Ulm, Theater Ulm, Evita – Argentinische Leidenschaft auf der Wilhelmsburg, 07.07.2019

Mai 23, 2019 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

 Evita – Andrew Lloyd Webber

Argentinische Leidenschaft auf der Wilhelmsburg

Premiere  7. Juni 2019

Ein Hauch argentinischer Leidenschaft schwebt im Sommer über der Wilhelmsburg, wenn zum Musical-Open-Air geladen wird! Denn ab dem 7. Juni 2019 zeigen wir Ihnen »Evita« – das Erfolgsmusical von Andrew Lloyd Webber und Tim Rice über das Leben der Präsidentengattin Eva Perón, die zwischen 1945 und 1952 die Herzen ihrer Landsleute in Bann schlug.

Als eine der ikonischen Frauengestalten des 20. Jahrhunderts war María Eva Duarte de Perón ein Kristallisationspunkt von ebenso tiefer Liebe wie größtem Misstrauen, wie vielleicht Lady Di; sie war so stilsicher und tragisch wie Jackie Kennedy Onassis und so feengleich schön (und auch so blond) wie Grace Kelly.

Als Tim Rice Jahre nach dem großen Erfolg von Jesus Christ Superstar mit Andrew Lloyd Webber wieder auf der Suche nach einem neuen Stoff war, und der Vorschlag eines Freundes, Peter Pan als Musical zu bearbeiten, ins Leere lief, war sie plötzlich wieder da: die Faszination für die charismatische Frau auf der Briefmarke, die er als junger Philatelist bereits bewunderte. Rice begann seine Recherchen und lernte den argentinischen Filmregisseur Carlos Pasini Hansen kennen, dessen Film Queen of Hearts (1972) er mindestens 20 Mal ansah. Er reiste sogar nach Buenos Aires, um in den Stoff einzutauchen und – er nannte seine erste Tochter Evita.

Das ist besonders deshalb so bemerkenswert, weil das Musical Evita keineswegs eine Heiligsprechung der historischen Evita ist. Rice und Webber entschieden sich dazu, eine Erzählerfigur einzusetzen, die ab der ersten Szene Zweifel äußert und Risse in das makellose Bild der Präsidentengattin bringt. Der Erzähler heißt Che – was im südamerikanischen Spanisch soviel bedeutet wie: Typ, Bursche, Mensch oder auch Argentinier. Die meisten denken natürlich sofort an Ernesto »Che« Guevara, den Revolutionär. Die Entscheidung, ob es sich um irgendeinen Studenten handelt, der dem Peronismus gegenüber kritisch eingestellt ist oder den Che Guevara, den wir als linken Helden von Postern und T-Shirts kennen (und der in dem Alter, als Juan Perón an der Macht war, noch nicht politisch aktiv war) überlassen Rice und Webber den Regisseuren.

Wie der gebürtige Berliner Wolf Widder sich entscheidet, können Sie auf der Wilhelmburg erfahren. Wolf Widder, bezeichnet sich selbst als Wanderer zwischen den Welten: Seine Leidenschaft gilt den Opern des 20. und 21. Jahrhunderts genauso wie dem Musical. Er studierte Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft und arbeitete zunächst als Schauspieler und Regieassistent. Bald jedoch wechselte er ins Regiefach, sowohl fürs Schauspiel wie für das Musiktheater (u. a. in Kassel, Detmold, Wiesbaden, Bern, Dresden und Charleston, USA). Er war vielfach Oberspielleiter und zuletzt auch Operndirektor mit Intendantenvollmacht am Theater Pforzheim.

Unter seiner Regie werden Julia Steingaß und Maria Rosendorfsky alternierend die charismatische Evita verkörpern. Die Rolle des Erzählers Che übernehmen – ebenfalls abwechselnd – Thomas Christ und Philipp Hägeli. Als argentinischer Präsident Perón wird Martin Gäbler zu erleben sein. Marisa Hartelt verköpert Peróns Geliebte. Luke Sinclair übernimmt die Rolle des Augustín Magaldi. Erik Rousi wird in mehreren Rollen, u. a. als Evitas Bruder und als Admiral zu sehen sein. Ob Familienmitglieder, Liebhaber oder Offiziere – Evitas Strahlen zog stets viele Menschen an, die in Widders Inszenierung (Dramaturgie: Diane Ackermann/Nilufar K. Münzing) von Mitgliedern des Opernchores verkörpert werden.

Ausstatterin Petra Mollérus – auch verantwortlich für das Kostümbild – hat für Evita ein Bühnenbild entworfen, das einerseits die Architektur der Wilhelmsburg zur Geltung kommen lässt und andererseits aber auch eine Intimität zwischen Publikum und Darstellerinnen und Darstellern ermöglicht.

Unter der musikalischen Leitung von Hendrik Haas werden nicht nur die Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters der Stadt Ulm argentinische Leidenschaft verbreiten. In seiner Einstudierung werden der Opernchor des Theaters Ulm, der Extrachor, die Kinderchöre der Eduard-Mörike-Grundschule Blaustein und der Meinloh-Grundschule Söflingen, sowie der Projektchor Los Descamisados für musikalische Wucht auf der Burg sorgen.

Wo Argentinische Flaggen im Wind wehen, darf Tango natürlich nicht fehlen. Das Ensemble des Tanztheaters Ulm wird in eleganten wie leidenschaftlichen Choreografien von Gaëtan Chailly das eindrucksvolle Tableau, das die Wilhelmsburg in diesem Sommer voller argentinischer Lebenslust erstrahlen lassen wird, vervollständigen.

—| Pressemeldung Theater Ulm |—

Linz, Landestheater Linz, Musical LAZARUS – DAVID BOWIE, 27.09.2018

September 25, 2018 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

LAZARUS 
Musical  – DAVID BOWIE  und  ENDA WALSH

Nach dem Roman The Man Who Fell to Earth von Walter Tevis, Deutsche Dialoge von Peter Torberg, In deutscher Sprache mit englischen Gesangstexten

Premiere LAZARUS – 27. September 2018, 19.30 Uhr, Öffentliche Generalprobe Mittwoch, 26. September 2018, 19.30 Uhr,  weitere Vorstellungstermine: 29. September; 6., 10., 12., 14., 16., 17., 19., 20., 26. Oktober 2018

Landestheater Linz / Lazarus © Robert Josipovic

Landestheater Linz / Lazarus © Robert Josipovic

ZUM STÜCK:  David Bowie entwickelte mit dem irischen Dramatiker Enda Walsh das Musical Lazarus, das wenige Wochen vor Bowies Tod in New York mit Michael C. Hall (Dexter, Six Feet Under) uraufgeführt und ein Jahr danach auch höchst erfolgreich in London gezeigt wurde. Johannes von Matuschka (in Linz zuletzt Hedwig and the Angry Inch und Préludes) führt Regie bei dem schon jetzt kulthaft verehrten Stück, das zwar randvoll mit Bowie-Klassikern wie „Absolute Beginners“, „Heroes“ und „This Is Not America“ ist, aber nie wie ein zusammengeschustertes Jukebox-Musical wirkt.

Die Handlung schließt an Nicolas Roegs Film „Der Mann, der vom Himmel fiel“  von 1976 an, in dem David Bowie den Außerirdischen Thomas Jerome Newton spielt, der auf die Erde kommt, um Wasser für seinen ausgetrockneten Heimatplaneten zu beschaffen. Viele Jahre später sitzt Newton noch immer auf dem ihm so fremden Planeten fest und trinkt einen Gin nach dem anderen, um seine Depression zu betäuben. Erst als eine junge namenlose Frau – Das Mädchen –, ebenso am Dasein verzweifelnd wie er, in sein Leben tritt, regt sich in ihm wieder Hoffnung, in seine ferne Heimat zurückkehren zu können.

David Bowie und sein Ko-Autor, der irische Dramatiker Enda Walsh, erzählen keine geradlinige Geschichte, sondern erbauen um den schwermütigen, einsamen Besucher aus dem All eine Art Innenbetrachtung seines Geistes und seiner depressiven Traumwelt.

Wenn es um die künstlerische Visualisierung von Traumwelten geht, gibt es in Linz eine internationale Kapazität: das Ars Electronica Futurelab. Das Forschungs- und Entwicklungslabor konzentriert sich seit seiner Gründung 1996 auf Projekte, bei denen sich Kunst und Technik wechselseitig inspirieren. Lazarus-Regisseur Johannes von Matuschka und Bühnenbildner Christoph Rufer (Hedwig and the Angry Inch) merkten rasch, dass das Futurelab bei ihrer entstehenden Konzeption für Lazarus ein idealer Partner wäre. Futurelabs Senior Director Horst Hörtner musste nicht lange überzeugt werden – das Thema erschien ihm geradezu ideal für die künstlerischen Möglichkeiten, die das „Lab“ in den letzten Jahren entwickelt hat.

Lazarus soll mit neuartigen visuellen Effekten versehen werden, die aber nicht effekthascherisch sein, sondern die Erzählung der komplexen, abstrakten Gedanken- und Gefühlswelt der extraterrestrischen Hauptfigur veranschaulichen sollen. Damit führen wir ein wesentliches Element von David Bowies Karriere in eine neue Zeit: Im Rock-Lexikon von 1973 wurde ihm noch vorgeworfen, „seinen paranoiden Rock’n’Roll mit Reizbildern aus Horrorshows“ zu übersättigen und „sich mit pinkfarbenem Haar, surrealistischem Make-up und bizarrer Kostümierung“ wie der Bob Dylan eines Paralleluniversums zu gebärden. Die kritisch gemeinten Äußerungen beschreiben heutzutage gut den Kultcharakter, den die Kunstfigur Bowie heute genießt. Der Mann, der vom Himmel fiel, das war nicht nur seine berühmteste Filmrolle, sondern, auch nach seinem Tod, scheint Bowie immer noch der geheimnisvolle Fremde von einem anderen Stern zu sein, der – wie seine Figur Newton – mit nüchtern- nalytischem Blick aus kalten Alien-Augen das auf dieser Erde herumkriechende Menschenvolk betrachtet und sich doch nicht dessen Einfluss entziehen kann.

Musikalische Leitung Christopher Mundy, Nachdirigat Tom Bitterlich, Inszenierung Johannes von Matuschka, Choreografie Wei-Ken Liao, Bühne Christoph Rufer, Kostüme Tanja Liebermann, Mitarbeit Kostümbild Giuliana Savari, Mediadesign Ars Electronica Futurelab, Lichtdesign Johann Hofbauer, Produktionsleitung Kathrin Obernhumer, Dramaturgie Arne Beeker

Newton Riccardo Greco, Elly Ariana Schirasi-Fard, Das Mädchen, später Marley Hanna Kastner, Valentine Carsten Lepper, Michael Christian Fröhlich, Zach Christof Messner, Japanerin / Maemi Aoi Yoshida, Girl 1 Daniela Dett, Girl 2 Lynsey Thurgar, Girl 3 Aoi Yoshida, Ben Christof Messner

Keyboard 1 Christopher Mundy / Tom Bitterlich, Keyboard 2 Gerald Landschützer / Marco Palewicz, Posaune (Tenor / Bass) Hermann Mayr / Philipp Buttinger, E-Bass Wolfgang „Fanti“ Boukal / Gerald Kiesewetter, Saxophon (Tenor / Bariton) Jürgen Haider / Charly Schmid, Schlagzeug Ewald Zach / Erwin Drescher, Gitarre 1, Gitarre 2 Wolfgang „Bruno“ Bründlinger /, Johannes Pichler / Oliver Deak


BIOGRAFIEN


CHRISTOPHER MUNDY –  MUSIKALISCHE LEITUNG : Der Brite Christopher Mundy studierte Piano am Associated Board of the Royal Schools of Music und machte seinen Bachelor und Master in Musik an der Cambridge University. Seit über 15 Jahren arbeitet er als Pianist, musikalischer Leiter und Arrangeur vor allem in Großbritannien, u. a. in den Produktionen Little Shop of Horrors (Cambridge), Merrily We Roll Along (Cambridge), Whistle Down the Wind (Cameo Theatre Company), Assassins (Landor Theatre, The Union Theatre), Sweeney Todd (The Union Theatre), Company (The Union Theatre), Pirates of Penzanes (The Union Theatre, The Rose Theatre, Wilton’s Music Hall), Iolanthe (The Union Theatre, Wilton’s Music Hall), The Baker’s Wife (The Union Theatre), Oliver! (Cameron Mackintosh/Stage Entertainment Tournee), High Society (UK-Tournee), Grease (Ljubljana), Happy Days (UK-Tournee), Annie Get Your Gun (UK-Tournee), Oklahoma! (UK-Tournee), Chitty Chitty Bang Bang (UK-Tournee), Sunset Boulevard (UK-Tournee). Seit Anfang dieser Spielzeit ist Mundy Studienleiter Musical am Landestheater Linz. Außer bei Lazarus wird er in laufenden Spielzeit auch die musikalische Leitung bei der Uraufführung Der Hase mit den Bernsteinaugen und die Nachdirigate von Ein Amerikaner in Paris und Ragtime übernehmen.

JOHANNES VON MATUSCHKA – INSZENIERUNG : Johannes von Matuschka absolvierte nach seinem Juraexamen an der Humboldt-Universität in Berlin ein Regie- und Schauspielstudium am Wiener Max Reinhardt Seminar. Nach Assistenzjahren an den Münchner Kammerspielen, der Berliner Schaubühne und Festivals wie der Ruhrtriennale begann er ab 2008 mit eigenen Regiearbeiten im Sprechtheater im In- und Ausland. So entstanden Arbeiten in Chennai (Madras), Bordeaux (Frankreich), Linz (Österreich) und in deutschen Stadt- und Staatstheatern, unter anderen in Berlin, Nürnberg, Konstanz und Kiel. 2016 gab von Matuschka sein Debüt als Opernregisseur an der Staatsoper Hannover mit Zemlinskis Traumgörge. Es entstanden zunehmend Arbeiten im Musiktheater, wie Simon Boccanegra an der Staatsoper Saarbrücken oder die ungewöhnlichen Projekte Hedwig & the Angry Inch und Préludes für die Musicalsparte des Landestheaters Linz. In dieser Spielzeit wird er neben Lazarus auch Die Gezeichneten von Franz Schreker an der Staatsoper Hannover inszenieren.

Er lehrt als Dozent für szenischen Unterricht an der Universität der Künste, Berlin (UDK) in den Abteilungen Musiktheater und Musical. Am Landestheater Linz war er auch häufig als Gastregisseur im Schauspiel vertreten, zuletzt für die Stücke Verbrennungen und Ein Sommernachtstraum.

WEI-KEN LIAO –  CHOREOGRAFIE : Wei-Ken Liao erhielt seine Ausbildung in Gesang, Schauspiel und Tanz in Wien, London, Toronto, Los Angeles und New York. Neben seiner Tätigkeit als Musicaldarsteller ist er auch als Tanzdozent und Choreograf tätig – er choreografierte u.a. für Puls4 (Herz von Österreich), PartyLite Austria und Europe, für REWE Group Austria und weitere Galas. Er stand bis heute in zahlreichen Produktionen auf der Bühne; dazu zählten allen voran A Chorus Line (Paul San Marco, Stadttheater Klagenfurt), sowie Mackie Messer – Eine Salzburger Dreigroschenoper (Dance Captain, Salzburger Festspiele), Flashdance (Dance Captain, Theater St.Gallen), Aida (Mereb, Thuner Seespiele), Evita (Theater Erfurt), Bounce – The Killer Swing Musical (Choreografieassistent, Vindobona Wien), Join! (Dance Captain, Wiener Festwochen), Musical Rocks! (Swing, Tourneeproduktion) und Miss Saigon (Stadttheater Klagenfurt). Zudem war er Tänzer für Adam Lambert, Natasha Bedingfield und Dave Stewart. Auch für Film und Fernsehen stand Wei-Ken Liao bereits vor der Kamera; so tanzte er in der TV-Liebeskomödie Bollywood lässt Alpen glühen und im Kinofilm Im Weißen Rössl – Wehe du singst! Wei-Ken Liao ist seit der Saison 2016/2017 Resident Dance Captain (choreografischer Assistent) der Musicalsparte am Landestheater Linz, choreografierte die Musicals Préludes und Attentäter und ist hier des Öfteren auch als Darsteller auf der Bühne zu sehen.

CHRISTOPH RUFER –  BÜHNE : Christoph Rufer wurde in Bern geboren und lebt in Zürich und Berlin. Nach einer Ausbildung zum Buchhändler studierte er von 2002 bis 2006 Scenographical Design an der Zürcher Hochschule der Künste. Im Anschluss daran war Christoph Rufer von 2005 bis 2009 Ausstattungsassistent an der Berliner Schaubühne am Lehniner Platz und von 2009 bis 2011 in selber Funktion am Hamburger Thalia Theater. An beiden Häusern legte er bereits während dieser Zeit zahlreiche eigene Bühnen- und Kostümbilder vor, u. a. bei Die Räuber (Regie: Lars Eidinger, eingeladen zum Nachwuchsfestival Radikal Jung), Jelineks Jackie. Ein Prinzesinnendrama oder für Schorsch Kameruns Projekt Vor uns die Sintflut. Seit 2011 arbeitet er frei, u. a. am Thalia Theater, am Staatstheater Mainz, am Schauspielhaus Düsseldorf, am Theater Basel, am Staatstheater Stuttgart, am Theater Altenburg-Gera und am Schauspielhaus Wien. An den letzten beiden Häusern arbeitete er jeweils mit der Regisseurin und Autorin Anne Habermehl zusammen. Deren beide Uraufführungen (Narbengelände in Altenburg-Gera und Luft aus Stein in Wien), die Christoph Rufer ausstattete, wurden zu den Berliner Autorentheatertagen eingeladen. Weitere Arbeitspartner von Christoph Rufer sind Alia Luque (Uraufführung von Anne Leppers Text La chemise Lacoste am Schauspielhaus Düsseldorf, eingeladen zu Radikal Jung 2015) und Antje Schupp (Uraufführung von Wolfram Hölls Text Vom Verschwinden vom Vater).

Mit dem Regisseur Johannes von Matuschka verbindet Christoph Rufer bereits eine mehrjährige Arbeitspartnerschaft, die mit Das Interview am Theater Kiel ihren Anfang nahm und ebendort mit Fräulein Julie mit Premiere im Mai 2016 ihre Fortsetzung fand. Darüber hinaus arbeitet Christoph Rufer an eigenen Projekten in den Bereichen Design und Innenarchitektur.

Für Hedwig And The Angry Inch hat Christoph Rufer die Ausstattung für eine Erfolgsproduktion kreiert, die im Oktober in ihre vierte Spielzeit gehen wird.

TANJA LIEBERMANN KOSTÜME : Tanja Liebermann wurde in Süddeutschland geboren und lebt nun in Berlin. Nach ihrem Modedesignstudium war sie als Kostümassistentin, seit 2004 dann als freischaffende Kostümbildnerin, hauptsächlich in Deutschland, der Schweiz und Österreich, sowie zuletzt auch in Italien und Frankreich engagiert.

Sie arbeitet dabei spartenübergreifend nicht nur für Schauspiel und Oper, Musical und Tanz sondern auch für verschiedene Film & Kinoproduktionen. Ihre Arbeiten brachten sie u. a. an das Deutsche Theater Berlin, Berliner Ensemble, Volkstheater sowie Volksoper Wien, Düsseldorfer Schauspielhaus, an das Staatstheater am Gärtnerplatz München, das Opernhaus Zürich und an die Staatstheater Karlsruhe, Saarbrücken, Braunschweig, Wiesbaden sowie des Weiteren an die Theater- und Opernhäuser der Städte Freiburg, Lübeck, Erfurt, Bern, St. Gallen, Bozen und Montpellier.

Mit dem Regisseur Johannes von Matuschka arbeitete sie bereits für die Uraufführung Konstanz am Meer am Theater Konstanz und in der Spielzeit 2016/2017 bei Préludes am Landestheater Linz zusammen.

ARS ELECTRONICA FUTURELAB MEDIADESIGN : Das 1996 gegründete Futurelab ist die interdisziplinäre F&E-Abteilung der Ars Electronica und eine Speerspitze im Bereich Cyber-Art und Medieninszenierung. Das international renommierte Labor kann ein umfangreiches Portfolio an Projekten für hochkarätige Kunden und Partner aus Industrie und Kunst aufweisen. Das Team mit zirka 30 permanenten Mitgliedern skizziert Zukunftsvisionen in unterschiedlichsten Bereichen und entwickelt Konzepte und Prototypen mithilfe von experimentellen und unkonventionellen Zugängen. Das Futurelab produzierte zahlreiche vielbeachtete und einflussreiche Arbeiten, ein repräsentatives Beispiel aus jüngerer  Vergangenheit sind die Spaxels-Shows aus choreografierten Schwärmen LED-bestückter Quadrocopter, die riesige dreidimensionale Objekte in den Nachthimmel zeichnen und eine Art Feuerwerk der Zukunft demonstrieren.

Am Projekt Lazarus waren beteiligt (in alphabetischer Reihenfolge): Roland Aigner, Florian Berger, Marianne Eisl, Roland Haring, Horst Hörtner, Johannes Pöll, Erwin Reitböck. Der Künstlerische Geschäftsführer von Ars Electronica, Gerfried Stocker, vertritt bei diesem Pressegespräch das AEC Futurelab.

Riccardo Greco Newton : Geboren im Westerwald. Stipendiat an der Joop van den Ende Academy Hamburg. Sky in Mamma Mia! (Berlin), Nightmare Solo/Alfred in Tanz der Vampire (Oberhausen, Stuttgart), Lucheni in Elisabeth (Wien), Kenicki und Danny in Grease (Tournee), Simon und Petrus in Jesus Christ Superstar (Wien), Sonny Malone in Xanadu (Amstetten), Nick in Flashdance (Amstetten), Monty in Saturday Night Fever (Amstetten), Junger Alfred in Besuch der alten Dame (Wien), Berger in Hair (Bad Hersfelder Festspiele), ab Oktober 2018 Sam in Ghost (Stage Operettenhaus Hamburg). Seit 2014 im Musicalensemble Linz, u. a. Tommy in Tommy, Hedwig in Hedwig and the Angry Inch, Sam in Ghost, Edna in Hairspray.

Hanna Kastner Das Mädchen : Geboren in Linz. Musicalausbildung an den Performing Arts Studios Wien. Wendla in Frühlings Erwachen (Ronacher Wien), Minki in Krawutzi Kaputzi im Kabarett Simpl. Festengagement am Salzburger Landestheater, dort u. a. Liesl in Sound of Music, Klärchen im Weißen Rössl, Erzählerin in Joseph und im Solo Heute Abend: Lola Blau. Weitere Rollen: Marie Leo in Non(n)sens (Wien), Anne in La cage aux folles (Stockerau), Junge Claire in Der Besuch der alten Dame (Thun, Wien) und Wednesday in The Addams Family (Zürich, Wien). Seit 2017 im Musicalensemble Linz, u. a. Amber in Hairspray, Mrs. Lockwood in Betty Blue Eyes, Squeaky Fromme in Attentäter (Assassins)

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—

Koblenz, Theater Koblenz, Musical CHESS – Festung Ehrenbreitstein, IOCO Kritik, 23.08.2018

August 22, 2018 by  
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Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Festung Ehrenbreitstein / Mit einem Open-Air Konzert des Theater Koblenz © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Musical CHESS –  Benny Andresson / Björn Ulvaeus
Auf der Freilichtbühne Festung Ehrenbreitstein

Von Ingo Hamacher

Großartiger Start in die neue Saison; tosender Applaus und Ovationen vor ausverkauften Reihen. Mit dem Musical CHESS auf der Freilichtbühne Ehrenbreitstein gelingt dem Theater KOBLENZ bei großartigem Wetter ein unterhaltsamer Abend ohne Längen, so daß die Besucher eine wunderschöne und musikalisch reizvolle Aufführung in sommerlicher Abendatmosphäre genießen konnten.

Am 18. August 2018 feierte das Theater KOBLENZ die Eröffnung der kommenden Spielzeit mit einer Neuinterpretation des Musicals CHESS auf der Freilichtbühne der Festung Ehrenbreitstein.

Die Festung Ehrenbreitstein ist eine seit dem 16. Jahrhundert bestehende Befestigungsanlage gegenüber der Moselmündung in Koblenz. Das Festungsgelände, das für die Bundesgartenschau 2011 neu gestaltet und erschlossen wurde, kann rechtsrheinisch über einen Schrägaufzug, linksrheinisch durch die Seilbahn Koblenz erreicht werden (Der Preis für die Seilbahnfahrt ist im Eintrittspreis für das Musical bereits enthalten), so dass der Zugang leicht möglich und für sich genommen schon Teil des erlebnisreichen Abends ist.

Dabei lassen die kolossalen Gefängnismauern der Garnisonsanlage die Freilichtbühne erst einmal winzig erscheinen. Zu groß und zu mächtig die Bauten, als dass man auf den ersten Blick einen realistischen Größeneindruck der Freilichtbühne erhält, die mit über 800 Sitzplätzen erheblich größer als das Theater Koblenz ist, das nur 500 Plätze aufweist.

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Solisten und Ensemble © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Bühne, mit pinken Linien an Boden und Rückwand ein Schachfeld andeutend, ohne sich jedoch einem stereotypen Schwarz/Weiß zu unterwerfen, bleibt den ganzen Abend über – von ein paar Requisiten abgesehen – als Spielfläche frei, wodurch die Inszenierung eine angenehme Ruhe und wohltuende Gleichmäßigkeit gewinnt. Abwechslung und Spannung entsteht durch eine fast die ganze Bühne überspannende Projektionsfläche, auf der durchgehend Bilder, Filme, Einspielungen, Animationen oder die Livebilder eines immer wieder auf der Bühne präsenten Kameramanns übertragen werden, so daß auch intime Bühnenaugenblicke in den Duetten noch in den letzten Sitzreihe gut mitverfolgt werden können. (Video: Georg Lendorff)

Musical CHESS: Hommage an die legendäre Schachweltmeisterschaft 1972
Boris Spassky – Bobby Fischer

In den 80er Jahren waren der Hit »One Night In Bangkok«, »Nobody’s Side« und das oft gecoverte Duett »I Know Him So Well« große Charterfolge, noch bevor das Musical CHESS auf die Bühne kam. Die Musik wurde von den männlichen Mitgliedern des ABBA-Teams Benny Andresson und Björn Ulvaeus geschrieben, die damit 1984 ihr erstes Musical am Londoner West End auf die Bühne brachten, wo es für mehrere Jahre gespielt wurde. Die Texte schrieb Björn Ulvaeus zusammen mit dem Briten Tim Rice (Der König der Löwen, Evita).

Zweieinhalb Monate nach der Uraufführung in London fand dort eine Hälfte der Schachweltmeisterschaft 1986 statt, wodurch auch das Musical erhöhte mediale Aufmerksamkeit erhielt.So erfolgreich die Songs von CHESS auch waren und es immer noch sind, so undurchsichtig und kompliziert ist die Handlung des Musicals. Das Ränkeschmieden zwischen Russen und Amerikanern im „Kalten Krieg“, das im Musical CHESS am Beispiel zweier um dieselbe Frau rivalisierender Schach-Weltmeister ausgetragen wird, ließ zwischen politischen Intrigen und psychologischen Verwirrspielen zu viele Fragen offen. Die Story des Musicals CHESS wurde daher mehrfach überarbeitet und in jeder Neuinszenierung fand sich ein anderes Finale. So erzählt die ursprüngliche Londoner Fassung von zwei Schachturnieren, während die Broadway-Fassung nur von einem Turnier handelt.

Die Inszenierung von Markus Dietze (es ist seine 9. Musicalproduktion für das Theater Koblenz), Dramaturgie Nathalie Thomann, greift auf die Londoner Fassung mit den zwei Schachturnieren in Meran und Bangkok zurück. Die erheblichen Kürzungen des Ursprungslibrettos führen zu einer deutlichen Verschlankung der Handlung und Entwirrung mancher kaum zu überschauenden Intrigen, so dass das stimmige Ergebnis die Geschichte nachvollziehbar erlebbar macht.

Das Theater Koblenz spielt das Musical in der 2014 aktualisierten deutschen Übersetzung von Kevin Schröder. Fraglos eine richtige Entscheidung, da diese neue Übersetzung außergewöhnlich gut gelungen ist. Und durch die deutschsprachigen Texte kann auf eine Übertitelung verzichtet werden, so dass die Konzentration stärker auf das musikalische Geschehen gerichtet werden kann. Kleine Qualitätsabstriche sind dabei natürlich nicht zu vermeiden, wenn an wenigen Stellen der deutsche Text etwas holprig auf der englischsprachig gedachten Melodie-Linie liegt. Da die Hits des Musicals vielen Besuchern noch im englischsprachigen Original oder entsprechenden Coverversionen im Ohr sind, irritieren die deutschen Texte an diesen Stellen vereinzelt, ohne jedoch den großartigen Erlebnisfluss zu stören.

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein, hier Mario Mariano, Markus Schneide, Charlotte Irene Thompson © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Die Inszenierung, Bühne & Kostüme (Christian Binz; Mitarbeit Kostüme Judith Leonard) und die Choreografie von Katrin Wolfram verzichtet auf jede Aktualisierung des Stoffes, und zeigt uns die Welt der Entstehungszeit des Musicals: die 80er Jahre. Schulterpolster und Dauerwellenfrisuren bevölkern die Bühne; Farbkombinationen und Textilmuster sind erlebbar, die man heute kaum für möglich halten würde. Aber das durchweg reifere Publikum schwelgte sichtbar vergnügt in Erinnerungen. Das hatte man mitgemacht, so hatte man auch mal ausgesehen…

Die Handlung: Schachweltmeisterschaft in Meran: Der arrogante amerikanische Titelverteidiger Frederick Trumper (Marcel Hoffmann) wird vom russischen Schachgenie Anatoly Sergievsky (Markus Schneider) herausgefordert – zu Zeiten des „Kalten Krieges“ eine hochpolitische Angelegenheit.

So wird von beiden Seiten aus dem Hintergrund versucht, mit unlauteren Mitteln Einfluss auf dieses bedeutende Duell zu nehmen: Pressekonferenzen, geheime Treffen, illegale Absprachen finden statt. Eine besondere Rolle spielt hierbei die schöne Ungarin Florence Vassy (Monika Maria Staszak), Fredericks Assistentin und Geliebte, die sich allerdings in dessen Kontrahenten verliebt. Anatoly gewinnt das Turnier und beschließt, nicht mehr nach Russland zurückzukehren.

Ein Jahr später muss er sich als Champion im thailändischen Bangkok einem jungen russischen Herausforderer stellen. Doch das eigentliche Spiel findet abermals jenseits des Schachbretts statt.

Die russische Seite bietet Anatoly einen Deal an: Wenn er freiwillig die Meisterschaft verliert, wird der Vater seiner Geliebten und zahlreiche weitere Gefangene aus russischer Haft entlassen. Um den Druck zu erhöhen, wird zusätzlich seine russische Ehefrau und Mutter zweier gemeinsamer Kinder eingeflogen und ein Treffen zwischen beiden arrangiert. Und dann ist es ausgerechnet sein ehemaliger Konkurrent Frederick Trumper, der das Schachspiel aufgegeben hat, und inzwischen als Journalist über die Weltmeisterschaft in Bangkok berichtet, der ihm den wichtigen Rat erteilt: „Beuge dich niemals dem Mittelmaß! Kämpfe!“

Anatoly gewinnt das Match; entschließt sich jedoch anschließend, wieder nach Russland und zu seiner Familie zurück zu gehen. Dies auch in der Hoffnung, auf diesem Wege die in Aussicht gestellten Haftentlassungen durchsetzen zu können…

Theater Koblenz / Musical CHESS - auf der Festung Ehrenbreitstein - hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS – auf der Festung Ehrenbreitstein – hier : Adrian Becker © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Marcel Hoffmann in der Rolle des draufgängerischen Frederick Trumper, der auch im Theater in der Altmark (Stendal) zu erleben ist, tritt bereits in seiner 11. Musical-Produktion für das Theater Koblenz auf: 2016 JESUS CHRIST SUPERSTAR (Jesus), 2015/15 MY FAIR LADY (Freddy Einsford-Hill), 2015 CATS (Skimbleshanks), 2014/15 MOULIN ROUGE STORY (Henri de Fontillac), 2014 DIE COMEDIAN HARMONISTS (Ari), 2014 HAIR (Claude Bukowsky), 2013 DIE DREIGROSCHENOPER (Macheath), 2012/13 EVITA (Che), 2011/12 Claude Bukowsky CABARET (Clifford Bradshaw), 2009/11 SWEENEY TODD (Tobias Ragg). Hoffmanns Nachteil in diesem Stück besteht darin, dass die Rolle des amerikanischen Ekelpakets Trumper bis auf die im zweiten Akt vorkommende Kindheitserzählung keinen Raum für lyrischen Gesang bietet. In seinen geschmetterten Gesangspassagen entscheidet er sich oft für Kraft und Dramatik, anstatt durchgängig auf eine saubere Melodie-Linie zu achten.

Die beiden Hauptfiguren des Stücks: Markus Schneider, in der Rolle des introvertierten Russen; ein äußerst erfahrener Musicalsänger: Für ihn ist es seine 35. Musicalproduktion auf zahlreichen Bühnen im deutschsprachigen Raum. Schneider war bereits mehrfach in Koblenz zu Gast: 2014 in DIE COMEDIAN HARMONISTS als Erich, 2008 in JESUS CHRIST SUPERSTAR als Petrus. In MY FAIR LADY, dass von 2015 bis 2017 in Koblenz gespielt wurde, gab er die Rolle des Henry Higgins.

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Theater Koblenz / Musical CHESS -auf der Festung Ehrenbreitstein © Matthias Baus für das Theater Koblenz

Monika Maria Staszak, die die Rolle der schöne Ungarin Florence Vassy übernommen hat, steht aktuell noch als Sybille Meilhaus im Musical LUDWIG2 im Ludwigs Festspielhaus (Füssen) auf der Bühne. Für sie ist es bereits ihre 17. Musical-Produktion, wobei sie in Koblenz 2015 in CATS die Rolle der Grizabella, 2013 in der DREIGROSCHENOPER die Partie der Spelunkenjenny gesungen hat. Im von 2009 bis 2011 gespielten SWEENEY TODD war sie ebenfalls dabei.

Beide überzeugen sowohl beim musicaltypischen „Belting“, wie auch in den lyrischen Passagen der Duette, in denen sie die Bandbreite ihres großen musikalischen Könnens zeigen.

In den weiteren Rollen Wolfram Boelzle (Koblenz, Berlin, Bad Vilbel) als Walter de Courcey, Adrian Becker (30 Produktionen bundesweit) als Alexander Molokov, Michèle Silvestrini in ihrer 2. Produktion als Svetlana Sergievskaya und Christof Maria Kaiser (7 Partien in Koblenz von insgesamt 14) als SchiedsrichterBoelzle gewinnt die Herzen der Zuschauer vor allem durch sein strahlendes Lächeln und seine geradezu ansteckende Spielfreude. Becker, Silvestrini und Kaiser zeigen sich den Anforderungen ihrer Gesangspartien mehr als gewachsen.

Reporter/Pop-Chor:   Raphaela Crossey, Hyunhwa Lee, Dorothee Lochner, Mario Mariano, Ian McMillan, Klaus Phillip, Michael Seifferth, Charlotte Irene Thompson

Gesanglicher Höhepunkt des Abends war jedoch die kleine aber feine Partie der russischen Ehefrau Anatolys. Leider weist das Programmheft nicht aus, welche Dame des Chors die Partie gesungen hat, so dass ich an dieser Stelle nur unbekannterweise meine tiefe Hochachtung aussprechen kann. Aber auch die vier englischen Herren verdienen aufgrund ihrer großartigen musikalischen Leistung eine lobende Erwähnung.

Musikalische Leitung und Choreinstudierung: Karsten Huschke, seit 2013 Studienleiter und Kapellmeister am Koblenzer Theater. Es ist eine große Herausforderung, unter solch ungewöhnlichen Aufführungsbedingungen eine so großartige und gelungene Arbeit auf die Bühne zu bringen, zumal die Akustik zwischen den Gefängnismauern ihre Tücken hat. Und so kämpft Huschke dann auch immer wieder darum, das auseinander laufende Orchester zusammen zu halten.

Auch der Umstand, dass Dirigent und Musiker hinter dem Bühnengeschehen, getrennt von einer transparenten Trennwand, platziert sind, bringt Schwierigkeiten mit sich.

Da die Sänger keinen Blick auf den Dirigenten haben und Bildschirme zur Übertragung des Dirigats fehlen, tasten sie sich nach Gehör bei Beginn jeder neuen Nummer in die Musik ein. Wenn sie dann sicher sind, ihren Einsatz getroffen zu haben, schmettern sie ab dem 3. Takt ihren Text. Die Aufführung leidet etwas an diesen fragend verwaschenen Einsätzen, ohne jedoch den äußerst positiven Gesamteindruck der musikalischen Leistung zu trüben.

Die Choreografie, die die musikalisch besonders interessanten Musiknummern der Schachspiele in Ballettszenen umsetzt, stammt von der dresdener Tänzerin und Choreografin Katrin Wolfram. Ihre umfangreichen praktischen und theoretischen Erfahrung konnte sie bereits in einigen Choreografien in den Bereichen Schauspiel-, Opern- und Musicalinszenierungen einbringen. Ihre Koblenzer Arbeit verbindet sich mit Musik und Inszenierung zu einem stimmigem Ganzen.

Opernchor, Extrachor, Ballett – Es spielt das Staatsorchester Rheinische Philharmonie

Ob mir aber das Musical CHESS, die humorvoll lebendige Einführungsrede des Indendanten Markus Dietze oder die Abfahrt von der Festung Ehrenbreitstein mit der Seilbahn Koblenz ins nächtlich beleuchtete Koblenz, überstrahlt von einem leuchtenden Mond, am Besten gefallen hat, kann ich gar nicht sagen.

– Es war ein rundherum wunderschöner Abend! –

Musical CHESS,  weitere Termine: So 19.08.2018, Do 23.08.2018, Fr 24.08.2018, Sa 25.08.2018, So 26.08.2018;  Dauer der Inszenierung beträgt ca. 2 1/2 Stunden. 1 Pause

Weitere Spielzeit 2018/19: Das Programm des Theater Koblenz im Bereich des Musiktheaters der Spielzeit 2018/19 ist beachtlich: Neben dem Musical CHESS stehen stehen noch die Operetten DIE CHARDASFÜRSTIN von Kalman und der BALL IM SAVOY von Abraham, sowie die Opern LA CHENERENTOLA von Rossini, LA BOHEME von Puccini, FAUST von Spoh, DOCTOR ATOMIC von Adams, ALBERT HERRING von Britten und DER TROUBADOUR von Verdi auf dem Spielplan.

—| IOCO Kritik Theater Koblenz |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Rockmusical – Jesus Christ Superstar, IOCO Kritik, 31.07.2018


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Jesus Christ Superstar  –  Andrew Lloyd Webber

 Von Daniela Zimmermann

Mit nur 22 Jahren, 1970, verfasste Andrew Lloyd Webber (* 1948) seine so erfolgreiche und musikalisch mitreißende Rock- und Pop-Oper Jesus Christ Superstar. Die letzten sieben Tage im Leben von Jesus Christus umfasst die Handlung. Tim Rice schrieb die Texte.  Zunächst abgelehnt. Das Leben Jesus Christus durch Rockmusik und Tanz darzustellen war 1970 ungewohnt; zunächst wenig goutiert wurde das Musical ein großer Erfolg; ist bis heute Kult.

2017 inszenierte Josef E. Köpplinger diese Rockoper für das Gärtnerplatztheater. Damals  fand die Aufführung noch in der Reithalle statt und jetzt wurde sie wieder gespielt und  erstmals im eigenen Haus im Gärtnerplatztheater mit natürlich anderen Möglichkeiten, vor allem auch für das Orchester unter der Leitung von Jeff Frohner. Hier konnte er es rocken lassen und die Akustik spielte mit. Aber er verstand auch zu nuancieren, bei den besonders schönen Songs, die Sänger zu unterstützen. Ob Rock, Blues oder Soul, die Musik war so mitreißend wie eh und je.

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier Ensemble © Marie-Laure Briane

Die Bühne von Rainer Sinell war ein schlichter  großer Tanzboden mit genug Platz für das große Ensemble: Tänzer, Sänger, Volk. Eine Brücke über diesen weiten, offenen Boden, gab dem Bühnenbild  Struktur und Tiefe;  auf der Brücke war Bewegung, sie diente als attraktives Podium für die Handlung. Dazu  die Videoprojektionen, welche die ewigen Grundfragen der Menschheit zeigten:  „woher kommen wir –  wohin gehen wir – was suchen wir?“   

Köpplinger versetzt das Musical in unsere Zeit. Die Apostel sind junge Wilde, streitsüchtig, laut, rebellisch; schwarz „Rockerhaft“ gekleidet. In Jesus Christ haben sie ihren Anführer, ihr Vorbild gefunden. Jesus genießt die Huldigung seiner Macho- Jünger und ebenso die begeisterten Hosianna Rufe des Volks;  zeigt durchaus eitle Züge. Maria Magdalena (Dionne Wudu) muss sich gegen diese ungehobelten Kerle behaupten. Sie zeigt ihre unerfüllte Liebe zu Jesus.

Gärtnerplatztheater München – youtube-Trailer zu Jesus Christ Superstar
Youtube Trailer des Gärtnerplatztheaters
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Die Handlung: In großem Menschengetümmel begegnen sich Jesus (Armin Kahl)  und Judas (John Vooijs). Jesus will  in die vom Kommerz getriebene  Hektik unserer modernen Zeit eingreifen und vertreibt den Konsum;  durch Tragetaschen der Damen und die steife Herren der Finanzlobby symbolisiert. Herabfallende Stoffbahnen mit  Konsum – Geld Aufschriften verstärken das Bühnengeschehen.

Die Choreographin Ricarda Regina Ludigkeit unterstreicht die aufbegehrende Jugend durch Tanz, schnell, volles Tempo, harter jugendlicher Kraft. Die Jugendrevoluzzer unter sich. Judas, einer von ihnen, ist anders, nachdenklicher. Er will mehr und bedrängt Jesus zu weniger Show, weniger Oberflächlichkei, zu mehr Liebe. Doch Jesus reagiert nicht, lässt Judas allein und „verleitet“ ihn dadurch zum Verrat. Judas aber wird mit seinem Verrat an Jesus nicht  fertig und stirbt in rot leuchtenden Stricken.

Zum Spiel gehört Pontius Pilatus (Erwin Windegger) der vor dem intensiven Blick Jesus taumelnd zurück weicht. Herodes in Strass und Pailletten (Previn Moore), der die Begegnung mit Jesus als Showauftritt swinging, tänzelnd, beschwingt genießt. Anders der  Hohe Priester Kaiphas (Levente Pall) mit ganz tiefem, sehr eindrucksvollem Bass. Ihn widern die Macho Streetfighter an. Das Establishment ist der manipulierende Gegenpol der Streetfighter; auch Jesus Christ ist ihnen ein Dorn im Auge ist. Sie wollen seinen Tod und sie bekommen ihn:  Das Volk ist eben manipulierbar. Von Hosianna zu Crucify: Alles Manipulation?

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier mit John Vooijs als Judas Ischariot, Dionne Wudu als Maria Magdalena, Armin Kahl als Jesus von Nazareth, Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatztheater / Rockmusical Jesus Christ Superstar hier mit John Vooijs als Judas Ischariot, Dionne Wudu als Maria Magdalena, Armin Kahl als Jesus von Nazareth, Ensemble © Marie-Laure Briane

Das letzte Abendmahl mit seinen Jüngern ist ein reines „Fast Food Mahl“, eben zu den  jungen Revoluzzern passend. Jesus bricht das Fladenbrot, dazu Wein aus der Flasche und Cola und mehr; alles fällt auf den Boden. Dazu singt Maria Magdalena herzzerreißend und wunderschön. Sie ist so perfekt in ihrer Rolle und mit ihrem Gesang, voller Kraft und Schmelz. Sie hat Ausstrahlung; es ist schön, ihr zuzuhören. Das von Kaiphas aufgebrachte, verführte Volk schlägt Jesus, setzt ihm die Dornenkrone und kreuzigt ihn.

Armin Kahl ist ein gut gewählter Jesus, in Statur, Stimme und Typ. Sein Gegenspieler John Vooijs als Judas im Kapuzen Look, der Obermacho, ist perfekter aggressiver Gegner von Jesus. Windegger als Pontius Pilatus ist in seiner Partie spielerisch und gesanglich ebenso hervorragend.

Köpplingers  Inszenierung  der Rockoper in München endet friedensstiftend als Parabel: Jesus und Judas erscheinen wieder – als geläuterte Wesen – aus dem Hintergrund und reichen sich zu mitreißender Schlußmusik versöhnend die Hände.

—| IOCO Kritik Staatstheater am Gärtnerplatz |—

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