Hamburg, Staatsoper Hamburg, Il Ritorno d´Ulisse von Claudio Monteverdi, 29.10.2017

Oktober 17, 2017 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

  Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi

 Premiere am 29. Oktober 2017, 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen am 1, 4., 7., 9. und 11. November 2017 jeweils um 19.00 Uhr

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi Grab in Venedig © IOCO

Anlässlich des 450-jährigen Geburtstags von Claudio Monteverdi bringt die Staatsoper Hamburg am 29. Oktober 2017 als nächste Opernpremiere seine dritte Oper Il Ritorno d´Ulisse in Patria zur Aufführung. Das 1640 in Venedig uraufgeführte Werk handelt von der antiken Sage um die Heimkehr des Odysseus nach 10-jährigem Krieg. Regie führt der in Hamburg durch Salome und Pique Dame bekannte Willy Decker. Der junge Dirigent Vaclav Luks ist ein Spezialist für Alte Musik und hat die musikalische Leitung in dieser Produktion. Es spielt sein Prager Barockorchester Collegium 1704. In der Titelpartei ist Kurt Streit als Ulisse, Sara Mingardo als Penelope zu erleben.

Zum Inhalt der Oper: 10 Jahre Krieg. 10 Jahre Irrfahrt. Dunkelheit. In der Gestalt eines verwahrlosten Greises kehrt Ulisse zu seiner Penelope zurück. Unter all den Freiern, die sie umgarnen, ist er es, der den gewaltigen Bogen des verschollenen Gatten spannen kann und ihre Hand gewinnt. Doch seine Frau erkennt ihn nicht. Erst das Geheimnis ihres Ehebettes führt die beiden wieder zusammen und besiegelt das Todesurteil der Freier. Treue und Liebe siegen im Homer’schen Epos und adeln das schicksalsgebeutelte Paar, das tragisch wie komisch nichts weiter als ein Ball im ewigen Spiel der Götter auf Erden ist. Der Ball wird getreten, getragen, fliegt, fällt zu Boden – und versteht nicht warum. Als Opernvisionär des 16. Jahrhunderts nahm sich Monteverdi voller Empathie für seine Figuren der Odyssee an. 2017 jährt sich sein Geburtstag zum 450. Mal.

 Staatsoper Hamburg / Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi © Monika Rittershaus

Václav Luks konnte als Spezialist für Alte Musik bei den Salzburger Festspielen 2015 und 2016 große Erfolge feiern. Seine musikalische Ausbildung am Pilsener Konservatorium und an der Akademie der musischen Künste in Prag. Er führte seine Studien an der Schweizer Schola Cantorum Basiliensis mit Spezialisierung auf die Erforschung Alter Musik in den Fächern historische Tasteninstrumente und historische Aufführungspraxis fort. Bereits während seines Studiums in Basel sowie in den darauffolgenden Jahren konzertierte er als Hornsolist bei der Akademie für Alte Musik Berlin in ganz Europa und in Übersee (USA, Mexiko, Japan). Nach seiner Rückkehr nach Prag im Jahr 2005 entwickelte er das Barockorchester Collegium 1704.

Santa Maria dei Frari in Venedig / Grabstätte von Claudio Monteverdi © IOCO

Santa Maria dei Frari in Venedig / Grabstätte von Claudio Monteverdi © IOCO

Collegium 1704, das bereits seit 1991 während seiner Zeit als Student an der Musikhochschule als Kammerorchester bestand, zu einem Barockorchester weiter und gründete ebenfalls das Collegium Vocale 1704. Den entscheidenden Impuls dafür gab das von Václav Luks initiierte Projekt BACH – PRAG – 2005, in dessen Rahmen er Hauptwerke von J. S. Bach in Prag aufführte und das den Beginn der regelmäßigen Zusammenarbeit mit dem Internationalen Musikfestival Prager Frühling markiert. Unter der Leitung von Václav Luks etablierte sich Collegium 1704 rasch zu einem der weltweit führenden auf die Interpretation der Musik des 17. und 18. Jahrhunderts spezialisierten Ensembles. Václav Luks und seinen Ensembles treten nebeni den Salzburger Festspielen in der Berliner Philharmonie, am Theater an der Wien, im Konzerthaus Wien, im Concertgebouw Amsterdam, in der Wigmore Hall, in Versailles, beim Lucerne Festival, beim Chopin Festival sowie bei den renommierten Festivals Alte Musik Utrecht und Bachfest Leipzig regelmässig auf.

Als einer der weltweit besten Mozart-Interpreten war Kurt Streit an 23 verschiedenen Inszenierungen von Die Zauberflöte auf der ganzen Welt (über 150 Vorstellungen) und acht verschiedenen Inszenierungen von Idomeneo beteiligt – unter anderem in Opernhäusern in Neapel, Wien, Madrid, London und San Francisco. Weitere Engagements waren Mozarts „Don Giovanni“, „Cosi fan tutte“ und „Die Entführung aus dem Serail“ unter anderem an der Metropolitan Opera in New York, der Staatsoper Wien, dem Royal Opera House, Covent Garden in London, La Scala in Milan, der Bastille und der Grand Opera in Paris, am Teatro Real und dem Zarzuela in Madrid sowie in San Francisco, Tokio, Aix-en-Provence, Chicago, München, Berlin, Rom und Salzburg. Er trat mit weltweit bekannten Dirigenten, wie Harnoncourt, Pappano, Muti, Rattle, Christie, Bolton, Ozawa, Mehta, Maazel und mit den Symphonie-Orchestern von Boston, Chicago, Los Angeles, St. Petersburg, Berlin, Wien, Paris, Florenz, Stockholm und allen vier Orchestern in London auf.

Staatsoper Hamburg / Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi mit Kurt Streit als Odysseus © Monika Rittershaus

Staatsoper Hamburg / Il Ritorno d´Ulisse in Patria von Claudio Monteverdi mit Kurt Streit als Odysseus © Monika Rittershaus

Die Altistin Sara Mingardo ist Preisträgerin des Premio Abbiati 2009 und arbeitete mit Dirigenten wie Claudio Abbado, Ivor Bolton, Riccardo Chailly, Myung-Whun Chung, Ottavio Dantone, Colin Davis, John Eliot Gardiner, Riccardo Muti, Trevor Pinnock, Christophe Rousset, Jordi Savall, Jeffrey Tate und Rinaldo Alessandrini. Ihr Repertoire beinhaltet Werke von Gluck, Monteverdi, Händel, Vivaldi, Rossini, Verdi, Cavalli, Mozart, Donizetti, Schumann und Berlioz. Als aktive Konzertsängerin reicht Mingardos breit gefächertes Konzertrepertoire zudem von Pergolesi bis Respighi über Bach, Beethoven, Brahms, Dvorak und Mahler. Zu ihren vergangenen Engagements zählen Händels „Messiah“ unter Natalie Stutzmann in Detroit und in Washington mit dem Detroit Symphony Orchestra, „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ am Teatro alla Scala unter Diego Fasolis, Pergolesis „Stabat Mater“ in Rom (Accademia Filarmonica) mit Rinaldo Alessandrini und in Bilbao, Brahms’ „Alto Rhapsody“ an der Accademia di Santa Cecilia in Rom unter Daniele Gatti sowie Vivaldis „Stabat Mater“ beim Musica Sacra-Festival in Münster. Sie sang außerdem Bachs „Johannes-Passion“ mit dem Ensemble Musica Saeculorum in Essen und in Aix-en-Provence, Mendelssohns „Elias“ mit dem Maggio Musicale Fiorentino unter Daniele Gatti sowie in Kopenhagen, einen Soloabend am Grand Théâtre in Genf, „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ in Aix-en-Provence unter Haïm, Mahlers „8. Symphonie“ beim Lucerne Festival unter Riccardo Chailly, in der Wiederaufnahme von „L’incoronazione di Poppea“ am Teatro alla Scala mit Rinaldo Alessandrini, Pergolesis „Stabat Mater“ mit der Accademia Bizantina und Ottavio Dantone in Madrid sowie „Il Trionfo del Tempo e del Disinganno“ an der Staatsoper in Berlin und auf Tour in Caen und Lille. Zukünftige Engagements sind „L’Incoronazione di Poppea“ in New York mit Alessandrini und dem Ensemble „Concerto Italiano“, Vivaldis „L’Incoronazione di Dario“ am Teatro Regio in Turin unter Dantone, Mozarts „Requiem“ mit dem London Philarmonic Orchestra unter dem Dirigat von Natalie Stutzmann, Brahms‘ „Alto Rhapsody“ an der Oper in Florence und „Il ritorno d’Ulisse in patria“ (Penelope) an der Staatsoper Hamburg.

In weiteren Partien sind Christophe Dumaux, Denis Velev, KS Gabriele Rossmanith, Katja Pieweck, Marion Tassou, Alexander Kravets, Luigi De Donato, Dorottya Láng, Rainer Trost, Oleksiy Palchykov, Dovlet Nurgeldiyev, Viktor Rud sowie Peter Galliard zu erleben.


Claudio Monteverdi
Il Ritorno d’Ulisse in Patria

Musikalische Leitung: Vaclav Luks, Inszenierung: Willy Decker, Bühnenbild: Wolfgang Gussmann, Kostüme: Wolfgang Gussmann, Susana Mendoza, Licht: Franck Evin, Mitarbeit Regie: Jan Eßinger, Dramaturgie: Kathrin Brunner

Mit: L’umana fragilità / Pisandro Christophe Dumaux, Tempo / Antinoo Denis Velev, Fortuna / Giunone Gabriele Rossmanith, Ulisse Kurt Streit, Penelope Sara Mingardo, Ericlea Katja Pieweck, Melanto Marion Tassou, Giove Alexander Kravets, Nettuno Luigi De Donato, Minerva Dorottya Láng, Eumete Rainer Trost, Eurimaco Oleksiy Palchykov, Telemaco Dovlet Nurgeldiyev, Anfinomo Viktor Rud, Iro Peter Galliard, Collegium 1704

In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertexten
Eine Übernahme vom Opernhaus Zürich

Premiere am 29. Oktober 2017, 18.00 Uhr, Großes Haus
Weitere Vorstellungen am 1, 4., 7., 9. und 11. November 2017 jeweils um 19.00 Uhr

—| Pressemeldung Staatsoper Hamburg |—

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Neufassung Die Krönung der Poppea, 29.04.2017

April 25, 2017 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Die Krönung der Poppea  von Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi / Elena Kats-Chernin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

Mit der Monteverdi-Trilogie eröffnete Barrie Kosky 2012 seine Intendanz an der Komischen Oper Berlin und begeisterte Presse und Publikum. Der letzte Teil dieses Opern-Marathons, Die Krönung der Poppea, kehrt nun mit neuer Besetzung der Hauptpartien in einer musikalisch und szenisch überarbeiteten Fassung auf den Spielplan zurück. Die jungen Ensemblemitglieder Dominik Köninger und Alma Sadé verkörpern das in gefährlicher Leidenschaft füreinander entbrannte Liebespaar und beleuchten das Drama zwischen Liebe, Macht und Politik rund um den römischen Kaiser Nero und seine Geliebte Poppea darstellerisch und sängerisch aus neuer Perspektive. Komponistin Elena Kats-Chernin, die Claudio Monteverdis drei vollständig überlieferten Opern eigens für die Trilogie neu instrumentierte, überarbeitete ihre Instrumentierung für diese Wiederaufnahme und überrascht mehr als zuvor mit außergewöhnlichen Klangkombinationen. Regisseur Barrie Kosky arbeitete für die neue musikalische Struktur auch an der Szene, die zudem im Bühnenraum anders arrangiert sein wird als bei der Premiere 2012. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Matthew Toogood. Monteverdi macht seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Selbst die Prediger einer Moral sind zu Heuchlern geworden, die am Ende nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind. Die Unschuld der Liebe ist längst verloren und in ihr Gegenteil verkehrt. Liebe ist nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. So ist es ausgerechnet die »amour fou« der beiden Hauptfiguren, die das Gleichgewicht der politischen Mächte zu gefährden droht. In weiteren Partien sind u. a. Karolina Gumos, Maria Fiselier, Talya Lieberman, Thomas Michael Allen sowie Peter Renz als Amor zu erleben. Bis zum 3. Juni steht Die Krönung der Poppea auf dem Spielplan, ab 23. Juni 2017 kehrt mit Orpheus – erneut mit Dominik Köninger in der Titelpartie – der erste Trilogie-Teil zurück.

Libretto von Giovanni Francesco Busenello, Deutsche Textfassung von Susanne Felicitas Wolf, Auftragswerk der Komischen Oper Berlin, Uraufführung L’incoronazione di Poppea im Winter 1642/43, im Teatro Santi Giovanni e Paolo, Venedig, Uraufführung Poppea im Rahmen der Monteverdi-Trilogie am 16. September 2012, Uraufführung der Überarbeitung Die Krönung der Poppea am 29. April 2017, Musikalische Leitung: Matthew Toogood, Inszenierung: Barrie Kosky, Bühnenbild/Kostüme: Katrin Lea Tag, Kostüme: Katharina Tasch, Dramaturgie: Ulrich Lenz, Licht: Alexander Koppelmann/Diego Leetz

Mit : Alma Sadé (Poppea), Dominik Köninger (Nero), Karolina Gumos (Octavia), Maria Fiselier (Otho), Julia Giebel (Drusilla), Jens Larsen (Seneca), Tansel Akzeybek (Valletto), Talya Lieberman (Damigella/Das Schicksal), Thomas Michael Allen (Arnalta), Tom Erik Lie (Amme), Peter Renz (Amor), Katarzyna Wodarczyk (Die Tugend), Adrian Strooper (Liberto) u. a.

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Grabeskirche von Claudio Monteverdi in Venedig © IOCO

Hintergrund : Claudio Monteverdi und Die Krönung der Poppea,  Cremona, Mantua, Venedig – in diesen drei so unterschiedlichen oberitalienischen Städten spielt sich das Leben von Claudio Monteverdi ab, der in die Musikgeschichte zu Recht als Urvater der Gattung Oper eingegangen ist. Nicht nur mit seinen Lebensdaten (1567-1643) steht er zwischen Renaissance und Barock. Auch sein künstlerisches Werk ist zwischen diesen beiden kunstgeschichtlichen Epochen aufgespannt: Mit seinen Madrigalkompositionen bringt er die Vokalpolyphonie der Renaissance zu einem letzten Höhepunkt, mit seinen Opern wird er richtungsweisend für die um 1600 aufkommende, neue, Kompositionsweise des so genannten monodischen Stils.

Historische Personen und historisch belegte Ereignisse rund um den römischen Kaiser Nero bilden die Grundlage für Monteverdis letzte Oper Die Krönung der Poppea: Doch Monteverdi geht es nicht um historische Authentizität. Vielmehr macht er seine Oper zu einer bitter-sarkastischen Parabel über Macht und Machtmissbrauch, über moralische Korruption, von der selbst die Liebe nicht verschont bleibt. Niemand lebt im Rom unter Kaiser Nero im Einklang mit irgendetwas, am wenigsten mit sich selbst. Weder die ehrgeizige Geliebte Poppea an der Seite des verliebten Machtmenschen Nero auf der einen Seite – noch Neros Lehrer und Mentor Seneca, der mit seinen Weisheiten die verstoßene Kaiserin Octavia zu trösten versucht, oder der von Poppea verschmähte Otho, der sein Schicksal bejammert und von Drusilla getröstet wird, auf der anderen Seite … Es gilt das Recht des Stärkeren, und das ist am Ende immer der Kaiser, der sich obendrein an keinerlei Moral gebunden fühlt. Liebe ist in diesem Ränkespiel nichts als eine weitere Waffe im Kampf um Macht und Einfluss, Amor eine launische Diva, die sich dem Meistbietenden teuer verkauft. Elena Kats-Chernin liest Claudio Monteverdi neu

Die uns überlieferten Handschriften der beiden letzten Opern Monteverdis lassen keinen Zweifel daran, dass es zwischen der notierten Form und der praktischen Ausführung eines größeren Anteils an ergänzender bzw. interpretierender Arbeit bedarf als bei einem Werk des 19. Jahrhunderts. Die Idee einer eindeutigen Festlegung im Sinne einer einzig gültigen Werkgestalt entstammt dem 18. und vor allem dem 19. Jahrhundert. Monteverdi und seinen Zeitgenossen wäre sie vollkommen fremd gewesen. Zahlreich sind die Bearbeiter*innen, die Monteverdis (heutigen Augen) fragmentarisch anmutende Opernwerke dem Publikum ihrer Zeit näher bringen wollten, darunter so bedeutende Namen wie Vincent d’Indy, Ottorino Respighi, Ernst Krenek, Luigi Dallapiccola, Nadia Boulanger, Luciano Berio, Bruno Maderna oder Hans Werner Henze. Von einer anderen Seite haben Musiker wie Nikolaus Harnoncourt, John Eliot Gardiner oder Rene Jacobs versucht, die überlieferten Manuskripte mit den Augen von Monteverdis Zeitgenossen zu lesen und neu zu interpretieren.

Monteverdi gehörte zu den experimentierfreudigsten und offensten Komponisten der Musikgeschichte. Schließlich betrat er gerade mit seinen Opern völliges Neuland und besaß daher alle nur denkbaren Freiheiten. Nicht weniger experimentierfreudig ist das Schaffen der aus Usbekistan stammenden Komponistin Elena Kats-Chernin. Ähnlich wie Monteverdi zu seiner Zeit gehört auch sie nicht zu den Puristen. Als Grenzgängerin zwischen den unterschiedlichsten Kulturen (geboren in Taschkent, aufgewachsen in Moskau, Studium in Deutschland, lebt sie nun in Australien) eignet sie sich auf äußerst vitale Weise verschiedene Traditionen an, mit Hilfe derer sie auch populäre Quellen wie Jazz, Klezmer, Tango oder Ragtime in ihre Musik integriert. So findet in ihrer »Neuschöpfung« von Monteverdis letzter Oper neben traditionellen Instrumenten eines modernen Opernorchesters nicht nur ein barockes Instrument wie die Theorbe Verwendung, sondern auch für ein traditionelles Opernorchester eher ungewöhnliche Instrumente wie Saxophone, Banjos, eine Steel Guitar und ein Synthesizer. Ganz im frühbarocken Stil lässt sie – anders als die meisten Bearbeiter vor ihr – der Continuo-Gruppe Raum für improvisatorische Freiheiten.  Pressemeldung Komische Oper Berlin

Premiere der Neufassung: Samstag, 29. Apr 2017, weitere Vorstellungen 6.5.2017, 19.5.2017, 26.5.2017, 3.7.2017

—| Pressemeldung Komische Oper Berlin |—

Essen, Philharmonie Essen, Eröffnungskonzert – London Symphony Orchestra, Sir John Eliot Gardiner, IOCO Kritik, 13.09.2014

September 18, 2014 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen © PE-FrankVinken

Philharmonie Essen © PE-FrankVinken

Eröffnungskonzert der Spielzeit 2014/15
London Symphony Orchestra, Sir John Eliot Gardiner

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner - London Symphony Orchestra © PE-Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner – London Symphony Orchestra © PE-Sven Lorenz

Romantik pur war angesagt beim Eröffnungskonzert der neuen Spielzeit in der Essener Philharmonie. Das allerorten gerühmte und in aller Welt gastierende London Symphony Orchestra, kurz LSO genannt, spielte unter seinem ständigen Gastdirigenten, Sir John Eliot Gardiner, Werke von Schumann und Mendelssohn. Derzeitiger Chefdirigent des Orchesters ist Valery Gergiev.

Der Konzertabend begann mit einer Einführung durch den Dirigenten und den ehemaligen 1. Hornisten des Orchesters Radovan Vlatkovic (ausgebildet u.a. in Detmold). Vlatkovic und Gardiner, beide mit sehr guten Deutschkenntnissen, erzählten viel Wissenswertes über Robert Schumanns “Konzertstück in F-Dur für 4 Hörner und Orchester, op.86“. Demonstriert wurden z.B. die Unterschiede zwischen Waldhorn und Ventilhorn.

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner - London Symphony Orchestra © PE- Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner – London Symphony Orchestra © PE- Sven Lorenz

Schließlich gab Sir John eine Erklärung zur Orchesteraufstellung. Mendelssohn hatte während seiner Zeit am Leipziger Gewandhaus die hohen Streicher im Stehen musizieren lassen. Diese Eigenart, die sich glücklicherweise nicht eingebürgert hat, soll den Klang räumlicher werden lassen. Das sei dahin gestellt. Nachteil ist auf jeden Fall, dass, wenn Publikum und Orchester auf gleichem Höhenniveau sind, die anderen Orchestergruppen kaum gesehen werden können. Wie es zu erleben war, denn Gardiner ließ diese Orchesteraufstellung wieder aufleben. 1. und 2. Geigen, sowie die Bratschen spielten alle drei Stücken im Stehen.

Das Programm begann mit Mendelssohns Ouvertüre “Meeresstille und glückliche Fahrt“. Dies ist ein stimmungsgeladenes Stück, das man durchaus als Vorläufer des Begriffs “Sinfonische Dichtung“ bezeichnen kann –  ein feines Musikstück, das viel zu selten aufgeführt wird – . Gardiner ließ es mit großer Durchsichtigkeit bei straffem Grundtempo spielen und wusste die Stimmung in den drei Sätzen sehr lebendig zu schildern.

Den Mittelpunkt bildete ein Musikstück, das einerseits eine absolute Preziose ist, doch anderseits wenig aufgeführt wird. Robert SchumannsKonzertstück für vier Hörner und Orchester“ stellt hohe Ansprüche an das Hornquartett.

Interessant ist, dass Schumann bei allen seinen Arbeiten für das Horn Ventilhörner und Naturhörner nebeneinander vorsieht. Die Hornsolisten des LSO waren großartig. Angela Barnes, Timothy Jones, Jonathan Lipton und Radovan Vlatkovic sind Virtuosen auf ihren Instrumenten und erreichten eine außerordentliche Homogenität.

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner - London Symphony Orchestra © PE - Sven Lorenz

Philharmonie Essen / Sir John Eliot Gardiner – London Symphony Orchestra © PE – Sven Lorenz

Gardiner ist penibel auf Transparenz bedacht. Seine langjährige Erfahrung beim Monteverdi-Chor, den Englischen Barocksolisten, sowie des Orchestre Révolutionaire et Romantique  sind sicherlich prägend. Das Orchester wusste jeden Wink sofort souverän umzusetzen.

Es ist ein fröhliches, positiv stimmendes Werk, besinnlich und melodisch. Genial hat Schumann die Aufgaben auf Orchester und Solisten verteilt. Ganz wunderbar gerät im letzten Satz der Wechsel von der melancholisch-märchenhaften Stimmung zu fröhlich ausgelassenem Wechselspiel zwischen Orchester und den Solo-Hörnern. Sehr schön ausgeprägt ist die heitere, tänzerische Atmosphäre mit dem das Stück ausklingt.  Ob des starken Beifalls gab das Horn-Quartett als Zugabe eine kleine Komposition von Bruckner.

Drittes und letztes Stück an diesem Abend war Felix MendelssohnsSinfonie Nr. 5 in D-Moll, op. 107“, die sogenannte Reformations-Sinfonie. Mendelssohn komponierte seine 5. Sinfonie 1829/30 zur 300-Jahrfeier der Augsburger Konfession, Die Sinfonie wurde dann im November 1832 unter seiner Leitung in Berlin uraufgeführt. Dominierend sind die Variationen über den Choral “Ein feste Burg ist unser Gott“ im letzten Satz. Interessant im 1. Satz, das “Dresdner Amen“, eine Formel der Sächsischen Liturgie, ein Motiv, das Wagner in seinem “Parsifal“ wiederholte.

Dem Dirigenten gelang es, mit seiner anfeuernden Emphase, das Orchester auf  Hochspannung zu bringen. Soviel Stringenz in den Streichern, Präzision beim Blech und klangliche Opulenz hört man selten Mal. Höhepunkt war der finale Choralsatz “Ein feste Burg“, mit dem der zum protestantischen Glauben konvertierte Mendelssohn, sein Bekenntnis zur Reformation manifestierte. An diesem Abend wurde dies durch das wunderbare Orchester und seinen charismatischen Dirigenten berührend wiederholt.

Natürlich gab es auch eine Zugabe. Das Orchester sagte “Danke“ für den nicht enden wollenden Beifall und spielte ein kurzes Stück “Elfenmusik“ aus dem Oeuvre Mendelssohns.

IOCO / UGK / 13.09.2014

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Bonn, Beethovenfest Bonn, Beethovenfest Bonn 2014: Götterfunken, von 06.09. bis 03.10.2014

April 7, 2014 by  
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Beethovenfest

Beethovenfest Bonn 2014 vom 6. September bis 3. Oktober unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft

 

»Götterfunken«

Das Beethovenfest Bonn 2014 steht unter dem Motto »Götterfunken«. In 60 Veranstaltungen soll anschaulich gemacht werden, wie Musik das Publikum berührt und wozu Musik die Zuhörer bewegen kann – wie der »göttliche Funke« überspringt.  Das Motto vollendet eine dreijährige Erkundung, die 2012 mit dem Blick auf den Künstler begann – »Eigensinn« – und 2013 die Wandlungsprozesse von Künstler und Werk  beleuchtete – »Verwandlungen«. Das Beethovenfest Bonn 2014 ist das erste Festival unter der Leitung von Nike Wagner. Das Programm jedoch geht – bis auf zwei Programmpunkte zur Eröffnung und zum Abschluss – auf ihre Vorgängerin Ilona Schmiel zurück.
 
Das Beethovenfest beginnt nun jährlich mit einem neuen Veranstaltungsformat, der »Eröffnungsmatinee«. Am Vormittag des Eröffnungskonzertes lädt die Intendantin zu einem Vortrag, in dem sie über die Saison 2014 Aufschluss gibt sowie über Fragen, die unsere Gegenwart betreffen.  
 
Den Abschluss bildet ein »theatraler Kongress«: Mit Künstlern verschiedener Sparten gestalten internationale Forscher ein sinnlich erfahrbares Ereignis aus Kunst, Musik und Wissenschaft. »Save the World« ist ein Projekt des Schauspiels Bonn in Kooperation mit dem Beethovenfest.
 
Das Beethovenfest Bonn 2014 bittet das Publikum zu vielfachen neuen Hörerfahrungen. Schwerpunkt Beethoven: es erklingen vier Beethoven-Zyklen. Andris Nelsons und das City of Birmingham Symphony Orchestra spielen alle neun Symphonien an vier aufeinander folgenden Abenden. Das Mahler Chamber Orchestra kommt mit Leif Ove Andsnes auf seiner »Beethoven Journey« nach Bonn: in drei Konzerten kombinieren sie Beethovens fünf Klavierkonzerte und seine »Chorfantasie« mit einem je einem Werk von Igor Strawinski. Leonidas Kavakos spielt gemeinsam mit Enrico Pace alle zehn Violinsonaten von Ludwig van Beethoven, dazu Werke der zeitgenössischen Komponistin Lera Auerbach. Das Borodin Quartet vollendet seinen 2012 begonnen Beethoven-Streichquartett-Zyklus.
 
Schwerpunkt Streichquartett: Ausgehend vom Zeit-Signal 2014 lenken wir an einem Wochenende den Blick auf Werke der Jahre 1814, 1914 und 2014. Interpreten sind drei junge Quartette – das Bennewitz Quartet, das Heath Quartet und das Quatuor Zaïde. Zusammen mit dem renommierten Kuss Quartett gestalten sie in unterschiedlichen Besetzungen sechs ambitionierte Programme.
 
Beziehungen zwischen Westeuropa und dem Nahen Osten thematisiert das Beethovenfest in einem dreiteiligen Projekt mit dem Titel »Divan of song«. Goethes Gedichtzyklus »West-östlicher Divan«, stand Pate für diese ungewöhnlichen Abende, die der Pianist und Liedbegleiter Burkhard Kehring exklusiv für das Beethovenfest Bonn zusammengestellt hat. Beim »Divan of song« erklingen Uraufführungen von Param Vir, Hannah-Hanbiel Choi und Myung-Sun Lee.
 
Weitere Uraufführungen sind bei zwei Kooperationen des Beethovenfestes mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland zu hören. Im Auftrag von Beethovenfest Bonn, Ensemble Resonanz und Alte Oper Frankfurt hat Helmut Oehring »GOYA III. Veía la mano, pero como alelado« für 18 Streicher komponiert. Philipp Maintz schreibt im Auftrag des Beethovenfestes ein neues Werk für Klavier und Ensemble. Die Ausführenden sind Solisten des Ensembles musikFabrik und Mitglieder des Studio musikFabrik unter der Leitung von Peter Veale.
 
Das Beethovenfest Bonn 2014 präsentiert große Orchester der internationalen Musikszene, darunter Lorin Maazel und die Münchner Philharmoniker, das London Symphony Orchestra mit Sir John Eliot Gardiner, Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen mit Paavo Järvi sowie Yannick Nézet-Séguin und das Rotterdams Philharmonisch Orkest. Zu den Solisten, die beim Beethovenfest Bonn 2014 gastieren, gehören Isabelle Faust, Jean-Guihen Queyras, Kristian Bezuidenhout, Waltraud Meier, Jan Lisiecki, Gautier Capuçon, Arcadi Volodos und die Schauspielerin Hannelore Elsner.
 
Beim Beethovenfest Bonn 2014 unter der Schirmherrschaft von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft sind 39.000 Eintrittskarten für 60 Veranstaltungen im Hauptprogramm in 21 Spielstätten in Bonn und Umgebung im Verkauf. Ermöglicht wird dies durch die Zuwendung der Bundesstadt Bonn und des Rhein-Sieg-Kreises sowie durch die projektbezogene Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen und des Auswärtigen Amtes. Die Hauptsponsoren Deutsche Post DHL, Deutsche Telekom, Sparkasse KölnBonn und Deutsche Welle sowie eine große Anzahl von Eventsponsoren und Stiftungen fördern das Beethovenfest Bonn.
 
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