Altenburg, Theater Altenburg Gera, Der Wildschütz – Albert Lortzing, 05.04.2020

Februar 26, 2020 by  
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Theater Altenburg Gera

Theater Altenburg Gera / der Wildschütz © Ronny Ristok

Theater Altenburg Gera / der Wildschütz © Ronny Ristok

 

 Der Wildschütz  –  Albert Lortzing

Im Theaterzelt Altenburg

Premiere am 5. April 2020

Die mit Tempo, Witz und großem Melodienreichtum aufwartende Spieloper von Albert Lortzing wurde 1842 in Leipzig uraufgeführt und ist erstmals seit 1985 wieder in Altenburg zu erleben. Premiere hat die neue Inszenierung von Michael Dissmeier am Sonntag, 5. April 2020 um 18.00 Uhr im Theaterzelt Altenburg. Die musikalische Leitung hat Kapellmeister Thomas Wicklein und Bühnenbild sowie Kostüme entwirft Henriette Hübschmann. In den Rollen sind zu erleben: Johannes Beck als Graf von Eberbach, Eva-Maria Wurlitzer als Gräfin, Isaac Lee als Baron Kronthal, Miriam Zubieta als Baronin Freimann, Juliane Bookhagen als Kammermädchen Nanette, Ulrich Burdack als Schulmeister Baculus, Maia Andrews als Gretchen und Günter Markwarth als Haushofmeister Pancratius.

Der Komponist Albert Lortzing sagte einst: „Einige meiner Opern bereiten vielen ehrlichen Seelen angenehme Stunden, damit bin ich zufrieden.“

Zur Handlung: Schulmeister Baculus und seine Braut Gretchen haben zum Verlobungsfest geladen. Da trübt plötzlich die Nachricht die Stimmung, dass der Lehrer wegen Wilderns in den Wäldern des Grafen von Eberbach mit sofortiger Wirkung entlassen wird. Baculus war in der Tat dem Rat Gretchens gefolgt und unerlaubt jagen gegangen, um das Festmahl zu bereichern. Und dabei ist er auf frischer Tat ertappt worden. Gretchen will nun selbst beim Grafen um Gnade bitten, aber der eifersüchtige Bräutigam mochte sie nicht ziehen lassen, gilt der Herr des Dorfes doch als Schürzenjäger. Als Retter in der Not erscheinen zwei Studenten, von denen sich der eine bereit erklärt, in Mädchenkleidern aufs Schloss zu gehen und dort die Rolle der Braut zu spielen. Baculus und Gretchen sind froh und belustigt zugleich über diese Lösung.

Beim Theaterfrühstück am Sonntag, 29. März 2020 um 11.00 Uhr im Theaterzelt Altenburg gibt das Inszenierungsteam erste Einblicke in die szenische und musikalische Umsetzung. Sängerinnen und Sänger geben kleine Kostproben aus der Oper. Der Eintritt ist frei.

Weitere Vorstellung in Altenburg:

So. 12.04.2020, 18:00 Uhr / Fr. 17.04.2020, 19:30 Uhr / Do. 11.06.2020, 14:30 Uhr / Sa. 27.06.2020, 19:30 Uhr

—| Pressemeldung Theater Altenburg Gera |—

Münster, Theater Münster, Amphitryon – Heinrich von Kleist, IOCO Kritik, 15.05.2018

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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Amphitryon  von  Heinrich von Kleist

– Götter der Klamotte –

Von Hanns Butterhof

Am Kleinen Haus des Theaters Münster hat Caroline Stolz Heinrich von Kleists Lustspiel Amphitryon als lustiges Spiel inszeniert. Der Slapstick-Stil alter Schwarzweiß-Stummfilme macht diesen extrem ausgedünnten Amphitryon mit Göttern der Klamotte recht kurzweilig.

Theater Münster / Amphitryon - hier : Sosias wehrt sich vergeblich gegen sich selber, mit Natalja Joselewitsch, Jonas Rinke, Garry Fischmann, Bálint Tóth, Jonas Riemer © Oliver Berg

Theater Münster / Amphitryon – hier : Sosias wehrt sich vergeblich gegen sich selber, mit Natalja Joselewitsch, Jonas Rinke, Garry Fischmann, Bálint Tóth, Jonas Riemer © Oliver Berg

Die sonst leere Bühne des Kleinen Hauses beherrscht eine überdimensionierte Drehtür, edel in Holz gehalten wie für ein Nobelhotel (Bühne und Kostüme: Lorena Diaz Stephens und Jan Hendrik Neidert). Sie ist der Eingang zum Palast des Amphitryon, des Fürsten von Theben, der wegen einer kriegerischen Auseinandersetzung mit Athen seit Monaten von Theben abwesend sowie von Tisch und Bett seiner jungen Frau Alkmene getrennt ist.

Amphitryon – Caroline Stolz vergagt Kleists Lustspiel

Das Stücks beginnt unmittelbar als Verwirrspiel, als Amphitryons Diener Sosias (Garry Fischmann) an die Drehtüre kommt, um Alkmene mitzuteilen, dass ihr Gatte sie nach siegreicher Schlacht anderntags besuchen werde: Sosias selber in vierfacher Ausführung (Natalja Joselewitsch, Jonas Riemer, Christoph Rinke und Bálint Tóth) stellt sich ihm in den Weg, gekleidet wie er in zu kurze Hosen, bräunlich kariertes Sakko und schwarzer Melone auf dem Kopf. Die Hiebe, durch die sie ihn nötigen, anzuerkennen, dass sie und nicht er Sosias sind, sind göttlich choreographiert. Sosias wird durch ein einfaches Fingerschnippen der Vierfachen, begleitet von Comic-Geräuschen wie Zoing! oder Zack! vom Band, durch die Luft geschleudert. Der Witz der gleichförmigen Bewegungen der Viererbande, in die sich der Gott Merkur verwandelt hat, ihr Spiegeln dessen, was Sosias an Bewegungen ausführt, wirkt viel schneller, als der Wortwitz Kleists, der einen langen Atem und deutliche Artikulation benötigt.

Als einer der vier Sosiasse stellt sich dann der Göttervater Jupiter (Christoph Rinke) heraus, der sich eigentlich in Amphitryons Palast befinden müsste, wo er in dessen Gestalt Alkmene (Claudia Hübschmann) verführt; warum das noch immer die Gestalt des Sosias ist, bleibt eines der Rätsel der Regie. Aber Rinke macht das recht lustig in der sich boulevardesk munter drehenden Türe.

Theater Münster / Amphitryon - hier : Stürmische Heimkehr Amphitryons; mit Bálint Tóth, Jonas Riemer, Claudia Hübschmann, Natalja Joselewitsch © Oliver Berg

Theater Münster / Amphitryon – hier : Stürmische Heimkehr Amphitryons; mit Bálint Tóth, Jonas Riemer, Claudia Hübschmann, Natalja Joselewitsch © Oliver Berg

Die Verwirrung des Sosias wiederholt sich verschärft, als Amphitryon (Jonas Riemer) anderntags tatsächlich nach Hause kommt, dort aber auf den ihm zum Verwechseln ähnlichen Jupiter (Christoph Rinke) trifft, der ihm sein Amphitryon-Sein bestreitet. Als Alkmene entscheiden soll, wer von beiden ihr Gatte ist, kommt erstmals etwas von Kleists Tiefsinn zum Tragen, sprechen Jonas Riemer und Christoph Rinke dessen Jamben angemessen deutlich. Doch Alkmene, die auch in dem Gott nur ihren Gatten geliebt hat, von Claudia Hübschmann aber mehr als laszives Objekt göttlicher und menschlicher Begierde gegeben wird, weiß nicht mehr, wer nun wer ist. Zu den zwischen Jupiter und Amphitryon verhandelten theologischen Spitzfindigkeiten, die alle Unklarheiten beseitigen sollten, entweicht ihr nur ein finales Ach!

Das könnte auch der gesamten vergagten Inszenierung gelten, mit der es Caroline Stolz mehr gelingt, Verwirrung in den Zuschauern zu erzeugen, als an deren eigene Identitäts-Erfahrungen im Sinne von Wer bin ich und wie viele? zu rühren. Aber das Publikum hat viel gelacht und nach eineinviertel kurzweiligen Stunden dem hinreißend spielenden Ensemble herzlichen Beifall gespendet.

Amphitryon am Theater Münster: Die nächsten Termine: 24.5., 1., 14. und 15.6 um 19.30 Uhr, 24.6. 2018 um 19.00 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

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