Detmold, Landestheater Detmold, Powder her Face – Thomas Adès, IOCO Kritik, 24.02.2018

Februar 25, 2018 by  
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Landestheater Detmold

Landestheater Detmold © Björn Klein

Landestheater Detmold © Björn Klein

Powder Her Face –  Kammeroper von Thomas Adès

„The Dirty Duchess oder: was ist eine Blowjob-Arie?“

Von Karin Hasenstein

„Thomas… wer? Powder… was?“ So oder so ähnlich reagieren Viele, wenn man diese zeitgenössische Oper von Thomas Adès erwähnt.

Zugegeben, bis vor kurzem ging es der Rezensentin nicht viel anders. Bis sie im Rahmen einer Live in HD Übertragung aus der Metropolitan Opera New York The Exterminating Angel von Thomas Adès kennenlernte und in ihren Bann gezogen wurde. So kam überhaupt der Gedanke auf, die zweite Vorstellung von Powder Her Face im Landestheater Detmold zu besuchen.

Thomas Adès, geboren 1971 in London, ist ein junger Komponist, mit dessen Werk sich näher zu befassen durchaus lohnend sein kann – wenn man sich denn öffnen will für seine ungewöhnliche, wild überschäumende Klangwelt. Die deutsche Erstaufführung von Powder Her Face fand 1996 am Theater Magdeburg statt, Inszenierungen seiner zweiten Oper „The Tempest“ 2010 in Frankfurt und Lübeck. The Exterminating Angel hatte seine Uraufführung 2016 bei den Salzburger Festspielen und wurde im selben Jahr an die MET übernommen. Neben diesen drei Opern komponierte Adès zahlreiche Werke für Soli, Chor, Kammerorchester oder Streichquartett, die aber in Deutschland fast unbekannt sind, bis auf sein Werk Totentanz, das unter Jeffrey Tate am 18. September 2016 in der Hamburger Laeiszhalle erklang.

Landestheater Detmold / Powder Her Face - hier Eva Bernard als Herzogin, Daniel Arnaldos als Elektriker © Landestheater Detmold /Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Powder Her Face – hier Eva Bernard als Herzogin, Daniel Arnaldos als Elektriker © Landestheater Detmold /Birgit Hupfeld

Aufführungen seiner drei Opern in Deutschland sind selten, weshalb es umso erwähnenswerter ist, dass sich ein kleines Haus in der ostwestfälisch-lippischen Provinz an diese Herausforderung gewagt hat – mit großem Erfolg! Intendant Kay Metzger gebührt große Anerkennung für seinen Mut. Denn ein Publikumsmagnet wird diese Produktion vermutlich nicht werden. Warum? Da ist zunächst das Thema. Warum komponiert ein 24-Jähriger eine Oper über das Leben einer schottischen Herzogin? Wer war Margaret Whigham, spätere Campbell, Duchess of Argyll? In der Inszenierung von Christian Poewe erzählt diese Oper in 8 Szenen und einem Epilog Momente aus dem Leben der schottischen Herzogin, die vor allem durch ihr ausschweifendes skandalöses Sexleben bekannt wurde, das durch zahlreiche eindeutige Fotos mit unzähligen Liebhabern dokumentiert ist.

1990
Der Vorhang ist zu Beginn oben und gibt den Blick frei auf ein halbrundes in weiß gehaltenes Schlafzimmer, dessen einziges Möbel ein großzügiges rundes Bett ist (Ausstattung: Tanja Hofmann). Ein Elektriker und ein Zimmermädchen vergnügen sich dort und reden abschätzig über die Kleidung der Herzogin, die bankrott ist und sich nicht eingesteht, dass sie eigentlich am Ende ist. Kleine Fenster in den Wänden öffnen sich und geben wie in einer Peep-Show den Blick auf die dahinter befindlichen Zuschauer frei, welche die auf dem Bett tanzende Frau im schwarzen Unterkleid gierig betrachten und fotografieren.
Durch die Demütigungen des Personals erinnert sie sich an ihre glanzvolle Vergangenheit.
In Rückblenden erzählt die Oper Stationen ihres ausschweifenden Lebens. Dass sich ihr alter Teekocher nicht mehr reparieren lässt, deutet auf ein wenig ruhmreiches Ende hin.

1934
Nach erfolgreicher Scheidung von ihrem ersten, langweiligen Ehemann Baron Freeling, wartet die junge Margaret mit einer Vertrauten auf den Herzog. Dieser soll ein Frauenheld sein, ist aber vor allem eins, nämlich reich, und eine Heirat bringt den ersehnten Titel und die gesellschaftliche Position. Der Herzog erscheint nur als Schattenriss in der geöffneten Tür.

1936
In einer grotesken Szene wird die Hochzeit von Margaret und dem Herzog beschrieben, indem in wechselnden Konstellationen Braut, Bräutigam und Pfarrer in eindeutigen sexuellen Posen als Standbilder hinter einer schwarzen Gaze dargestellt werden. Vor dem Vorhang wundert sich eine Angestellte über das zügellose Verhalten der Reichen, die schon tagsüber Champagner trinken.

Landestheater Detmold / Powder Her Face - hier Michael Zehe, Jeanne Seguin als Zimmermädchen © Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Powder Her Face – hier Michael Zehe, Jeanne Seguin als Zimmermädchen © Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

1953
Die Herzogin ist allein im Hotel in London. Verzweifelt versucht sie, den Zimmerservice zu erreichen, um „Sandwiches, Beef, Wine“ zu bestellen. Immer wieder ist sie falsch verbunden, niemand scheint ihren flehentlichen Wunsch nach Fleisch zu vernehmen. Dabei ist ihr Schrei nach „Fleisch“ eindeutig nicht ernährungsorientiert, weshalb auch ihre Worte „Stopfe mich voll, bis ich nicht mehr kann“ nur in einer Hinsicht verstanden werden können. Schließlich erscheint ein zurückhaltender Zimmerkellner aus dem Schrank, die Aufforderung, sich zur ihr zu setzen, wird zunächst ignoriert, bis die Herzogin ihm schließlich Geld für gewisse Dienste anbietet. Die nun folgende Blowjob-Arie zeigt, wie weit Margaret schon gesunken ist, bekommt die einstige Schönheit doch nur noch „Liebe“ gegen Geld. Oder sollte man sagen „Opfer?“

In dieser Arie, die keinerlei Text enthält, sondern nur auf Vokalise gesungen wird, drückt sich die ganze Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit der Hauptfigur aus. Die beiden Personen agieren versetzt voreinander, ohne sich zu berühren, die Darstellerin der Margaret, Eva Bernard, leistet hier stimmlich wie darstellerisch Großartiges, während das Publikum die sehr präsentable Rückansicht des Kellners (Daniel Arnaldos) unverhüllt genießen darf. Leider dreht sich in dieser Szene das Bett nicht mehr, aber auch so läuft hier noch genug Kopfkino ab. Während er seine Hose hochzieht, fragt sie ihn „You know who I am?“ und erhält die erschütternde Antwort „All the boys know“. Schließlich erinnert er sie im Gehen daran, dass man sich nicht zum ersten Mal begegnet. „Last April, the same story“. Die Herzogin bleibt verzweifelt zurück und der Zuschauer fragt sich, wer hier gerade wen benutzt hat.

1953
Der Herzog vergnügt sich mit einer Geliebten, die ihm von den Liebesabenteuern der Herzogin erzählt. Sie verrät ihm, wo seine Frau Beweise ihrer Untreue versteckt.

1955
Es kommt zum Scheidungsprozess, in welchem der Richter seine Fassungslosigkeit über das unmoralische Verhalten der Herzogin zum Ausdruck bringt und erklärt, sie sei moralisch nicht geeignet für die Ehe und des Titels nicht würdig. Diejenigen, die sie zuvor verraten haben, sitzen nun eingehüllt in die überdimensionalen Rockschöße der Richterrobe, die schwarzglänzend beinahe den gesamten Bühnenraum bedeckt. Regungslos nimmt Margaret das Urteil entgegen.

Landestheater Detmold / Powder Her Face - hier: Jeanne Seguin, Michael Zehe, Daniel Arnaldos © Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Powder Her Face – hier: Jeanne Seguin, Michael Zehe, Daniel Arnaldos © Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

1970
Die Herzogin gibt ein letztes Interview, sei es, weil sie Geld braucht, oder weil sie einfach immer noch nicht akzeptieren will, dass ihr Stern im Sinken begriffen ist. Ernsthaft erzählt sie den Reportern, wie sie sich jung und schön hält und präsentiert ihre Mode, bis sie schließlich, auf ihren Lebenswandel angesprochen, ihre Verachtung zum Ausdruck bringt. Sie erhält hohe Rechnungen vom Hotelmanager, die sie nicht zahlen kann.

1990
Die Oper endet, wie sie begonnen hat. Die Herzogen ist allein in ihrem Hotelzimmer, statt einer schwarzen Perücke mit weißer Strähne trägt sie nun eine weiße mit schwarzer Strähne, ist wieder mit einem schwarzen Unterrock bekleidet und nur noch ein Schatten ihrer einstigen Schönheit. Der Hotelmanager erscheint und fordert sie wegen unbezahlter Rechnungen auf, das Hotel zu verlassen. Sie versucht, womit sie ihr Leben lang erfolgreich war, sie bietet ihm im Gegenzug Sex an, doch er geht nicht darauf ein.

Verzweifelt versucht sie noch etwas Zeit herauszuschinden, einen Monat, eine Woche, einen Tag… aber der Hotelmanager ist eindeutig: in einer Stunde ist ihr Wagen bestellt.
Mit ihrem letzten Freund, dem schwarzen Pudel im Arm, denkt sie an die schöne Zeit mit ihrem Kindermädchen und in ihr reift die bittere Erkenntnis: die einzigen Menschen, die jemals gut zu ihr waren, wurden dafür bezahlt. Der Manager kommt zurück. Sie versucht, sein Mitgefühl zu erregen, er soll sie halten, es habe sie schon so lange niemand mehr gehalten… Aber seine Aussage „Your car is here. That is all“, nimmt auch die letzte Illusion.

Das Bett auf dem Podest beginnt sich zu drehen, zu den Geräuschen der Windmaschine tickt das Uhrwerk im Pizzicato der Streicher und bleibt schließlich stehen. Die einstige Duchess of Argyll tritt ab, gebrochen, allein. Das Licht blendet ab. Die Klammer zum Anfang wird geschlossen durch Elektriker und Zimmermädchen, die mit den Worten vor den Vorhang treten: „Enough? Or too much…“

Was ist es nun, das so manchen Besucher veranlasst hat, in der Pause das Theater zu verlassen? Die eindeutig inszenierte Fellatio-Darstellung auf der Bühne? Die mit liebgewordenen Hörgewohnheiten brechende Musik von Thomas Adès? Die aggressive Erotik? Die sperrigen Texte? Die enttäuschten Erwartungen an einen „netten“ Opernabend? Die Tatsache, dass die nur vier Solisten in verschiedene Rollen schlüpfen? Insgesamt zuviel nackte Haut auf der Bühne?

Wer die Oper im Abo hatte, mag vielleicht überrascht worden sein, aber wer sich bewusst für dieses Stück entscheidet, sollte auf all das vorbereitet sein. Wer es dennoch nicht war und sich entschieden hat, vorzeitig zu gehen, hat sich damit viel genommen. Im zweiten Teil nimmt die Handlung ihren tragischen Verlauf, steigern sich Musik, Spiel und Gesang immer mehr bis zum hoffnungslosen Ende.

Landestheater Detmold / Powder Her Face - hier Eva Bernard als Herzogin, Jeanne Seguin als Zimmermädchen, Daniel Arnaldos als Elektriker© Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

Landestheater Detmold / Powder Her Face – hier Eva Bernard als Herzogin, Jeanne Seguin als Zimmermädchen, Daniel Arnaldos als Elektriker© Landestheater Detmold / Birgit Hupfeld

Die Partien verlangen den Sängerdarstellern einiges ab. Allen voran sei die Rolle der Herzogin zu nennen, die von Eva Bernard in allen Facetten großartig gemeistert wurde. Sie als „lyrischen Sopran“ zu besetzen, wie Adès es vorsieht, würde den Anforderungen fast nicht gerecht. Die Partie ist recht umfangreich und stellt die Stimme vor hohe Anforderungen an Beweglichkeit, Tessitura und Wechsel zwischen lyrischen und dramatischeren Passagen. All dieses meisterte Eva Bernard mit Bravour. Dass sie sich zu Beginn als erkältet ansagen ließ, schien eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen zu sein, davon war der Stimme nichts anzumerken. Auch ihr Spiel war immer in der Rolle, hochkonzentriert und professionell.
Der niederländische Bass Bart Driessen sang die Rolle des Hotelmanagers, schlüpfte aber auch in die des Herzogs. Auch ihm gelang eine souveräne Darstellung des betrogenen Ehemannes, der außerehelichen Aktivitäten ebenso wenig abgeneigt ist, wie die Herzogin, ebenso wie die des Hotelmanagers. Sein seriöser Bass verfügt über alle Fähigkeiten, um diese Rolle überzeugend auszufüllen.
Das Zimmermädchen wurde von Jeanne Seguin charmant-kokett dargestellt. Die nahezu akrobatischen stimmlichen Anforderungen, welche der Komponist dieser Figur gegeben hat, bewältigte der Koloratur-Sopran mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit. Anklänge an die Arie der Königin der Nacht drängen sich dem Hörer auf.
Der spanische Tenor Daniel Arnaldos fügte sich stimmlich wie optisch perfekt in das Solisten-Quartett ein. Er überzeugte in der Rolle des Elektrikers ebenso wie in der des gefügigen Kellners mit schlankem, leicht dunkel timbriertem Tenor. An vielen Stellen schimmern bekannte musikalische Zitate durch Adès‘ Partitur, er macht Anleihen bei Mozart, Strauss, am Ende gar bei Wagner, aber wahrt dennoch stets seine eigene unverwechselbare Handschrift.

Das kleine Orchester (15 Stimmen) unter der Leitung von Lutz Rademacher besteht aus einer kleinen Streichergruppe (zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass) und im Verhältnis dazu zahlreichen tiefen Blasinstrumenten wie der Bassklarinette, Kontrabassklarinette, Bass-Saxophon, im oberen Tonbereich ergänzt durch eine Kolbenflöte, wodurch – wie schon bei den Sängern – ein großer Tonumfang abgedeckt wird. Das Blech ist durch Horn, Trompete und Posaune vertreten und wird durch umfangreiches Schlagwerk ergänzt. Exotische Rhythmusinstrumente und eine große Angelrolle, Trommelbremsen und ein Rototom für die Glissando-Effekte runden den geheimnisvollen Klang ab. Hier werden die Ohren herausgefordert, Adès bricht mit fast sämtlichen liebgewordenen Hörgewohnheiten, indem er verstärkt verminderte und übermäßige Akkorde einsetzt und auch den Sängern große Intervalle zumutet. So entsteht zwar kein Ohrwurm, aber beim Hörer vielleicht die Lust, sich mit einigen anderen Stücken dieses jungen zeitgenössischen Komponisten auseinanderzusetzen.

Das Publikum belohnte die außergewöhnliche Leistung des Landestheater Detmold Ensembles in Powder Her Face mit lang anhaltendem Applaus und einzelnen Bravi.

—| IOCO Kritik Landestheater Detmold |—

 

Hamburg, Laeiszhalle, Symphoniker Hamburg – Englische Kunst, IOCO Kritik, 1.02.2017

Februar 2, 2017 by  
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Laieszhalle Hamburg / Symphoniker Hamburg - Sir Jeffrey Tate © Maxim Schulz

Laieszhalle Hamburg / Symphoniker Hamburg – Sir Jeffrey Tate © Maxim Schulz

 Symphoniker Hamburg – Sir Jeffrey Tate – Jennifer Johnston

Englische Kunst  –  Schönster Eskapismus

Von Sebastian Koik

Wie zuletzt bei den Wiener Philharmonikern in der Elbphilharmonie steht am 29.1.2017 bei den Symphonikern Hamburg Musik aus dem 20. Jahrhundert auf dem Programm. Doch ganz anders als dort geht es nicht um düstere Themen, Schmerz, menschliche Gewalt und Katastrophen, sondern um fast gänzlich unbeschwerte Reisen ins Weltall, ans Meer und nach London. Auch klingen die Stücke aus der Frühmoderne zum Großteil eher wie aus der Spätromantik und sind sehr zugängliche Musik, die unkompliziert das Herz erobert.

Bis auf das Hamburger Orchester sind alle Protagonisten des Konzertes Engländer: Der Dirigent Sir Jeffrey Tate, die Komponisten Constant Lambert, Edgar Elgar, Ralph Vaughan Williams und die Mezzosopranistin Jennifer Johnston.

Das erste Stück, Constant Lamberts Suite zum Ballett Horoscope, legt mit jazzig-swingenden Klängen los und ist dem Sternzeichen Löwe sowie dem jungen Leo gewidmet. Von Beginn an wird der Zuhörer auf eine Reise mitgenommen, raus aus der Alltagszeit hinein in die Gegenwart der Musik. Und welch‘ schöne Musik!

Der zweite Satz deutlich langsamer und in ganz anderer Stimmung. Extrem zärtlich, sanft, feminin. Es wird sofort klar, dass dieses Stück neben dem Sternzeichen Jungfrau die weibliche Protagonistin Virgo vorstellt. Es sind unglaublich friedliche Klänge. Entspannung. Stress wird aufgelöst. Urlaub für Seele und Geist.

Genauso wie der dritte, ein herrlich tanzender Satz, in dem Leo und Virgo zusammenfinden. Dieser Walzer ist von wunderbarer Fröhlichkeit, Leichtigkeit und faszinierender Unbeschwertheit. Es herrscht die Schwerelosigkeit des Weltalls. Ein herrlich beschwingter und schwelgender Traum. Man fühlt sich befreit. Und anders als im ersten Satz, wo ich mir streckenweise wünschte, dass das Orchester mit ein klein wenig mehr Zug, eine Spur knackiger spielte, werden der zweite und dritte Satz perfekt von Dirigent und Orchester umgesetzt. Das macht Spaß!

Laieszhalle Hamburg / Jeffrey Tate © J. Konrad Schmidt

Laieszhalle Hamburg / Jeffrey Tate © J. Konrad Schmidt

Der zweite der drei englischen Komponisten des Abends ist Edward Elgar mit seinem Liederzyklus „Sea Pictures“. Der Zyklus beginnt ebenso traumhaft schön, wie das letzte Stück endete. Und das Orchester spielt es ganz wunderbar, mit einem derart weichen Klang, dass man darin versinken möchte. Gesungen werden die fünf Lieder von der englischen Mezzosopranistin Jennifer Johnston. Und wie sie singt! Mit einer Stimme, die zu einem spricht, die einen angeht, einer etwas ätherischen, doch strahlkräftigen Stimme, die sich mit Leichtigkeit gegen den mächtigen Orchesterklang behauptet und darüber schwebt. Johnston begeistert, ohne Schwächen und mit schier endlosem Atem. Die Musik wird von ihr und dem Orchester extrem packend gesungen und gespielt. Die Sea Pictures sind wunderschöne Musik und sind unter anderem wegen der umwerfenden Jennifer Johnston das Highlight des Abends. Im ersten Lied wird der Ozean noch sanft, mit gemächlich wogenden Wellen gemalt: „Die Welt ruht ohne Pein, sanft klingt des Meeres Schlummersang.“ „Wiege dich, mein Kind, dass Ruh‘ Dein Herz gewinnt!“ und beschreibt damit auch die Wirkung, die die Musik auf die Herzen des Publikums hat. „Wie zarter Geige Klang beschwichtigt Seegesang, er lullet ein, was bös‘ und bang in Deine Seele drang“.

Das zweite Lied singt von der ewigen Liebe: „Liebe nur hält Stand.“ Im dritten Lied geht es um göttliche Liebe: „Mich tröstet Gottes Geist.“ Es wird dramatischer, das Orchester und die starke Stimme reißen mit. Es ist enorm beeindruckend.

Im vierten Lied geht es weiter mit wundervollem Gesang, einerseits schwerelos wirkend, andererseits mit wahnsinnig viel Gefühl. Die vermeintlich sichere und beständige Liebe gerät in Gefahr. Eine jetzt schmerzerfüllte Schönheit. Der Gesang ist nicht besser vorstellbar. Jennifer Johnston als Idealbesetzung.

Im fünften Lied malt das Orchester das Bild einer stürmischen See. Einsam schwimmt und treibt darin die Solostimme. Der Gesang wird markerschütternd. Johnstons Stimme eine Urgewalt wie das wilde, unzähmbare Meer, das um sie herum tost, ganz fantastisch dargestellt von Dirigent und Orchester. In den letzten Zeilen des letzten Liedes heißt es: „Reiten möcht‘ ich wie kein Mann geritten, rings von euren Wirbeln weich umglitten, bis ich das Land meines Traums erstritten, wo Liebe thronet in sel’gem Raum. Dort, wo Liebe thront in sel’gem Raum.“ Ganz große Leidenschaft. Anders als im ersten Stück, gibt es in der Welt der Sea Pictures nicht nur unbeschwerte Leichtigkeit. Es gibt Gefahren, Wind und Wellen können wild und gewaltig sein, doch sind es nur Naturkräfte und keine Bedrohungen wie Krieg, Unterdrückung und andere von Menschen gemachte Gewalt. Wie der erste Ausflug ins Weltall, so tut auch dieser Trip ans Meer mit der Selbstverständlichkeit der Natur der Seele gut. Die Zeit in diesen friedlichen Welten vergeht wie im Fluge. Beglückt geht das Publikum in die Pause.

Laieszhalle Hamburg © Maxim Schulz

Laieszhalle Hamburg © Maxim Schulz

Als drittes Stück wird Ralph Vaughan Willliams‘ Symphonie Nr. 2 – „A London Symphony“ gespielt. Vom ersten Ton an wird mit großer Spannung und packend eine friedliche Morgenstimmung erzeugt. Mit dem Einsatz der Blechbläser wird es plötzlich wild und laut, das komplexe Gebilde einer Großstadt entsteht. London. Wunderschöne, unglaublich sanfte und zärtliche Streicher erklingen. Im ersten und zweiten Satz wechseln sich langsam-leise mit  schnelleren frivol-spielerischen oder majestätischen Passagen ab.

Der dritte Satz ist dann durchgängig schneller, frivol, keck, beschwingt und extrem gut gelaunt, erst am Ende wieder ruhig und mit wohlig-warmen Tönen. Der vierte Satz beginnt dramatischer und bleibt es über weite Strecken, bis am Ende die Harfe das Glockenthema von Big Ben zupft und die Musik wegdimmt und die musikalische Reise beendet ist.

Bis auf wenige Sekunden, in denen ein Tick mehr Zug, Knackigkeit oder Übersicht vorstellbar sind, wird das Stück extrem klangschön, spannungsreich und stark vom Orchester gespielt. Verdient der lang anhaltende Applaus, der Jubel, die Bravo-Rufe und die stehenden Ovationen. Zurück aus der Gegenwart der Musik in die Realität des Alltags. Von Sebastian Koik

—| IOCO Kritik Laeiszhalle Hamburg |—

Wien, Wiener Staatsoper, DER ROSENKAVALIER von Richard Strauss, 06.04.2015

April 2, 2015 by  
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Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper © Starke

 DER ROSENKAVALIER  von Richard Strauss

 Wiederaufnahme der prächtigen Otto-Schenk-Inszenierung des Rosenkavalier von Richard Strauss aus …..  06. April 2015, 18:00 Uhr,  weitere Termine:  09. Apr. 2015 | 18.30,  12. Apr. 2015 | 18.00

Die von ihrem Gatten vernachlässigte Feldmarschallin nützt den Morgen um mit ihrem Geliebten, dem jungen Grafen Oktavian, Zärtlichkeiten auszutauschen. Da platzt ohne jede Ankündigung ihr Vetter, der Baron Ochs von Lerchenau, in das Vorzimmer der Marschallin. Gerade noch rechtzeitig gelingt es Oktavian, sich als Kammerzofe zu verkleiden. Ochs, der gekommen ist um sich von der Marschallin einen Brautwerber für seine Hochzeit mit Sophie Faninal, der Tochter eines reichen Emporkömmlings, empfehlen zu lassen, findet sogleich Gefallen an der „Kammerzofe“. Die Marschallin nennt ihm Oktavian als den Geeigneten und zeigt ihm ein Medaillon ihres Geliebten. Ochs ist über die „Ähnlichkeit“ der „Kammerzofe“ mit dem Bildnis Oktavians höchst verwundert, akzeptiert aber den Vorschlag. Als Oktavian in der Funktion des Brautwerbers einige Zeit später bei Sophie eintritt, verlieben sich die beiden ineinander. Da sich Ochs, der nur an der Mitgift des Mädchens interessiert ist, auch noch überaus derb zu ihr benimmt und Sophie zur Unterzeichnung des Ehevertrages gedrängt wird, zieht Oktavian den Degen und verletzt ihn leicht am Arm. Um diese Verbindung, die vom Vater Sophies und von Ochs gewollt wird, endgültig zu untergraben, soll nun Ochs eine Falle gestellt werden. In einem Brief lädt ihn die „Kammerzofe“ zu einem Beisammensein in ein Vorstadtgasthaus. Dort treffen Ochs, der das Angebot voller Freude annimmt, und der als Zofe verkleidete Oktavian abermals aufeinander. Als er sich an „ihr“ vergreifen möchte, dringen verschiedene Gestalten in das Zimmer und beginnen einen Mummenschanz. Ganz zuletzt kommen auch noch Faninal, Sophie, ein Polizeikommissär und die Marschallin dazu. Schließlich muß Ochs erkennen, daß er als Bräutigam ausgedient hat. Verlegen bleiben Oktavian und Sophie mit der Marschallin zurück. Als letztere sich der neuen Neigung Oktavians gewiß ist, führt sie ihn – ganz Herrin der Szene – der jüngeren Sophie zu und überantwortet das junge Paar seinem Schicksal.

Jeffrey Tate | Dirigent Otto Schenk | Regie
Rudolf Heinrich | Bühnenbild, Erni Kniepert | Kostüme

BESETZUNG:
Angela Denoke | Feldmarschallin, Peter Rose | Baron Ochs auf Lerchenau
Stephanie Houtzeel | Octavian, Sylvia Schwartz | Sophie
Clemens Unterreiner | Faninal, Caroline Wenborne | Marianne Leitmetzerin
Michael Roider | Valzacchi, Ulrike Helzel | Annina
Alexandru Moisiuc | Polizeikommissar
Wolfram Igor Derntl | Haushofmeister bei der Feldmarschallin
Thomas Ebenstein | Haushofmeister bei Faninal
Marcus Pelz | Ein Notar
Norbert Ernst | Ein Sänger
Elisabeta Marin | Eine Modistin
Herwig Pecoraro | Ein Wirt
Renate Gutsch | Eine Adelige Witwe
Kaya Maria Last | Erste adelige Waise
Maria Gusenleitner | Zweite adelige Waise
Evelyn Saul | Dritte adelige Waise
Thomas Köber | Ein Tierhändler
Dritan Luca | Erster Lakai der Marschallin
Meng-Chieh Ho | Zweiter Lakei der Marschallin
Hiro Ijichi | Dritter Lakei der Marschallin
Jens Musger | Vierter Lakei der Marschallin
Gerhard Reiterer | Erster Kellner
André Potgieter | Zweiter Kellner
Hacik Bayvertian | Dritter Kellner
Michael Wilder | Vierter Kellner
Florian Tomaschitz | Leopold
Csaba Markovits | Ein Hausknecht
Manami Ziervogel | Ein kleiner Mohr

Wiederaufnahme am 06. April 2015, 18:00 Uhr Weitere Termine:  09. Apr. 2015 | 18.30
12. Apr. 2015 | 18.00

……….

Die Vorstellung am 12. April wird im Rahmen von WIENER STAATSOPER live at home weltweit in HD übertragen (staatsoperlive.com), weiters werden alle Vorstellungen mit *Oper live am Platzam Herbert von Karajan-Platz zu sehen sein.

Pressemeldung Wiener Staatsoper

Wien, Wiener Staatsoper, Der Ring des Nibelungen mit Nina Stemme – Thomasz Konieczny – Peter Seifert, 30.05.2014

Mai 30, 2014 by  
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Wiener Staatsoper

Wiener Staatsoper © Starke

Der Ring des Nibelungen  an der Wiener Staatsoper

„Das Rheingold“ am Freitag, 30. Mai 2014 bildet den Auftakt zu zwei Zyklen von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen  an der Wiener Staatsoper.

Erstmals dirigiert Jeffrey Tate die Tetralogie (Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf) im Haus am Ring. Jochen Schmeckenbecher gibt seine Alberich-Hausdebüts, KS Nina Stemme ist erneut in allen drei Brünnhilde-Partien („Die Walküre“, „Siegfried“, „Götterdämmerung“) zu erleben, Tomasz Konieczny als Wotan bzw. Wanderer („Das Rheingold“, „Die Walküre“, „Siegfried“), Stephen Gould als Siegfried („Siegfried“, „Götterdämmerung“), Elisabeth Kulman als Fricka („Das Rheingold“, „Die Walküre“) und KS Peter Seiffert als Siegmund („Die Walküre“ * Rollendebüt am Haus). Beide Ring-Zyklen werden im Rahmen von *Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Detailliertere Besetzung bzw. Rollendebüts:
Ihre Staatsopern-Rollendebüts in „Das Rheingold“ am Freitag, 30. Mai 2014 geben Jochen Schmeckenbecher als Alberich und Sebastian Kohlhepp als Froh. Tomasz Konieczny verkörpert den Wotan, Norbert Ernst den Loge, KS Herwig Pecoraro den Mime, Elisabeth Kulman die Fricka, Janina Baechle die Erda, Boaz Daniel den Donner, Sorin Coliban den Fasolt, Ain Anger den Fafner und Caroline Wenborne die Freia. Reprise: 19. Juni

In „Die Walküre“ am Samstag, 31. Mai 2014 geben KS Peter Seiffert als Siegmund und Gun-Brit Barkmin als Sieglinde ihre Rollendebüts am Haus. Tomasz Konieczny ist als Wotan zu erleben, KS Nina Stemme als Brünnhilde, Elisabeth Kulman als Fricka und Ain Anger als Hunding. Weitere Rollendebüts geben Olga Bezsmertna als Gerhilde, Hyuna Ko als Ortlinde und Regine Hangler als Helmwige.

Reprise: 22. Juni Jochen Schmeckenbecher gibt in „Siegfried“ am Donnerstag, 5. Juni 2014 als Alberich sein Staatsopern-Rollendebüt. Stephen Gould verkörpert den Siegfried, KS Nina Stemme die Brünnhilde, Tomasz Konieczny den Wanderer, KS Herwig Pecoraro den Mime, Janina Baechle die Erda und Ain Anger den Fafner.

Reprise: 25. Juni In „Götterdämmerung“ am Sonntag, 8. Juni 2014 gibt Jochen Schmeckenbecher als Alberich sein Rollendebüt an der Wiener Staatsoper. Stephen Gould singt den Siegfried, KS Nina Stemme die Brünnhilde, Attila Jun den Hagen, Markus Eiche den Gunther, Caroline Wenborne die Gutrune und Janina Baechle die Waltraute. Reprise: 29. Juni.   PMWSto

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