Brenda Roberts, Sopran – Diskographien 5 – 6, 11.05.2019

Mai 11, 2019 by  
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Il Tabarro - CD mit Brenda Roberts

Il Tabarro – CD mit Brenda Roberts

BRENDA ROBERTS – DISKOGRAPHIE Teil 4 + 5

von Rolf Brunckhorst

Teil 4: In diesem vierten Teil der Brenda-Roberts-Diskographie geht es um relativ unbekannte Aufnahmen von nur bedingt populär zu nennenden Opern.

 MEDEA  –  Komponist Friedhelm Döhl

Als erstes sei die Medea -Studio-Gesamtaufnahme genannt. Die Medea gilt als ausgesprochene Primadonnen-Partie und ist in der Vergangenheit von einigen wenigen Sopranistinnen eindrucksvoll dargestellt worden (Callas, Jones, Rysanek). Jetzt gibt es eine neue Medea, die der Komponist Friedhelm Döhl Brenda Roberts quasi auf den Leib geschneidert bzw. in die Kehle geschrieben bzw. komponiert hat. Musikalisch ist dies eine ganz neue Welt, die nicht jedem Hörer gefallen kann, aber für Fans von Brenda Roberts ist besonders der Schlußteil der Oper ein reines Vergnügen. Hier kann Brenda Roberts in einem langen Solo alle Register ihres Könnens ziehen. Der Komponist mutet ihr zu, alle Möglichkeiten einer Sing- bzw. Sprechstimme auszunutzen. Brenda Roberts macht das hervorragend und schafft es sogar, textverständlich auch in den höchsten Lagen zu singen. Dirigent Klauspeter Seibel kennt Brenda Roberts aus Hamburger Vorstellungen und hat sowohl sein Orchester als auch das Ensemble der Kieler Oper souverän im Griff. So ist die Ersteinspielung der Döhl-Medea eine rundum gelungene Sache, und so gibt es eine weitere Medea-Darstellerin, die im Gedächtnis bleiben wird.

 

Brenda Roberts in jungen Jahren © Brenda Roberts

Brenda Roberts in jungen Jahren © Brenda Roberts

STERNENGEBOT – Komponist Siegfried Wagner

Sternengebot ist eine der zahlreichen Opern von Siegfried Wagner, die sich im Repertoire nicht haben durchsetzen können. Zwar „wagnert“ es beständig in dieser Oper, aber des Vaters Theaterpranke hatte sein Sohn Siegfried keineswegs geerbt. Die Musik fließt schön und gleichmäßig, aber sie packt den Zuhörer nicht. Szene um Szene geht vorbei, ohne daß sich der Hörer angesprochen fühlt. Ende der 90er Jahre hatte die Firma Marco Polo das ehrgeizige Vorhaben in die Tat umgesetzt, die Siegfried-Wagner-Opern auf CD einzuspielen, und somit einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Brenda Roberts hatte für diese Aufnahme die beiden Partien der Hiltrud und der Julia übernommen. Sie behauptet sich völlig souverän in den teilweise etwas holprig komponierten Orchesterfluten und macht auch diese Aufnahme zu einem Muß für Brenda-Roberts-Fans.

 ALBERT HERRING  – Benjamin Britten

Mitte der 80er Jahre hatte Brenda Roberts in der Britten-Oper Albert Herring“ als Lady Billows ihre Hamburger Premiere. Das Publikum erlebte eine treffliche Darbietung der in Deutschland zu Unrecht verkannten Oper Brittens. An der Spitze des Hamburger Ensembles machte Brenda Roberts bereits in der ersten Szene, in der sie mit Ursula Boese als Florence Pike ein tugendhaftes Mädchen für das Dorffest auswählen soll, auf ihre komödiantische Begabung aufmerksam. Die feine Ironie, mit der Britten das englische Dorfleben beobachtet, wird von Brenda Roberts auf das Feinste aufgenommen und auf der Bühne umgesetzt. Da darf die Stimme schon mal etwas schriller werden, wenn sich nicht das ganze Dorf den moralischen Ansprüchen der Lady Billows anpassen will. Insgesamt eine bemerkenswerte Aufnahme, die die Leistungsfähigkeit des Hamburger Ensembles dokumentiert.

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

DIE BACCHANTINNEN  –  Egon Wellesz

Im Dezember 1985 trat Brenda Roberts im Wiener Konzerthaus in der Partie der Königin Agave auf, eine dankbare Partie in der Oper Die Bacchantinnen von Egon Wellesz. Die Stimme von Brenda Roberts paßt perfekt zu der stilistisch ein bißchen hin und her pendelnden Oper, die die Grundlage dafür bietet, daß Brenda Roberts ihre dramatische Durchschlagskraft, ihre sicheren Höhen und hohe Durchhaltekraft eindrucksvoll vorführen kann. Diese konzertante Aufführung, im Dezember 1985 vom ORF übertragen, kann man sich bei youtube anhören.

 5. Teil: Schlußteil dieser Diskographie – Raritäten für Brenda-Roberts-Fans.
Die meisten Aufnahmen sind stark gekürzt, auf die Sopranpartie reduziert

 ARIADNE AUF NAXOS  –  Richard Strauss,

Im November 1990 gab es die seltene Gelegenheit, Brenda Roberts als Ariadne zu erleben. Obwohl die Partie der Ariadne eher zurückhaltend und abwartend angelegt ist, fand sich die stets aktive und dramatisch agierende Brenda Roberts mühelos in das Ensemble des Bielefelder Opernhauses ein. Es begann mit ganz verhalten lyrischen Monologen und steigerte sich bei der Ankunft des Bacchus in ein glorioses Schlußduett. Ihr zur Seite stand der zu Recht sehr gefragte Heldentenor Herbert Schaefer, der der kraftvollen Stimme von Brenda Roberts Paroli bieten konnte, so daß der von GMD Rainer Koch dirigierte Abend im Strauss-Rausch endete.

SALOME  –  Richard Strauss,

Dieses ist eine der Aufnahmen mit den meisten Auslassungen. Entschädigt wird der Zuhörer für das etwas mühsame Hören von der unglaublichen Tagesform der Brenda Roberts. Kraftvoll mit wunderschön dahingehauchten Piani und einem energischen Schlußgesang war sie die unumstrittene Hauptattraktion des Abends. Die lächerliche Szenerie konnte die Sängerin überhaupt nicht beeinträchtigen, ihre Stimme leuchtet bis in den letzten Winkel nicht nur des auf der Bühne aufgebauten Schlachthauses, sondern auch des Zuschauerraums des Staatstheaters Braunschweig und endet mit einem triumphalen Schlußgesang.

TOSCA  –  Giacomo Puccini

Die Partie der Floria Tosca ist von ihren Gestaltungsmöglichkeiten her eine feine Sache für alle spielfreudigen dramatischen Sopranistinnen, also auch für Brenda Roberts. Die hier vorgestellte Aufführung am Staatstheater Kassel fand in deutscher Sprache statt, und Brenda Roberts hatte einen furiosen Abend. Sie überzeugte schon im ersten Akt als eifersüchtige Diva, wobei das Duett mit Cavaradossi äußerst leidenschaftlich angelegt war. Am Ende des ersten Aktes verschafft sich die Stimme Raum, wenn die Eifersucht sie langsam vereinnahmt. Viel Aufregung herrscht im zweiten Akt bei den Kerker- und Folterszenen, wenn Tosca zwischen Hoffen und Bangen hin und her schwankt, und voller Stimmeinsatz gefordert wird. Brenda Roberts meistert diese anspruchsvollen Passagen, ohne bei zu schreienden und zu sprechenden Tönen jemals die Kontrolle über die Stimme zu verlieren. Im dritten Akt nimmt sie den liebenden Tonfall der Anfangsszene wieder auf und erträumt sich mit Cvaradossi eine glückliche Zukunft, obwohl beide wissen, aber einander nicht eingestehen, daß es für dieses Liebespaar keinen Morgen geben wird. Passend dazu klingt der Sopran von Brenda Roberts ängstlich, beinahe zittrig, bis sie in der letzten Passage mit stimmlicher Bravour dem toten Scarpia ankündigt, daß man sich an den Pforten der Hölle wiedersehen wird.

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten © Sebastian Sierke

CD Brenda Roberts in Frau ohne Schatten © Sebastian Sierke

DIE FRAU OHNE SCHATTEN –  Richard Strauss

Kaum eine Oper ist so vielen Kürzungen ausgesetzt wie die Frau ohne Schatten. Im Jahre 1987 gab es im Nationaltheater Mannheim eine Version zu bestaunen, in der sogar die Reihenfolge der Bilder durcheinander gewürfelt wurden. Im zweiten Akt besteht die Oper jetzt nur noch aus vier Bildern, die in der Reihenfolge 1-2-4-5 auf die Bühne gebracht werden, wobei das dritte Bild mit dem fünften Bild zusammengelegt worden sind. Da es sich dabei vor allem um die Szenen im Färbershaus handelt, ist die Färbersfrau am meisten von diesen Eingriffen betroffen. Brenda Roberts, international anerkannte Färbersfrau, ließ sich durch diese neue Version nicht durcheinander bringen und bot eine grandiose Leistung. Wirkt sie zunächst im ersten Akt noch (rollengemäß) etwas spröde, so wird am Ende des Aktes, als die Färberin glaubt, die anklagenden Stimmen ihrer noch ungeborenen Kinder zu hören, ganz großes Operntheater geboten aufgrund ihrer packenden Rolleninterpretation. Im letzten Bild des zweiten Aktes sind es dann die Monologe der Färbersfrau, die „aneinander gebackt“ wurden, um eine Verschmelzung der Bilder 3 und 5 zu erreichen. Brenda Roberts triumphiert auch in dieser etwas willkürlich wirkenden Version mit nie endender Strahlkraft und wahrlich hochdramatischem Impetus. Diese Mannheimer Aufnahme ist durchaus habenswert, und das nicht nur wegen der exzellenten Sänger (u.a. Jean Cox), sondern auch um sich diese Kuriosität anhören zu können. Nach Wissen des Rezensenten gibt es eine vergleichbare Version nur noch unter Herbert von Karajan, der die Partie der Färbersfrau ganz auf Christa Ludwig eingestellt hatte. Für ergänzende Mitteilungen bedankt sich der Autor schon im Voraus.

 TURANDOT  –  Giacomo Puccini,

Wenn es eine Partie im Repertoire der Brenda Roberts gibt, bei der die Fans sofort sagen, daß sie der Künstlerin auf den Leib geschneidert sei, dann ist dies Puccinis Turandot. Gefordert ist eine hochdramatische Sopranistin, der von der Dauerbelastung in der Höhe und lautesten Orchesterklängen alles abverlangt wird, und genau unter diesen Ansprüchen blüht die Stimme von Brenda Roberts förmlich auf. Hier ist eine Stimme, die „In questa Regia“ wirklich kalt und überheblich präsentieren kann, die im zweiten Akt ein Feuerwerk von Spitzentönen abliefert, und die im dritten Akt aufwallende Emotionen so nach und nach zulassen kann.

Zum Schluß dieser Diskographie sei noch auf die erste offizielle CD von Brenda Roberts verweisen, nämlich „BRENDA ROBERTS IM GEISENHEIMER DOM“. Auf dieser CD findet man ein reichhaltiges Programm, eingeleitet von je einem Händel- und einem Haydn-Block. Der Bogen wird bis zu „The Lord’s Prayer“ gespannt. Der großen und strahlenden Sopranstimme von Brenda Roberts kommt die Akustik des Geisenheimer Doms sehr entgegen. Schon bei der ersten Händel-Arie „Rejoice greatly“ aus dem „Messias“ legt der Hörer die Ohren an und freut sich 70 Minuten lang über ein Konzert in diesem ganz besonderen Klangbild. Brenda Roberts selbst ist vorzüglich bei Stimme, und man fragt sich, wie eine gefeierte Elektra so intensiv und sensibel Barockarien von Josef Haydn interpretieren kann. Diese CD war (und ist vielleicht noch immer) über die Künstlerin selber zu beziehen.

Diese Diskographie erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Brenda Roberts ist immer noch so populär, daß immer wieder neue Live-Aufnahmen mit ihr auftauchen, so daß vielleicht in einem Jahr noch ein sechster Teil dieser Diskographie erscheinen könnte. Drei Vorboten sind schon am Horizont zu erkennen, nämlich ihre Fidelio-Interpretation in Antwerpen und den Bad Hersfelder Opernfestspielen, sowie ihre Salome aus Gent/Belgien. Alle drei Opern sind in Auszügen auf youtube zu bestaunen, schön wären natürlich aufgearbeitete DVD-Versionen.

—| IOCO CD-Rezension |—

Brenda Roberts, Sopran – Diskographie – Teil 3, 09.01.2019

Januar 9, 2019 by  
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Il Tabarro - CD mit Brenda Roberts

Il Tabarro – CD mit Brenda Roberts

BRENDA ROBERTS –  DISKOGRAPHIE Teil 3

von Rolf Brunckhorst

In den IOCO – Diskographien 1 und 2 über Brenda Roberts standen deren hochdramatischen Partien im Mittelpunkt. Hier, in der Diskographie Teil 3 geht es in diesem Teil um ihre stimmlichen Möglichkeiten im jugendlich-dramatischen Fach. Als einer noch sehr jungen Sängerin standen ihr natürlich alle Türen zu den jugendlich-dramatischen Rollen im deutschen und auch im italienischen Fach offen. Ihre Sieglinde wurde glücklicherweise am 13. Februar 1984 in Baltimore mitgeschnitten. Diese Aufnahme ist auch wegen der weiteren Besetzung höchst empfehlenswert.

11. Januar 2019:  Brenda Roberts in der Kleinen Laeiszhalle, Hamburg

Der Stimme von Brenda Roberts tun sich hier großartige Möglichkeiten auf, sie kann eingeschüchtert, vorsichtig und mit leiser Stimme, den ersten Akt beginnen, zeigt dann während der Erzählung von Hunding und Siegmund ihre intensive Beteiligung an der Szene, und kann für die letzten 20 Minuten sowohl romantisch-verklärt mit lyrischen Ton „Du bist der Lenz“ besonders leidenschaftlich singen, und zeigt im Finale, daß ihrer hochdramatischen Stimme scheinbar keine Grenzen gesetzt sind. Ein besonderes Schmankerl entwickelt sich aus Sieglindes Abschied im dritten Akt, ein derart tonschönes, bis in die Höhen bombensicheres, man möchte fast sagen mit Inbrunst vorgetragenes „Hehrstes Wunder“ dürfte selten auf Tonträgern so zu hören sein. Doch halt, es gibt noch eine Steigerung für diese Szene, die Walküre aus Duisburg 1966 mit Ludmilla Dvorakova und Hans Hopf: Dieser Mitschnitt enthält nur Auszüge der Partie der Brünnhilde, alle anderen Passagen sind von dem hardcore-Dvorakova-Fan gekürzt worden. Aber Sieglindes Abschied ist gottseidank erhalten geblieben, und diesen 5-Minuten-Schnipsel kann man getrost als sensationell bezeichnen. Falls irgendeiner der geneigten Leser eine Gesamtaufnahme dieses Abends besitzt, bitte aufmelden!! Doch zurück zur Baltimorer Walküre: Dem Beiheft ist zu entnehmen, daß es sich hier um das Wotan-Debüt von James Morris handelt. Schon nach dieser Aufnahme kann man erwarten, daß James Morris in die erste Reihe der Wagner-Heldenbaritone vorrücken würde. Seine Bühnentochter Brünnhilde wird von Pauline Tinsley verkörpert, die einen sehr guten Abend hat und besonders mit ihren Spitzentönen auf sich aufmerksam machen kann. William Johns klingt etwas zu bedeckt und zu reserviert für den leidenschaftlichen Siegmund, aber die Stimme klingt im lyrischen Bereich wunderschön. Matthias Hölle ergänzt die Besetzung mit einem souverän ausgesungenen Hunding, und Sheila Nadler vollendet als ungemein dramatische Fricka das glorreiche Sextett der Hauptpersonen. Elio Boncompagni motiviert das Orchester zu einem veritablen Zusammenspiel und schlägt vernünftige Tempi an, die den Sängern sehr entgegenkommen. Zusatzbemerkung: Die CD ist über „House of Opera“ o.ä. Firmen erhältlich.

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Brenda Roberts hier mit Rolf Brunckhorst © Rolf Brunckhorst

Die anschließend besprochene Fidelio-Aufführung von den Bad Hersfelder Festspielen ist nie offiziell erschienen, aber in zahlreichen youtube-Einzelteilen bequem zusammen zu puzzeln. Man hört Brenda Roberts in einer für sie idealen Partie, in der sie alle ihre Stärken unter Beweis stellen kann. Die Stimme hat Kraft, kann sich mühelos die Koloraturschraube hinauf bewegen, und an den Höhepunkten des Werkes darf sie mit ihrer Stimme auch mal an den Gebäuderesten der Bad Hersfelder Stiftsruine wackeln. Ausbrüche wie „noch heute, noch heute“ kamen in der etwas halligen Akustik der Stiftsruine bestens an. Glücklicherweise hatte das Besetzungsbüro einen Heldentenor mit vergleichbaren Fähigkeiten engagiert: Keith Mikelsen als Florestan wartete mit einem besonders klangschönen jugendlichen Heldentenor auf, hatte ebenfalls keinerlei Probleme mit seiner hoch liegenden Tessitura und klang im Finale noch so frisch, als könne er die Partie gleich noch einmal singen. Mit angenehmem lyrischen Tenor und nicht zu aufgesetztem Spiel wußte Thomas Scheler als Jaquino für sich einzunehmen. Yvette Simons als Marzelline zeigte ebenfalls eine ansprechende Leistung. Beim Pizarro von Herbert G. Adami wollte sich auch beim Zuhörer die Kehle verengen, so angestrengt klang sein Heldenbariton. Einen großen Erfolg konnte Bernd Kaiser als Rocco für sich und seinen in allen Lagen wohl timbrierten Bass verbuchen, ebenso Marek Gastecki als Minister Don Fernando. Mit festem Griff dirigierte Siegfried Heinrich das gut disponierte Radio-Sinfonie-Orchester Warschau, das den Sängern einen Orchesterteppich zu Füßen legte, auf dem sich auch der Chor hörbar wohl fühlte.

Jetzt noch ein Abstecher ins italienische Sopran-Fach, in dem Brenda Roberts als Tosca, Turandot, und Giorgetta in Il Tabarro reüssierte. In der Partie der Giorgetta gab Brenda Roberts ihr Debüt an der San Francisco Opera. Il Tabarro ist die Auftakts-Oper von Puccinis Trittico. Wenn der Vorhang aufgeht, befindet man sich im Milieu der Seine-Schiffer, die auf ihren Frachtkränen ihr eher mühsames Leben verbringen. Genau aus diesem Leben will Giorgetta ausbrechen und ist sogar dazu bereit, ihren Ehemann zu betrügen. Das sieht schon von der Papierform her aus wie eine Prachtrolle für Brenda Roberts, und so ist es auch. Sie scheint die endlosen Melodiebögen Puccinis genau nachzuvollziehen und hat den langen Atem , um diese immer wieder zum Blühen zu bringen. Die Höhe gehorcht der Sängerin tadellos, und sie unterliegt nicht der Versuchung, die Partie zu zerschreien. Genau das tut aber Guillermo Sarabia als Michele, dessen Stimme angestrengt und angekratzt klingt. Nur bei äußerster Lautstärke wirkt die Stimme etwas freier. Giorgettas Liebhaber Luigi, Robleto Merolla, singt demgegenüber mit zartem Unterton und dem nötigen Schmelz im Forte, dadurch wird Giorgettas Wunsch, aus ihrer Ehe mit Michele auszubrechen, noch verständlicher. Unter den weiteren Darstellern nimmt eine wahrhaftige Legende der italienischen Oper, nämlich Fedora Barbieri in der Rolle der Frugola, den Zuschauer gefangen. Dieser Mitschnitt vom 18. November 1975 unter dem dramatischen Dirigat von Elyakum Shapirra ist zur Zeit ohne große Mühe bei „PremiereOpera Italiano“ zu beziehen.

Zum Schluß zwei Hinweise in eigener Sache: Die im zweiten Teil der Diskographie erwähnte Lohengrin-Aufnahme aus Hamburg ist inzwischen bei OperaDepot erschienen.

Der vierte Teil der Diskographie wird in den nächsten Tagen erscheinen. Wer wieder Interesse an Brenda Roberts gewonnen hat, dem sei der 11. Januar 2019 ins Gedächtnis gerufen, dann wird Brenda Roberts in Hamburg in der Kleinen Laeiszhalle ihren Liederabend mit Werken von Poulenc, Wagner und Strauss geben.

—| IOCO CD-Rezension |—

München, Bayerische Staatsoper, Il trittico von Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 03.01.2018

Januar 3, 2018 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Il trittico – Giacomo Puccini

– Gianni Schicchi – Il tabarro – Suor Angelica –

Von Hans-Günter Melchior

Ach ja, es tut mir Leid, stimmt aber doch, oder? wie oft schon empfand man beim Anhören von Puccinis Musik dieses leichte Unbehagen, ganz ähnlich den Gewissensbissen eines Fettleibigen, der an Weihnachten zuviel Süßigkeiten in sich hineinstopft. Die langen Melodienbögen, das Belcanto, ganz nahe am Süßlichen und Gefälligen, die bruchlos aufgehenden Harmonien.

Großes Opernvergnügen

Dieses Mal ist es anders. Man erlebt den Musikdramatiker Puccini, den szenischen Gestalter, der das Geschehen mit rauen, zuweilen rohen Klängen ausstattet, musikalisch – an Wagner erinnernd – ausmalt und die Dissonanzen nicht scheut, wenn sich Tragisches, Zwiespältiges ereignet. Und der mit impressionistischen Valeurs imponiert, wenn sich Hintergründiges zuträgt, mit einem Satz: man staunt über die Modernität dieses Komponisten.

Bayerische Staatsoper / Il trittico - hier in Gianni Schicci das Ensemble © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico – hier in Gianni Schicci das Ensemble © Wilfried Hoesl

Nicht lange braucht man zu suchen, woran dies liegt: am Dirigenten Kirill Petrenko. Er hat das brillante Bayerische Staatsorchester fest im Griff, erlaubt keine Ausrutscher ins Melodramatische oder gar Kitschige, führt straff und in die Komposition hineinhörend. Eine glänzende Leistung, zweifelsfrei, aber so weit sollte man dann doch nicht gehen wie die SZ, nicht gerade einen naiven Wunderglauben strapazieren und gleich von Petrenkos „Wunderhänden“ träumen, denen die Musik gleichsam im Akt des Dirigierens entströmt (da wäre Theodor W. Adornos Aufsatz „Dirigent und Orchester“ in der „Einleitung in die Musiksoziologie“ korrigierend hilfreich gewesen). Die Musik hat immer noch Puccini geschrieben und das Orchester hat sie gespielt und der Dirigent hat sie – großartig – interpretiert. So verhält es sich nunmal in der hierarchischen Ordnung der Kunst. Verbeugung vor Puccini.

Es handelt sich bei Il trittico, wenn man durchaus so will, um ein Triptychon. Freilich fällt es einigermaßen schwer, eine verbindende Idee zu finden, zu unterschiedlich sind die Handlungen, zu disparat die zugrundeliegenden Ereingisse. Der intellektuelle Aufwand, aus den drei Stücken eine Grundidee herauszudestillieren, wirkt verkrampft und führt zu keinem überzeugenden Ergebnis.

Aber ist dies denn überhaupt notwendig? Wo doch jede der drei Opern durchaus einleuchtend und in sich geschlossen für sich spricht. Die Stücke werden von der niederländischen Regisseurin Lotte de Beer beeindruckend und mit sparsamen Mitteln in Szene gesetzt: eben als selbständige Werke:

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Il tabarro mit Eva-Maria Westbroek als Giorgetta, Wolfgang Koch als Michele und Yonghoon Lee als Michele © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Il tabarro mit Eva-Maria Westbroek als Giorgetta, Wolfgang Koch als Michele und Yonghoon Lee als Michele © Wilfried Hoesl

Il tabarro spielt im Paris des beginnenden 20. Jahrhunderts. Michele ist der Eigentümer eines Lastenkahns, der die Existenzgrundlage für ihn und seine Frau Giorgetta darstellt. Als das gemeinsame Kind stirbt, entfremden sich die Eheleute. Giorgetta verliebt sich in den auf dem Kahn arbeitenden Löscher Luigi. Als ihr Ehemann Michele hinter die ehewidrige Beziehung kommt, erwürgt er Luigi und bedeckt die Leiche mit einem Mantel.

Suor Angelica handelt vom Leben der Schwester Angelica in einem Kloster zum Ende des 17. Jahrhunderts. Angelica ist fürstlicher Herkunft. Als sie ein uneheliches Kind, einen Sohn, bekommt, wird sie von ihrer Tante (ihre Eltern sind bereits gestorben) zur Strafe in ein Kloster gesteckt. Nachdem sie dort bereits sieben Jahre, für die Heilkräuter zuständig, arbeitet, bekommt sie endlich von der Tante den sehnlich erwarteten Besuch. Sie will wissen, wie es ihrem Kind geht. Die Tante teilt ihr kalt und ohne Anteilnahme mit, dass das Kind vor zwei Jahren gestorben sei. In ihrer Verzweiflung vergiftet sich Angelica. Im Todeskampf hat sie die Vision der Muttergottes, die Angelicas Kind in den Armen haltend Mutter und Sohn zusammenführt.

Gianni Schicchi schließlich spielt im Florenz des Jahres 1299. Der reiche Buoso Donati ist gestorben. Die mittellose Verwandtschaft versammelt sich am Totenbett in der Hoffnung, vom Erblasser testamentarisch reich bedacht worden zu sein. Aus dem endlich gefundenen Testament ergibt sich jedoch, dass Donati seinen gesamten Nachlass einem Kloster übereignet. Die leer ausgehende Verwandtschaft ist ratlos und verzweifelt. Der herbeigerufene Erzgauner und gelernte Betrüger Gianni Schicchi, dessen Tochter Lauretta den einst präsumptiven Erben Rinuccio liebt und im Erbfalle heiraten will, kommt auf die Idee, den Leichnam Donatis wegzuschaffen. Er will sich in das Totenbett legen und einem herbeigerufenen Notar vorspiegeln, es handele sich bei ihm, Schicchi, um den – natürlich noch lebenden – Donati, der sein Testament diktieren und notariell beurkunden lassen will. So geschieht es. Schicchi, alias Donati, diktiert dem gutgläubigen (oder bestochenen, die Höhe der Entlohnung spricht für eine Bestechungssumme) Notar seine letztwillige Verfügung, mit der er vor allem und zum übergroßen Anteil sich selbst bedenkt. Er verweist die empört protestierende Verwandtschaft aus dem nun ihm gehörenden Haus.

Besonders Gianni Schicchi überzeugt musikalisch und von der burlesken, temporeichen Handlung her, der geradezu überbordenden Komik, die sich von der Musik auf das Geschehen überträgt.

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Suor Angelica Ermonela Jaho als Angelica sowie Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Bayerische Staatsoper / Il trittico hier in Suor Angelica Ermonela Jaho als Angelica sowie Ensemble und Chor © Wilfried Hoesl

Lotte de Beer hat alle drei Opern in einem Trichter inszeniert, der sich zum Zuschauerraum hin öffnet und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisieren soll. Eine Art Zeitbehälter. Diese Bühnengestaltung ist aus sich heraus zwar nicht verständlich, man käme als Zuschauer nicht ohne weiteres darauf und ist gut beraten, sich zuvor die Ausführungen der Regisseurin im Podcast des Nationaltheaters anzuhören.

Der insgesamt durchaus gelungenen Inszenierung tut dies freilich keinen Abbruch. Die Regisseurin verzichtet darauf, mit allerlei Performance-Tricks und dem Schnickschnack des Regietheaters Eindruck zu schinden und Tiefgründiges vorzutäuschen, sondern belässt es bei einigen Requisiten, wie etwa einer Luke im Kahn von Il tabarro, den weißen Gewändern der Nonnen in Suor Angelica, oder den clownesken Kostümen in Gianni Schicchi, um Orte und Stimmung des Geschehens zu charakterisieren. Die geschickte Lichtregie tut ein Übriges. Warum allerdings die Szene sich in Il Tabarro und Suor Angelica (wo die wundergläubige und visionäre Handlung besonders am Ende – freilich ohne Verschulden der Regisseurin –  doch arg den Kitsch streift) zum Schluss im Trichter dreht, erschloss sich dem Rezensenten nicht.

Außer dem großartigen Dirigat und der brillanten Orchesterleistung sind Ermonela Jahos wunderschön warmer Sopran und der kernige Bass von Ambrogio Maestri besonders hervorzuheben. Eine Einzelkritik aller Protagonisten würde den Rahmen einer Rezension sprengen.

Insgesamt ein vom Publikum zu Recht begeistert gefeiertes Opernerlebnis. Eine Empfehlung für München-Besucher: sollten Sie im Januar oder Juli hierher kommen, versäumen Sie nicht Il trittico, erkämpfen Sie sich ein Ticket.

Il trittico an der Baerischen Statsoper: Die weiteren Termine 14.7.2018, 16.7.2018

—| IOCO Kritik Bayerische Staatsoper München |—

Bielefeld, Theater Bielefeld, Premiere Il Trittico von Giacomo Puccini, 29.04.2016

April 8, 2016 by  
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Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

Theater Bielefeld / Fassade © Theater Bielefeld

 

  Il Trittico von Giacomo Puccini

Premiere 29.04.2016, weitere  Termine 05.05., 08.05., 11.05., 26.05., 04.06., 01.07., 05.07., 08.07. 2016

Musikalische Leitung : Alexander Kalajdzic, Inszenierung : Maximilian von Mayenburg
Bühne : Stephan Prattes, Kostüme : Ursula Kudrna
Dramaturgie : Daniel Westen, Choreinstudierung : Hagen Enke

BESETZUNG:
Il tabarro
Michele Evgueniy Alexiev / Frank Dolphin Wong
Luigi Martin Mühle
Tinca Lianghua Gong
Talpa Moon Soo Park / Yoshiaki Kimura
Giorgetta Sarah Kuffner
Frugola Nohad Becker / Hasti Molavian
Liedverkäufer Bogdan Sandu / Seung-Koo Lim
Liebespaar Cornelie Isenbürger / Daniel Pataky

– Suor Angelica
Angelica Sarah Kuffner
Zia Katja Starke
Genoveva Cornelie Isenbürger
Badessa Vuokko Kekäläinen
Zelatrice Nohad Becker
Maestra Hasti Molavian
Osmina Christin Enke-Mollnar
Dolcina Nienke Otten
Infermiera Orsolya Ercsényi
Novizia Annika Brönstrup
2 Cercatrici Franziska Hösli, Evelina Quilichini
Converse Patricia Forbes, Michaela Ataalla
Novizinnen 1. Elena Schneider (Vera Freese)
2. Eteri Kochodze (Michaela Ataalla)
3. Dina Rose (Michaela Ataalla)
4. N. N. (Patricia Forbes)
Kind Cornelius Schäfer/Henry Schuckmann

– Gianni Schicchi
Gianni Evgueniy Alexiev / Frank Dolphin Wong
Lauretta Cornelie Isenbürger
Zita Katja Starke
Rinuccio Daniel Pataky
Gherardo Lianghua Gong
Nella Nienke Otten
Gherardino Cornelius Schäfer / Henry Schuckmann
Simone Moon Soo Park
Betto Yoshiaki Kimura
Marco Caio Monteiro
Ciesca Nohad Becker / Hasti Molavian
Spineloccio Lutz Laible
Amantio Tae Woon Jung
Pinellino Yun Geun Choi
Guccio Ramon Riemarzik
Bielefelder Opernchor, Damen des Bielefelder Extra-Chores
Bielefelder Philharmoniker

Premiere 29.04.16 / 19:00 Uhr / Stadttheater, Die nächsten Termine
05.05., 08.05., 11.05., 26.05., 04.06., 01.07., 05.07., 08.07.16

 

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