“ für ihr Leben getroffen. Frida Kahlos den Blick bannende Selbstbildnisse bilden den Großteil ihres künstlerischen Schaffens. Sie, die „Krüppelin malt sich schön, von aristokratischer Eleganz, in boticellesker Malweise“, kleinformatig im Stuhl oder im Bett liegend, mit Spiegeln ausgestattet, um die Welt aufzunehmen. „Nichts ist für das Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit. Tragödien sind dagegen albern.

Choreographie und Inszenierung Marguerite Donlon | Bühne, Video und Licht Ingo Bracke | Kostüme Markus Maas | Gesang und Gitarre Luis Gonzalez | Choreographische Assistenz Francesco Vecchione | Dramaturgie Waltraut Körver | Mit Brandon Alexander, Filipa Miranda Amorim, Gennaro Chianese, Peter Copek, Alexandre Démont, Ciro Iorio, Jeong Min Kim, Noemi Emanuela Martone, Federica Mento, Amber Michelle Neumann, Sara Peña, Dario Rigaglia

Weitere Vorstellungen 11.10. (19.30 Uhr); 20.10. (15.00 Uhr); 27.10. (15.00 Uhr); 6.11. (19.30 Uhr); 17.11. (18.00 Uhr); 21.11. (19.30 Uhr); 27.12.2019 (19.30 Uhr); 18.1. (19.30 Uhr); 29.1. (19.30 Uhr); 22.2. (19.30 Uhr); 29.3. (18.00 Uhr); 18.4.2020 (19.30 Uhr); Gastspiel in Siegen: 29.10.2019

WERKSTATT-PROBE (Einführungsveranstaltung): 30.9.2019, 18.15 Uhr, Großes Haus

DIE STUNDE DER KRITIK: 27.10.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Zu Gast: Dr. Marieluise Jeitschko


Pardauz  –  Ein TanzObjektTheaterSpaß von Anja Schöne und Ensemble • Ab 3 Jahren

Premiere: SAMSTAG, 19. Oktober 2019, 15.00 Uhr | Lutz

Zwei Performer*innen kugeln anarchisch verspielt auf die Bühne – pardauz – liegen sie da. Doch schon im nächsten Moment stehen sie wieder auf, verwandeln sich in bunte Dreiecke, umkreisen sich, kommen sich näher, werden zum Quadrat und pardauz – fällt alles auseinander. Gleich geht es weiter in spiralförmigen Sprüngen – bis zum nächsten pardauz.

In einem bunten TanzTheater mit Objekten schickt Regisseurin Anja Schöne ihr Ensemble auf die Spuren von Bauhaus und Dada und schafft ein mitreißendes Theaterspektakel für alle Generationen rund um die Erkenntnis, dass nach dem Fall immer vor dem Fall ist. Oder frei nach Hugo Ball „elifantolim brussala bulomen tromtata“.

Inszenierung Anja Schöne | Choreographie Jozsef Hajzer | Bühne und Kostüme Sabine Kreiter | Dramaturgie Jannica Hümbert | Es spielen, kugeln und fallen: Anne Schröder und Lilian-Felicitas Prudlo

Weitere Vorstellungen: 23.10. (10.00 Uhr); 27.12.2019 (15.00 Uhr); 26.1. (15.00 Uhr); 28.1. (10.00 Uhr); 29.2. (15.00 Uhr); 5.4.2020 (15.00 Uhr)


DER GRAF VON LUXEMBURG  –  von Franz Lehár

Libretto von Robert Bodanzky, Leo Stein, Alfred Maria Willner,  In deutscher Sprache mit Übertexten

Premiere: SAMSTAG, 26. Oktober 2019, 19.30 Uhr, Großes Haus     

„Heut‘ noch werd‘ ich Ehefrau! Doch wer wird mein Mann? Bis jetzt weiß ich es nicht genau, egal! – Was liegt daran?“ (Angèle in  Der Graf von Luxemburg)

Zwei Menschen heiraten, ohne sich zu kennen und ohne sich während der Trauung sehen zu können: Diese Scheinehe ermöglicht Angèle zur Gräfin zu werden und nach der schon geplanten Scheidung eine standesgemäße Ehe mit dem Fürsten Basil eingehen zu können. Basil ist es auch, der dem Grafen René mit viel Geld davon überzeugt, zum „Heiratsgrafen“ zu werden. Der Graf von Luxemburg kann dieses Geld gut gebrauchen, schließlich hat er sein Vermögen „verjuxt, verputzt, verspielt, vertan“ und weiß nicht, wie er sein ausschweifendes Leben in Paris weiterhin finanzieren soll. Teil der Vereinbarung ist jedoch, dass René und Angèle sich nie kennenlernen. Es kommt zu einem zufälligen Treffen der beiden in der Oper, bei dem sie sich verlieben. Zunächst ist ihnen nicht bewusst, dass sie auf dem Papier bereits Mann und Frau sind. Doch als René erkennt, an wen er sein Herz verloren hat, stellt sich die Frage: Geld oder Liebe?
Franz Lehár gelang es 1909 mit dieser Operette an den sensationellen Erfolg von „Die lustige Witwe“ anzuknüpfen: Der Komponist schuf ein Meisterwerk der späten Wiener Operette voller mitreißender Melodien, Tempo und Witz. Bist du’s, lachendes Glück? – diese Frage treibt die Figuren um: Zwischen Pragmatismus und Hoffnung schwankend, versuchen sie ihren Gefühlen habhaft zu werden.
Nach seinen überaus beliebten Inszenierungen von Kiss me, Kate und „Blues Brothers“ kehrt der Regisseur Roland Hüve nun ans Theater Hagen zurück.

Musikalische Leitung Rodrigo Tomillo, Inszenierung Roland Hüve,  Bühne und Kostüme Siegfried E. Mayer,  Choreographie Eric Rentmeister,  Licht, Chor Wolfgang Müller-Salow,  Dramaturgie Rebecca Graitl, Mit Marilyn Bennett, Angela Davis, Olaf Haye, Kenneth Mattice, Cristina Piccardi, Richard van Gemert, Oliver Weidinger, Chor des Theaters Hagen, Extrachor des Theaters Hagen, Ballett Hagen, Philharmonisches Orchester Hagen

Weitere Vorstellungen: 31.10. (19.30 Uhr); 3.11. (18 Uhr); 8.11. (19.30 Uhr); 15.11. (19.30 Uhr); 23.11. (19.30 Uhr); 4.12. (19.30 Uhr); 14.12. (19.30 Uhr); 18.12. (19.30 Uhr); 31.12. (15.00 Uhr); 31.12.2019 (19.30 Uhr); 5.1. (15.00 Uhr); 15.1. (19.30 Uhr); 16.2.2020 (15.00 Uhr)

Werkstatt-Probe (Einführungsveranstaltung): Montag, 21.10.2019, 18.15 Uhr, Theatercafé/Großes Haus – Eintritt frei

Die Stunde der Kritik:  Sonntag, 3.11.2019, im Anschluss an die Vorstellung, Theatercafé – Eintritt frei


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