Wien, Musikverein, Dr. Stephan Pauly, neuer Intendant lädt ein, IOCO Aktuell, 09.09.2020

Wiener Musikverein

Musikverein Wien © IOCO

Musikverein Wien © IOCO

Dr. Stephan Pauly – neuer Intendant des Musikverein lädt ein

Willkommen zur Saison 2020/21!

Wir freuen uns sehr, Sie wieder im Musikverein begrüßen zu dürfen! Wir starten unter ungewohnten Bedingungen, aber voll Elan und Leidenschaft – und mit einem Konzept, das Ihnen einen ungetrübten Musikgenuss ermöglicht.

Dr. Stephan Pauly – neuer Intendant des Wiener Musikvereins
youtube Trailer Musikverein Wien
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Unser besonderes Anliegen war und ist es, die geplanten Konzerte durchzuführen und auch die Abonnements aufrechtzuerhalten. Dies ist uns – mit einigen wenigen Programmanpassungen aufgrund der geänderten Voraussetzungen – gemeinsam mit unseren künstlerischen Partnern gelungen.

Die Höhepunkte im Musikverein 2020/21 – HIER!

Die Saison darf wie geplant mit zwei Orchestergastspielen beginnen: Die Sächsische Staatskapelle Dresden spielt zur Saisoneröffnung unter der Leitung ihres Ersten Gastdirigenten Myung-Whun Chung im Großen Musikvereinssaal Dvoráks Siebte Symphonie und Brahms’ Erstes Klavierkonzert mit Sir András Schiff am Soloinstrument. Ebenfalls anreisen können die Musikerinnen und Musiker des Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia aus Rom und ihr Chefdirigent Sir Antonio Pappano. Werke von Beethoven, Mendelssohn und Mozart sowie von Saint-Saëns und Bizet stehen auf den beiden Corona-bedingt geänderten Programmen. Weitere Höhepunkte finden Sie unter diesem Text.

Das Konzertleben im Musikverein blüht wieder auf. Freuen Sie sich auf die Musik. Für die Sicherheit sorgen wir.

—| Pressemeldung Musikverein Wien |—

Schwarzenberg, Alpenarte, Gründer übernehmen Leitung des Festivals, 08.-11.10.2020

August 7, 2020 by  
Filed under alpenarte, Konzert, Livestream, Personalie, Pressemeldung

alpenarte / Unternehmer Hans Metzler (links) und Musikmanager Drazen Domjani? Metzler und Domjani? gründeten die :alpenarte 2017 in Schwarzenberg @ Andreas Grabherr

alpenarte / Unternehmer Hans Metzler (links) und Musikmanager Drazen Domjanic
Metzler und Domjanic gründeten die :alpenarte 2017 in Schwarzenberg @ Andreas Grabherr

alpenarte

Alpenarte  –  Gründer leiten das junge Musikfestival

Öffnung für neue Musikrichtungen – Solisten mit Vorarlberg-Bezug zeigen ihr Können

Die beiden Gründer Drazen Domjanic und Hans Metzler übernehmen wieder gemeinsam die Leitung des jungen Musikfestivals :alpenarte in Schwarzenberg. Nach der Corona-bedingten Absage im März haben die Gründer ihr Konzept adaptiert: Die :alpenarte wird musikalisch vielfältiger. Bei jedem Konzert präsentieren sich internationale Solistinnen und Solisten und mindestens ein junger Künstler, der mit der Region verbunden ist. Im Frühjahr findet die :alpenarte überwiegend digital statt. Das erste Festival mit neuem Konzept geht vom 8. bis 11. Oktober 2020 in Schwarzenberg über die Bühne.

alpenarte / Drazen Domjani? ist der künstlerische Leiter der :alpenarte @ Andreas Grabherr

alpenarte / Drazen Domjanic ist der künstlerische Leiter der :alpenarte @ Andreas Grabherr

Pianist und Musikmanager Drazen Domjanic und Unternehmer Hans Metzler hatten die :alpenarte 2017 in Schwarzenberg gegründet. Das Festival hat sich seither mit außergewöhnlichen, oft sehr persönlichen Auftritten junger Musikerinnen und Musiker einen Namen gemacht. Die sechs Ausgaben wurden jeweils von einem jungen Künstler als „Intendant in Residence“ gestaltet, die künstlerische Gesamtleitung lag seit 2018 beim bekannten Klarinettisten Sebastian Manz.

Nun übernimmt Drazen Domjanic selbst wieder die künstlerische Leitung. Unternehmer Hans Metzler bleibt wie bisher für die wirtschaftlichen Themen verantwortlich. Das bringe kurze Entscheidungswege, organisatorische Vereinfachungen und ein noch klareres Profil, sind die beiden Gründer überzeugt.

alpenarte / Unternehmer Hans Metzler @ Andreas Grabherr

alpenarte / Unternehmer Hans Metzler @ Andreas Grabherr

:alpenarte – Musikalische Vielfalt

Auch inhaltlich geht die :alpenarte neue Wege. „Der besondere künstlerische Spirit bleibt, der Weg ist neu“, formuliert Metzler. Die :alpenarte wird mehr Musik jenseits des traditionellen Klassik-Repertoires bieten und so neue Publikumsschichten ansprechen. Schon bisher waren musikalische Ausflüge, beispielsweise zum Tango, Teil des Programms. Nun will die :alpenarte ganze Konzerte bewusst anderen Musikrichtungen widmen – bis hin zu Evergreens.

Die vier Konzerte im Oktober werden von einem Ensemble junger Musikerinnen und Musiker bestritten. Ein Teil der Solistinnen und Solisten stammt aus Vorarlberg oder hat eine enge Verbindung in die Region. „Junge, höchst ambitionierte Musikerinnen und Musiker standen schon bisher im Mittelpunkt“, schildert der künstlerische Leiter Drazen Domjanic.Wir bieten nun verstärkt herausragenden Talenten mit Verbindung zu Vorarlberg eine Bühne.“ Darüber hinaus werden auch künftig internationale Musikerinnen und Musiker bei der :alpenarte zu Gast sein.

Der erfahrene Musikmanager Domjanic sieht es als Auszeichnung, dass die renommierte Schubertiade in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von Musikerinnen und Musikern engagiert hat, die kurz zuvor bei der :alpenarte oder seinen weiteren Unternehmungen zu hören waren: „Wir haben dem Vorarlberger Publikum viele Neuentdeckungen präsentiert, die nun mit Weltstars auf der Bühne stehen. Diese hohe künstlerische Qualität bleibt auch künftig unser Anspruch.“

Digitales Festival im Frühjahr

Als Reaktion auf die Einschränkungen für Veranstaltungen in der Coronakrise findet die :alpenarte im Frühjahr künftig überwiegend digital statt. Geplant sind unter anderem Aufzeichnungen der Konzerte aus dem Herbst, die durch eigene Formate für die Ausstrahlung im Web ergänzt werden. Die Produktion übernimmt das bewährte Team der :alpenarte. Es wird von Studierenden der Musikvermittlung und des Musikjournalismus unter der Leitung von Carsten Dürer unterstützt.

Domjanic sieht in der Verbreitung über das Internet die Chance, ein internationales Publikum anzusprechen und für das Festival im Bregenzerwald begeistern. „Natürlich ist diese innovative Form der Präsentation ein kleines Wagnis. Doch auch das gehört zu unserer Idee, Klassik anders zu präsentieren.“ Ob neben Live-Festival im Herbst und Online-Festival im Frühjahr weitere Konzerte möglich sind, hängt unter anderem von den dann geltenden Covid-19-Beschränkungen ab.

Wichtiger Schwerpunkt des Festivals bleibt jedenfalls die Musikvermittlung. Für die Schulklassen werden künftig in jedem Jahr eigene Konzerte im Angelika-Kauffmann-Saal stattfinden.

Die :alpenarte findet vom 8. bis 11. Oktober 2020 in Schwarzenberg statt. Das Programm wird in den kommenden Wochen fixiert und Anfang September präsentiert.

—| Pressemeldung alpenarte Schwarzenberg |—

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Moritz Gogg – Intendant ab 2021, 18.07.2020

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Eduard von Winterstein Theater

Eduard von Winterstein Theater / Der Bettelstudent © Christian-Dageförde

Eduard von Winterstein Theater / Der Bettelstudent © Christian-Dageförde

Moritz Gogg – Intendant ab Herbst 2021

Moritz Gogg (46) wird ab der Spielzeit 2021/22 neuer Geschäftsführender Intendant bei der Erzgebirgischen Theater- und Orchester GmbH mit Spielstätten in Annaberg-Buchholz und Aue-Bad Schlema. Dies haben der Gesellschafter und die eingesetzte Findungskommission im Rahmen eines zweistufigen Bewerbungsverfahrens entschieden. Damit folgt Moritz Gogg am 01.09.2021 auf den aktuellen Intendanten Dr. Ingolf Huhn, *1955, der das Theater seit 2010 leitet. Moritz Gogg ist derzeit Künstlerischer Betriebsdirektor und Operndirektor am Stadttheater Gießen. Zuvor war er Leiter des Künstlerischen Betriebes am Brucknerhaus Linz. Der Österreicher studierte Rechtswissenschaften und Klavier sowie Gesang an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien.

Eduard von Winterstein Theater / Moritz Gogg - kommender Intendant am Erzgebirgischen Theater in Annaberg-Buchholz und Aue-Bad Schlema @ Moritz Gogg

Eduard von Winterstein Theater / Moritz Gogg – kommender Intendant am Erzgebirgischen Theater in Annaberg-Buchholz und Aue-Bad Schlema @ Moritz Gogg

Moritz Goggs Erfahrungen sowohl auf der Bühne als Sänger als auch in den vergangenen Jahren hinter der Bühne in der Leitung des künstlerischen Betriebes qualifizieren ihn für die Übernahme der Intendanz bei der ETO GmbH in hohem Maße ebenso wie seine spürbare Leidenschaft für das Theater. Moritz Gogg freut sich sehr auf die Übernahme der Intendanz und die mit der Position verbundenen Aufgaben und Herausforderungen: „Ich freue mich sehr, die Erzgebirgische Theater- und Orchester GmbH ab der Spielzeit 2021/22 als Geschäftsführender Intendant zu leiten und diese traditionsreiche Institution in dieser wunderschönen Erlebnisregion gemeinsam mit den Mitarbeitenden und dem Publikum in die Zukunft zu führen. Neue Impulse für das Erzgebirge zu setzen und die Häuser niederschwellig zugänglich zu machen, zu öffnen und nachhaltig zu sichern, neue Publikumsschichten zu erschließen sowie eine Erhöhung der Strahlkraft durch internationale Kooperationen sind meine erklärten Ziele. Die zu etablierende Erzgebirgische*Dramaturgie ist geprägt durch Erstaufführungen, Raritäten, eine publikumszugängliche Moderne und regionale Themen, um die Häuser in der Region zu verankern und in der Theaterlandschaft zu positionieren. Darüber hinaus zeichnet sie sich durch sinnliches, identitätsstiftendes und gesellschaftsrelevantes Ensembletheater aus. Eine großartige Aufgabe, der ich mich mit vollem persönlichem Einsatz und Elan widmen werde und der ich mit begeisterter Vorfreude entgegensehe!“

Als Vertreter des Gesellschafters sagt Frank Vogel, Landrat des Erzgebirgskreises, zum künftigen Intendanten in Annaberg-Buchholz und Aue-Bad Schlema: Moritz Gogg entspricht genau dem Anforderungsprofil, welches wir uns zur Weiterführung der von Dr. Ingolf Huhn über 10 Jahre erfolgreich vorangetriebenen und begleiteten Entwicklung vorgestellt haben. Er verbindet Kenntnisreichtum der Szene mit jugendlichem Esprit und Leidenschaft für die Sache. Herrn Dr. Huhn sei für seine engagierte Arbeit mit tollen publikumsorientierten Spielplänen und Inszenierungen schon jetzt herzlich gedankt. Er wird das Unternehmen bis Ende August 2021 weiterführen und gemeinsam mit Moritz Gogg den Übergang gestalten.“

—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

Altenburg, Theater Altenburg Gera, GMD Laurent Wagner verabschiedet sich, IOCO Aktuell, 24.06.2020

 

Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg © Ronny Ristok

Theater Altenburg © Ronny Ristok

GMD  Laurent Wagner verabschiedet sich 2020

 im Gespräch mit Konzertdramaturgin Birgit Spörl 

Laurent Wagner, *1960 in Lyon, französischer Staatsbürger, seit 2013 Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. war zuvor in gleicher Position am Theater Dortmund und am Saarländischen Staatstheater Saarbrücken, in anderer Funktion an anderen bedeutenden Theatern.

Birgit Spörl  (BS):  Lieber Laurent Wagner, Sie beenden mit dieser Spielzeit Ihr Engagement als Generalmusikdirektor am Theater Altenburg Gera. Damit haben Sie sieben Spielzeiten lang dieses Theater geprägt. Ist diese Zeit rückblickend betrachtet schnell oder langsam vergangen?

Laurent Wagner (LW): Weder schnell noch langsam, sondern rasend! Ich kann mich an meine ersten Schritte hier noch als Bewerber erinnern, als sei es gestern gewesen und diese Zeit ist so intensiv gewesen, ein Projekt hat das andere gejagt und so ist die Zeit rasant vergangen – und so sind sieben Jahre im Nu vorbei.

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

Theater Altenburg Gera / Serenadenkonzert, GMD Laurent Wagner dirigiert © Ronny Ristok

BS: Bevor Sie nach Altenburg und Gera kamen, haben Sie europaweit in sehr viel größeren und berühmteren Städten gewirkt und gelebt, wie Dortmund, St. Gallen und Dublin. Wie haben Sie die Umstellung auf ein Wirken in den sehr viel kleineren Städten Altenburg und Gera erlebt?

 LW:  Ich bin von Zuhause aus schon ein Großstadtmensch, bin im etwas größeren und schönen Lyon groß geworden, habe dann in Paris und Wien studiert. Aber das war vor langer Zeit und man wird ja nicht jünger – ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen mehr Natur, weniger Hektik ist auch mal  ganz schön. Als so klein kann ich aber auch die Lage in Gera und Altenburg nicht bezeichnen, zumindest was unsere Arbeit angeht. Wir haben  für die theoretische Größe einer Stadt wie Gera, gemessen an der Einwohnerzahl, doch ein sehr großes Orchester. Also konnte ich nie den Eindruck haben, ich sei hier in der kleinen Provinz. Ich hatte ein großes Orchester mit etwa 75 Musiker, mit dem man eigentlich fast das ganze Repertoire spielen kann. Also den Hauch der Provinz habe ich hier nicht gespürt.

BS: Was macht das Altenburger und das Geraer Publikum aus?

LW: Es ist ein sehr, sehr treues Publikum. Wir haben einen harten Kern eines treuen Publikums – viele davon sind Abonnenten – die sind unglaublich treu. Und wenn ich das Publikum vergleiche mit Publikum aus den anderen Städten, in denen ich wirken durfte: Die Länge und Begeisterung des Applauses am Ende einer Opernvorstellung und eines Konzertes ist hier wirklich erstaunlich. Man hat wirklich den Eindruck, man gehört als Musiker richtig dazu, es ist eine richtige Einheit zwischen Publikum und Orchester, das ist wirklich eine schöne Sache. Das habe ich nicht überall in dem Maße so erlebt.

BS: Konnten Sie nicht nur in den Theatern, sondern auch in den Städten Altenburg und Gera heimisch werden? ? Haben Sie beispielsweise den einen oder anderen Lieblingsplatz in der Stadt für sich entdeckt?

LW: Ja, heimisch geworden bin ich längst. Ich habe fünf Jahre in Gera auf der anderen Seite der Elster in der Nähe der Marienkirche gelebt – und das ist eigentlich mein Lieblingsplatz in Gera: Der Weg von der Kirche über die Brücke, durch diese schöne Allee und dann der Küchengarten und der Blick aufs Theater – ich glaube, das ist wirklich die allerschönste Stelle in Gera und das waren immer die Momente auf dem Weg ins Theater, in denen ich wusste, warum ich hier bin. Ich brauche ein schönes Ambiente zum Leben. Ich habe oft in Theatern gearbeitet, die eher Betonklötze waren – natürlich vergisst man das über der Arbeit – aber wenn man hier in so einem schönen Ambiente arbeiten darf, dann ist das doch ein Stückchen schöner. Und was Altenburg angeht: Altenburg war für mich auch deshalb besonders schön, da es die Stadt meines Schwiegervaters ist. Das war für meine Frau und mich also sehr schön, da zu landen. Mein Schwiegervater war einst wohl aus politischen Gründen aus Altenburg weggezogen und nun schloss sich da ein Familienkreis. Einen Lieblingsplatz kann ich in Altenburg gar nicht benennen, sondern die ganze Innenstadt mit ihrem architektonischen Reichtum ist wirklich ein Juwel.

Interview mit Laurent Wagner zum 1. Philharmonischen Konzert 2018
youtube Video des Theater Altenburg Gera
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BS: Als Generalmusikdirektor des Theaters Altenburg Gera waren Sie nicht nur Chefdirigent. Neben der musikalischen Leitung von Opern und Konzerten waren Sie auch mitverantwortlich für die Gestaltung der Spielpläne, für das Engagement von Künstlern und Gästen, für die Planung von Events oder auch die Vergabe von Kompositionsaufträgen. Haben Sie sich in der Vielfältigkeit dieser Aufgaben und der großen Verantwortung zu Hause gefühlt?

LW: Ja durchaus. Es ist auch wirklich gut, wenn man als Dirigent nicht nur ein ausführendes Organ ist, sondern dass man die Sachen wirklich von A bis Z gestalten kann. An manchen Orten gibt es den Trend, dass der Chefdirigent hübsch den Takt schlagen soll zu den Stücken, die man ihm sagt. Ich finde wirklich schön, dass dieser Trend nicht in Altenburg und Gera angekommen ist und ich wünsche dem Orchester sehr, dass das auch so bleibt. Ich habe das Theater zwar nicht als meine persönliche private Spielwiese betrachtet, aber ich hatte die Möglichkeit, hier das zu realisieren, was ich für das Theater und für das Orchester für richtig hielt. Ich war so glücklich, hier das fast blinde Vertrauen unseres Intendanten Kay Kuntze zu genießen – war das blindes Vertrauen oder haben sich unsere Ansichten zufällig gedeckt? – auf jeden Fall hat es im Bereich der Programmatik sowohl für die Opern wie auch für die Konzerte wirklich Harmonie gegeben und so war es gut.

BS: Worin sehen Sie die Vor- und Nachteile, an einem Mehrspartentheater zu wirken?

LW: Die Nachteile sind, dass man sich eine Bühne teilen muss. So ist es sehr oft schwierig, mit der manchmal gewünschten Freiheit zu programmieren. Man muss sich immer diese Bühne teilen, sowohl für die Proben wie auch für die Aufführungen und das führt zu dispositionellen Engpässen. Ein bisschen mehr Luft und Raum würde man sich da schon wünschen. Die Vorteile sind ja evident: dass man das Glück hat, sich nicht im eigenen musikalischen Echoraum zu bewegen, sondern dass man eine größere Perspektive hat und geistig und intellektuell am Leben bleibt. Mehr Miteinander in spartenübergreifenden Projekten hätte ich mir durchaus noch mehr gewünscht, denn manchmal arbeitet man zwar unter einem Dach, aber ein bisschen aneinander vorbei. Es ist klar, jede Sparte hat auch ihre eigene Agenda und bis man dispositionell den richtigen Zeitpunkt für eine Zusammenarbeit findet, das ist oft recht schwierig.

BS: Als künstlerischer Leiter haben Sie sowohl Opern als auch Philharmonische Konzerte sowie Sonderevents, wie das alljährliche Sommer-Open-Air, dirigiert. Was davon haben Sie am liebsten dirigiert?

LW: Schwere Frage! Wie soll ich das beantworten? In jüngeren Jahren habe ich mich mit Begeisterung auf die Oper konzentriert. Die Oper ist quasi meine Muttersprache, ich habe immer eine große Liebe zur Oper und zum Gesang gehabt, das war wirklich mein Metier. Mit dem Konzert habe ich früher ein bisschen gefremdelt – nicht aufgrund des Repertoires, sondern als Dirigent so auf dem Präsentierteller in der Mitte zu stehen, alle Blicke auf einen konzentriert, war nicht ganz meine Sache. Ich habe mich im Orchestergraben versteckt wohler gefühlt – da ist man unter sich mit dem Orchester und mit den Sängern auf der Bühne und ist nicht immer so beobachtet. Inzwischen – das ist eine gute Entwicklung des Lebens – habe ich gelernt, diese Situation auf dem Konzertpodium für mich zu zähmen und damit zu leben – und inzwischen lebe ich gut damit. Ich hatte dann das Glück hier ungefähr fünzfig-fünfzig beides zu bedienen und gerade diese Abwechslung ist etwas sehr schönes. Ja, die Balance war für mich wirklich schön und ich kann die Frage wirklich nicht beantworten. Fragen Sie eine Mutter, ob sie ihren Sohn oder ihre Tochter lieber hat – das geht nicht!

BS: Als Liebhaber der großen sinfonischen Musik des 20. Jahrhunderts haben Sie sowohl die Kapazitäten des Philharmonischen Orchesters Altenburg Gera als auch die der Räumlichkeiten der beiden Theater hin und wieder gern ausgereizt. Manchmal waren die Bühnen bei den großen Sinfonien von Bruckner, Mahler oder Schostakowitsch fast schon zu voll, die Klangfülle fast zu groß für die Saalakustik und manchmal wurden mehr Musiker benötigt, als das Philharmonische Orchester Altenburg Gera an Mitgliedern aufweisen kann. In diesen Fällen wurden dann viele Hebel in Bewegung gesetzt, um die Konzerte zu realisieren. Sind das ganz normale Randerscheinungen Ihres Konzertspielplanes oder genießen Sie auch ein wenig den Nervenkitzel, das Unmögliche möglich zu machen?

LW: Beides! Der Nervenkitzel ist auf jeden Fall notwendig – man darf in unserem Beruf keine Sekunde in Routine verfallen und wo immer man die Gelegenheit so eines kleinen Nervenkitzels hat, muss man sie am Schopfe packen. Höre ich in Ihrer Frage eine kleine Kritik, dass wir zu oft bombastisches und den Rahmen sprengendes Programm gemacht haben? Ich sehe es nicht so. Ich habe mit der großen Freiheit, die mir in der Programmatik gewährt wurde,  immer versucht, alle musikalischen Epochen und Stile vom Barock bis zur heutigsten Moderne zu bedienen, und selbstverständlich kommen, wenn wir beim spätromantischen und modernen Repertoire sind, auch die immer größeren Besetzungen. Das ist unvermeidlich. Aber das wollen wir ja auch bedienen, das ist ein Teil der Musikgeschichte, den wir auch präsentieren wollen. Sehr wichtig ist auch: Unser Orchester spielt viel im Orchestergraben, wo die Zahl der Musiker reduziert ist. Für ein Orchester ist es aber absolut notwendig, dass es sich in regelmäßigen Abständen komplett versammelt und im Ganzen musiziert. Sonst ginge die Identität, das Gefühl für Zusammenhalt verloren. Man braucht wirklich diese Gelegenheiten, wo alle zusammen dabei sind. Selbstverständlich braucht man zum Beispiel bei Mahler manchmal etwas Aufstockung.

Etwas Wehmut verursacht in mir, dass es noch nicht gelungen ist, etwas an der Akustik der Geraer Konzertsaals zu arbeiten. Selbstverständlich kann man nicht alles gleichzeitig machen, aber ich kann nur wünschen, dass diese Sache einmal in Angriff genommen wird. Wir wissen, was zu tun wäre, ohne an die Optik des Saales zu rühren, aber man könnte erreichen, dass man bei einer etwas größeren Besetzung nicht mehr den Eindruck bekommen muss, dass man von dieser Klangwucht erschlagen wird, denn der Saal ist für meine Begriffe etwas überakustisch.

Theater & Philharmonie Thüringen mit Mahagonny
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BS: Welche waren Ihre persönlichen künstlerischen Höhepunkte in Ihrer Zeit als Generalmusikdirektor?

LW: Da werden Sie sich vielleicht wundern: das sind eben nicht diese großen bombastischen Sachen. An allererster Stelle: dass ich hier die Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach machen konnte und durfte war für mich persönlich eine sehr wichtige Sache. Ich bin kein so genannter Spezialist für die historische Aufführunsgspraxis. Man verliert als Allgemeinmusiker heute immer mehr das Recht, Musik von vor 1750 aufzuführen. Mir war es sehr wichtig, einmal in meinem Leben die Matthäuspassion aufzuführen, ein Stück, das mir absolut am Herzen liegt, also bin ich sehr sehr glücklich, das hier realisiert zu haben. Auch alles, was wir im Bereich der Klassik gemacht haben, ob Haydn oder Mozart. Ich kann mich an ein reines Mozart-Konzert vor zwei drei Jahren erinnern, da stand die Jupiter-Sinfonie auf dem Programm, ein Klavierkonzert, ein paar Konzertarien – das war für mich ein Konzert, das eigentlich völlig unspektakulär war, aber uns meiner Meinung nach sehr gut gelungen ist und ich war da sehr glücklich.

BS: Mitteldeutschland hat eine recht reiche Orchesterlandschaft, in der Sie sich auch umgesehen haben. Mit Weimar, Jena, Leipzig, Halle und Dresden in der näheren Umgebung ist das Philharmonische Orchester Altenburg Gera also nicht gerade das einzige Orchester weit und breit. Gibt es trotzdem Besonderheiten, die gerade dieses Orchester von anderen unterscheiden?

LW: Die Frage kann ich schlecht beantworten, da ich die verschiedenen Orchester nicht von innen kenne. Es ist eine Sache, ob man einmal ein Orchester im Konzert hört oder ob man mit dem Orchester arbeitet. Eines aber kann ich sagen: Im Vergleich der Orchester in der ehemaligen DDR zu den westdeutschen Orchestern, höre ich hier nach wie vor noch heute eine ganz besondere Farbe, möglicherweise aufgrund der politischen Abschottung, die hier so lange geherrscht hat. Dadurch sind die Orchester hier nicht so schnell globalisiert worden. Ich finde die Globalisation im Bereich der Kunst und Musik auch nicht so gut, denn es ist schade, wenn Orchester in Washington, Paris und Berlin alle gleich klingen und das ist ein bisschen der Trend. Und von dieser Entwicklung ist der östliche Teil Deutschlands aus politischen Gründen lange verschont geblieben. Und das hört man noch 30 Jahre danach – man hört, dass sich eine gewisse alte deutsche Tradition hier noch erhalten hat – im Klang, in der Art Phrasen zu artikulieren und und und. Das habe ich hier sehr genossen.

BS: Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit in Altenburg und Gera mit?

LW: Dankbarkeit.

BS: Vielen Dank, Herr Wagner, für das Gespräch. Vielen Dank für sieben prägende Jahre als Generalmusikdirektor! Einmal dürfen wir Sie noch erleben und zwar in unserer Sommertheaterreihe in einem wunderbaren Serenadenkonzert. Darauf freuen wir uns und wünschen Ihnen alles Gute!

Darauf freue ich mich auch schon sehr! Vielen Dank!

—| IOCO Aktuell Theater Altenburg Gera |—

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