Baden-Baden, Festspielhaus, Orphée et Eurydice – Hamburg Ballett, IOCO Kritik, 03.10.2019

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Orphée et Eurydice    Ballettoper  –  John Neumeier

Herbstfestspiele – Festspielhaus Baden-Baden

von Peter Schlang

Die Premiere von Christoph Willibald Glucks Oper Orpheus und Eurydice am 27. September 2019 im  Festspielhaus Baden-Baden läutete nicht nur eine neue Ära ein, nämlich jene des (erst) zweiten Intendanten in der Geschichte des  größten Opern- und Konzerthauses Deutschlands. Mit dem offiziellen Amtsantritt von Benedikt Stampa  und der ersten Produktion unter seiner Leitung begannen gleichzeitig die diesjährigen Herbst-Festspiele, die bis zum 6. Oktober 2019 sechs Ballettaufführungen und drei Konzerte für ihre Besucher bereit halten.

Orphée et Eurydice – Christoph Willibald Gluck
youtube Trailer des Hamburg Ballett _ John Neumeier
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Das Thema hätte für den Auftakt einer neuen Direktion kaum besser gewählt werden können, geht es doch in der in Baden-Baden zu sehenden Fassung John Neumeiers von Glucks Oper als Ballettoper um die Kraft und Wirkung von Musik, ja um die Dauerhaftigkeit und Nachhaltigkeit der Kunst. John Neumeier hatte diese auf der französischen Fassung von Glucks Oper basierende Ballettversion vor zwei Jahren als Koproduktion seines eigenen Hauses, der Hamburger Staatsoper, mit der  Lyric-Opera of Chicago, wo die Ballettoper am 23. September 2017 auch ihre Premiere erlebte, und mit der Los Angeles Opera kreiert. Von Hamburg, wo Neumeiers Fassung erstmals am 3. Februar 2019 gezeigt wurde, kam sie nun für drei Aufführungen an die Oos. Neben dem in erster Linie dieses Projekt tragenden Hamburg Ballett John Neumeiers waren für diese Baden-Badener Aufführungen zwei Ensembles aus dem badischen Landesteil engagiert worden, die nicht nur zu den Aushängeschildern der sog. historisch-informierten Aufführungspraxis gehören, sondern auch unbedingt genannt werden müssen, wenn es um den herausragenden musikalischen Ruf  der Gegend am Oberrhein geht: Das Freiburger Barockorchester und das Vocalensemble Rastatt.

John Neumeier, der für seine Schöpfung nicht nur die Choreografie und Inszenierung schuf, sondern auch für Bühnenbilder, Kostüme und Beleuchtung verantwortlich zeichnet, erweiterte die von Glucks Fassungen bekannte Handlung um eine Rahmenhandlung: Orpheus oder Orphée, wie er in der am 2. August 1774 in Paris herausgekommenen Fassung heißt, wird zum Choreografen, der sein neues Ballett Die Toteninsel probt, das von dem gleichnamigen Gemälde Arnold Böcklins inspiriert ist. Die Hauptrolle darin soll Orphées Ehefrau Eurydice übernehmen, die temperamentvolle, aber etwas unzuverlässige Prima Ballerina der Compagnie. Nachdem sie zu spät zur Probe kommt und deswegen von ihrem Mann zur Rede gestellt wird, reagiert sie äußerst angefressen, ohrfeigt gar ihren Mann und verlässt empört die Probe. Kurz darauf kommt Eurydice bei einem Autounfall ums Leben. Ob durch den Streit mit ihrem Mann aus dem Gleichgewicht und um ihre Aufmerksamkeit gebracht oder durch einen tragischen Zufall, bleibt offen.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée © Kiran West

Gepeinigt von Schmerz und Reue erinnert sich Orphée an seine Hochzeit mit Eurydice, gerät aber darüber so sehr in Verzweiflung, dass er völlig aus der Fassung gerät. Der Liebesgott Amour, bei Neumeier der Choreografie-Assistent Orphées, tröstet seinen Chef, indem er ihn  an die mythische Reise von Orpheus in die Unterwelt erinnert.  Diese bekannte Handlung läuft nun in der Gedankenwelt bzw. inneren Vorstellung Orphées ab, der die gleichen Ängste und Qualen ausstehen muss wie sein mythologisches Vorbild und am Ende seine geliebte Frau zum zweiten Mal verliert. Trost wächst ihm erneut durch Amour zu, der ihn davon überzeugt, dass Eurydice in  seiner Liebe zu ihr und vor allem in dem von ihm zu erschaffenden Ballett, also in der Kunst, weiterleben wird,

Dieser Eingriff in Glucks Opernvorlage gelingt durchaus ohne Brüche und erlaubt ein schlüssiges „Theater auf dem Theater“.  Dies wird nicht nur dadurch möglich, dass die von Neumeier gewählte Pariser Fassung zahlreiche zusätzliche instrumentale Teile enthält, die der Choreograf und Regisseur für seine Ballettszenen geschickt zu nutzen weiß. Auch die Doppelung des Sängerpaares durch die famose Tänzerin Anna Laudere und ihren kongenialen Partner Edvin Revazov verleihen der Handlung Anschauungskraft und dramatische Stringenz. Tänzerisch-dramaturgisch funktioniert dies in den beiden ersten Akten recht gut, im dritten Akt scheinen jedoch Phantasie und Ausdrucksmittel des Choreografen und seiner Compagnie fast aufgebraucht zu sein, so dass sich hier wenig neue Erkenntnisse einstellen und eine gewisse Ermüdung breit macht.

Was die Personenführung der drei Sänger betrifft,  hegt der aufmerksame Beobachter von Anfang an den Verdacht, dass der Regisseur Neumeier nicht so recht zu wissen scheint, was er mit den Darstellern der drei Solorollen anfangen soll. So lässt er diese meist etwas unbeteiligt am Bühnenrand herumstehen oder –sitzen, was zwar die Beobachterrolle von Orphée und Amour in der Binnenhandlung unterstreichen mag, aber kaum zur Verdeutlichung der Handlung oder gar zur packenden Zeichnung der Personen beiträgt. Diese darstellerischen, nicht von ihnen zu verantwortenden Defizite machen zumindest die beiden Sängerinnen ohne jede Einschränkung wett. Die in Rom geborene Arianna Venditelli präsentiert sich von anfänglichen leichten  Schärfen in der Höhe abgesehen als sinnliche, jugendliche Eurydice mit klangschöner, biegsamer und weicher Stimme, der man ihre sorgfältige Ausbildung in der Alten Musik jederzeit anmerkt. Fast noch mehr gilt dies für ihre Sopranistinnen-Kollegin Marie-Sophie Pollak als Amour, welche die beschriebene darstellerische Einschränkung durch ein höchst farbiges, in allen Registern ansprechendes und mühelos in die Höhe zu führendes Organ mehr als ausgleicht.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Auch in den Trios mit Eurydice und Orphée im dritten Akt und den Duetten mit dem „Sänger-Choreografen“ im ersten und dritten Akt zeigt die Sängerin ihre zu allergrößter Hoffnung Anlass gebenden musikalischen und auch schauspielerischen Anlagen. Als einziger Wehmutstropfen in diesen ausgezeichneten sängerischen Solistenleistungen muss leider der Darsteller Orphées, an diesem Abend ist dies der russische Tenor Dmitry Korchak, angesehen werden. Technisch durchaus begabt, scheint seine Stimme in Klang und Ausdruck eher für größere, dramatische Rollen des italienischen und russischen Fachs  geeignet zu sein. Für die eher lyrischen, kammermusikalischen Passagen des Orpheus bzw. Orphée fehlten ihm zumindest an diesem Baden-Badener Premierenabend Farbigkeit, Wandlungsfähigkeit und Gespür für Stimmungen und Nuancen im Ausdruck. Das erwies sich  gerade auch und vor allem bei den Duetten und Trios mit seinen beiden Partnerinnen als bedauernswertes Defizit.

Abgesehen von den oben erwähnten und nicht nur vom schreibenden Beobachter wahrgenommenen leichten Schwächen  der Choreografie gegen Ende der Aufführung zeigt sich die Hamburger Compagnie jederzeit als das, was ihren Ruf rund um die Welt ausmacht: Ein charismatisches, tänzerisch allen Anforderungen gewachsenes, ausdrucksstarkes und mitreißendes  Tanzkollektiv, aus dem neben den bereits erwähnten Darstellern des Protagonistenpaares vor allem das Trio der Höllenhunde von Aleix Martinez, Lizhong Wang und Marcelino Liabao hervorzuheben sind.

Auch als Ausstatter darf man John Neumeier ein großes Kompliment machen. Dies gilt nicht nur schönen und schlüssigen Einfällen wie dem Zitat des Kahnes, mit dem Charon die Toten über den Acheron bringt oder der Zypresse, die Erde und Unterwelt verbindet. Vor allem die von Neumeier konzipierten „halben Quader“ bzw. Dreiecks-Elemente entpuppen sich als hilfreiche wie formschöne Gestaltungselemente. Durch Drehen und Schieben werden sie zu variablen Auftritts- und Hintergrund-Flächen, die zudem durch eine perfekt eingesetzte Beleuchtung interessante und äußerst ästhetische Szenen ermöglichen. Dazu  passen die aufwändigen, die fließenden Bewegungen betonenden, meist weit geschnittenen Gewänder der Tänzerinnen und Tänzer.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée et Eurydice © Kiran West

Musikalisch ist die Baden-Badener Aufführung ein großer Genuss, ja, was die beiden erwähnten musikalischen Kollektive betrifft, ein Ereignis allererster Klasse. Das Freiburger Barockorchester, hier unter der Leitung des in Sachen historisch-informierter Aufführungspraxis bestens erprobten italienischen Dirigenten Allesandro De Marchi, wird auch an diesem Abend seinem herausragenden Ruf als eines der weltbesten Originalklangensembles gerecht. Dass es jederzeit in der Lage ist, in allen Stimmungen und inhaltlich-dramatischen Abstufungen einen betörenden, reinen und dennoch aufregenden und mitreißenden Klang zu entfalten, ist bekannt und wird ja auch von Musikbegeisterten in aller Welt geschätzt und gelobt.

Neu war hingegen, wenn es auch so erwartet werden durfte, dass die Freiburger auch als Ballettorchester eine tadellose Figur abgeben und mit allergrößter Präzision und Klangschönheit agieren können. So lieferten sie den Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne die makellose Folie, die den Tanz erst zu dem werden lässt, was sich Komponist und Choreograf erträumt haben mögen.

Kongenial auch das von Holger Speck einstudierte Vocalensemble Rastatt, das seinem Ruf als hochspezialisiertem, mit außergewöhnlicher Klangreinheit und –schönheit singender Chor bei all seinen Einsätzen voll gerecht wurde.

Dies ist umso erstaunlicher, als der Chor bei diesem Projekt hinter dem Orchester ganz statisch im Graben postiert ist. Dass die gut zwei Dutzend Sängerinnen und Sänger dennoch so klangschön und jederzeit verständlich artikulieren, zeugt von ihrer großen Meisterschaft und Professionalität.

So überwiegen am Ende dieser gut zweistündigen Aufführung die Freude über  und Dankbarkeit für ein optisches und musikalisches Ereignis von außerordentlichem Format. Allerdings stehen ihnen die Zweifel darüber entgegen, ob die Tanzfassung einer Oper tatsächlich so viele neue Erkenntnisse bringt, wie es Aufwand und Idee nahe legen und rechtfertigen würden. Der Beobachter entscheidet sich dann doch eher für das Original…

Weitere Aufführungen dieser Produktion nach Erscheinen dieser Besprechung nur noch auf Anfrage in Hamburg und möglicherweise an anderen Orten.

—| IOCO Kritik Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Venice Baroque Orchestra – HERBSTFESTSPIELE 2019, 05.10.2019

September 18, 2019 by  
Filed under Festspielhaus Baden-Baden, Konzert, Pressemeldung

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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HERBSTFESTSPIELE 2019

Samstag, 5. Oktober 2019, 18 Uhr

Fest der Barockmusik – Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra laden zu Werken von Vivaldi, Pergolesi und Zeitgenossen rund um den Orpheus-Mythos

Im Festspielhaus Baden-Baden knüpfen Andrea Marcon und das Venice Baroque Orchestra an John Neumeiers „Orphée et Eurydice“ zum Saisonauftakt an: Wie Neumeiers Ballettoper beschäftigt sich das exklusiv für Baden-Baden zusammengestellte Konzertprogramm am 5. Oktober 2019, 18 Uhr, mit dem Mythos des Orpheus und der Macht der Musik.

Festspielhaus Baden - Baden / Venice Baroque Orchestra © Harald Hoffmann

Festspielhaus Baden – Baden / Venice Baroque Orchestra © Harald Hoffmann

Vivaldi, Pergolesi, Geminiani, Veracini – und das ist nur eine kleine Auswahl der Komponisten, deren Musik unser Fest der italienischen Barockmusik bereichern wird. Im Zentrum des Abends steht der Orpheus-Mythos. Neben Kantaten und Arien aus Opern über den traurigen Helden und Euridice, seine Geliebte, erklingen historische Tanzmusik und virtuose Konzerte. Die reichhaltige Auswahl nimmt den Hörer mit auf einen Spaziergang durch die Geschichte des italienischen Barocks: von Luigi Rossi, dessen Orpheus-Oper eine Generation nach Monteverdi den Ruhm der italienischen Oper auch im Ausland begründete, bis hin zu Pergolesi, dessen Stil bereits die Errungenschaften der Wiener Klassik vorwegnahm.

Festspielhaus Baden - Baden / Dorothee Mields © Harald Hoffmann

Festspielhaus Baden – Baden / Dorothee Mields © Harald Hoffmann

Der vokale Konzertteil mit der Sopranistin Dorothee Mields beginnt mit Ausschnitten der Orpheus-Oper von Antonio Sarturio. Aus dessen 1673 vollendetem „L´Orfeo“ singt Dorothee Mields zwei repräsentative Arien.

Auch der Komponist Luigi Rossi hat sich dem Mythos angenommen: Seine Oper „Orfeo“ wurde 1647 uraufgeführt – in Paris wohlgemerkt, denn mit dieser Oper sollte den Franzosen die italienische Oper nahegebracht werden. Und mit Erfolg: der Weltruhm der Gattung war eingeleitet. In Baden-Baden erklingt aus dieser Oper die dramatische Arie „Lasciate averno“. Den vokalen Teil der musikalischen Reise schließt die kleine Orfeo-Kantate aus dem Jahr 1735 von Giovanni Battista Pergolesi ab. Diese Kantate steht beispielhaft für den lyrisch-expressiven Stil, der Pergolesi so einflussreich für die Nachwelt werden ließ.

Beim Betrachten der instrumentalen Konzertbeiträge fällt ein deutscher Name auf: Johann Rosenmüller. Gleichwohl in den ‚italienischen Reigen‘ passend, da er den Großteil seines Lebens in Italien verbrachte. Seine „Sinfonia Nr. 5“, eine Sammlung instrumentaler Tänze, eröffnet das Konzert im Festspielhaus. Im Laufe des Abends folgt eine spätbarocke Ouvertüre von Francesco Maria Veracini und drei Konzerte von Antonio Vivaldi.

Festspielhaus Baden - Baden / Venice Baroque Orchestra © Anna Carmignola

Festspielhaus Baden – Baden / Venice Baroque Orchestra © Anna Carmignola

Zum Abschluss erklingt eines der berühmtesten Orchesterwerke des italienischen Barocks: das Concerto grosso d-Moll über die beliebte Melodie „La Folia” von Francesco Geminiani.

Andrea Marcon zählt zu den großen Kennern der venezianischen Barockmusik und es ist ihm gelungen, einige barocke Meisterwerke vor dem Vergessen zu bewahren. Als Künstlerischer Leiter des Venice Baroque Orchestra und Gastdirigent am Pult namhafter Orchester wie Concerto Köln oder dem Freiburger Barockorchester besitzt er ein besonderes Gespür für die Klangwelten des 17. und 18. Jahrhunderts. Der italienische Organist, Cembalist und Dirigent wurde in Treviso (Venetien) geboren und studierte an der Schola Cantorum Basiliensis, u. a. bei Jean-Claude Zehnder Orgel und Cembalo, bei Hans Martin Linde Dirigieren und bei Jordi Savall Kammermusik.

Im Jahr 1997 gründete Andrea Marcon das Venice Baroque Orchestra, welches sich als eines der führenden Ensembles Europas auf Alte Musik und das Musizieren auf authentischen Instrumenten spezialisiert hat. Unter Marcons Leitung führte das Orchester barocke Werke wie Cavallis „L’Orione“, Vivaldis „Atenaide und Andromeda liberata“ und Boccherinis „La Clementina“ erstmals seit deren Uraufführung wieder auf. Mit dem Teatro La Fenice in Venedig brachte das Orchester Händels „Siroe“ auf die Bühne und präsentierte es dann erstmalig in den Vereinigten Staaten. Weltweite Tourneen sowie zahlreiche Auszeichnung wie der Diaspason D’Or, der Choc du Monde de la Musique, der Preis der Deutschen Schallplattenkritik und der Edison Award sprechen für die Qualität des Venice Baroque Orchestra.

Glockenhell und engelsgleich: Das sind Attribute, die einem beim Hören der Stimme von Dorothee Mields in den Sinn kommen. Und ihre Stimme klingt in ihrer Klar- und Reinheit nie asketisch-knabenhaft sondern von sinnlicher Wärme erfüllt. Sie gilt als eine der führenden Interpretinnen für die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts und wird von Publikum und Presse für ihr einzigartiges Timbre und ihre berührenden Interpretationen geliebt, so auch bei ihrem Auftritt im Festspielhaus in Bachs h-Moll-Messe bei den letztjährigen Pfingstfestspielen. Die Sopranistin studierte an der Hochschule der Künste in Bremen und in Stuttgart. Dorothee Mields ist gern gesehener Gast internationaler Festspiele wie dem Bachfest Leipzig, Suntory Music Foundation Festival in Japan, Boston Early Music Festival oder den Wiener Festwochen. Eine enge Zusammenarbeit verbindet sie mit dem Collegium Vocale Gent, dem Freiburger Barockorchester und der Lautten Compagney Berlin sowie mit Dirigenten wie Ivor Bolton, Philippe Herreweghe, Thomas Hengelbrock und Masaaki Suzuki. Ein wichtiger Bereich ihres künstlerischen Schaffens sind Solo- und Kammermusikprojekte wie. „Lord Nelson am Nil“, die die Seeschlachten von Lord Nelson musikalisch erlebbar machen.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Baden-Baden, Festspielhaus, Hamburg Ballett – Orphée et Eurydice, 27.09.2019

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Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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 John Neumeier / Hamburg Ballett – Orphée et Eurydice

 Saison 2019/2020 – Beginn mit Grundpfeiler europäischer Kulturgeschichte  

Im Festspielhaus Baden-Baden beginnt am 27. September 2019 um 19 Uhr eine neue Ära. Intendant Benedikt Stampa begrüßt das Publikum an diesem Abend als neuer Hausherr in Deutschlands größtem Opernhaus. Zur Eröffnung der Spielzeit 2019/2020 zeigen das Festspielhaus und das Hamburg Ballett John Neumeier die Oper Orphée et Eurydice von Christoph Willibald Gluck. Im Rahmen der Premierenfeier wird der neue Intendant an diesem Abend sein Publikum persönlich begrüßen.

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée - © Kiran West

Festspielhaus Baden-Baden / Orphée – © Kiran West

Weitere Vorstellungen der Oper sind am Samstag, 28. September um 18 Uhr sowie am Sonntag, 29. September um 17 Uhr. Eintrittskarten gibt es unter www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101.

Der Salon des 21. Jahrhunderts in Baden-Baden
„Glucks ‚Orphée‘ ist eine Oper, die uns noch heute direkt ins Herz trifft“, sagt der neue Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa. Er möchte mit dem Publikum Meisterwerke neu entdecken und nachspüren, was Europa im Innersten zusammenhält. „Ich bin fest davon überzeugt, dass es Mythen wie diese sind, die maßgeblich dazu beitragen, dass wir so sind, wie wir sind“, sagt der Intendant. Den Sehnsuchtsort Baden-Baden zu einem Salon des 21. Jahrhunderts entwickeln – das hat sich Benedikt Stampa mit Künstlern aus aller Welt auf die Fahnen geschrieben. Zu ihnen zählen in den kommenden Monaten Dirigenten wie Teodor Currentzis, Yannick Nézet-Séguin, Sir Simon Rattle,

Thomas Hengelbrock, Kirill Petrenko und Andris Nelsons sowie Sängerinnen und Sänger wie Cecilia Bartoli, Marlis Petersen, Renée Fleming, Diana Damrau und Jonas Kaufmann. Orchester wie die Berliner Philharmoniker, die Wiener Philharmoniker, das London Symphony Orchestra und das Gewandhausorchester Leipzig kommen 2019/2020 in rascher Folge nach Baden-Baden, der wiedererwachenden Kulturstadt im Herzen Europas.

Orphée et Eurydice – Christoph Willibald Gluck
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Grundpfeiler der europäischen Kultur
Die Baden-Badener Premiere der ersten Opernarbeit von Jahrhundert- Choreograf John Neumeier nach langer Zeit trägt verschiedene Botschaften in sich: „Es ist mir wichtig, dass wir mit dem Orpheus-Mythos einen Grundpfeiler der europäischen Kultur neu betrachten“, so Benedikt Stampa. Er ist sich sicher: Die Kunst kann unser Leben verändern, ja, verbessern, wenn wir sie ernst nehmen.

Visionär im Dienste des Publikums
Die aus der griechischen Mythologie erwachsene Geschichte der Oper Orphée et Eurydice handelt vom besten Sänger der Welt, der den Tod seiner Frau beklagt. Durch die Musik gerührt, gestatten die Götter dem Künstler, ins Reich der Toten zu kommen, und geben ihm die Chance, seine Frau Eurydike zu befreien. Der Gesang, der die Herzen der Götter erweicht, steht dabei für die Kunst an sich.

Viele Komponisten wurden durch die Orpheus-Sage angeregt. Nach Claudio Monteverdi, einem der ersten Opernkomponisten überhaupt, schuf Christoph Willibald Gluck Mitte des 18. Jahrhunderts gleich mehrere Fassungen seiner „Orpheus-Oper“, darunter 1774 die nun in Baden-Baden aufgeführte Pariser Fassung. Christoph Willibald Gluck (1714–1787) war der einflussreichste unter den Komponisten, die versuchten, die Oper damals wieder zu dem zu machen, was sie 100 Jahre zuvor schon einmal war: eine Kunst, deren Erzählform  realistischen Prinzipien folgte und nicht allein den technischen Möglichkeiten der Sängerinnen und Sänger. Glucks Ziele waren dramatische Wahrhaftigkeit und die Anteilnahme des Publikums am Gefühlsleben und Schicksal der Charaktere. Die Oper sollte keine leere Rhetorik, sondern dramatische Handlung entwickeln, keine starren Charaktere auf die Bühne stellen, sondern Menschen und ihre Leidenschaften porträtieren.

John Neumeier © IOCO

John Neumeier © IOCO

Getreu der primären Intention des Komponisten, menschliche Gefühle intuitiv erfahrbar zu machen ohne sie hinter musikalischer oder gesangstechnischer Virtuosität zu verstecken, entwickelte der Hamburger Ballettintendant und Chefchoreograf ein „Gesamtkunstwerk“, das die unmittelbare Kommunikation mit dem Publikum mittels wiedererkennbarer, nahbarer Emotionen in den Vordergrund stellt: „Wir alle haben Verlusterfahrungen gemacht –auch wenn sie nicht die Dimension des Wahnsinns erreichen, wie sie meiner Ansicht nach in Orphée gezeigt werden“, so John Neumeier.

Hamburg Ballett trifft Freiburger Barockorchester
Zur Eröffnung der Festspielhaus-Saison 2019/2020 trifft das Hamburg Ballett John Neumeier in Baden-Baden auf ein eigens für diese Aufführungen zusammengestelltes Solistenensemble. Die Musikalische Leitung hat Alessandro De Marchi. Dmitry Korchak (27./29.9.) und Maxim Mironov (28.9.) singen die Partie des Orphée. Arianna Vendittelli ist Eurydice und Marie- Sophie Pollak übernimmt die Rolle des Amour. Im Baden-Badener Orchestergraben nimmt das Freiburger Barockorchester Platz. Das Vocalensemble Rastatt stellt den Chor dieser szenischen Aufführungen.

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Münster, Theater Münster, Anna Karenina – Leo Tolstoi, IOCO Kritik, 04.02.2019

Februar 5, 2019 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Anna Karenina – Leo Tolstoi

– Wege und Abwege der Liebe –

von Hanns Butterhof

Auf dem roten Kinovorhang im Kleinen Haus des Theaters Münster ist zu lesen, dass „Liebe kälter als Russland“ ist. Wenn am Ende die sterbende Anna Karenina nur noch „Liebe ist …“ stammelt, vollendet sich der Satz in den Köpfen des Publikums. In Armin Petras‘ Theaterfassung von Leo Tolstois 1200-Seiten-Wälzer Anna Karenina hat kalte Liebe so viele Facetten wie Figuren – mit Ausnahme des Dienstpersonals, dem solche Gefühle wohl nicht zukommen.

Max Claessen –  Anna Karenina  – Leicht ironische Suche nach Liebe

Eine süßlich-bunte Kulissenwelt bildet den ironisierenden Rahmen der zeit- und ortlosen Liebes-Irrungen und -Wirrungen. Viele kleinteilige Raumelemente, rosa Kitsch-Springbrunnen und Puppenstube für schnellen Sex inklusive, werden vom livrierten Personal ständig hin- und hergeschoben (Ausstattung: Ilka Meier).

Anna Karenina –  Leo Tolstoi
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Im Zentrum steht Anna als Ehefrau des bürokratisch steifen Ministers Karenin (Daniel Fries). Sandra Schreiber zeigt Anna fesselnd als von sich und ihrer Schönheit überzeugte Frau, die sich rückhaltlos in ein Liebesabenteuer stürzt. Die Kälte gegenüber ihrem Mann macht frösteln, und ihre Mutterliebe wie ihre tödlichen Selbstzweifel rühren zutiefst. Am Ende tritt sie nur als Videoprojektion auf, als das Bild, das ihr Liebhaber sich von ihr gemacht und das ihre Liebe zerstört hat.

Jonas Riemer als ihr viriler Liebhaber Graf Wronski kann erst die Augen nicht von ihr lassen. Er lässt für sie die in ihn verliebte Kitty beim Tanz buchstäblich fallen. Seine Leidenschaft hat eine Spur von eitler Eigenliebe und erkaltet zusehends, als Anna seinen Vorstellungen nicht mehr entspricht.

Theater Münster / Anna Karenina _hier SandrTheater Münster / Anna Karenina - hier : Sandra Schreiber als Anna Karenina und , Jonas Riemer als Wronski  © Oliver Berga Schreiber als Anna Karenina und , Jonas Riemer als Wronski © Oliver Berg

Theater Münster / Anna Karenina – hier : Sandra Schreiber als Anna Karenina und , Jonas Riemer als Wronski  © Oliver Berg

Kitty hatte sich Wronski angeboten wie in ein riesiges rosa Plüsch-Geschenkpapier eingewickelt. Wunderbar haut Andrea Spicher ihre maßlose Enttäuschung über dessen Missachtung in die Saiten ihrer E-Gitarre und kreischt hysterisch, bis sie nach tiefer Krise wieder jugendlich-frauliche Neugier auf die Liebe bekommt und ihren Uralt-Verehrer Lewin heiratet.

Lewin ist der glückliche Trottel des Stücks. Louis Nitsche macht aus ihm eine Art Forest Gump, nur linkisch und voller zergrübelter Selbstzweifel. Die dominante Kitty schenkt ihm schließlich eine prekäre Ruhe in der Ehe.

Theater Münster / Anna Karenina © Oliver Berg

Theater Münster / Anna Karenina © Oliver Berg

Es sind die Bilder, die sich die Figuren von sich und den andern machen, die sich über die Wirklichkeit legen und sie vampirhaft aussaugen. Nur Annas zynisch-realistischer Bruder Stefan (Ilja Harjes) ist von allen Selbstbildern frei. Ohne Skrupel gegenüber seiner verhärmten Gattin (Isa Weiß) geht der Lebemann seinen Bedürfnissen nach, der Jagd nach Schnepfen verschiedenster Art.

Die Regie Max Claessens spielt mit dem Soap-Charakter der Figuren, der nach der Skelettierung von Tolstois Roman durch Armin Petras übrig geblieben ist. Dessen von allem Gesellschaftlichen entlastete Textfassung trifft die Beziehungs-Situationen recht genau und lässt die Figuren und ihre Probleme sehr heutig erscheinen – und Claessen nimmt ihnen in ihrem ironischen Rahmen auch viel von ihrer Kälte und Schwere.

Nach zweieinhalb unterhaltsamen Stunden ohne Pause viel Beifall für das muntere Ensemble, vor allem Sandra Schreiber als Anna, Jonas Riemer als Wronski und Andrea Spicher als Kitty.

Anna Karenina am Theater Münster; Die nächsten Termine: 7.2, 8.2. und 15.2.2019, jeweils 19.30 Uhr

John Neumeier und das Hamburg Ballett  deuten Tolstois Anna Karenina  entschieden anders

Anna Karenina –  Leo Tolstoi
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