Köln, Oper Köln, Die Großherzogin von Gerolstein – Jacques Offenbach, 09.06.2019

April 30, 2019 by  
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Oper Köln

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

Köln / StaatenHaus Oper Köln © Petra Moehle

La Grande-Duchesse de Gérolstein –  Jacques Offenbach

Premiere 9. Juni 2019  – 

DAS OFFENBACH-JAHR IN KÖLN UND REGION
2019 jährt sich der Geburtstag Jacques Offenbachs, einem der berühmtesten Söhne Kölns, zum 200. Mal. Unter dem Motto: Yes We CanCan widmet die Kölner Offenbachgesellschaft dem Erfinder der Operette ein ganzes Jahr voller Veranstaltungen in Musik, Theater, Tanz und Literatur. Höhepunkt ist das Offenbach-Festival PIFF PAFF PUFF im Geburtstagsmonat Juni mit weiteren zahlreichen Veranstaltung rund um die Musik von Jacques Offenbach. 

   IOCO wird die Premiere besuchen und berichten

Als einen Höhepunkt im 200. Geburtstagsjahr des in Köln aufgewachsenen Komponisten Jacques (Jakob) Offenbach präsentiert die Oper Köln die Neuproduktion von La Grande-Duchesse de Gérolstein (Die Großherzogin von Gerolstein).

 Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Jacques Offenbach Grab in Montmartre © IOCO

Diese Opéra-bouffe um die ominöse, aber in allen europäischen Hauptstädten bekannte Großherzogin – gesungen von der renommierten Mezzosopranistin Jennifer Larmore – verbindet in besonderem Maße all das, was den speziellen Reiz einer „Offenbachiade“ ausmacht: zündende Melodien, Rhythmus, Witz, Esprit, Biss und raffiniert kaschierte erotische Anzüglichkeiten.

Die musikalische Leitung hat GMD François-Xavier Roth inne, der sich aus Paris kommend in Köln erstmals mit einem Werk des in Köln und Paris beheimateten Komponisten Jacques Offenbach zuwendet – gemeinsam mit dem französischen Regie- Ausstattungs-Duo Renaud Doucet und André Barbe, das an der Oper Köln bereits mit »Arabella« und »Il matrimonio segreto« seine künstlerische Visitenkarte hinterlassen hat.
Die »Grande-Duchesse« oder Die Großherzogin von Gérolstein gibt gleichzeitig den Startschuss für „Piff, paff, puff – das Jacques-Offenbach-Festival im Jubiläumsjahr“. In über 30 Veranstaltungen feiert Köln seinen berühmten Sohn vom 9. bis 27. Juni 2019 mit Konzerten, Oper, Tanz, Straßentheater, Diskussionen und Lesungen.

Besetzung

Musikalische Leitung Francois-Xavier Roth, Inszenierung Renaud Doucet, Bühne & Kostüme André Barbe, Licht Andreas Grüter, Choreografie Cécile Chaduteau, Chorleitung Rustam Samedov, Dramaturgie Georg Kehren

Mit
Die Grossherzogin Jennifer Larmore, Wanda Emily Hindrichs, Fritz › Dino Lüthy
Baron Puck › Miljenko Turk, Prinz Paul › John Heuzenroeder, General Boum › Vincent Le Texier, Baron Grogg › Nicolas Legoux, Népomuc › Alexander Fedin, Iza › Menna Cazel
Charlotte › Regina Richter, Amélie › Marta Wryk
Chor der Oper Köln, Gürzenich-Orchester Köln

Premiere 9. Juni 2019  –  weitere Vorstellungen Mi, 12. Juni › 19:30 Uhr, Do, 20. Juni › 18:00 Uhr, So, 23. Juni › 16:00 Uhr, Mi, 26. Juni › 19:30 Uhr, Do, 4. Juli › 19:30 Uhr, So, 7. Juli › 18:00 Uhr, Mi, 10. Juli › 19:30 Uhr, Fr, 12. Juli › 19:30 Uhr (letzte Aufführung)

DIE KÖLNER OFFENBACH-GESELLSCHAFT
Die Kölner Offenbach-Gesellschaft ist ein gemeinnütziger Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, das Leben und Wirken von Jacques Offenbach stärker ins Bewusstsein der Stadt Köln und der Region zu rücken. Seit Dezember 2015 wächst die Gesellschaft, zu denen viele Kölner Persönlichkeiten wie die beiden Kölner Alt- Oberbürgermeister Jürgen Roters und Fritz Schramma zählen, stetig. Zurzeit organisiert und koordiniert die Kölner Offenbach-Gesellschaft das von ihr initiierte Offenbach-Jahr 2019.

—| Pressemeldung Oper Köln |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, IL MATRIMONIO SEGRETO – Domenico Cimarosa, IOCO Kritik, 22.10.2018

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

IL MATRIMONIO SEGRETO  –  Domenico Cimarosa

– Eine heimliche Ehe mit unheimlich viel Klamauk –

Von Ingo Hamacher

IL MATRIMONIO SEGRETO weist als Lustspieloper des Rokoko alles auf, was eine gute Komödie der damaligen Zeit ausmacht: Großspurige Neureiche, verarmter Adel, junge Liebende, ein liebestolles ältliches Fräulein, Verwechslungen, Mißverständnisse, Lauschen an Türen, Bündnisse und schließlich die Aufklärung, die alle vorausgegangenen Verzweiflungen in Wohlgefallen auflöst.

Inszeniert wurde das Ganze von Stefano Mazzonis di Pralafera, dem Intendanten der Opéra Royal de Wallonie-Liège, der alle Register zieht, was Inszenierungsfreude, Witz und Klamauk hergeben.

Il Matrimonio segreto – Domenico Cimarosa
Youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège
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Zu Beginn der Ouvertüre betreten zwei livrierte Lakeien die Bühne, entfachen mit ihren Lampenanzündern die Bühnenbeleuchtung und bestätigen uns gleichzeitig unsere Vermutung, das wir auch heute im Prachtsaal der Lütticher Oper eine traditionelle, in der Entstehungszeit der Oper angesiedelte Aufführung erleben werden.

Der junge russische Dirigent Ayrton Desimpelaere setzt die Schwerelosigkeit von Cimarosas Musik gut um und entführt uns mit dem Orchester der Royal Opéra in eine Welt des unbeschwerten, problemlosen Wohlklangs.Sobald sich der Vorhang hebt, sehen wir, wie sich im Hause des reichen Kaufmanns Geronimo das junge Ehepaar Carolina und Paolino hinter einem Paravent im Bett vergnügen. Der colloraturreiche Part der Carolina wird von der jungen elsässischen Sopranistin Céline Mellon gesungen, die auch bereits in der Mailänder Scala zu hören gewesen ist. Als jungen Ehemann Paolino erleben wir den italienischen Tenor Matteo Falcier der sein Hausdebut gibt.

Aus Angst vor Zurückweisung hatte der Kaufmannsgehilfe Paolino den Mut nicht gefunden, seinen Chef und jetzigen Schwiegervater um die Hand seiner Tochter zu bitten. Da die Liebe jedoch so groß war, dass man unmöglich noch länger hätte warten können, haben die beiden Verliebten heimlich geheiratet. Es wird jedoch noch bis zum Ende der Oper dauern, bis beide den Mut finden, dies der Familie zu offenbaren.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto - hier : Céline MELLON als Carolina und M. Falcier als Paolino © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto – hier : Céline MELLON als Carolina und M. Falcier als Paolino © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die bunten Kostüme und grell geschminkten Gesichter der Protagonisten weisen das Stück als dass aus, was es darstellen soll: Einen spritzigen, komischen und lebensfreudigen Unterhaltungsabend. Kein Gag wird ausgelassen. So verhebt sich die Dienerschar prompt an den zu transportierenden Sesselchen, worauf sie den Rest des Abends nur gebeugt mit schwerem Rückenleiden ihren weiteren Dienst versehen können. Nur einem gelingt es, die Blockade seines Rückrades zu durchbrechen und in die Senkrechte zurück zu finden, was aus dem Orchestergraben prompt mit einem knarzenden Gestöhn begleitet wird.

Den schier unermeßlichen Reichtum des schwerhörigen Kaufmanns Geronimo, wunderbar gespielt und gesungen vom belgischen Bariton Patrick Delcour, können wir unschwer an der Pracht seines Hauses erkennen, die einem Schloß in nichts nachsteht. Diesem Mann fehlt auf Erden nichts, außer vielleicht noch die Nobilitierung seines Hauses durch die Verheiratung seiner beiden Töchter Elisetta und Carolina mit Mitgliedern des Adels, wodurch sein Glück vervollständigt würde.

Und diese Gelegenheit biete sich in Form eines verarmten Adeligen, der auf diesem Wege hofft, seine finanziellen Schwierigkeiten zu überwinden. Als Ehemann für Geronimos älteste Tochter Elisetta vorgesehen, die ehrgeizigen Pläne des zukünftigen Schwiegervaters zu verwirklichen, reist der Conte Robinson mit Postkutsche und einem bühnenfüllenden Sammelsurium an Taschen, Koffern und dergleichen an. Das Spinett im Orchestergraben begleitet diesen spektakulären Auftritt mit Wagners Walkürenritt.

Dumm nur, dass der Conte Robinson, Mario Cassi, vor wenigen Wochen noch auf dieser Bühne in Verdis TROVATORE als Conte di Luna zu hören, sich auf den ersten Blick in die jüngere Tochter Carolina verliebt.

Man kann es ihm kaum verdenken. Die ältere Schwester Elisetta, Sophie Junker, eine 33 jährige bild- wie stimmschöne belgische Sopranistin, ist mit Hakennase und Hexenkinn ein Opfer des Masken- und Kostümbildners Fernand Ruiz geworden, der sich vermutlich in den Kulissen den Bauch vor Lachen hält.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto - hier : Sophie JUNKER alsElisetta, Annunziata VESTRI als Fidalma, Celine MELLON als Carolina © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto – hier : Sophie JUNKER alsElisetta, Annunziata VESTRI als Fidalma, Celine MELLON als Carolina © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Selbst auf die Hälfte der Mitgift will Conte Robinson verzichten, um die jüngere der beiden Schwestern heiraten zu dürfen. Und diesen Vorschlag soll ausgerechnet Paolino dem Herrn des Hauses überbringen. Vor Entsetzen fällt dieser erst einmal in Ohnmacht. Es wird noch einige Ohnmachten im Verlauf der Oper geben, schließlich spielt das Stück im Rokoko.

Es ist nicht leicht, Neid, Missgunst und Gezank der beiden Schwestern im Rahmen der Brautwerbung im Zaume zu halten. Aber auch wenn die Tante der Beiden, Fidalma, unverheiratete Schwester des Hausherren, alle Hände damit zu tun hat, fällt es ihr nicht schwer. Schließlich ist auch sie beflügelt von Liebesgefühlen, die dem jungen Gehilfen ihres Bruders gelten (Der ja schon verheiratet ist, was aber keiner weiß… Wir sehen eine Opera Buffa).

Die Rolle der Fidalma, Annunziata Vestri, ist mit dem italienischen Mezzosopran stimmlich ausgezeichnet, jedoch nicht ganz typgerecht besetzt. Vestri ist einfach zu jung, zu schlank und zu schön für die Rolle der Matrone Fidalma, so dass man oft den Eindruck hat, sie stünde als dritte Schwester der anderen Mädchen auf der Bühne.

Intrigen, Bündnisse und Missverständnisse steigern sich in schwindelerregende Höhen. Wechselnde Bühnenbilder (Jean-Guy Lecat), Beleuchtung: Franco Marri, führen uns durch das ganze Haus des Kaufmanns. Es scheint keine Lösung der Konflikte möglich; das Spinett intoniert Beethovens Schicksalssinfonie. Aus tiefer Verzweiflung planen Carolina und Paolino ihre nächtliche Flucht. Die an den Schlafzimmertüren lauschende Elisetta missinterpretiert die Männerstimme im Zimmer ihrer Schwester als die des ihr untreu werdenden Grafen: Sie bläst zum Skandal!!!

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto - hier : Matrimonio - Celine MELLON als Carolina und Mario CASSI als Conte Robinson © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Il Matrimonio segreto – hier : Matrimonio – Celine MELLON als Carolina und Mario CASSI als Conte Robinson © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die Herbeigeeilten werden Zeuge des Auftritts der Frischvermählten, die nun auch nicht länger die Wahrheit verschweigen wollen.

Elisetta darf die entstellende Gesichtsmaske ablegen und findet in ihrer nun erkennbaren zauberhaften Erscheinung umgehend das Wohlwollen des Conte Robinson, der sie jetzt natürlich sehr gerne heiraten möchte. Signor Geronimo verzeiht allen, und Tante Fidalma geht leer aus. Auch das Opernleben kann ungerecht sein.

In der abschließenden Ensemblenummer reißen sich dann noch alle Beteiligten die Kleider vom Leib und stehen in den Trikots der belgischen Nationalmannschaft auf der Bühne.  Großer Jubel.

Das Publikum ist mehr als zufrieden.Stimmlich und musikalisch eine äußerst gelungene Aufführung. Frenetischer Beifall mit rhythmischem Klatschen für alle Beteiligten nach einem vergnüglichen Opernabend.

Opéra Royal de Wallonie-Liège – Il Matrimonio segreto:  weitere Vorstellungen am 21.10.; 23.10.; 25.10.; 27.10.2018

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Lièg |—