Ludwigsburg, Ludwigsburger Schlossfestspiele, Motto 2019: ALLES AUF ANFANG, 09.05. – 20.07.2019

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Ludwigsburger Schlossfestspiele

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

Ludwigsburger Festspiele / Klassik Open Air & Feuerwerk © REINER PFISTERER

  DIE LUDWIGSBURGER SCHLOSSFESTSPIELE 2019

»ALLES AUF ANFANG«

Mit einem letzten »Fest der Interpreten« beendet Thomas Wördehoff 2019 nach zehn Jahren seine Intendanz bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Thomas Woerdehoff © Reiner Pfisterer

Vom 9. Mai bis 20. Juli bietet das Festspielprogramm unter dem Motto Alles auf Anfang zahlreiche Gelegenheiten, Musik so zu erleben, als würde man sie zum ersten Mal hören. Solisten und Ensembles von Weltrang tragen dazu ebenso bei, wie neu zu entdeckende Interpreten und musikalische Wegbegleiter der Festspiele aus den letzten zehn Jahren: Camille Bertault, The Erlkings, Isabelle Faust, die Musicbanda Franui, Katia und Marielle Labèque, Harald Lesch, Valer  Sabadus, Frank Peter Zimmermann und natürlich das Orchester der Schlossfestspiele unter Pietari Inkinen sind nur einige der Interpreten, die bei knapp 60 Konzerten neue Blickwinkel auf die Musik eröffnen.

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Ludwigsburger Festspiele / Igor Levit ©ROBBIE LAWRENCE

Pietari Inkinen feiert 2019 ein kleines Jubiläum bei den Schlossfestspielen: Es ist die fünfte Saison des Finnen als Chefdirigent des Festspielorchesters. Die traditionelle Rede zum Eröffnungskonzert (9. Mai) wird der Pianist Igor Levit halten. Als bekennender Europäer bezieht er immer wieder Position zu gesellschaftlichen Themen. Musik, sagt er, könne man nicht im politikfreien Raum machen – ein unmissverständlicher Ausgangspunkt seiner Eröffnungsrede für die Saison 2019. Musikalisch beginnt die Spielzeit mit Dmitri Schostakowitschs 13. Sinfonie Babi Jar für Orchester, Basssolo und Männerchor – einem  klanggewaltigen Fanal gegen das Vergessen.

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Ludwigsburger Festspiele / Rene Pape © Jiyang Chen

Als Solist wird René Pape im Forum am Schlosspark zu erleben sein, der die Solopartie dieses beeindruckenden Werkes eigens für das Eröffnungskonzert einstudiert. Mit dem finnischen Männerchor Ylioppilaskunnan Laulajat steht Pape und dem Orchester der Schlossfestspiele einer der besten Männerchöre überhaupt zur Seite. Ein »Orchester mit Flügeln« (28. Juni) präsentieren die Schlossfestspiele mit den Schwestern Katia und Marielle Labèque, die in Ludwigsburg Bryce Dessners eigens für sie komponiertes Konzert für zwei Klaviere aufführen. Das Stück wird umrahmt von Béla Bartóks virtuosem Konzert für Orchester und John AdamsThe Chairman Dances. Das diesjährige Klassik Open Air & Feuerwerk (13. Juli) feiert unter dem Titel »Viva Europa!« die Europäische Idee mit Werken, die von Städten, Landschaften und Flüssen Europas inspiriert sind. Mit dem Abschlusskonzert (20. Juli) endet die Festspielsaison 2019 in Ludwigsburg. Thomas Wördehoff nimmt dies zum Anlass, gemäß des Saison-Mottos Alles auf Anfang, das klassische Konzertformat noch ein letztes Mal neu aufzurollen: Igor Levit und Thomas Gansch kommen zu diesem Finale erstmalig zusammen, um mit dem Orchester der Schlossfestspiele Dmitri Schostakowitschs Konzert für Klavier und Trompete zu spielen.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nora Fischer © Sarah Wijzenbeek

Die Sängerin Nora Fischer und der Gitarrist Marnix Dorrestein holen Kompositionen des 17. Jahrhunderts ins Hier und Jetzt und auch Fans der Band Mnozil Brass dürfen sich auf diesen ungewöhnlichen Konzertabend freuen, der noch einige Überraschungen bereithält.

Bei der diesjährigen Song Conversation treffen die französische Scat-Virtuosin Camille Bertault, der Pianist David Helbock und der Trompeter Médéric Collignon erstmalig aufeinander. Man darf gespannt sein, welche musikalischen Wege die drei experi-mentierfreudigen Musiker einschlagen, um sich bekannte Songs zu eigen zu machen.

Gleich zwei Veranstaltungen in dieser Saison rücken die Barockmusik in aktuelle Kontexte und eröffnen einen neuen Blick auf die alten Kompositionen. Beim Konzert Der Überseewanderer (30. Juni) stellen Reinhold Friedrich und das Blechbläserensemble der Ludwigsburger Schlossfestspiele Werke des Hochbarocks den westafrikanischen Klängen von Ngoni-Spieler Bassekou Kouyaté und der Sängerin Amy Sacko gegenüber. Einen neuen Blick auf die Musik eröffnen die Texte von Franz Daniel Pastorius, dem ersten deutschen Siedler in Amerika, der sich bereits 1688 öffentlich für die Gleichbehandlung der indigenen Bevölkerung und der afrikanischen Sklaven einsetzte und dessen Worte aus heutiger Sicht eine überraschende Aktualität aufweisen.

Für »Antonio Vivaldis Vier Jahreszeiten im Klimawande (6. & 7. Juli) haben sich das Merlin Ensemble Wien und Harald Lesch zusammengetan. Lesch, der immer wieder öffentlich Position zum fortschreitenden Klimawandel bezieht, ist der perfekte Erzähler für das Konzert, bei dem Vivaldis Die vier Jahreszeiten im Zusammenspiel mit historischen und aktuellen Wetterberichten in einen neuen Kontext gestellt werden.

Mit seinen melodischen Improvisationen lässt Fred Hersch (12. Mai) bei seinem Schlossfestspieldebüt gekonnt die Grenzen zwischen Klassik und Jazz verschwimmen. Otto Lechner & Sväng (30. Mai) gestalten mit Akkordeon und vier Mundharmonikas einen Abend zwischen Improvisation, Volksmusik und Tangomelodien. Gleich zwei Konzerte finden in dieser Saison erstmalig in Kooperation mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach statt: Das Berliner Kabarett-Duo Pigor & Eichhorn (15. Mai) präsentiert sein mehrfach ausgezeichnetes Programm »Volumen 9«, während The Erlkings und der Stihl Chor (6. Juni) mit englischen Interpretationen eine neue Seite des romantischen Liedguts beleuchten. Mit Schuberts Die schöne Müllerin (5. Juli) kommen die Erlkings einen Monat später in die Historische Kelter Bietigheim. In Höllenvisionen (29. Mai) berichtet der meisterhafte Stehgreiferzähler Michael Köhlmeier gemeinsam mit den Posaunisten Leonhard Paul und Bertl Mütter von den Mythen der Unterwelt. Norbert Lammert widmet sich dem gesprochenen Wort als Präzisionsinstrument: Die Lesung Am Anfang war das Wort (7. Juli) dreht sich um die wirkungskräftigen Anfänge großer Texte.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Christiane Karg © Gisela-Schenker

Der gefeierte Countertenor Valer Sabadus und die Akademie für Alte Musik Berlin (2. Juni) versehen barocke Arien der antiken Helden mit leidenschaftlichen Empfindungen. Christiane Karg, Antoine Tamestit und Malcolm Martineau (29. Juni) gestalten einen Liederabend rund um Lyrikvertonungen von der Romantik bis in die Moderne. Bariton Holger Falk und Pianist Steffen Schleiermacher präsentieren das Programm »Hanns Eisler: Ein deutsches Leben in Liedern« (10. Juli), für dessen Einspielung sie mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet wurden. Arianna Savall und das Ensemble Hirundo Maris bringen Gesänge vom Süden und Norden (11. Juli) mit nach Ludwigsburg.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Valer Sabadus © Christine-Schneider

Carl Maria von Webers Der Freischütz (12. & 14. Juli) wird in einer neuen Inszenierung zu erleben sein – aus der Perspektive eines jungen französischen Teams. Markenzeichen der Regisseure Clément Debailleul und Raphaël Navarro, die als gelernte Zauberkünstler bereits für den Cirque du Soleil tätig waren, ist die Magie Nouvelle. Mit visueller Magie und Hologrammtechnik legen die beiden das Augenmerk der Produktion auf die düstere Seite der Oper: Auf die ungreifbaren Ängste, welche die Figuren antreiben und die übernatürlichen Kräfte, welche die Regeln und Rituale der Jagdgemeinschaft bestimmen.

Rebecca Carrington und Colin Brown haben mit Turnadot (23., 24. & 25. Mai) im Auftrag der Schlossfestspiele die kleinste Operette der Welt kreiert. Deren Protagonisten bringen zwischen britischen Befindlichkeiten und Brexit-Chaos eine Aufführung von Puccinis Turandot gehörig durcheinander. Die Maskenspieler der Berliner Familie Flöz und die Tiroler Musicbanda Franui haben erstmalig zusammengearbeitet. Die gemeinsam entwickelte Liederoper »Himmelerde« (4. & 5. Juni) greift die romantische Gefühlswelt der Lieder von Schubert, Schumann und Mahler auf, die in den volksmusikalischen Arrangements von Franui nahbar und natürlich werden. Für die Vorstellungen von »Turnadot« und »Himmelerde« sind nur noch Restkarten verfügbar.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein - Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Ballett am Rhein – Symphonie g-Moll (Mozart) ch: Martin Schläpfer d.und K. Florian Etti © GERT WEIGELT

Das Ballett am Rhein (15. Juni) bereichert das Festspielprogramm mit zeitgenössischen Choreografien von Mark Morris und Martin Schläpfer. Steven Prengels und Arno Synaeve bringen mit »Berg« (4. & 5. Juli) ein musikalisch wie visuell eindrückliches Musiktheaterstück mit ins Schlosstheater, basierend auf Thomas Manns Zauberberg«und der anspruchsvollen Klangwelt Richard Wagners.

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Nemanja Radulovic © Lukas Rotter / Deutsche Grammophon

[ Von Nemanja Radulovic wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht ]

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Ludwigsburger Schlossfestspiele / Laure Favre-Kahn © Emmanuel Donny

Der Serbische Geiger Nemanja Radulovic und die französische Pianistin Laure Favre-Kahn (18. Mai) schlagen im Porsche Museum einen Bogen von der Musik der Romantik bis zum französischen Impressionismus. Die beiden befreundeten Musiker Gautier Capuçon & Jean-Yves Thibaudet (7. Juni) widmen sich gemeinsam Cellosonaten von Debussy, Brahms und Rachmaninow. Mit Klaviertrios Ludwig van Beethovens kommen Faust, Queyras & Melnikov (13. Juni) in den Ordenssaal. Neben diesem Kammermusikabend ist die Geigerin Isabelle Faust in dieser Saison auch mit dem Kammerorchester Basel (26. Mai) im Forum am Schlosspark zu erleben. Frank Peter Zimmermann und Martin Helmchen (17. Juli) setzen bei ihrem Festspiel-Debüt mit Sonaten für Violine und Klavier neue Maßstäbe in der Beethoven-Interpretation. Der Pianist Igor Levit (18. Juli) kann bei seinem Recital mit Werken von Gustav Mahler und Franz Liszt als Solokünstler erlebt werden.

—| Pressemeldung Ludwigsburger Schlossfestspiele |—

Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit – Citizen.European.Pianist, IOCO Kritik, 08.12.2018

Dezember 8, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Konzert, Kritiken, Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Igor Levit – Citizen.European.Pianist.

 Bach, Brahms, Busoni, Schumann, Liszt, Wagner

Von Albrecht Schneider

Soll die Kunst einzig um sich selbst kreisen, soll sie lediglich vom Parnass aufs Weltgetriebe herabblicken, ohne sich tief unten mit ihm gemein zu machen? Oder ist sie als dessen Kind auch zur Kommunikation, welcher Art immer, mit ihm angehalten?

Tut sie das und erhebt gelegentlich ihre Stimme, öffnen sich dafür die Ohren der Öffentlichkeit proportional zum Grad der Prominenz derjenigen, die laut wurden. Ansehen und Erfolg der Künstler/Innen jeder Gattung suggerieren dem Publikum aus ihnen spräche tiefere Einsicht in das Wesen von Mensch und Ding, in die Kunst ohnehin, obendrein auch in die Res publica. Andererseits schließen sich Künstlertum und allgemeine wie spezielle Borniertheit nicht unbedingt aus.

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Intendant Michael Becker und Igor Levit © IOCO

Nun sind die Musenkinder ob ihres Status keineswegs zur Einmischung in die aktuellen gesellschaftsrelevanten Diskurse aufgerufen oder gar verpflichtet. Somit bleibt eben die Mehrzahl stumm, manche wären besser stumm geblieben, während manche dann ihren Auftritt haben und sich hören lassen, sobald Frau und Mann ob ihres Andersseins, ihrer Fremdheit, ihres Denkens verachtet, verletzt und verfolgt werden und der Verteidigung bedürfen.

Igor Levit, der Pianist von Weltruf, ist nicht einzig an seinem Instrument ein Phänomen. Nicht minder ausdrucksvoll äußert sich mit ihm ein Citoyen, der nicht im Schutze des aufgeklappten Flügels sein Handwerk betreibt, sondern einer, der das Podium zum Podest macht und von dem herab Staat und Bürger wider predigende und handelnde Verfassungsverächter vernehmbar verteidigt.

Er eröffnete sein Solokonzert in der Düsseldorfer Tonhalle mit der Chaconne aus der Partita für Violine Solo, BWV 1004. Unter deren Klaviertranskriptionen wurde von ihm nicht jene bekanntere und pompösere von Ferruccio Busoni gewählt, sondern die des Johannes Brahms. Ausschließlich für die linke Hand gesetzt, geriet deshalb das Stück nicht zur bloßen Fingerübung, sondern Levit feierte dessen Versponnenheit und Wehmut und Grandezza, aber genauso dessen Spiellust und barocken Glanz, den es gerade durch die Umsetzung auf das moderne Tasteninstrument zusätzlich gewinnt. Nur anfangs mochte die rechte Hand arbeitslos auf dem Klavierschemelrand liegen bleiben, nach einer Weile bewegte sie sich hin zur Klaviatur, als wolle sie mit vorsichtigem Schwingen die Kollegin ermutigen. Ein Beistand, den diese nicht benötigte. Als Solistin forderte sie kraftvoll und eindrücklich dem Steinway den kunstvollen Tanz in seiner klanglichen Verschiedenheit und mit dem hämmernden Ostinatobass ab. Am Ende sorgt man sich ganz nüchtern um den Zustand der linkshändigen Finger des Pianisten.

Die ersten Tastenversuche des dreijährigen Igor verliefen unter Anleitung seiner Mutter, eine Klavierpädagogin und Korrepetitorin, noch daheim in Nischni Nowgorod. Mit neun Jahren, 1995, emigrierte der Bub mit seiner russisch – jüdischen Familie nach Hannover, an deren Hochschule für Musik, Theater und Medien, ausgenommen das Jahr am Mozarteum Salzburg, der Jüngling studierte bis zum Konzertexamen 2010. Das gipfelte in einer fulminanten Darbietung von Beethovens Diabellivariationen-.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit © IOCO

Igor Levit sieht sich um nichts in der Welt als einen reisenden, für das profane politische Geschäft blinden Virtuosen, vielmehr als einen Künstler, der die Rechte der Stücke gleichermaßen vertreten will und wird wie die derjenigen Menschen, denen man sie allenthalben vorenthält. Sein Ton, der klingende wie der gesprochene, ist der eines in der Gesellschaft engagierten und darum mit ihr diskutierenden Individuums.

Als nächstes auf dem Programm stand neuerlich der Leipziger Kantor. Aus einigen seiner Choralvorspiele und Choralpartiten hat Ferruccio Busoni seine Fantasie nach J. S. Bach gestaltet. Das ist eine in sich gekehrte, nahezu medidative Musik, die der Komponist kurz nach dem Tode des Vaters niederschrieb. Leid färbt das Stück. Die Choräle sind eingebettet in zerfließende sanfte, auch den barocken Gestus aufgreifende und mitunter posaunenhafte Klänge, aber die trauernde Fantasie löst sich zum Schluss auf in leise, schier kraftlose dunkle Akkorde. Levit lässt den lauten wie leisen Klagen ihren Lauf.

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Robert Schumann Bueste © IOCO

An die drei großen B, Bach, Brahms und Busoni schlossen sich die Variationen Es–Dur über ein eigenes Thema von Robert Schumann an. Sie tragen den von wem immer angehefteten Namen Geistervariationen, da der bereits sehr kranke, von Dämonen und Geistern sich verfolgt wähnende Komponist behauptete, Engelsstimmen hätten ihm das Thema eingegeben. Wie der mit der Schumannfamilie eng verbundene Johannes Brahms bekundete, sei dies dessen letzter musikalischer Gedanke vor dem definitiven Zusammenbruch gewesen. Brahms hat ihn später in seinen Klaviervariationen op. 23 verwandt.

Die Eröffnung, also die Vorstellung dieser musikalischen >Eingebung< umfasst 28 Takte, von denen die letzten zwölf bereits als Variante der ersten sechzehn daherkommen und zudem wiederholt werden. Das Ganze hat nichts Himmlisches an sich es, es ist schlicht poetisch, fast volksliedhaft, und in dem Wissen um die Entstehungsgeschichte mag es sogar resignativ, wie eine Verabschiedung der Musik wirken. Auch in den folgenden fünf Variationen, von denen einige dem gemessenen Tempo der Ursprungsmelodie ein lebhafteres vorziehen, verharrt die wehmütige Stimmung. Der Pianist beließ dem Stück seinen Charakter, keine Milderung, keine Betonung, er spielte es so intensiv, als würde es den eigenen Gemütszustand spiegeln.

Bereits früh hat Igor Levit öffentlich zu konzertieren begonnen und damals wie später Preise und Ehrungen zuhauf eingeheimst. Als sogenannter >Starpianist< konnte er folglich bloß von einem >Kritikerpabst< wie Joachim Kaiser die höheren Weihen erhalten. Die Salbung bestand in dessen Äußerung (so die Legende), seit er (K.) ihn (L.) die Diabellivariationen habe spielen hören, habe für ihn beinahe ein neues Leben angefangen. Eine Art Kanonisierung für einen Künstler, der sich freilich im Tempelinneren der Kunst niemals mit dem Nachdenken über ihr ästhetisches Wesen begnügt, sondern der die Musik auf eine Weise zum Klingen bringt, die seine Wahrnehmung des profanen Draußen reflektiert.

Am 25. Januar 1878, mitten in der Komposition des Parsifal, meinte Richard Wagner lachend zu Ehefrau Cosima, die das in ihrem Tagebuch überliefert (Zitat): „Ich werde nun bald meine Monsieurs mit dem Radetzkymarsch ablatschen lassen.“ Gemeint ist mit der, von der Gattin wahrscheinlich kaum goutierten plebejischen Bemerkung, der Marsch der Gralsritter gegen Ende des ersten Aktes.
Franz Liszt hat sich seiner bemächtigt, und daraus ist mehr geworden als eine seiner zahlreichen Paraphrasen der Glanznummern aus populären Opern der Zeitgenossen. Dessen Feierlicher Marsch zum Heiligen Gral aus Parsifal leitete den zweiten Teil von Igor Levits Soloabend ein.

Mit getragenen, balsamisch einlullenden und vehement aufbrausendem Klängen inszenierte er gleichsam akustisch, und für diejenigen Zuhörer, die sich der Szene erinnern, womöglich sogar bildlich, das von Glockenschlägen grundierte Schreiten der Männergesellschaft, die umstehenden klagenden, die in Mitleid oder Ehrfurcht erstarrten Protagonisten sowie die engelsgleiche Stimme aus der Höhe. Das ist schon grandioses Konzertieren, mit dem, und hierhin scheint der obschon reichlich fadenscheinige Begriff zu passen, ein pianistisches Tongemälde entworfen wurde. Igor Levit, eine grazile Erscheinung in dunkelgrauem Shirt und gleichfarbiger Hose, verbeugt sich flüchtig, begibt sich an den Flügel, setzt sich auf den Hocker, ein kurzer Moment der Konzentration und er beginnt zu spielen. Sofern nicht nach dem ersten Takt ein Gegenstand im Publikum scheppernd zu Boden fällt. Er bricht jäh ab, und vor dem zweiten Einsatz geht sein kurzer mahnender Blick in nämliche Richtung.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit und Dr. Sommer-Sorgente im Interview © IOCO

Mit Franz Liszts Fantasie und Fuge über den Choral: Ad nos, ad salutarem undam hat der Mann am Flügel, salopp gesprochen, alle Hände voll zu tun. Das originale, für Orgel geschriebene und eine halbe Stunde dauernde Werk hat wiederum Ferruccio Busoni frei für das Klavier eingerichtet. Zugrunde liegt ihm der gleichnamige Choral der Wiedertäufer aus Giacomo Meyerbeers heute selten aufgeführter, seinerzeit indessen gefeierter Oper: Der Prophet. Dem Opus sind alle Temperamente wie Seelenlagen einverleibt, bei ihm muss der Pianist sich einen Weg bahnen durch das Konvolut der Töne aller Stärken und Farben, er wandert gewissermaßen vom Himmel durch die Welt zur Hölle. Allerdings auch wieder zurück, nachdem er und der Flügel auf das Extremste gefordert wurden. Die Wanderung verlangt, neben einem gewissen Virtuosentum in Lisztscher wie Busonischer Manier, die spirituelle Fähigkeit zur Wahrnehmung und Wiedergabe der komplexen Textur einer solchen spätromantischen Komposition, damit trotz allen gelegentlichen Überschwangs und >Getöses< deren musikalischer Kosmos für das Publikum durchhörbar und somit verständlich gerät. Der Beherrscher aller Tasten – und eben sein Instrument! – beide bewältigten an dem Abend solche herkulische Aufgabe kongenial.

Am Ende applaudierte das Publikum enthusiastisch, es war vernehmbar angetan von Igor Levits Präsentation eines Programms, das sich abhob von dem gängigen anderer Star- und Jahrhundertpianisten. Graduierungen dieser Art sind heutzutage das unabwendbare Schicksal eines großen Künstlers, dessen intelligentes Erfassen wie dementsprechend emphatische Darbietung der Partituren ein Düsseldorfer Publikum jederzeit wahrnahm und würdigte: es entließ ihn nach der Wiedergabe zweier Kinderszenen aus Robert Schumanns op.15. Sie klangen, als ob die Musik erschöpft ausatme.

—| IOCO Kritik Tonhalle Düsseldorf |—

Schwarzenberg, Schubertiade, Konzerte, Igor Levit, Th. Quasthoff, 28. – 30. August 2017

August 25, 2017 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Schubertiade

Schubertiade

Schubertiade / Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal (Vorplatz) © Schubertiade

Schubertiade / Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal (Vorplatz) © Schubertiade

Schubertiade / Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal (Vorplatz) © Schubertia

Schubertiade-Konzerte – 28. – 30. August 2017

Die idyllische Gemeinde Schwarzenberg im Bregenzerwald – seit 1994 ein Ziel der beliebten »Landpartien« – 2001 zum Hauptschauplatz der Schubertiade zu machen, wurde durch eine Erweiterung und grundlegende Renovierung des Angelika-Kauffmann-Saals ermöglicht.

Der in schlichter Holzbauweise errichtete Saal mit rund 600 Sitzplätzen besticht nicht nur durch seine einzigartige Lage inmitten einer beschaulichen Wiesen- und Berglandschaft, sondern bietet auch perfekte akustische Bedingungen, die Künstler und Publikum gleichermaßen ins Schwärmen bringen und von der internationalen Presse mit zahlreichen Superlativen bedacht wurden. So zählte ihn die Frankfurter Allgemeine Zeitung – zusammen mit dem Mozart-Saal des Wiener Konzerthauses und dem Salzburger Mozarteum – zu den drei besten Kammermusiksälen Österreichs, während die Die Welt  ihn mit der Londoner Wigmore Hall verglich.

Die bescheidene Eleganz des Gebäudes bedeutet jedoch keinen Verzicht auf Komfort: das weitläufige Foyer, die großzügig angelegte, überdachte Terrasse, die neu installierte Lüftungsanlage sowie ein Aufzug für behindertengerechten Zugang erfüllen alle Anforderungen an einen modernen, publikumsfreundlichen Konzertbetrieb.

Traditionell treffen sich die Besucher schon lange vor Konzertbeginn, um die Aussicht zu genießen, am Buffet eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen oder sich bei Gesprächen und einem Rundgang durch die Ausstellungsräume auf den bevorstehenden Musikgenuss einzustimmen. Mit der Darbietung kurzer Schubert-Duette signalisieren zwei Hornisten den Gästen, ihre Plätze einzunehmen.


Montag, 28. August  –  10.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Meisterkurs  Thomas Quasthoff und Justus Zeyen

Nach fast vier Jahrzehnten hat Thomas Quasthoff Anfang 2012 seine beispiellose Karriere als Bariton beendet. Dem Gesang bleibt er jedoch weiterhin verbunden, sei es als Rezitator, Sprecher, Jazz-Sänger oder Pädagoge. In seinem Meisterkurs für Liedgesang arbeitet Thomas Quasthoff mit jungen Künstlern an den technischen und interpretatorischen Feinheiten des klassischen Liedgesangs. Für die Betreuung der Pianisten zeichnet Justus Zeyen zuständig.  (General- und Tageskarten erhältlich)

16.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Kammerkonzert  –  Emerson String Quartet
Mehr als 40 Jahre gemeinsames Musizieren und eine Weltkarriere, wie es sie im Kammermusikbereich nur selten gibt: dem amerikanischen Emerson String Quartet ist es gelungen, sich einen Platz in der ersten Reihe der Streichquartette zu erspielen. Bei der diesjährigen Schubertiade ist das u. a. mit neun „Grammy Awards“ ausgezeichnete Ensemble mit zwei Konzerten zu Gast, in denen Beethovens späte Streichquartette aufgeführt werden. Heute stehen die Werke in Es-Dur op. 127, F-Dur op. 135 und cis-Moll op. 131 auf dem Programm.
(Ausverkauft)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Klavierabend  –  Igor Levit   Klavier
Igor Levit setzt Maßstäbe in der Welt der Klassischen Musik als „einer der eindringlichsten, intelligentesten und fein gebildetsten Künstler der neuen Generation“ (New York Times) und wurde von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bereits 2010 als „einer der großen Pianisten dieses Jahrhunderts“ gefeiert. Seit seinem Debüt 2011 ist der Künstler der Schubertiade mit mehreren Auftritten pro Saison eng verbunden und auch heuer in Schwarzenberg an zwei Abenden zu erleben. Heute Abend spielt er Franz Schuberts Allegretto c-Moll und die Sonate A-Dur (D 959) sowie Beethovens „Eroica-Variationen“.
(Ausverkauft)


Dienstag, 29. August,  10.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Meisterkurs Thomas Quasthoff und Justus Zeyen (Tageskarten erhältlich)

16.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Kammerkonzert
Paul Meyer Klarinette, Marco Postinghel Fagott, Alejandro Núñez Horn, Baiba Skride Violine, Gergana Gergova Violine, Veronika Hagen Viola, Clemens Hagen Violoncello
Roberto di Ronza Kontrabaß

Das zweite groß und prominent besetzte Kammerkonzert der aktuellen Schubertiade-Konzertreihe ist – wie könnte es anders sein – Schuberts Oktett gewidmet. Vor der Pause erklingt das Streichquintett von Antonín Dvorak. (Ausverkauft)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

LiederabendVioleta Urmana Mezzosopran, Helmut Deutsch Klavier
Violeta Urmana wurde in Litauen geboren und gilt heute als eine der führenden Sängerinnen im italienischen und deutschen Fach. Sie ist ständiger Gast an den berühmtesten Opernhäusern der Welt, ist aber auch eine vielbewunderte Liedsängerin und war schon oft mit großem Erfolg in Schwarzenberg zu erleben. Bei ihrem heutigen Liederabend präsentiert sie ein Programm mit ausgewählten Liedern von Schubert, den „Rückert-Liedern“ von Mahler sowie Liedern von Richard Strauss. Am Klavier begleitet sie Helmut Deutsch.
(Restkarten)


Mittwoch, 30. August  10.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Meisterkurs  Thomas Quasthoff und Justus Zeyen
(Tageskarten erhältlich)

16.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Liederabend  –  Marlis Petersen Sopran, Camillo Radicke Klavier, Paul Meyer Klarinette
Die deutsche Sopranistin Marlis Petersen begeistert weltweit an allen bedeutenden Häusern in allen Rollen, die sie auf der Opernbühne darstellt, und auch im Liedgesang vermag sie es, das Publikum mit ihrer Präsenz und leuchtenden Stimme restlos einzunehmen. Bei ihrem heutigen Liederabend präsentiert die Sopranistin ein Programm mit Werken von Schumann, Strauss und Schubert, darunter auch „Der Hirt auf dem Felsen“ mit Paul Meyer (Klarinette). Am Klavier begleitet Camillo Radicke.
(Restkarten)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal,

Kammerkonzert-  Emerson String Quartet
Das Emerson String Quartet, benannt nach dem amerikanischen Philosophen Ralph Waldo Emerson, gehört zu den weltweit führenden Streichquartetten. 1976 an der Juilliard School in Manhatten gegründet, feierte es kürzlich sein 40jähriges Bühnenjubiläum und hat im Lauf seiner Karriere über 30 preisgekrönte CDs aufgenommen. Bei ihrem zweiten Auftritt bei der diesjährigen Schubertiade werden zwei der letzten Streichquartette von Ludwig van Beethoven aufgeführt: jenes in a-Moll, op. 132, und in B-Dur, op. 130 (mit der „Großen Fuge“ als Finale).,  (Ausverkauft).  PM Schubertiade

 

 

Schwarzenberg, Schubertiade, Spielplan 26. – 28.August 2016

August 24, 2016 by  
Filed under Pressemeldung, Schubertiade, Schubertiade, Spielpläne

Schubertiade-Logo2016

Schubertiade

Konzerthinweise zu den Veranstaltungen der SCHUBERTIADE SCHWARZENBERG vom 23. – 25. August:

Schubertiade / Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal (Vorplatz) © Schubertiade

Schubertiade / Schwarzenberg, Angelika-Kauffmann-Saal (Vorplatz) © Schubertiade

 

Konzerthinweise zu den Veranstaltungen der SCHUBERTIADE SCHWARZENBERG vom 26. – 28. August:

Freitag, 26. August

16.00, Angelika-Kauffmann-Saal, Liederabend
Julia Kleiter Sopran
Michael Gees Klavier
Auch Julia Kleiter wirkt an der Gesamtaufführung aller Schubert-Lieder bei der Schubertiade mit. Im Zentrum ihres Programms stehen Stücke, die Schubert auf Naturlyrik von Dichtern wie Friedrich von Schlegel, Johann Mayrhofer oder Friedrich Matthisson komponiert hat. Die Sopranistin, die dieses Jahr bei den Salzburger Festspielen als Fiordiligi in „Così fan tutte“ gefeiert wurde, begeistert Publikum und Presse auf der Opernbühne und dem Konzertpodium mit ihrer Gestaltungskunst und warmen lyrischen Stimme. Mit Michael Gees steht ihr ein Pianist zur Seite, der für seine Entdeckungsfreude bekannt ist.
(Karten erhältlich)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Liederabend
Ian Bostridge Tenor
Julius Drake Klavier
Ian Bostridge, seit vielen Jahren regelmäßig bei der Schubertiade zu Gast, zählt zu den gefragtesten Liedsängern der Gegenwart und ist besonders als Schubert-Interpret bekannt. Dem Schwarzenberger Publikum präsentiert er heute im Rahmen des Jubiläums-Zyklus ebenfalls ein reines Schubert-Programm, das neben berühmten Stücken wie „Viola“ oder „An die Musik“ auch für Kenner einige spannende Lied-Entdeckungen bereithält. Am Klavier begleitet wird er von Julius Drake, einem der besten Liedpianisten von heute.
(Ausverkauft)


Samstag, 27. August

11.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Kammerkonzert
Mandelring Quartett
Der Gewinn wichtiger Wettbewerbe in München, Evian und Reggio Emilia ebnete für das Mandelring Quartett den Weg zur großen internationalen Karriere, die das Ensemble in Konzertsäle auf der ganzen Welt geführt hat. Mit dem heutigen Konzert kehren die gefeierten Musiker nach ihrem höchst erfolgreichen Schubertiade-Debüt 2014 nach Schwarzenberg zurück und haben ein vielseitiges Programm mit Werken von Joseph Haydn und Maurice Ravel sowie Franz Schuberts G-Dur-Quartett mitgebracht.
(Ausverkauft)

16.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Liederabend
Christina Landshamer Sopran
Maximilian Schmitt Tenor
Gerold Huber Klavier
Zwei hervorragende Sänger der jungen Generation interpretieren dieses besondere Schubert-Programm. Gemeinsam mit Gerold Huber führen Christina Landshamer und Maximilian Schmitt das „Liederalbum für Therese Grob“ auf – eine bunte Liedersammlung mit speziellen Fassungen, die von Schubert selbst erstellt wurde. Im zweiten Teil des Programms folgen Liedzusammenstellungen von Schubert für seine Verleger, darunter die humorvollen „Vier Refrainlieder“ und bekannte Stücke wie „Am Tage Aller Seelen“ oder „Du bist die Ruh“.
(Karten erhältlich)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Klavierabend
Igor Levit
Mit dem heutigen Soloprogramm schließt Igor Levit seinen 2013 begonnenen, achtteiligen Zyklus sämtlicher Klaviersonaten Beethovens bei der Schubertiade in Hohenems und Schwarzenberg ab. Zu hören sind die Sonaten op. 109-111, Beethovens letzte drei Werke jener Gattung, die der Komponist revolutioniert und auf eine neue Ebene gehoben hat. Das Konzert findet ohne Pause statt.
(Ausverkauft)


Sonntag, 28. August

11.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Kammerkonzert
Isabelle Faust Violine
Jean-Guihen Queyras Violoncello
Alexander Melnikov Klavier
Isabelle Faust, Jean-Guihen Queyras und Alexander Melnikov bilden ein festes Trio, das für seine Konzerte und CD-Aufnahmen allseits gefeiert wird. Während die deutsche Geigerin und der französische Cellist schon früher bei der Schubertiade zu erleben waren, gibt der russische Pianist sein Festival-Debüt in Schwarzenberg. Auf dem Programm stehen Klaviertrios von Haydn und Schumann sowie Schuberts beliebtes Es-Dur-Trio.
(Ausverkauft)

16.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Klavierabend
Mauro Peter Tenor
Helmut Deutsch Klavier
Seit seinem sensationellen Schubertiade-Debüt 2012 mit der „Schönen Müllerin“ ist der Schweizer Tenor Mauro Peter, der fest am Opernhaus Zürich engagiert ist und u.a. in Paris, Wien und München gastiert, der Schubertiade durch zahlreiche Auftritte eng verbunden. Mit seinem ständigen Klavierpartner Helmut Deutsch präsentiert er heute denselben Liederzyklus – eine spannende Gelegenheit für das Publikum, die Entwicklung des Sängers zu beobachten.
(Karten erhältlich laut Kartenbüro)

20.00 Uhr, Angelika-Kauffmann-Saal, Liederabend
Gerald Finley Bariton
Julius Drake Klavier
Ob auf der Opernbühne, wo er von Mozart bis zu den ganz großen Wagner-Rollen ein breites Repertoire singt, in den großen Konzertsälen oder im intimen Rahmen eines Liederabends: Als stilistisch und stimmlich herausragender Künstler wird Gerald Finley allerorten gefeiert. Seit 2009 ist er regelmäßig bei der Schubertiade zu Gast und präsentiert heuer im Rahmen der Gesamtaufführung aller Schubert-Lieder gemeinsam mit Julius Drake eine Auswahl von Liedern nach Gedichten von Schiller, Goethe, Mayrhofer und Schulze.
(Karten erhältlich)


24. – 30. August

Schubertiade-Quartier Hohenems: Museen und Baudenkmale

Franz-Schubert-Museum (Marktstraße 1)
Schubertiade-Museum (Marktstraße 15)
Legge-Museum (Marktstraße 5)
Elisabeth-Schwarzkopf-Museum (Schweizer Straße 1, Villa Rosenthal)
Nibelungen-Museum (Marktstraße 6)
Schuhmacher-Museum (Marktstraße 15)

Franz Schubert, große Interpretinnen und Interpreten aus dem Bereich der Klassischen Musik und die bedeutende Kulturgeschichte von Hohenems sind die thematischen Schwerpunkte in 40 Räumen von sechs historisch interessanten Gebäuden. Der Rundgang führt an weiteren, mit der Geschichte der Schubertiade verbundenen Bauwerken vorbei: Im Palast Hohenems begann vor 40 Jahren am 8. Mai 1976 die erste Schubertiade und in der Pfarrkirche St. Karl eröffneten die Wiener Philharmoniker mit Karl Böhm die zweite Schubertiade. Damit verbunden war eine Ausstellung über deren Cellisten Josef Sulzer (1850-1926) – die erste Ausstellung in jener Villa, die heute das Jüdische Museum beherbergt. Am Geburtshaus von Josef Sulzers Vater Salomon Sulzer, der als junger Kantor in Wien Schubert einen Kompositionsauftrag erteilt hatte und als bedeutender Schubert-Sänger galt, wurde als Auftakt zur ersten Schubertiade durch Hermann Prey eine Gedenktafel enthüllt.

Pressemeldung Schubertiade

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