Hannover, Staatsoper Hannover, Die Krönung der Poppea – Claudio Monteverdi, 07.06.2019

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Staatsoper Hannover 

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 Die Krönung der Poppea  – Claudio Monteverdi

Premiere 7. Juni 2019 

Mit der vorletzten Premiere in der Saison 2018/19 kehrt die Staatsoper Hannover zurück zu den Ursprüngen der Operngeschichte: Die Krönung der Poppea von Claudio Monteverdi, 1567  – 1643,  feiern am 7. Juni 2019  Premiere im Opernhaus.

»Verehrt mich, betet mich an und nennt mich euren Herrscher« – so weist im Prolog von Claudio Monteverdis letzter Oper der kindliche Gott Amor selbstbewusst die beiden Göttinnen des Schicksals und der Tugend zurecht, die kurz vorher in einen Streit darüber geraten waren, welche von ihnen die Mächtigere sei, und die dabei den Verfall ihrer Macht eingestehen mussten. Um seinen Anspruch auf den Chefsessel im Olymp zu unterstreichen, führt Amor sogleich ein menschliches Experiment durch, das beweisen soll, dass die Welt nach der Pfeife seiner Launen tanzt. In einer Welt, in der moralische Grundsätze ihre Bedeutung verloren haben, findet Amor einen Gleichgesinnten – wie er selbst ein herrschsüchtiges Kind, das verehrt und angebetet werden möchte, das sich gegen ältere Autoritäten auflehnt und seine Launen frei und skrupellos auszuleben sucht: der römische Kaiser Nero.

Claudio Monteverdi, Venedig © IOCO

Claudio Monteverdi, Venedig © IOCO

Obwohl mit Ottavia verheiratet, hat er sich unsterblich in die wunderschöne Poppea verliebt, die nun ihrerseits ihre alte Liebe Ottone zurückweist, weil sie nicht nur scharf auf Nero, sondern auch auf die kaiserliche Macht ist. Und weil sich auch die eifersüchtige Ottavia nicht gerade zimperlich im Umgang mit Menschenleben erweist und sich mit Ottone gegen Poppea verschwört, findet man schnell einen Grund, sie und alle Widersacher loszuwerden. Nur Neros Lehrer Seneca, der Philosoph und Vertreter einer stoischen, leidenschaftslosen und rationalen Weltsicht, versucht als einzige moralische Instanz in das Geschehen einzugreifen und seinen Zögling auf die rechte Bahn zurückzuführen. Doch seine hehren Grundsätze von einem vernunftbestimmten und gerechten Herrschertum verhallen als leere Worthülsen in einem Raum entfesselter Leidenschaften.

Als eine der bedeutendsten Opernschöpfungen des 17. Jahrhunderts ist Die Krönung der Poppea die Apotheose einer skrupellosen Liebe jenseits von Gut und Böse, einer Liebe, für die moralische Prinzipien keine Gültigkeit mehr haben. In ihrer Ambivalenz, in der der Konflikt zwischen Moral, Vernunft und einer Leidenschaft, die auf ihrem Recht beharrt, letztlich ungelöst bleibt, erweist sich die bis heute nicht verblasste Modernität dieser Oper, die erstmals in der Musikgeschichte nicht mythologische Gestalten auf die Bühne bringt, sondern leibhaftige Menschen. Die Abkehr von allegorischen Bedeutungen und moralischen Belehrungen und die Hinwendung zum Einzelschicksal und zum individuellen Handeln in seiner Triebhaftigkeit findet seine Entsprechung in der ausdifferenzierten musikalischen Gestaltung, die das Innenleben der Personen in seinen feinsten Schwankungen nachvollzieht. Dadurch wird das Spannungsverhältnis zwischen Machtstrukturen und der Utopie einer grenzenlosen Freiheit betont, die letztlich doch ungreifbar bleibt, weil der Weg dorthin über Leichen führt.

In seinem letzten Bühnenwerk stellt Monteverdi nicht mehr mythologische Wesen in den Mittelpunkt der Handlung, sondern ganz „normale“ Menschen und thema-tisiert die allzu menschlichen Züge gerade der obersten Gesellschaftsschichten. So geht es in Die Krönung der Poppea unter anderem um eine machtgierige verheiratete Frau, die mit dem römischen Kaiser Nero anbändelt, um selbst Kaiserin zu werden, einen Herrscher, der seine Frau loswerden will, um ungestört seine neue Liebschaft genießen zu können und um zwei eifersüchtige verlassene Ehepartner, die auch vor einem Mordkomplott nicht zurückschrecken.Bei diesem Ensemblestück über Leidenschaft und Moral sind insgesamt elf Sän-gerinnen und Sänger der Staatsoper zu erleben, unter anderem Stella Motina und Monika Walerowicz als skrupelloses Liebespaar Poppea und Kaiser Nero sowie Julie-Marie Sundal und Josy Santos als verlassene Ehepartner Ottone und Ottavia. Regie führt Ingo Kerkhof, der seine Regiearbeit in Hannover bereits mit Monteverdis erster Oper L’Orfeo in der Spielzeit 2006/07 begann. Am Pult des Niedersächsischen Staatsorchesters, durch eine Continuo-Gruppe ergänzt, steht Howard Arman.

 

Karten für die Premiere am 7. Juni und alle weiteren Vorstellungen sind an den Kassen der Staatstheater Hannover oder per Telefon unter 0511 99 99 11 11 erhältlich.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Heidelberg, Theater Heidelberg, Benjamin – Oper von Peter Ruzicka, IOCO Kritik, 29.03.2019

März 29, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Heidelberg

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater Heidelberg © Thomas Ott

Theater und Orchester Heidelberg

Das Theater Heidelberg im Zentrum der Stadt am Neckar ist ein Fünf-Sparten-Haus mit Musiktheater, Konzert, Schauspiel und Tanz sowie einem eigenen Ensemble für Kinder- und Jugendtheater. Seit 2005 gehört auch das Philharmonische Orchester der Stadt Heidelberg zum Theater und bildet eine eigene Sparte mit zahlreichen Konzerten sowie der Begleitung von Operninszenierungen. Intendant ist seit der Spielzeit 2011|12 Holger Schultze.

Das Theater Heidelberg wurde vom Stadtbaumeister Friedrich Lendorf im spätklassizistischen Stil erbaut und am 31. Oktober 1853 mit einer Aufführung von Friedrich Schillers Die Braut von Messina eröffnet. Im 19. Jahrhundert erweiterte man das Gebäude und baute es mehrmals um. 1924 wurde es innen und außen umgestaltet und 1925 mit Johann Wolfgang Goethes  Egmont  wiedereröffnet. 1978|79 erfolgte eine weitere Restaurierung, 1990 eine Foyer-Erweiterung, wobei der Zustand von 1924 wiederhergestellt wurde. 2006 wurde das Theater wegen erheblicher baulicher Mängel geschlossen. Im August 2009 wurde mit der Sanierung des Theaters sowie einem Theaterneubau begonnen. Der neue, große Saal des Theaters, Marguerre-Saal, fasst 600 Zuschauer.

Die neueste Sanierung umfasst den gesamten Komplex des Theaters. Der denkmalgeschützte Zuschauerraum in der Theaterstraße 8 und die historischen Gebäude Theaterstraße 4, 6 und 10 sowie das denkmalgeschützte Haus in der Friedrichstraße 5 wurden in einen modernen Theaterbau integriert. Das Theater wurde darüber hinaus um einen neuen zweiten Saal erweitert. Beide Bühnen verfügen über unabhängige Zugänge für das Publikum. Darüber hinaus gibt es die externen Spielstätten Zwinger 1, vorwiegend für Schauspiel- sowie kleinere Tanz- und Opernproduktionen und als Bühne für das Junge Theater Heidelberg den Zwinger 3.

Benjamin – Oper von Peter Ruzicka

– Im Angesicht des Todes –

von Hanns Butterhof

Das Theater Heidelberg hat als zweites Theater nach Hamburg, wo im Juni 2018 die Uraufführung stattfand, das Musiktheater in sieben Stationen „Benjamin“ von Peter Ruzicka (Musik) und Yona Kim (Libretto) auf die Bühne gebracht. Mit Benjamin lassen Ruzicka und Kim den Philosophen Walter Benjamin (1892 – 1940) kurz vor seinem Tod im spanischen Grenzort Portbou in sieben Stationen auf sein Leben zurückblicken. Für das Publikum bleiben viele Fragen offen.

Benjamin  –  Oper von Peter Ruzicka
youtube Trailer des Theater Heidelberg
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Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Die Stationen des Stücks zeigen Walter Benjamin (Miljenko Turk), einen Säulenheiligen der antiautoritären 68er-Bewegung, kurz vor seinem Tod wesentlich in den aufblitzenden Beziehungen zu anderen, für ihn wichtigen Personen; alle werden nur mit Vornamen und abgekürzten Nachnamen genannt, sind aber deutlich identifizierbar.

Die Walter Benjamin Gedenkstätte in Portbou, Spanien – LINK HIER

Wie in einer inneren Dialektik folgt auf die These einer Person stets die Gegenthese, ohne dass es zu einer Synthese kommt. So rät ihm die tatkräftige und hellsichtige Hannah Arendt (Shahar Lavi) im französischen Internierungslager kettenrauchend zur schnellstmöglichen Flucht nach Amerika. Auch der Zionist Gershom Scholem (James Homann) fordert ihn zur Emigration nach Israel auf. Zu beidem kann sich Benjamin nicht entschließen; in einer langen Projektion von anbrandendem Meer zeichnet das Orchester extrem repetitiv und gehetzt seine ziellosen Fluchtgedanken, die er schließlich zugunsten seiner romantischen Bindung an Heimat und Sprache verwirft.

Wie schlechtes Gewissen erscheint darauf seine in strenges Schwarz (Kostüme: Inge Medert) gekleidete Ehefrau Dora Keller (Denise Seyhan), die ihm vorwirft, nur ein Verhältnis zu Wörtern, nicht aber zur Realität zu haben. Da flattert mit Asja Lacis (Yasmin Özkan), die in hellem Kleid wie ein Vögelchen tirilierend von der Seitentreppe herabschwebt, Abhilfe herbei. Die stramme Kommunistin aus Lettland wie auch der linientreue Dichter Bertolt Brecht (Winfried Mikus) rufen Benjamin zur roten Fahne und zu handfester Praxis auf. Doch die vergisst er bald und zeigt sich mehr der schönen Aktivistin zugewandt. Als sie nach Riga geht, folgt ihr Benjamin, zweifelt aber nicht erst beim Hitler-Stalin-Pakt 1939 an der Kommunistischen Partei, der Asja unverbrüchlich die Treue hält. Plakativer Marschrhythmus macht Benjamins Vorahnung des Krieges, ein sphärischer Chor (Einstudierung: Ines Kaun) die des Holocaust deutlich.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Miljenko Turk als Benjamin © Sebastian Buehler

Da erinnert sich Benjamin daran, dass ihm schon seine Mutter und später seine Frau Ungeschick attestiert haben. In den Jungen und Mädchen des roten Kindertheaters, das er mit Asja betreibt, steht ihm das „bucklicht Männlein“ aus Achim von Arnims Märchen vor Augen, ein Kobold, der Schuld daran hat, dass ihm alles misslingt. Das ist Verzweiflung pur. So will er am Ende nur noch dem Messer der Verfolger zuvorkommen, der Selbstmord in Portbou als Konsequenz wird nicht ausgespielt, nur das Orchester verstummt langsam.

Das ist schlüssig entwickelt. Dass Benjamin irgendwo tödlich strandet, wird aber so zu sehr ihm selber angelastet. Als habe dieser in Gedanken verliebte dialektische Romantiker nie in einer Wirklichkeit ankommen und seine widerstreitenden Tendenzen in einer Synthese ruhigstellen können. Aber nicht deshalb, sondern weil er die Auslieferung an Nazideutschland fürchten musste, hat sich Benjamin in Portbou umgebracht.

Die Bühne Anne Neusers für Benjamin ist zeit- und ortlos. Eine graue, als Video-Projektionsfläche taugliche Wand schließt sie nach hinten ab, davor stehen in einem offenen U einfache Tische und Stühle; hier könnte alles mögliche verhandelt werden.

Regisseur Ingo Kerkhof hat sich, angeregt von Benjamins Auseinandersetzung mit Brechts Theorie des Epischen Theaters, dazu entschlossen, auch Benjamin episch zu inszenieren. Das ist nicht unproblematisch, weil es keine offensichtlich politische Botschaft gibt, die dem Publikum zur Einsicht gebracht werden soll. Wenn zudem die Figuren holzschnittartig gezeichnete Ideenträger sind, die sich nahezu jeder Einfühlung und Anteilnahme verschließen, wird das Bühnengeschehen rasch öde.

Als zum Prolog an die vierzig Choristen in Alltags- und Freizeitkleidung die Bühne betreten, sagen sie verschiedene Sätze Benjamins auf, während sie verschiedene Personen durch ein Pappschild mit dem Namen „Walter“ als Benjamin kenntlich machen. Erst später verwandelt sich dann Miljenko Turk mit dem typischen dunklen Dreiteiler in Benjamin, setzt dessen Brille auf und bindet das charakteristische Bärtchen unter seiner Nase fest. Danach fällt der Regie nur noch wenig ein. Benjamin muss sich viel auf dem Boden herumwinden, in Marx‘ Kapital blättern und mit Brecht Schach spielen. Hannah Arendt raucht Zigarette, Brecht qualmt Havanna-Zigarre und trägt ein rotes Megaphon, während Asja Lacis sich revolutionär körperlich ertüchtigt und dem Kinderchor rote Halstücher umbindet.

Trotz allem plakativ Verfremdeten gibt es schöne Szenen, in denen nicht etwas bloß behauptet, sondern erspielt wird. So wird einmal Benjamins Praxisbeziehung ohne Worte deutlich. Bei der Armenspeisung mit Asja vergisst er alsbald die Armen und turtelt theoretisierend mit seiner Geliebten, bis sich die Hungrigen selber die Suppe aus dem Topf holen.

Wer Walter Benjamin nicht als Philosoph kennt, wird von ihm und seinem Denken nichts durch Yona Kims Libretto erfahren. Es besteht aus einer Abfolge von klugen Benjamin-Zitaten, die durch ihre kontextlose Aneinanderreihung allen Sinn verlieren. Dafür ist schon der Prolog beispielhaft, in dem die Zitate sich überschneidend zu einem unverständlichen Geräuschwust ballen. Das Libretto ist eine schmerzhafte Text- Ausschlachtung.

Theater Heidelberg / Benjamin - Oper von Peter Ruzicka - hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Theater Heidelberg / Benjamin – Oper von Peter Ruzicka – hier : Asja und Benjamin bei der Armenspeisung © Sebastian Buehler

Für die Sängerinnen und Sänger bleibt wenig mehr als deklamatorischer Sprechgesang übrig, den Miljenko Turk mit kräftigem Bariton, Shahar Lavi mit prägnantem Mezzo wie auch Denise Seyhan, Winfried Mikus und James Homann ihren Rollen entsprechend bewältigen. Nur Yasmin Özkans fällt mit ihren wahnsinnigen Koloraturen aus dem musikalischen Muster; es ist die einzige ironische Distanzierung Ruzickas und gilt wohl ebenso ihren Ideen wie Benjamins Eingehen darauf.

Die Musik Ruzickas verhält sich nicht illustrativ zum Libretto, sondern geht den Gefühlen Benjamins in den verschiedenen Situationen nach. Sie malt so dessen eindringliches Psychogramm, dissonant seiner inneren Zerrissenheit und ewigem Streben nach einem theoretischen Ruhepunkt folgend, bei gleichzeitiger Angst davor, ihn zu finden.

Elias Grandy am Pult des gut aufgelegten Philharmonischen Orchesters Heidelberg dirigiert die Musik, die sich über weite Partien in einem schmalen dissonanten Ausdruckskorridor bewegt, sehr durchsichtig. Er lässt Benjamins Ängste wie in einem Gewitter dunkel grollen und aufblitzen, seine Liebe von zarten Streichern malen, mit viel Schlagwerk und Alltagsgeräusch bricht schmerzhaft äußere Wirklichkeit herein. Aus der modernen Musiksprache des Henze-Schülers Ruzicka fällt in der Fünften Station der berührende „Jerusalem“-Chor aus seiner Celan-Oper heraus wie am Schluss Henri Duparcs Baudelaire-Vertonung L’invitation au voyage. Dieses Lied hat nahezu Puccinischen Schmelz und endet mit Orgelklang wie ein Requiem für Walter Benjamin.

Im Angesicht des Todes, so heißt es, blitzen dem Sterbenden noch einmal entscheidende Stationen seines Lebens auf. Es ist nicht überliefert, welchen Grad an Richtigkeit solchen Erinnerungen zukommt. Doch bei einem Musiktheater-Stück wie Benjamin ist nicht unerheblich, was erinnert wird. Was Peter Ruzicka und Yona Kim an Benjamin erinnern lassen, wird diesem nicht gerecht und überzeugt auch nicht davon, dass dieses Musiktheater notwendig komponiert werden musste.

Nach eineinhalb Stunden Musik-Theaters ohne Pause gab es freundlichen Beifall für alle Beteiligten, vor allem Miljenko Turk, Yasmin Özkan, Elias Grandy und das Philharmonische Orchester Heidelberg.

Benjamin im Theater Heidelberg, die einzige weitere Vorstellung der Spielzeit am 8.4.2019

—| IOCO Kritik Theater und Orchester Heidelberg |—

Dortmund, Oper Dortmund, Premiere QUARTETT von Luca Francesconi, 18.04.2019

März 18, 2019 by  
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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Deutsche Erstaufführung der Oper QUARTETT von Luca Francesconi

Donnerstag, 18. April 2019, in der Oper Dortmund . Die Deutsche Erstaufführung von Luca Francesconis Oper QUARTETT wird am Donnerstag, 18. April 2019, um 19.30 Uhr Dortmunder Opernhaus aufgeführt. Nach der Uraufführung an der Mailänder Scala folgten Inszenierungen bei den Wiener Festwochen und im Royal Opera House in London. Die international erfolgreiche Mezzosopranistin Allison Cook wird die Hauptrolle der Marquise Merteuil in der Dortmunder Inszenierung übernehmen. Ingo Kerkhof übernimmt die Regie.

Oper Dortmund / Allison Cook © Robert Wolanski

Oper Dortmund / Allison Cook © Robert Wolanski

Quartett ist eine Vertonung von Heiner Müllers gleichnamigen Schauspiel, das den berühmten Briefroman Gefährliche Liebschaften (Choderlos de Laclos) zur Grundlage hat. Marquise Merteuil und ihr ehemaliger Geliebter Vicomte Valmont reduzieren die Liebe auf Sex und reine Körperlichkeit. Dabei  fechten die beiden einen Machtkampf aus, in dem Sexualität und Sprache zur Waffe geworden sind und  verkörpern im Rollenspiel ihre menschlichen Opfer, die Madame Tourvel und die junge Klosterschülerin Volanges, selbst. Opfer, weil diese beiden tugendhaften Frauen im erotischen Schlagabtausch verführt und durch die daraus resultierende gesellschaftliche Ächtung letztlich vernichtet werden.

Oper Dortmund / Christian Bowers © Arielle Doneson

Oper Dortmund / Christian Bowers © Arielle Doneson

Francesconi selbst beschreibt die Handlung als eine Art Schachspiel mit Seelen und Körpern, bei dem Liebe und Gefühl verbannt sind. Letztendlich sind die Menschen Gefangene ihrer Ängste, die diese nur ertragen können, wenn diese nicht länger versteckt werden, sondern man sich ihnen mutig entgegen stellt.  Furchtlos ist auch Francesconis geradezu unersättliche Kreativität, mit der er die 2011 uraufgeführte Partitur komponierte. Mit einer Vielzahl an klanglichen Mitteln und stilistischen Ausdrucksebenen hat er eine Musik geschaffen, deren Sogkraft man sich schwerlich entziehen kann.

Musikalisch sehr interessant ist das Kammerorchester im Orchestergraben, in dem trotz der sonst eher kleinen Besetzung nicht weniger als 40 verschiedene Schlagwerk-Instrumente gefordert werden. Darunter befinden sich Exoten wie eine irische Rahmentrommel, ein Donnerrohr oder aber auch eine Sandbox. Zusätzlich kommen verschiedene Tonaufnahmen eines zweiten, großen Orchesters sowie zahlreiche Chorstellen zum Einsatz, die bereits bei der Uraufführung an der Mailänder Scala zu hören waren. Abgerundet werden die Tonaufnahmen von exotischen Geräuscheinspielungen, die an manchen Stellen wie Löwengebrüll klingen können. Francesconis Musiksprache bietet damit ein weites Spektrum, in der es Anklänge an Alte Musik, Folklore, opernhafte Dramatik sowie moderne Strenge zu entdecken gilt.

Wie bei der Uraufführung wird die Dortmunder QUARTETT-Produktion von dem Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique (IRCAM) aus Paris begleitet, dessen Toningenieure und -designer bei der Livetongestaltung mitwirken.

Neben dem Bariton Christian Bowers konnte die Mezzosopranistin Allison Cook für die Partie der Marquise Merteuil gewonnen werden, die die Rolle bereits bei der Uraufführung in der Mailänder Scala sang. Die britische Künstlerin feierte bereits zahlreiche internationale Erfolge als Sängerin für Uraufführungen und Repertoire des 20. Jahrhunderts an der  Mailänder Scala, am Gran Teatre del Liceu (Barcelona), Théâtre Royal de la Monnaie (Brüssel), Teatr Wielki (Warschau), Teatro Colón (Buenos Aires) ebenso wie bei den Wiener Festwochen. Des Weiteren war sie an der English National Opera und in der Barbican Hall London, der New York City Opera sowie beim Edinburgh-Festival zu sehen.

—| Pressemeldung Theater Dortmund |—

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Jenufa – Leos Janácek, 29.11.2018

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Jenufa – Leos Janácek (1854 – 1928)

Premiere Donnerstag, 29. November 2018 19.30 Uhr, weitere Vorstellungstermine: 2. & 6. Dezember 2018, jeweils 19.30 Uhr

Mit Jenufa erlebte Leos Janácek seinen späten internationalen Durchbruch als Opernkomponist. Der expressive Orchesterklang erzählt die ländlichen Weiten, während die konzentrierte Geschichte von in die Enge Getriebenen handelt. Die Neuinszenierung von Ingo Kerkhof entsteht unter der Musikalischen Leitung von GMD Patrick Lange.

In der Titelpartie gibt Sabina Cvilak ihr Rollendebüt in Wiesbaden, die hier zuletzt als Elisabeth in Wagners Tannhäuser große Erfolge feierte und bereits in der Janácek-Oper Katja Kabanowa in der Titelpartie überzeugte. Die zweite große Frauenrolle hat Dalia Schaechter als Küsterin, die schon Klytämnestra in Elektra und Kabanicha in Katja Kabanowa am Hessischen Staatstheater Wiesbaden sang. Die beiden Tenöre Paul McNamara und Aron Cawley debütieren als Laca Klemen und Steva Buryja. Die weiteren Rollen in dem Ensemblestück haben Anna Maria Dur (Alte Burja), Daniel Carison (Altgesell), Hans-Otto Weiß (Dorfrichter), Annette Luig (Seine Frau), Shira Patchornik (Karolka), Stella An (Jano), Anna McDougall (Schäferin) und Ekaterina Kuridze (Barena).

Musikalische Leitung GMD Patrick Lange Inszenierung Ingo Kerkhof Bühne Gisbert Jäkel Kostüme Sonja Albartus Chor Albert Horne Dramaturgie Katja Leclerc

Mit:  Jenufa Sabina Cvilak,  Die Küsterin Dalia Schaechter, Laca Klemen Paul McNamara,  Steva Buryja Aaron Cawley,  Die alte Buryja Anna Maria Dur, Altgesell Daniel Carison, Dorfrichter Hans-Otto Weiß Seine Frau Annette Luig Karolka Shira Patchornik. Jano Stella An Schäferin Anna McDougall Barena Ekaterina Kuridze
Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Zu allen Folgevorstellungen gibt es eine halbe Stunde vor Beginn eine Einführung im Foyer. Im Anschluss an die zweite Vorstellung am Mittwoch, den 2. Dezember 2018 findet ein Nachgespräch mit Mitwirkenden der Produktion im Theaterfoyer statt. Der Eintritt ist frei.

—| Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

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