München, Staatstheater am Gärtnerplatz, 2020/21 – Die Zauberflöte, Opern auf Bayrisch … IOCO Aktuell, 12.07.2020


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Das Gärtnerplatztheater  –  2020 – 2021

 Detaillierter Spielplan bis 30. November 2020 – Weiteres erst im November 2020

Oper und Theater haben in München eine sehr lange Tradition: schon 1651 ließ Kurfürst Ferdinand Maria am Salvatorplatz ein Kurfürstliches Opernhaus errichten; es wurde 1810 durch das Nationaltheater ersetzt, welches König Maximilian I Joseph 1818 mit Ferdinand Fränzls Oper Die Weihe eingeweiht wurde. Die Architektur des Nationaltheaters war richtunggebend für den Bau des Gärtnerplatztheaters: kurz nach der Thronbesteigung am 10. März 1864, erteilte der junge König Ludwig II. von Bayern am 10. Mai 1864 die Genehmigung zum Bau eines „Volkstheaters“ in der Münchner „Isarvorstadt“ am schon damals belebten Gärtnerplatz. Im November 1865 wurde Staatstheater am Gärtnerplatz, auch Gärtnerplatztheater, unter großem Publikums-andrang von Herzog Max Joseph in Bayern eröffnet. Das 2012-2017 sanierte Theater hat 893 Plätze und wird seit 2012 von Josef Ernst Köpplinger geleitet.

 Spielplan 2020/21 – Eröffnung am  13.9.2020 – Die Zauberflöte

Neujahrskonzert am 1.1.  –  Prosit Neujahr aus der k.-u.-k.-Monarchie

Das Gärtnerplatztheater plant in der Saison 2020/21 elf Premieren, darunter drei Uraufführungen und eine deutschsprachige Erstaufführung. Dem ungewissen weiteren Infektionsgeschehen geschuldet wurde zudem vorerst nur für die Vorstellungen bis 30. November ein detaillierter Spielplan veröffentlicht. Die weitere Terminplanung wird im Herbst bekanntgegeben. Eventuell fortbestehenden Einschränkungen auf der Bühne und im Orchestergraben, begegnet das Haus mit einem besonderen Preisgefüge, abhängig von der Ausstattung und der musikalischen Umsetzbarkeit. Tickets für alle Vorstellungen vom 13. September bis 30. November 2020 sind im vorgezogenen Vorverkauf ab 20. Juli 2020 erhältlich.

Eröffnet wird die Saison 2020/21 am 13. September 2020 mit Wolfgang Amadeus Mozarts Die Zauberflöte, gefolgt vom Musicalhit Priscilla – Königin der Wüste ab dem 16. September 2020.

Die Absage des diesjährigen Oktoberfestes hat viele Münchner hart getroffen. Das beliebte Singspiel Im weißen Rössl mit Musik von Ralph Benatzky tröstet sicher den ein oder anderen über den Verlust hinweg.

Priscilla – Königin der Wüste – wieder auf dem Spielplan
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Als Eröffnungspremiere wird Peter I. Tschaikowskys Eugen Onegin unter der Regie von Ben Baur zu sehen sein. Zum 50-jährigen Jubiläum des Ballettensembles des Staatstheaters am Gärtnerplatz bringt Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Uraufführung von Undine – ein Traumballett auf die Bühne und thematisiert damit den gegensätzlichen Wunsch, anders zu sein und doch dazuzugehören.

Im Auftrag des Gärtnerplatztheater hat Johanna Doderer die Oper Schuberts Reise nach Atzenbrugg komponiert. Gemeinsam mit dem berühmten österreichischen Dichter Peter Turrini ist ein zartes, sinnliches Werk über ein Künstlerdasein entstanden – heiter, abgründig und im Schubert’schen Sinne melancholisch. Staatsintendant Josef E. Köpplinger inszeniert die Uraufführung, die um ein Jahr auf April 2021 verschoben wurde.

Nach der skandalumtosten Münchner Erstaufführung im Jahr 1928 ist Ernst Kreneks Jonny spielt auf in der Inszenierung von Peter Lund und unter der musikalischen Leitung von Chefdirigent Anthony Bramall wieder zurück am Gärtnerplatztheater. Eine weitere Opern-Premiere ist Der Barbier von Sevilla von Gioachino Rossini in der Inszenierung von Josef E. Köpplinger in Kooperation mit dem Gran Teatre del Liceu Barcelona und dem Théâtre du Capitole Toulouse. Diese Produktion konnte im Zuge der Schließzeiten der Theater nicht zur Erstaufführung in Barcelona kommen und feiert daher am Gärtnerplatztheater ihre Premiere.

Viktoria und ihr Husar – wieder auf dem Spielplan
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Für die Ballett-Uraufführung Der Sturm konnte Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner die Choreografin Ina Christel Johannessen gewinnen. Die derzeit zu den innovativsten Tanzschaffenden Skandinaviens zählende Norwegerin hat sich zum Ziel gesetzt, Shakespeares letztes Meisterwerk The Tempest in Kontrast zur heutigen Konsumgesellschaft zu setzen.

Die Operetten-Premiere Der Vetter aus Dingsda von Herman Haller und Rideamus wird unter der Regie von Lukas Wachernig als bunte 60er-Jahre Musikkomödie auf die Bühne gebracht. Das Musical Non(n)sens von Dan Goggin ist gewissermaßen der Vorläufer des berühmten Sister Act und kommt im März 2021 das erste Mal im Staatstheater am Gärtnerplatz zur Aufführung.

Das Komische Oratorium Monthy Python´s Das Leben des Brian von Eric Idle und John Du Prez nach dem gleichnamigen Kultfilm bildet im Juli 2021 einen humorvollen Abschluss der Spielzeit.

Das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz unter der Leitung von Chefdirigent Anthony Bramall setzt die Reihe Sinfonische Lyrik mit der Manfred-Sinfonie und Gustav Mahlers 4. Sinfonie fort. Beim Neujahrskonzerts 2021 Prosit Neujahr aus der k.-u.-k.-Monarchie erklingen die schönsten Melodien der Jahrhundertwende, verbunden durch die launigen Moderationen von Anthony Bramall. Und unter dem Titel »Von auserlesener Harmonie« präsentiert das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz ein Barockkonzert.

Die fünf Sopranistinnen des Gärtnerplatztheaters gestalten als Primadonnen einen unterhaltsamen Abend voll Frauenpower und den mitreißendsten Hits aus Oper, Operette, Musical und Pop.

Im Repertoire zeigt das Gärtnerplatztheater Höhepunkte aus Oper, Operette, Musical und Tanz. Darunter die Wiederaufnahmen der Operetten Viktoria und ihr Husar und Die Faschingsfee, wobei letztere nach dem Wiedereinzug das erste Mal auf der Bühne des Gärtnerplatztheaters zu sehen ist, sowie die Opern La Cenerentola von Gioachino Rossini und Martha in der Inszenierung von Loriot. Außerdem ist die kultige Dancesoap Minutemade wieder im Programm.

Hänsel und Gretel – 2021 wieder auf dem Spielplan
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Das Junge Gärtnerplatztheater präsentiert die Konzerte für junges Publikum Der Karneval der Tiere von Camille Saint-Saëns und Das kleine ich-bin-ich von Elisabeth Naske nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Mira Lobe und Susi Weigel. Mit den Musiktheaterstücken CSI Opera und Der Baum der Erinnerung ist es wieder in Schulen unterwegs. Außerdem erarbeitet die Gärtnerplatz Jugend das Musiktheaterprojekt Twelfth Night oder Was ihr wollt von William Shakespeare.

Zu Gast am Gärtnerplatztheater sind Nikolaus Habjan & Musicbanda Franui mit der Deutschland-Premiere ihres neuen Georg-Kreisler-Liederabend Alles nicht wahr, die Wiener Comedian Harmonists und Gerd Anthoff, Conny Glogger und Michael Lerchenberg mit den Opern auf Bayrisch.

Weitere Informationen zum Spielplan und Preisen sind auf der Website des Gärtnerplatztheaters unter www.gaertnerplatztheater.de zu finden.

Die Premieren und Uraufführungen der Spielzeit 2020 | 2021 im Gärtnerplatztheater:

EUGEN ONEGIN  –  Lyrische Szenen von Peter I. Tschaikowsky

Premiere 8. Oktober 2020

UNDINE – EIN TRAUMBALLETT  –  Uraufführung  –  Ballett von Karl Alfred Schreiner

Premiere 12. November 2020

ANNA BOLENA  –  Tragedia Lirica von Gaetano Donizetti – Konzertante Aufführung

Premiere 26. November 2020

DER VETTER AUS DINGSA  –  Operette von Herman Haller und Rideamus – Musik von Eduard Künneke

Premiere 17. Dezember 2020

DAS MEDIUM  –  Tragödie für Soli und Orchester von Gian Carlo Menotti

Premiere 21. Januar 2021, Studiobühne

JONNY SPIELT AUF  –  Oper von Ernst Krenek

Premiere 4. März 2021

NON(N)SENS  –  Musical Comedy von Dan Goggin

Premiere 31. März 2021

SCHUBERTS REISE NACH ATZENBRUGG  –  Uraufführung, Oper von Johanna Doderer,  Libretto von Peter Turrini, Auftragswerk des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Premiere 30. April 2021

DER STURM  –  Uraufführung  –  Ballett von Ina Christel Johannessen

Premiere 20. Mai 2021

DER BARBIER VON SEVILLA  –  Opera buffa von Gioachino Rossini

Premiere 8. Juli 2021

MONTHY PYTHON´S DAS LEBEN DES BRIAN  –  Deutschsprachige Erstaufführung  –  Komisches Oratorium von Eric Idle und John Du Prez – Nach dem gleichnamigen Film

  1. Juli 2021

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Graz, Oper Graz, Zusatzvorstellungen: IM WEISSEN RÖSSL, 28.05./05.06.2014

März 10, 2014 by  
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Oper Graz

Und jetzt alle:

„Im weißen Rössl ….“!  von Ralph Benatzky

 
Wegen des Erfolges von „Im weißen Rössl“ wurden zwei Zusatzvorstellungen ins Programm genommen.
Bei der Vorstellung am 28.5. ist ausdrücklich erwünscht, das zu tun, was man am liebsten immer machen würde: Mitsingen und -spielen!
 
Josef Ernst Köpplinger, Regisseur dieser Erfolgs-Operette, ist bekanntlich nicht zu bremsen, wenn es um Gags, gute Laune und anarchischen Witz geht. Nun will er seinem Publikum – und sich selbst! – einen Riesen-Spaß bereiten und lädt zum Mitmachen, Mitsingen und Mitverkleiden ein.
Das Publikum erhält vor der Vorstellung eine „Wundertüte“, die all die Utensilien enthält, die das Mitagieren noch wirkungsvoller macht: Duschhaube, Österreich-Fahne, Brezel, Kuhglocke, Taschentuch, Pappherz…
Eine derart aus der Reihe fallende Vorstellung verlangt natürlich auch nach einem entsprechenden Styling: alpenländisches Outfit ist angesagt, die feschesten Trachten werden prämiert.
Regisseur Josef Ernst Köpplinger und Intendantin Elisabeth Sobotka werden als „Moderatorenpaar“ das Bühnengeschehen bereichern – er in Lederhose, sie im Dirndl…!
 
Zusatzvorstellungen „Im weißen Rössl“
28. Mai 2014, 19.30 Uhr mit „Sing-along“
5. Juni 2014, 19.30 Uhr
 
 
 
 
Pressemeldung Oper Graz

Essen, Aalto Musiktheater, Wiederaufnahme: La Traviata, 05.01.2014

Januar 3, 2014 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

Aalto-Theater-Essen © IOCO

La Traviata  von Giuseppe Verdi

Wiederaufnahme:  5. Januar, Weitere Vorstellungen: 12., 31. Januar 2014
Musikalische Leitung Giacomo Sagripanti 
Inszenierung Josef Ernst Köpplinger 
Bühne Johannes Leiacker 
Kostüme Alfred Mayerhofer 
Choreinstudierung Alexander Eberle 
 
BESETZUNG:
Violetta Valery: Simona Saturova 
Flora Bervoix: Marie-Helen Joël 
Annina: Marion Thienel 
Alfredo Germont: Abdellah Lasri 
Giorgio Germont: Heiko Trinsinger 
Gastone Rainer: Maria Röhr 
Baron Douphol: Martijn Cornet 
Marquis d’Obigny: Günter Kiefer 
Dottore Grenvil: Mateusz Kabala 
Giuseppe, Diener Violettas: René Aguilar 
Ein Diener bei Flora: Arman Manukyan 
 
Es tut mir leid, Dir eine schmerzliche Nachricht geben zu müssen, aber ich kann Dir die Wahrheit nicht verhehlen. Die Traviata hat Fiasko gemacht. Forschen wir nicht nach den Ursachen. Es ist so. Addio, addio.“ So schrieb Giuseppe Verdi am 7. Mai 1853, dem Morgen nach der misslungenen Uraufführung seiner jüngsten Oper am Teatro La Fenice in Venedig, an seinen Verleger Ricordi. Erst ein Jahr später, in derselben Stadt an einem anderen Theater, begann die fast unveränderte La Traviata ihre Erfolgsgeschichte, die sie nach allen Statistiken zur beliebtesten Oper Verdis macht, gar in manchen Ländern zur meist aufgeführten Oper generell. Und auch Verdi selbst konnte einige Zeit später auf die Frage, welches seiner eigenen Werke er am meisten schätze, antworten: „Als Profi halte ich ‚Rigoletto‘ für meine beste Arbeit, als Liebhaber aber ‚La Traviata‘.“ 

 

Venedig / Teatro La Fenice © IOCO

Venedig / Teatro La Fenice © IOCO

Der Titel, der moralisierend „die vom rechten Wege Abgeirrte“ meint, ersetzte den eigentlich vorgesehenen Titel „Amore e morte“, also „Liebe und Tod“; erstaunlicherweise war nie daran gedacht, mit dem Namen der originalen Romanvorlage zu operieren, also Die Kameliendame von Alexandre Dumas, einer halb biographischen Erinnerung an dessen Beziehung zu der Demi-Mondaine Marie Duplessis, die im Roman zu Marguerite Gautier und Armand Duval wurden. 
Die Kameliendame - Ein Mensch, begraben in Montmartre © IOCO

Die Kameliendame – Ein Mensch, begraben in Montmartre © IOCO

Selbst in Frankreich wurde die Oper zunächst als „Violetta“ heimisch. Es ist das einzige Werk, in dem sich Verdi einem Stoff aus der unmittelbaren Vergangenheit zuwendet und nicht tief in den historischen Fundus greift. Statt eine Königin in die Tragödie zu stürzen, lässt er das Publikum mit einer Kurtisane leiden, statt Mordlust und Rache bahnt die damals unheilbare Tuberkulose dem Tod den Weg. Mit dieser Handlung ebenso wie mit der fast schon filmischen Dramaturgie schuf Verdi hier ein weit über seine Zeit hinausweisendes Bühnenstück.

 

 

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

München, Theater am Gärtnerplatz, Sanierung – Die Reise ins Unbekannte, IOCO Aktuell, 17.07.2012

Juli 17, 2012 by  
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Staatstheater am Gärtnerplatz München

 Sanierung der Staatsoper am Gärtnerplatz
Intendant neu,  Ensemble entlassen, Strukturen zerbrochen

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Sanierungsfall Staatsoper Unter den Linden, eingeschält 2012 © IOCO

Sanierungsfall Staatsoper Unter den Linden, eingeschält 2012 © IOCO

Theater in aller Welt müssen saniert werden. Verfall und Sicherheitsanforderungen sind meist die Auslöser. Die Berliner Staatsoper Unter den Linden stellt einen auffälligen Sanierungsfall dar. Der ursprüngliche Plan sah Sanierungskosten von €239 Mio vor. Darin nicht eingerechnet waren Investitionen in die Ersatzspielstätte Schiller Theater für € 27 Mio und gestiegene Betriebskosten. Sanierungsbeginn war Anfang 2010, die stolze Wiedereröffnung war für 2013 geplant. Daraus wird für längere Zeit wohl nichts. Starkregen und Pfahlbauten reichten, um die Planung zahlloser Experten zu zerstören. Neuer Eröffnungstermin der Staatsoper Unter den Linden ist nun, nach sechs Jahren Bauzeit, der Herbst 2015. Flüsterschätzungen der gesamten Sanierungskosten pendeln inzwischen bei € 500 Mio. Wann die Elbphilharmonie in Hamburg, Das schönste Steuergrab der Welt (Cicero), wieder eröffnet wird, weiß niemand. Zunächst sollte die 2007 begonnene Sanierung  € 77 Mio kosten und 2010 fertig sein. Mittlerweile liegen die Kostenschätzungen bei € 750 Mio. Als letzter Eröffnungstermin der Elbphilharmonie wird 2015 gehandelt, acht Jahre Bauzeit. Der Klang in der den neuen Räumen jedoch, so tröstet man, soll außergewöhnlich sein. Die Bühnen Köln (Theater und Oper) werden  zurzeit, unter großem Getöse und der fristlosen Entlassung des Intendanten Uwe Eric Laufenberg, für noch nicht widerrufene € 190 Mio. saniert. In solch pannenreichem Umfeld wundert man sich, zur Sanierung des Theater Heidelberg keine Tatarenmeldungen zu hören: Deren Zeitplan, August 2009 bis Oktober 2012 wurde weitgehend eingehalten. Am 24. November 2012 wird mit Tschaikowskys Mazeppa die neue Bühne ihre Jungfernfahrt antreten. Die ursprünglich geplanten Kosten stiegen, nur (!), von € 53 Mio auf € 60 Mio Dazu die unglaubliche Heidelberger Besonderheit: Die Theater-Sanierung wird von privater Seite mit € 16 Mio gestützt. Heidelberg, Du machst es besser. Heidelberg, Dir darf man gratulieren !

Köln / Oper unter Dauersanierung © IOCO

Köln / Oper unter Dauersanierung © IOCO

Theatersanierungen sind oft undurchsichtig, Reisen ins Unbekannte. Eine solch prekäre Reise tritt seit Mai 2012 auch das Münchner Staatstheater am Gärtnerplatz an. Mit 180.000 verkauften Karten und einer Auslastung von 82% in der Spielzeit 2011/12  verzeichnet das Staatstheater am Gärtnerplatz in der Spielzeit 2011/12 einen Höhepunkt unter Intendant Ulrich Peters, einem Verfechter des Ensemble-Theaters.   Intendant Ulrich Peters verläßt das Haus mit dem Ende der Spielzeit. Der aus Klagenfurt kommende Nachfolger und Regie-Protagonist Josef Ernst Köpplinger hat als erste Tat die Zusammenarbeit mit 57 Mitarbeitern im künstlerischen Bereich (zumeist Dramaturgie, Ensemble) beendet, gewachsenes Theater KnowHow und Traditionen geschliffen (NB: als Köpplinger Nachfolger in Klagenfurt wurde mit Florian Scholz bewußt kein aktiv tätiger Regisseur gewählt, „das ist nicht mehr zeitgemäß, so der dortige Juryvorsitzender Ioan Holender„). Am Gärtnerplatztheater gehen die Uhren zukünftig anders: Produktionen der kommenden Spielzeiten werden in neuen Strukturen produziert u.a. mit Fremdensembles. In solche Logik passend, engagiert Köpplinger bereits in der seiner ersten Münchner Spielzeit seinen Freund, Daniel Prohaska, als Leopold in die kommende Im weißen Rössl  Produktion (s.u.). Unter der Intendanz von Ulrich Peters,   Ehefrau ist Sängerin, war die Beschäftigung „nahestehender“ Personen verrucht. Gärtnerplatztheater: Eine bayerische Institution mit farbiger, erfolgreicher Vergangenheit schwebt durch raue, nebulöse Gegenwart in eine künstlerisch ungewisse Zukunft.

Nun soll für geplante € 71 Mio das Staatstheater am Gärtnerplatz von Mai 2012 bis Herbst 2015 saniert werden. Große Defizite der Infrastruktur des historischen Theatergebäudes müssen dringlich behoben werden: Sanitäranlagen, Lüftungstechnik, Brandschutz, Integration der Probebühne, Eingangshalle, barrierefreier Zugang. Das Gärtnerplatz-Hinterhaus wird komplett entkernt. Der denkmalgeschützte Innenbau bleibt unverändert. Der Auszug aus dem Stammhaus ist seit Mai 2012 abgeschlossen. Büros wurden ausgelagert, In einer provisorischen Werkshalle auf dem Hofgelände werden Werkstätten, Schreinerei, Schlosserei etc angesiedelt. Während der Sanierung wird der Spielbetrieb in sieben Ausweichspielstätten verlagert: In ein Behelfszelt des Deutschen Theater, in das herrliche Cuvilliéstheater, die Alte Kongreßhalle, das wunderbare Prinzregententheater, die Reithalle und anderen. Los geht die Spielzeit 2012/13 mit ensuite Produktionen: Am 11. Oktober in Fröttmaning, im Zelt des Deutschen Theater mit 31 Vorstellungen von Im weißen Rössl  und  25. Oktober 2012 mit Don Pasquale von Gaetano Donizetti im Cuvilliéstheater (Details siehe link).

Der neue Intendant Josef Ernst Köpplinger muss, gleich Jürgen Flimm, seinem Pendant an der Berliner Staatsoper Unter den Linden, eher als Logistikmanager reüssieren denn als Kunst verkaufende Lichtgestalt. Was in Berlin nicht so recht gelingen will muß in München bis 2015 noch bewiesen werden. Doch, in Berlin hat man zumindest ein erprobtes Ensemble. Köpplinger setzt zunächst auf die Zerschlagung traditioneller Strukturen des Gärtnerplatztheater. Viele der künstlerisch gestaltenden Mitarbeiter wurden entlassen. Auch 82% Auslastung reichen Köpplinger offensichtlich nicht. Man grübelt, warum bei der heutigen hohen Auslastung künstlerische Ziele neu formuliert  werden. Auch hätten, wegen der langjährigen, komplexen Sanierungsphase des Theaters und sieben Interim-Spielstätten, die bestehenden, künstlerisch erfolgreichen Strukturen des Hauses nicht angetastet werden dürfen. Tempi passati.

Dem Gärtnerplatztheater und seinen verbliebenen  500 Mitarbeitern (Orchester, Bühnenarbeiter, Elektriker, Telefonie, Verwaltung etc) unter Josef Ernst Köpplinger stehen für Jahre sehr unruhige Zeiten bevor. Josef Ernst Köpplinger muss viel liefern: Logistische Höchstleistungen, Auslastung von deutlich mehr als 82%, Begeisterung, aber auch packende, neue Kunstformen; dem Gärtnerplatz-Theater ein wahrhaft neues Gesicht geben!  Anderes reduziert die von Köpplinger veranstaltete Aufruhr zu hohlem, krachledernem Theaterdonner, dem gelebte Tradition und 57 Mitarbeiter zu Opfer fielen.  IOCO / Viktor Jarosch / 17.07.2012

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