Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Italienerin in Algier von G. Rossini, IOCO Kritik, 03.04.2017,

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Im Land des gekauften Lächelns

 Die Italienerin in Algier – Als herrlich schwarze Komödie

Von Hanns Butterhof

Die Zukunft, in der Laura Scozzi Rossinis „Italienerin in Algier“ spielen lässt, ist reine Gegenwart. Mächtige reiche Männer, die sich für die Größten halten, wollen noch immer mehr von allem, vor allem Frauen. Und derer, die sie dann haben oder kaufen, sind sie bald überdrüssig, weil sie sie schon haben oder weil ihr Sex und ihr Lächeln so käuflich sind. Märchenhaft kommt dann eine Frau daher, die so stark ist, dass sie diese Männer erst schwach und dann zum Affen macht.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier - Die Bedienung von Männergelüsten, Tanja Brunner und Chor © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier – Die Bedienung von Männergelüsten, Tanja Brunner und Chor © Ludwig Olah

In der wunderbar stimmig aktualisierten Aufführung in Nürnberg ist die europäische Wirtschaft zusammengebrochen. Die Arbeitsimmigranten zieht es übers Mittelmeer, etwa ins prosperierende Algier, wo sie Zustände wie in Kuwait vorfinden. Ihnen werden die Pässe abgenommen und sie arbeiten im Haushalt wie bessere Sklaven.

Der Hausherr Mustafà (Marcell Bakonyi) ist ein schwerreicher Wirtschafts-Boss. Er ist seiner Ehefrau Elvira (Ina Yoshikawa) überdrüssig und nicht nachhaltig befriedigt von den vielen einheimischen bezahlten Mädels, die ihm mit oder ohne Reizwäsche (Kostüme: Tal Shacham) auf dem Konferenztisch oder im lasziven Flokati-Bett zu Willen sind. Da muss eine emanzipierte Europäerin Abhilfe schaffen.

 Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_Isabella_Ida Aldrian wird von Haly_Wonyong Kang aus Flüchtlingsunterkunft abgeholt © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_Isabella_Ida Aldrian wird von Haly_Wonyong Kang aus Flüchtlingsunterkunft abgeholt © Ludwig Olah

Aus der Flüchtlingsunterkunft wird Mustafà von seinem Bodyguard Haly (Wonyong Kang) die Italienerin Isabella (Ida Aldrian) zugeführt, die auf der Suche nach ihrem Geliebten Lindoro (Martin Platz) ist. Die erst in der Küche zum blutigen Schlachten eines Hasen eingesetzte resolute Schöne zähmt den selbsternannten Frauenbändiger, indem sie ihn lockend zurückweist. Wird er handgreiflich, schlägt sie ihn mit der Poree-Stange. Mit Gummimaske als Catwoman-Domina fesselt sie ihn schließlich ans Bett und lässt seine Prostituierten-Gang sich mit genüsslicher Rache an ihm abarbeiten. Natürlich gelingt ihr am Ende mit Lindoro die Flucht zurück nach Italien, nicht ohne die italienischen Arbeitssklaven befreit und mitgenommen zu haben.

Laura Scozzi inszeniert die an sich schreckliche Geschichte als herrlich schwarze Männerphantasie- Komödie. Schon über den running gag muss man lachen, einem Pärchen (Selina Lettenbichler und Pawel Dudus), das sich während der Handlung und ohne unmittelbare Verbindung mit ihr permanent prügelt und wieder versöhnt. Mal endet sie mit einer Axt, mal er mit dem Dolch in der Brust. Ein wüste Keilerei löst sich zu einem Quicky an der Wand auf – und man wird des Schreckens dieser Szenen nicht gewahr.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_ Die Prostituierten rächen sich an Mustafa © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier_ Die Prostituierten rächen sich an Mustafa © Ludwig Olah

Entsprechend geht es mit der Handlung. Wohin man blickt, ist Ausbeutung aller Art. Aber im prächtig das Lob seines Herrn singenden Chor (Einstudierung Tarmo Vaask) wird sie nur sehr zurückhaltend sichtbar, bei den ausgesprochen reizenden Frauen bemerkt man sie wie im wirklichen Leben gar nicht mehr; so unverkrampft daherkommenden Sex sieht man selten auf der Bühne. Laura Scozzi bedient das männliche Macho-Auge umfassend bis hin zu einem vollendeten Striptease. Die auftrumpfende Männlichkeit beschämt sie dann unaufdringlich mit dem Triumph der weiblichen Klugheit, den sie mit einem Tritt seiner Frau in den Unterleib Mustafàs bekräftigt.

Auf der sich beständig drehenden Bühne Natacha Le Guen de Kerneizons mit dem kühlen Ensemble von Schlaf- und Konferenzzimmer, von Küche und Bedientenkabuff  rollt die Handlung schlüssig und wie am Schnürchen ab. Nur nach der Pause hängt die Intrige etwas durch, weil aufwendig plausibel gemacht werden muss, warum sich Mustafà so primitiv übertölpeln lässt. Aber da wird sehr schön deutlich, dass es seine Sehnsucht nach einem nicht gekauften Lächeln ist, die ihn in die Ehren-Loge der Pappadaci  treten lässt.

In der Welt, die Laura Scozzi mit der „Italienerin in Algier“ zeigt, hat Liebe keinen Ort. Bodyguard Haly und Elviras Kammerfrau Zulma (Irina Maltseva), die stimmlich zusammengehören, werden kein Paar. Lindoro und Elvira verweigern sich Mustafás Heiratsgebot, weil sie sich nicht lieben. Und es gibt keine Liebesarie von Isabella und Lindoro. Das Land des nicht gekauften Lächelns ist Utopie.

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier - Isabel hält Mustafa auf Distanz © Ludwig Olah

Staatstheater Nuernberg / Italienerin in Algier – Isabel hält Mustafa auf Distanz © Ludwig Olah

Die Solisten singen und spielen erfreulich unkomödiantisch überdreht. Ida Aldrian beglaubigt die resolute Italienerin mit glänzenden Mezzo-Koloraturen, aber der sehr jungenhafte Tenor Martin Platz’ lässt eher vermuten, dass sie sich aus mütterlicher Sorge um ihn statt aus Liebe nach Algier aufgemacht hat. Marcell Bakonyi verkörpert passend den umtriebigen Playboy Mustafà ohne bodenständige Bass-Grundierung. Ina Yoshikawa gefällt mit beweglichem Koloratur-Sopran wie besonders auch Wonyong Kang als Haly und Irina Maltseva als Zulma.

Volker Hiemeyer am Pult der Staatsphilharmonie Nürnberg dirigiert sängerfreundlich, treibt das turbulente Geschehen mit pulsierendem Rossini-Schwung  mitreißend voran und verführt gegenüber dem Geschehen auf der Bühne zu eher genießerischer statt kritischer Haltung.

Nach fast drei Stunden italienisch gesungener, englisch und deutsch übertitelter Musik viel Beifall für eine insgesamt sehr gelungene, schlüssig aktualisierte „Italienerin in Algier“.

Die Italienerin in Algier (L’Italiana in Algeri):  Weitere Vorstellungen  15.4.2017 19.30 Uhr, 17.4. und 23.4.2017 19.00 Uhr

—| IOCO Kritik Staatstheater Nürnberg |—

Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Premiere Die Italienerin in Algier, 21.01.2017

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

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Italienerin in Algier (L’Italiana in Algeri)

 Am Samstag, 21. Januar, um 19.30 Uhr, feiert das Staatstheater Nürnberg eine weitere Premiere der italienisch/französischen Regisseurin Laura Scozzi, die mit Rossinis Die Italienerin in Algier (L’Italiana in Algeri) bereits ihre sechste Produktion in Nürnberg herausbringt. Weitere Vorstellungen 24.1.2017, 28.1.2017, 1.2.2017, 5.2.2017, 12.2.2017, 26.2.2017. Die Musikalische Leitung des Rossinischen Belcanto-Feuerwerks hat der 1. Kapellmeister Guido Johannes Rumstadt, der mit Laura Scozzi bereits bei „Benvenuto Cellini“ in Nürnberg zusammengearbeitet hat. Das Bühnenbild für die rasante Opera buffa mit zahlreichen Szenenwechseln entwickelte Natacha Le Guen de Kerneizon, die Kostüme für das farbenprächtige Verwirrspiel schuf Tal Shacham.

Die Rossini-Komödie ist komplett aus dem Ensemble des Staatstheater Nürnberg und dem Internationalen Opernstudio Nürnberg besetzt: Als mutige Isabella stürzt sich die österreichische Mezzosopranistin Ida Aldrian ins orientalische Abenteuer, um ihren geliebten Lindoro, gesungen vom deutschen Tenor Martin Platz, aus der Sklaverei zu befreien. Mustafà, den Bey von Algier, dem die junge Dame aus Italien als Neuzugang in seinem Harem wie gerufen kommt, singt der ungarische Bariton Marcell Bakonyi. Dessen verschmähte Gattin Elvira übernimmt die Japanerin Ina Yoshikawa, ihre Vertraute Zulma die Russin Irina Maltseva*, den Hauptmann der Korsaren Haly gibt der koreanische Bassbariton Wonyong Kang*. Taddeo, den Begleiter Isabellas, der sich als ihr Onkel ausgibt, spielt der türkische Bariton Levent Bakirci. (* Internationales Opernstudio Nürnberg)

Einen Vorgeschmack auf die bevorstehende Premiere bietet die Reihe „Oper aktuell“ am Montag, 16. Januar, um 18 Uhr, im Gluck-Saal. Dort wird Musiktheaterdramaturgin Christina Schmidl zusammen mit dem Regieteam Laura Scozzis Inszenierungskonzept vorstellen. Anschließend sind die Besucher eingeladen, einen Teil der Bühnen/Orchesterprobe an diesem Abend mit zu verfolgen. PMStthNü

Die Italienerin in Algier (L’Italiana in Algeri): Premiere 21.1.2017, Weitere Vorstellungen 24.1.2017, 28.1.2017, 1.2.2017, 5.2.2017, 12.2.2017, 26.2.2017.

—| Pressemeldung Staatstheater Nürnberg |—

Baden Baden, Festspielhaus, Spielplan September – Oktober 2016

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

PROGRAMM SEPTEMBER UND OKTOBER 2016

FR., 30. SEPTEMBER 2016, 19 UHR
Saisoneröffnungskonzert
Riccardo Chailly & Orchester der Mailänder Scala

Festspielhaus Baden-Baden / Trifonov © Dario Acosta / Deutsche Grammophon

Festspielhaus Baden-Baden / Trifonov © Dario Acosta / Deutsche Grammophon

Zur Saisoneröffnung gleich ein Paukenschlag:

Daniil Trifonov, der vielleicht bedeutendste Pianist seiner Generation, Publikums – wie Kritikerliebling, spielt Schumanns Klavierkonzert mit dem Orchester der Mailänder Scala unter Riccardo Chailly.

Elf Jahre lang war Riccardo Chailly der Chef des Leipziger Gewandhausorchesters. Doch nun hat er in Mailand eine neue „Familie“ gefunden und bringt sie mit nach Baden-Baden, um neben dem Klavierkonzert die „Manfred“-Ouvertüre und Schumanns zweite Sinfonie aufzuführen. [Von Daniil Trifonov wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

SA., 01. OKTOBER 2016, 18 UHR
Die Königin Semiramis,  ein Programm von und mit Anna Bonitatibus

Anna Bonitatibus, die bereits 2008 im Baden-Badener Festspielhaus als hinreißende Rosina in Rossinis  Il barbiere di siviglia brillierte, gilt als führende Barock- und Belcanto-Spezialistin. Nun präsentiert die italienische Mezzosopranistin bekannte und unbekannte Vertonungen des beliebten Opernstoffs um die legendäre Königin Semiramis, wobei das abwechslungsreiche Programm von virtuosen Koloraturketten über dramatische Ausbrüche bis hin zu verhaltenen Klagegesängen reicht. Begleitet wird sie hierbei vom Prager Barockorchester Collegium 1704, das unter der Leitung seines Dirigenten Václav Luks mit zahlreichen hochgelobten CD-Einspielungen Interpretationsgeschichte geschrieben hat.

Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

SO., 02. OKTOBER 2016, 11 UHR
Ewa Kupiec & Apollon Musagete Quartett,   

Festspielhaus Baden-Baden / Apollon Musagete Quartett © Marco Borggreve

Festspielhaus Baden-Baden / Apollon Musagete Quartett © Marco Borggreve

In diesem Konzert stellen das vielfach ausgezeichnete Apollon Musagète Quartett aus Polen und die ebenso aus Polen stammende Pianistin Ewa Kupiec dem Schumannschen Klavierquintett ein Schwesterwerk von Grazyna Bacewicz, der bedeutendsten polnischen Komponistin des 20. Jahrhunderts gegenüber.

Ein Programm, das daran erinnert, wie reich Polen die Musikwelt beschenkt hat.
Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

SO., 09. OKTOBER 2016, 10 und 16 UHR,    Musa – Musik für Säuglinge
Krabbelkonzert für Eltern mit Kindern bis zwei Jahre

Das erste Konzert für die Allerkleinsten im Orchesterprobensaal des Festspielhauses: Basierend auf Forschungen von E. E. Gordon vermitteln Andrea Apostoli und das Musa Ensemble ein musikalisches Erlebnis aus Klang und Bewegung, bei dem die kleinen Zuhörer in aktive Beziehung zu den Musikerinnen und Musikern treten.

SA., SO., 08./09. OKTOBER 2016, 19/17 UHR
The World of John Neumeier,   BALLETT INTERNATIONAL
Autobiographische Ballett-Gala von John Neumeier

Nur in Baden-Baden zu erleben: Im autobiographischen Ballett The World of John Neumeier werden Ausschnitte wichtiger Werke des Choreographen John Neumeier zu sehen sein sowie mindestens eine Szene aus einem seiner sinfonischen Balllette, schließlich choreografierte Neumeier mehrerer Mahler-Sinfonien. Ausschnitte aus den Handlungsballetten Die Kameliendame, Peer Gynt oder Bernstein Dances fügen sich zu einer besonderen Ballettgala, persönlicher moderiert von John Neumeier.
Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

FR., SA., SO., 14./15./16. OKTOBER 2016, 19/18/17 UHR
Romeo und Julia,    Ballett von John Neumeier

Festspielhaus Baden-Baden / Rome und Julia Chinellato Trusch © Holger-Badekow

Festspielhaus Baden-Baden / Rome und Julia Chinellato Trusch © Holger-Badekow

Der Romeo und Julia -Stoff hatte John Neumeier schon in seiner Zeit als junger Tänzer gepackt. Für seine 1971 entstandene Choreographie zur Musik von Sergej Prokofjew ging er bis zu den Quellen Shakespeares zurück. Romeo und Julia war Neumeiers erstes großes Handlungsballett für Hamburg – heute ist seine Version ein Klassiker. Die Tänzerinnen und Tänzer des Hamburg Ballett werden im Festspielhaus dazu live von der Baden-Badener Philharmonie im Orchestergraben begleitet.
Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

FR., 07. OKTOBER 2016, 19 UHR
Ballett-Werkstatt: John Neumeier

In der Ballett-Werkstatt gewährt der Choreograph John Neumeier Einblicke in die Arbeit des Hamburg Ballett. Das Publikum sieht dabei zunächst Ausschnitte aus den aktuell im Festspielhaus gezeigten Balletten sowie aus dem täglichen Trainingsprogramm der Compagnie. Schließlich müssen die Tänzerinnen und Tänzer auch während der Tournee ihre Körper täglich neben der Probenarbeit trainieren.
Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

SO., 23. OKTOBER 2016, 17 UHR
Hagen QuartettSchubert, Bartók, Haydn

Seit über 30 Jahren spielt das Hagen Quartett in der obersten Streichquartett-Liga. Für eine Vielzahl junger Streichquartette ist das Hagen Quartett Vorbild in Bezug auf Klangqualität, stilistische Vielfalt, Zusammenspiel und der ernsthaften Auseinandersetzung mit den Werken und Komponisten ihres Genres. Als Lehrer und Mentoren am Salzburger Mozarteum, der Hochschule Basel und bei internationalen Meisterkursen geben die Musiker diesen großen Erfahrungsschatz an ihre jüngeren Kollegen weiter. Im Festspielhaus Baden-Baden präsentieren sie Streichquartette von Schubert, Bartók und Haydn.

Vorverkauf und weitere Informationen: www.festspielhaus.de oder Tel. 07221 / 30 13 101

FR., SA., 28./29. OKTOBER 2016, 16/15 UHR
Käpt’n‘ Bone,  Piratenoper für Kinder

Ein Piratenkapitän will endlich Gentleman werden – könnte er nur die Seemannsflüche lassen! In der Festspielhaus-Produktion Käpt’n Bone nach Rossinis L’Italiana in Algeri kommen junge und ältere Besucher auf ihre Kosten. Johann Casimir Eule und Wiebke Hetmanek haben die Handlung für Kinder eingerichtet. Askan Geisler hat die Musik flott arrangiert.

SO., 30. OKTOBER 2016, 11 UHR
Edgar Moreau & Ilm Pomo D’Oro

Er ist der Cellist, der sein Instrument derart organisch spielt als könne er wie ein Holzbläser mit seinem Atem die Luft zum Schwingen bringen: Edgar Moreau machte frühzeitig von sich reden: Als 13-Jähriger wurde er am Conservatoire National Supérieur de Musique de Paris aufgenommen, mit 15 gewann er den Preis für junge Solisten und bereits zwei Jahre später erspielte er sich Platz zwei beim Tschaikowsky-Wettbewerb. Von der Philharmonie de Paris wurde er nun für das „Rising Star“-Programm der European Concert Hall Organisation (ECHO) nominiert, was ihm Gelegenheit gibt, im Festspielhaus-Baden-Baden aufzutreten. Hier präsentiert sich Edgar Moreau mit dem ebenfalls jungen Barockorchester Il Pomo d’Oro, das in den letzten Jahren mit Berühmtheiten wie Joyce DiDonato, Ann Hallenberg und Max Emmanuel Cencic in Erscheinung trat. Auf dem Programm stehen unter anderem Werke von Platti, Graupner, Vivaldi und Boccherini.

—| Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden |—

Kassel, Staatstheater Kassel, Premiere: DER ROSENKAVALIER, 11.10.2014

August 15, 2014 by  
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Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel © N. Klinger

Staatstheater Kassel

DER ROSENKAVALIER von Richard Strauss

Text: Hugo von Hofmannsthal

Musikalische Leitung: Patrik Ringborg, Inszenierung: Lorenzo Fioroni, Bühne: Paul Zoller, Kostüme: Sabine Blickenstorfer, Dramaturgie: Jürgen Otten

Mit Celine Byrne als Gast (Die Feldmarschallin, Fürstin Werdenberg), Friedemann Röhlig als Gast (Baron Ochs auf Lerchenau), Maren Engelhardt (Octavian), Marian Pop (Herr von Faninal), Lin Lin Fan (Sophie), Jaclyn Bermudez (Jungfer Marianne Leitmetzerin, die Duenna), Bassem Alkhouri (Valzacchi, ein Intrigant), Belinda Williams (Annina) u.v.a.m.

Premiere: Samstag, 11. Oktober, 18 Uhr, Opernhausweitere Vorstellungen: 19.10., 26.10., 9.11., jeweils 17 Uhr

„Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding. Wenn man so hinlebt, ist sie rein gar nichts. Aber dann auf einmal, da spürt man nichts als sie. Sie ist um uns herum, sie ist auch in uns drinnen. In den Gesichtern rieselt sie, im Spiegel da rieselt sie, in meinen Schläfen fließt sie. Und zwischen mir und dir da fließt sie wieder, lautlos, wie eine Sanduhr.

So nachdenklich wie dieser Monolog der Feldmarschallin Fürstin Werdenberg, so umschattet von Melancholie ist die gesamte Oper, diese in der Mozart-Zeit angesiedelte „Komödie für Musik“, deren Thema Zeit und Vergänglichkeit sind.

Im Zentrum steht die Feldmarschallin, die keine andere Aufgabe hat als zu repräsentieren und sich mit umso größerer Hingabe ihrem jugendlichen Geliebten Octavian widmet – auch wenn sie weiß, dass das Verhältnis nicht von Dauer sein kann.

Als ihr Vetter Baron Ochs einen Rosenkavalier für seine bevorstehende Verlobung sucht, schlägt die Feldmarschallin als Überbringer der dafür vorgesehenen silbernen Rose Octavian vor. Schon bei der ersten Begegnung verlieben sich Octavian und die junge Braut Sophie ineinander. Vom ungehobelten, anzüglichen Benehmen des Baron Ochs, der ihr vom Vater als Bräutigam ausgewählt wurde, ist Sophie hingegen so entsetzt, dass sie sich weigert, in die Hochzeit einzuwilligen.

Um das Mädchen vor dem Zorn ihres Vaters und der unglücklichen Verbindung zu bewahren, ist Octavian nicht nur bereit, sich zu duellieren – es wird eine Intrige in Gang gesetzt, die den aufgeblasenen Baron Ochs als Provinz-Casanova ersten Ranges entlarvt und ihn so gehörig blamiert, dass er seine Heiratspläne aufgeben muss.

Das ist voller Komik, und doch, wenn am Ende die jungen Liebenden Sophie und Octavian einander gefunden haben, und Sophie singt: „Ist ein Traum, kann nicht wirklich sein, dass wir zwei beieinander sein, beieinand’ für alle Zeit und Ewigkeit!“, scheint ihr fallengelassenes Taschentuch doch schon wieder auf die Vergänglichkeit zu verweisen …

Patrik Ringborg, in Stockholm geboren, ist seit 2007 Generalmusikdirektor am Staatstheater Kassel und einer der gefragtesten Dirigenten aus Schweden. Zu seinem Hauptrepertoire gehören die Werke von Richard Wagner und Richard Strauss. Gastdirigate führten ihn u.a. an die Göteborger Oper, die Norwegische Nationaloper, die Oper Köln, die Volksoper Wien, zu den Opernfestspielen Savonlinna und an die Königliche Oper Stockholm. Am Staatstheater Kassel leitete er zuletzt eine viel beachtete Neuproduktion von Strauss‘ „Die Frau ohne Schatten“ in der Inszenierung von Michael Schulz.

Lorenzo Fioroni, in Locarno geboren, arbeitet bereits zum neunten Mal am Staatstheater Kassel. Nach Ausbildung zum Cellisten und intensiver Konzerttätigkeit studierte Fioroni Opernregie an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater Hamburg und arbeitete mit Ruth Berghaus und Götz Friedrich. Seit 2000 verwirklicht er eigene Regiearbeiten in Oper und Schauspiel. Engagements führten ihn u.a. an die Staatstheater in Oldenburg und Mainz, an Häuser in Osnabrück, Heidelberg und Augsburg sowie an die Deutsche Oper Berlin. Für seine Inszenierung von Honeggers „Johanna auf dem Scheiterhaufen“ 2005 am Staatstheater Kassel wurde er mit dem renommierten „Götz-Friedrich-Preis“ für Regie ausgezeichnet. Auch die folgenden Arbeiten in Kassel erregten große Aufmerksamkeit, darunter ‚“L’Italiana in Algeri“, „Die Meistersinger von Nürnberg“ und zuletzt 2012/13 „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“.

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