Hamburg, Staatsoper Hamburg, Norma – Vincenzo Bellini, IOCO Kritik, 10.03.2020

März 9, 2020 by  
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

  Norma – Vincenzo Bellini

–  Norma oder Dorma – Spannungsarme Musik in rätselhaften, symbolschwangeren Bildern – 

von Patrik Klein

Vincenzo Belline in Pere Lachaise © IOCO

Vincenzo Belline in Pere Lachaise © IOCO

Nach der konzertanten Serie im Jahre 2007 mit Edita Gruberova in der Titelpartie gab es nun nach über einhundert Jahren an der Staatsoper Hamburg wieder eine szenische Umsetzung von Vincenzo Bellinis Oper Norma in der Inszenierung der Südkoreanerin Yona Kim und damit die Einleitung zu den diesjährigen „Italienischen Wochen“ der Staatsoper, die mit prominenten Besetzungen Werke von Verdi, das Requiem, Otello (mit Jose Cura), Simon Boccanegra (mit Placido Domingo) und Falstaff sowie Puccinis Tosca zeigen werden.

Eine Umbesetzung beim Dirigat vernahm der aufmerksame Beobachter des Hamburger Opernhauses inmitten der Proben für die neue Produktion. Der musikalischer Leiter des Teatro Coccia in Novara, Matteo Beltrami, springt ein für den eigentlich vorgesehenen,  erfahrenen Maestro Paolo Carignani, der bereits vielfach italienisches Repertoire in Hamburg dirigierte. Der nennenswerte Umstand ist jedoch kaum wahrzunehmen in der öffentlichen Kommunikation des Hauses. Kein Hinweis auf Besetzungsänderung auch nicht gut zwei Wochen vor der Premiere. Dann, offiziell aus gesundheitlichen Gründen, verkündete die Oper den Wechsel in einer Pressemitteilung vom 21.2.2020. War da etwa mehr? Gab es etwa interne Auseinandersetzungen? Hat sich die schillernd emotionale, konfliktüberladene Stimmung in Bellinis Werk auch auf die Protagonisten übertragen?

Die mächtige Druidin im besetzten Gallien Norma soll ihr Volk mit einem Aufstand von den römischen Unterdrückern befreien. Es herrschen heftige Konflikte zwischen Mann und Frau,  um Land und Volk, um Liebe, Sex und Glauben. Doch Norma fleht  in der Dunkelheit des Waldes bei der Göttin des Mondes um Frieden. Denn sie liebt heimlich den römischen Prokonsul Pollione und hat von ihm sogar zwei Kinder, die sie versteckt. Der aber betrügt sie mit Adalgisa, einer Novizin im Tempeldienst, die sich Norma nichts ahnend anvertraut. Ein unauflöslicher Konflikt voller Wut und Verzweiflung beginnt zwischen Kopf und Herz. „Ich bin die Schuldige“, klagt Norma sich am Ende selbst an und landet auf dem Scheiterhaufen.

Staatsoper Hamburg / Norma - hier : Schlussszene mit Marina Rebeka, Marcelo Puente, Diana Haller © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Norma – hier : Schlussszene mit Marina Rebeka, Marcelo Puente, Diana Haller © Hans Joerg Michel

Das Werk fungiert als Seelengemälde der wilden, gallischen Seherin, die man alle Phasen der Leidenschaft durchdringen sieht. Mit der Priesterin Norma, die ihren Göttern dient und dennoch nicht keusch leben will, die als geistliche Autorität ihrem unterworfenen Volk Orientierung gibt und zugleich zu ihrer Liebe zu einem der Besatzer steht, selbst als dieser sie verlässt, zeichnet Bellini das aufwühlende Doppelleben einer bis ins Extrem liebesfähigen Frau.

Die hochgelobte und vom Magazin „Opernwelt“ als beste Regisseurin des Jahres 2017 auserkorene südkoreanische Regisseurin Yona Kim, die bereits 2018 in Hamburg Peter Ruzickas Oper Benjamin in Szene setzte, skizzierte Norma mit ihrem Team (Bühnenbild: Christian Schmidt, Kostüme: Falk Bauer und Licht: Reinhard Traub) in symbolschwangeren dunklen Bildern, die in oft rätselhafter und gähnend langweiliger Weise versuchen, Norma als Außenseiterin und als eine Frau, die unendlich einsam ist in dieser kriegerischen, von männlicher Moral und Dominanz geprägten Welt, von Beginn an in der Ausweglosigkeit zu zeigen. Besonders im zweiten Akt gelingt es ihr nicht, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten oder gar steigernd zu formen, sondern sie lässt den Zuschauer alleine in noch unverständlicheren Bildern ihrer eigenen Betrachtung.

Vincenzo Bellinis tragische Oper (Originalbezeichnung: „tragedia lirica“) Norma wurde im Jahre 1831 an der Mailänder Scala mit Giuditta Pasta in der Titelrolle uraufgeführt. Die Uraufführung war wenig erfolgreich. Das Libretto des zweiaktigen Werkes stammt von Felice Romani und beruht auf einem Drama von Louis Alexandre Soumet.

Die ursprünglichen „Belcanto-Interpretationen“ der Oper wurden in den Jahrzehnten nach der Uraufführung mehr und mehr geprägt von denen des „Verismo“. Hierbei erfolgte eine Aufgabe bis dahin klassischer Theaterregeln und eine Fokussierung auf realistische Handlungen im niederen sozialen Milieu mit einem gewaltsamen Höhepunkt.

„Die Oper muss mit geradezu fanatischer Hingabe gesungen und gespielt, dazu von einem perfekten Chor und Orchester mit künstlerischer Integrität vermittelt, von einem Dirigent großer Autorität angeführt werden. Und jedem einzelnen Takt muss der musikalische Tribut gezollt werden, der ihm zusteht„. (Lilli Lehmann (1848-1929), eine der bedeutendsten Normas aller Zeiten)

Staatsoper Hamburg / Norma - hier : Marina Rebeka, Marcelo Puente, Chor © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Norma – hier : Marina Rebeka, Marcelo Puente, Chor © Hans Joerg Michel

Eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen Belcanto-Intentionen der Titelpartie, und damit eine Renaissance des in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts seltener gespielten Werks insgesamt, erfolgte vor allem ab 1948 durch Maria Callas, deren Interpretationen in insgesamt 89 Auftritten die weitere Sicht auf das Werk prägten. Die Callas-Norma blieb bis heute nicht nur unerreicht, sondern auch ohne überzeugende Alternative. Weitere bedeutende Interpretinnen der Rolle waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Leyla Gencer, Elena Souliotis, Renata Scotto, Joan Sutherland, Anita Cerquetti oder Montserrat Caballé, in jüngster Zeit Sonya Yoncheva (2009) und Edita Gruberová (2007).

Die Regisseurin Yona Kim setzt bei ihrer Interpretation dramaturgisch auf die Psychologie der handelnden Charaktere und ihrer Wechselwirkungen zueinander. Krieg und Hass ist für sie keine Lösung. Die Geschichte wird nicht erzählt, sondern die Personen handeln aus sich selbst heraus. Die kriegerischen Gallier können ihren Hass auf die römischen Besatzer mit vehementer Ungeduld und langwierigen Ritualen kaum mehr zurückhalten. Die Seherin Norma darf in diesem fanatischen Umfeld ihrer Untergebenen nur rein von banalen irdischen Bedürfnissen sein und kann sich als angebetete Mächtige keine Schwächen erlauben. Das Volk braucht diese mächtigen Vorbilder, um den Kampf gegen die Besatzer fortführen zu können. Norma ist zudem als Mutter zweier Kinder und als Geliebte des Besatzers in einer verzweifelten Lage, fast irre geworden, spielt sie mit dem Feuer in ihrem Kopf. Aus dieser inneren Verzweiflung und Gefangenschaft in der Ausweglosigkeit kann sie nicht anders, als vor ihrem gefangen genommenen untreuen Pollione sich selbst durch Feuer sinnbildlich zu erlösen.

Auf der Bühne finden diese Umstände in düsteren und meist nur mit wenigen Versatzstücken wie Mistelschale, Benzinkanister, Tische und Stühle, in fast leeren Räumen statt. Zentrales Element ist ein nach vorne offener Container, in dem Norma lebt, sie begrenzt in ihren Zwängen und Sichtweisen und unter dem in einem Verließ die beiden verhaltensauffälligen Kinder vom Liebespaar Norma – Pollione hausen müssen. In einer Ecke ein Sandkasten und an den Wänden Sehnsuchtsmalereien des Nachwuchses. Der Stoffhase wird wie im Rausch mit dem Kopf auf die Tischkante geschlagen.

Staatsoper Hamburg / Norma -hier : Marina Rebeka und ihre beiden Kinder  © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Norma -hier : Marina Rebeka und ihre beiden Kinder  © Hans Joerg Michel

Die Spielfläche wird mit an Wald erinnernde dunkle Prospekte begrenzt und mit Gazevorhängen szenengerecht in der Größe und Anordnung verändert. Die handelnden Akteure bewegen sich oft zeitlupenhaft in gefreezten Bildern voller rätselhafter, für den Betrachter kaum erkennbaren Details. Einige Szenen geraten zu langweiligstem Rampentheater. Die gallischen Tempeldienerinnen tragen bei ihren Ritualen leere Papierblätter vor dem Mund, drehen dazu Messer vor ihren Körpern, die Chormitglieder hantieren wie irre an den Containerwänden und am Ende muss sich Clotilde mit kleinen Papierblättern beim Anblick der symbolhaften Puppenverbrennungen im Container die Augen und den Mund bekleben. Die immer zäher werdende Abfolge der Szenen machen die Inszenierung zu einer Durchhalteprüfung für die eigenen Nerven.

Musikalisch gelang in Hamburg nicht viel mehr als eine blutleere, langweilige und feuerarme Premiere. Norma ist der Inbegriff der hochromantischen Gesangsoper, in der sich Beherrschung des italienischen Belcanto und dramatische Interpretationskunst verbinden, wodurch sich das Werk als die italienische „Primadonnenoper“ par excellence durchsetzte. Deshalb braucht die Norma eine mächtige, unbedingt kontrollierte und dunkle Sopranstimme mit bester Koloratur, mit heroischer Farbe im durchgehenden Register ohne ordinären Brustton und mit eben jener Majestät, wie sie auch die übermenschlichen Heldinnen bei Rossini zeigen.  Maria Callas war „Die Norma. Marina Rebeka, die die Partie seit 2016 fest in ihrem Repertoire hat, singt die Norma in Hamburg. Die lettische Sopranistin mit internationalen Erfahrungen und Engagements an allen großen Opernhäusern weltweit, demonstriert Emotionen und Zerbrechlichkeit mit hauchzarten Zwischentönen, die sie fein in die melodischen Bögen einwebt. Als Mutter, aber auch Tochter, verlobte Frau und Freundin, kriegerische Anführerin und Hexe zeigt sie auch begünstigt durch das getragene Dirigat gesanglich extreme Vielseitigkeit.

In ihrer Auftritts-Cavatina „Casta diva“ erbittet sie mit „Verbreite du auf der Erde jenen Frieden, den du am Himmel herrschen lässt“ mit fein geführter Stimme einen Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Sie vermittelt aber auch besonders in den fordernden letzten Minuten der Oper die dramatischen Inhalte der Partitur mit ihren detaillierten gesangstechnischen Mitteln.

Staatsoper Hamburg / Norma - hier : Marina Rebeka als Norma © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Norma – hier : Marina Rebeka als Norma © Hans Joerg Michel

Der momentan sehr gefragte Tenor des treulosen Geliebten Normas, Pollione, der Argentinier Marcelo Puente, wirkte im Vergleich dazu grober und facettenärmer. Die Stimme klang wenig kontrolliert, baritonal gefärbt und mit einem etwas kehligen Timbre. Sie wurde vor allem stark vibratobehaftet, mit viel Kraft, wenig Bemühung um ein Legato und in den Spitzentönen häufig zu tief in der Tonhöhe geführt.

Die kroatische Mezzosopranistin Diana Haller, gesegnet mit einer äußerst apart hell timbrierten Stimme, zeigte als junge Nebenbuhlerin Adalgisa eine nahezu unwiderstehliche Stimmführung und wie berührend und echt Belcanto gesungen werden kann. Besonders in der Szene zum Ende des ersten Aktes, wo Pollione sie nach Rom zu locken sucht, wartet sie mit kernigem, wohltemperierten Mezzo auf, der zwischen federleicht und dramatisch variiert und mit feinstem, ergreifendem Crescendo komplettiert wird.

Liang Li, aus China stammender erfahrener und gerne in Hamburg gesehener Bass, gab den Oroveso mit dunkler und autoritärer Pracht. Gabriele Rossmanith, seit vielen Jahren festes und beliebtes Ensemblemitglied in Hamburg,  hatte viele schauspielerische Aufgaben neben ihrer Gesangsrolle zu erfüllen. Die Clotilde, Vertraute der Norma, sang sie mit gewohnt sicherer und klangvoller Sopranstimme. Dongwon Kang (Mitglied des internationalen Opernstudios in Hamburg, aus Südkorea) als Flavio komplettierte das Sängerensemble mit sicher geführter Tenorstimme.

Staatsoper Hamburg / Norma - hier : Gabriele Rossmanith, Liang Li  © Hans Joerg Michel

Staatsoper Hamburg / Norma – hier : Gabriele Rossmanith, Liang Li  © Hans Joerg Michel

Der Chor der Hamburgischen Staatsoper (Einstudierung Eberhart Friederich) konnte durch die szenische Bewegungsärme musikalisch punkten und mit hoher Präzision und Klangschönheit überzeugen.

Die Regie wollte das Feuer im Kopf der Norma zeigen. Wo blieb das Feuer in der Musik? Matteo Beltrami am Pult des Philharmonischen Staatsorchester Hamburg gelang lediglich in der Ouvertüre eine temporeiche und energiegeladene musikalische Ausrichtung des Premierenabends. Über weite Strecken wirkte seine Tempovorgabe zu gedehnt und im Kern blutleer, zu sehr auf Sicherheit bedacht, dadurch zwar sängerfreundlich, schließlich aber für den Opernbesucher langatmig und mit wenig Leidenschaft behaftet.

Das Publikum in der Generalprobe, die ich drei Tage zuvor besuchte, reagierte bereits mit einer gewissen Fassungslosigkeit auf das optisch und musikalisch Erlebte. Das Hamburger Premierenpublikum würdigte das Orchester, den Chor und die beteiligten Solisten mit freundlichem Applaus bevor dann das Regieteam die Bühne betrat und einen Sturm der Missfallenskundgebung ertragen musste. Nach insgesamt nur wenigen Minuten drängten die Parkettbesucher noch im Dunkeln aus ihren Reihen, den Zuschauersaal verlassend. Mehr Ablehnung für Yona Kims Regie-Konzept war kaum vorstellbar..

Norma an der Staatsoper Hamburg, weitere Vorstellungen: 11.3., 14.3.,  17.3., 20.3., 24.3.2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—

Oldenburg, Oldenburgisches Staatstheater, Premiere LA SONNAMBULA, 18.10.2019

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Oldenburgisches Staatstheater

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

LA SONNAMBULA

Melodramma in zwei Akten von Vincenzo Bellini
Libretto von Felice Romani nach einem Libretto von Eugène Scribe
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: Freitag, 18. Oktober, 19.30 Uhr, Großes Haus

Die nächste Vorstellung: Mi 23. Oktober

Besetzung: Musikalische Leitung: Vito Cristofaro; Licht: Sofie Thyssen; Einstudierung Chor: Thomas Bönisch; Dramaturgie: Christina Schmidl/ Annabelle Köhler

Mit: Martyna Cymerman/ Martha Eason, Melanie Lang, Sooyeon Lee; Ill-Hoon Choung, César Cortés, Alwin Kölblinger, Georgi Nikolov
Opernchor des Oldenburgischen Staatstheaters

Oldenburgisches Staatsorchester

Fast bringt ein pikanter Verdacht die Hochzeit der Waise Amina und ihres Verlobten Elvino zum Platzen, denn die junge Frau erwacht eines Tages unvermittelt im Gastzimmer des Grafen Rodolfo. Natürlich glaubt niemand ihren Unschuldsbeteuerungen, zumal die Wirtin Lisa, die selbst in Elvino verliebt ist, die sensationslüsterne Stimmung noch kräftig schürt. Als sich jedoch herausstellt, dass die Braut lediglich schlafwandelnd auf Abwege geriet, steht dem Happy End nichts mehr im Wege.
In ihrer symbiotischen Verschmelzung von Virtuosität und ergreifender Romantik wurde

‚La Sonnambula‘ als lyrisches Pendant zur nahezu gleichzeitig entstandenen Oper ‚Norma‘ zu einem besonderen Höhepunkt in Bellinis Opernschaffen. Wie Donizettis ‚Lucia di Lammer-moor‘, mit der sie häufig verglichen wurde, erlebte die Oper durch Primadonnen wie Maria Callas und Joan Sutherland im 20. Jahrhundert eine erneute Blüte. In der konzertanten Aufführung des Oldenburgischen Staatstheaters wird in der Rolle der Amina Sooyeon Lee zu erleben sein, die schon als Lucia von Publikum und Presse gleichermaßen gefeiert wurde.

Die Musikalische Leitung der Oper liegt in Händen von Vito Cristofaro, der nicht zuletzt durch seine Interpretation von Donizettis ‚Lucia di Lammermoor‘ und ‚La Fille du Régiment‘ feinstes Gespür für die Stilistik des hochvirtuosen Belcanto-Repertoires bewiesen hat.

—| Pressemeldung Oldenburgisches Staatstheater |—

Sydney, Opera House, La Bohème, Januar – März 2019

Januar 2, 2019 by  
Filed under Oper, Opera House Sydney, Premieren, Pressemeldung

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Sydney / Opera House © IOCO

Sydney / Opera House © IOCO

La Bohème

The original bohemian love story, set among the fishnets and fairy lights of 1930s Berlin.In the Joan Sutherland Theatre  In Italian with English and Simplified Chinese surtitles | Audio loop available & wheelchair accessible | No language barrier

The original bohemian love story, set amongst the fishnets and fairy lights of 1930s.

A poet, a painter, a musician and a philosopher walk into a bar to celebrate a sudden windfall in a lean winter. It’s Christmas Eve, and the poet has just felt the first pangs of great love. When a seamstress knocks on his door searching for candlelight, the pair fall in love faster than she can sing “Yes, they call me Mimì…”Between the ideals of love and art and the cruel realities of cold winters, bitter jealousies and empty pockets, two sets of lovers are trying to find their way.

By the time the curtain comes down, you’ll know the answer to an eternal question: is love enough?

See it if you like: devastating love stories, gorgeous costumes and impressive sets, the musical RENT, or Moulin Rouge.


Creative Team


Conductor : Benjamin Northey (Dec 31–Jan 12) / Nicholas Milton (Jan 17–Feb 8) / Dane Lam (from 16 Mar)
Director Gale Edwards
Revival Director Hugh Halliday
Set Designer Brian Thomson
Costume Designer Julie Lynch
Lighting Designer John Rayment
Assistant Director Liesel Badorrek


Artist Information


Mimì : 
Joyce El-Khoury
(Dec 31; Jan 3, 5, 8, 10, 12, 17, 19)
Maija Kovalevska
(Jan 2, 4, 9, 11, 21, 23, 31; Feb 2-8; Mar 16-28)
Rodolfo : 
Ivan Magrì
(Dec 31; Jan 3, 5, 8, 10, 12, 17, 19)
Diego Torre
(Jan 2, 4, 9, 11, 21, 23, 31; Feb 2-8; Mar 16-28)
Musetta : 
Anna Princeva
(Dec 31; Jan 3, 5, 8, 10, 12, 17, 19, 21, 23)
Julie Lea Goodwin
(Jan 2, 4, 9, 11, 31; Feb 2-8)
Lorina Gore
(from Mar 16)
Marcello : 
Samuel Dundas
(Dec 31; Jan 3, 5, 8, 10, 12, 17, 19, 21, 23)
Luke Gabbedy
(Jan 2, 4, 9, 11, 31; Feb 2-8; Mar 16-28)
Schaunard Shane Lowrencev
Colline : 
Taras Berezhansky
(2-12 Jan)
David Parkin
(17 Jan-28 March)
Benoît Graeme Macfarlane
Alcindoro Adrian Tamburini
Officer Clifford Plumpton
Sergeant Malcolm Ede
Parpignol :
Nara Lee (until Jan 12)
Benjamin Rasheed (from Jan 17)

Opera Australia Chorus
Opera Australia Children’s Chorus
Opera Australia Orchestra


Season runs from Wednesday 2 January to Thursday 28 March 2019


Wednesday 2 January 7:30pm
Thursday 3 January 7:30pm
Friday 4 January 7:30pm
Saturday 5 January 7:30pm

Tuesday 8 January 7:30pm
Wednesday 9 January 7:30pm
Thursday 10 January 7:30pm
Friday 11 January 7:30pm
Saturday 12 January 7:30pm

Thursday 17 January 7:30pm
Saturday 19 January 7:30pm

Monday 21 January 7:30pm
Wednesday 23 January 7:30pm

Thursday 31 January 7:30pm
Saturday 2 February 7.30pm

Tuesday 5 February 7:30pm
Friday 8 February 7:30pm

Saturday 16 March 1:00pm

Wednesday 20 March 7.30pm
Friday 22 March 7.30pm

Monday 25 March 7.30pm
Thursday 28 March 7.30pm

–| Pressemeldung Sydney Opera House |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, Maria Stuarda, konzertant – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 02.06.2018

Juni 1, 2018 by  
Filed under Deutsche Oper Berlin, Hervorheben, Konzert, Kritiken

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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

MARIA STUARDA, konzertant – Gaetano Donizetti

Diana Damrau – Königin des Belcanto und Starbesetzung

Von Patrik Klein

Diana Damrau ist mittlerweile unumstritten die „Königin des Belcanto“. Dies stellte sie vor ein paar Wochen an der Oper Zürich unter Beweis. In der Inszenierung von David Alden debutierte sie in der Rolle der „Maria Stuarda“ mit überaus großem Erfolg.

Ob als wahnsinnige Lucia in Lucia di Lammermoor, als dem Tod geweihte Violetta in La Traviata, als sterbende Antonia in Hoffmanns Erzählungen oder als aufopfernde Gilda in Rigoletto; etliche Operntode ist Diana Damrau bereits überzeugend und das Publikum in ihren Bann ziehend gestorben. Nun kam an der Deutschen Oper Berlin nach Sängerinnen wie Joan Sutherland, Montserrat Caballé und zuletzt  Joyce DiDonato der blutige und hochdramatische Hinrichtungstod der Maria Stuarda, ein Meisterwerk des Belcanto und ein Höhepunkt für jeden Donizetti- Liebhaber in die Palette der einzigartigen Diva hinzu.

Das Berliner Publikum lag ihr wie dem gesamten Ensemble zu Füßen.

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda - konzertant hier Schlussapplaus © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda – konzertant hier Schlussapplaus © Patrik Klein

 Maria Stuarda von Gaetano Donizetti  –  Entstehung

Das Teatro San Carlo in Neapel beauftragte Donizetti 1834, Giuseppe Bardaris Libretto angelehnt an Schillers Drama Maria Stuarda zu vertonen. Bei der Generalprobe tauchte ganz überraschend die Königin  Maria Christina von Neapel im Theater auf und wollte sich die Oper schon vor der Uraufführung ansehen. Während des letzten Aktes geschah das Verhängnis: Die Monarchin war von der Beichtszene so ergriffen, dass sie in Ohnmacht fiel. Hinzu kam, dass eine Königin, die am Ende hingerichtet wird, nach offizieller Lesart keine geeignete Opern-Heldin war. Als Folge verbot die Zensur die Aufführung des Werkes von nun an.

Donizetti hielt seine Musik für zu wertvoll, als sie einfach in der Versenkung verschwinden zu lassen. In Gemeinschaftsarbeit mit einem neapolitanischen Librettisten verfasste er einen neuen Text, den er seiner Musik unterlegte. Am 18. Oktober 1834 erlebte dann die neue Oper unter dem Titel  Buondelmonte eine völlig glanzlose Uraufführung.

Als die Mailänder Scala für die Premiere zum Jahreswechsel 1835/1836 nach einer geeigneten Oper Ausschau hielt, schlug die damals schon sehr berühmte Sängerin Maria Malibran Donizettis „verbotene“ Oper Maria Stuarda vor. Nach heftiger Diskussion wurde das Werk angenommen. Donizetti erhielt den Segen, seine lyrische Tragödie im Original herauszubringen. Aber wieder hatte es das Schicksal nicht gut mit der Oper gemeint. Beide Sängerinnen, die Maria und Elisabetta verkörpern sollten, waren indisponiert. Die Sängerinnen wollten jedoch so kurz vor dem Jahreswechsel nicht auf ihre Gage verzichten und bestanden darauf, dass das Werk über die Bühne ging. Der Erfolg war wiederum nur sehr mäßig. Daraufhin wollte Donizetti nie mehr etwas mit der Mailänder Scala zu tun haben.

Erst 123 Jahre später wurde Maria Stuarda wiederentdeckt. Die Aufführung nach einer solch langen Pause erfolgte 1958 in Donizettis Geburtsort Bergamo, und dieses Mal blieb ihr der verdiente Erfolg nicht versagt.

 

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda - konzertant hier Schlussapplaus mit vlnr Jana Kurocová, Francesco Ivan Ciampa, Diana Damrau, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Stuarda – konzertant hier Schlussapplaus mit vlnr Jana Kurocová, Francesco Ivan Ciampa, Diana Damrau, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

 Maria Stuarda – Die Handlung

Die Oper spielt im Palast zu Westminster sowie im Schloss und dem angrenzenden Park zu Fotheringhay 1587 während der letzten Lebenstage Maria Stuardas.

Erster Akt (Erster Teil): Galerie im Palast von Westminster

Ein französischer Diplomat überbringt der englischen Monarchin ein Schreiben seines Königs, in dem dieser um ihre Hand anhält. Gleichzeitig bittet er Elisabetta, Maria Stuarda wieder die Freiheit zu schenken. (Die Königin von Schottland wurde vor 18 Jahren von ihrem Volk vertrieben, weil sie ihren Gatten ermorden ließ. Sie suchte daraufhin bei ihrer englischen Cousine Schutz. Elisabetta selbst fürchtete jedoch um ihren Thron und ließ Maria gefangen nehmen.) Auch die beim Königshof versammelte Gesellschaft unterstützt den Wunsch des französischen Königs. Einzig und allein Cecil, der Baron von Burleigh, fordert den Tod Marias. Er war früher selbst einmal in die schöne Königin von Schottland verliebt. Als sie ihn aber abgewiesen hatte, wandelte sich seine Liebe in Hass.

Der Graf von Shrewsbury, Giorgio Talbot, überbringt Graf Leicester ein Schreiben der inhaftierten Königin, in dem sie darum bittet, er möge sich doch bei Elisabetta für sie einsetzen. Leicester genießt die hohe Gunst seiner Herrscherin. Weil sein Herz aber für die schöne Maria entbrannt ist, ist er allzu gerne geneigt, bei Elisabetta ein gutes Wort für die Schottin einzulegen. Nach langem Zureden erklärt sich Elisabetta bereit, sich mit Maria zu treffen.

Zweiter Akt (Zweiter Teil): Park des Schlosses zu Fotheringhay

Maria ist froh, nach langer Kerkerhaft endlich wieder einen Sonnentag an der frischen Luft genießen zu können. Als aus der Ferne Hörner ertönen, schlägt ihr Herz höher. Sie ist sich bewusst, dass Elisabetta mit ihrer Jagdgesellschaft auf dem Weg nach Fotheringhay ist. Plötzlich steht Graf Leicester vor ihr. Er ist der Jagdgesellschaft vorausgeeilt, um sich unter vier Augen mit ihr unterhalten zu können. Er fleht die von ihm so geschätzte Maria an, sich demütig vor Elisabetta niederzuwerfen. Dies sei der einzige Ausweg, um ihr Leben zu retten. In Sorge um Leicesters persönliches Geschick erklärt sie sich schließlich dazu bereit.

Beim Zusammentreffen der beiden Königinnen kommt alles anders, als von Maria erhofft. Die stolze Engländerin hat für ihre Verwandte nur Hohn und Spott übrig. Sie erinnert sie an ihre früheren Amouren und an ihren Mann, den sie verraten hatte und anschließend töten ließ. Maria hält die Schmach nicht lange aus und schleudert Elisabetta die Verachtung über ihre Herkunft ins Gesicht: Tief geschändet sei Englands Thron durch den Bastard, der sie sei. Wachen führen Maria ab.

Dritter Akt (Dritter Teil): Galerie im Palast von Westminster

Cecil drängt Elisabetta, endlich Marias Todesurteil zu unterschreiben. Zunächst zögert sie; doch als sie Leicester erblickt und ihr bewusst wird, welch hinterhältiges Spiel er mit ihr getrieben hat, setzt sie ihren Namen unter das Dokument. Cecil triumphiert und fordert seinen Widersacher Leicester auf, sich freiwillig gefangen nehmen zu lassen. Er gesteht ihm auch, selbst dafür gesorgt zu haben, dass Marias Brief ihm zugespielt worden sei. Er habe dies alles so geschickt eingefädelt, um ihn als Verschwörer gegen Elisabetta überführen zu können.

Vierter Teil: Gemach im Gefängnis von Maria Stuarda

Maria ist sich bewusst, dass sie bald dem Henker zugeführt wird. Talbot und Cecil überbringen ihr das Urteil. Sie lässt ihr Leben Revue passieren. Dabei denkt sie vor allem an ihren Ehemann, dessen Tod sie zu verantworten hat. Sie ist so mitgenommen, dass sie Wahnvorstellungen bekommt. Talbot, der unter seiner Kleidung ein Priestergewand trägt, kann sie wieder in die Realität zurückzuführen. Bei ihm legt sie ihre letzte Beichte ab. Als Akt letzter Gnade erlaubt Elisabetta Maria, dass ihre Dienerin Anna sie auf das Schafott begleiten darf. Maria verzeiht Elisabetta und betritt gefasst die Hinrichtungsstätte.

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda - hier Schlussapplaus mit Diana Damrau und Javier Camarena © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda – hier Schlussapplaus mit Diana Damrau und Javier Camarena © Patrik Klein

Die musikalische Interpretation an der Deutschen Oper Berlin

Konzertante Opern erfreuen sich größer werdender Beliebtheit, da sie oft innere Widerstände zu schlechten oder unverständlichen Inszenierung auflösen und allein die Komposition den Fokus des Besuchers prägt. Zudem genießt man auch die Superstars der Opernwelt persönlicher, emotionaler.

Orchestergraben und erste Reihe im Parkett sind in der Deutschen Oper Berlin überbaut, der Chor aufsteigend im Hintergrund der Bühne positioniert, davor das riesige Orchester; ein Meter über die gesamte Breite der Bühne sind Spielfläche der Solisten des Abends. Der Kontakt des Publikums zu den Protagonisten ist maximal; Emotionen und Konflikte erspürt, erlebt man hautnah. Es wird gezickt, gekniet, Machtlust und Rache ausgeübt, gefleht, geflucht und gehofft; die Musik Donizettis dringt tief ein in die gebannte Zuhörerschaft.

An der Deutschen Oper Berlin darf man die ganz besondere Zusammenkunft mehrerer Gesangskünstler und -innen größten Formats wahrnehmen. Die musikalischen Spitzen, die Koloratur-Dramatik lässt Jana Kurucová  (Ensemblemitglied an der Deutschen Oper Berlin) als Elisabetta regelrecht aufblitzen. Sie überzeugte mit herrischer Präsenz und Autorität einer britischen Monarchin. Wunderbar gestaltet sie die Partie mit feinster italienischer Diktion besonders in den schweren Koloraturpassagen. Ihr herrlich abgedunkelter Mezzosopran beherrscht die Tücken dieser Rolle vollkommen. Man kann ihre absolut sichere Intonation auch in den allerhöchsten Tönen mit großer emotionaler Betroffenheit vernehmen. Mit großartiger Dynamik in der Stimme unterstreicht sie die zahlreichen emotionalen Regungen der englischen Monarchin. Ob liebevoll, Giftspritzen verteilend, Machtgelüste genießend oder rasend vor Eifersucht; man nimmt ihr die Partie ab.  Ganz besonders überzeugt sie in der Cavatine im ersten Akt: Ah! quando all’ara sorgemi – Ah dal ciel discenda un raggio“ und in der „Trost-“ oder „Beleidigungs-Szene“ von Maria und Elisabetta im zweiten Akt: Morta al mondo, morta al trono“. Das war Weltklasse!

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda - hier :Schlussapplaus mit Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

Deutsche Oper Berlin / Maria Sturda – hier :Schlussapplaus mit Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin © Patrik Klein

(Schlussapplaus Jana Kurucová, Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin; Foto Patrik Klein)

Mit ihrer nach Zürich zweiten Maria Stuarda erhärtet Diana Damrau aufs Neue, dass sie wie z.B. Jonas Kaufmann zu den wenigen Deutschen gehört, die auch im nicht deutschen Fach Weltruhm erreichen können. Diana Damrau schließt hier nahtlos an die langjährige Ära der Edita Gruberova an und markiert buchstäblich eine gesangliche Zeitenwende. Es ist ein zeitgemäßes Singen auf allerhöchstem stimmlichen Niveau. Es ist ein Triumph. Diana Damrau besticht mit glasklarem wunderschönen Sopran, bei dem die Koloraturen gestochen scharf herausgearbeitet sind. Sowohl im Forte, als auch im Pianissimo ist ihre Stimmtechnik einzigartig, die Phrasierungen und das Legato gelingen ihr in hohem Maße. In ihrer einzigartigen Weise, ob leise flüsternd oder dramatisch aufbrausend, wirkt sie völlig frei jedweder Verstelltheit oder jedweden Manierismus. Es hat den Anschein, dass sie wie ein Michelangelo die Töne mit federleichtem Pinselstrich geschmeidig auf die Leinwand tupft. In ihrer Stimme erklingt eine innere Wucht und eine Entschiedenheit, wie man sie bisher bei ihr noch nicht kannte. Im Finale Anna! Qui più sommessi … Deh! Tu di un’umile preghiera il suono Anna!“ schließlich wandelt sie sich von einer von Qual durchdrungenen zu einer mit sich und der Welt ins Reine gekommen Frau. Sie singt mit schlafwandlerischer Sicherheit jeden Ton. Es klingt alles so leicht und ist doch so schwer. Das Pianissimo in der Höhe füllt das riesige Haus. Von inniger Liebe bis reiner Angriffslust. Vom „zartesten Ton“ bis zur „hochdramatischen Eruption“, man hört seelenverloren zu und spürt, dass kein einziger Moment der Unsicherheit folgen wird. Das ist es, was nicht bange werden lässt bei ihrem Weg vom hohen Koloratursopran zur tragischen Belcanto-Königin. Nach ihrem letzten Gebet: Ovationen. Man nimmt auch ihr die Rolle der unglücklichen schottischen Königin ganz einfach ab: Diana Damrau ist eine glaubhafte Maria Stuarda. Im nächsten Jahr wird sie in Hamlet von Ambroise Thomas an der Deutschen Oper Berlin zu hören sein.

Javier Camarena beeindruckte uneingeschränkt als Graf Leicester. Er gestaltete seine Partie mit großer Leidenschaft und doch viel Zärtlichkeit ohne Rückgriff auf extravagante Gesten. Seine Stimme klang einzigartig und so verführerisch,  dass man es ihm leicht abnahm, die Eifersucht der Königin von England zu wecken. Besonders in der Cavatine und dem anschließenden Duett mit Talbot im ersten Akt: Ah! rimiro il bel sembiante“, ließ er die Stärken seiner Stimme zum ungebremsten Jubel seiner Zuhörerschaft erklingen.

Bass-Bariton Nicolas Testé, der Ehemann und Bühnenpartner von Diana Damrau, gestaltete einen geerdeten, väterlichen Talbot in etwas zurückhaltender wenig Schwärze aufzeigender Manier. Der Bass Dong-Hwan Lee, der die Partie des Sir William Cecil gab, sang sehr schön und angemessen dramatisch zurückhaltend. Als überkorrekter und bürokratischer Lord fiel es ihm leicht, Elisabetta zu überzeugen, das Todesurteil für Maria Stuarda zu unterzeichnen. Die Mezzosopranistin Amira Elmadfa gestaltete die Partie der Anna Kennedy erdig und sehr sicher.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin nach ganz kleinen anfänglichen Orientierungsunsicherheiten wieder einmal mit großartiger Präzision, Formschönheit und Wohlklang, für die sich alleine schon die Reise in die Hauptstadt lohnt. Das Orchester der Deutschen Oper Berlin unter dem Gastdirigenten Francesco Ivan Ciampa bot rhythmisch und dynamisch flexiblen Donizettiklang, besonders im ersten Teil sehr wuchtig. Manchmal hätte hier ein wenig Zurücknahme die Sänger an der Rampe noch mehr zur Geltung gebracht.

Das Publikum unterbrach die Vorstellung häufig nach zahlreichen gelungenen Arien, Duetten und besonders eindringlich geratenen Passagen mit ungebremsten Jubelstürmen. Der Schlussapplaus war entsprechend gewaltig. Da Diana Damrau an diesem Tag ihren Geburtstag feierte, trat Javier Camarena als Dirigent hervor und forderte das Publikum zum Ständchen für die Jubilarin auf.

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin|—

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