Mönchengladbach, Theater Krefeld Mönchengladbach, Salome – Richard Strauss, IOCO Kritik, 03.10.2019

krefeld_2.jpg

Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

Theater Mönchengladbach © Matthias Stutte

Salome – Richard Strauss

– In der Jetztzeit – Eine Familientragödie in besseren Kreisen –

von Viktor Jarosch

„Salome bringt in 100 Minuten drei Männer zur Strecke“, kündigte Mönchengladbachs OB Hans Wilhelm Reiners den gespannten Besuchern im Theater Mönchengladbach zur Saisoneröffnung und Premiere der Salome am 22.9.2019 an. OB Reiners verkündete aber auch positives: die Zuschüsse zum Theater steigen ab 2019 um Euro 2 Mio jährlich: ein starker Einstieg in die folgende Premiere der szenisch und stimmlich begeisternden Salome.

Salome, das vielleicht größte Werk von Oscar Wilde (1856-1900), entstand in Paris, wurde 1891 in London publiziert, wo  Wilde als Schriftsteller schon früh sehr erfolgreich war. Die Tragödie Salome wurde Ausdruck von Wildes gelebtem Weltbild; es galt hinfort als eine Art „Dekadenzdichtung“, welche sich gegen prüde bürgerliche und  moralische Werte der Zeit auflehnt. Durch extravagant ungewöhnlichen Lebenswandel,  große Sprachgewandtheit und hohe öffentliche Präsenz hatte sich Oscar Wilde neben Bewunderen auch viele Gegner gemacht. Die englische Gesellschaft tolerierte Wilde nicht; sie schlug zurück: mit 44 Jahren stirbt Wilde aus England vertrieben und verarmt in Paris; dort, wo die Salome 1890 entstand.

 Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier streitende Juden über Religion _ vor der Villa des Herodes © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier streitende Juden über Religion _ vor der Villa des Herodes © Matthias Stutte

Salome  entstammt dem  Matthäus Evangelium, wenn auch dort nicht namentlich genannt; in Kapitel 14 heisst es..“Herodes hat Johannes ergriffen, gefesselt und ins Gefängnis geworfen, wegen der Herodias, der Frau seines Bruders Philippus. Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es ist nicht recht, dass Du sie hast  .. Als aber Herodes seinen Geburtstag beging, da tanzte   die Tochter der Herodias (NB  Salome)  vor ihnen ..  Darum versprach er ihr mit einem Eid, er wolle ihr geben, was sie fordern würde ….Und sie sprach: Gib mir hier auf einer Schale das Haupt Johannes des Täufers!…“

Richard Strauss beeindruckte der große öffentliche Widerhall, welchen die Premiere des Dramas Salome 1901 in Breslau, Max Reinhardt inszenierte, ausgelöst hat. In Wien war  die Premiere der Salome 1901 zuvor von der Zensur  untersagt. Alles geschah  zu einer Zeit im deutschen Kaiserreich, als Frauen dort erstmals öffentlich  um ihre Rechte kämpften. Strauss hatte zuvor das Drama  mehrfach in Berlin besucht und wusste: „das Stück schriee nach Musik“.

Salome war zentral in Strauss´ Wirken, der kompositorische Durchbruch: mit  Salome fand Richard Strauss, er war bereits 56 Jahre alt, endgültig seine künstlerische Individualität:  dreißig Leitmotive und komplexe Tonarten (so das seltene cis-Dur zur Erotik der Salome; ihre Schwärmereien über die strahlenden Haare des Jochanaans in glücklichem, walzerhaftem D-Dur, es-Dur zeichnet den Mond, Jochanaan wird mit Hörnern ein wenig majestätisch gezeichnet): zusammen bildet es ein musikalisches Fundament inmitten changierender Thematik und Harmonik

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Herodes und die ihn verspottende Stieftochter Salome © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Herodes und die ihn verspottende Stieftochter Salome © Matthias Stutte

Nicht  einfach war es, 65 Musiker der Niederrheinischen Symphoniker mit ihren teils großen Instrumente im Orchestergraben des Theater Mönchengladbach zu positionieren, um trotzdem Salome mit kammermusikalischer Kraft zu spielen. Die kammermusikalische Intonierung war für GMD Mihkel  Kütson jedoch zentral für diese Inszenierung. Richard Strauss hatte Salome in mehreren Orchester-Fassungen komponiert; in Fassungen mit bis zu 125 Musiker. In Mönchengladbach wurde die etwas „verkleinerte“ Orchesterfassung aufgeführt. Inmitten der Enge des Orchestergrabens unterlegen in der Folge des Abends denn auch wunderbar feine Klangfarben des Orchesters die komplexe Handlung  auf der Bühne. In ausdrucksstarken musikalischen Klängen werden dunkle Mächte, die Ängste und Visionen des von seinem Brudermord getriebenen Herodes, die lasziven Wünsche der jungen Salome…… sichtbar.

Regisseur Anthony Pilavachi inszeniert Salome in Mönchengladbach im modernen Gewand des Art déco der 1920er Jahre, ohne Bezug auf die judäische  Antike, ohne Tempel des Herodes.  Das Bühnenbild: Weite Treppen führen zur Fassade einer mit goldfarbenen Reliefs geschmückten die Bühne beherrschenden herrschaftlichen Villa. Durch hohe, helle Fenster erkennt man  im ersten Bild eine elegante jüdische Gesellschaft (Männer mit Kippa und Schläfenlocken in Frack, Frauen in Abendkleidern) bei einem Festmahl (Bühnenbild, Kostüme Markus Meyer). Vor dem Palast ein offener Platz, in dessen  Mitte – eine runde Zisterne: Das Gefängnis des Jochanaan.

Modernes Bühnenbild, Lichteffekte und Kostüme verleihen der Tragödie um Herodes, Salome und Jochanaan nachfühlbare Aktualität und harmonieren  mit schauspielhaft präziser Gestik und Personenführung. So bildet die Inszenierung und das moderne Libretto von Richard Strauss den  Geist der Jetztzeit, des Hier und Heute ab. Verbunden mit einem darstellerisch und stimmlich blendend aufgelegtem Ensemble waren die Besucher von Beginn an gebannt; mit Beifallstürme wurde die ergreifende Premiere der Salome  im Theater Mönchengladbach gefeiert.

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Salome und Jochanaan © Matthias Stutte

Theater Krefeld Mönchengladbach / Salome _ hier Salome und Jochanaan vor der Zisterne © Matthias Stutte

Narraboth (David Esteban) schwärmt mit Beginn vor der chiquen Villa eines offensichtlich gutsituierten Herodes in lyrischem Tenor in modern schwarzer Uniform: „Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht!“, derweil  uniformierte Soldaten mit turbanhafter Kopfbedeckung (Matthias Wippich, Alexander Kalina) patrouillieren und die in der Villa sichtbare Festgesellschaft beschreiben:  „Die Juden; sie sind immer so. Sie streiten über ihre Religion“.  Aus der Zisterne erklingt die Mahnung des Jochanaan: Nach mir wird einer kommen…“; dann erscheinen die Protagonisten auf der Bühne; Salome in silbrig glitzerndem Abendkleid, klagt sich auf der Zisterne räkelnd: „Ich will nicht bleiben, Ich kann nicht bleibend…“.  Inmitten des großen Ensembles gestaltet Regisseur Anthony Pilavachi für jeden Akteur einen sichtbar eigenen aber immer modernen Charakter: Herodes in lässigem Anzug seiner Stieftochter Salome nachstellend, dann, zu seinem, schon im Evangelium beschriebenen Geburtstag, mit großem Festkuchen erscheinend; der Page wird zum Dandy; der „Tanz der sieben Schleier“  der Salome in weitem, weißen Umhang und mit riesigen Schmetterlings-Flügeln berührt anmutend esoterisch und nicht – wie oft inszeniert – billig lasziv oder verführerisch überzeichnend. Mit den Befehl: „Man töte dieses Weib“, weist Herodes bekanntlich zum Ende der Oper seine Soldaten an, die Stieftocheter zu erchiessen. Doch in Mönchengladbach endet die Oper überraschend:  Als die Soldaten Salome töten wollen erschießt diese, die Oper beendend, in einer sich verdunkelnden Bühne, ihren Stiefvater Herodes; mit dem zwiespältigen Ende schafft die Inszenierung Raum für weitere Träume, Visionen.

So wird Salome wird im Theater Mönchengladbach zu einem expressiven Drama einer Familie „in heutigen besseren Kreisen“, dessen komplexes aber höchst fragiles Beziehungsgeflecht durch eine unreif junge Frau, der selbstsüchtigen Salome, zum Einsturz gebracht wird.  OB Reiners hatte dies, welch eine Überraschung, schon gewusst und angekündigt!

Dorothea Herbert, ab 2019 neues Ensemblemitglied im Theater Krefeld Mönchengladbach,  überzeugt fulminant in der großen, gestaltenden Partie der Salome: Mit guter Verständlichkeit ( zentral für alle Richard Strauss Opern) und besonders in hohen Tonlagen überwältigendem Sopran erzeugt Dorothea Herbert von Beginn an bei den Besuchern Spannung, Neugierde, Faszination. Doch auch die anderen großen Partien der Produktion sind bestens besetzt: Markus Petsch als Herodes zeichnet die Unsicherheiten („ich bin sicher, es wird ein Unheil geschehen..“) im komplexen Beziehungsgeflecht mit Herodias und Salome mit lyrisch timbriertem, sicherem Tenor. Überwältigend erneut Johannes Schwärsky, hier als Prophet Jochanaan: Schon zu Beginn, aus den Tiefen der Zisterne, klingt sein kraftvoll schwerer Bass-Bariton drohend; akustisch noch ein wenig gedeckt; doch auf der Bühne wächst Schwärsky zu einem leibhaftigen Propheten Jochanaan, der mit mächtiger Stimme und großer physischer Präsenz Salome kraftvoll verflucht und die nahende Ankunft Gottes verkündet. Eva Maria Günschmann überzeugt in diesem starken Ensemble als intrigierende Herodias in gepflegtem Abendkleid mit optisch zurückgenommener Präsenz.

Theater Mönchengladbach / Salome hier das Ensemble zum Schlussapplaus vor der herrschaftlichen Villa © IOCO

Theater Mönchengladbach / Salome hier das Ensemble zum Schlussapplaus vor der herrschaftlichen Villa des Herodes © IOCO

GMD Mihkel  Kütson zeichnet mit seinen Niederrheinischen Symphonikern  zuvorderst den kammermusikalischen Charakter  der Oper Salome, welcher in Tonarten und Leitmotiven das Unterbewusste,  Stimmungen, Ängste, Träume und Visionen der Protagonisten betont, doch dies Unterbewusste ebenso farbig ausmalt wie das wahrnehmbare, sichtbare Handeln. Ein schwieriger Spagat für großes Orchester in einem relativ kleinen Haus; den Kütson und die Niederrheinischen Symphoniker mit Kunst und Können wunderbar umsetzen.

So feierte das Publikum zum Saisonanfang  im Theater Mönchengladbacher mit viel Bravos und Beifall  eine auch uns unerwartet mitreißende Inszenierung der Salome, welche heutiges Leben im Sichtbaren und mit konspirativen, hintergründigen, versteckten Untertönen spürbar abbildete.

Salome am Theater Mönchengladbach; die nächsten Vorstellungen 8.10.; 19.10.; 9.11.; 19.12.; 27.12.2019

Meiningen, Meininger Staatstheater, DAS SCHLOSS DÜRANDE – Othmar Schoeck, 08.05.2019

Meininger Staatstheater 

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

DAS SCHLOSS DÜRANDE – Othmar Schoeck (1886 – 1957)

nach einer Novelle von Joseph von Eichendorff, Szenische Uraufführung der Neufassung,  Libretto Francesco Micieli, musikalische Adaption Mario Venzago

„So lebe und liebe! Bis du sattgeküsst.“  –  Renald ertappt seine Schwester bei einem Stelldichein mit einem jungen Mann, den er als den Grafen Armand erkennt. Er glaubt nicht an aufrichtige Absichten des Grafen und bringt Gabriele in ein Kloster.

Meininger Staatstheater / Das Schloss Dürande - Yücel, Sailings © Sebastian Stolz

Meininger Staatstheater / Das Schloss Dürande – Yücel, Sailings © Sebastian Stolz

Bei einem Erntefest, zu dem auch die gräflichen Herrschaften erscheinen, erfährt Gabriele, wer der Geliebte ist. Als Gärtnerbursche verkleidet folgt sie ihm nach Paris. Renald glaubt seine Schwester entführt und reist hinterher. In Paris gerät er in den Kreis populistischer Agitatoren und schließt sich ihnen an. Die Französische Revolution wird nicht von politischen Ideen motiviert, sondern von einer Horde Gewaltbereiter ins Rollen gebracht. Während draußen die Walze der Revolution über das Land hinwegfegt, liegt der Adel in Agonie. Der Alte Graf von Dürande spielt lieber seine Spieluhr und sein Sohn Armand zieht sich in einen poetischen Elfenbeinturm zurück. Die Zeichen der Zeit, die wie Wetterleuchten am Horizont aufblitzen, bleiben unverstanden. Die Liebe von Gabriele und dem Grafen bleibt in diesen Zeiten eine chancenlose Utopie.

Als Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) 1837 seine Novelle DAS SCHLOSS DÜRANDE schreibt, stand er unter dem Eindruck des politischen wie sozialen Umbruchs, der seit der Französischen Revolution in Wellen der Gewalt, der Restauration und neuer Gewaltausbrüche Europa schließlich neu formte. Selbst dem Adel entsprossen, steht Eichendorff diesem kritisch gegenüber. Was er im alten Regime sieht ist nicht so sehr eine Willkürherrschaft, sondern die völlige Gleichgültigkeit gegenüber der Welt und damit auch gegenüber den Menschen. Der Alte Graf von Dürande verkörpert dieses Bild: ein alter Schlossbesitzer, der von früheren Festen träumt und die Gegenwart nicht mehr versteht.

Die Oper wurde 1943 in Berlin uraufgeführt mit einem stark der Zeit verhafteten Libretto, das eine Aufführung nach 1945 schlichtweg unmöglich machte. Ein Projekt der Hochschule der Künste in Bern ersetzte nun den Text und führte ihn zurück zur Poesie von Eichendorff. Als Uraufführung dieser textlichen Neufassung am Meiniger Staatstheater setzt Ansgar Haag das politisch brisante Werk mit seiner emotionalen, packenden Musik unter der musikalischen Leitung von GMD Philippe Bach für die Bühne um.

Musikalische Leitung: GMD Philippe Bach, Regie: Ansgar Haag, Bühne & Kostüme: Bernd Dieter Müller/Annette Zepperitz, Chor: André Weiss, Dramaturgie: Corinna Jarosch
Besetzung, Armand: Ondrej Šaling

Mit:  Der alte Graf: Matthias Grätzel, Priorin: Anna Maria Dur, Gräfin Morvaille: Sonja Freitag,  Renald Dubois: Shin Taniguchi, Gabriele: Mine Yücel/Sophie Gordeladze, Nicolas: KS Roland Hartmann, Wildhüter: Mikko Järviluoto, Volksredner: Remy Burnens, Wirt Buffon: Daniel Pannermayr/Giulio Alvise Caselli, Advokat: Robert Bartneck, Gärtnerbursche: Sanjun Lee, 1. Helferin: Heejoo Kwon/Imogen Thirlwall, 2. Helferin: Kylee Slee/Dana Hinz, Kommissar: Youngkyu Suh, Ein anderer Revolutionär: Pedro Arroyo, Ein Soldat: Lars Kretzer, Polizist: Kuk Sung Han, Wachtmeister: Sang-Seon Won, 1. Jäger: Thomas Lüllig, 2. Jäger: Steffen Köllner, 3. Jäger: Gerhard Goebel, Pariser: Silvio Wild/Sanjun Lee, Eine Stimme: Axel-Michael Thoennes

—| Pressemeldung Meininger Staatstheater |—

Gelsenkirchen, Musiktheater im Revier, Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Bertolt Brecht, Kurt Weill, IOCO Kritik, 02.02.2019

oper_gelsenkirchen.jpg

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Musiktheater im Revier Gelsenkirchen © MiR Musiktheater im Revier

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – Bertolt Brecht / Kurt Weill

Brechts Antkapitalismus im „Pott“ – Mit sarkastisch lokaler Prägung

von Viktor Jarosch

Wenn ein Kapitalismus-kritisches Werk wie Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny „im Pott, in Gelsenkirchen, geographisches Herz des von dramatischen industriellen Umbrüchen und sozialen Verwerfungen heimgesuchten Ruhrgebiets, aufgeführt wird, sind  lokale Bezüge unvermeidbar. Das Musiktheater im Revier, MiR präsentiert nun eine künstlerisch anspruchsvolle Mahagonny-Produktion, vom eigenen Ensemble mitreißend umgesetzt; mit schräg-komischem lokalem Sarkasmus versetzt, welcher die zynische Welt von Bertolt Brecht und Kurt Weill humorig ergänzt. Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny reiht sich so ein in eine starke Serie neuer, bewegender Produktionen des MiR.

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny   –  Bertolt Brecht / Kurt Weill
youtube Video des Musiktheater im Revier
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Mahagonny, 1927 als Songspiel entstanden, wurde adaptiert und 1930 in Leipzig als „episches Theater“ uraufgeführt. Episches Theater, ein von Bertolt Brecht geprägter Begriff, kokettiert, spielt in seinem Bühnenwerken antikapitalistisch zynisch und bunt mit gesellschaftlichen Konflikten, Krieg, ökonomischen Schräglagen. Weills Kompositionen schaffen es auf geniale Weise Musik ohne Einbußen von Qualität zu vereinfachen; so changieren in Mahagonny beständig revuehafte Songs, Choräle, Jazz-Rhythmen und erzählende Elemente in deutscher und englischer Sprache. Klassisches Illusionstheater oder Einzelschicksalen waren nicht Brechts Motivation; er suchte den marxistischen Diskurs. Brechts „Antikapitalismus-Philippiken“ lösten in der Öffentlichkeit zwar Diskussionen aus, aber keine Revolutionen. Der Kapitalismus vereinnahmte Brecht, durch Akzeptanz und Popularität. Mahagonny im MiR lebt, atmet Brechts kontroverses episches Theater in modernem Gewand und bietet eine notwendige Alternative zum klassischem Theaterrepertoire.

Jan Peter, bisher als Filmemacher, nicht als Opernregisseur bekannt – bei Schalke 04 schuf er das Video-Design des Schalke-Oratoriums „Kennst du den Mythos? – bringt Mahagonny im MiR mit Ruhrgebiets-Kolorit auf die Bühne: Bergleute, Förderturm, Würstchen. Jan Peters Vita zeigt sich dazu in Videos, Projektionen und schwarzweißen historischen Kriegsfilme, welche mit dem Vorspiel die ganze Inszenierung durchziehen; das Geschehen auf der Bühne beständig mit hintergründiger Endzeitstimmung begleiten: So zeigen sich zum Vorspiel von Mahagonny, auf dem sich hebenden Bühnenvorhang, Filmszenen des 2. Weltkriegs, marschierende Soldaten, kämpfende Jagdflieger, hungernde KZ-Insassen; zum Ende  Atombomber, welche tödliche ihe Last abwerfen.

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - hier : Witwe Begbick und Fatty © Karl + Monika Forster

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – hier : Witwe Begbick und Fatty © Karl + Monika Forster

Im ersten Bild, einer halbdunklen, immer wieder von Scheinwerfern durchzogenen Bühne, erscheinen die flüchtenden, steckbrieflich gesuchten Witwe Begbick (Almuth Herbst), Fatty (von einer Frau besetzt: Petra Schmidt) und Dreieinigkeitsmoses (Urban Malmberg). Ihr Auto an einem Wüstenrand gestrandet und sie beschließen: „ Der Wagen ist kaputt. Ja, dann können wir nicht weiter. Gut, dann bleiben wir hier“. Witwe Begbick verkündet Wesen und Gesetze von Mahagonny :„Ihr bekommt leichter das Gold von Männern als von Flüssen! Darum laßt uns hier eine Stadt gründen. Und sie nennen Mahagonny, Das heißt: Netzestadt!  Und eine Woche ist hier: Sieben Tage ohne Arbeit“. Anna Maria Münzner kreiert dazu für das MiR auffällige Kostüme: Witwe Begbick mit Reitpeitsche, verwegenen roten Lockenzöpfen und prall rotem Western-Dress (Foto); Fatty, eine Frau mit weißem Zopf in coolem schwarzen Kleid; Dreieinigkeitsmoses, ein schwächlicher, kleiner Mann mit Augenbinde: mit unbegrenzten Glücksversprechen werden sie zu Göttern, Götzen ihrer neuen Gemeinde Mahagonny..

Bertolt Brecht Berlin © IOCO / Rainer Maass

Bertolt Brecht Berlin © IOCO / Rainer Maass

Sechs „sehr willige“ Mädchen sind die ersten weiblichen Ankömmlinge in Mahagonny, Jenny Hill (Anke Sieloff), noch brav in bürgerlich in blauem Kleid lyrisch schwermütig singend: „Oh show us the way to the next whisky-bar..“, und jenen populären Klassiker „Oh! Moon of Alabama We now must say good-bye, We ’ve lost our good old mamma, And must have whisky, Oh! you know why“. Während unter der sich leicht hebenden Bühne erste aber markante Ruhrgebiets-Bezüge sichtbar werden; das Volk ist Kumpel mit Grubenhelmen und Grubenlampen, singend: „Wir wohnen in den Städten. Unter ihnen sind Gossen, In ihnen ist nichts, Über ihnen ist Rauch. Wir sind noch drin, Wir haben nichts genossen, Wir vergehen rasch“. Während über ihnen, in Mahagonny, schon „Fahrscheine zum Glück“ verkauft werden.

Auch vier ehemalige Goldschürfer aus Alaska wollen nach Mahagonny, es müssen Gelsenkirchener Kohleschürfer sein, denn:   „Dort gibt es Fleischsalat!“: Paul Ackermann (Martin Homrich), Jakob Schmidt (Tobias Glagau), Sparbüchsenheinrich (Petro Ostapenko), Alaskawolfjo (Joachim Gabriel Maaß), Tobby Higggins (Jiyuan Qiu) treffen ein. Paul verliebt sich sogleich in Jenny, welche die Bedingungen ihrer Beziehung regelt. Der Aufstieg der Stadt Mahagonny hat begonnen.

Die Drehühne (Kathrin-Susann Brose) öffnet im nächsten Bild den Blick auf das nun in Mahagonny herrschende locker laszive Leben: Männer werden vor einer Kneipenfassade von Frauen verwöhnt; hinter durchsichtigen Vorhängen der Kneipenfenster räkeln sich Frauen sinnlich. Bis ein tödlicher Wirbelsturm (Projektion: „Pensacola ist zerstört“) angekündigt wird; den auf der Erde kauernden Menschen werden Bibeln und auch Gasmasken verteilt und Witwe Begbick ein neues Gesetz, totale Anarchie verkündet: „Du darfst alles!“, doch nur, wenn man Geld hat; begleitet von dem elegischen Song: „Denn wie man sich bettet, so liegt man, es deckt einen da keiner zu. Und wenn einer tritt dann bin ich es; und wird einer getreten, dann bist´s du“. Den Fall der Stadt Mahagonny läutet zum Ende des ersten Aktes ein Kumpel-Ruf ein: „Möchte noch jemand Würstchen?“

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - hier : Jakob Schmidt frisst sich an Würstchen - welche vom Himmel regnen - zu Tode © Karl + Monika Forster

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – hier : Jakob Schmidt frisst sich an Würstchen – welche vom Himmel regnen – zu Tode © Karl + Monika Forster

Die angepriesene totale Anarchie von Mahagonny prägt im MiR deftiger „Lokalkolorit“: wenn Jakob Schmidt sich an Würstchen zu Tode frisst; solche regnen in Massen vom Himmel; wenn Männer, von einem großer Poster „Ficken“ angelockt, hinter einem grünen Vorhang verschwinden und schwankend, schwächelnd, dümmlich grinsend hervorkommen; wenn Alaskawolfjo beim Preisboxen gegen Dreieinigkeitsmoses stirbt, mit einer Kreissäge zerlegt und in einem nahen flackernden Ofen verbrannt wird; wenn Paul Ackermann nach seiner Spendierfreudigkeit bei ein Trinkgelage seine Schulden nicht bezahlen kann und verhaftet wird: „Du darfst alles, aber musst immer Geld haben!“. Den Fall der Stadt Mahagonny vertiefen zynisch humorige Zerrbilder im 3. Akt.

Wenn Witwe Begbick, Fatty und Dreieinigkeitsmoses von der Spitze eines symbolisierten Kohle-Förderturmes, als Götter, Richter oder Henker handelnd, Urteile verkünden: Links und rechts des Turmes schweben angeklagte Delinquenten in „Fördersesseln“ auf und ab: Mörder Tobby Higgins wird, nachdem er die Richter bestochen hat, frei gesprochen; der wegen Mangel an Geld („was das grösste Verbrechen ist, das auf dem Erdenrund vorkommt“) angeklagte Paul wird zum Tode verurteilt, mit der Kreissäge getötet und nach einem okkulten Trauermarsch im Verbrennungsofen „entsorgt“. Mahagonny geht unter: Die demonstrierende Bevölkerung wird erschossen; Videos zeigen eine untergehende Welt mit Bombern die Atombomben abwerfen; derweil Witwe Begbick, Fatty und Dreieinigkeitsmoses unberührt weiter ziehen: „Let us go to Benares..!“

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - hier : auf dem Förderturm: Witwe Begbick verkündet Paul Ackermann sein Urteil © Karl + Monika Forster

Musiktheater im Revier / Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny – hier : auf dem Förderturm: Witwe Begbick verkündet Paul Ackermann sein Urteil © Karl + Monika Forster

Neben der Video-gestützten Regie überzeugte die Premiere auch musikalisch: Thomas Rimes führte die Neue Philharmonie Westfalen, Ensemble und Chor auf der Bühne sicher durch die facettenreiche, filigrane Produktion. Im darstellerisch und stimmlich großartigen Ensemble gestalteten Almut Herbst als Witwe Begbick mit Petra Schmidt als Fatty und Urban Malmberg als Dreieinigkeitsmoses ein wunderbar zentrales wie dominantes gangsterkapitalistisches Dreigestirn. Anke Sieloff gab Jenny Hill mit zart lyrischer Stimme sanftes Charisma; auch die Goldschürfer, Petro Ostapenko als Sparbüchsenheinrich, Joachim Gabriel Maaß als Alaskawolfjo und Martin Homrich als Paul zeigten auf dem schmalen aber komplexen Grat Brechtscher Komik, stets zwischen Parodie, Slapstick und Zynismus wandelnd, mit großer Kunst.

Bertolt Brecht Werke wurden nur selten im MiR aufgeführt: Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny vor 35 Jahren. Das Publikum feierte Regie, Ensemble und Orchester der Inszenierung gleichermaßen begeistert, zeigte, dass Brecht / Weill im Spielplan vermisst wurde.

In der folgenden Premierenfeier diskutierten, genossen noch 500 Besucher im Foyer des Hauses über Stunden froh und lebhaft die gesehene MiR Produktion; untereinander, mit Ensemble, Chor, Statisten und Orchester das Gesehene, das Gespielte. Grubenlampen allerdings waren dort nicht zu sehen.

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny im Musiktheater im Revier; die folgenden Vorstellungen 2.2.; 14.2.; 22.2.2019

—| IOCO Kritik Musiktheater im Revier |—

Cambridge, Cambridge Handel Opera Company – Julian Perkins, IOCO Interview, 23.05.2018

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Great Hall, The Leys School, Cambridge © The Leys School

Cambridge Handel Opera Company

 Julian Perkins – Director  Cambridge Handel Opera Company

The Cambridge Handel Opera Company (CHOC) in Cambridge, England, is a new professional organization that celebrates the fusion of music and the stage with performances that are not just ‘historically informed’, but ‘historically inspired’. There is meaningful integrity between what happens in the music and what happens on stage. Baroque stagecraft is incorporated into their productions in a manner that speaks directly to audiences. In April  2018 Cambridge Handel Opera Company staged a highly acclaimed production of Handel’s Rodelinda, HWV 19 in Cambridge at the new theatre at The Leys. In May 2018 Victor Jarosch, IOCO, spoke to Julian Perkins about his objectives and future plans for the CHOC.

Victor Jarosch (VJ): Julian, who or what inspired you to take up the harpsichord, and pursue a career in music?

Julian Perkins - Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins – Artistic Director Cambridge Handel Opera Company © Julian Perkins

Julian Perkins (JP):: As the youngest of four, I was born into a family of musical noise. Sitting on my mother’s lap at the piano, making music started out as little more than sibling rivalry. Apart from anything with a keyboard, I enjoyed singing, playing the violin and recorder (infuriated at having to wait until I had legs long enough for the organ!). My patient parents packed me off to music courses including Pro Corda in Suffolk, which nurtured my deep love of chamber music. I first met the harpsichord in my teens experimenting with Baroque music in chamber groups. How could one not love instantly the joy of the dance, the chatter of counterpoint and the freedom to improvise? And what better way to earn a living than sharing with others this life-affirming music?

VJ: Who or what have been the most important influences on your musical life and career?

JP: At school, David Langdon and Ralph Allwood both went way beyond their job descriptions in supporting my various musical interests. As a choral scholar and organist at King’s College, Cambridge, it was enriching to experience music as part of a daily form of worship. In my studies, I was a shameless magpie in hassling as many musicians as would tolerate me. Amongst others, Trevor Pinnock taught me the importance of connecting with the sound, David Parry the physicality of conducting and Noelle Barker an understanding of the voice.

 George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

George Frederick Handel tomb at Westminster Abbey, London © IOCO

As a child, there is one stand-out experience that continues to inspire me: singing as a treble in Mahler’s Symphony of a Thousand’ under Klaus Tennstedt. I was a dreamy child, but Tennstedt captivated me for reasons I have never fully understood. A grumpy old man, in poor health, flailing about in a seemingly haphazard manner on the podium – but I have never, ever heard an orchestra or choir sound like they did with him – and this had nothing to do with his relative fame. I can only put it down to his complete identification with the music and his utter determination to transmit it to his fellow musicians. Humbling.

VJ: What have been the greatest challenges of your career so far?

JP: In addition to keeping up and improving one’s musicianship and technique, my greatest challenge is ring-fencing the administration. Like the hydra’s heads – where two more appear if one is amputated – I find that email requests have an alarming tendency to increase the more one writes! Just the other day I sent off programme details for a forthcoming festival only to find two more similar requests in my inbox for other bespoke events. Whilst it is important to keep abreast of the administration, it is vital to maintain the discipline and enjoyment of studying and practising one’s art. I just turn off the computer at a certain point and know that the world will probably not collapse if one email gets slightly delayed.

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

Cambridge Handel Opera Company / Rodelinda © Jean-Luc Benazet

VJ: As a conductor, how do you communicate your ideas about a work to the orchestra?

JP: Words can be a dangerous medium in rehearsals. Isn’t it truly said that a large part of a conversation happens through one’s body language? While images, colours and metaphors can be useful, I like to communicate my ideas primarily through my gestures and, when I’m directing from the keyboard, my playing.

VJ: How exactly do you see your role as a conductor? Inspiring the players/singers? Conveying the vision of the composer?

JP: I like to enable the musicians to give of their best by providing a framework within which they can work. One needs to balance the dangers of being over-prescriptive on the one hand with being wishy-washy on the other. Every group is different, of course, but if I can earn a group’s trust, stimulate their imagination and have a clear idea of the sound I want, then things are looking good. Inspiration comes out of this – but one can’t plan to be inspiring. As for the composer’s vision, one can only hope to convey this by having a cultural appreciation of their life and works, and by scrutinizing the score again, again and again.

VJ: Which recordings are you most proud of?

JP: They each have treasured memories, but I’m probably most proud of how my first solo recording came together. This was the world-première of eight harpsichord suites by Handel’s younger English contemporary, James Nares. Historic Royal Palaces granted me the honour of recording on the Royal Harpsichord at Kew Palace. The project attracted dozens of subscribers – and even some artwork from one of Nares’ living descendants.

VJ: Which particular works do you think you play best?

JP: Those that are imbued with lyricism and harmonic interest within a cohesive musical structure. A good dollop of counterpoint never goes amiss either!

VJ: How do you make your repertoire choices from season to season?

JP: I like mixing treasured favourites with pieces that are new to me. It’s fascinating how The Frick Collection in New York juxtaposes art and media from different periods. Similarly, I enjoy devising programmes that have meaningful resonances, such as arias by Handel or Hasse alongside recent responses to earlier works by composers like Stephen Dodgson or György Ligeti. And fresh challenges are irresistible! For instance, I recently created an opera pasticcio about Casanova with the writer Stephen Pettitt. We joyfully plundered operas and oratorios from Vivaldi to Bellini, committing some glorious heresies along the way. Watch this space for our next run…

Westminster Abbey London © IOCO

Westminster Abbey, London © IOCO

VJ: Do you have a favourite concert venue to perform in and why?

JP: I find that the quality of a venue is determined as much by the unique chemistry of the audience as by the room itself. I have given recitals in some unusual locations – including a water mill – in which the sense of occasion gave a special quality to the venue. Acoustically, it’s often rewarding to perform in a space where there is some wood panelling as this helps to give a glow to the sound. Among venues that are perhaps lesser-known, Wilton’s Music Hall in East London has a particular charm. Originally a Victorian music hall, its acoustic is akin to the Wigmore Hall in its clarity and warmth. There is also an alluring patina to the building’s fabric that makes it feel like the equivalent of a well-loved pair of slippers.

VJ: Who are your favourite musicians?

JP: Those who are brilliant, humble, open-minded – and fun!

VJ: What is your most memorable concert experience?

JP: Arriving to rehearse Handel’s Messiah only to find that the organ was at the wrong pitch. Transposing the piece up a semitone in the concert proved to be good brain-gym!

VJ: As a musician, what is your definition of success?

JP: Knowing that I have touched a listener’s emotions.

VJ: What do you consider to be the most important ideas and concepts to impart to aspiring musicians?

JP: In addition to the normal nostrums such as preparation, punctuality and professionalism, another ‘P’ has come to have increasing importance for me: Process. When I was starting out as a musician I sometimes worried too much about what people might think of me. Now, I try and focus more on the ever-changing process of making music and let the listeners decide for themselves what they like. When Roger Federer turned the tables and beat Rafael Nadal to win the 2017 Australian Open, he spoke afterwards of having played the ball and not the opponent. Similarly, I think performers should give due importance to playing the notes (grouped together musically!) and not the audience. It’s impossible to make people like you, but if you’re absorbed in what you’re doing, that in turn should draw in the listener.

VJ: Where would you like to be in 10 years’ time?

JP: Playing a positive role with my wife in the lives of our two sons, giving lots of fulfilling performances, teaching proactive students – and enjoying good food.

VJ: What is your most treasured possession?

JP: My appetite for learning. As the Artistic Director of Cambridge Handel Opera, I recently conducted a staged production of Handel’s Rodelinda in Cambridge. Praised for its  ‘flawless ensemble’ in IOCO, Cambridge Independent headlined its review by stating that ‘Productions of Handel’s operas don’t get much better than this one’.

This season also sees Julian’s concerto debut at the Sage Gateshead with the Royal Northern Sinfonia, his directorial debuts with the Croatian Baroque Ensemble and Wroclaw Baroque Orchestra, a solo appearance on BBC Radio 3’s ‘Early Music Show’, a world première of a choral work by Stephen Dodgson and the debut of his group, Sounds Baroque, at St John’s Smith Square. Solo recitals include appearances in Boston (USA) and at the Petworth Festival, Lammermuir Festival, Northern Aldborough Festival, London Handel Festival, St George’s Bristol and the Holywell Music Room, Oxford, and duo recitals for the Budapest Bach Festival and Mozart Society of America. He returns to the Anghiari Festival in Italy this summer to conduct the Southbank Sinfonia, performs with Florilegium and continues his collaboration with Coram in directing the annual Handel Birthday Concert with Sounds Baroque and international soprano Rebecca Evans. Forthcoming recordings include a programme of Purcell’s songs with soprano Anna Dennis and Sounds Baroque, the second volume of Mozart’s keyboard duets on original instruments with Emma Abbate, Schubert’s sonatas for violin and piano with Peter Sheppard Skærved and the world première of Stephen Dodgson’s opera, Margaret Catchpole. His recent recording of Howells’ clavichord music was described by The Guardian as ‘a virtuoso showcase’ and praised by MusicWeb International as ‘exemplary’.

VJ: Thank you, Julian, for the interview.

—| IOCO Interview Cambridge Handel Opera Company |—

Nächste Seite »