München, Staatstheater am Gärtnerplatz, PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE, ab Juli 2019


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE
Das Musical

Glitzer, Glamour und jede Menge Discohits

Buch von Stephan Elliott und Allan Scott
Nach dem Kinofilm von Latent Image / Specific Films
In Zusammenarbeit mit Nullarbor Productions und MGM On Stage und outside eye Wien

Mit den Discohits der 70er und 80er
Musikalische Arrangements und Orchestration von Stephen ›Spud‹ Murphy
Für die Bühne entwickelt von Simon Phillips | Deutsch von Michael Alexander Rinz
In deutscher Sprache – Songs in englischer Originalsprache

Staatstheater am Gärtnerplatz / Priscilla - Königin der Wüste - Erwin Windegger (Bernadette), Terry Alfaro (Adam), Armin Kahl (Tick), Ensemble © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz / Priscilla – Königin der Wüste – Erwin Windegger (Bernadette), Terry Alfaro (Adam), Armin Kahl (Tick), Ensemble © Marie-Laure Briane

Das frenetisch bejubelte Musical PRISCILLA – KÖNIGIN DER WÜSTE von Stephan Elliott und Allan Scott mit den Discohits der 70er und 80er in der Inszenierung von Gil Mehmert ist ab 15. Juli wieder zurück im Gärtnerplatztheater. Basierend auf dem gleichnamigen, fulminanten Kinoerfolg erzählt »Priscilla – Königin der Wüste« die packende, zu Herzen gehende Geschichte von drei Freunden aus dem Traviestiekünstler-Milieu, die sich gemeinsam auf die Reise ihres Lebens in einem abgetakelten alten Bus namens »Priscilla« quer durchs australische Outback machen – und am Ende mehr gewinnen, als sie sich jemals zu träumen gewagt hatten. In den Hauptrollen erleben Sie Armin Kahl als Tick, Erwin Windegger als Bernadette und Terry Alfaro als Adam. Für die sechs Spieltermine in dieser Saison gibt nur noch Restkarten.

Priscilla – Königin der Wüste
youtube Trailer Gärtnerplatz Theater
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BESETZUNG
Musikalische LeitungJeff Frohner / Andreas Partilla

RegieGil Mehmert
ChoreografieMelissa King
BühneJens Kilian
KostümeAlfred Mayerhofer
LichtMichael Heidinger
VideoMeike Ebert
DramaturgieMichael Alexander Rinz

TickArmin Kahl
BernadetteErwin Windegger
AdamTerry Alfaro
BobFrank Berg
BenjiJasper Baumann / Clemens von Bechtolsheim / Matthias Thomas
MarionKatharina Lochmann / Tanja Schön
DivenDorina Garuci, Jessica Kessler, Amber Schoop
CynthiaMarides Lazo
ShirleyAngelika Sedlmeier
Miss VerständnisEric Rentmeister
Miss Fernanda FalsettaJurriaan Bles
JimmyKarim Ben Mansur / David Eisinger
EnsembleJohn Baldoz, Alan Byland, Alex Frei,Rachel Marshall, Esther Mink, Andreas Nützl, Adriano Sanzò, Susanne Seimel,Samantha Turton
Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Termine

Di16.07.201919.30 Uhr KiJu
Mi17.07.201919.30 Uhr
Mo22.07.201919.30 Uhr
Di23.07.201919.30 Uhr KiJu
Mi24.07.201919.30 Uhr
Di04.02.202019.30 Uhr
Mi05.02.202019.30 Uhr KiJu
Do06.02.202019.30 Uhr
Do13.02.202019.30 Uhr KiJu
Fr14.02.202019.30 Uhr
So16.02.202018.00 Uhr
Sa06.06.202019.30 Uhr KiJu
So07.06.202018.00 Uhr
Do11.06.202018.00 Uhr KiJu
Fr12.06.202019.30 Uhr
Sa13.06.202019.30 Uhr
So14.06.202018.00 Uhr

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Essen, Aalto-Theater, Eine Nacht in Venedig – Strauss – Korngold – Klimek, IOCO Kritik, 16.09.2018

September 19, 2018 by  
Filed under Aalto Theater Essen, Hervorheben, Kritiken, Oper, Operette

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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

Aalto-Theater-Essen © IOCO

Eine Nacht in Venedig – Ein Opernhappening

Johann Strauss – Erich Wolfgang Korngold – Bruno Klimek

Von Viktor Jarosch

„Leichte Theater-Kost“ attraktiv zu inszenieren ist wahrlich schwer: Eine Nacht in Venedig  ist solch vermeintlich leichte Theater-Kost. Aalto-Intendant Hein Mulders benötigte 5 Jahre, um diese, seine erste Operetten-Produktion auf die Bühne des Aalto-Theaters zu bringen.

Eine Nacht in Venedig
Youtube Trailer Aalto Theater Essen
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Glatteis und Schnee  in Venedig dominiert die moderne Inszenierung von  Bruno Klimek, welche Klischees, alte wie neue, verlässt und mit Slapstick, Video, farbigen Dialogen und einem bunten Reigen szenischer Überraschungen den Besucher bannt.  Bruno Klimek, Professor an der nahen Essener Folkwang Universität, toppt vergangene Strauß und Korngold Fassungen von Eine Nacht in Venedig  mit einer neuartig faszinierenden Essener Fassung. Eine lebendige Bühnen-Show voller Esprit wird geboten. So führt die Titulierung der Essener Fassung als „Operette„, auch im Programmheft des Aalto-Theater, offene Erwartungen ein wenig ins Abseits.

Die 1883 uraufgeführte  Nacht in Venedig zeigt schmunzelnd modern nicht enden wollende Irrungen und Wirrungen amüsierfreudiger Frauen wie Männer zum Karneval in Venedig um 1800. Allerdings, die Intrigen um die Entstehung dieser Operette reichen schon für eine eigene Operette. Der Grund: Johann Strauss´ Operetten wurden alle in Wien uraufgeführt; zumeist im Theater an der Wien; so auch 1874 die Fledermaus; doch, Johann Strauß‘ zweite Ehefrau, die 25 Jahre jüngere Angelica Dittrich, „Lily“, hatte, als Eine Nacht in Venedig 1882 entstand, ein Verhältnis mit Franz Steiner, dem Direktor des Theater an der Wien. So leitete Johann Strauß, auch am Pult, die Uraufführung von Eine Nacht in Venedig 1883 nicht in Wien sondern teilweise „verberlinert“, in Berlin; die Uraufführung in Berlin wurde ein Flop. Die Operette wäre, trotz Anpassungen, wohl untergegangen, hätte nicht Erich Wolfgang Korngold um 1930, über 45 Jahre später, die verschiedenen Straußschen Urfassungen für moderne Theaterbühnen „veropert“ und mit eigenen Kompositionen wie  mit „Sei mir gegrüßt, holdes Venezia“ für Richard Tauber bereichert. So wurde im Aalto-Theater nicht die Straußsche Urfassung sondern die Korngold-Fassung  gespielt. Bruno Klimeks erhebliche wie aktuelle Werkbearbeitung  wirkt wie die Transponierung, wie ein Sprung der Korngold-Fassung in die Moderne, in das 21. Jahrhundert.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Ciboletta rutscht auf dem vereisten Markusplatz aus waehrend ein Luxusliner in Venedigs Hafen einfaehrt © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Ciboletta rutscht auf dem vereisten Markusplatz aus waehrend ein Luxusliner in Venedigs Hafen einfaehrt © Joerg Landsberg

Klimeks  Essener Fassung beherrscht auch den Verwechslungswirrwarr, nicht aber den  Karneval oder Commedia dell´arte. Eine Nacht in Venedig mutiert in Essen durch  Umdichtungen, gestrafften Texten, Gags, Clownerien und oft skurrilen Choreographien zu einem modernen Happening. Klimek:Das Stück ist ein großer, ironischer Abgesang auf die ganze „Gockelherrlichkeit“; der Herzog ist ein überzeichneter Superstar: Es ist Satire, nicht genaues Abbild des Lebens“. Klimek macht in seiner Essener Fassungdie Frauen viel schlauer, stärker als die Männer, ähnlich der Csardasfürstin, der Lustigen Witwe oder Adele “. Klimek:Bei Eine Nacht in Venedig folgt ein Hit dem anderen…  es ist nicht verwunderlich, dass Operette wieder im Kommen ist“.

Der Blick des Besuchers gleitet im ersten Bild (Bühne Jens Kilian) über den  vereisten weiten Markusplatz von Venedig; das angrenzende Meer mit farbigen, stetig wandernden Wolkenformationen am Himmel zeichnen Videoprojektionen auf eine den gesamten Bühnenhintergrund ausfüllenden Leinwand. Auf dem Markusplatz finden sich filigrane Miniaturen des Dogenpalastes, der Markuskirche und alter venezianischer Bauten. Zur Ouvertüre stöckeln warm angezogen, Schnee rieselt auf den Markusplatz, Ciboletta (Christina Clark) und  andere Venezianer, aufgeregt  rufend „Er kommt“, rufen sie; „Wer“, „Nun, er!“.    Wer kommt denn? Noch weiß es niemand!

Der erste Clou der Essener Fassung ist originell wie unerwartet: Ein riesiges Kreuzfahrtschiff  fährt ein in den Hafen Venedigs; Himmel und Meer verdeckend;  die Miniaturpaläste Venedigs wackeln, fallen zusammen. Wer entsteigt dem Schiff auf einer Schiffstreppe?  Nicht Guido, der draufgängerische Herzog von Urbino; es ist   Pappacoda, der Makkaronikoch (Martiijn Cornet). Derweil die in Mänteln und Hüten vermummten Venezianer  auf dem Schnee des Markusplatz rutschen, hinfallen und  „Wenn vom Lido sacht wieder Kühlung weht…“ singen. Pappacoda mischt sich, Makkaroni beschwörend und werfend, unter seine weiterhin „Er kommt, die Frauenwelt Venezias zu verwöhnen….“  singenden Verehrerinnen.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Annina und Ciboletta mit dem Herzog © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Annina und Ciboletta mit dem Herzog © Joerg Landsberg

Clou und Komik verstärken sich, wenn in Wiederholungen, in den Folgen von „Er kommt“,  „Wer“, „Nun, er!“ weitere monströse Kreuzfahrtschiffe (Foto) den Bühnenhintergrund durchkreuzen, Dogenpaläste umfallen und die anderen Protagonisten der Operette in eigenem Oeuvre dem Schiff entsteigen: Enrico Piselli (Carl Bruchhäuser), „Die Frauen müssen wir fernhalten“,  gefolgt von  Caramello (Albrecht Kludszuweit)  und schließlich  mit zahllos kolossalen Seekoffern Guido, Herzog von Urbino  (Dmitry Ivanchey), dem die geifernden Frauen Veneziens sogleich und  triumphierend die Kleider vom Körper reißen. Derweil Annina (Tamara Banjesevic)  ihre Arie  Frutti die Mare„Ich komme von Chioggia zu euch übers Meer…“  in lebendig frischem Sopran singt, von Chor und Statisten revuehaft begleitet. .

Zu allem Spiel, zu packenden Gags und Pointen auf der Bühne verlor sich der Blick des Autors immer wieder in den Bühnenhintergrund, wo psychodelisch wandernde Wolkenformationen,  die Handlung auf der Bühne kontrastierend, stetig sanft zarte Stimmungen webten.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : die Nacht des Karnevals, alle Venezianer, Männer wie Frauen, in gleichen Kostuemen © Joerg Landsberg

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : die Nacht des Karnevals, alle Venezianer, Männer wie Frauen, in gleichen Kostuemen © Joerg Landsberg

Das bunte Kaleidoskop von Klimeks Essener Fassung“ setzt sich modern, unbefrachtet von althergebrachten Operetten-Klischees fort: Senator Delaqua (Karel Martin Ludvik) bewundert den Herzog auf einer Wolke hoch über der Bühne schwebend „Mit der Würde, die Dir eigen…“;  während die Venezianer aus dem Mittelgang des Zuschauerraumes antworten. Doch es geht auch klassisch:  Ein Schlitten auf der Bühne würzt den lyrischen Lockruf des CaramelloKomm in die Gondel, mein Liebchen so steige doch ein..“ . Gags, Tiefsinniges wie  Überraschungen setzen sich im 2. Akt fort: wenn die Venezianer des Palast des Herzogs plündern, während sich Herzog Guido mit Anninazu unbekannten Zwecken“ in ein Hinterzimmer verzogen hat;  wenn zum Karneval Männer und Frauen – ohne Maske –  Männer und Frauen in gleichen Kostümen und Perücken merkwürdig gleich wie geklont wirken; wenn sie dann zum „Karneval ruft zum Ball, der ist Souverän“  auf dünnem Eis einbrechen und versinken; wenn Caramello  im 3. Akt fortwährend Wo ist meine Frau“ rufend über den Markusplatz irrt, während der Herzog (Dmitry Ivanchey) mit Annina und Ciboletta einer Gondel entsteigend den lebensfrohen Lagunenwalzer singt „Ach, wie so herrlich zu schaun, sind all die lieblichen Fraun…“. Aller Verwechslungs-wirrwar der Handlung bleibt bis zu einem „offenen Ende“ bestehen, wo man sich für den Karneval des nächsten Jahres verabredet.

Das gesamte Ensemble bot in der detailreichen Produktion eine darstellerisch wie stimmlich  starke Gesamtleistung. Doch  Tamara Banjesevic als Annina und Christina Clark als Ciboletta  waren in dem Potpourri der Clownerien durch hohe Präsenz, mit Charme, Esprit und romantisch timbrierten Stimmen besonders präsent. Johannes Witt und die Essener Philharmoniker begleiteten das Happening freier, hollywoodesken  Lebensfreude in den bunten Orchesterfarben. So feiert das Publikum lebhaft ein modern boulevardeskes Happening wie dessen Protagonisten auf der Bühne wie im Graben.

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig - hier : Applaus für das Ensemble vor dem venezianischem Himmel © IOCO

Aalto Theater Essen / Eine Nacht in Venedig – hier : Applaus für das Ensemble vor dem venezianischem Himmel © IOCO

Eine Nacht in Venedig im Aalto-Theater; die nächsten Vorstellungen: 30.9.; 7.10.; 28.10.; 3.11.; 11.11. und zu Sylvester am 31.12.2018

—| IOCO Kritik Aalto Theater Essen |—

Stuttgart, Oper Stuttgart, Don Pasquale – Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 07.04.2018

April 8, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Don Pasquale von Gaetano Donizetti

Norina ist Macherin – Als wahre Gangsterbraut

Von Peter Schlang

Gaetano Donizettis letzte Oper Don Pasquale: In der aktuellen Version der Stuttgarter Staatsoper beginnt die Handlung nicht wie üblich nach der Ouvertüre, sondern parallel zu dieser. Mit dem ersten Ton aus dem Graben lässt sich nämlich auf einer großen Leinwand im Bühnenvordergrund eine Episode aus der späten Jugend des Titelhelden verfolgen, die vom jungen Stuttgarter Trickfilm-Studio Seufz für die Neu-Inszenierung des sich im Sommer aus Stuttgart verabschiedenden Regieduos Jossi Wieler und Sergio Morabito entwickelt wurde.

 Machen alles hip: Trickfilm-Studio Seufz, Kiana Naghsdineh, Teresa Vergho

Kiana Naghsdineh, Absolventin der Ludwigsburger Filmakademie, und die Kostümbildnerin Teresa Vergho erzählen darin in bestechenden wie hippen Szenen, musikalisch hervorragend auf Donizettis orchestrale Einstimmung abgestimmt, die frühe und vielleicht einzige, auf jeden Fall aber letzte Liebesgeschichte des zwanzigjährigen Pasqualino. Auf Drängen seines autoritären Vaters, einem reichen und ambitionierten Unternehmer,  gibt der potentielle Firmenerbe die Beziehung zu „seiner Nina“ auf und begibt sich auf den Entwicklungsweg zu dem einsamen, nur seinen Reichtum zusammenhaltenden, misstrauischen und am Ende nur noch bedauernswerten Kauz, den das interessierte Publikum seit über 170 Jahren für 150 Minuten auf den Opernbühnen der Welt zu Gesicht und Gehör bekommt.

Oper Stuttgart / Don Pasquale  - hier :  Enzo Capuano als Don Pasquale und Ana Durlovski als Norina © Martin Sigmund

Oper Stuttgart / Don Pasquale – hier : Enzo Capuano als Don Pasquale und Ana Durlovski als Norina © Martin Sigmund

Mit dieser schrill witzigen sowie hintergründigen und intelligent gemachten, gespannt aber auch nachdenklich machenden Vorgeschichte ebnen die Regiefüchse Wieler und Morabito in ihrer vorletzten Stuttgarter Inszenierung den Weg zu einer ebenso schlüssigen und erhellenden wie erschütternden Deutung respektive Erweiterung des uralten Theater- und Opernsujets, in dem der sitzengebliebene, einsame Liebhaber sich einer jungen, attraktiven Partnerin zuwendet, die den alten Galan nach Kräften ausnutzt und an der Nase herumführt.

In der am 25. März über die Stuttgarter Staatsopern-Bühne gegangenen Neu-Inszenierung wird die von Doktor Malatesta  für Don Pasquale  ausgesuchte Eroberung Norina zu einer wahren Gangsterbraut, die ihren frisch Angetrauten gemeinsam mit  dessen angeblichem Arzt vorführt und – zusammen mit ihrer im neuen Heim mit einziehenden Verwandtschaft – regelrecht aus(einander)nimmt. Nicht zuletzt auch Dank der von den beiden Regisseuren dazu erfundenen Vorgeschichte (Wieler/Morabito denken auch bei dieser Arbeit wieder um die Ecke bzw. in mehreren Dimensionen und spielen mit der Geschichte  des von ihnen zu interpretierenden Stoffs.) wirkt der alternde Möchtegern-Verführer recht sympathisch und fast wie ein Opfer, so dass man ihm als Zuschauer nicht wirklich böse sein kann, sondern ihn vielmehr ein wenig bemitleidet.

Großen Anteil an dieser differenzierten und nahegehenden Wirkung der Titelfigur hat deren Darsteller, der italienische Bass Enzo Capuano,  der an der Stuttgarter Oper schon in einigen anderen Rollen des italienischen Fachs überzeugte. Im Don Pasquale besticht er nicht nur durch seine jederzeit sonore, schön timbrierte und sicher wie weich geführte Stimme, die sehr glaubhaft die verschiedenen Gemütszustände des suchenden wie des gehörnten Liebhabers widerspiegelt, sondern auch durch eine sehr rollengenaue, feinnervige Charakteri-sierung der Titelpartie, die er je nach Szene mal soigniert und würdig, an anderer Stelle leicht verwirrt und dann eben enttäuscht-hintergangen gibt.

Oper Stuttgart / Don Pasquale - hier: André Morsch als Doktor Malatesta, Ioan Hotea als Ernesto, Ana Durlovski als Norina © Martin Sigmund

Oper Stuttgart / Don Pasquale – hier: André Morsch als Doktor Malatesta, Ioan Hotea als Ernesto, Ana Durlovski als Norina © Martin Sigmund

Als fiese noch weniger als deren männliches Opfer reinherzige Braut Norina besticht die seit 2011 zum Ensemble der Stuttgarter Oper gehörende, aus Mazedonien stammende Ana Durlovski, die mit dieser Leistung erneut überzeugend unter Beweis stellt, warum sie einer der Lieblinge des Stuttgarter Opern-Publikums ist. Jederzeit sicher und stimmlich leichtgängig meistert sie ihre wunderbaren, von Donizetti ihr wie auf die Stimme geschriebenen Koloraturen und besticht ebenfalls durch ihre unglaubliche schauspielerische Präsenz, ohne die nun mal keine Sängerin und kein Sänger in einer Wieler-Morabito-Produktion auch nur halbwegs eine Chance hat, darstellerisch zu überleben, geschweige denn zu überzeugen. Wie dem Darsteller ihres kurzzeitigen Ehemanns gelingt ihr dies zur großen Begeisterung des Publikums im ausverkauften Stuttgarter Opernhaus zu einhundert Prozent, wofür ihr und ihren drei Sänger-Kollegen aber auch die sinnigen Einfälle  und bemerkenswerten Tricks der Regie eine erfolgversprechende Basis liefern. Ja, Personenführung und Charakterisierung bietet in dieser Neu-Inszenierung eine wahre Fundgrube an Schrullen, Ticks und Charakterstückchen und animiert nicht nur zum begeisterten Zuhören, sondern auch zum konzentrierten Hinschauen. Oder wann hat man je solche fast schon artistischen Kabinettstückchen mit einem Schalenkoffer oder einem Paar Schuhen gesehen? Dabei wirken diese Einschübe nie aufgesetzt und schon gar nicht klamaukhaft, sondern sind Seh- und Verstehhilfen für das jeweils gezeigte Verhalten bzw. die Charakterisierung der entsprechenden Personen in ihrer jeweiligen Situation und Verfassung.

Oper Stuttgart / Don Pasquale - hier :  Enzo Capuano als Don Pasquale © Martin Sigmund

Oper Stuttgart / Don Pasquale – hier : Enzo Capuano als Don Pasquale © Martin Sigmund

Das genaue Zuhören und Hinschauen lohnt sich durchaus auch bei den beiden anderen Hauptrollen und ihren Darstellern: Der junge rumänische Tenor Ioan Hotea liefert als zeitweise verpeilter, spät-pubertierender Ernesto  ein sehr realistisches Beispiel eines der Generation Instagram angehörenden, verwöhnten, noch recht unselbstständigen jungen Mannes, dem das Leben ganz sicher noch seine Lektionen  erteilen wird. Er besitzt (noch) keine ganz  große Stimme, die zudem in den Höhen stellenweise etwas scharf klingt, berührt aber durch eine sehr natürliche Singweise, die zudem manchen Schmelz zeigt und von echter Italianità geprägt ist.

Der männliche Teil des Ganovenduos, der zudem das Quartett der vom Leben oder dem Charakter Versauten oder mindestens Angeschlagenen komplettiert, findet in André Morsch, ebenfalls fest am Haus engagiert und wie Ana Durlovsky in dieser Neuinszenierung sein Rollendebüt feiernd, einen überzeugenden und aktiv hinterlistig wirkenden Darsteller. Er gibt einen äußerst zwielichtigen, fiesen Dottore Malatesta, der seiner skrupellosen Komplizin in Sachen Verschlagenheit in nichts nachsteht.

Mit diesen Eindrücken ist Jossi Wieler zuzustimmen, wenn er den Don Pasquale als eine der abgründigsten Komödien des Opernrepertoires bezeichnet, die allenfalls an der Oberfläche vergnüglich sei. „In Wahrheit“, so der Stuttgarter Regisseur und Operndirektor, „offenbaren die Figuren mehr und mehr ihre monströsen Seiten und ihre sinistre Lust an einem bitterbösen Gesellschaftsspiel.“

Daran, dass dieses auf der Bühne nahezu makellos vermittelt wird, hat auch der Bühnenbildner Jens Kilian einen hohen Anteil, der schon häufiger Bühnenräume für das Regie-Duo Wieler/Morabito gebaut hat. Seine aus hohen Wänden und Gittern gebildeten konzentrischen Kreise sind nicht nur äußerst gut zu bespielen und lassen sich leicht zu unterschiedlichen Räumen umfunktionieren, sondern sind auch sängerfreundlich und optisch recht attraktiv. Zudem bieten sie auch noch ausreichend Assoziations-möglichkeiten zur in ihnen ablaufenden Handlung, egal, ob man in ihnen nun Labyrinth, Gefängnis, Irrgarten oder eine postmoderne Villa sehen mag.

Bleibt zum Schluss noch, die beiden musikalischen Kollektive des Hauses am Eckensee zu würdigen. Da ist zunächst der von Christoph Heil auf den Punkt exakt einstudierte Chor, der seine Auftritte im dritten Akt darstellerisch wie sängerisch in der gewohnten Klasse und Flexibilität meistert.

Oper Stuttgart / Don Pasquale -  hier :  Ioan Hotea als Ernesto, Ana Durlovski als Norina, André Morsch als Doktor Malatesta © Martin Sigmund

Oper Stuttgart / Don Pasquale – hier : Ioan Hotea als Ernesto, Ana Durlovski als Norina, André Morsch als Doktor Malatesta © Martin Sigmund

Der instrumentale Part dieses tiefgründigen Opernabends liegt in den Händen des Staatsorchesters Stuttgart, an dessen Pult wieder einmal Giuliano Carella zu erleben ist, der den Herren Wieler und Morabito seit vielen Jahren als musikalisch Verantwortlicher zur Seite steht. Er feierte in Stuttgart bereits große Erfolge mit Verdis Rigoletto, Bellinis Die Puritaner und Händels Ariodante und vermag auch an diesem Abend über weite Strecken zu überzeugen. So leitet er seine Orchestermusiker zu einem sehr transparenten, luftigen Klang an, der selten dominant wirkt und glücklicherweise auf die bei italienischen Opern und deren Dirigenten nicht selten zu erlebenden Knalleffekte verzichtet.

Unbeantwortet blieb in diesem Fall die sich möglicherweise stellende Frage, ob sich die musikalische Leistung, insbesondere die des Orchesters, bei dieser zweiten Aufführung im Vergleich zur Premiere verändert haben mag, weil – neben anderen Faktoren – die Dienst- und Besetzungspläne der Kollektive nun einmal dafür sorgen, dass Ensembles an großen, fast täglich bespielten Opernhäusern eher selten in ihrer Premieren- oder grundsätzlich in einer festen, homogenen Besetzung zu erleben sind. Für die an diesem Abend und bei dieser Produktion erlebte  musikalische, darstellerische und dramaturgische Perfektion und dadurch erfahrene höchste Zufriedenheit ist ein solches Detail allerdings  zweitrangig, wenn nicht gar belanglos.

Don Pasquale an der Oper Stuttgart:  Weitere Vorstellungen am 04. und 29. Mai sowie am 02. Juni 2018

Stuttgart, Oper Stuttgart, Premiere Don Pasquale, 25.03.2018

Februar 20, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, Staatsoper Stuttgart

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Premiere von Donizettis Don Pasquale an der Oper Stuttgart
Jossi Wieler und Sergio Morabito inszenieren, Giuliano Carella dirigiert

Am Sonntag, 25. März 2018, um 18 Uhr feiert Don Pasquale von Gaetano Donizetti in der Inszenierung von Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Oper Stuttgart Premiere. Am Pult des Staatsorchesters ist Giuliano Carella zu Gast, der seit vielen Jahren dem Regieduo als künstlerischer Partner zur Seite steht. Giuliano Carella feierte in Stuttgart bereits große Erfolge mit Verdis Rigoletto, Bellinis Die Puritaner und Händels Ariodante. Den Bühnenraum entwirft Jens Kilian, der unter anderem an der Oper Stuttgart das Bühnenbild für die Neuinszenierung von Denisovs Der Schaum der Tage gestaltet hat. Teresa Vergho zeichnet für die Kostüme verantwortlich. In Stuttgart war ihre Arbeit zuletzt in der Neuproduktion von Philippe Boesmans‘ Reigen zu sehen.

Für die Neuproduktion von Donizettis Spätwerk kehrt Enzo Capuano in der Titelpartie auf die Bühne der Oper Stuttgart zurück. Die Ensemblemitglieder Ana Durlovski und André Morsch geben als Gaunergespann Norina und Doktor Malatesta jeweils ihre Rollendebüts. Zum ersten Mal ist zudem der rumänische Tenor Ioan Hotea als Ernesto im Haus am Eckensee zu Gast.

Jossi Wieler: „Die Geschichte um den gealterten Don Pasquale, der sein Leben lang auf Mehrung seines Reichtums und seiner Macht bedacht war, zählt für mich zu den abgründigsten Komödien des Opernrepertoires: Don Pasquale enterbt seinen Neffen, weil dieser die in seinen Augen ,falsche‘ Frau heiraten möchte und gerät in die Fänge eines zwielichtigen ,Doktors‘ und dessen skrupelloser Komplizin. Vergnüglich ist das Geschehen allenfalls an der Oberfläche. In Wahrheit offenbaren die Figuren mehr und mehr ihre monströsen Seiten und ihre sinistre Lust an einem bitterbösen Gesellschaftsspiel.“

Der 45-jährige Donizetti fühlte Krankheit und Tod herannahen, als er dieses Stück für Paris, die Hauptstadt des Luxus und der Mode, komponierte. Er verausgabte sich in einer der glanzvollsten und poetischsten Musiktheaterpartituren, die die italienische Oper je geschaffen hat.

Begleitveranstaltungen zu Don Pasquale

Öffentliche Probe
Samstag, 10. März 2018, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus.
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee
Sonntag, 18. März 2018, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräch
Mittwoch, 28.03.2018
Samstag, 31.3.2018
Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer.

Einführung vor jeder Vorstellung
Eine Einführung findet jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang, statt.

Karten
Karten über www.oper-stuttgart.de, Kartentelefon: 0711. 20 20 90, und an der Abendkasse.

Pressemldung Oper Stuttgart

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