Gera, Theater und Philharmonie Thüringen, Kultur – Kampf – Lichterketten, IOCO Aktuell, 20.11.2015

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Theater und Philharmonie Thüringen

Theater und Philharmonie Thüringen (Gera) © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen (Gera) © Stephan Walzl

Thüringens Theater in Nöten

Jena, Gera, Altenburg, Rudolstadt, Weimar, Eisenach, Nordhausen…

Finanzielle Zwänge bedrohen deutsche Theater immer wieder. Selten treffen solche Nöte die großen Theater in wirtschaftlich starken Städten wie Hamburg, Berlin oder München. Höchst gefährdet sind in der Regel kleine Häuser in strukturschwachen Regionen. Seit 2012 kämpfen thüringische Theaterfreunde in Altenburg und Gera für den Erhalt ihrer Theater. Lichterketten bildend stellten sie sich um das Große Haus der Bühnen der Stadt Gera und das Landestheater Altenburg!  

 Solidaritätsdemos und Lichterketten

Theater und Philharmonie Thüringen / Solidaritätsdemo für Theatererhalt © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Solidaritätsdemo für Theatererhalt © Stephan Walzl

Veränderungen der strukturschwachen Kulturlandschaft von Thüringen sind unvermeidlich: In einem Interview mit der Ostthüringer Zeitung sieht Kay Kuntze, Generalintendant von Theater und Philharmonie Thüringen, die Pläne des Thüringer Kulturministers Prof. Dr.  Hoff (LINKE) kritisch. Eine Kooperation der Jenaer Philharmonie mit den Bühnen Gera / Altenburg steht im Raum. Ein drastischer Musikerabbau wäre eine Folge.  Kuntze bestätigt jedoch auch, dass ein Festhalten am Status Quo das Theater Altenburg-Gera als Ganzes akut gefährdet. Das zentrale Fünf-Sparten-Konzept des Theaters wird zurzeit – noch? – nicht in Frage gestellt. Doch hält Kuntze unter anderem die  Landesförderung von 59% für Gera und Altenburg für unbefriedigend, wenn gleichzeitig strukturstärkere Regionen wie Weimar und Meiningen mit 80% gefördert werden. Auch bemängelt Kuntze, daß ein Großteil der Besucher aus Landkreisen kommt, die zur Finanzierung seiner Theater nichts beitragen.

Die historisch reiche Kulturlandschaft von Thüringen ist im Umbruch. Den Theatern in Gera und Altenburg werden Rudolstadt, Weimar, Eisenach, Nordhausen, Weimar, Meiningen und andere  folgen. Doch die Bürger der Region kämpfen für ihre Kultur,  für ihre Theater!

 Pressemitteilung von Kulturminister Hoff

Theater und Philharmonie Thüringen / Lichterkette vor Theater © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Lichterkette vor Theater © Stephan Walzl

„Mit dem Konzept „Perspektive 2025“ legte der Thüringer Kulturminister, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff (LINKE), eine auf Langfristigkeit angelegte Konzeption zur Thüringer Theaterlandschaft vor. Das Konzept hebt die Bedeutung des Theaters Rudolstadt, sowie der Thüringer Symphoniker in Saalfeld als wichtige kulturelle Anker in der Region hervor. Entsprechend gilt es, die Einrichtungen auf einen angemessenen Stand zu bringen. Es sei daher ein wichtiges Ziel des Theater- und Orchesterkonzeptes, die Entlohnung perspektivisch wieder an den Flächentarifvertrag heranzuführen. Dazu seien aber Strukturveränderungen unverzichtbar. Dass das Theater Rudolstadt hier schon einiges geleistet hat, wird in dem Konzept hoch anerkannt. Die bestehende Kooperation der Theater in Rudolstadt und Nordhausen wird als vorbildhaft angesehen.“

„Ich halte es für eine gute Option, wenn durch einen erweiterten Verbund mit Eisenach und Nordhausen die Schauspielsparte in Rudolstadt noch einmal gestärkt werden könnte. Käme zusätzlich eine Aufstockung des Orchesters in Saalfeld zustande, wie in einem Modell vorgesehen, so wäre das für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt ein Zugewinn“, streicht Katharina König, Landtagsabgeordnete der LINKEN für den Landkreis Saalfeld-Rudolstadt die positiven Vorschläge heraus. Diese seien zwar in Planung und Logistik anspruchsvoll, da die einzelnen Sparten an mehreren Orten spielten. Ähnliche Kooperationen in Thüringen und anderen Ländern zeigen aber, dass dies machbar sei.“

„Die rot-rot-grüne Landesregierung gestaltet diesen Prozess so offen wie möglich. Die Träger und Intendanten, die sich an der Debatte rege beteiligt haben, verdienen besonderen Dank, wie auch Minister Hoff für die geduldige Moderation der Verhandlungen“, betont König und hofft auf eine vorurteilsfreie Diskussion in den anstehenden Veranstaltungen mit den Vertreterinnen und Vertretern des Theaters Rudolstadt sowie kommunalen Entscheidungsträgern. Entscheidend sei letztlich, dass sich Land, Kommune und Theater gemeinsam verständigen, um optimale nachhaltige Ergebnisse für die Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft zu erhalten.

 Öffentliche Diskussionen mit Minister Hoff

Theater und Philharmonie Thüringen / Demo für Theater © Stephan Walzl

Theater und Philharmonie Thüringen / Demo für Theater © Stephan Walzl

Am 1. Und 8. Dezember 2015 wird zur öffentlichen Diskussionen mit Kulturminister Hoff (LINKE), ins Landestheater Altenburg und den Konzertsaal der Stadt Gera eingeladen. Das Thema der Podiumsdiskussion ist die Entwicklung der Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft ab 2017. Gesprächsteilnehmer sind als Gesellschafter des Theaters die Oberbürgermeisterin der Stadt Gera, Dr. Viola Hahn, die Landrätin des Landkreises Altenburger Land, Michaele Sojka, und Altenburgs Oberbürgermeister, Michael Wolf. Neben Generalintendant Kay Kuntze und dem kaufmännischen Geschäftsführer Volker Arnold gehören Vertreter des Betriebsrates und der Theatervereine zur Diskussionsrunde.

IOCO / PM / VJ / 20.11.2015

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