Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Spielplan Oktober 2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Spielzeit 2019/20
TfN ? Produktionen im Oktober 2019


REPERTOIRE:


IM WEIßEN RÖSSL
Singspiel in drei Akten von Ralph Benatzky
Turbulent geht es in Sachen Liebe im Weißen Rössel zu und es braucht schon einen richtigen Kaiser, um wieder Ordnung zu schaffen und allen Beteiligten zu einem glücklichen Ende zu verhelfen. Die schräge Österreich-Revue war 1930 in Berlin das Theaterereignis und ist nun in Hildesheim als großes Alpenspektakel in der Halle39 zu erleben. Musikalische Leitung Achim Falkenhausen Inszenierung Erik Petersen Bühne Hannes Neumaier Kostüme Kristopher Kempf Choreografie Ludwig Mond Chöre Achim Falkenhausen Dramaturgie Susanne von Tobien Mit Lisa Maria Hörl/ Neele Kramer (Josepha Vogelhuber), Peter Kubik/ Gerald Michel (Leopold Brandmeyer), Uwe Tobias Hieronimi (Wilhelm Giesecke), Meike Hartmann/ Antonia Radneva (Ottilie), Julian Rohde (Dr. Erich Siedler), Johannes Osenberg/ Stefan Freiberger (Sigismund Sülzheimer), Jens Krause/ Dieter Wahlbuhl (Prof. Dr. Hinzelmann), Sandra Pangl/ Meike Hartmann (Klärchen), Piet Bruninx/ N.N./ Levente György (Kaiser), Nicolo Soller/ N.N. (Piccolo), Elisabeth Köstner/ Steffi Fischer/ Kathelijne Wagner (Kathi/Zenzi/Stubenmädchen), Stefan Freiberger/ Jesper Mikkelsen (Reiseführer), Opernchor, Extrachor, Kinder- und Jugendchor des TfN, Orchester des TfN
Termine im Oktober in der Halle39 (Schinkelstraße 7, 31137 Hildesheim)


TfN IN LANGENHAGEN:


Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas © T.Behind-Photographics

MICHAEL KOHLHAAS
Schauspiel nach der Novelle von Heinrich von Kleist
In seiner berühmten Novelle beschreibt Kleist eine der interessantesten, weil widersprüchlichsten Figuren der deutschen Literatur. Als Opfer staatlicher Willkür begehrt Michael Kohlhaas mutig gegen die Obrigkeit auf, getrieben von seinem starken Gerechtigkeitssinn. Doch kalte Rachsucht macht ihn bald zum Wutbürger, Fanatiker, Terroristen. Michael Kohlhaas ist faszinierend: anziehend in seiner Hingabe, abstoßend in seiner brutalen Radikalität – und mit Themen wie Selbstjustiz, staatliche Willkür und Eigendynamik von Gewalt aktuell wie nie. Für das TfN hat Moritz Nikolaus Koch eine eigene Bühnenfassung erstellt. Es spielen Dennis Habermehl und Dieter Wahlbuhl. Inszenierung und Ausstattung Moritz Nikolaus Koch Musik Oliver Niess MitDennis Habermehl (Erzähler I – Kohlhaas), Dieter Wahlbuhl (Erzähler II – alle anderen), Oliver Niess (Bühnenmusiker/ Soundler) Dauer ca. 2 Stunden 20 Minuten, inklusive einer Pause WIEDERAUFNAHME: Mi, 2.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen,
in Hildesheim: Sa, 23.11., 19.30 Uhr, Großes Haus

JUGEND OHNE GOTT
Schauspiel nach dem Roman von Ödön von Horváth
Nur Hohn und Spott haben die Jugendlichen für die humanistischen Ideale ihres Lehrers. Doch dann geschieht auf ihrer Klassenfahrt ein Mord! – Die TfN-Bühnenfassung überträgt die Geschichte in eine nahe Zukunft: Was geschieht, wenn eine demokratische in eine totalitäre Gesellschaftsform kippt? Inszenierung Alice Asper Ausstattung Bernhard Niechotz Dramaturgie Astrid Reibstein Mit Dennis Habermehl (Der Lehrer), Jonas Kling (Zachi), Jonas Nowack (Timi), Emma Henrici (Olli), Karla Hennersdorf (Eva), Martin Schwartengräber (Caesar/ Feldwebel 3/ Moderator), Michaela Allendorf (Lehrerin/ Feldwebel 1/ Präsidentin/ Mutter von Timi), Simone Mende (Direktorin/ Feldwebel 2/ Mutter von Nicki/ Mutter von Zachi), Statisterie
TERMIN: Mi, 30.10., 20:00 Uhr, Theatersaal Langenhagen

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas - von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics

Theater für Niedersachsen / Kohlhaas – von links_D. Habermehl, D. Wahlbuhl © T.Behind-Photographics


JUNGES THEATER:


Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

Theater für Niedersachsen / Nieselprim © Christine Kundolf-Köhler

NIESELPRIM NERVT
Ein Tanz- und Singstück | Uraufführung | Koproduktion des TfN mit tanz.Utan, ab 6 Jahren
Wie spannend es sein kann, sich auf etwas Fremdes einzulassen und welche Spuren wir gegenseitig in unseren Leben hinterlassen, zeigt diese Geschichte mit Tanz, Musik und wenigen Worten, wo aus rasantem Spiel und kleinen Ausrufen Lieder werden, aus Slapstick Tanz, aus Engstirnigkeit Weite und aus Gegensätzen ein Wir. Außerdem gibt es allerlei seltsame Maschinen, eine Kinoorgel und viel zum Lachen. Inszenierung Marcel Sparmann Choreografie Nicole Pohnert Musik Daniel Pohnert Ausstattung Swana Gutke Mit Nicole Pohnert, Daniel Pohnert
Premiere am Donnerstag, 24. Oktober 2019, 11:00 Uhr, theo

ALLES FAMILIE
Nach dem Buch von Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 6 Jahren
Temporeich und musikalisch spielt sich das Theater Karo Acht durch die Szenen von (un-)gewöhnlichen Familienbanden, kleinen Problemen und großen Glücksmomenten. Dabei wird sinnlich erfahrbar, wie unterschiedlich und vielfältig, wie komisch, aber manchmal auch tragisch Familienleben heute sein kann. Inszenierung Kian Pourian Text Lorenz Hippe Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Imme Beccard, Julia Solórzano, Christopher Weiß Dauer ca. 70 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Samstag, 5. Oktober 2019, 15:00 Uhr, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)

DAS KLEINE BLAU UND DAS KLEINE GELB
Ein Theaterstück vom Gleich- und Anderssein nach einem Bilderbuch von Leo Lionni Koproduktion des TfN mit dem Theater Karo Acht, ab 2 Jahren
Ein Theaterstück für die jüngsten Zuschauer rund um Dinge, Farben und Spielen. Es geht um das Gleich- und Anderssein, um Freundschaft, um das sich und die anderen Verlieren, Suchen und Wiederfinden. Inszenierung Kian Pourian Bühne Alexander Tripitsis Kostüme Ulrike Schörghofer Mit Julia Solórzano, Sebastian Schlemminger Dauer ca. 50 Minuten, keine Pause
Wiederaufnahme am Donnerstag, 10. Oktober 2019, Probebühne 2 (Einlass über den Bühneneingang)


EXTRA:


INNEN STADT THEATER
Mitte Oktober staubt und lärmt es noch im TfN: Endspurt ist angesagt für die Sanierungsarbeiten im Großen Haus, einzig das Kinder- und Jugendprogramm spielt weiterhin im Haus. Auf Theater verzichten müssen Sie dennoch nicht: Bis Mitte November präsentieren wir vielfältige Sonderprogramme, zu Gast bei zahlreichen Kooperationspartnern in der Hildesheimer Innenstadt.

THEKEN-TALK
Persönliche Einblicke in die neue Spielzeit von Jörg Gade, Craig Simmons und Susanne von Tobien Entdecken Sie die Vielfalt der Spielzeit 2019/20 und erleben Sie, wie unsere Theaterleitung spielerisch, musikalisch und persönlich aus dem Nähkästchen plaudert … Montag, 21. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Stadtschenke im Van der Valk Hotel, Markt 4, 31134 Hildesheim

DER SOUNDTRACK MEINES LEBENS
Besondere Einblicke in das Leben von TfN-Künstlern Der erste Kuss, der schlimmste Liebeskummer, der schönste Sommer – zu gewissen Momenten und Lebensphasen gehören einfach bestimmte Songs! Lernen Sie den Lebenssoundtrack von Intendant Jörg Gade und Schauspieler Martin Schwartengräber kennen – inklusive Geschichten und Anekdoten drum herum. Donnerstag, 24. Oktober 2019, 20:00 Uhr, LitteraNova, Eintritt frei LitteraNova, Wallstraße 12a, 31134 Hildesheim

JEDE MUSIK HAT IHREN HIMMEL
Konzert mit dem Opernchor des TfN Getreu diesem Verdi-Zitat sorgen sie in Opern, Musicals und Konzerten für himmlische Abende am TfN, nun können Sie die Mitglieder des Opernchors ganz geerdet in gemütlicher Atmosphäre erleben: Unter der Leitung von Chordirektor Achim Falkenhausen präsentieren sie Ihnen die schönsten Chornummern aus Opernklassikern wie „Nabucco“ oder Wiederentdeckungen wie „Die Pantöffelchen“. Montag, 28. Oktober 2019, 18:00 Uhr, Eintritt frei Besucherzentrum Welterbe Hildesheim & tourist-information, Rathausstraße 20, 31134 Hildesheim

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tod in Venedig – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 24.04.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Tod in Venedig  –  Benjamin Britten (1913 – 1976)

– zwischen apollinischem Ideal und dionysischem Rausch –

von Randi Dohrin

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Englisch ist normalerweise keine Opernsprache; in Benjamin Brittens Komposition Death in Venice jedoch, ist eine andere kaum vorstellbar. Die Uraufführung dieses Dramas fand während des Aldeburgh Festival, am 16. Juni 1973, in England statt. Der Tenor und Lebensgefährte von Benjamin Britten, Peter Pears, sang damals triumphal die Rolle des Gustav von Aschenbach, auf den sich die ganze Handlung bezieht. Britten verstarb am 4. Dezember 1976 in den Armen seines Lebensgefährten in Aldeburgh.

Schattierungsreiche, leicht ungeschmeidig spröde, aber auch melancholisch klingende Melodien werden in Brittens genialer Opernvertonung hörbar. Der modern-musikalische Klang des 20. Jahrhunderts verstärkt sich durch ein umfangreiches Schlagwerk sowie ein begleitendes Klavier, das die Handlung zwischen den Rezitativen häufig unterbricht.
Die kongenial aufwühlende Musik Brittens spiegelt die Ambivalenz des Dichters Aschenbach, zwischen rauschhaftem Liebesbegehren nach einem 14-jährigen Jungen und seinem nahendem Tod, fesselnd wider. Der Schriftsteller, der sonst eher nach Perfektion und Leistung strebte, befindet sich plötzlich in zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein können.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

1911 erschuf der Erfolgsschriftsteller Thomas Mann die Novelle Der Tod in Venedig, die im Oktober/November-Heft des Jahres 1912 in der Neuen Rundschau erschien. Bis heute gilt sie als eine der am meisten interpretierten Erzählungen. Der Autor selbst bezeichnete sein humorloses Werk als …„Entwürdigung einer Tragödie“... .

Aschenbachs Konflikt, sich seinen Gefühlen stellen zu müssen, ist zeitlos. Ergreifend, fesselt die nah am Libretto ausgerichtete Inszenierung von Felix Seiler. Unverkennbar verdeutlicht er die konträren inneren Prozesse des Schriftstellers und Hauptfigur Gustav von Aschenbach.

Der in der Regel auf Disziplin und Vernunft bedachte Schriftsteller Aschenbach, (Hans-Jürgen Schöpflin) kann wegen persönlicher Umstände und einer künstlerischen Schaffenskrise der Versuchung nicht widerstehen, für ein paar Wochen nach Venedig zu reisen. Dort unterliegt er Tadzio, (Olv Grolle) einem bildschönen, polnischen Knaben, den er für ungeheuer inspirierend hält und ihn buchstäblich verfolgt, ohne ihm jedoch wirklich zu nahe zu treten.

Mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und tragender klarer Tenorstimme gelang es Hans-Jürgen Schöpflin, die intensive Rolle des Gustav von Aschenbach darzustellen. Durchgängig wurden die gegensätzlichen Stimmungen von Depression und Begierde, Angst und Liebe für den schönen Knaben Tadzio, erkennbar. Sehr schwierig ist es, überzeugend die Partie des Tadzio – ohne Gesang und ohne Worte – auszudrücken. Olv Grolle gelingt auf glaubhafte Weise, den durch die hereinstürzenden Sympathien des Aschenbachs, überforderten stummen Tadzio zu charakterisieren.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Uwe Hieronimi als Reisender und in sechs weiteren Figuren, füllte jede Rolle bestechend aus. Mit Bravour bewies er seine sängerischen und darstellerischen Qualitäten an diesem Premierenabend.

Stimmlich und mimisch bestens besetzt, waren auch der Hotelportier mit Julian Rohde und Jesper Mikkelsen als Clerk im englischen Reisebüro. Beachtlich und ideenreich war die Präsenz des Opern- und Jugendchores sowie der Statisterie des Theaters für Niedersachsen. In ihren Kostümen aus der Zeit um 1900 (Hannes Neumaier) hauchten sie der Oper erfrischende Lebendigkeit ein, wie auch der Gondolieri (Hyeh Young Baek) auf dem angedeuteten venezianische Kanal. Wohlklingend facettenreich erklangen lückenlos die reichlich vorhandenen solistischen Stellen der Chorsänger des TfN.

Das TfN-Orchester, unter der Leitung von Achim Falkenhausen, glänzte und beeindruckte durch ein sicheres, präzises und höchst transparentes Musizieren auf hohem Niveau, in dem auch kleinste Nuancierungen hörbar wurden, nicht nur in den zahlreichen Instrumenten-Soli.

In Venedig herrscht die todbringende Cholera und Aschenbach überlegt, die polnische Familie zu warnen, setzt diesen Gedanken in seinem Liebeswahn aber nicht um. Seinem sonst apollinischen Ideal von Selbstdisziplin, Schönheit und Ordnung verpflichtet, unterliegt er dem dionysischen Liebesrausch wie in seinem Traum, wo es zwischen Apollo und Dionysos zu einem Streit kommt, den Apollo verliert. Die Stimme des Apollo erklang verführerisch hell und glockenrein, durch den Countertenor Tobias Hechler als Glanzpunkt dieses gelungenen Opernabends.

Am Tag vor der Abreise der polnischen Familie muss Aschenbach sterbend mit ansehen, dass sein geliebter Tadzio von anderen Knaben gequält wird. Er will ihm helfen, seine Kräfte lassen das aber nicht mehr zu. Er stirbt an der Seuche, ausgelöst durch den Verzehr von Erdbeeren, während Tadzio aufs Meer hinausläuft. …

Anerkennend langer Applaus, stehende Ovationen eines berührten Publikums für diesen ergreifenden Abend.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, TfN, Die Pantöffelchen – Pjotr I. Tschaikowsky, IOCO Kritik, 12.12.2018

Dezember 12, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater für Niedersachsen

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

 Die Pantöffelchen – Pjotr I. Tschaikowsky

 – Märchenhafter Weihnachtszauber –

Von Randi Dohrin

Die Oper beruht auf der Erzählung Die Nacht vor Weihnachten von Nikolai Gogol aus den Jahren 1831/32; die Großfürstin Jelena Pawlowna beauftragte Jakow Polonski, ein Libretto für den Komponisten Alexander Seros anzufertigen. Dieser verstarb jedoch, sodass nur sehr wenige Skizzen vorhanden waren. Daraufhin rief die Großfürstin einen Wettbewerb für die beste Vertonung des Librettos aus.

Das Pantöffelchen  – Peter Tschaikowsky
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Der äußerst selbstkritische Tschaikowsky beteiligte sich aber erst an diesem Wettbewerb, als ihm bekannt wurde, dass keine Meister wie Nikolai Rimski-Korsakow oder Anton Rubinstein daran teilnehmen würden. Im Juni 1874 begann er den Text der Oper, mit dem ursprünglichen Titel Der Schmied Wakula, zu vertonen.

Bereits nach wenigen Monaten hatte er sein Werk vollendet und erhielt dafür den ersten und zweiten Preis, auch wenn man einmal davon absieht, dass – außer ihm – nur Amateure versucht hatten, ihr bestes zu geben. Am 6. Dezember 1876 wurde seine Erstfassung in Sankt Petersburg uraufgeführt, und sie verschwand bereits 1879 wieder vom Spielplan. …„Die Oper erfülle nicht die Erwartungen!“ ..., hieß es allgemein.

Zutiefst unglücklich, überarbeitete Tschaikowsky 1885 seine einzige komische Oper, veränderte einige Teile der Musik, vereinfachte die Harmonik und die Instrumentierung und gab der Oper den neuen Namen Pantöffelchen. Trotz seiner immer vorhandenen Selbstzweifel, gefiel ihm seine Umarbeitung ausgesprochen gut, und er hielt diese Oper für seine …„lustigste und gelungenste“ … .

Leider wird bis heute diese winterliche Märchenoper sehr selten aufgeführt und so verwundert es nicht, dass Florian Ziemen, GMD und Operndirekter des TfN Hildesheim, wieder einmal mit einer fantasievollen Besonderheit im Spielplan aufwartet.

Die Uraufführung dieser Neufassung fand am 19. Januar 1887 im Bolschoi-Theater in Moskau statt. Tschaikowsky hatte damals die musikalische Leitung übernommen.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen - hier : Neele Kramer als Hexe Solocha, Peter Kubik als Teufel © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen – hier : Neele Kramer als Hexe Solocha, Peter Kubik als Teufel © Falk von Traubenberg

Die Oper spielt in der Nacht vor Weihnachten in einem Dorf in der Ukraine, Ende des 18. Jahrhunderts. Oxana, (Katja Bördner) die Tochter Tschubs, (Uwe Tobias Hieronimus) stellt ihren Verehrer und Schmied Wakula (Wolfgang Schwaninger) vor einen kaum zu erfüllenden Liebesbeweis. Er soll ihr die goldenen Pantöffelchen der Zarin bringen.

In klagender Verzweiflung will Wakula sich ins Wasser stürzen. Doch der Teufel (Peter Kubik), der in dieser vorweihnachtlichen Nacht im Dorf erscheint, hindert ihn daran und hält Wakula nun für seinen Besitz. Der Teufel bot dem Schmied an, ihm seine Seele zu verkaufen, um Oxana den Liebesbeweis bringen zu können. Wakula stimmt zu, jedoch nur zum Schein. Als er den Vertrag des Teufels unterschreiben soll, drückt er ihn zu Boden, sodass der Teufel nun dem Schmied gehorchen muss. In der Hoffnung, von der Zarin die Pantöffelchen zu erhalten, fordert er den Teufel auf, ihn nach St. Petersburg zu fliegen.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen - hier : Wolfgang Schwaninger als Wakula, Katja Boerdner als Oxana © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen – hier : Wolfgang Schwaninger als Wakula, Katja Boerdner als Oxana © Falk von Traubenberg

Nur gut, dass in der Nacht vor Weihnachten Wünsche erfüllt werden und so erhält Wakula die Pantöffelchen für seine Braut. Solocha, die Hexe, (Nele Kramer) und Oxana glauben indes, dass Wakula nicht mehr lebt. Plötzlich, wie aus dem Nichts, erscheint Wakula und zeigt Oxana die Pantöffelchen. Diese ist aber gar nicht mehr an den Pantöffelchen interessiert, sie will nur noch ihren Wakula. Die Vermählung der beiden wird ausgelassen im Dorf gefeiert und von Tschub gesegnet.

Einprägende Melodien in meisterhaften Orchestrierungen, kennzeichnen nicht nur die Ballette, Sinfonien, Klavierkonzerte und Opern des genialen Komponisten Pjotr. I. Tschaikowsky; so versteht es der Komponist in seiner Oper Die Pantöffelchen die folkloristisch tänzerischen und lyrischen Elemente musikalisch excellent umzusetzen.

Dem Orchester des Theaters für Niedersachsen, unter der Leitung seines GMD Florian Ziemen, gelingt es, die fortlaufende Handlung mit einem abwechselnd strahlenden oder dramatisch kraftvollen Klang unterstützend zu bereichern. Beeindruckend setzt das Orchester die dichte anspruchsvolle Vertonung der vielfältigen charakteristischen Szenen dieser Oper um.

Lyrisch sentimental leiten zwei Flöten die Ouvertüre ein, der es zudem an vielen Motiven und langen Kantilenen nicht mangelt. Nur wenige Takte darauf, erklingt die prägnante Melodie des Hornsolos. Souverän führt Florian Ziemen das Orchester durch das winterlich märchenhafte Geschehen in eine andere sphärische Wirklichkeit. Die gekonnt dargebotenen tänzerischen Einlagen, in der fantastischen Choreographie von Natascha Flint, meistert das Ensemble mit ausgeprägter Spielfreude.

Stimmlich und darstellerisch, vom ersten bis zum letzten Ton, überzeugte Wolfgang Schwanninger als liebenswürdiger Schmied Wakula. Mit komödiantischen Verve brillierten Nele Kramer als Hexe Solocha und ganz besonders Peter Kubik als Teufel mit gekonnter tänzerischer Beweglichkeit. Hinreißend erklingen die Spitzentöne von Katja Bördner. Mit ihrer klangvollen Stimme füllt sie die Rolle der launischen Oxana perfekt aus.

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Die Pantoeffelchen © Falk von Traubenberg

Uwe Tobias Hieronimus als Tschub, Levente György als Dorfschulze, Julian Rohde als Schulmeister und Jesper Mikkelsen als Zeremonienmeister standen den Hauptakteuren in Nichts hinterher und runden das Solistenbild hervorragend ab.

Besonders hervorzuheben ist die großartige Leistung des Opern- und Extrachores des Theaters für Niedersachsen unter der Leitung von Achim Falkenhausen. Spielsicher, im traumhaft homogenen Klang, verkörperte der Chor Burschen, Mädchen, alte Männer, alte Frauen, Geister, Hofdamen, Kavaliere, Rusalken und noch viele Personen mehr.

Verdient, nicht enden wollender frenetischer Applaus für alle Beteiligten dieser humoristischen Operninszenierung von Anna Katharina Bernreiner und der fantasievollen Ausstattung von Hannah Oellinger und Manfred Rainer; man darf sie sich auf keinen Fall entgehen lassen.

—| IOCO Kritik für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Premiere MADAME BUTTERFLY, 31.10.2015

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

 MADAME BUTTERFLY   von Giacomo Puccini

Premiere am Samstag, 31. Oktober 2015, 19:00 Uhr, Großes Haus, Weitere Vorstellungen: Mo, 02.11.2015 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, So, 15.11.2015 19:00 – 21:45 Uhr – Hildesheim, Sa, 28.11.2015 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, Fr, 25.12.2015 18:00 – 20:45 Uhr – Hildesheim, Do, 14.01.2016 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, Di, 26.01.2016 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, Sa, 30.01.2016 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, Di, 16.02.2016 20:00 – 22:45 Uhr  – Nienburg, Mo, 07.03.2016 19:30 – 22:15 Uhr – Hildesheim, Mo, 28.03.2016 19:00 – 21:45 Uhr – Hildesheim

Eine Japanerin verliebt sich in einen US-Marineleutnant, für den die Beziehung allerdings nur ein Spiel ist. Doch aus dem Spiel wird bitterer Ernst: Sie wird schwanger. Um 1900 gab es an der japanischen Küste US-Marinestützpunkte, auch unweit der Großstadt Nagasaki. Der Marineleutnant B. F. Pinkerton mietet sich für die Zeit seiner dortigen Stationierung ein Haus oberhalb der Stadt und beauftragt den Heiratsvermittler Goro, ihm eine Geisha zu besorgen, mit der er sich zu seinem Spaß auf Zeit vermählen möchte. Die junge Cio-Cio-San, deren Vater einst den Freitod wählte, nimmt diese Ehe ernst; sie tritt sogar zum Glauben ihres neuen Gatten über und wird dafür von ihrer Familie verstoßen. Zwei Jahre nach Pinkertons Abberufung aus Nagasaki wartet Cio-Cio-San zusammen mit ihrer Dienerin Suzuki noch immer auf seine Rückkehr. Alle Versuche des Konsuls Sharpless, ihr die Augen zu öffnen, scheitern, denn sie präsentiert als Zeugnis des unauflösbaren Bundes ein gemeinsames Kind. Tatsächlich kommt Pinkerton noch einmal zurück, allerdings in Begleitung seiner amerikanischen Ehefrau, um das Kind abzuholen. Cio-Cio-San sieht für sich keinen anderen Ausweg als den, dem Beispiel ihres Vaters zu folgen.

Puccinis 1904 uraufgeführte MADAME BUTTERFLY wurde ein echter Klassiker der italienischen Oper und rührt weltweit noch immer Millionen von Opernfreunden zu Tränen. Jenseits aller Rührseligkeit wird in dieser Oper schonungslos thematisiert, welche Folgen es haben kann, wenn die Traditionen einer fremden Kultur nicht respektiert werden.

Musikalische Leitung Werner Seitzer, Inszenierung Frank Van Laecke, Bühne Paul Gallis Kostüme Yan Tax, Bühnenbild und Kostüme wurden hergestellt in den Werkstätten der Opera Zuid in Maastricht

Mit Soojin Moon/Juliette Lee (Cio-Cio-San), Neele Kramer (Suzuki), Anne Lütje (Kate Pinkerton), Konstantinos Klironomos (B. F. Pinkerton), Levente György/Peter Kubik (Sharpless), Jan Kristof Schliep (Goro), Jesper Mikkelsen (Der Fürst Yamadori), Uwe Tobias Hieronimi (Der Onkel Bonze), Daniel Chopov (Der Onkel Yakusidé), Stephan Freiberger (Der kaiserliche Kommissar), Atsushi Okumura (Der Standesbeamte), Karin Schibli (Die Mutter Cio-Cio-Sans), Agnes Buliga-Contras (Die Tante), Hyeh Young Baek (Die Kusine), Frederik Meyer/Benjamin Bolitho (Das Kind), Opernchor des TfN, Orchester des TfN, Chor Achim Falkenhausen

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

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