Altenburg, Theater Altenburg Gera, GMD Laurent Wagner verabschiedet sich, IOCO Aktuell, 24.06.2020

 

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Theater Altenburg © Ronny Ristok

GMD  Laurent Wagner verabschiedet sich 2020

 im Gespräch mit Konzertdramaturgin Birgit Spörl 

Laurent Wagner, *1960 in Lyon, französischer Staatsbürger, seit 2013 Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. war zuvor in gleicher Position am Theater Dortmund und am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, in anderer Funktion an anderen bedeutenden Theatern.

Birgit Spörl  (BS):  Lieber Laurent Wagner, Sie beenden mit dieser Spielzeit Ihr Engagement als Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. Damit haben Sie sieben Spielzeiten lang dieses Theater geprägt. Ist diese Zeit rückblickend betrachtet schnell oder langsam vergangen?

Laurent Wagner (LW): Weder schnell noch langsam, sondern rasend! Ich kann mich an meine ersten Schritte hier noch als Bewerber erinnern, als sei es gestern gewesen und diese Zeit ist so intensiv gewesen, ein Projekt hat das andere gejagt und so ist die Zeit rasant vergangen – und so sind sieben Jahre im Nu vorbei.

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

BS: Bevor Sie nach Altenburg und Gera kamen, haben Sie europaweit in sehr viel größeren und berühmteren Städten gewirkt und gelebt, wie Dortmund, St. Gallen und Dublin. Wie haben Sie die Umstellung auf ein Wirken in den sehr viel kleineren Städten Altenburg und Gera erlebt?

 LW:  Ich bin von Zuhause aus schon ein Großstadtmensch, bin im etwas größeren und schönen Lyon groß geworden, habe dann in Paris und Wien studiert. Aber das war vor langer Zeit und man wird ja nicht jünger – ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen mehr Natur, weniger Hektik ist auch mal  ganz schön. Als so klein kann ich aber auch die Lage in Gera und Altenburg nicht bezeichnen, zumindest was unsere Arbeit angeht. Wir haben  für die theoretische Größe einer Stadt wie Gera, gemessen an der Einwohnerzahl, doch ein sehr großes Orchester. Also konnte ich nie den Eindruck haben, ich sei hier in der kleinen Provinz. Ich hatte ein großes Orchester mit etwa 75 Musiker, mit dem man eigentlich fast das ganze Repertoire spielen kann. Also den Hauch der Provinz habe ich hier nicht gespürt.

BS: Was macht das Altenburger und das Geraer Publikum aus?

LW: Es ist ein sehr, sehr treues Publikum. Wir haben einen harten Kern eines treuen Publikums – viele davon sind Abonnenten – die sind unglaublich treu. Und wenn ich das Publikum vergleiche mit Publikum aus den anderen Städten, in denen ich wirken durfte: Die Länge und Begeisterung des Applauses am Ende einer Opernvorstellung und eines Konzertes ist hier wirklich erstaunlich. Man hat wirklich den Eindruck, man gehört als Musiker richtig dazu, es ist eine richtige Einheit zwischen Publikum und Orchester, das ist wirklich eine schöne Sache. Das habe ich nicht überall in dem Maße so erlebt.

BS: Konnten Sie nicht nur in den Theatern, sondern auch in den Städten Altenburg und Gera heimisch werden? ? Haben Sie beispielsweise den einen oder anderen Lieblingsplatz in der Stadt für sich entdeckt?

LW: Ja, heimisch geworden bin ich längst. Ich habe fünf Jahre in Gera auf der anderen Seite der Elster in der Nähe der Marienkirche gelebt – und das ist eigentlich mein Lieblingsplatz in Gera: Der Weg von der Kirche über die Brücke, durch diese schöne Allee und dann der Küchengarten und der Blick aufs Theater – ich glaube, das ist wirklich die allerschönste Stelle in Gera und das waren immer die Momente auf dem Weg ins Theater, in denen ich wusste, warum ich hier bin. Ich brauche ein schönes Ambiente zum Leben. Ich habe oft in Theatern gearbeitet, die eher Betonklötze waren – natürlich vergisst man das über der Arbeit – aber wenn man hier in so einem schönen Ambiente arbeiten darf, dann ist das doch ein Stückchen schöner. Und was Altenburg angeht: Altenburg war für mich auch deshalb besonders schön, da es die Stadt meines Schwiegervaters ist. Das war für meine Frau und mich also sehr schön, da zu landen. Mein Schwiegervater war einst wohl aus politischen Gründen aus Altenburg weggezogen und nun schloss sich da ein Familienkreis. Einen Lieblingsplatz kann ich in Altenburg gar nicht benennen, sondern die ganze Innenstadt mit ihrem architektonischen Reichtum ist wirklich ein Juwel.

Interview mit Laurent Wagner zum 1. Philharmonischen Konzert 2018
youtube Video des Theater Altenburg Gera
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BS: Als Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg Gera waren Sie nicht nur Chefdirigent. Neben der musikalischen Leitung von Opern und Konzerten waren Sie auch mitverantwortlich für die Gestaltung der Spielpläne, für das Engagement von Künstlern und Gästen, für die Planung von Events oder auch die Vergabe von Kompositionsaufträgen. Haben Sie sich in der Vielfältigkeit dieser Aufgaben und der großen Verantwortung zu Hause gefühlt?

LW: Ja durchaus. Es ist auch wirklich gut, wenn man als Dirigent nicht nur ein ausführendes Organ ist, sondern dass man die Sachen wirklich von A bis Z gestalten kann. An manchen Orten gibt es den Trend, dass der Chefdirigent hübsch den Takt schlagen soll zu den Stücken, die man ihm sagt. Ich finde wirklich schön, dass dieser Trend nicht in Altenburg und Gera angekommen ist und ich wünsche dem Orchester sehr, dass das auch so bleibt. Ich habe das Theater zwar nicht als meine persönliche private Spielwiese betrachtet, aber ich hatte die Möglichkeit, hier das zu realisieren, was ich für das Theater und für das Orchester für richtig hielt. Ich war so glücklich, hier das fast blinde Vertrauen unseres Intendanten Kay Kuntze zu genießen – war das blindes Vertrauen oder haben sich unsere Ansichten zufällig gedeckt? – auf jeden Fall hat es im Bereich der Programmatik sowohl für die Opern wie auch für die Konzerte wirklich Harmonie gegeben und so war es gut.

BS: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile, an einem Mehrspartentheater zu wirken?

LW: Die Nachteile sind, dass man sich eine Bühne teilen muss. So ist es sehr oft schwierig, mit der manchmal gewünschten Freiheit zu programmieren. Man muss sich immer diese Bühne teilen, sowohl für die Proben wie auch für die Aufführungen und das führt zu dispositionellen Engpässen. Ein bisschen mehr Luft und Raum würde man sich da schon wünschen. Die Vorteile sind ja evident: dass man das Glück hat, sich nicht im eigenen musikalischen Echoraum zu bewegen, sondern dass man eine größere Perspektive hat und geistig und intellektuell am Leben bleibt. Mehr Miteinander in spartenübergreifenden Projekten hätte ich mir durchaus noch mehr gewünscht, denn manchmal arbeitet man zwar unter einem Dach, aber ein bisschen aneinander vorbei. Es ist klar, jede Sparte hat auch ihre eigene Agenda und bis man dispositionell den richtigen Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit findet, das ist oft recht schwierig.

BS: Als künstlerischer Leiter haben Sie sowohl Opern als auch Philharmonische Konzerte sowie Sonderevents, wie das alljährliche Sommer-Open-Air, dirigiert. Was davon haben Sie am liebsten dirigiert?

LW: Schwere Frage! Wie soll ich das beantworten? In jüngeren Jahren habe ich mich mit Begeisterung auf die Oper konzentriert. Die Oper ist quasi meine Muttersprache, ich habe immer eine große Liebe zur Oper und zum Gesang gehabt, das war wirklich mein Metier. Mit dem Konzert habe ich früher ein bisschen gefremdelt – nicht aufgrund des Repertoires, sondern als Dirigent so auf dem Präsentierteller in der Mitte zu stehen, alle Blicke auf einen konzentriert, war nicht ganz meine Sache. Ich habe mich im Orchestergraben versteckt wohler gefühlt – da ist man unter sich mit dem Orchester und mit den Sängern auf der Bühne und ist nicht immer so beobachtet. Inzwischen – das ist eine gute Entwicklung des Lebens – habe ich gelernt, diese Situation auf dem Konzertpodium für mich zu zähmen und damit zu leben – und inzwischen lebe ich gut damit. Ich hatte dann das Glück hier ungefähr fünzfig-fünfzig beides zu bedienen und gerade diese Abwechslung ist etwas sehr schönes. Ja, die Balance war für mich wirklich schön und ich kann die Frage wirklich nicht beantworten. Fragen Sie eine Mutter, ob sie ihren Sohn oder ihre Tochter lieber hat – das geht nicht!

BS: Als Liebhaber der großen sinfonischen Musik des 20. Jahrhunderts haben Sie sowohl die Kapazitäten des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera als auch die der Räumlichkeiten der beiden Theater hin und wieder gern ausgereizt. Manchmal waren die Bühnen bei den großen Sinfonien von Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch fast schon zu voll, die Klangfülle fast zu groß für die Saalakustik und manchmal wurden mehr Musiker benötigt, als das Philharmonische Orchester Altenburg Gera an Mitgliedern aufweisen kann. In diesen Fällen wurden dann viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die Konzerte zu realisieren. Sind das ganz normale Randerscheinungen Ihres Konzertspielplanes oder genießen Sie auch ein wenig den Nervenkitzel, das Unmögliche möglich zu machen?

LW: Beides! Der Nervenkitzel ist auf jeden Fall notwendig – man darf in unserem Beruf keine Sekunde in Routine verfallen und wo immer man die Gelegenheit so eines kleinen Nervenkitzels hat, muss man sie am Schopfe packen. Höre ich in Ihrer Frage eine kleine Kritik, dass wir zu oft bombastisches und den Rahmen sprengendes Programm gemacht haben? Ich sehe es nicht so. Ich habe mit der großen Freiheit, die mir in der Programmatik gewährt wurde,  immer versucht, alle musikalischen Epochen und Stile vom Barock bis zur heutigsten Moderne zu bedienen, und selbstverständlich kommen, wenn wir beim spätromantischen und modernen Repertoire sind, auch die immer größeren Besetzungen. Das ist unvermeidlich. Aber das wollen wir ja auch bedienen, das ist ein Teil der Musikgeschichte, den wir auch präsentieren wollen. Sehr wichtig ist auch: Unser Orchester spielt viel im Orchestergraben, wo die Zahl der Musiker reduziert ist. Für ein Orchester ist es aber absolut notwendig, dass es sich in regelmäßigen Abständen komplett versammelt und im Ganzen musiziert. Sonst ginge die Identität, das Gefühl für Zusammenhalt verloren. Man braucht wirklich diese Gelegenheiten, wo alle zusammen dabei sind. Selbstverständlich braucht man zum Beispiel bei Mahler manchmal etwas Aufstockung.

Etwas Wehmut verursacht in mir, dass es noch nicht gelungen ist, etwas an der Akustik der Geraer Konzertsaals zu arbeiten. Selbstverständlich kann man nicht alles gleichzeitig machen, aber ich kann nur wünschen, dass diese Sache einmal in Angriff genommen wird. Wir wissen, was zu tun wäre, ohne an die Optik des Saales zu rühren, aber man könnte erreichen, dass man bei einer etwas größeren Besetzung nicht mehr den Eindruck bekommen muss, dass man von dieser Klangwucht erschlagen wird, denn der Saal ist für meine Begriffe etwas überakustisch.

Theater & Philharmonie Thüringen mit Mahagonny
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BS: Welche waren Ihre persönlichen künstlerischen Höhepunkte in Ihrer Zeit als Generalmusikdirektor?

LW: Da werden Sie sich vielleicht wundern: das sind eben nicht diese großen bombastischen Sachen. An allererster Stelle: dass ich hier die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach machen konnte und durfte war für mich persönlich eine sehr wichtige Sache. Ich bin kein so genannter Spezialist für die historische Aufführunsgspraxis. Man verliert als Allgemeinmusiker heute immer mehr das Recht, Musik von vor 1750 aufzuführen. Mir war es sehr wichtig, einmal in meinem Leben die Matthäuspassion aufzuführen, ein Stück, das mir absolut am Herzen liegt, also bin ich sehr sehr glücklich, das hier realisiert zu haben. Auch alles, was wir im Bereich der Klassik gemacht haben, ob Haydn oder Mozart. Ich kann mich an ein reines Mozart-Konzert vor zwei drei Jahren erinnern, da stand die Jupiter-Sinfonie auf dem Programm, ein Klavierkonzert, ein paar Konzertarien – das war für mich ein Konzert, das eigentlich völlig unspektakulär war, aber uns meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist und ich war da sehr glücklich.

BS: Mitteldeutschland hat eine recht reiche Orchesterlandschaft, in der Sie sich auch umgesehen haben. Mit Weimar, Jena, Leipzig, Halle und Dresden in der näheren Umgebung ist das Philharmonische Orchester Altenburg Gera also nicht gerade das einzige Orchester weit und breit. Gibt es trotzdem Besonderheiten, die gerade dieses Orchester von anderen unterscheiden?

LW: Die Frage kann ich schlecht beantworten, da ich die verschiedenen Orchester nicht von innen kenne. Es ist eine Sache, ob man einmal ein Orchester im Konzert hört oder ob man mit dem Orchester arbeitet. Eines aber kann ich sagen: Im Vergleich der Orchester in der ehemaligen DDR zu den westdeutschen Orchestern, höre ich hier nach wie vor noch heute eine ganz besondere Farbe, möglicherweise aufgrund der politischen Abschottung, die hier so lange geherrscht hat. Dadurch sind die Orchester hier nicht so schnell globalisiert worden. Ich finde die Globalisation im Bereich der Kunst und Musik auch nicht so gut, denn es ist schade, wenn Orchester in Washington, Paris und Berlin alle gleich klingen und das ist ein bisschen der Trend. Und von dieser Entwicklung ist der östliche Teil Deutschlands aus politischen Gründen lange verschont geblieben. Und das hört man noch 30 Jahre danach – man hört, dass sich eine gewisse alte deutsche Tradition hier noch erhalten hat – im Klang, in der Art Phrasen zu artikulieren und und und. Das habe ich hier sehr genossen.

BS: Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in Altenburg und Gera mit?

LW: Dankbarkeit.

BS: Vielen Dank, Herr Wagner, für das Gespräch. Vielen Dank für sieben prägende Jahre als Generalmusikdirektor! Einmal dürfen wir Sie noch erleben und zwar in unserer Sommertheaterreihe in einem wunderbaren Serenadenkonzert. Darauf freuen wir uns und wünschen Ihnen alles Gute!

Darauf freue ich mich auch schon sehr! Vielen Dank!

—| IOCO Aktuell Theater Altenburg Gera |—

Augsburg, Theater Augsburg, Programm der kommenden Spielzeit 2020/21

Mai 22, 2020 by  
Filed under Pressemeldung, Spielpläne, Theater Augsburg

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Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

Theater Augsburg / Außenansicht © Theater Augsburg

»Eigensein«

Staatstheater Augsburg präsentiert Programm der kommenden Spielzeit 2020/21

Am 16.05.2020 hat das Staatstheater Augsburg im Livestream der »ananas@home«-Sondersendung »Wetten, dass … wir spielen!« das Programm der kommenden Spielzeit bekannt gegeben. In Talkrunden gaben Staatsintendant André Bücker und Leitungsmitglieder der vier Sparten Schauspiel, Musiktheater, Konzert und Ballett Einblicke in die geplante Saison, mit ihren Premieren und Konzerten, dem Spielzeitmotto sowie den derzeitigen Rahmenbedingungen für eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

Das übergreifende Spielzeitmotto »Eigensein« lädt dabei zu Reflektionen gegenwärtiger Lebenssituationen und gesellschaftlicher Themen ein und wird auf verschiedene Weise in den Produktionen der kommenden Spielzeit widergespiegelt. So geht es etwa um Wohn- und Lebensbedingungen, wie in der Operette »Moskau, Tscherjomuschki« von Dmitri Schostakowitsch. Aber auch die Selbstreflektion und die Rolle der Wissenschaft in unserer Gesellschaft sind Thema: Beides ist in Zeiten der Corona-Krise von ganz neuer Aktualität und wird z.B. in der Komödie Die Physiker« von Friedrich Dürrenmatt, beleuchtet. Im Musiktheater und Ballett finden sich einige Titel, die eigentlich bereits in der aktuellen Spielzeit Premiere gehabt hätten. Diese werden nun vorgeprobt und im Herbst zur Aufführung gebracht.

Theater Augsburg / Wetten dass, ... wir spielen! © Staatstheater Augsburg

Theater Augsburg / Wetten dass, … wir spielen! © Staatstheater Augsburg

Möchten Sie die Spielzeit-Show »Wetten dass, … wir spielen!« (Samstag, 16.5.) noch einmal sehen? Mit diesem Klick geht’s los:

https://staatstheater-augsburg.de/spielzeitpraesentation_20

Im Schauspiel können die bereits vor der Corona-Krise geplanten Inszenierungen rund um die Themen Vereinzelung und Rückzug ins »Eigensein« weitestgehend wie vorgesehen gespielt werden, so auch die beiden deutschsprachigen Erstaufführungen, Neil LaButes »Die Antwort auf alles« und »Wittgensteins Mätresse« nach dem Roman von David Markson. Neu hinzugekommen ist eine Bühnenbearbeitung von Thomas Manns »Zauberberg«. Das Schauspiel steuert zudem einen Liederabend, das Weihnachtsmärchen und – ganz neu in dieser Saison – ein Sommertheater bei.

Mit Christoph Willibald Glucks Oper »Orfeo ed Euridice«, als Kombination aus Live-Inszenierung und VR-Erlebnis, wird die Musiktheatersaison im martini-Park eröffnet. Insgesamt vier Produktionen dieser Sparte sind geplant. Dabei können, wie auch in den anderen Sparten, durch die auferlegten Abstands- und Hygiene-Regeln wesentlich weniger Zuschauer als bisher die Vorstellungen besuchen. Um dennoch möglichst vielen Interessierten Gelegenheit zu geben, daran teilzunehmen, wird es von jeder Produktion mehr Vorstellungen geben als bisher. Als größte Produktion im Musiktheater ist für Mai 2021 die Uraufführung des spartenübergreifenden Oratoriums »Das Ende der Schöpfung« geplant, mit dem der zeitgenössische Komponist Bernhard Lang sich auf Haydns berühmte »Schöpfung« bezieht.

Das Augsburger Ballett startet mit Franz Schuberts Liederzyklus »Die Winterreise« in die neue Spielzeit. In seiner Choreographie hat Ballettdirektor Ricardo Fernando 24 einzelne Bilder zu einer großen Erzählung zusammengefügt, inspiriert von der starken szenischen Kraft der melancholischen Lieder Franz Schuberts. Geplant sind weitere einzigartige Ballettabende, wie etwa »Creations«, die »Internationale Ballett-und Tanzgala« oder auch die nachgeholte Premiere von »Dimensions of Dance. Part 3«.

Die Augsburger Philharmoniker arbeiten in der kommenden Spielzeit wieder mit einem sehr erfolgreichen, in Augsburg ansässigen Künstler zusammen: Dem Pianisten Jewgeny Konnov, der als Artist in Residence mehrere Konzerte mitgestalten wird.  Für weitere Sinfoniekonzerte konnten Solisten mit ganz ungewöhnlichen Soloinstrumenten gewonnen werden, wie etwa der Bandoneon-Spieler Christian Gerber oder Saxophonist Christian Segmehl. Bekannt für seine Dynamik und positive Energie, gestaltet Klezmer-Klarinettist Giora Feidman gemeinsam mit dem Orchester das Abschlusskonzert der Saison. Mit Markus Bosch und der Estin Anu Tali sind in dieser Saison zwei renommierte Gastdirigenten am Pult zu erleben.

Noch in der aktuell laufenden Spielzeit wird das Staatstheater Augsburg zu einem Freiluft-Sommertheater auf die große Wiese im martini-Park einladen, ein neues Format, das in der Spielzeit 2020/21 mit »Cyrano de Bergerac« fortgeführt wird.

Gegen Ende der kommenden Spielzeit bringt das Staatstheater mit »Chicago« eines der begehrtesten Broadway-Musicals aller Zeiten auf die Freilichtbühne am Roten Tor. Außerdem wird, zu Ehren des 500-jährigen Jubiläums der Fuggerschen Stiftungen, auch das Fugger-Musical »Herz aus Gold« wiederaufgenommen.

Auch in der neu geschaffenen fünften Sparte »#Digitaltheater« werden in der Spielzeit 2020/21 gleich eine ganze Reihe von Inszenierungen angeboten, mit denen sich per VR-Brille ein spannender Theaterabend zuhause verbringen lässt.

Da wegen der notwendigen Abstandsregeln weniger Plätze im Zuschauerraum zur Verfügung stehen werden, wird das gewohnte Festplatz-Abo in der kommenden Spielzeit vorübergehend durch Scheckabos ersetzt. »Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass unsere treuen Abonnent*innen nicht von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und ihre bestehenden Abonnements auch unter den Corona angepassten Bedingungen weiterlaufen lassen.«, meint Intendant André Bücker. Der Besucherservice nimmt schon bald Kontakt zu den betreffenden Theaterfans auf.

Gemäß ihrem Motto »Wetten dass, … wir spielen!«  endete die Spielzeit-Show am Samstagabend mit einer Wette: André Bücker kündigte an, dass es dem Staatstheater Augsburg mit Hilfe seines Publikums gelingen werde, den größten Online-Chor Bayerns zu mobilisieren. Zum Mitsingen sind alle Interessierten herzlich eingeladen. Proben und Aufführungen finden per Zoom statt. Informationen dazu sind in Kürze auf der Homepage des Staatstheaters nachzulesen.

—| Pressemeldung Theater Augsburg |—

Essen, Klavierfestival Ruhr 2020, Wiederaufnahme des Spielbetriebs ab 04.06.2020

Klavierfestival Ruhr 2020

Klavier-Festival Ruhr plant Spielbetrieb ab 4. Juni 2020

Der Stiftungsrat der Stiftung Klavier-Festival Ruhr hat sich in zwei Außerordentlichen Sitzungen zur Durchführbarkeit des Klavier-Festivals Ruhr 2020 in der gegenwärtigen Corona-Situation beraten und unterstützt den Intendanten Prof. Franz Xaver Ohnesorg und sein Team in ihrem Bemühen, das Klavier-Festival Ruhr 2020 in reduziertem Umfang zu retten.

Nach der vom Land NRW im sog. Nordrhein-Westfalen-Plan zum 30. Mai 2020 vorgesehenen  Wiedereröffnung der Konzertsäle sollen die Mehrzahl der vom 4. Juni bis 11. Juli 2020 geplanten Festival-Konzerte an den ursprünglichen Terminen, jedoch in modifizierter Form durchgeführt werden. Und selbstverständlich nur dann, wenn dies unter strenger Befolgung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln möglich ist.

In den meisten Konzertsälen steht deshalb nur weniger als ein Drittel der sonst verfügbaren Plätze zur Verfügung. Deshalb versucht das Festival, bei einer Reihe von Konzerten zwei Aufführungen desselben dann rund 75-minütigen pausenlosen Programms am gleichen Tag durchzuführen – z.B. um 17:00 und 20:00 Uhr. Dafür müssen die z.Zt. im Umlauf befindlichen Eintrittskarten zurückgegeben und in neue Sitzplatzkarten umgetauscht werden.

Einzelheiten hierzu werden tagesaktuell auf der Webseite des Klavier-Festivals Ruhr www.klavierfestival.de veröffentlicht. Die Kunden des Klavier-Festivals Ruhr werden vom Festival direkt kontaktiert. Ursprünglich sollte das Klavier-Festival Ruhr 2020 bereits am 21. April beginnen. Die für April und Mai geplanten 33 Konzerte wurden fast vollständig auf den Herbst verlegt.

 

—| Pressemeldung Klavierfestival Ruhr |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Musikfest-Eröffnungskonzert zieht um – Ins Netz, 27.04.- 03.05.2020

April 24, 2020 by  
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Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

Musikfest-Eröffnungskonzert zieht um –  Ins Netz

Elbphilharmonie-Titularorganistin Iveta Apkalna, Geigerin Lisa Batiashvili und Mitglieder des NDR Elbphilharmonie Orchesters eröffnen ein Musikfest, das es nicht gibt. Ungeachtet der generellen Musikfestabsage findet das dazugehörige Projekt »Genesis« als einziger Programmpunkt statt – im Internet

Am Freitag, den 24. April 2020, wäre das 5. Internationale Musikfest Hamburg feierlich in der Elbphilharmonie eröffnet worden. Doch infolge der Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Ausbreitung des Corona-Virus wurden bis 30. Juni alle Konzerte in Hamburg untersagt, wovon auch das Internationale Musikfest Hamburg, das bis zum 25. Mai hätte dauern sollen, vollständig betroffen ist. Das ganze Musikfest? Nein! Das Eröffnungskonzert wandert ins Netz, freilich in stark veränderter, den Umständen angepasster Form. Und, zweite frohe Botschaft: Das von vornherein überwiegend als Online-Erlebnis geplante interaktive Computerspiel »Genesis« (27.4. – 3.5.) bleibt als einziger Programmpunkt des Musikfests weitestgehend intakt.

Pünktlich um 20 Uhr wäre es verstummt, das vorfreudige Stimmengewirr, morgen im ausverkauften Großen Saal der Elbphilharmonie. Alle Anwesenden hätten ihre Aufmerksamkeit gespannt auf das jeden Moment beginnende Eröffnungskonzert des 5. Internationalen Musikfests Hamburg gerichtet, das das NDR Elbphilharmonie Orchester mit Gastsolisten unter der Leitung von Alan Gilbert spielen sollte. Diesen besonderen Moment hat, wie unzählbar viele weitere schöne gemeinschaftliche Momente in diesen Wochen, das Corona-Virus vereitelt. Das Konzert musste abgesagt werden und das ganze Musikfest gleich mit. Doch morgen um 20 Uhr passiert trotzdem etwas, das das Musikfest pars pro toto ins Bewusstsein des Publikums holt, und zwar weltweit: Um diese Uhrzeit geht ein Video online, das zumindest eine Ahnung davon vermittelt, was dieses Eröffnungskonzert hätte werden können.

Darin ist Musik von Antonin Dvorák und Sofia Gubaidulina zu erleben, von Leonard Bernstein und Leos Janácek, dazu ein kurzes, über Zoom geführtes Gespräch zwischen Christoph Lieben-Seutter, Intendant von Elbphilharmonie & Laeiszhalle (in der Elbphilharmonie), und Alan Gilbert, Chefdirigent des NDR Elbphilharmonie Orchesters (derzeit in Stockholm).

Anfang und Ende des rund einstündigen virtuellen Eröffnungskonzerts für ein Festival, das es nicht gibt, liefert Iveta Apkalna, Titularorganistin der Elbphilharmonie: Sie spielt zwei Werke für Orgel solo, »Hell und Dunkel« von Sofia Gubaidulina, der der Komponistenschwerpunkt des Festivals galt, und das Postludium aus der Glagolitischen Messe von Leos Janácek. Dazwischen erklingt eine Bearbeitung des Englischhorn-Solos aus dem zweiten Satz der Sinfonie Nr. 9 »Aus der Neuen Welt« von Antonín Dvorák für Solovioline und Streicher, arrangiert von dem georgischen Geiger Tamás Batiashvili. Er ist der Vater der Geigerin Lisa Batiashvili, die im richtigen Eröffnungskonzert morgen Dvoráks Violinkonzert gespielt hätte. Nun ist sie als Solistin in ihres Vaters Bearbeitung zu erleben.

Batiashvili hat ihren Part in einem Studio des Bayerischen Rundfunks in München eingespielt; zwei Mal fünf Streicher von den ersten Pulten des NDR Elbphilharmonie Orchesters wurden separat im Großen Saal der Elbphilharmonie aufgenommen, anschließend führte die Regie die drei Quellen klanglich und videografisch zusammen. Danach steht die »Jeremiah« genannte 1. Sinfonie von Leonard Bernstein mit Rinat Shaham (Mezzosopran) auf dem Programm. Die Aufnahme stammt aus der »Opening Night« des NDR Elbphilharmonie Orchesters unter der Leitung von Alan Gilbert vom 6. September 2019 im Großen Saal der Elbphilharmonie.

Das etwas andere Musikfest-Eröffnungskonzert ist über www.elbphilharmonie.de und www.ndr.de/eo im Internet zu verfolgen. Anschließend steht es als Video on demand im Netz.

Genesis reloaded – nicht etwa die Band, sondern die Schöpfungsgeschichte

Einmal fast Gott spielen und an einer Schöpfungsgeschichte ganz eigener Art mitwirken: Das ist die Einladung von »Genesis«, einem Computerspiel, das Alexander Schubert ersonnen hat. Er gehört zum weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannten und aktiven Hamburger Komponisten- und Musikerkollektiv Decoder Ensemble. »Control A Real Life Computer Game« lautet die Aufforderung an Userinnen und User weltweit. Sie können vier menschliche Avatare steuern, die sich sieben Tage und sieben Nächte lang im Kraftwerk Bille aufhalten und auf Handlungsanweisungen aus der Community warten, um sich in Bewegung setzen, ihre Bedürfnisse befriedigen, ihrem Spieltrieb nachgehen, vielleicht sogar Musik machen zu dürfen. Die Avatare selbst teilen sich über Nachrichten auf dem Bildschirm mit, Statusbalken zeigen Müdigkeit, Hunger und Durst an. So wird zumindest die Möglichkeit eröffnet, dass das Geschöpf etwas Einfluss nehmen darf auf seine eigene Schöpfung. Der Phantasie aufhelfen tun über 2000 Gegenstände, vom Hammer über eine Geige bis zur Discokugel, die den Avataren zur Verfügung stehen, genauer: den Marionettenspielern an ihren Rechnern, die den Avataren vorgeben, was sie tun oder lassen sollen.

Die Möglichkeiten zum Mitspielen sind theoretisch bereits ausgebucht, vergeben wurden Slots von je 55 Minuten zu jeder Tages- und Nachtzeit. Wird ein vorgebuchter Slot nicht in Anspruch genommen, gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, sich kurzfristig doch ins Spiel einzubringen. Darüber unterrichtet die Website www.virtual-genesis.net.

Die virtuellen Strippenzieher sind auch in dieser Spielart der Schöpfung nicht der Verantwortung entbunden. Denn jedes Mitwirken hinterlässt eine Spur; aus der Summe aller Interaktionen entsteht eine kollektiv erschaffene neue Welt. Das Spiel ist auch offen für Menschen, die dem Geschehen einfach nur zuschauen möchten. Live und rund um die Uhr per Stream..

»Genesis«, 27.4., 00.00 Uhr bis 3.5., 23.59 Uhr, www.virtual-genesis.net

Weitere Informationen, den Trailer und ab 27. April 00.00 Uhr auch den Livestream zu »Genesis« finden Sie unter https://www.elbphilharmonie.de/de/blog/genesis-ein-computerspiel-wird-realitat/331

—| Pressemeldung Elbphilharmonie Hamburg |—

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