Wien, Wiener Staatsoper, Opernball – Laufsteg der Eitelkeiten – Wer wird Mörtels Gast? IOCO Aktuell, 10.02.2011

Februar 12, 2011 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Der Laufsteg  ungebremster  Eitelkeiten

Opernball in der Wiener Staatsoper

Trotzdem: Ioan Holender, bis 2010 langjähriger Intendant der Wiener Staatsoper  und weltweit respektierte Opern-Institution, hasst den Opernball der StaatsoperRichard „Mörtel“ Lugner, 78, ehemaliger Bauunternehmer, erwirbt durch den Opernball jedes Jahr neu schräge Berühmtheit.  Weniger durch Musik als durch abgehalfterte Filmsternchen wie Pamela Andersen, Paris Hilton, Lindsay Lohen oder Stripperin Dita von Teese („der Ball ist nackt“), welche „Mörtel“ seit 1991 mit hohen Gagen und öffentlichkeitswirksam zum Staatsopernball in seine Loge, Miete € 17.000, lockt.

Und so konzentriert sich auch 2011 das mediale Interesse am Wiener Opernball weniger auf musikalische Themen sondern, lebensfroh,  auf die wahrhaft zerreissende Frage:  Wer wird in diesem Jahr Logengast von „Mörtel“ ?  Und: Kommt auch Tochter Jaqueline zum Ball oder bleibt sie zu Hause?  bei dem Opernball-feindlichen Freund Helmut?  Elina Garanca allerdings, durch Lugners  Getöse nur noch am Rand erwähnt, wird den Opernball am 3. März 2011 besuchen und singen.  Im letzten Jahr verweigerte sie sich noch, nachdem Ioan Holender in seinem Buch „Ich bin noch nicht fertig“  feststellte, daß Garanca´s  Karriere ihren Charakter negativ verändert habe.

Am 3.3.2011 ab 20.15 Uhr, immer zu Altweiberfastnacht, wird man alles wissen. Der Opernball, das überragende Ereignis der Wiener Ballsaison, nimmt dann seinen Lauf.  15 Kameras des ORF  und vier mobile Filmteams werden live  berichten. Opernsänger der Staatsoper schmettern Spektakel-konforme Arien.  Die Eintrittskarte zum Opernball kostet € 230, nur, damit allein sieht man noch nicht viel. Für €17.000 mit Gästen in einer Rangloge logierend,  kann man  den Einzug der Jungdamen- und Herrenkomitees oder  der Mitternachtsquadrille auf dem Parkett ungestört verfolgen.  Man muß  aber nicht in Ranglogen Sekt schlürfen oder sich  im umgebauten Parkett des Opernhauses im 3/4 Takt  wiegen.  Man kann den Opernball  auch preiswerter haben:  Auf der Galerie den preiswerten  Kleinen Opernball  feiern,  in einem Heurigen der Oper gemütlich Wein trinken, in einer Disco  moderne Musik hören  oder im Spielcasino  Fortuna versuchen. Oder im 6. Rang für € 160 einen Tischanteil für 2 Personen erstehen. Dem Frackzwang des Abends begegnet der Preisbewußte mit gemieteten Utensilien.

Der  ehemals  gepflegte, fast familiäre  Opernball der Wiener Künstler,  inmitten  einer weitgehend  geschlossenen Wiener Gesellschaft,  entwickelte sich in den letzten 20 Jahren  zu einem medialen Großereignis, zu einem  Laufsteg ungebremster  Eitelkeiten. 12.000 Besucher kämpfen jährlich um Karten.  Der  Ball von Künstlern für Künstler  wandelte sich zum Ball des Volks wie Geldadels.  Die Logen der Oper dienen zunehmend der Geschäftsanbahnung,  wienerisch als `Landschaftpflege´ gewürdigt.  Im gegenüberliegenden Hotel Sacher wird reichlich vorgefeiert (vorgeglüht).

Wien besitzt eine sehr reiche  Ball-Tradition und feiert – zumeist im Winter – nahezu 450 Bälle in allen Preis- und Ausstattungskategorien.  Vom Gschnas ( fröhliches Kostümfest) über den Bürgerball  zum medialen Höhepunt dem  Opernball. Ein Reigen der Tanzkultur fächert sich auf:  Die Debütantinnen auf  Opernball, andere auf dem BonbonBall (4.3.)  dem Moskauer Wohltätigkeitsball, dem anregenden Kaffeesiederball, dem Integrationsball, dem Regenbodenball, dem Life Ball  oder dem 90 Jahre alten  Jägerball in der Wiener Hofburg, …….Für ausländische Nachrichtenblätter dagegen reduziert sich  die Wiener Ball-Tradition  auf einen  einzigen  Ball, den   Wiener Opernball .   2011  wird dieser Wiener Opernball  75 Jahre alt.  Erstmals 1935  als  Wiener Opernball  für karitative Zwecke aus der Taufe gehoben,  findet dieser Ball  regelmäßig  am letzten Donnerstag  vor dem Höhepunkt des Karnevals, am Altweiberfastnacht  in  der Wiener Staatsoper statt.  Seine Tradition reicht bis  zu  den  Zeiten des Wiener Kongresses, 1814/15.  Künstler der  Hofoper  veranstalteten damals  aus Anlaß des Welt-Ereignisses regelmäßig  Tänze  für die illustren  Gäste des Kongresses. Diese Tradition lebte weiter.  Seit 1877 gab es Opernbälle als Soirée in der Wiener Staatsoper.  So  entwickelten sich über Jahrzehnte die alten Bräuche weiter;  bis  diese  1935  in die  heute gelebten Rituale mündeten.  Im Februar 1956  fand der  Wiener Opernball  nach dem 2. Weltkrieg  seine Fortsetzung.  Erst kurz zuvor,  am 9.11.1955,  war die  im Krieg  zerstörte  Wiener Staatsoper  mit Fidelio und Karl Böhm  wieder eröffnet  worden.

Traditionsorientierte  Wiener meiden das aus ihrer Sicht,  leicht verrufene Klatschspektakel des Opernballes. Sie  flüchten zu Bällen,  welche  ihre Ursprünglichkeit mehr bewahrt  haben. Trotzdem:  Die Vox Populi  hat durch Medialisierung  des Wiener Opernballes  dortige Balltraditionen  eingeholt und  verändert.  IOCO / VJ  / 10.02.2011

Wien, Wiener Staatsoper, Pressekonferenz am 16.6.2010 oder: Der lange Abschied des Ioan Holender

Juni 24, 2010 by  
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Wiener Staatsoper

Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan Holender

Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan Holender Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan Holender Pressekonferenz am 16.6.2010 oder:  Der lange Abschied des Ioan Holender

Ioan Holender, 75,   lebende Ikone der Musikwelt, österreichisch  sperrig immer  als „Staatsoperndirektor“ tituliert, seit seiner  Jahrespressekonferenz vom 2.4.2009  auf Abschiedstour, verläßt seine Bühne an der Wiener Staatsoper  endgültig am 30. Juni 2010.  Er wird dann, mit 19 Amtsjahren  längstdienender Direktor der Staatsoper sein (bisheriger Titelhalter: Wilhelm Jahn, 16 Jahre, von 1881 – 1897).   Und formte in dieser Zeit die Wiener Staatsoper zum  führenden Musiktheater weltweit. Die Staatsoper wurde  Richtungsgeber für Musiktheater, Künstler und Kulturmanager in allen Ländern.

Und auf dieser Abschiedspressekonferenz als Staatsoperndirektor,  auf der Probebühne des Eberhard-Waechter-Saales   (IOCO war dabei),  durchlief Holender,  so selbstbewußt wie von Zweifeln unbelastet,  eine Hommage an sein  Wirken der vergangenen 19 Jahre:

1959 aus Rumänien mit seiner Mutter in Wien angekommen,  begann Holender  als Statist am Wiener Burgtheater, sang im Volkstheater an der Seite von Fritz Muliar, begann als „passabler“ Bariton am Klagenfurter Stadttheater und trat 1967 in eine Künstleragentur ein, welche er später übernehmen sollte.  Dort tröstete er  Placido Domingo, welcher nach Vorsingen beim damaligen Staatsoperndirektor Egon Seefehlner durchfiel. Und entwickelte die sängerfokussierte Vita, welche Holender  so sehr für die Wiener Staatsoper qualifizierte und  ihn von seinen  meist regiedominierten und/oder  gesangsunerfahrenen  Intendanten-Kollegen unterscheiden sollte.  Holender hat  die Leiden eines Sängers auf der  Bühne durchlebt, kennt deren  Nöte, Hoffnungen und Freuden.  Und entwickelte  mit  diesem Wissen über 19 Jahre den einzigartigen Klangkörper der Wiener Staatsoper.  Wurde zum Entdecker, Mentor, Ratgeber ganzer Sängergenerationen der Welt.

Ulrich Weinzierl, Redakteur der Welt, beschreibt Ioan Holender als jovialen Despot. Alles hört auf sein Kommando, kein Widerspruch wird geduldet. Für seinen Thron an der Spitze der Wiener Staatsoper sei  die Beschreibung „Schleudersitz“ blanke Untertreibung.                                                                                                                                Holender  selbst äußert sich allerdings auch gerne  kontrovers zu Personen und Ereignissen außerhalb der Wiener Staatsoper:

Seefestspiele Mörbisch:  Es  ist  das gesellschaftliche Treiben, das die Leute anzieht;  der Impressario ist inzwischen bekannter als das Festival.

Bregenzer Festspiele: Mit Kunst im Sinne des Werkes und dessen Schöpfer hat es  wenig zu tun. Man generiert ein Unterhaltungsereignis und der Vorwand ist die Oper.

Salzburger Festspiele: Ich fühlte mich dort stets fremd, der gesellschaftliche Anteil überwog der künstlerischen. …die von Möchtegernern und Wichtigmachern dominierte…..

–  Egon Seefehlner: Hat immer geraten, mehr Geld auszugeben, als man bekäme. Damit nachbudgetiert werde.

Claus Helmut Drese, Operndirektor: Von Sängern wußte er wenig und die Beurteilung von Stimmen zählte nicht zu seinen Tugenden.

– Claus Peymann: …wurde zu einem Darsteller, der sich durch Provokationen und politische Attacken im Gespräch zu halten versuchte….

Lorin Maazel: Von rührender Naivität..Beispielsweise verlangte er Bilder, die ihm gefielen, aber der Republik gehörten, für seine Privatwohnung. Dafür versorgte er die genehmigenden Beamten mit Freikarten.

– Neil Shicoff: besitzt ausgeprägte monomanische Züge….

Regisseure: Ich halte deren übermäßige Bedeutung,  Honorierung und „durch diese“ erzeugte Belastungen an Musiktheatern für weit  überzogen.

Sven-Eric Bechtolf, Regisseur:  Ist ein Grünschnabel und versteht nichts von Oper (über Bechtolfs Kritik an einer sängerischen Besetzung) und sollte sich zurückhalten.

– Der Opernball: Die Gäste seien mehr Schein als sein

Die besten Sprüche von Ioan Holender finden man übrigens unter www.kurier.at/kultur.                                                                                                                                              Rauer Kritik  an seiner Berufung an die Staatsoper  begegnet Holender dagegen immer noch ungewöhnlich  dünnhäutig: „Ich kann sie nur so interpretieren, daß man einen rumänischen Juden….“.

So begann Ioan Holender  die Abschieds-PK  mit tiefer Referenz an  Eberhard Waechterdamaliger Direktor der Wiener Staats- und Volksoper, der ihn 1991  überraschend fragte, ob er nicht seine Agtentur verkaufen und Generalsekretär  an der Wiener Staats- und Volksoper werden wolle.  Holender  wollte und  der überraschende Tod Waechters im März 1992  führte dazu, daß  der österreichische Kanzler, Franz Vranitzky, ihn zu dessen  Nachfolger  vorschlug. So  Holender auf der PK,  unglaublich bescheiden:  Ich habe die Position nicht angestrebt, nur durch den Tod von Herrn W………..

Ganz  professioneller und gesamtverantlicher Intendant  eines großen Musiktheaters,  nicht  Kunstsektierer,  gliederte Holender  sodann sein Wirken, seine Erfolge  der vergangenen 19 Jahre in  folgende  Kriterien:

Auslastung der Staatsoper der letzten 19 Jahre:  96,11% bei 5.473 Vorstellungen;  die letzten vier Spielzeiten bereits deutlich über 97%. (NB Die  Red: Die deutlich höher subventionierte,  kleine Berliner Staatsoper erreicht eine Auslastung von nur  87%).

Finanzen:  Ich hinterlasse ein Haus mit gesunder finanzieller Basis. Seit 1997 unveränderte Subventionen.  (NB: Nachfolger Dominique Meyer forderte, kaum im Amt,   bereits höhere Subventionen).  Der  Anteil eigener Staatsopern Einnahmen liegt bei  – hohen –   45%. Er habe sich immer als Steuerzahler gesehen und war sich nicht zu schade, die Preise für Suppenteller im Kindertheater zu erfragen. Ob bei Verhandlungen mit Betriebsräte, Sponsoren: Der Steuerzahler war immer sein Hauptgeldgeber. Und so zitierte er: Sängerstars erhalten gutes Geld und wollen dann noch die Taxispesen ersetzt haben. Damit hat er aufgeräumt.  Inszenierungen laufen an der Staatsoper häufig Jahrzehnte, wie die 40 Jahre alte  John Cranko Inszenierung von Romeo und Julia: Der Besucherzuspruch, auch die Kosten  entscheiden an der Staatsoper über eine Neu-Inszenierung, nicht die meist karrieresüchtige Regieprotagonisten.

Künstlerisches: Der Aufbau des wohl weltweit lesitungsfähigsten  Sänger-Ensembles. 725 Künstler(-innen) gaben in dieser Zeit ihr Debut an der Staatsoper, darunter das gesammelte Who-is-who der heutigen Sängerelite: Falk Struckmann, Jochen Kowalski, Diana Damrau, Anne Sofie von Otter, Natalie Dessay, Johan Botha, Renée Fleming,  Deborah Voigt, Deborah Polaski, Erwin Schrott, Adrian Eröd, Ingo Metzmacher, Elina Garanca, Milagros Poblador, Maria Guleghina, Bo Shovkus, John Tomlinson…….und starteten von Wien aus ihre Weltkarriere.  Kein anderes Musiktheater der Welt reizte, prüfte und engagierte  sich derart  intensiv  Gesangs- und Stimmenkompetenz wie das Haus am Ring, so Holender.  Welcher sich in diesem Zusammenhang auch nicht scheut darauf hinzuweisen, daß viele Opernleiter dieser Welt nicht  den Violinschlüssel von einem Bass-Schlüssel unterscheiden können und  trotz  dieses  fehlenden  Basiswissens  Gesangspartien  großer Opern selbstherrlich besetzen.  Starallüren bei Regisseuren und Sänger-(innen) waren  ihm immer ein Graus (siehe Bechtolf-Kritik oben).

– Was wurde neben der Kerntätigkeit der Staatsoper  im Haus am Ring  verändert:  Holender:  schaffte – live-Übertragungen per Video-Leinwand auf den Karajan-Platz, installierte die Kinderoper, zur Zeit noch,  auf dem Dach; – errichtete, gegen starken Widerstand, den Probenraum; – gründete die Opernschule für Kinder; – baute das Opernmuseum auf; – förderte das Leistungsprinzip beim Staatsopernpersonal ( Prinzip: Die Oper sei kein Sanatorium;  nicht dem Personal soll es gut gehen, sondern dem Publikum); – förderte Sponsorenverträge  mit der Maßgabe, daß diese keinen Einfluß auf den künstlerischen Bereich haben dürfen; – änderte die Praxis, daß im Orchester keine Frauen spielen dürfen (NB die Red.: Allerdings haben hier die amerikanischen Frauenverbände dem Musikverein auch etwas „nachgeholfen“); – öffnete den riesigen Staatsopern Fundus an Büchern und Aufnahmen der Öffentlichkeit.

Rundherum wohltuend war, daß Holender   die Wiener Staatsoper  als Unternehmer mit kulturellem Mandat ganzheitlich betrachtete, leitete:  Als gesellschaftlich relevantes Gebilde, welches finanziell verantwortlich, operativ effizient und künstlerisch anspruchsvoll geführt werden muß.  Dem Steuerzahler verpflichtet  und der Kunst; eine Lieblingskommentierung.  Eine mutige Einstellung, mit  der er unter seinen künstlerischen Kollegen  sehr einsam steht.

Das  künstlerischen Finale Holenders an der Staatsoper erfolgt am 26. Juni 2010 mit Auszügen aus Premieren und vielen Weltstars. Am 30. Juni endet die Ära mit Wagners Parsifal.  Stephen Gould singt die Titelpartie, im dritten Aufzug wird Placido Domingo   den – einfacheren – geläuterten Parsifal singen.

Ein Buch hat Holender natürlich auch bereits herausgegeben, Titel: Ich bin noch nicht fertig, erschienen im Paul Zsolnay Verlag.  Und wie sieht er seine Zukunft: Die   Zeitschrift Österreich rief bereits, etwas vorschnell, den Musikkrieg Wien-Ungarn aus; auf das Gerücht hin, Holender werde an der Budapester Oper tätig werden. So  äußerte  Holender  sich  denn direkt: Nach München geht er nicht, in Budapest wird er künstlerischer Berater, in Tokio macht er das Frühlingsfestival, lehren wird er an der Donau-Universität in Krems, in New York  und auch sonst wird er als Berater tätig werden.  Tennis spielen möchte Holender  zukünftig auch mehr:  Dabei  wünschen wir  ihm  starke Volleys.

Ihr

IOCO Team / VJ / 222.6.2010

NB:  Die  Pressekonferenz der Wiener Staatsoper zur Spielzeit 2010/11 war bereits im April 2010 von Holenders  Nachfolger Welser-Möst und Meyer gegeben worden, IOCO berichtete. Lesen Sie bei IOCO nach, was die Nachfolger vorhaben.

Wien, Wiener Staatsoper, Ioan Holender – Letztes Publikumsgespräch der Amtszeit, IOCO Aktuell, 10.04.2010

April 13, 2010 by  
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Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper

 Ioan Holender: Letztes Publikumsgespräch der Amtszeit

Ioan Holender,  langjährig unumschränkter Herrscher der Wiener Staatsoper durchlebt seine letzte Saison. Die lebende Legende  großartiger Opernkultur tritt 2010 endgültig von seiner Bühne ab. Von der Bühne der Wiener Staatsoper,  auf der  Holender, polternd  wie charmant, deutlich wie kompetent  seit Jahren durch evolutionäres  Gestalten Weltmaßstäbe für stimmliches und szenisches Musiktheater setzt. Ohne auffällige szenische Skandale, allein der Stimme, der Musik, den Komponisten und dem faszinierten Publikum aus aller Welt verbunden. Und der Auslastung seines Hauses.    Und so umschwebt in diesem Jahr jeden Auftritt von Ioan Holender eine Aura von Wehmut, von Elegie, von Schmelz. Erst recht bei diesem Publikumsgespräch, dem letzten  seiner Amtszeit. IOCO war dabei:

Großer Ansturm: Mit viel Mühe und nach mehrmaligem Anstellen bei den Wiener Bundestheater-Kassen konnte IOCO kostenlose Zählkarten für das letzte „Publikumsgespräch“ ergattern.  Mit  dieser – unnummerierten – Karte  in Händen erfolgte am Samstagmorgen – Schlußverkaufsmäßig – der Sturm auf die Parkettreihen der Wiener Staatsoper.  Der Rücksichtsloseste, die Schnellste ergatterte sich die besten Plätze. Für Momente ähnelte  die Staatsoper  einem Jahrmarktsgetümmel.

„Seit der Ankündigung, daß Ioan Holender geht, herrscht hier das reine Chaos“. So die O-Stimme einer erschöpften Wienerin, die sich auf einen Sitz der vordersten Reihen durchgekämpft hatte. „So ein Durcheinander hat es in den Jahren der Holender-Ära nie gegeben. Zuerst stimmen die Beginnzeiten nicht, am Telefon bekommt man keine korrekte Auskunft, die neue Ära fängt ja nicht sehr vielversprechend an“ beklagt meine Sitznachbarin das baldige Scheiden ihres hoch verehrten Staatsoperndirektors.

Elegant und jovial wie man es von ihm gewohnt ist, betritt „Er“ pünktlich um 10:30h die Bühne der Wiener Staatsoper, begleitet vom kaufmännischen Leiter der Staatsoper, Thomas Platzer.  Die etwas entfernt von der Rampe plazierten rotsamtenen Fauteuils werden an den Bühnenrand  geschoben, eine Geste, die die Nähe Holenders zu seinem Publikum verdeutlichen sollte und auch tat.  Holender beginnt das Gespräch mit der Vorausschau auf die 2 ½ Monate, die ihm an der Spitze der Staatsoper bleiben, und in denen er weiterhin offen für „Wünsche, Beschwerden und Kritiken“ sei.

Grundsätzliche Statements, wie  zu kommenden Spielplänen,  waren von Holender nicht mehr zu erwarten.  Seine Nachfolger  Dominique Meyer und Franz Welser-Möst  hatten  in der offiziellen  Jahrespressekonferenz 2010/2011 der Wiener Staatsoper (siehe IOCO-Bericht)  dazu bereits alles mitgeteilt.

So gab es eher menschliches, milde gestimmtes: Den erkrankten S. Ozawa hätte er in Tokio besucht, mit einem Kommen Ozawas sei aber nicht zu rechnen, vielmehr hätte dieser sämtliche Herbst – Verpflichtungen abgesagt. Auch von Levine sei eine Absage gekommen, sowie von Botha als Sänger für „Parsifal“ am 30. Juni.  Für den 26. Juni ist ein Gala-Abend mit Placido Domingo geplant, eine Matinée für den 20. Juni, in deren Rahmen Holenders autobiographisches Buch „Ich bin noch nicht fertig“ vorgestellt wird.

Auf den Opernball  Direktor Holender anzusprechen hieße den direkten Affront suchen;  Holender – auf Wiener Art – ignoriert dies Event net amol.  Er stellt die Sänger, die Tänzer des Abends:  Schon immer polterte er gegen  die platte „Popularisierung“ des Balles durch Lugner, Gottschalk, Bohlen, Lohan und Co. Doch der Welt bleibt der Staatsoper – Opernball  trotz Holenders lauter Abneigung leuchtendes Wahrzeichen Wiens.

Die Zusammenarbeit mit Franz Welser-Möst, so Holender wohlwollend, gestalte sich ausgezeichnet, auch Jonas Kaufmann wird in der nächsten Spielzeit an der Wiener Staatsoper sein.

Eine dauerhafte Auslastung von 97%, einmalig in der Welt (Abonnements werden nicht gekündigt, in Wien werden Staatsoper Abonnements vererbt), ist sichtbarstes Verdienst des scheidenden Direktors, der es verstanden hat, ein junges, ein internationales und ein Wiener Stammpublikum permanent zu gewinnen. Ein Besucher warnt sodann eindringlich davor, moderne Regisseure mit Regiearbeiten zu betrauen. Er, so Holender, werde ohnehin niemanden mehr betrauen. Wie steht Holender und der oft getragenen Überzeugung,  mit modernem, kontroversem  Regietheater junges Publikum zu gewinnen?  Fehlanzeige in Wien. Man gewinnt, so Holender,  auch mit Klassikern junges Publikum. So formte Ioan Holender durch kluges Wirtschaften, reflektierendem, evolutionärem Kunstverständnis und hoher Professionalität für Stimmen die Wiener Staatsoper zum Musikktheater allerersten Ranges. Preiswerte Engagements von Sängern, die er beispielsweise direkt vom Mozarteum in Wien weg engagierte, trugen zu den wirtschaftlichen wie künstlerischen Erfolgen der Staatsoper bei. Nicht ohne Stolz meinte Holender, daß während seiner 19- jährigen Tätigkeit immerhin zwei Generationen von Weltstars aus dem „Haus am Ring“ hervorgegangen seien.

Die Übertragungen „Live auf dem Platz“ per Video-Leinwand an der Wiener Staatsoper werden Anfang Mai wieder aufgenommen. Begonnen wird mit der 2.Vorstellung von „Carmen“. Sämtliche bürokratische Hürden (und derer gab es viele!) hat Holender mit Bravour genommen.

Die leidige Frage nach der Erreichbarkeit von Karten kommt von mehreren Teilnehmern aus dem Publikum. Haben schriftliche Bestellungen mehr Aussichten auf Erfolg? Auch die nicht. Beim Anstellen an den Kassen schaffen es manche „Profis,“ sich gleich zwei Mal anzustellen, wenn die Kontingente auf zwei Karten pro Person beschränkt sind. Eine „Gesichtskontrolle“ wie es sie unter der Ära Jungbluth gegeben hatte, führte seinerzeit sogar zu diplomatischen Verwicklungen, als der Sohn des kanadischen Botschafters zu Unrecht perlustriert wurde. Auf solche Methoden könne und wolle man nicht zurück greifen.

Natürlich gab es auch Kritik. So wurde die Regiearbeit einiger Aufführungen des „Ring“ negativ bewertet. „Opernaufführungen gleichen Inzesthandlungen“ meinte Holender zu diesem Thema. „Es werden auf der ganzen Welt die gleichen Opern aufgeführt. Was liegt da näher, als ab und zu etwas Neues zu versuchen? Daß solche Experimente auch mißglücken können, erfuhr auch Wien mit einigen neuen Regiekonzepten“. Allerdings: Massive Publikumsaufstände hat es nie gegeben: Die evolutionären Regiekonzepte waren gelegentlich umstritten, doch  nie gedankenlos, nie polemisch oder  sinnlos  verfremdend. Nie Publikumsfeindlich.

Die positive Resonanz, Mitgefühl, Rührung  des Publikums ist in Ioan Holenders „letzten Heimspiel“  spürbar. Man weiß zu schätzen, was Holender für sein Publikum, für Wien, für Österreich,  für die Kunst geschaffen hat. Einer Dame, die sich für eine Vielzahl schöner Abende in der Oper als persönliche „Geschenke“ bedankt, entgegnet er liebenswürdig: „Sie haben dafür bezahlt, gnädige Frau, und gar nicht so wenig;  es handelte sich also absolut um keine Geschenke.“

Bis zu seinen endgültigem Abgang in der Abschiedsmatinée am 20. Juni  bietet Holender noch einiges:  So singt er singt höchstpersönlich am 8. Mai in der Kinderoper-Uraufführung „Pünktchen und Anton“.

Oper stellt für den am längsten dienenden Direktor in der Geschichte des Hauses am Ring „kein Museum, sondern die Verschmelzung eines klassischen oder modernen Kunstwerkes mit heutigem Wissen und Denken“ dar. Mögen dem Publikum auch in Zukunft Kunstwerke auf hohem Niveau, frei von Skandalen, erhalten bleiben. Die Nachfolger Dominique Meyer  und Franz Welser-Möst werden lange mit dem Schatten ihres Vorgängers Ioan Holender zu tun haben.    IOCO  / Viktor Jarosch / 11.04.2010

Wien, Wiener Staatsoper, Professionell: Spielplanpräsentation 2009/2010, IOCO Aktuell, 08.04.2009

April 8, 2009 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wiener Staatsoper: Musiktheater mit Charme und Profis

Am  2.4.2009  lud  die Wiener Staatsoper in ihrem Schwindfoyer  zur Pressekonferenz zum Spielplan  2009/2010. Das  Ambiente  des  Raumes   ebenso  bezaubernd  wie  Ioan Holender´s  Präsentation professional und entspannt. Thomas Platzer, kaufmännischer Geschäftsführer, Betriebsdirektorin, Sabine Hödl-Weinberger. Das weitere Management wurde vorgestellt: Michaela Stark, Produktionsleitung, Peter Kozak, Technischer Direktor, die für  die  Dramaturgie  verantwortlichen  Brüder Andreas und  Oliver  Láng  wurden  vorgestellt. Katharina Sedivy als Prokuristin, Margarete Arnold, André  Comploi  für  die Pressearbeit.

Wolfgang Amadeus Mozart_Wiener Stadtbürger © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart_Wiener Stadtbürger © IOCO

Obwohl noch über 15 Monate dabei,  wirft der Abschied von Ioan Holender  bereits  heute  seinen  langen  Schatten.  Ein  Intendant verabschiedet sich,  welcher  über  viele  Jahre  Vorbildcharakter  für  eine  ideale  Intendatenbesetzung   bewiesen  hat.  Dem  es  gelang,  die  Wiener  Staatsoper  dauerhaft  zu  einem  der  führenden  Kulturbetriebe  in  der  Welt   zu  entwickeln.  Stabil,  verläßlich.  Ohne das er  als  Regisseur, Dirigent  oder Musiker allabendlich  zusätzliche Referenzen abräumen  mußte.  So spürte man auch  in dieser Pressekonferenz immer wieder das überregional prägende Wirken Ioan Holenders.  Wie in dem  zarten  Hinweis,  man  habe  Klaus  Florian Voigt  auf  drängendes  Bitten (Betteln ?)  der Berliner Staatsoper kurzfristig  für  die  dort  gefährdete  Lohengrin-Premiere  am 4.4.2009  überlassen.  Wien und Berlin:  Zwei Staatsopern, welche in ihrer internationalen Präsenz Welten trennen.  

“ Zum letzten Mal“  so  Holender,  singen die Gralsritter in Wagners  Parsifal  „möge  der Gral enthüllt werden“.  Diesen  Chor  hörte Holender am 1. September 1991  gemeinsam mit Eberhard Wächter.  Und dieser  Chor  wird  auch am  30. Juni 2010  ertönen,  wenn  er  nach 19  Jahren  seine  Tätigkeit beendet.  Was  sonst noch  alles  an diesem 30.6.2010  geschehen wird;  es  wird unzweifelhaft  ein  von  Weltstars  gespicktes  Opernereignis   der  Extraklasse  werden;  neben vielen  Weltstars wie Placido  Domingo  wird  auch der mit dem Staat Österreich etwas über Kreuz liegende Thomas  Hampson auftreten;  ohne Entgelt, so Ioan Holender.

Vier  Premieren wird es in  der  Saison  2009/2010  geben:  Am  23.  Oktober 2009;  Lady  Macbeth  von  Mzensk  von  Dimitri Schostakowitsch;  Reprisen  am  27., 30. Oktober, 2., 5., 9., 12., 15. November.  Und  in  Kooperation mit der Oper Graz. Am  7.  Dezember 2009;   Macbeth  von  Verdi;  Reprisen  am  10., 13., 16., 21., 26.  Dezember  sowie  13., 16., 20., 23., 26. Mai 2010. Am  28.  Februar 2010;   Medea  von  Aribert Reiman; die Uraufführung eines Auftragswerkes der Wiener Staatsoper;  Reprisen  am  3., 6., 9., 12. März 2010. In  Kooperation mit der Oper Frankfurt;  Am  16. Juni 2010;  Tannhäuser  von  Wagner;  Reprisen  am  20., 24., 27.  Juni  2010.  Zu  allen  Premieren wird es  vorab  auch von Andreas und Oliver Láng  geleitete Matineen geben  wie auch von Prof. Dr. Konrad Paul Liessmann  geführte Diskussionsrunden (im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper).

Eine  Abschiedsmatinee  für Ioan Holender wird es am 20.6.2010  geben.

Vier Musikalische Neueinstudierungen oder Wiederaufnahmen  wird es in 2009 / 2010  geben: Am  14. Dezember 2009; Tristan und Isolde  mit Simon Rattle als Dirigent;  Reprisen am 18., 22. Dezember 2009.   Am  8. Januar 2010  Manon  von Jules Massenet;  u.a.  mit Diana Damrau / Anna Netrebko; Ramón Varagas / Roberto Alagna; Reprisen  am  11., 14., 17. Januar  und am 21. Mai 2010.  Am  10. März 2010;  eine Koproduktion mit dem Teatro Real, Madrid  von  Moses und Aaron  von  Schönberg; Reprisen am 13., 16. März 2010.  Am 3. Mai 2010  musikalische Neueinstudierung  Carmen von Georges Bizet  in  der Inszenierung von Franco Zeffirelli.  Mit Elina Garanca, Anna Netrebko; Rolando Villazón, Ildebrando D´Arcangelo;  Reprisen am 6., 9., 12., 15. Mai 2010.

Am  26. Juni 2010  wird  des eine musikalische Rückschau auf das Werk Ioan Holenders in den Jahren 1991 bis 2010  geben.  157 Premieren – 83 Opern-, 63 Ballettabende, 11 Kinderopern  präsentierte Ioan Holender  in seiner Amtszeit, der längsten in der 140 – jährigen Geschichte der Wiener Staatsoper.  Im  Konzert dieses Abends werden Ausschnitte aus 40 Premierenproduktionen präsentiert.

Im  Kinderopernzelt  auf der Dachterasse  werden am 27. September 2009   Das Traumfresserchen,  am  8.12.2009  Wagners  Nibelungenring  für Kinder,  und  am 8. Mai 2010   die Uraufführung des Auftragswerkes Pünktchen  und Anton  von Iván Eröd  aufgeführt.

Ring-Zyklen gibt es reichlich  demnächst an  der Staatsoper:  Zyklus  1  beginnend am 5.5.2009, Zyklus 2  beginnt am  16.5.2009, Zyklus 3  beginnt am 6.6.2009.  Zyklus 1 der Saison 2009 / 2010  beginnt am 7.11.2009; Zyklus 2  beginnt am 21.11. 2009;  Abschluß der Ring-Zyklen ist mit Zyklus 3,  welcher  am  20.3.2010  beginnt.

Besondere Ereignisse  zur aktuellen Saison 2008 / 2009:

Symposium zum „Ring des Nibelungen“  vom 5. – 6.  Juni 2009,  veranstaltet von der Wiener Staatsoper gemeinsam mit der EMA (Europäische Musiktheater-Akademie  im  Gustav Mahler-Saal  der Wiener Staatsoper.

– Die schweigsame Frau von Richard Strauss  am  18. Juni 2009, die  Wiederaufnahme einer Koproduktion mit der Sächsischen Staatsoper  Dresden

–  Anna Karenina, Ballett  von  Tschaikowsky  am 8. Juni 2009,  eine Übernahme aus der Volksoper; Premiere an der Wiener Staatsoper

Capriccio  von Richard Strauss  wird am  24. Juni 2009 konzertant auf dem Richard Strauss Festival in Garmisch Partenkirchen gegeben.

Auffällig  für  die Pressekonferenz war die Betonung wirtschaftlicher, praktischer Themen der Wiener Staatsoper.  Die  Sitzplatzauslastung  der letzten sechs Jahre war immer über 96 %.   In  der gesamten Ära  Holenders 1991 bis 2008  war die Auslastung immer über  93,5 %. Holender war Profi genug, darauf hinzuweisen, daß Sitzplatzauslastung  kostenlos vergebene Karten  beinhaltet, wichtiger seien verkaufte Karten. Dabei liegt er  etwas unter Budget, welches jedoch durch Donatoren ausgeglichen wird.  3 %  der Einnahmen der Staatsoper von  ca  € 28,8 Mio  werden  über Donatoren  aquiriert,  ein Thema, welches er höchstpersönlich auf seine Fahnen geschrieben  hat.  Lexus als Hauptsponsor hat seinen Vertrag gerade verlängert.  Sponsoren haben laut Holender auch nur sehr geringe Ansprüche auf Freikarten.  Er zielt mit dieser Feststellung deutlich auf  die  Salzbrger Festspiele,  bei denen Sponsoren eine dominante und teils unangenehme Rolle spielen.  Und  möchte vermeiden, daß  an der Wiener Staatsoper in grossem Stil  Karten  von  Sponsoren  erworben  werden,  der Individualbesucher  zu  kurz kommt,  oder  die teilweise  exorbitanten Salzburger Preise von bis zu € 500 pro Karte bezahlen muß.

 Holender erklärte, daß Kartenpreise der Wiener Staatsoper unverändert bleiben.  20.000 Abos  sind für die kommende Saison bereits verkauft.  Hier wird ein Nachlass von ca 25 %  gegeben.  Kritik kam auf an der Tatsache, daß für Abonnements  nur Parkett- und Logenplätze zur Verfügung stehen.  Auch wurde der von einem Besucher aufgebrachte Vorgang diskutiert, daß  Kartenagenturen  in  eigenem Namen  rechtmäßig erworbene  Eintrittskarten zu einem deutlich erhöhten Preis  weiter verkaufen können;  also  z.B.  eine für € 160 erworbene Karte  für €  360.   Laut Thomas Platzer ist ein solcher Vorgang nicht gewünscht aber im Augenblick nicht zu verhindern. Holender  äußerte  großes Unverständnis für solche `Manipulationen´  der Eintrittskarten. Auf jeden Fall werden die Eintrittskarten der Staatsoper ab kommender  Saison geändert:  Auf jeder Eintrittskarte  wird  ein  Bild   aus  der Aufführung  abgebildet. Und damit zu einem  plastischeren Erinnerungsstück  werden.

Wie sehr sich Holender seinem Haus als ganzem verantwortlich fühlt zeigen seine wiederholten Ausflüge in die wirtschaftlichen Realitäten:  Das die Staatsoper durch Ausgliederungen, Koproduktionen und ähnlichem inzwischen € 4,4  Millionen verdient hat. Die Tote Stadt  ist die erfolgreichste  Ausgliederung:  bei Produktionskosten von   €250.000  hat diese Oper bereits  €500.000 eingespielt.   Auch  der CD Verkauf  unter  dem Titel  „Wiener Staatsoper Live“  boomt.  So  präsentierte  Ioan Holender  die Saison 2009 / 2010 realistisch  und  künstlerisch kompetent.

Ab  24. Mai 2009  werden  Aufführungen live  auf einer Videoleinwand vor der Staatsoper  übertragen.  Begonnen wird mit Don Giovanni.

Was  macht Holender nach 2010 ?  Er  lächelte  verschmitzt,  verwies auf sein Alter,  versponn  entspannt  lockere Gedankenschleifen,  verwies  auf  einige Beraterverträge (ohne Partner zu nennen)  und  vermittelte  mit  dieser  Pressekonferenz  in  angenehmer  Weise   hohe  künstlerische  Ansprüche  und  wirtschaftlichen  Realitätssinn.  Und  verzichted  dabei  auf  das  notorisch  lautes  Inszenierungsgeheule  vieler  seiner  Kollegen.  Tu  felix  Wiener  Staatsoper.     IOCO / Viktor Jarosch / 08.04.2009

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