Baden-Baden, Festspielhaus, Termine Mai bis Juli 2020

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

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Termine Mai bis Juli 2020


Samstag, 2. Mai 2020, 18 Uhr  /  Leonidas Kavakos    Violin-Rezital

Leonidas Kavakos spielt Beethoven, Schumann und Brahms. Der griechische Meistergeiger kultiviert den rauen Strich, wenn es der Sache dient. Etwa bei Schumanns Sonaten, diesen Tänzen auf dünnem Eis. Brahms’ Musik ist fast das Gegenteil davon. Sie gleicht einem stabil gebauten Haus, das einer zarten Seele Schutz bietet. Bei Beethoven ist sie schließlich da, die klassische Ausgeglichenheit zwischen Geige und Klavier, Melodie und Motiv. So bietet das Konzert von allem das Beste.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


Sonntag, 3. Mai 2020, 16 Uhr    Montag, 4. Mai 2020, 10 Uhr
Winnetou

Live-Hörspiel mit Musik und Geräuschen für Jugendliche ab zwölf Jahren

Winnetou und Old Shatterhand, bestehen ihr erstes großes Abenteuer. Mit einem richtigen Karl May-Soundtrack. Der wird live gespielt und birgt so manche Überraschung. Willkommen zu einem nicht ganz korrekten Karl-May-Abend, der doch ganz nah am Original bleibt und auch epische Schlachten bietet.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


Sonntag, 17. Mai 2020, 17 Uhr
Julia Fischer Quartett
Beethoven – Mozart – Brahms

Dass Julia Fischer zu den besten Geigerinnen der Welt zählt, ist längst bekannt. Ähnliches gilt auch für den Starbratschisten Nils Mönkemeyer. Gemeinsam mit den Musikern Alexander Sitkovetsky und Benjamin Nyffenegger bilden beide Künstler ein Streichquartett. Das Programm präsentiert eine Auswahl, die ganz auf die Klassiker setzt. Nach Beethovens „Großer Fuge“ folgt Mozarts berühmtes d-Moll-Quartett. Den Abschluss bildet Brahms, der sein zweites Quartett mit den Tönen f-a-e beginnen lässt: „Frei, aber einsam“.

Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


Pfingstfestspiele:
Donnerstag, 28. Mai bis Montag,1. Juni 2020


Donnerstag, 28. Mai 2020, 20 Uhr
Teodor Currentzis IV – SWR Symphonieorchester und musicAeterna Chor
Gabriel Fauré: Requiem

Festspielhaus Baden-Baden / Teodor Currentzis © SWR / Klaus Mellenthin

Festspielhaus Baden-Baden / Teodor Currentzis © SWR /
Klaus Mellenthin

Faurés „Requiem“ ist eine ungewöhnliche Totenmesse – und wird von uns deshalb auch ungewöhnlich aufgeführt. Der französische Spätromantiker Gabriel Fauré ignorierte die strenge Requiem-Tradition, ließ Texte weg und fügte neue hinzu. Seine Musik sollte die Menschen nicht schrecken, sondern trösten. Hier setzt nun Teodor Currentzis an, der musikalische Leiter dieser Pfingstfestspiele. Der Dirigent nimmt die metaphysische Dimension dieser Musik ernst. Er lässt das Requiem szenisch aufführen – in Zusammenarbeit mit dem britischen Künstler und Performer Mat Collishaw.

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Freitag, 29. Mai 2020, 20 Uhr
Eine Nacht im Museum
Sebastian Manz, Klarinette, und vision string quartet

Das erste Kammermusikkonzert dieser Pfingstfestspiele präsentiert Musik des russischen Komponisten Edison Denisov und der polnischen Komponistin Gra?yna Bacewicz. Zum Schluss erklingt Brahms´ berühmtes Klarinettenquintett. Als Spätwerk ist es äußerst verdichtet, gleichzeitig hat sich hier der alte Brahms seelisch geöffnet wie sonst nur selten. Diese Musik geht direkt ins Herz – und wird heute von Sebastian Manz, dem Soloklarinettisten des SWR Symphonieorchesters, und dem Berliner vision string quartet im Museum Frieder Burda gespielt.

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Samstag, 30. Mai 2020, 18 Uhr
Teodor Currentzis V – SWR Symphonieorchester
D. Schostakowitsch: „Leningrader“ Sinfonie

Seit Teodor Currentzis den Chefposten des SWR Symphonieorchesters übernahm, werden die ersten gemeinsamen Konzerte von der Kritik mit Lob überschüttet. Currentzis bevorzugt existenzielle Programme. Für die Pfingstfestspiele wählte er Schostakowitschs „Leningrader“ Sinfonie, die dem Widerstandsgeist der im Zweiten Weltkrieg eingeschlossenen Leningrader Bevölkerung ein Denkmal setzt.

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Samstag, 30. Mai 2020, 22 Uhr
Festspiel–Late-Lounge im Brenners Park-Hotel
Sebastian Manz und Musiker des SWR Symphonieorchesters

Sebastian Manz ist nicht nur Soloklarinettist des SWR Symphonieorchesters, sondern auch ein experimentierfreudiger Grenzgänger. Heute Abend lädt er mit Kolleginnen und Kollegen zu einem etwas anderen Konzert ins Brenners Park-Hotel ein. Die Künstler sind ganz nah an den Zuhörern und spielen eine Musik, die in keine Schublade passt. Oder wo würden Sie die „Dschungelbuch- Ouvertüre“ und ein Techno-Medley einordnen? Die Musiker brauchen keine Verstärker – und spielen doch mit der Musik, die auch in Clubs und Folk-Kneipen funktioniert. Achtung: Sehr begrenztes Platzangebot, Kaminhalle, Brenners Park-Hotel.

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Sonntag, 31. Mai 2020, 11 Uhr
Kit Armstrong und Musiker des SWR Symphonieorchesters
Festspiel-Matinee im Weinbrennersaal, Kurhaus

Die großen Konzerte dieser Pfingstfestspiele kreisen um ein Thema: das Requiem. Das gilt auch für dieses Kammermusikkonzert. Schostakowitschs achtes Streichquartett ist eine vorweggenommene Totenklage auf sich selbst, worauf auch die auskomponierten Initialen d-s-c-h hinweisen. Der Brendel-Schüler Kit Armstrong und die Musiker des SWR Symphonieorchesters haben dem Werk das große f-Moll-Quintett von Johannes Brahms gegenübergestellt. Veranstaltungsort: Weinbrennersaal, Kurhaus.

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Sonntag, 31. Mai 2020, 18 Uhr
Teodor Currentzis VI
G. Verdi: Messa da Requiem

Teodor Currentzis und sein Ensemble musicAeterna knüpfen an die Interpretation des Verdi-Requiems aus den vergangenen Jahren an. Wir sind gespannt, wie der Dirigent der Stunde das Meisterwerk angeht und lassen seine Lesart „pur“ auf uns wirken.

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Montag, 1. Juni 2020, 11 Uhr
Antoine Tamestit und Cédric Tiberghien
Festspiel-Matinee

Teodor Currentzis wollte ihn unbedingt bei seinen ersten Pfingstfestspielen dabeihaben. Und so gestaltet der französische Star-Bratschist Antoine Tamestit sein erstes Kammermusikkonzert im Festspielhaus. Tamestit und der Pianist Cédric Tiberghien haben die bedeutendsten Bratschenwerke überhaupt mitgebracht: Je eine Sonate von Brahms und Schostakowitsch, die beide zu dem melancholischen Spätwerk der Komponisten zählen. Dazu das ergreifende „Lachrymae“ von Benjamin Britten – und das wunderschöne Lied von John Dowland, auf das Brittens „Lachrymae“ zurückgeht.

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Samstag, 13. Juni 2020, 18 Uhr
New York Gypsy All-Stars
Die Stadt der 1000 Groves

In den politischen Umbrüchen der letzten Jahre ist das Leben in Osteuropa für die Mitglieder der Sinti und Roma nicht einfacher geworden. Also machten sich die Begabtesten auf die Reise mit dem Ziel, das alle Gypsy-Musiker anstreben: Amerika! Hier hat sich in den letzten Jahren eine lebendige Gypsy-Szene etabliert. Und so treffen bei den New York Gypsy All-Stars osteuropäische Roma-Traditionen auf Einflüsse aus der indischen und der lateinamerikanischen Musik und natürlich auch auf den Jazz. Die Herkunft der Bandmitglieder spiegelt sich in dieser Musik ebenso wider wie die kulturelle Vielfalt ihrer gemeinsamen Wahlheimat New York.

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Sonntag, 14. Juni 2020, 16 Uhr
Virtuosen an der Marimba: The Wave Quartet
Klang und Körper

Es ist die Mischung aus Musikalität und Körperbeherrschung, die Marimba- und Percussion-Konzerte für das Publikum so faszinierend machen. Eines der berühmtesten Ensembles ist das Wave Quartet – in seinem aktuellen Konzert erklingen Tangos sowie Ausschnitte aus der Oper „Carmen“.

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Samstag, 20. Juni 2020, 18 Uhr
Ich küsse Ihre Hand, Madame!
Tonfilmschlager mit Natalie und Matthias Karl

Natalie und Matthias Karl singen Schlager aus den frühen Tonfilm-Jahren. Viele Melodien wurden zu Ohrwürmern einer Generation, die ins Kino ging, weil die Realität nicht zum Lachen war. Nun hebt das Orchester wieder an zu Klassikern wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Ungeküsst sollst Du nicht schlafen gehen“.

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Sonntag, 21. Juni 2020, 11 Uhr
Beatrice Rana
Sonntags-Matinee mit Italiens führender Pianistin

In den Matineen stellen wir gern junge Künstler vor, denen wir eine große Zukunft zutrauen – oder aber solche, die im Ausland längst Karriere gemacht haben, in Deutschland jedoch noch zu wenig bekannt sind. Beatrice Rana ist so ein Fall. Trotz ihres jugendlichen Alters gilt sie längst als die führende Pianistin Italiens, nachdem sie bereits viele der großen Wettbewerbe gewonnen hat. Bei uns konfrontiert Rana die extrem virtuosen Petruschka-Sätze Strawinskys mit Bachs „Italienischem Konzert“. Im Zentrum ihres ersten Auftritts im Festspielhaus steht jedoch ein Meisterwerk der deutschen Romantik: Schumanns leidenschaftliche dritte Klaviersonate.

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Dienstag, 23. Juni 2020, 20 Uhr
Chilly Gonzales
Solo Piano III

Festspielhaus Baden-Baden / Chilly Gonzales © Alexandre Isard

Festspielhaus Baden-Baden /
Chilly Gonzales © Alexandre Isard

Chilly Gonzales studierte Jazz-Piano in Kanada, startete eine Karriere als Electro-Rapper in Berlin und hat sich mit der Solo Piano Trilogie in ganz andere Sphären gewagt. Seine Konzerte sind eine Mischung aus allen drei Welten und so genau weiß man vorher nie, was einen erwartet, da seine Auftritte keinem Muster folgen. Wir freuen uns auf einen Abend mit einem einzigartigen Entertainer, der mit einem mehr als 27 Stunden langen Dauerkonzert im Mai 2009 einen Weltrekord für das Guinness Buch der Rekorde aufstellte.

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Samstag, 27. Juni 2020, 10 bis 17 Uhr
Sonntag, 28. Juni 2020, 10-18 Uhr
Das große Kinder-Mitmach-Orchester
Zweitägiger Workshop für Instrumentalschüler ab zehn Jahren

Normalerweise heißt es: „Lerne dein Instrument ein paar Jahre, und dann geht es ins Orchester.“ Das verstehen wir nicht. Wer nicht früh die Magie des großen Klanges erlebt hat, weiß vielleicht gar nicht, wofür er ständig alleine übt… Also geht es heute ins große Orchester – auch mit wenigen Vorkenntnissen. Einfache Arrangements und eine wunderbare Betreuung durch ausgebildete Musiker und Studierende machen es möglich. Mitmachen können alle Instrumente – eine begrenzte Anzahl an Klavierplätzen steht ebenso zur Verfügung. Anmeldung unter Angabe von Instrument und Lernerfahrung in Monaten/Jahren

Weitere Informationen unter: info@festspielhaus.de.
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


3. Juli bis 26. Juli 2020
Sommerfestspiele


Freitag, 3. Juli 2020, 20 Uhr
Andris Nelsons – A. Bruckner: Sinfonie Nr. 8
Gewandhausorchester Leipzig

Festspielhaus Baden-Baden / Andris Nelsons © Gert Mothes

Festspielhaus Baden-Baden /
Andris Nelsons © Gert Mothes

Die Sommerfestspiele beginnen mit Bruckners achter Sinfonie, dargeboten vom Leipziger Gewandhausorchester. Die Sinfonie ist ein monumentales Werk, das sich zu Gott aufschwingen will. Der Dirigent Andris Nelsons bewahrt sich einen intuitiven Zugang zu dieser Musik. Und das zurecht, wie die hervorragend besprochenen Aufnahmen beweisen, die der Künstler mit Bruckners Musik bereits vorlegte.

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Samstag, 4. Juli 2020, 11 Uhr
Pablo Ferrández
Festspiel-Matinee im Florentinersaal, Casino

Rachmaninows berühmte Cellosonate hat der Komponist seinem Cello spielenden Psychiater gewidmet. Wir lassen das leidenschaftliche Opus zu den Sommerfestspielen von Pablo Ferrández aufführen, dem jungen spanischen Cellisten und ECHO-Rising Star, nominiert von Palau de la Musica und L’Auditori Barcelona. Zuvor erklingt Beethovens berühmte A-Dur-Sonate, sowie eine Neukomposition von Antón García-Abril.

Veranstaltungsort: Florentinersaal, Casino
Weitere Informationen und Tickets: www.festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierung: Tel. 07221 / 30 13 101


Samstag, 4. Juli 2020, 18 Uhr
Andris Nelsons – Bach: H-moll-Messe
Gewandhausorchester Leipzig

Dass ein Sinfonieorchester wie das Gewandhausorchester Leipzig während unserer Sommerfestspiele Bachs h-Moll-Messe spielt, ist ein Statement – besonders in Zeiten der Originalklang-Bewegung. Andererseits versuchen die Vertreter besagter Bewegung zu jenen Quellen zurückzufinden, von denen sich das Gewandhausorchester nie abspaltete. Die Leipziger sind DAS Bach-Orchester, nachdem ihre Vorgänger vom großen Johann Sebastian selbst mitgeformt wurden. In die Leipziger Tradition darf sich nun auch der Lette Andris Nelsons einreihen, der als Trompeter einen speziellen Zugang zur h-Moll-Messe haben dürfte, diesem Lobgesang, der von Sachsen aus seinen Weg in die ganze Welt gefunden hat.

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Sonntag, 5. Juli 2020, 17 Uhr
Baden-Baden-Gala 2020
Gewandhausorchester Leipzig

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko © ALIKHAN PHOTOGRAPHYALI

Festspielhaus Baden-Baden / Olga Peretyatko © ALIKHAN PHOTOGRAPHYALI

Wir müssen dem findigen Mitglied des Baden-Badener Kurkomitees noch heute dankbar sein: Es hatte die geniale Idee, dem aus Amerika heimkehrenden Stardirigenten Johann Strauß vom Ausbruch der Cholera in Wien zu berichten. Strauß war entsetzt und nahm eine zeitgleich ausgesprochene Einladung nach Baden-Baden an. Hier setzte seine Karriere zu neuen Höhenflügen an. Es ist daher auch eine Verbeugung vor unserer Stadt, wenn das Gewandhausorchester Leipzig und ihr Chefdirigent Andris Nelsons während der Sommerfestspiele an Johann Strauß in Baden-Baden erinnern.

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Donnerstag, 9. Juli 2020, 21 Uhr – 20 Uhr Führung durch die Ausstellung
Eine Nacht im Museum – Open-Air-Konzert beim Museum Frieder Burda
Percussion- Picknick mit Vanessa Porter

Es sind Sommerfestspiele in Baden-Baden. Und wenn das Wetter es zulässt, machen wir heute ein Percussion-Picknick mit Vanessa Porter. Die Künstlerin setzt sich kreativ in einer bislang männerdominierten Kunstform durch. Neben den klassischen Percussion-Instrumenten spielt Vanessa Porter auch auf Alltagsgegenständen. Daher unsere Bitte: Bringen Sie ruhig unterschiedliche Gefäße für Ihre Salate und Snacks mit! Vor dem Konzert: Führung durch das Museum. Anschließender Konzertbesuch unter freiem Himmel, es dürfen gerne Picknickdecken o. ä. mitgebracht werden. Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung drinnen statt.

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Freitag, 10. Juli 2020, 20 Uhr
Samstag, 11. Juli 2020, 18 Uhr
Sonntag, 12. Juli 2020, 17 Uhr
Nederlands Dans Theater – Jubliläumsprogramm
Die Revolution tanzt mit ihren Kindern

Festspielhaus Baden-Baden / Nederlands Dans Theater, Kunstkamer © Rahi Rezvani

Festspielhaus Baden-Baden / Nederlands Dans Theater, Kunstkamer
© Rahi Rezvani

Als vor 60 Jahren die „Jungen Wilden“ um Hans van Manen und Benjamin Harkarvy dem Nationalballett der Niederlande den Rücken kehrten, war das die Geburtsstunde des Nederlands Dans Theater. Nach einer zweiten prägenden Phase mit Ji?í Kylián sind es heute vor allem die Arbeiten von Paul Lightfood und Sol Léon, die das Ansehen der Compagnie prägen. Längst tanzt sich die vierte Generation in die Herzen der Fans hinein. So bleibt uns während dieser Sommerfestspiele nur zu wünschen: Happy Birthday, NDT!

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Samstag, 18. Juli 2020, 19 Uhr
João Barradas und Band
Barock und Jazz – Johann Sebastian trifft João

Das Album „Directions“ wurde vom amerikanischen Jazz-Kultmagazin „Downbeat“ zu einem der Alben des Jahres 2017 gekürt. Sein Schöpfer, der Akkordeonist João Barradas (ECHO-Rising Star), gilt mittlerweile als einer der besten Jazz-Akkordeonisten der Welt. Und da der Jazz und die Barockmusik mehr miteinander zu tun haben, als landläufig bekannt ist, wird heute während der Sommerfestspiele beides zusammengefügt. Was ist denn eine Passacaglia anderes als eine variantenreiche Spielerei über eine immer gleiche Basslinie? Hier wird der Jazzer hellhörig – und das Publikum erst recht.

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Donnerstag, 23. Juli 2020, 19 Uhr
G. Verdi: Attila – Konzertante Oper
Ildar Abdrazakov setzt Maßstäbe in der Titelrolle

Warum Valery Gergiev während der Sommerfestspiele Verdis „Attila“ aufführt? Mit Ildar Abdrazakov kann der Dirigent den bedeutendsten Attila-Darsteller der Gegenwart präsentieren. Vom Wunsch getragen, das nationale Empfinden seiner Landsleute zu befeuern, ließ Verdi dieser Oper einen musikalischen Höhepunkt auf den nächsten folgen. Heute ist das Werk ein wunderbares Betätigungsfeld für die vielen frischen Stimmen, die Gergiev in Russland entdeckt und fördert – und eine lohnende Entdeckung für den Festspielhaus-Zuhörer.

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Freitag, 24. Juli 2020, 20 Uhr
Valery Gergiev – Strauss: Ein Heldenleben
Mariinsky Orchester

Mit Strauss’ „Heldenleben“ haben wir eine Gattung vor uns, die in der Malerei ständig vorkommt: das Selbstportrait. Bei Strauss ist der „Held“ natürlich der Komponist selbst und auch Pauline, seine Frau, bekommt ihr kapriziöses Geigensolo. Nicht zuletzt kommen auch die bösen Herren Kritiker vor. Strauss’ „Heldenleben“ ist ein Psychogram. Sein eigentliches Thema ist: Der Kampf des Künstlers gegen die Selbstzweifel. Zu diesen bekannte sich der selbstbewusst auftretende Komponist nur in seiner Musik. Deren Magie scheint nur darauf zu warten, von dem virtuos aufspielenden Mariinsky-Orchester während der Sommerfestspiele in Baden-Baden entfesselt zu werden.

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Samstag, 25. Juli 2020, 18 Uhr
Valery Gergiev – Bruckner: Sinfonie Nr. 9
Mariinsky Orchester

Als religiöses Bekenntnis war die Musik Anton Bruckners in der Sowjetunion mit einem Tabu belegt. Und doch gab es eine bemerkenswerte Ausnahme: Der vielleicht bedeutendste sowjetische Dirigent überhaupt, Jewgeni Mrawinsky, setzte sich mit seinen Leningrader Philharmonikern für den österreichischen Komponisten ein – und ganz besonders für dessen neunte Sinfonie. Diese kleine historische Einordnung ist auch deshalb wichtig, weil Valery Gergiev den Dirigenten Mrawinsky als eines seiner beiden Vorbilder bezeichnet (der andere ist übrigens Furtwängler). Wenn Valery Gergiev mit seinem Mariinsky Orchester während der Sommerfestspiele selbst Bruckners Neunte dirigiert, dann stellt er sich bewusst in diese kleine Leningrader/St. Petersburger Bruckner-Tradition. Diese findet im Bruckners expressionistischer Gottsuche eine Brücke zu eigenen orthodoxen Erfahrungen.

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Sonntag, 26. Juli 2020, 17 Uhr
G. Verdi: Il trovatore
Verdis beliebter Opern-Hit in konzertanter Aufführung

Neben der „Zauberflöte“ und „Carmen“ ist Verdis „Troubadour“ die populärste Oper überhaupt. Ihr Siegeszug begann bereits nach der triumphalen Uraufführung. Dass dieser Erfolg in den letzten Jahren etwas abgenommen hat, liegt an den Regisseuren, die in dieser Oper schlicht und ergreifend nichts zu tun haben. Niemand geht wegen der kruden Handlung in den „Troubadour“, alle wollen die großartigen Arien, Ensembles und Chöre genießen. Verdis „Troubadour“ wird für alle Ewigkeit den Gesangsfans gehören – so auch während dieser Sommerfestspiele.

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—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Berlin, Philharmonie, Deutsches Symphonie Orchester und Ingo Metzmacher, IOCO Kritik, 16.02.2019

Philharmonie Berlin © H. Schindler

Philharmonie Berlin © H. Schindler

Deutsches Symphonie Orchester Berlin

DSO und Ingo Metzmacher  in der   Philharmonie Berlin

Olivier Messiaen – Dmitri Schostakowitsch

von Julian Führer

Ingo Metzmacher war von 2007 bis 2010 Chefdirigent des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin und ist nun für ein anspruchsvolles Programm an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. In der gut besetzten Berliner Philharmonie wurde das Publikum erst mit einem religiös inspirierten Werk konfrontiert, anschließend mit einem, wie es Felix Stephan in der Berliner Morgenpost beschrieb, „65-minütigen Schlag in die Magengrube“.

Olivier Messiaens Trois petites liturgies de la présence divine für Soloklavier, Ondes Martenot, Celesta, Vibraphon, Schlagwerk, 36 Soprane und Streichorchester wurden 1943/1944 komponiert und am 21. April 1945 in Paris uraufgeführt. Die bald nach Kriegsende folgende deutsche Erstaufführung stand unter der Leitung von Günter Wand. Die gesungenen Texte haben religiöse Themen zum Gegenstand und stammen vom Komponisten selbst. Nach eigener Aussage Messiaens war mit dem Text keine wörtliche Aussage intendiert, sondern er wollte vielmehr das Mysterium des (katholischen) Glaubens in Klangfarben gießen. Hierzu bediente er sich der damals gerade modischen Ondes Martenot, eines Instrumentes auf der Basis eines Schwebungssummers und mit einem Umfang von mehreren Oktaven. Nathalie Forget bediente dieses Instrument und zeigte, dass mit diesem Mittel einerseits eine Untermalung eines Klangbildes, andererseits aber auch solistische Momente möglich sind.

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie Orchester © Kai Bienert

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie Orchester © Kai Bienert

Die erste Liturgie, die Antienne de la Conversation intérieure, beginnt mit einem Einsatz der Gesangsstimmen „Mon Jésus, mon silence, restez en moi“. Die musikalischen Situationen werden entwickelt, gegen Ende erfolgt eine Art Reprise. In der Solovioline und im Klavier (Cédric Tiberghien) erklingen Vogelstimmen. Das zweite Stück, Séquence du Verbe, cantique divin folgt eher einer Strophenform mit Variationen. Im Zentrum stehen das Klavier und die jetzt selbständigeren Ondes Martenot (teilweise in erheblicher Lautstärke). Am längsten ist die Psalmodie de l’Ubiquité par amour, die wieder die ABA-Form aus der ersten Liturgie aufweist und in zunächst gesprochenen Textpassagen Anklänge an Hohelied und Apokalypse aufscheinen lässt. Das impressionistische Spiel mit den Klangfarben unterstreicht die französische Tradition, in der Messiaen steht. Die Instrumentierung und die affirmativ vorgetragene Spiritualität könnten bei einer mittelmäßigen Aufführung an musikalische Happenings auf Kirchentagen denken lassen, doch bewegte sich die Darbietung auf hohem Niveau. Der Chor (die Damen des Rundfunkchors Berlin) war etwas kleiner als von Messiaen gefordert, aber der anspruchsvollen Aufgabe voll gewachsen. Ein Werk, das wohl nur in weiten Räumen wie der Philharmonie voll zur Geltung kommt und das auf CD- oder anderen Aufnahmen kaum seine Vielfalt ahnen lässt.

Dmitri Schostakowitsch schrieb insgesamt 15 Symphonien. Die 13. Symphonie op. 113 entstand 1962, also fast zehn Jahre nach Stalins Tod, doch in einer Zeit der Blockkonfrontation. Diese zeithistorischen Bezüge werden bei Schostakowitsch immer wieder zur Interpretation herangezogen; in diesem Fall ist dies vielleicht noch mehr berechtigt als sonst. Dmitri Schostakowitsch vertonte in diesem Werk fünf Gedichte Jewgenij Jewtuschenkos. Dieser kürzlich (2017) verstorbene Dichter war jung zu erheblicher Popularität gelangt und wurde durch Übersetzungen bereits zu Anfang der sechziger Jahre auch in Ost- und Westdeutschland bekannt. Sein Gedicht Babi Jar wurde durch keinen Geringeren als Paul Celan übersetzt. Im September 1941 wurden die Juden der Stadt Kiew von der deutschen Besatzungsmacht aufgefordert, sich zu versammeln. Sie wurden dann in die Babi Jar genannte Schlucht geführt und dort erschossen, über 33 000 innerhalb von 36 Stunden. Zwanzig Jahre später befand sich dort weder ein Denkmal noch auch nur ein Hinweis; im Gegenteil, die Sowjetmacht hatte beschlossen, die Schlucht einzuebnen und an dieser Stelle ein Fußballstadion zu errichten. Schließlich wurde stattdessen ein Staudamm erbaut. Jewtuschenkos Gedicht beginnt mit den Zeilen Es steht kein Denkmal über Babi Jar. Die steile Schlucht mahnt selbst als Grabstein. In mir wächst Angst. Die erste Zeile ist eine direkte Kritik an der latent antisemitischen Haltung der Sowjetmacht, über das Massaker kein Wort zu verlieren. Dmitri Schostakowitsch las das 1961 publizierte Gedicht und meldete sich beim damals noch nicht dreißigjährigen Jewtuschenko mit der Frage, ob er das Gedicht vertonen dürfe. Jewtuschenko glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, bejahte dann aber, woraufhin Schostakowitsch etwas hastig hervorstieß, er sei mit der Vertonung eigentlich schon fertig. Die Uraufführung der Symphonie im Dezember 1962 wäre dann fast geplatzt, weil Jewgeni Mrawinsky aus Angst vor Konsequenzen die Leitung kurzfristig abgab. Der vorgesehene Bassist war zur Hauptprobe ebenfalls nicht mehr zu finden, so dass Kirill Kondraschin am Pult einsprang und mit Witali Gromadski als Solist die Symphonie aus der Taufe hob.

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie-Orchester - hier : Ingo Metzmacher © Kai Bienert

Philharmonie Berlin / Deutsches Symphonie-Orchester – hier : Ingo Metzmacher © Kai Bienert

Die Introduktion zum ersten Satz beginnt mit einem leisen Glockenschlag, gestopften Hörnern und einer trauermarschartigen Musik in tiefen Lagen. Nach etwa einer Minute setzt der Chor der Bässe unisono mit der oben zitierten ersten Zeile ein. Der Solist (an diesem Abend Mikhail Petrenko) setzt mit den Worten „Ich fühle mich, als wäre ich selbst ein Jude“ ein. Die Namen Dreyfus und Bialystok verweisen auf Antisemitismus und Pogrome in der Geschichte. Eine Passage versetzt die Zuhörer in die Perspektive der Anne Frank, die sich in ihrem Versteck nach Luft und Liebe sehnt (ein musikalischer Ruhepol mit Celesta). Ein dumpfer Rhythmus im Orchester führt zum Dialog zwischen Chor („Kommt jemand?“) und Solist („Hab keine Angst, nur der Wind, der Frühling naht. Komm her zu mir“). Sich fürchtende Mädchen sind mehrfach in Musik gesetzt worden. In Hänsel und Gretel fürchtet sich Gretel im Wald – doch wo bei Humperdinck in der Märchenoper das Sandmännchen den Kindern die Furcht nimmt, kommt bei Schostakowitsch die Einsatzgruppe der SS. Die menschlichen Stimmen schweigen, das Orchester brüllt in harter Rhythmik, und stärkstes Fortissimo mündet auf einmal in eine Generalpause, in die der Chor leise und resignativ mit den Worten einsetzt: „Über Babi Jar rauscht still das wilde Gras. Die Bäume blicken streng, wie Richter schauen. Das Schweigen hier ist Aufschrei ohne Maß. Mein Haar erbleicht vor namenlosem Grauen.“ Diese Aufteilung zwischen dem scharfen, stellenweise brutal agierenden und zu fast schmerzhaften Lautstärken kommenden Orchester und der menschlichen Stimme als Äußerung der Humanität wurde mustergültig vorgeführt. Während Ingo Metzmacher die volle Bandbreite der Dynamik ausnutzte, gestaltete Mikhail Petrenko die Gesangspartie sehr plastisch, mitfühlend, nie zu laut, aber stets energisch.

Deutsches Symphonie Orchester / Hier Mikhail Petrenko © Alexandra Bodrova

Deutsches Symphonie Orchester / Hier Mikhail Petrenko © Alexandra Bodrova

Der zweite Satz basiert auf dem Gedicht „Der Witz“. Der sarkastische Unterton, häufig charakteristisch für Schostakowitschs Musik, ist auch in Jewtuschenkos Text präsent: „Der Witz ist ein tapferer Mann“, alle Versuche, ihn zu bändigen oder zu unterdrücken, müssen scheitern, und somit ist der Witz mächtiger als „Zaren, Kaiser, Könige“ – die ausgesprochen humorlosen Generalsekretäre der KPdSU werden nicht genannt (das wäre nicht möglich gewesen), aber der Komponist und der Dichter äußern doch beißende Kritik an den Zuständen.

Im dritten Gedicht „Im Laden“ werden die Frauen thematisiert, die in der Sowjetunion einerseits im Berufsleben standen, andererseits sich um die Familie kümmerten und für die Einkäufe zuständig waren – im realen Sozialismus ein bekanntermaßen schwieriges und freudloses Unterfangen. Ähnlich wie in der Introduktion zur zehnten Symphonie erklingt eine recht lange Introduktion der tiefen Streicher, dann schließt die Solostimme ein, während vorwiegend Bratschen und Celli zu hören sind, die ohne erkennbare Tonart um einzelne Töne kreisen. Der Chor übernimmt eine Art Marsch (der nach wenigen Takten allerdings schon um eine Achtel verschoben wird und ‚eiert‘ – man assoziiert eine sich langsam vorwärtsbewegende Warteschlange. Diese Passage wird später wiederholt. Auffallend ist, dass Schostakowitsch in diesem Satz dem Klavier einen Part zugedacht hat (hauptsächlich Akkorde in diesem hinkenden Marsch): Der Einsatz des Klaviers in der Symphonik hatte in der Sowjetunion Stalins den Vorwurf des Formalismus nach sich gezogen, und Schostakowitsch hatte dem Klavier in der fünften Symphonie eine nachgeordnete Rolle zugedacht und es dann in den nächsten Symphonien nicht mehr verwendet. Dieser dritte Satz ist ein langes Adagio mit stellenweise stark gedehnten Passagen. Im Vergleich zum ersten Satz ist die Thematik vergleichsweise trivial, doch das Leben der Frauen in dieser Situation wird als unnötig freudlos geschildert.

Der vierte Satz „Ängste“ beginnt mit einem Solo der Kontrabasstuba (sich frohend schlängelnd wie im Vorspiel zum zweiten Akt des Siegfried), Schlagwerk und abermals tiefen Streichern. Eine von Schostakowitschs (und Jewtuschenkos) vielen Nebelkerzen ist die Einleitung des Chores (maestoso!), dass man heutzutage keine Angst mehr haben müsse, früher (gemeint ist vordergründig natürlich die Zeit vor der bolschewistischen Revolution) sei das anders gewesen. Die Solostimme führt dann diese Ängste aus: gestopftes Blech und Triller in verschiedenen Instrumentengruppen schildern bedrückend, was das Gedicht beschreibt. Jewtuschenko berichtet in seiner Autobiographie, wie ein anscheinend wohlwollender Spitzel bei einem Telefongespräch mit Schostakowitsch sich in der Telefonleitung einmal laut räusperte, als gefährliche Themen hätten zur Sprache kommen können. Mikhail Petrenkos Gestaltungskunst kann nicht genug gelobt werden; seine Phrasierungen machten die allgegenwärtige Angst unmittelbar erfahrbar.

Auch der letzte Satz mit dem Titel „Karriere“ ist beklemmend, auch wenn die musikalische Grundstimmung eine gänzlich andere ist. Zwei Flöten intonieren in Sechstelketten eine freundliche Melodie im Allegretto, die von den Streichern aufgenommen und weiterentwickelt wird. Die Gesangsstimme präsentiert eine Groteske über die Suche nach der Wahrheit und ihre Probleme, vorderhand am Beispiel Galileis und seines Widerrufs, dann verallgemeinernd über denjenigen, der die Wahrheit verschweigt: „Er hat Familie, ihr versteht…“ Die Melodie der Flöten erklingt nun in den Streichern im Pizzicato. Der Sänger hält das Ideal der Wahrheit hoch, kann es aber nicht erfüllen. „Ich kann Karriere mir erlauben, gerade weil ich nichts dafür getan.“ Der ganze Satz enthält keine Grellheiten, fast tändelnd kommen ein munteres Fagott und am Ende eine Celesta hinzu. Der letzte Satz vor einem längeren Intermezzo lautet: „Vergessen, wer sie diffamierte, doch die es traf, vergisst man nie.“ Es folgt ein längeres verdämmerndes Ausklingen, spielerisch in der Celesta, daneben immer leise werdende Streicher und ein Ende in großer, langanhaltender Stille – der letzte musikalische Impuls allerdings eine Glocke, womit der Bogen zur ersten Note des ersten Satzes geschlagen wird.

Der Moskauer Uraufführung folgte scharfe Kritik der Obrigkeit an Jewtuschenko und Schostakowitsch, Änderungen des Textes wurden verlangt, die Prawda vermeldete die Uraufführung mit nur drei Zeilen, und das Werk verschwand für Jahre von der Bildfläche. Erst seit 1991 gibt es in Babi Jar ein Mahnmal. Schostakowitsch soll zwei Tage im Jahr besonders begangen haben, einmal den Tag der Uraufführung seiner ersten Symphonie und einmal den Tag der Vollendung der 13. Symphonie. Dieses wichtige Werk wird zur Zeit etwas häufiger gespielt (in diesem Monat zum Beispiel noch in Hamburg und in Leipzig), es sollte einen Stammplatz im Repertoire erhalten. An diesem Abend wirkte die Symphonie trotz ihrer teils sehr konkreten zeithistorischen Bezüge wesentlich zeitloser als die überzeitlich angelegten Liturgies Olivier Messiaens. Für beide Werke war die hellhörige Philharmonie, in der man jedes Pianissimo (und jedes Husten) in größter Klarheit hört, perfekt. Dieser Saal meistert breite Klangmassen ebenso wie atemberaubend leise Stellen. Ein Abend, an dem Ort, Werkauswahl und Ausführende perfekt zusammenpassten.

—| IOCO Kritik Deutsches Symphonie Orchester Berlin |—

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