Ulm, Theater Ulm, PREMIERE RIGOLETTO 19. 03.2020

Februar 26, 2020 by  
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Theater Ulm

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

Theater Ulm / Zuschauerraum © Carola Hoelting

PREMIERE RIGOLETTO

19. März 2020

Sie gehört zu Verdis größten Erfolgen und ist eine der berühmtesten Opern überhaupt: »Rigoletto«. Selbst wer das Werk nicht kennt, kann vermutlich das eingängige »La donna è mobile« nachpfeifen – jene leichtfüßige Hymne auf den Reiz und die angebliche Unbeständigkeit der Frauenwelt. Freilich geht es in »Rigoletto« mitnichten leichtfüßig oder gar handzahm zu, darüber hinweg kann auch schlagerträchtige Melodienreigen nicht täuschen:

In Mantua führt der Herzog ein moralisch mehr als fragwürdiges Regiment: Mit Hilfe seiner Höflinge behandelt er alle jungen und attraktiven Frauen in der Stadt wie Freiwild. Seinen Ausschweifungen sind keine Grenzen gesetzt. Auch der Hofnarr Rigoletto ist mit von der Partie, wenn es darum geht, die Geschädigten zu verhöhnen. Doch er hütet ein Geheimnis, von dem niemand erfahren soll, vor allem nicht der lüsterne Herzog: seine Tochter Gilda. Doch das Schicksal schlägt unerbittlich zu. Gilda hat sich längst in einen jungen Studenten verliebt, der niemand anderes ist als der Herzog selbst …

In »Rigoletto« prallen Welten aufeinander: Liebe auf Lust, ein Fluch auf Rationalität, Schönheit auf Hässlichkeit (physische wie seelische), Freude auf Leid, das Leben auf den Tod – eine Vorahnung des Pariser Schauertheaters Grand Guignol und der düsteren Atmosphäre einer Gothic Novel.

Als Vorlage diente Giuseppe Verdi und seinem Librettisten Francesco Maria Piave das französische Skandalstück »Le roi s’amuse« von Victor Hugo. Es war in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein zeitgenösisscher Text mit politischem Sprengstoff. Prompt reagierte in Italien auch die Zensur. Man musste die Handlung von Paris ins »unbedeutende« Mantua verlegen und aus dem moralisch verdorbenen König wurde ein einfacher Herzog.

Kaum eine Oper Verdis atmet so viel Dunkelheit in allen ihren Facetten wie »Rigoletto«. Diese ist in Hinrich Horstkottes Inszenierung, die bereits am Oldenburgischen Staatstheater Erfolge feierte, und dem Bühgnenbild von Siegfried E. Mayer allgegenwärtig. Schmale schattige Gassen, in denen ein Mörder wie Sparafucile quasi aus dem Nichts auftauchen kann, sind das Ergebnis einer engen, gedrängten Architektur jenes historisierenden Mantuas, in dem der Herzog seiner Lust fröhnt. Die Stadt hat er quasi unterwandert. Seine Höflinge und damit auch Rigoletto leben auf kleinstem Raum, überall exisitieren Schleichwege und Türen ins Ungewisse. Körperliche Defizite, wie Rigolettos Narren-Buckel, werden klar betont: der einzig Schöne darf hier der Herzog sein. Horstkotte blickt mit genauer Kenntnis der Quellenlage, großer Musikalität und Fantasie in die seelischen Abgründe von Verdis Opernfiguren.

Nach ihrer umjubelten Lucia di Lammermoor gibt Maryna Zubko ihr Rollendebüt als Gilda, Luke Sinclair ist der tenoral strahlende Herzog und Dae-Hee Shin bringt für die zerrissene Titelpartie jene anrührende Mischung aus emotionaler Tiefe und balsamisch leuchtendem Timbre mit, die einen Rigoletto auszeichnen. Der junge ungarische Kapellmeister Levente Török sorgt am Pult der Philharmoniker für die nötige Italianità.

 Premiere am 19. März 2020 um 20 Uhr im Großen Haus.

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Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Don Carlos – Intendant Herzog in der Hauptpartie, IOCO Aktuell, 25.11.2019

November 24, 2019 by  
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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatsintendant Herzog „brilliert“ in der Partie des Don Carlos

Staatsintendant Jens-Daniel Herzog übernimmt in der letzten Vorstellung von Don Carlos kurzfristig die Hauptrolle Jeder Theaterabend ist einmalig, aber manche sind noch einmaliger.

Am Staatstheater Nürnberg meldete sich am 22. November 2019, wenige Stunden vor Beginn der letzten Aufführung von Don Carlos,  der Darsteller der Titelrolle krank. Um die ausverkaufte Vorstellung der Inszenierung von Regisseur Jens-Daniel Herzog unter der musikalischen Leitung von Joana Mallwitz nicht absagen zu müssen, begann die Suche nach einem Ersatz. Und sie ward bald gefunden: Der Tenor Hovhannes Ayvazyan aus St. Petersburg würde einspringen. Doch sollte er erst zwei Stunden vor Beginn der Vorstellung im Nürnberger Opernhaus eintreffen.

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg / Intendant Jens-Peter Herzog mutiert in der Maske zu Don Carlos © Staatstheater Nürnberg

Eine szenische Einstudierung war daher ausgeschlossen, lediglich kurze musikalische Proben waren möglich. Kurzentschlossen sprang Staatsintendant und Operndirektor Jens-Daniel Herzog selbst ein und übernahm den szenischen Part, kannte er doch seine Inszenierung in und auswendig. Während Herzog auf der Bühne den Carlos mimte und lediglich die Lippen bewegte, übernahm Hovhannes Ayvazyan die Gesangspartien von der Seitenbühne. Doch stellte sich noch eine weitere Herausforderung des Abends: Bei der Inszenierung von Jens-Daniel Herzog handelte es sich um die französisch-sprachige, selten gespielte Fassung von Verdis Oper, Tenor Hovhannes Ayvazyan jedoch beherrschte lediglich die italienische Fassung. Kurzerhand wurde die Aufführung zu einem multilingualen Ereignis.

Don Carlos an der Staatsoper Nürnberg
youtube Trailer des Staatstheater Nürnberg
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Ayvazyan sang seine Partie in italienischer Sprache, die weiteren Ensemblemitglieder auf Französisch, übertitelt wurde in deutscher und englischer Sprache. Damit machte das Staatstheater Nürnberg einmal mehr und auf sehr plastische Art deutlich: Wir sind ein internationales Haus! Wir sind Europa! Die knapp 1000 Besucher*innen des Opernhauses honorierten die Darstellung Jens-Daniel Herzogs und die Leistung des kompletten Teams auf und hinter der Bühne mit frenetischem Applaus.

—| IOCO Aktuell Staatstheater Nürnberg |—

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