Essen, Aalto Theater, Onegin – Ballett – John Cranko, 15.02.2020

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Aalto Theater Essen

Aalto Theater Essen / Ballett - Onegin © Hamza Saad

Aalto Theater Essen / Ballett – Onegin © Hamza Saad

Onegin  –  Choreografie von John Cranko

am 15. Februar letztmalig im Aalto-Theater

Gleich zu Beginn des neuen Jahres heißt es beim Aalto-Ballett Abschied nehmen: Nur noch zwei Mal zeigt die Essener Compagnie die Choreografie Onegin von John Cranko, nämlich am Sonntag, 26. Januar, 18:00 Uhr und Samstag, 15. Februar, 19:00 Uhr.

Aalto Theater Essen / Ballett - Onegin © Hamza Saad

Aalto Theater Essen / Ballett – Onegin © Hamza Saad

In seiner vor mehr als 50 Jahren entstandenen Ballettversion von Alexander Puschkins Romanklassiker Eugen Onegin konzentriert sich Cranko ganz auf die dramatische Erzählung der unerfüllten Liebe zwischen Tatjana und Onegin: Als die junge Tatjana ihm, dem arroganten Großstädter, erstmals begegnet und ihm ihre Liebe gesteht, weist der sie schroff zurück. Einige Jahre später trifft Onegin sie wieder – sie ist inzwischen eine gereifte, stolze und verheiratete Frau. Nun fleht er sie um eine zweite Chance an, doch Tatjana bleibt ihrem Mann treu und lässt Onegin abblitzen.

Zur berührenden Musik von Pjotr I. Tschaikowski, die die Essener Philharmoniker live spielen, entspinnt sich die Geschichte über unerfüllte Liebe und verborgene Sehnsüchte.

Letzte Vorstellungen: 26. Januar, 18:00 Uhr, € 11,00 – 49,00; und 15. Februar, 19:00 Uhr, € 16,00 – 55,00

—| Pressemeldung Aalto Theater Essen |—

Dresden, Semperoper, Premiere Carmen – Ballett, 25.01.2019

Januar 16, 2019 by  
Filed under Ballett - Tanz, Premieren, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

  Carmen – Ballett von Johan Inger

– Grausamkeit und Unschuld –

Deutschlandpremiere am 25. Januar 2019

Mit Johan Ingers 2016 mit dem Prix du Benois de la Danse ausgezeichneten Ballett Carmen gibt die Company des Semperoper Ballett am 25. Januar ihre zweite Premiere in der Spielzeit 2018/19. Nach der Madrider Uraufführung in 2015 durch die Compañía Nacional de Danza und einem Gastspiel im schweizerischen Basel im November 2018 findet damit die Deutschlandpremiere von Ingers erstem abendfüllenden Handlungsballett in Dresden statt.

Der schwedische Choreograf orientiert sich in seiner Interpretation der Geschichte von erotischer Leidenschaft, atavistischem Freiheitsdrang und tödlicher Eifersucht weitaus enger an der 1847 erschienenen literarischen Originalvorlage Prosper Mérimées, als es die weltberühmte Oper von Georges Bizet tut. Die der ursprünglichen Novelle immanente Grausamkeit rückt Johan Inger in das Zentrum seiner Choreografie und kreiert eine düstere, psychologisierende Atmosphäre, ohne dabei auf die ekstatisch temperamentvollen Momente von Bizets Musik zu verzichten. Zusätzlich zu den bekannten Opernmotiven ergänzen Themen von Rodion K. Schtschedrin sowie eine eigens in Auftrag gegebene Komposition des Spaniers Marc Álvarez die Vertonung.

Schon früh inspirierte der kraftvoll rhythmische Esprit sowohl der literarischen wie musikalischen Vorlage bedeutsame Choreografen dazu, die Erzählung in reine Bewegung umzusetzen. Nachdem bereits Marius Petipa dreißig Jahre nach Erscheinen der Novelle das Ballett Carmen et son toréro in Madrid herausbrachte, deuteten Künstler wie Roland Petit, John Cranko, Antonio Gades, Mats Ek und Carlos Acosta Carmen immer wieder aufs Neue.

Der Blick Ingers konzentriert sich wie Mérimées Novelle auf den emotionalen Kampf des Protagonisten Don José. Allerdings modernisiert Inger das Drama und verleiht ihm durch seine Transkription in den zeitgenössischen Tanz seine ganz individuelle Lesart. Die von ihm eingefügte Knabenfigur bezeugt die in Leidenschaft und Gewalt eskalierende Handlung mit eigenen Augen und schafft die Verbindung zum Rezipienten: »Diesen Charakter umgibt ein gewisses Geheimnis. Es könnte irgendein Kind oder Don José als Junge sein, es könnte ebenso die junge Michaela oder Carmen oder Don Josés ungeborenes Kind sein. Es könnten auch wir selber sein, deren ursprüngliches Gutsein durch ein grausames Erlebnis verletzt wurde, dass wie eine tiefe Trauer unser Leben und unsere Fähigkeit mit andern zu interagieren für immer negativ beeinflusst hat.« Inger stellt sich mit seiner Interpretation des Stoffes der ungeheuren Aufgabe, mit tänzerischen Mitteln eine Entwicklung beim Zuschauer zu initiieren und über den kindlichen Augenzeugen einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen, der über die erzählerische Intention hinauszielt: »Am Ende stellt sich die Frage, ob das Kind die erlebten Muster wiederholt oder sich weiterentwickelt und verändert.«

Mit Carmen stellt Ballettdirektor Aaron S. Watkin mit seiner Company nach den Einaktern Walking Mad und Empty House eine dritte Arbeit des internationalen Shootingstars Johan Inger in Dresden vor. Im März folgt das Semperoper Ballett im Rahmen seiner ersten Australien- und Singapur-Tournee der Einladung des weltbekannten Adelaide Festivals of Arts, wo die Company am 8., 9. und 10. März mit »Carmen« im Adelaide Festival Theatre zu erleben sein wird.

Carmen,  Ballett in zwei Akten von Johan Inger, interpretiert vom Semperoper Ballett mit Musik von Georges Bizet, Rodion Schtschedrin und Marc Álvarez, gespielt von der Sächsischen Staatskapelle Dresden (und vom Tonträger) unter der Musikalischen Leitung von Manuel Coves.

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Semperoper – Förderstiftung

Premiere am 25. Januar 2019,  Weitere Vorstellungen am 27. Januar und 10., 16., 24. Februar 2019

Werkeinführung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn.

—| Pressemeldung Semperoper Dresden |—

Cottbus, Staatstheater Cottbus, Ballett – Uraufführung ALICE IM WUNDERLAND, 22.09.2018

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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Uraufführung  –  ALICE IM WUNDERLAND
Tanzstück von Torsten Händler
Musikcollage und Kompositionen: Steffan Claußner

Premiere am Samstag, 22. September 2018, 19.30 Uhr, Großes Haus

Das Tanzstück Alice im Wunderland von Torsten Händler nach Lewis Carroll wird am Samstag, 22. September 2018, 19.30 Uhr, im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus uraufgeführt.
Händler entwickelte mit dem Cottbuser Ballett eine Choreografie, die sich in erster Linie an Erwachsene richtet. Die Rolle der Alice haben als Doppelbesetzung Venira Welijan und Gemma Pearce übernommen.

Staatstheater Cottbus / ALICE IM WUNDERLAND - Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Pedro Gómez (Märzhase), Venira Welijan (Alice), Niko Ilias König (Hutmacher) und Inmaculada Marín Lopéz (Haselmaus) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / ALICE IM WUNDERLAND – Szenenfoto mit (v.l.n.r.): Pedro Gómez (Märzhase), Venira Welijan (Alice), Niko Ilias König (Hutmacher) und Inmaculada Marín Lopéz (Haselmaus) © Marlies Kross

Lewis Carrolls Buch Alice im Wunderland begeisterte seit seiner ersten Veröffentlichung im Jahr 1865 Generationen von Kindern und Erwachsenen. Die Titelheldin fällt in ein Kaninchenloch und gerät dadurch in eine Welt voll grotesker Begegnungen, rätselhafter Ereignisse und unglaublicher Veränderungen. Die Erlebnisse des Mädchens inspirierten bereits zahlreiche Künstler zu Umsetzungen in Film, in der Oper, im Tanz, in der Rock- und Popmusik sowie im Jazz. Torsten Händler fasziniert an der Geschichte der kleinen Alice das scheinbar chaotische Spiel um Zeitbegriffe, Sprache, Vergänglichkeit und Verhaltensregeln, bei dem alles in Frage gestellt wird: Ein anarchisches Potential, das phantasieanregend und beunruhigend zugleich ist. Seine Sicht auf Alices Wunderland setzt er in beeindruckende Bilder und faszinierende Bewegungen um.

Der Soundtrack stammt von Steffan Claußner, der sich seit Jahrzehnten im Bereich der improvisierten Musik einen Namen gemacht hat und viele Theater- und Tanzprojekte durch seine Klänge mitgestaltete. Torsten Händler und ihn verbindet eine lange Zusammenarbeit. Claußner schuf für Alice eine maßgeschneiderte Collage aus bekannten Titeln und Eigenkompositionen. Bühne und Kostüme entwarf das gefragte Ausstatter-Team Leonie Mohr und Hannes Hartmann.

Staatstheater Cottbus / ALICE IM WUNDERLAND - ALICE IM WUNDERLAND Szenenfoto mit Venira Welijan (Alice) und Andrea Simeone (Grinsekatze) © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus / ALICE IM WUNDERLAND – ALICE IM WUNDERLAND
Szenenfoto mit Venira Welijan (Alice) und Andrea Simeone (Grinsekatze) © Marlies Kross

Torsten Händler interpretierte als Erster Solotänzer an der Staatsoper Unter den Linden alle großen Partien des Repertoires u.a. in Choreografien von Rudolf Nurejew, George Balanchine, John Cranko, William Forsythe, Maurice Béjart und Roland Petit. Auch als Ballettdirektor u.a. in Chemnitz und als Leiter der Deutschen Tanzkompanie war er erfolgreich. Mit dem Cottbuser Ballettensemble brachte er mit bereits Die kleine Meerjungfrau und Ein Tag bei Norma zur Uraufführung.

—| Pressemeldung Staatstheater Cottbus |—

Stuttgart, Stuttgarter Ballett, Dances at a Gathering – Initialen R.B.M.E., IOCO Kritik, 19.01.2018

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Stuttgarter Ballett | Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. SchaeferStuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Begegnungen –  Reid Anderson – Stuttgarter Ballett

 Fazit einer Ära und Verheißung für die Zukunft

Von  Peter Schlang

Als eine der letzten Premieren seiner 22jährigen Amtszeit als Intendant des Stuttgarter Balletts und seiner dann insgesamt 44jährigen Zugehörigkeit zu dieser Compagnie setzte Reid Anderson einen Ballettabend aufs Programm, der erstmals zwei wahre Edelsteine an Choreografien an einem Abend vereint: Jerome Robbins am 22. Mai 1969 am New York City Ballett herausgekommene Dances at a Gathering, die seit  29. November 2002 zum Repertoire des Stuttgarter Balletts gehören, und John Crankos unübertroffener Klassiker Initialen R.B.M.E., welcher vor genau 46 Jahren, am 19. Januar 1972, in Stuttgart seine umjubelte Uraufführung erlebte.

„Plädoyer für Freundschaft und respektvolles Miteinander auf die Bühne“

Beide Ballette sind unbestritten choreografische Meisterwerke und widmen sich, jedes auf seine unnachahmliche bzw. ihres Schöpfers individuell-geniale Weise, dem Lob der Freundschaft und des menschlichen Zusammenhalts.  Gemeinsam ist ihnen aber nicht nur das Thema, sondern auch die Gleichzeitigkeit von Melancholie und Leichtigkeit, mit der sie das menschliche Miteinander charakterisieren und das Leben mit reichen, vielschichtigen Emotionen feiern.

 Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Dances at a gathering von Jerome Robbins © Stuttgarter Ballett

Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Dances at a gathering von Jerome Robbins © Stuttgarter Ballett

Robbins‘  Dances at a Gathering erzählt in einer virtuos-zarten Choreografie von Abschied und Aufbruch sowie von der Wertschätzung des Einzelnen und dessen Gemeinschaft  mit anderen Menschen. Crankos Initialen R.B.M.E. ist sein persönlichstes Ballett; in ihm würdigt er seine Freundschaft zu seinen  Ersten Solisten, Musen und Partnern Richard Cragun, Birgit Keil, Marcia Haydée und Egon Madsen und deren wunderbare Beziehung zueinander. Mit diesem Stück hinterließ der Gründer des Stuttgarter Balletts, der im vergangenen August  90 Jahre alt geworden wäre, nicht nur eine ‚Ode an die Freundschaft‘, in der die Verehrung für seine Tänzer weiterlebt, sondern auch ein Werk, in dem sich ebenso Kern und Essenz seines künstlerischen Schaffens konzentrieren.

Jerome Robbins, der nicht nur als Choreograf, sondern auch als Musical-Autor und Regisseur große Erfolge feierte, stellt in seinen sechzehn Szenen für insgesamt je fünf Tänzerinnen und Tänzer Studien des reinen Tanzes in ländlichem Milieu vor und kombiniert darin klassisches Ballett mit Elementen des Volkstanzes. Dabei wirkt Vieles improvisiert, offenbart aber stets eine tiefere Ebene, so etwa, wenn Momente des Abschieds und Umbruchs oder festliche Zitate von Freundschaft und Begegnung zu exemplarischen Studien des Lebens werden. Dabei überrascht noch immer die Leichtigkeit dieser Petitessen, die in starkem Gegensatz zu der Ende der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten herrschenden zerrissenen, kalten Atmosphäre steht, in welcher der Vietnamkrieg und Morde an Politikern und Bürgerrechtlern das Klima vergifteten. Diese Leichtigkeit und Unbeschwertheit rührt sicherlich auch von der von Robbins für sein Ballett ausgewählten Musik, sechzehn Klavierstücken Frédéric Chopins. Diese, in der Mehrheit Etüden, Mazurkas und Walzer, wurden am Premierenabend von Alexander Reitenbach, einem einfühlsamen Begleiter und „Tanz-Ermöglicher“, so leichthändig, federnd und dennoch tiefgründig interpretiert, dass es für die zehn Mitglieder der Stuttgarter Compagnie das reine Vergnügen gewesen sein muss, darauf ihre Pirouetten zu drehen, Sprünge zu absolvieren, die zahlreichen Hebefiguren zu bewältigen und Gruppenbilder zu komponieren.

Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Dances at a gathering © Stuttgarter Ballett

Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett mit Dances at a gathering © Stuttgarter Ballett

In jedem Fall und zu jeder Zeit verkörpern Veronika Verterich, Alicia Amatriain, Hyo-Jung Kang, Elisa Badenes und Sinéad Brodd als Tänzerinnen sowie ihre Kollegen Adhonay Soares da Silva, Friedemann Vogel, Jason Reilly, Moacir de Oliveira und Martí Fernández Paixà  die im Titel Dances at a Gathering versprochenen Gruppen-  und Freundschaftsbande und –szenen auf lebendigste und äußerst anrührende Weise. Sie geben aber auch dem Humor und dem in menschlichen Beziehungen angebrachten ironisch-sanften Zweifel den nötigen Raum. Für letzteren sorgt bei ansonsten kahlem Bühnenraum die ständige und einheitliche Projektion eines blauen Himmels mit sich leicht verändernden Formationen von federleichten Schleierwolken, die auch einen stimmungsvollen, stimmigen und poetischen Hintergrund schafft und den in zarten Pastellfarben gehaltenen Kostümen zu einer träumerisch-heiteren Wirkung verhilft.

Crankos nach der Pause zu bestaunende, bereits erwähnte Verneigung vor seinen vier herausragenden Solisten und Säulen seiner Compagnie wirkt auch mit der aktuellen Besetzung durch die Kraft und Selbstbewusstsein, aber auch Zerbrechlichkeit und Demut demonstrierenden jungen Tänzerinnen und Tänzer radikal wie betörend.

Adhonay Soares da Silva als „R“ichard, Elisa Badenes als „B“irgit, Alicia Amatriain als „M“arcia und Moacir de Olveira als „E“gon  (R.B.M.E.) verdeutlichen  auf  eindrucksvolle Weise, dass Crankos Vermächtnis auch 46 Jahre nach seiner Entstehung noch jene Kraft und Wärme entfaltet, die seinerzeit Publikum wie Kritik in Begeisterung versetzt hatten. Und der Berichterstatter, der Mitte der siebziger Jahre die Original- bzw. Erstbesetzung erlebt hatte, kann dem aktuellen Solistenquartett die gleiche Authentizität, Glaubwürdigkeit, Originalität und Überzeugungskraft bescheinigen, die er damals bei den vier Widmungsträgern bewundert hat.

 

Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett hier_ Initialen R.B.M.E. von John Cranko © Stuttgarter Ballett

Staatsoper Stuttgart / Stuttgarter Ballett hier_ Initialen R.B.M.E. von John Cranko © Stuttgarter Ballett

Mag sein, dass die aktuelle Generation der Tänzerinnen und Tänzer die Sache athletischer und akrobatischer angeht als die Generation Crankos und seiner vier Solistenfreunde. Die für sie geschaffene Choreografie  wirkt dennoch  zeitlos modern, und die Längen in einigen  auf den Beobachter weniger spannend und interessant wirkenden Passagen im dritten Teil sind vermutlich weniger ein Problem der verstrichenen Zeit als dem hier zu hörenden Andante aus Brahms’ zweitem Klavierkonzert geschuldet. Dessen einleitendes Allegro und das folgende Scherzo werden vom Choreografen und den ausführenden Tänzerinnen und Tänzern genauso lustvoll und stimmig interpretiert wie das abschließende Rondo. In allen vier Sätzen des mehr an eine Sinfonie als an Solokonzert erinnerndes Werks überzeugen das Staatsorchester Stuttgart unter der bewährt-traumhaft-sicheren Leitung seines Ballettdirigenten James Tuggle und der höchst aufmerksam und feinfühlig agierende Pianist Andrej Jussow mit sinfonischer Präzision und höchster dynamischer Abstufung und sind ein bewährter wie einfühlsamer Begleiter und musikalischer Illustrator aller auf der Bühne zu sehenden Emotionen und Bewegungen.  Von dieser sensiblen wie flexiblen musikalischen Unterstützung profitieren nicht nur die vier beschriebenen Tänzer der Titelfiguren und ihre anderen solistischen Partner, sondern auch das Corps de Ballett, das in den vier Teilen des Werks bis in bühnenfüllender Stärke im Einsatz ist. Zusammen mit den Solisten demonstrieren seine Mitglieder sensibel und glaubhaft  die verschiedenen Facetten von Freundschaft und Beziehungen, ob es sich nun um Zurückhaltung oder Leidenschaft,  Solidarität oder Gewähren von Freiräumen, Achtung und Respekt oder Treue und Begeisterung für einander handelt.

Der neue Ballettabend Begegnungen des Stuttgarter Balletts auf Frédéric Chopins beschwingte Klavierstücke und Johannes Brahms‘ grandioses zweites Klavierkonzert bietet nicht nur tänzerisch und musikalisch ein exquisites Programm. Mit den beschriebenen zwei Pretiosen an wundervollen „Begegnungsballetten“ kann es in einer Zeit wachsender Ungleichheit, zunehmender Vereinzelung und digitaler Entfremdung auch Mut dazu machen, traditionelle menschliche Bindungen zu pflegen und Werte wie Freundschaft, Begegnung, Solidarität und gegenseitige Unterstützung neu und stärker zu gewichten als kurzfristigen Erfolg und persönliche Dominanz.

Stuttgarter Ballett – Begegnungen: Weitere Vorstellungen 20. und 21. Januar, 10., 11., 16. und 17. Februar sowie 19. Juli 2018.

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