Köln, Philharmonie Köln, ACHT BRÜCKEN-Festival Livestream 01.05.2020

April 27, 2020 by  
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Kölner Philharmonie

Philharmonie Köln © IOCO

Philharmonie Köln © IOCO

ACHT BRÜCKEN 2020 ©ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln

ACHT BRÜCKEN 2020
©ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln

Der ACHT BRÜCKEN Freihafen geht am 1. Mai online!

Der beliebte ACHT BRÜCKEN Freihafen ist das Highlight eines jeden ACHT BRÜCKEN-Festivals. Jeweils am 1. Mai öffnen die Kölner Philharmonie, das WDR Funkhaus am Wallrafplatz, das Museum Ludwig und viele weitere Kölner Spielstätten ihre Türen und schenken den neugierigen, musikbegeisterten Kölnerinnen und Kölnern einen ganzen Tag Musik bei freiem Eintritt. Rund 4000 Menschen lauschen in der Regel der Musik von heute und sind Zeugen bei Uraufführungen neuer Werke – ein immer wieder spannender Moment für Komponisten, Künstler und Publikum, wenn endlich der erste Ton erklingt.

Das Festival ACHT BRÜCKEN | Musik für Köln und der WDR freuen sich zu verkünden, dass es ihnen gelungen ist, das Konzept des Freihafens zu retten und in intensiver und produktiver Zusammenarbeit einen ganzen Tag Musik bei freiem Eintritt im Livestream der WDR Kulturambulanz anbieten zu können.

Louwrens Langevoort, Gesamtleiter des Festivals und Intendant der Kölner Philharmonie, berichtet begeistert:
»Unser Tag der Begegnung und des gemeinsamen Musikgenusses findet dieses Jahr online statt. Ich freue mich sehr, dass wir mit unserem Partner, dem WDR, einem gut eingespielten Festivalteam und dem Engagement unserer Künstler unter Zeitdruck und extrem schwierigen Produktionsbedingungen ein tolles Programm zusammengestellt haben. So kann wenigstens ein kleiner Teil unseres eigentlich elftägigen Festivals realisiert werden und wir können alle zusammenkommen: am 1. Mai im Stream.«

Das Programm des ACHT BRÜCKEN Freihafen »STREAM« setzt sich aus verschiedenen Künstler-Beiträgen des gesamten Festivals zusammen und weicht somit vom ursprünglichen Konzertangebot des geplanten Freihafens ab. Mit dabei sind am 1. Mai in der Premiere: Die Pianistin Rei Nakamura mit Auszügen aus John Cages »Etudes Australes«, das Ensemble asamisimasa und die Visual Artists Warped Type mit Klaus Langs »bright darkness«, das Zöllner-Roche-Duo mit der deutschen Erstaufführung von Christopher Fox‘ »On Tranquility« und der Uraufführung von Johann Svenssons »double dubbing (firefly song), die Jazzfomationen Totenhagen mit »Yonic – Von kleinen Welten und großen Herzen« und Schmid’s Huhn mit »Golden Spheres« sowie das Schultanzprojekt »Bewegter Kosmos« der Hochschule für Musik und Tanz Köln mit Schülern des Montessori-Gymnasiums Köln.

Der Stream startet am 1. Mai um 11:00 in der WDR Kulturambulanz unter wdr.de/k/kulturambulanz und wdr3.de und ist anschließend 30 Tage online.

—| Pressemeldung Kölner Philharmonie |—

München, Münchner Kammerspiele, KILL THE AUDIENCE – Ein ver-rückter Abend, IOCO Kritik, 30.11.2019

Münchner Kammerspiele @ Gabriela Neeb

Münchner Kammerspiele @ Gabriela Neeb

Münchner Kammerspiele

KILL THE AUDIENCE  –  Rabih Mroué

– Der Zuschauer als Schauspieler – ein Seitenwechsel –

von Hans-Günter Melchior

Es fängt vergleichsweise konventionell an. Es wird dunkel, auf einer Leinwand läuft ein kurzer Film ab, der Szenen aus dem Vietnam-Krieg zeigt, in den die USA 1965 mit Bombardements u.a. unter Einsatz der berüchtigten Napalm-Bomben (die Opfer gingen mit schwersten Verbrennungen buchstäblich zugrunde) eingriffen.

Der ver-rückte Abend

Eva Löbau, Foto unten, erläutert dann mit gespielter Sachlichkeit die Funktionsweise der Beretta unter Verwendung einer Plastikausgabe der Handfeuerwaffe. Danach zeigt sie den Zuschauern das in Militärkreisen berühmte Maschinengewehr 42, MG 42, das die Schützen in die Lage versetzte, 1200 Schuss in der Minute abzufeuern und noch in den Anfängen der Bundeswehr zur Waffenausstattung gehörte.

Zeynep Bozbay schaltet sich erklärend und ergänzend ein. Gleichsam Folie der Aufführung ist die legendäre Aufführung des Stückes Vietnam-Diskurs von Peter Weiss im Jahre 1968, also vor 50 Jahren, an gleicher Stelle, nämlich in dem damaligen Werkraumtheater. Regie führten 1968 Wolfgang Schwiedrzik und Peter Stein. Die Schauspieler forderten die Zuschauer zu Spenden für den von Hò Chi Minh angeführten Vietcong auf, der schließlich Südvietnams Hauptstadt Saigon eroberte und in dem mit größten Verlusten geführten Krieg (ca. 5 Mio. Opfer auf vietnamesischer Seite, 58 000 US-Soldaten fielen) obsiegte. Die damalige Inszenierung, besonders die Spendenaktion, führte zu einem handfesten Theaterskandal in München. Die geplanten weiteren Aufführungen mussten abgesetzt werden.

In einem relativ kurzen Abschnitt werden die Geschichte des Stücks und die historischen Hintergründe dargestellt.

Münchner Kammerspiele / Kill the Audience - hier :  Eva Löbau, Zeynep Bozbay © Judith Buss

Münchner Kammerspiele / Kill the Audience – hier : Eva Löbau, Zeynep Bozbay © Judith Buss

Lebhafte Erinnerungen der Zeitzeugen werden aufgerührt. Bilder und Eindrücke von der Teilnahme an der Studentenrevolte der Jahre 1967 ff, den Schah-Besuch in Berlin, die Erschießung von Benno Ohnesorge, die Demonstrationen und den Theorienstreit, eben all die Erinnerungen an Vorgänge, die in bewegter Zeit die gesellschaftliche Diskussion bestimmte und die Staatsorgane auf das Äußerste herausforderten, werden wach. Gedankliche Nachforschungen in der „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno.

Dem libanesischen Regisseur Rabih Mroué geht es aber in Wahrheit nicht um ganz bestimmte theoretische oder gar ideologische  Inhalte. Sein Anliegen ist formaler Natur: die radikale Umkehrung der Rollen. Er macht die Zuschauer zu den eigentlichen Akteuren. Der passive Zuschauer, der sich zurücklehnt und die auf der Bühne mal machen lässt, ist ihm suspekt:

– Eine die Zuschauerschaft als gesellschaftliche und still rezipierende Reihe von Pappfiguren, die die Zuschauerschaft imitiert, wird mit Beilhieben brutal zerstört, gleichsam ausgerottet.

– Während der Verlesung einer Abhandlung über die vergangenen Ereignisse und die Geschichte der Aufführung wird filmisch eine Zuschauermenge auf die Bühne projiziert. Die Damen und Herren scheinen dem Vortrag zuzuhören, benehmen sich jedoch gelinde gesagt unernst, wenn nicht läppisch, stilisierte Figuren, die von Tuten und Blasen keine Ahnung haben. Auch sie verschwinden.

Die beiden Schauspielerinnen, die zuvor – sozusagen performatorisch agierend, nämlich die Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum aufhebend – bereits die Bühne verlassen hatten, um die Zuschauer per Handschlag zu begrüßen und nach ihrem Befinden zu befragen, und die die enorme Bedeutung der Zuschauer für das Theater, ja ihre schlechthin maßgebende, stilbildende Rolle, priesen, verlassen ebenfalls und nun endgültig die Bühne, verschwinden einfach und werden nicht mehr gesehen. Irgendwie allein gelassen sitzen die Zuschauer da.

Doch dann werden sie regelrecht aus dem Theaterschlaf gerüttelt. Auf der Bühne sind nun Sitzreihen aufgestellt, es ist ein echter Zuschauerraum eingerichtet. Es nehmen dort, nicht anders als im richtigen Zuschauerraum, Frauen und Männer Platz, die den „eigentlichen“ (Eintritt zahlenden) Zuschauern gegenübersitzen und diese erwartungsfroh anschauen.

So sind unversehens aus den von den professionellen Schauspielern verlassenen Zuschauern die Akteure, die eigentlichen Schauspieler geworden, denen passive Zuschauer gegenübersitzen. Als hätte das Blatt sich gewendet, als sei der „Spieß“ umgedreht worden.

Münchner Kammerspiele / Kill the Audience - hier : Marja Burchard, Maasl Maier © Judith Buss

Münchner Kammerspiele / Kill the Audience – hier : Marja Burchard, Maasl Maier © Judith Buss

Zunächst herrscht beiderseitiges Schweigen. Es ist klar, dass von den „Bühnenzuschauern“ nichts weiter als das Zuschauen zu erwarten ist, während die eigentlichen Zuschauer irgendetwas tun müssen, wenn sie nicht in einem eher peinlichen und stoischen Nichtstun verharren wollen, angestarrt wie Schauspieler, denen es die Sprache verschlagen hat.

Die Situation ist dem Stück 4´33“ von John Cage ähnlich. Es ist in drei Sätze gegliedert, wobei jeder Satz mit Tacet (er, sie schweigt) überschrieben ist. Der Pianist hebt die Hände über der Tastatur und lässt sie nach 4 Minuten und 33 Sekunden sinken, ohne einen einzigen Ton gespielt zu haben.

Regelmäßig entsteht dabei im Zuhörerraum zunächst Ratlosigkeit, danach Unruhe, Scharren, Räuspern, verlegenes Lachen u.s.w. Die eigentliche Komposition stellen diese provozierten Geräusche dar.

Mroués Inszenierung provoziert hingegen keine Geräusche, sondern eine zunehmend lebhafter werdende Diskussion: über die damalige Zeit, über das, was von ihr geblieben ist, über Widerstand und die Frage, ob es heute Zustände gibt, die dem Imperialismus der beschriebenen Zeit ähneln. Zeitzeugen äußern sich, aber auch junge und jüngere Leute, es werden unterschiedliche Auffassungen ausgetauscht.

Das geht etwa eine halbe Stunde so, wird immer engagierter und interessanter –, bis (fast) alles gesagt ist. Schließlich stehen diejenigen Personen, die die Zuschauer auf der Bühne spielen, auf und applaudieren –, zum Zeichen, dass die Vorstellung der Zuschauer, die – diskutierend – die Rolle der Schauspieler übernommen haben, zu Ende ist.

Ein verdammt raffinierter Trick. Die formale Umkehrung der Rollen, die die Zuschauer in eine ungewohnte Aktivität gleichsam hineinstößt und sie das Schwimmen lehrt, sie dazu zwingt zu spielen, wo sie doch gekommen sind, sich zurückzulehnen und das Geschehen schweigend zu verfolgen (vielleicht übermüdet auch nur über sich ergehen zu lassen).

Auf die inhaltliche Seite kommt es nicht an. Niemand, so der Regisseur, soll auf eine bestimmte Meinung festgelegt werden. Aber jeder soll eben spielen, dem Basiliskenblick der schweigenden Zuhörerschaft ausgesetzt ein Schauspieler sein, der seinen Text im Spielen spontan erfindet.

Eine gelungene, geradezu teuflische Idee, die in ihrer Radikalität ihresgleichen sucht. Man verlässt das Theater in dem Bewusstsein, etwas geleistet zu haben und zugleich ein wenig beschädigt zu sein. Wie ein Darsteller, der die Erwartungen der Zuschauer nicht ganz erfüllt hat, dem zu seiner Rolle die Realität fehlt oder diese ihm gar abhanden gekommen ist, weil er sich in einer reinen, nicht vom wirklichen Leben beschmutzten Ästhetik verliert. Ein wenig beschädigt auch, weil er, der Akteur, der Schauspieler, nicht vollständig ausgefüllt hat: weil ihm nicht alles zu ihr eingefallen ist oder weil das Wichtigste zu sagen vergessen hat.

Und auf jeden Fall verlässt man um eine völlig neue eine Theatererfahrung bereichert die Aufführung, bei der man auf die Bühne gesetzt wurde und agieren musste/durfte. Herausforderungen können mehr als nur aufregend sein.

Beim anschließenden Glas Wein geht die Diskussion weiter und immer weiter – in eine Zeit zurück, die als vergangene immer noch Gegenwart ist

KILL THE AUDIENCE an den Münchner Kammerspielen; die weiteren Vorstellungen 17.12.; 19.12.2019

—| IOCO Kritik Münchner Kammespiele |—

Münster, Westfälisches Landesmuseum, Bauhaus – Als die Bilder tanzen lernten, IOCO Kritik, 27.11.2018

November 28, 2018 by  
Filed under Hervorheben, ioco-art, Museen Münster

 Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene. © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster mit Lichtplastik von Otto Piene © Hanns Butterhof

Landesmuseum Münster

Westfälisches Landesmuseum feiert – 100 Jahre Bauhaus

– Als die Bilder tanzen lernten –

Von Hanns Butterhof

Bauhaus, das sind weiße kubische Häuser, funktionale Möbel und schickes Design. Dass das nicht alles ist, sondern dass Bauhaus ein interdisziplinäres Labor für Licht- und Bewegungs-Experimente war und auch in diesem Sinne heute noch weiter wirkt, lässt die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung im Westfälischen Landesmuseum Münster eindrucksvoll sinnfällig werden.

Die Ausstellung kommt etwas früh, entstand doch das Staatliche Bauhaus in Weimar erst am 12. April 1919 mit Walter Gropius (1883 – 1969) als erstem Direktor und Namensgeber der Schule. Unter politischem Druck zog es 1925 nach Dessau um, wo die NSDAP nach gewonnener Gemeindewahl 1932 seine Schließung durchsetzte. Im gleichen Jahr wurde das Bauhaus als private Einrichtung nach Berlin verlegt, aber schon 1933 endgültig zur Selbstauflösung gezwungen.

In sechs Räumen im zweiten Stock des Museums ermöglicht die Ausstellung nun mit 150 Objekten von 50 Künstlern einen umfassenden Blick auf die wechselseitigen Beziehungen der nach Amerika emigrierten Bauhäusler zu amerikanischen Künstlern. Der formale Schwerpunkt liegt auf den Licht- und Bewegungs-Experimenten. Die ergaben sich aus dem programmatischen Anspruch des Bauhauses, die herkömmlichen Gattungsgrenzen zwischen der bildenden, der angewandten und der darstellenden Kunst zu sprengen. Damit öffnete sich der Weg für Licht- und kinetische Kunst, für den Experimental-Film wie auch für Tanz und Performance mit unübersehbaren Wirkungen bis ins Heute.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus hier Marcel Dzama und Merry go round #2 © Hanns Butterhof

Ein Beleg für diese fortdauernde Wirkung empfängt die Besucher bereits beim Eintritt in die Ausstellung. Den ersten Raum beherrscht leise klappernd ein Karussell mit bunten Blechfiguren, das wie eine Kombination von Blechspielzeug und Weihnachtspyramide aus dem Erzgebirge anmutet. Dieses von Marcel Dzama 2018 geschaffene Werk Merry go round #2 (Foto) ist kein unmittelbares Bauhaus-Produkt, bezieht sich aber direkt auf Entwurfszeichnungen für Figuren von Oskar Schlemmer (1888 – 1943) zum Ballett Spielzeug von 1928 und von Wassily Kandinsky (1866 – 1944) für Szenen zu dem Klavierstück Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgski (1839 – 1881), die im gleichen Raum zu sehen sind. Als charakteristisch erweisen sich die geometrischen Formen und damit die Entindividualisierung sowie das Spiel mit den je nach Beleuchtung wechselnden Farben. Die Lust, statt Bilder anderes zu gestalten, ist unübersehbar.

Andor Weininger (1899 – 1986) trieb diese Gedanken weiter und entwarf eine mechanische Bühnenrevue, in der die menschlichen Akteure ganz durch mechanisch bewegte Farbflächen ersetzt wurden. Die theoretische Voraussetzung dafür war die Annahme, dass das Zusammenspiel von Bewegung, Licht, Farbe, Form und Ton auf die Zuschauer ohne jedes spezielle Vorwissen wirken würde – und um die ging es ja unmittelbar nach dem Zusammenbruch der feudalen, auch ästhetischen Vorherrschaft.

UNKNOWN TERRITORIES – Tanz-Theater am Theater Münster mit den Grundintentionen des Baushaus – IOCO-Bericht HIER!

Von daher ist es nur ein kleiner Schritt zu einer das klassische Ballett ablösenden Tanz-Kunst, die im zweiten Raum der Ausstellung mit Schwarzweiß-Fotografien und Videos dokumentiert wird. Auch hier ist die Tendenz deutlich, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken. Am Black Mountain College in North Carolina, an dem der 1933 nach Amerika emigrierte Bauhäusler Josef Albers (1888 – 1976) das Programm der künstlerischen Ausbildung verantwortete, setzte vor allem Xanti Schawinsky (1904 – 1979) die Bühnenarbeit des Bauhauses fort. Er inspirierte Merce Cunningham (1919 – 2009) und Robert Rauschenberg (1925 – 2008), die mit dem experimentellen Komponisten John Cage (1912 – 1992) dem Tanz wesentliche Impulse zur Entwicklung der Performance gaben; in ihr wird auf die Wiedergabe einer Erzählung verzichtet und stattdessen auf vorgefundene Materialien und Alltagsgegenstände in der Umwelt reagiert. Auf fünf Monitoren kreiseln nun abstrakte kubische Figuren, führen Taxis ein Ballett auf und kontrastieren Musik-Tanz-Collagen von Merce Cunningham und John Cage mit der ernsthaft konventionellen Präsentation durch den Fernseh-Ansager.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Robert Rauschenberg / Susan Weil: Blueprint © Hanns Butterhof

Auf verschiedene Weisen zeigt sich so die allgemeine Tendenz des Bauhauses, sich auf möglichst keine traditionellen Bildungs-Inhalte einzulassen und voraussetzungslose ästhetische Erfahrungen zu ermöglichen. Ideal erwies sich dazu das populäre Medium Film, in dem etwa Walter Ruttmann (1887 – 1941) und Viking Eggeling (1888 – 1976) abstrakte Linien und Formen in Bewegung setzten. Völlig mechanisch arbeitet das in einem eigenen Raum aufgestellte Prunkstück der Ausstellung, der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy (1895 – 1946). Die automatisierte Skulptur dreht sich, von einem Motor bewegt, um sich selbst und wirft bewegte Licht- und Schattenprojektionen ihrer Einzelteile an die Wand; Licht und Bewegung werden zum alleinigen, etwas merkwürdig selbstgenügsamen Inhalt.

Ähnlich, aber in der Verwendung von Motiven aus Bildern von Paul Klee (1879 -1940) populärer, sind Farbenlichtspiele von Ludwig Hirschfeld-Mack (1893 – 1965), für deren Projektionen auf die Leinwand eine erstaunlich detaillierte Reihe von Partituren zu sehen ist.

Die Beschäftigung mit der experimentellen Fotografie und dem absoluten, abstrakten Film, denen weitere Räume gewidmet sind, dürfte für die Produzenten interessanter als das Resultat für die Betrachter gewesen sein. So zeigt der Film von Oskar Fischinger (1900 – 1967) Komposition in Blau das Ballett ein- und mehrfarbiger Klötzchen, Platten und Kugeln zu einer erstaunlich unmodernen Operettenmusik.

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus - hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Westfälisches Museum Münster / Bauhaus – hier : Der Licht-Raum-Modulator von László Moholy-Nagy © President and Fellows of Harvard College

Ein Raum ist Josef Albers und seiner Wirkung auf die Op-Art gewidmet. Die ausgestellten Werke sind meist stark leuchtende, geometrische Figuren, die zu flimmern und sich kaleidoskopisch zu bewegen scheinen. Was sich hier noch meistens im Rahmen hält, entgrenzt sich im Folgeraum. Da modellieren Hannes Beckmann (1909 – 1977) oder Lillian Florsheim (1896 – 1988) feinstofflich mit Licht wie es Bildhauer handfester mit Ton tun. Die Bilder tanzen schließlich selbst aus dem Rahmen.

Die Ausstellung feiert das Bauhaus, und das ist für eine Jubiläumsausstellung nicht ungewöhnlich. Doch hätte der wissenschaftlich aufwendige, sorgfältig die Schwerpunkte beschreibende Katalog die Grundannahmen der Bauhaustheorie auch kritisch befragen können, statt sie nur billigend hinzunehmen. Welchen Gewinn hat die Entgrenzung der künstlerischen Gattungen erbracht und wie wäre er messbar? Welchen Beitrag hat das Bauhaus zu dem geleistet, was als Unwirtlichkeit unserer Städte beschrieben wird? Und wie steht es mit dem Anspruch, ein nicht ästhetisch vorgebildetes Publikum unmittelbar anzusprechen, angesichts der breiten Kluft zwischen einer Elite der Vor- und den Nicht-Vorgebildeten?

Dass das Bauhaus auch heute noch seine Fruchtbarkeit entfaltet, zeigt eine durch das Landesmuseum angeregte Tanzaufführung im Theater Münster. Dort hat Hans Henning Paar, der das TanzTheaterMünster leitet, in seinem Stück Unknown Territories vor allem der Maxime des Bauhauses Rechnung getragen, die herkömmlichen Gattungsgrenzen der Kunst zu sprengen. Der Sprache, dem Bühnenbild mit Videoeinspielungen und Sound räumt er nahezu gleichen Rang wie dem Tanz seines 12-köpfigen Ensembles ein. Paar bezieht sich zudem auf die Bauhaus-Tendenz, den Tanz zu entindividualisieren und die Wahrnehmung vom Tänzer weg auf die Bewegung in Licht und Raum zu lenken.

In kleinerem Rahmen führen die Choreographen Matthias Markstein und Isaak Spencer die eigens zur Ausstellung entworfene Tanzperformance MESH an acht Terminen im Foyer des Landesmuseums auf.

Der Katalog zur Ausstellung (deutsch oder englisch) ist im Kerber Verlag Bielefeld erschienen. Die Museumsausgabe kostet 27 €.

Die Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung endet am 10.3.2019 im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, 48143 Münster. Weitere Informationen unter www.bauhaus-amerika.de

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Mitteilung des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster, 28.11.2019:  Aufgrund der großen Nachfrage werden ab sofort mehr öffentliche Kunstgespräche in der Ausstellung Bauhaus und Amerika. Experimente in Licht und Bewegung (bis 10.3.2019) angeboten. Von Donnerstag bis Sonntag können Kunstinteressierte nun zwischen verschiedenen Angeboten wählen.

„Wir kommen den Wünschen der Besucherinnen und Besuchern sehr gern nach“, äußert sich Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold und betont: „Gemeinsam sieht man einfach mehr.“ Deshalb bietet das Museum samstags ab 16 Uhr und sonntags ab 11 Uhr auch kurze Spotlight-Rundgänge zur Bauhausbühne, zur Lichtkunst und zu den Fotoexperimenten an. Zudem gibt es regelmäßig einstündige Überblicke über das experimentelle Schaffen von den über 50 Künstlerinnen und Künstlern, zu denen Josef und Anni Albers, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Xanti Schawinsky und László Moholy-Nagy zählen. Die einstündigen Rundgänge finden donnerstags um 16.30 Uhr, freitags um 16.00 und um 17.00 Uhr sowie samstags und sonntags um 14.00 und um 15.15 Uhr statt. Die Teilnahme ist mit einer gültigen Eintrittskarte kostenfrei. Die Teilnahmetickets sind 30 Minuten vor Beginn der Veranstaltung an der Museumskasse erhältlich.

Kinder von sechs bis zehn Jahren können darüber hinaus beim Bildschönen Samstag einen kreativen Zugang zum Bauhaus entdecken. Neben dem Ausstellungsbesuch steht hier die eigene künstlerische Praxis im Atelier im Fokus. Hier geht es beispielsweise um die bewegte Bühne, das Schwarzlichttheater oder analoge Fotoverfahren. Die Inhalte wechseln wöchentlich. Eine Anmeldung im Besucherservice ist immer bis zum vorherigen Freitag um 12 Uhr möglich.

Alle Themen und Zeiten sind unter http://www.bauhaus-amerika.de aufgeführt. Für telefonische Fragen steht der Besucherservice unter Telefon 0251 5907-201 zur Verfügung.

—| IOCO Kritik Landesmuseum Münster |—

Dortmund, Theater Dortmund, MUSICIRCUS – BAROCK BIS BROADWAY, 06.10.2018

September 27, 2018 by  
Filed under Pressemeldung, Theater Dortmund

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 MUSICIRCUS von John Cage

BAROCK BIS BROADWAY  –  Willkommenskonzert

Heribert Germeshausen startet Intendanz an der Oper Dortmund

Am  Samstag, 6. Oktober 2018, wird ab 16 Uhr das Klangprojekt MUSICIRCUS von John Cage in der Dortmunder Innenstadt zu erleben sein. Unter der Leitung von Sigune von Osten werden über 850 Dortmunder aus verschiedenen Chören und Musikgruppen ein einmaliges Klangkunstwerk erzeugen. Mit MUSICIRCUS von John Cage stellt Opernintendant Heribert Germeshausen eindrucksvoll unter Beweis, dass die Musik des späten 20. und des 21. Jahrhunderts ein wichtiger Bestandteil seiner Intendanz sein wird. Um 19.30 Uhr folgt das Willkommenskonzert VON BAROCK BIS BROADWAY mit neuen Solistinnen und Solisten des Ensembles sowie prominenten Gästen im Dortmunder Opernhaus.

Oper Dortmund © Björn Hickmann

Oper Dortmund © Björn Hickmann

Heribert Germeshausen startet Intendanz an der Oper Dortmund

Mit einem dreiteiligen Fest startet Heribert Germeshausen vom 5. bis zum 7. Oktober 2018 seine Intendanz an der Oper Dortmund. Eingerahmt zwischen den Opernhighlights AIDA von Giuseppe Verdi und IL BARBIERE DI SIVIGLIA von Gioachino Rossini wird MUSICIRCUS nach John Cage am Samstag, 6. Oktober 2018, um 16 Uhr die Dortmunder Innenstadt in ein eindrucksvolles Gesamtkunstwerk verwandeln. Cage war der Auffassung: „Everything we do is music”. Die Oper Dortmund wird zusammen mit Musikern und Menschen, die einfach Freude an Musik haben, die Dortmunder Innenstadt in einen Zirkus der Klänge verwandeln. Beginnen wird der Zirkus mit einer großen Klangwolke auf dem Friedensplatz, die nach und nach – über den Stadtgarten und den Opernvorplatz – in Richtung des Opernfoyers ziehen wird. Denn Musik steckt hier überall, selbst in den Geräuschen der Müllabfuhr oder in Rollenkoffern. Vom Chorgesang über das unerwartete Alltagsgeräusch bis hin zum Alphorn kann an diesem Tag in der Innenstadt eine ganz besondere akustische Erfahrung erlebt werden.

Um die Vielfalt der Musik geht es auch beim anschließenden Willkommenskonzert des neuen Opernensembles VON BAROCK BIS BROADWAY im Opernhaus: Barockarie trifft auf den Broadway-Song, der Operetten-Schlager auf den Tango. Als Special-Guest kommt Mirko Roschkowski, der als international gefeierter Sänger in seine Heimatstadt zurückkehrt, um nun auch hier endlich auf der Opernbühne zu stehen! Darüber hinaus erwartet die Besucherinnen und Besucher auf dem Vorplatz und im Opernfoyer den ganzen Abend über ein vielseitiges kulinarisches Angebot. Abgeschlossen wird der Samstag mit einem Feuerwerk sowie mit Musik und Tanz.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

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