Basel, Theater Basel, Spielplan März 2020

Theater Basel

Theater Basel © Sandra Then

Theater Basel © Sandra Then


UNSERE PREMIEREN IM MÄRZ


Premiere DO 19. MÄRZ 2020, 19.30 UHR, SCHAUSPIELHAUS
UNSERE KLEINE STADT
Schauspiel in drei Akten von Thornton Wilder
Deutsch von Barbara Christ

INSZENIERUNG Anne-Louise Sarks BÜHNE Marg Horwell KOSTÜME Mel Page MUSIK Knut Jensen MIT Ilknur Bahadir, Antal Czapkó, Thomas Douglas, Inga Eickemeier, Pascal Goffin, Jonas Götzinger, Vincent zur Linden, Nancy Mensah-Offei, Josef Mohamed, Carole Schmitt, Maik Solbach, Friederike Wagner u. a.
Mitglieder des Extrachors des Theater Basel

Grover’s Corners ist eine fiktive Kleinstadt in New Hampshire zur Zeit der Jahrhundertwende. Ein Ort fernab von Dramen, Sensationen und Skandalen. Stattdessen feiert Wilder in seinem 1938 in Rüschlikon bei Zürich geschriebenen Stück die kleinen Augenblicke des Lebens und schuf damit ein einzigartiges Plädoyer zur Entschleunigung unseres heutigen Hochgeschwindigkeitsalltags. Er selbst nannte es eine «Meditation über die Schwierigkeit, das Leben zu verstehen, während man es lebt». Im Zentrum stehen die beiden Nachbarskinder Emily Webb und George Gibbs, die noch während der Schulzeit heimlich erste zarte Bande knüpfen, ehe sie vom Leben zunächst getrennt und schliesslich doch zusammengeführt werden. Doch bei Wilder ist das Happy End von Emily und George nicht viel mehr als ein weiterer Tag in der Chronik von Grover’s Corners. Einer Chronik über das Leben und seine Vergänglichkeit. Die Regisseurin Anne-Louise Sarks hat sich dem Basler Publikum in der Spielzeit 2017/2018 bereits mit ihrer Version der Medea-Tragödie vorgestellt.


Premiere FR 27. März 2020, 19.30 Uhr, Grosse Bühne
PETER GRIMES
Oper in drei Akten und einem Prolog von Benjamin Britten
Text von Montagu Slater nach einer Verserzählung von George Crabbe
In englischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG Kristiina Poska NACHDIRIGAT Thomas Wise INSZENIERUNG Harry Fehr BÜHNE UND KOSTÜME Leslie Travers KOSTÜMMITARBEIT Zahra Mansouri CHOR Michael Clark MIT Rolf Romei, Emma Bell, Robin Adams, Jasmin Etezadzadeh, Sarah Brady/Stefanie Knorr, Kali Hardwick, Michael Bennett, Andrew Murphy, Cécile van de Sant, Karl-Heinz Brandt, Domen Križaj, Antoin Herrera-Lopez Kessel / Paull-Anthony Keightley, Vivian Zatta, Frauke Willimczik, André Schann
Chor des Theater Basel, Statisterie des Theater Basel
Es spielt das Sinfonieorchester Basel.

«Who can turn skies back and begin again?» Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, sein Schicksal zum Guten zu wenden – das ist die Chance, die sich dem Fischer Peter Grimes zu bieten scheint: Aus Mangel an Beweisen wird eine Untersuchung des verdächtigen Todes seines Lehrjungen eingestellt. Doch wie ein Krebsgeschwür breiten sich Zweifel an Grimes’ Unschuld innerhalb der Dorfgemeinschaft aus. Zugleich fällt Grimes – getrieben von der trotzig-verzweifelten Hoffnung, mit Ellen Orford ein neues, glückliches Leben aufzubauen – in alte, raue Verhaltensmuster zurück. Als Grimes und sein neuer Lehrjunge unter dubiosen Umständen verschwinden, beginnt im Dorf die menschliche Natur, den archaischen Gewalten des Meeres gleich, sich ihr «Recht» zu nehmen. Mit Musikdirektorin Kristiina Poska ergründet die britische Regieentdeckung Harry Fehr in «Peter Grimes» die Untiefen von Recht und Gerechtigkeit, Mitgefühl und Hass, Individuum und Kollektiv, Zivilisation und Natur.


Premiere SA 28. März 2020, 20 Uhr, Kleine Bühne
HIER IST NOCH ALLES MÖGLICH
Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Gianna Molinari
Uraufführung

INSZENIERUNG Claudia Bossard BÜHNE UND KOSTÜME Romy Springsguth VIDEO UND MUSIK Annalena Fröhlich MIT Nicolas Batthyany, Klaus Brömmelmeier, Holger Bülow, Simone Gfeller, Anica Happich, Simon Käser

Sie arbeitet seit Kurzem als Nachtwächterin in einer Verpackungsfabrik, die bald schliessen wird. Aber nicht nur der Verkauf der Firma bedroht die Existenz des Chefs und seiner Mitarbeitenden: Da ist ein Wolf, der sich angeblich auf dem Gelände herumtreibt und für den sie eine Fallgrube graben muss. Da ist die Geschichte eines afrikanischen Flüchtlings, der aus dem Fahrwerk eines Flugzeugs fiel und nie identifiziert werden konnte. Und da ist das Phantombild einer Bankräuberin, die ihr zum Verwechseln ähnlich sieht. Während sich die Ebenen von Imagination und Realität immer mehr verschieben, begibt sie sich auf Spurensuche, erforscht Grenzen und Identitäten. Gibt es den Wolf wirklich? Und wer sieht hier eigentlich was? «‹Hier ist noch alles möglich› ist ein Text über das Wahrnehmen der Welt sowie der Verschiebung dieser Wahrnehmung, ein Roman über die Zersetzung des Realen und über Möglichkeitsräume », sagt Gianna Molinari. Mit ihrem Debütroman gewann die gebürtige Baslerin 2017 den 3sat- Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt, 2018 war sie für den Deutschen und Schweizer Buchpreis nominiert und wurde mit dem Robert Walser-Preis ausgezeichnet.


UNSERE WIEDERAUFNAHME


Einmalige Wiederaufnahme
SO 1. März 2020, 18.30–20.30 Uhr, Grosse Bühne
JOHN GABRIEL BORKMAN
Schauspiel von Henrik Ibsen in einer Bearbeitung von Simon Stone

INSZENIERUNG Simon Stone BÜHNE Katrin Brack KOSTÜME Tabea Braun MUSIK Bernhard Moshammer MIT Liliane Amuat, Nicola Kirsch, Roland Koch, Birgit Minichmayr, Caroline Peters, Max Rothbart, Martin Wuttke

Ein Trauerspiel als Tragikomödie und Metaboulevard: Simon Stone verwandelt Henrik Ibsens Spätwerk in eine hochmoderne Familienaufstellung im Kunstschneegestöber.

Eine Koproduktion des Theater Basel mit dem Burgtheater Wien und den Wiener Festwochen


UNSER REPERTOIRE IM FEBRUAR


COW
Ballett von Alexander Ekman
Musik von Mikael Karlsson
Schweizer Erstaufführung

CHOREOGRAFIE, BÜHNE UND LICHT Alexander Ekman KOMPOSITION Mikael Karlsson KOSTÜME Henrik Vibskov VIDEO T. M. Rives LICHTSUPERVISOR Fabio Antoci
Es tanzt das Ballett Theater Basel.

Der schwedische Choreograf Alexander Ekman hat sich ein Ballett ausgedacht, das als Motiv einfach nur die Kuh hat: «Cow.» Das Ergebnis ist ein verrückter Tanzabend in elf Szenen, in denen es weisse Kühe aus Plastik, absurde Begegnungen auf der Bühne und natürlich jede Menge dynamischen Tanz gibt. Ein abendfüllendes Stück ohne Handlung und ohne erzählte Geschichte, aber mit viel Freude an der Bewegung.
Musikeinspielung: Bundesjugendorchester der Bundesrepublik Deutschland

Partner des Ballett Theater Basel: BLKB


DER GEHÜLFE
Schauspiel nach dem gleichnamigen Roman von Robert Walser

INSZENIERUNG Anita Vulesica BÜHNE Henrike Engel KOSTÜME Janina Brinkmann MUSIK Friederike Bernhardt CHOREOGRAFIE Mirjam Klebel MIT Friederike Bernhardt, Mario Fuchs, Pascal Goffin, Martin Hug, Katharina Marianne Schmidt, Friederike Wagner

Einen «einfachen Roman, der ja eigentlich gar kein Roman ist, sondern nur ein Auszug aus dem schweizerischen täglichen Leben», so nannte Robert Walser sein zweites grosses Prosawerk, in dem er eigene Erfahrungen als Gehilfe niederschrieb. Walsers literarisches Alter Ego Joseph Marti leidet unter seinem cholerischen Vorgesetzten, der mit seltsamen Erfindungen sein Geld zu machen versucht. Dessen scheinheilige Welt ist auf Pump gebaut, hinter der glänzenden Fassade der angesehenen Familie tun sich Schuldenberge und Abgründe auf.


DIE ANALPHABETIN
Schauspiel nach der gleichnamigen Erzählung von Ágota Kristóf

INSZENIERUNG Barbara Luchner BÜHNE Frederik C. Schweizer KOSTÜME Miriam Balli MUSIK Leonhard Luchner MIT Germaine Sollberger

Nach ihrer Kindheit in Ungarn floh Ágota Kristóf 1956 als junge Frau mit Mann und Kind vor dem Krieg in ihrer Heimat in die französischsprachige Schweiz. Sie, die von Kindesbeinen an las und schrieb, war plötzlich «Analphabetin». Sie musste sich die «Feindessprache » aneignen, um sich ausdrücken zu können. Lesen und Schreiben war ein Akt der Vergewisserung der eigenen Identität, ein Heilmittel gegen Einsamkeit.


GRAF ÖDERLAND
Eine Moritat in zwölf Bildern von Max Frisch

INSZENIERUNG Stefan Bachmann BÜHNE Olaf Altmann KOSTÜME Esther Geremus MUSIK Sven Kaiser CHOREOGRAFIE Sabina Perry MIT Linda Blümchen, Klaus Brömmelmeier, Mario Fuchs, Steffen Höld, Barbara Horvath, Julius Schröder, Thiemo Strutzenberger, Moritz von Treuenfels, Simon Zagermann; Thomas Byka, Jan Fitschen, Sven Kaiser, Sandra Kirchhofer/Sylvia Oelkrug (Livemusiker_innen)

Ein Hauswart, erschlagen: ohne Grund, ohne Motiv, einfach so. In dieser «sinnlosen» Tat sieht Staatsanwalt Martin, der mit diesem Fall betraut ist, sein eigenes Gefangensein in einer bürgerlichen Existenz gespiegelt. Eine Flucht in die Welt seines mysteriösen Alter Ego beginnt: in die Welt von Graf Öderland. Als Graf Öderland führt Martin mit der Axt in der Hand einen blutigen Feldzug gegen den gesellschaftspolitischen Status quo.

Eine Koproduktion des Theater Basel mit dem Residenztheater München


HUNDERT JAHRE WEINEN ODER HUNDERT BOMBEN WERFEN
Schauspiel von Darja Stocker und Mohamedali Ltaief
Uraufführung/Auftragswerk

INSZENIERUNG Franz-Xaver Mayr BÜHNE Michela Flück KOSTÜME Korbinian Schmidt MUSIK Matija Schellander MIT Jeanne Devos, Pascal Goffin, Jonas Götzinger, Malte Homfeldt, Maximilan Kraus, Matthias Luckey, Julius Schröder, David Michael Werner

Reto wird sein Leben lang verstossen. Vom Vater in Basel wird er zur Mutter nach Genf, als Verdingbub von Bauernhof zu Bauernhof geschickt. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung findet er sich schliesslich auf einem Schiff von Marseille nach Algier wieder, um als Fremdenlegionär in den Krieg zu ziehen und sein Glück in der Fremde zu suchen. Basierend auf der Biografie eines ehemaligen Basler Verdingbuben und Fremdenlegionärs, verbindet das Stück zwei grosse Kapitel der Schweizer Geschichte.


IM HINTERHAUS
Ein Projekt über Anne Frank mit Basler Jugendlichen

INSZENIERUNG Hanna Müller AUSSTATTUNG Anna Sörensen MUSIK Anna Hirsch MIT Luis Miguel Almonte, Muriel Becher, Hélène Dupont, Ladina Gisler, Fiona Keller, Itamar Mangold, Emma Madita Moesch, Antonia Spoerri, Leni Staeger, Sinan Zeugin

Anne Frank war ein Teenager, als sie ihr Tagebuch verfasste. Es wurde zu einem einzigartigen Dokument der Judenverfolgung des NS-Regimes. In gemeinsamer Arbeit mit der Regisseurin Hanna Müller erzählen Jugendliche aus Basel mit den Worten Anne Franks und anderen Texten eine Geschichte von Verfolgung, vom Aufwachsen im Versteck, den Wirrungen der Jugend und der Kraft zum Widerstand gegen eine ungerechte Unterdrückung.

Eine Kooperation des Theater Basel mit dem Anne Frank Fonds, Basel
Mit Unterstützung der Sulger-Stiftung


IN DEN GÄRTEN ODER LYSISTRATA TEIL 2
Schauspiel von Sibylle Berg nach Aristophanes
Uraufführung/Auftragswerk

INSZENIERUNG Miloš Loli? BÜHNE Wolfgang Menardi KOSTÜME Jelena Mileti? MUSIK Nevena Glušica MIT Eva Bay, Linda Blümchen, Carina Braunschmidt, Urs Peter Halter, Anica Happich, Vincent zur Linden, Julia Nachtmann, Moritz von Treuenfels; Bruno de Sá/Sarah Baxter (Sopran); Cristina Arcos Cano/Luis Homedes López, Nicola Hanck, Eva Miribung (Musikerinnen)

Sibylle Berg, Schweizer Buchpreisträgerin 2019, hat sich der antiken Komödie «Lysistrata» von Aristophanes angenommen und für das Theater Basel in ihrer prägnant pointierten und humorvollen Sprache eine Fortsetzung geschrieben. Als Rückblende wird erzählt von der Zeit, als Männer noch Komplimente machen durften und Frauen aufsahen zu ihren Erlösern. Denn verunsichert durch die zunehmende Emanzipation der Frauen und müde von der Weltherrschaft, haben die Männer in einer Zeit des Umbruchs zum Streik aufgerufen: sexuelle Enthaltsamkeit als Rache für das Gefühl von Unterlegenheit.


JULIEN – ROT UND SCHWARZ
SCHAUSPIEL VON LUKAS BÄRFUSS NACH STENDHAL
URAUFFÜHRUNG /AUFTRAGSWERK

INSZENIERUNG Nora Schlocker BÜHNE Jessica Rockstroh KOSTÜME Caroline Rössle Harper MUSIK Simon James Phillips MIT Holger Bülow, Martin Butzke, Julischka Eichel, Michael Gempart, Vincent zur Linden, Sebastian Schulze, Germaine Sollberger, Friederike Wagner, Leonie Merlin Young; Simon James Phillips (Livemusiker)

Fasziniert von der Figur des Julien erzählt der zuletzt mit dem Georg- Büchner-Preis ausgezeichnete Schweizer Dramatiker, Romancier und Essayist Lukas Bärfuss die Geschichte des Protagonisten aus Stendhals «Rot und Schwarz» neu. Lukas Bärfuss: «Julien ist klug, zart, schön. Er kann die Bibel auswendig hersagen. Man hat ihn verkauft. Er ist beleidigt und er will nach oben. Er wird kalt und kälter, bis das Eis seiner Zeit sein Herz ganz gefroren hat. Und damit hat er Erfolg. Und er wird bald seinen Kopf verlieren.»


LA BOHÈME
Oper von Giacomo Puccini in italienischer Sprache
Mit deutschen und englischen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG Kristiina Poska NACHDIRIGAT Giuseppe Montesano INSZENIERUNG Daniel Kramer BÜHNE Annette Murschetz KOSTÜME Esther Bialas KLANGKOMPOSITION (Sounds der Boheme) Marius de Vries, Ben de Vries LICHT Charles Balfour CHOR Michael Clark MIT Cristina Pasaroiu, Valentina Mastrangelo / Sarah Brady, Davide Giusti, Domen Križaj, Gurgen Baveyan, Paull-Anthony Keightley, Alexander Vassiliev, Donovan Elliot Smith, Eckhard Otto, Martin Krämer
Chor des Theater Basel
Statisterie des Theater Basel
Mädchenkantorei Basel
Knabenkantorei Basel
Es spielt das Sinfonieorchester Basel.

Vier befreundete Künstler in der Grossstadt: Als reichte es nicht, sich gegen Kälte und Gentrifizierung durchzuschlagen, tritt in Gestalt Mimìs auch noch die Liebe in Rodolfos Leben – und mit ihr brennende Fragen rund um die Zukunft. Den Gefühlsextremen von Giacomo Puccinis Erfolgswerk «La Bohème» gehen Regisseur Daniel Kramer und Musikdirektorin Kristiina Poska in einer zeitgenössischen und mitreissenden Lesart auf den Grund.

Mit freundlicher Unterstützung: Kestenholz Automobil AG
Presenting Sponsor: IWB


LE NOZZE DI FIGARO
(DIE HOCHZEIT DES FIGARO)
Oper von Wolfgang Amadeus Mozart
In italienischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

MUSIKALISCHE LEITUNG Christian Curnyn NACHDIRIGAT Giuseppe Montesano INSZENIERUNG Barbara Frey BÜHNE Bettina Meyer KOSTÜME Bettina Walter CHOR Michael Clark MIT Thomas Lehman, Oksana Sekerina, Sarah Brady, Antoin Herrera-Lopez Kessel, Kristina Stanek, Jasmin Etezadzadeh, Andrew Murphy, Karl-Heinz Brandt, Hyunjai Marco Lee, Bruno de Sá, Flavio Mathias
Chor des Theater Basel
Es spielt das Sinfonieorchester Basel.

In Mozarts Oper «Le nozze di Figaro » um den Grafen Almaviva und seinen aufmüpfigen Diener Figaro geht es so turbulent zu, dass selbst die Figuren irgendwann den Überblick verlieren. Regisseurin Barbara Frey geht dem intriganten Treiben in ihrer Basler Inszenierung auf den Grund und arbeitet heraus, was im Kern verborgen liegt: die ewige Suche nach Liebe.

Presenting Sponsor: Novartis


SHARON EYAL/BRYAN ARIAS
Tanzabend mit Choreografien von Sharon Eyal («Salt Womb») und Bryan Arias («Without Absorbing It»)
Schweizer Erstaufführung/Uraufführung

«SALT WOMB»
CHOREOGRAFIE, BÜHNE UND KOSTÜME Sharon Eyal, Gai Behar MUSIK Ori Lichtik

«WITHOUT ABSORBING IT»
CHOREOGRAFIE UND BÜHNE Bryan Arias KOSTÜME Veronica Silva-Klug

Es tanzt das Ballett Theater Basel.

Pulsierende Körper zu treibenden elektronischen Beats sind das Markenzeichen von Sharon Eyal. In «Salt Womb» bewegt sich das Ensemble als Ganzes, wie eine Maschine, zu stampfenden Trommeln. Ein intensives und pulsierendes Tanzstück. In «Without Absorbing It» untersucht Bryan Arias die Themen Verbundenheit und Identität und hinterfragt die Qualität unserer Kommunikation. Seine poetischen Stücke ziehen das Publikum mit ihrem ganz besonderen Bewegungsflow in den Bann.

Partner des Ballett Theater Basel: BLKB


WIEDERAUFERSTEHUNG DER VÖGEL
Schauspiel von Thiemo Strutzenberger, basierend auf «Tropenliebe» von Bernhard C. Schär
Uraufführung /Auftragswerk

INSZENIERUNG Katrin Hammerl BÜHNE UND KOSTÜME Lisa Dässler MUSIK «Club Für Melodien» CHOREOGRAFIE Gina Gurtner MIT Andrea Bettini, Jonas Götzinger, Urs Peter Halter, Simon Kirsch, Maximilian Kraus, Isabelle Menke, Wanda Winzenried

Die Geschichte zweier Basler Patriziersöhne, Naturforscher, Grosscousins, Liebender: Paul und Fritz Sarasin. Eine Beziehung, gelebt auf ihren Forschungsreisen in die Tropen, permanent hin- und hergerissen zwischen der stark religiösen Prägung durch das protestantische Elternhaus und dem unbedingten Wunsch nach Freiheit. Ein Kampf zwischen Mission und Evolution.

Entstanden im Rahmen des Autor_innenförderprogramms «Stück Labor Basel» am Theater Basel


UNSERE EXTRAS IM FEBRUAR


DI 10. März 2020, im Anschluss an die Vorstellung, Kleine Bühne PUBLIKUMSGESPRÄCH ZU «WIEDERAUFERSTEHUNG DER VÖGEL»

MODERATION Sabrina Hofer (Produktionsleitung «Stimmen aus einer archivierten Stille»)

Nach der Vorstellung von «Wiederauferstehung der Vögel» haben Sie bei einem Publikumsgespräch die Möglichkeit, mit Beteiligten der Uraufführung und der begleitenden Ausstellung «Stimmen aus einer archivierten Stille» ins Gespräch zu kommen. Es diskutieren Katrin Hammerl (Regisseurin), Bernhard C. Schär (Historiker ETH Zürich und Autor von «Tropenliebe»), Vera Ryser (Kuratorin) und Sally Schonfeldt (Kuratorin).


SA 14. März 2020, 15–16.30 Uhr, Foyer Grosse Bühne
KOLONIALISMUS UND MUSEEN
Diskussion zur Ausstellung «Stimmen aus einer archivierten Stille» und zur Uraufführung «Wiederauferstehung der Vögel»

MODERATION Fermin Suter (Wissenschaftlicher Mitarbeiter Zentrum für Museale Sammlungswissenschaften Donau-Universität Krems)

Wie gehen Museen heute mit Exponaten aus ehemaligen Kolonien um, und was sind Strategien, um einen verantwortungsvollen Umgang oder eine Restitution zu ermöglichen? Es diskutieren Bénédicte Savoy (Kunsthistorikerin und Leiterin Kunstgeschichte der Moderne TU Berlin) und Anna Schmid (Direktorin Museum der Kulturen Basel).


MI 18. März 2020, 19.30 Uhr, Foyer Grosse Bühne
Soirée im Foyer
HOW GREEN WAS MY VALLEY?
Der Fall Grossbritannien

Lesung trifft Liederabend: Mitglieder der Ensembles von Oper und Schauspiel setzen sich in dieser Soirée mit dem Fall Grossbritannien auseinander: Lieder und Texte zwischen Brexit und Monarchiekrise, zwischen Empire und Inseldasein.
Mit Liedern und Texten u. a. von W. H. Auden, Benjamin Britten, John Donne, Ralph Vaughan Williams und Judith Weir MIT Mitgliedern des Opern- und Schauspielensembles


FR 20. März 2020, 19–21.30 Uhr, Foyer Grosse Bühne und Grosse Bühne
ÖFFENTLICHE BÜHNENPROBE ZU «PETER GRIMES»

Im Fall von Benjamin Brittens «Peter Grimes» ist die Wendung «Eintauchen in ein Meer der Klänge » gerechtfertigt wie selten, verknüpft Britten das Schicksal von Grimes’ Fischerdorf doch aufs Engste mit der See. Mal liegt sie schillernd und ruhig da, mal von Nebel bedeckt und undurchdringlich, mal braust sie verderbenbringend auf und formt so das Schicksal der Menschen, die an ihrem Ufer leben. Bei der öffentlichen Bühnenprobe können Sie erstmals «musikalische Seeluft» schnuppern und erleben, wie die musikalische und szenische Crew der Produktion ihre Vorbereitungen trifft für das Leinenlos am 27. März.


SO 22. März 2020, 11 Uhr, Foyer Grosse Bühne
MATINÉE ZU «PETER GRIMES»

Fünfzehn solistische Rollen, dazu Chor und Statisterie – die Dorfgemeinschaft von Brittens «Peter Grimes » auf die Bühne zu bringen, benötigt einiges an Personal. Das fordert nicht nur eine virtuose musikalische Leitung für die Koordination mit dem anspruchsvollen Orchesterpart. Denn obwohl das Dorf gegen Grimes verbündet scheint, täuscht die Homogenität der Masse und es gibt für den Regisseur zahlreiche Unterströmungen in den Beziehungen herauszuarbeiten. Blicken Sie im Vorfeld der Premiere mit Mitgliedern des künstlerischen Teams in das komplexe Konstrukt der Britten’schen Dorfgesellschaft und die zentralen Fragen von «Peter Grimes» nach Schuld, (Selbst-)Gerechtigkeit und der Erbarmungslosigkeit der Natur des Menschen und des Meeres.


SO 29. März 2020, 11 Uhr, kult.kino Atelier, Theaterstrasse 7
Dokumentarfilm trifft Theater
A TIME THERE WAS
A Portrait of Benjamin Britten
In englischer Sprache

Tony Palmers preisgekrönter Dokumentarfilm zeichnet ein eindrückliches Porträt des Komponisten Benjamin Britten und lässt dessen Zeitzeug_innen und Weggefährt_innen zu Wort kommen.
In Anwesenheit des Regisseurs Tony Palmer.


SO 29. März 2020, 17.45 Uhr, Foyer Grosse Bühne
WISE-HEITEN ZU «LE NOZZE DI FIGARO»
Musikalische Einführung

Im März erkundet Thomas Wise, der charmante Studienleiter des Theater Basel, in seiner musikalischen Forschungsexpedition Mozarts Meisterwerk «Le nozze di Figaro». Die so gewonnenen WISE-HEITEN wird er, gepaart mit seiner Sicht auf den Komponisten und das Werk, in seiner musikalischen Einführung vor der Vorstellung vom Klavier aus mit dem Publikum teilen.


DI 31. März 2020, 20 Uhr, Kleine Bühne
Junges Haus
BARBIE IN SEVILLA
Ein korrekter Beitrag zur Genderfrage

MUSIKALISCHE LEITUNG Kimon Barakos, Reiner Schneider-Waterberg INSZENIERUNG Salomé Im Hof CHOREOGRAFIE Ana Lopez DRAMATURGIE Carolin Baum MIT Flora Betti, Jula Brunner, Julius Fintelmann, Fabian Hein, Simon Honegger, Louise Im Hof, Salome Immoos, Anne-Catherine Knöchelmann, Tizian Kuld, Consuelo Rosales de los Reyes, Till Schafnit, Hannah Spoerri, Ben Standke

Barbie führt einen Coiffeursalon. Alles, was in Sevilla Rang und Namen hat, lässt sich von ihr den Bart stutzen und die Locken brennen. Dabei erfährt sie von den Geschichten, Lieb- und Machenschaften ihrer Klientel – allesamt Figuren aus Beaumarchais’ «Figaro»- Trilogie. Mehr und mehr entsetzt und empört von der allgemeinen Übergriffigkeit, versucht Barbie, das Rollenverhalten ihrer Kundschaft umzumodeln beziehungsweise zu korrigieren und zu vereinfachen. Denn sie empfindet Beaumarchais als sexistisch, untragbar und unter aller Kanone. In ihrem Salon herrscht strikt hellblau und rosa. Aber dann platzt Ken in die Szenerie. Als gendermässig nicht verortbar, ein Binärsystemverweigerer, bringt er Barbies Welt durcheinander und mischt die Farben neu. Scheinbar normale Verhältnisse werden verdreht. Der Putz steht Kopf. Die Figuren und Frisuren verlieren ihren Halt.


GRRRLS GRRRLS GRRRLS
Eine Reihe mit Basler Bräuten und ihren Geschwistern
Monkey Bar und andere Orte

SO 8. März 2020, 17.30 Uhr, Stadtkino Basel
VIVRE ENSEMBLE
Filmstart im Stadtkino

Anna Karina realisierte ihr Regiedebüt – in dessen Mittelpunkt die fragile Liebe zwischen einem bürgerlichen Professor und einer unbekümmerten Aussenseiterin steht – mit einem winzigen Budget, weil sie sich weigerte, die Regie einem Mann zu überlassen. Irgendwo zwischen Nouvelle Vague und New Yorker Underground verankert, widerspiegelt der Film die Suche nach der eigenen Stimme einer schillernden Ikone, der das Stadtkino Basel im März eine Hommage widmet.

In Kooperation mit dem Stadtkino Basel


SO 8. März 2020, 20 Uhr, Monkey Bar, Klosterberg 6
PRETTY WHEN YOU CRY

MIT Barbara Colceriu, Milena Schedle, Anna Therese Lösch, Emma Lotta Wegner, Sarah Yawa Quarshie

Welche Frauenfiguren haben das Drama und das Theater in den letzten zweitausendfünfhundert Jahren hervorgebracht? Dieses wild aus Texten des Dramenkanons zusammengesampelte Stück ist das Empowerment eines Frauenchors, der den Finger in die Wunde sexistischer und misogyner Rollenzuschreibungen legt und nicht mehr willens ist, nach den männlichen Regeln zu leben und zu handeln.
#thefutureisfemale


MO 9. März 2020, 20 Uhr, Monkey Bar, Klosterberg 6
KOMPONISTINNEN!
Opernsalon
«Infidelio» von Elisabeth Lutyens

MUSIKALISCHE LEITUNG UND KLAVIER Stephen Delaney KONZEPT UND MODERATION Pavel B. Jiracek MIT Mitgliedern des Opernensembles

Elisabeth Lutyens, eine frühe Fürsprecherin der Zwölftontechnik in England, untersucht in ihrer 1954 komponierten und erst 1973 uraufgeführten Kammeroper «Infidelio» die unglückliche Liebesaffäre einer jungen Frau. Neben einer Einführung in diese zu Unrecht in Vergessenheit geratene Oper und ihren Kontext präsentieren Solist_innen des Opernensembles musikalische Ausschnitte – in lockerer Baratmosphäre.


STIMMEN AUS EINER ARCHIVIERTEN STILLE
Eine Rechercheausstellung zur Basler Kolonialgeschichte von Vera Ryser und Sally Schonfeldt, basierend auf «Tropenliebe» von Bernhard C. Schär
Im Foyer Grosse Bühne bis Ende Mai 2020, jeweils eineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn auf der Grossen Bühne geöffnet. Eintritt frei.

—| Pressemeldung Theater Basel |—

Freiburg, Theater Freiburg, Hulda – César Franck, IOCO Kritik, 06.07.2019

Dezember 10, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Theater Freiburg

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Theater Freiburg © M. Korbel

Theater Freiburg © M. Korbel

Theater Freburg

Hulda –  César Franck

– Unbekanntes von Unbekannten – Freiburger Offenbarung –

von Julian Führer

Wer kennt heute noch Bjørnstjerne Bjørnson? Immerhin erhielt der Norweger im Jahr 1903 den Nobelpreis für Literatur, Henrik Ibsen gehörte zu seinen größten Bewunderern. Sein zweites Drama trägt den Namen Halte-HuldaBjörnson war noch keine 30 Jahre alt. Die Handlung spielt im nordischen 14. Jahrhundert, das Stück ist eine finstere Rachetragödie um die Gestalten Hulda, Svanhilde, Thrond und Eyolf.

César Franck Paris © IOCO

César Franck Paris © IOCO

Und wer weiß heute noch, dass César Franck (1822-1890) Opern geschrieben hat? Seit 1872 Professor für Orgel, komponierte er eigentlich für jede Gattung ein großes Werk (zum Beispiel seine recht bekannte Symphonie in d-Moll), hingegen verdankt ihm die Nachwelt vier Opern – zwei Frühwerke (Stradella, mit weniger als 20 Jahren komponiert), Le valet de ferme, schließlich die deutlich späteren Hulda (1879-1885) und Ghiselle (1888-1890).

Woher diese Themenwahl? Bjørnson war noch kein Nobelpreisträger, als Franck und sein Librettist Charles Grandmougin sich für den Stoff interessierten. Doch passt das Stück gewissermaßen in die Zeit – es ist die Epoche des französischen Wagnerismus, es herrschte eine Faszination für den Norden, das Germanisch-Mythologische, in Reaktion auf die Niederlage gegen die Preußen und auf die deutsche Einigung von 1871 auch eine Faszination für den neuerdings übermächtigen Nachbarn östlich des Rheins. Und so beginnt Maupassants Schauernovelle Qui sait damit, dass der Ich-Erzähler aus Ernest Reyers Sigurd kommt, und in Francks Ghiselle treten Figuren mit merowingerzeitlichen Namen wie Fredegunde und Theudebert auf. Was nun faszinierte ihn so an Hulda? Es fällt auf, dass die Oper die Dramenvorlage noch weiter radikalisiert: Das Bühnengeschehen ist eine Gewaltorgie, und Hulda selbst ist so unbeugsam, dass sie den eigenen Tod letztlich billigend in Kauf nimmt – eine Zukunft hat sie sowieso nicht. Den Publikumsgeschmack oder zumindest den von Operndirektoren scheint Franck damit nicht getroffen zu haben. Zu seinen Lebzeiten gab es keine Uraufführung, 1895 wurden in Monte Carlo, Toulouse und Den Haag stark gekürzte Fassungen gezeigt, und dann verschwand das Stück von den Spielplänen.

Das Theater Freiburg wagte sich 2019 an die Deutsche Erstaufführung, für die auch das Autograph der Partitur aus der Pariser Bibliothèque nationale de France eingesehen wurde (inzwischen liegt es als frei verfügbares Digitalisat auf der Seite der Bibliothèque nationale de France (link hier) vor. Man sieht der Partitur an, dass sie in der Tradition der Pariser Grand opéra steht – doch als Grand opéra ist Hulda eben noch nie aufgeführt worden.

Theater Freiburg / Hulda von César Franck - hier : Morenike Fadayomi als Hulda © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Freiburg / Hulda von César Franck – hier : Morenike Fadayomi als Hulda © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Franck und Grandmougin verlegten die Handlung vom 14. Jahrhundert ins noch weiter entfernte Mittelalter zurück ins 11. Jahrhundert, um einen Konflikt zwischen Christen und Heiden auf die Bühne bringen zu können. An dieser Stelle setzt die Freiburger Dramaturgie (Heiko Voss) und Regie (Tilman Knabe) an: In Freiburg spielt die Handlung von Hulda nicht in Norwegen, sondern in Afrika; wir sehen postkoloniale Clankämpfe, Warlords, Kindersoldaten mit Zigaretten und schweren Waffen. Von zentraler Bedeutung für die Regie ist das Cahier africain, ein auch verfilmtes Schulheft mit Zeugenaussagen über unsägliche Verbrechen von Söldnertruppen nach dem Jahr 2000, also in allerjüngster Vergangenheit. Wie im Cahier africain wird in dieser Lesart die Hauptfigur (also Hulda) durch die Anwesenheit ihrer (bei Franck nicht vorgesehenen) Tochter daran erinnert, wie sie vergewaltigt wurde. Der Prolog spielt in Freiburg also in einem Township (Bühne: Kaspar Zwimpfer). Das Publikum sieht eine Texteinblendung aus dem Cahier, bevor das Orchester eine kurze musikalische Introduktion spielt und dann von seinem Leiter Fabrice Bollon eine Gewaltorgie inszeniert, die Elemente von Hector Berlioz und Richard Wagner verschmilzt und in ihrer radikalen Schroffheit auch an Richard StraussElektra denken lässt. Aus dem Orchestergraben sprühen Funken. Das Publikum muss derweil ansehen, wie zur Musik Salven knallen, Frauen gejagt und vergewaltigt werden – und zwar lange, sehr lange. Das Freiburger Parkett hat einen Durchgang zwischen der sechsten und der siebten Reihe – auch hier werden Frauen durchgeschleift, die sich verzweifelt wehren. Es fällt schwer, sich bei diesen Szenen zurückzulehnen und die Musik zu analysieren, die bei aller entgrenzten Gewalt auch sehr sinnlich sein kann. Der Orchestergraben ist ganz nach unten gefahren, um die Klangmassen in diesem Haus beherrschbar zu machen, das zwar groß ist, aber doch nicht die Dimensionen des Bayreuther Festspielhauses oder der Deutschen Oper Berlin hat. Im Zuschauerraum ergibt sich so ein Mischklang, der Einzelstimmen nur selten hervortreten lässt; nach dem ersten Sturm kommen dann aber doch teils beeindruckende Soli zur Geltung wie etwa gleich zu Anfang die Oboe.

Theater Freiburg / Hulda von César Franck - hier : Morenike Fadayomi als Hulda © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Freiburg / Hulda von César Franck – hier : Morenike Fadayomi als Hulda © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Hulda also erlebt im Prolog mit, wie Familie, Verwandte und Umgebung niedergemetzelt werden; ihre minutenlange Vergewaltigung (von der Freiburger Regie ergänzt, aber mit der Musik im Einklang) ist für sie noch ein Auslöser mehr, Rache zu schwören. Ihre Peiniger finden den Schwur eher amüsant (wie Wagners Götter im Rheingold). Fast noch schwerer erträglich als dieser stürmische Prolog ist die Pause danach – der eiserne Vorhang senkt sich, die soeben vergewaltigte Hulda bleibt allein an der Rampe, krümmt sich vor Schmerz und Elend. Dazu eine Texteinblendung aus dem Cahier africain und ein altes (Statisten-)Paar, das Huldas Schreibheft findet und fassungslos darin zu lesen beginnt. Diese stumme Szene füllt die minutenlange Umbaupause. Was Morenike Fadayomi in der Titelrolle nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch leistet, ist enorm.

Im ersten Akt – sechs Jahre später – hat Hulda in dieser Lesart eine fünfjährige Tochter, die sie stets begleitet und somit an das Trauma der Vergewaltigung erinnert. Die Szenerie zeigt die heruntergekommene und teils zerschossene Fassade des „Hôtel Léopold II“. Leopold II. war zur Zeit der Entstehung der Oper König der Belgier; während seiner Regierung kamen Schätzungen zufolge im Kongo bis zu 10 Millionen Menschen durch die unmittelbaren oder mittelbaren Folgen der belgischen Kolonialherrschaft um. Das Hotel ist zum Teil wohl auch ein Bordell. Hulda befindet sich seit Jahren in Gewalt der Aslaks und soll mit Aslaks Sohn Gudleik zwangsverheiratet werden. Hulda fühlt sich eher von Eiolf angezogen. Aslak (Jin Seok Lee) ist ausstaffiert wie Mobutu Sese Seko; die Leute Eiolfs, die sich ihm entgegenstellen, sind in dieser Deutung Blauhelme. Juan Orozco als Gudleik ist passend zur Szenerie sehr viril, Jin Seok Lee etwas gesetzter, aber mit beeindruckenden Ausbrüchen – ein rundum überzeugender Bass. Aus einem Schaukampf im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten wird bitterer Ernst. Aus dem Ritual, bei dem Hühnerblut fließt, Schnaps ausgespuckt wird und Ölfässer brennen (alles Versatzstücke aus der Bayreuther Götterdämmerung in der Zertrümmererregie Frank Castorfs), wird ein Kampf auf Leben und Tod, so dass am Ende Gudleik leblos am Boden liegt. Der Orgelspezialist César Franck hat hier einen gewaltigen Chor auf den Tod Gudleiks eingeschaltet. Hulda scheint dieser sinnlose Tod leidzutun, auch wenn Gudleik zum Clan Aslak gehört – sie ist ohnehin charakterlich komplexer, als es zunächst den Anschein hat.

Der zweite Akt beginnt mit einer zarten Orchestereinleitung. Diese orchestrale Kostbarkeit wird leider von Stimmen vom Band zerstört, die wieder aus dem Cahier africain oder anderem vortragen. Obendrein ist die Aufnahme technisch unbefriedigend und übersteuert teilweise bzw. überlagert die Klänge des Orchesters so, dass man von beidem nichts mehr hat – sehr störend und künstlerisch nicht akzeptabel. Bei allem Hass kümmert sich Hulda, wie man sieht, in ihrer kleinen Bleibe doch rührend um das in der traumatischen Nacht in einer Vergewaltigung gezeugte Kind. Sie erwartet ihren Eiolf (als indisponiert angesagt: Joshua Kohl, nach etwas gebremstem Auftreten im ersten Akt nun gänzlich frei) so wie Marguerite ihren Faust bei Gounod, doch dann singen sie wie Siegfried und Brünnhilde, vor allem auch, was das Orchester angeht, das nun sehr wagnerisch aufwallt und mehr als einmal Tristanharmonien anklingen lässt. Das weitere Zwiegespräch erinnert eher an Massenet mit kürzeren Melodien und einer stärkeren Betonung von einzelnen Stimmungsmomenten. In dieser Szene sieht es so aus, als könnte Hulda wirklich frei lieben.

Doch es gibt eine frühere Liebschaft Eiolfs, Swanhilde. Diese begegnet ihrem Verflossenen im Rahmen eines Festes – in Freiburg im Rahmen eines Afrika-Gipfels (Conglomérat sur le progrès technique au Congo). Der Akt beginnt mit einer Pantomime, die ein Gipfeltreffen mit feierlicher Vertragsunterzeichnung und anschließender ausschweifender Feier zeigt. Dazu hört man die lange, brillant instrumentierte Introduktion des Orchesters. Swanhilde (Irina Jae Eun Park mit mustergültigem Französisch und schöner Stimme) debattiert also mit Eiolf über die verflossene Liebe, wie es Wotan und Fricka im zweiten und Wotan und Brünnhilde im dritten Akt der Walküre tun. Seufzer erinnern an Elektras „Du lebst, und er, der besser war als du und edler tausendmal, und tausendmal so wichtig“ bei Strauss. Hulda hört diese Liebesreminiszenz, die Szene wird zum Terzett erweitert. Hulda beschließt für sich, dass Eiolf für diesen Verrat sterben muss, und animiert Gudleiks Brüder Erik, Eynar und Thrond (Erik: Roberto Gionfriddo, Eynar: Junbum Lee, Thond: Seonghwan Koo, alle drei perfekt aufeinander eingestimmt), für den älteren Bruder Rache zu nehmen.

Theater Freiburg / Hulda von César Franck- © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Theater Freiburg / Hulda von César Franck- © Tanja Dorendorf / T+T Fotografie

Wir befinden uns wieder in Huldas kleiner Behausung. Die Brüder fallen tatsächlich über Eiolf her und wollen dann Hulda umbringen. Leider geht die Regie mit ihrem Stilmittel der Texteinblendungen etwas weit und projiziert Aufrufe zum Kampf gegen Unterdrücker aus den achtziger Jahren – dass immer wieder Texteinblendungen erfolgen, zieht dann doch einen gewissen Ermüdungseffekt nach sich, zumal die Musik so viel spannender ist. Die Bühne ist inzwischen leer (Huldas Zimmer wurde nach hinten hinausgezogen), Hulda schwenkt eine große rote Fahne auf einem Jeep der UN, die Brüder hört man nur noch aus dem Off, dann wird noch einmal vom Tonband eine Salve abgefeuert, und Hulda stirbt. Diese Hulda hat vieles von den rachedurstigen Frauen, die von Isolde bis Salome und von Brünnhilde bis Elektra die Bühnen der Zeit um 1900 bevölkerten. In der Linie der Regie konsequent fokussiert das Schlussbild – ein bisschen wie Madama Butterfly – auf das übrigbleibende Kind. Hulda hat das bekommen, wofür sie gelebt hat, ihr Tod ist der Nihilismus derjenigen, die kein Ziel mehr hat außer der Autodestruktion. Das Kind, das in einer Vergewaltigung entstanden ist, bleibt übrig.

Die Vorstellung war gut besucht, wenn auch nicht ganz ausverkauft; bei einem solchen Werk darf dies als Erfolg gelten. Diese Partitur ist eine Offenbarung, eine Wiederentdeckung, wie man sie nicht alle Jahre hat, allenfalls mit Erich Wolfgang Korngolds Das Wunder der Heliane vergleichbar, das schon 2017 ebenfalls in Freiburg zu hören war, bevor es 2018 an der Deutschen Oper Berlin so fulminant der Vergessenheit entrissen wurde. Das Stück fordert von Orchester und Sängern alles – gegen die Klangmassen muss eigentlich permanent mit vollem Druck gesungen werden. Die Regie geht zupackend zu Werke – eine Inszenierung im Norwegen des 11. Jahrhunderts hätte nicht annähernd so beklemmend gewirkt wie diese drastische Aktualisierung. Die Regie geht gewissermaßen auf volles Risiko – und dies hat sicherlich seine Berechtigung; das Konzept geht auf. Aber die Regie lässt die Musik nie in Ruhe. Ein Text weniger zu lesen und eine Lesung vom Band weniger hätten den mächtigen Eindruck vielleicht nur noch stärker werden lassen. Das Orchester und sein Generalmusikdirektor Fabrice Bollon sind hörbar voll aufeinander eingestellt – hier kann man sehen, was kontinuierliche Arbeit mit einem GMD ausmachen kann. Auch der Chor leistet Großes. Über das, was man von einem mittleren Haus erwarten würde, geht diese Tat weit hinaus. Hoffentlich wird man dieses Werk bald wieder hören, vielleicht auch an einer großen Bühne. Ein großer Wurf!

Hulda am Theater Freiburg; keine Vorstellungen mehr in der Spielzeit 2019/20

—| IOCO Kritik Theater Feiburg |—

Rostock, Volkstheater Rostock, Peer Gynt – Henrik Ibsen, Edvard Grieg, IOCO Kritik, 13.04.2019

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Volkstheater Rostock

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Volkstheater Rostock © Dorit Gaetjen

Peer Gynt – Schauspiel Henrik Ibsen – Musik Edvard Grieg

– Die Suche nach dem Ich – In permanenter Reibung an der Umwelt –

von Thomas Kunzmann

Schauspiel auf der großen Bühne – funktioniert das überhaupt noch? In den großen Kulturzentren des Landes vielleicht, aber in Rostock? In den letzten Jahren waren allenfalls die Premieren passabel verkauft. Für den Theaterneubau in der Hansestadt gab es schon mal einen Plan mit zwei Bühnen, eine kleinere für das Schauspiel und Tanztheater, eine große für die regelmäßig ausverkauften Philharmonischen Konzerte und Musiktheaterproduktionen. Letztere dank ansprechender Inszenierungen bekannter Kassenschlager neuerdings auch wieder gut ausgelastet. Und so war es wohl folgerichtig, ein spartenübergreifendes Stück zu wählen, das die Leistungsfähigkeit des kleinen Ensembles unter Beweis stellen kann: ein Titel, der zieht, mit Musik, die jedem ein Begriff ist und somit das Schauspielpublikum mit den Konzertgängern zu verbinden vermag.

Ein Dutzend Mal ist Peer Gynt, von Henrik Ibsen 1867 nach norwegischen Feenmärchen geschaffen, verfilmt worden. Große Namen von Ingmar Bergman über Peter Stein, Peter Zadek, Claus Peymann bis Robert Wilson haben diesen Henrik Ibsen inszeniert. Seltener ist mittlerweile die Kombination mit Edvard Griegs Musik zu sehen.

Ibsens Werk, ursprünglich nicht für die Bühne geschaffen, ist reich an philosophischen und psychologischen Leckerbissen und kann gut und gern fünf Stunden dauern. In Rostock wird das Stück auf reichlich drei Stunden eingedampft, ohne an Wirkung zu verlieren – im Gegenteil! Die Kondensierung auf das Wesentliche macht den an sich ziemlich spröden Happen genießbar.

Volkstheater Rostock / Peer Gynt - Oliver Breite als Peer Gynt, Gina Markowitsch, Bernd Färber © Dorit-Gätjen

Volkstheater Rostock / Peer Gynt – Oliver Breite als Peer Gynt, Gina Markowitsch, Bernd Färber © Dorit-Gätjen

Im zeitlos schlichten Bühnenraum führt Regisseurin Konstanze Lauterbach straff durch den Text und konzentriert sich auf Gynts Suche nach dem eigenen Ich, indem sie ihn sich permanent an der „Gesellschaft“ reiben lässt. Der Einzelne im Ganzen, gegen das Ganze. Gynt, meist im Rahmen der Legalität, aber ständig einige Schritte jenseits der Moralvorstellung sowohl damaliger, als auch heutiger Zeit, beginnt eher als kindlich versponnener Dorfjunge denn als Phantast, bedenkt nie die Konsequenzen seines Handelns, hat aber auch nicht gelernt hat, für seine Taten einzustehen. Und so wird er immer ein Getriebener sein, jagt sich selbst von Abenteuer zu Abenteuer. Der Held seines eigenen Universums, allerdings ohne die Achtung, die er glaubt zu verdienen, die er aber auch niemandem zu geben in der Lage ist. Ebenso (und folgerichtig) ergeht es ihm mit der Liebe, die er zwar sucht, jedoch selbst nicht zu empfinden vermag.

Bernd Färber verkörpert Peer Gynt nicht selbstsüchtig, egozentrisch oder gar böswillig, eher unbedarft-infantil, sodass man wünscht, jemand nähme ihn in den Arm, um ihm ein liebevolles „Mensch Junge, sei doch mal nett zu jemandem und alles wird gut!“ zuzuraunen. Aber weder Aase (Sandra-Uma Schmitz) – als Mutter überfordert – schafft das, noch findet Solveig den Zugang. Vaterlos, ohne wirksam helfende Hand, bleibt Peer auf sich selbst gestellt. Ohne Teil der Gesellschaft zu sein, ohne Wurzeln, zwar mit einem Ziel, „Kaiser zu werden“, bei dem man sich letztlich fragt – ‚Wozu eigentlich?’ – scheitert seine Suche nach seinen Lebenskoordinaten, seinem Platz in der Gesellschaft, seinem Ich, bereits im Ansatz.

Spannend hier die Besetzung des „Krummen“ mit dem späteren „alten“ Gynt, als wolle er sich selbst, aus der Zukunft kommend, den Weg zu sich selbst weisen. Und was tut er? Er orakelt hilflos über Umwege, dass der kürzestete Weg zwischen zwei Punkten aufgrund von Hindernissen eine Kurve ist und stellt sich damit selbst vor weitere Rätsel.

Volkstheater Rostock / Peer Gynt - hier : das Ensemble © Dorit-Gätjen

Volkstheater Rostock / Peer Gynt – hier : das Ensemble © Dorit-Gätjen

Nach der Pause: Gynt ist in die Jahre gekommen, war erfolgreicher Geschäftsmann in Amerika – und ist noch immer, jetzt allerdings viel intensiver, auf der Suche nach sich selbst. Oliver Breite übernimmt diesen neuen alten Gynt, grüblerisch bis selbstzerfleischend mit eindringlicher Intensität, ohne zum Kern seines Problems zu gelangen, was sich im zentralen Zwiebel-Monolog (mit echter Zwiebel) zuspitzt. Erst in der alten Heimat soll er seine Erlösung finden. Nicht als Ziel einer langen Suche, sondern wieder eine Flucht, diesmal vor den Knopfgießern, die Peer einschmelzen wollen, um aus ihm eine für die Gesellschaft taugliche Figur zu gießen. Und so gerät die Rückkehr zu Solveig weniger zur finalen Liebesentscheidung, denn zu einer Suche nach Trost und Rettung. Auch hier wieder Solveig interessant besetzt mit Sandra-Uma Schmitz, der Mutter Gynts aus dem ersten Teil. Solveig als Mutterersatzfigur, was der Text des Wiegenliedes stützt: „Schlaf denn, teuerster Junge mein! Ich wiege Dich und ich wache.“

In atemberaubendem Tempo, pochend wie nervöser Herzschlag, reiht sich nahtlos Szene an Szene. Wohltuend entschleunigend, nahezu konterkarierend hingegen fügt sich Edvard Griegs sinfonische Dichtung ein und bietet Momente der Besinnung. Martin Hannus, seit Saisonbeginn erster Kapellmeister in Rostock, verzichtet auf übermäßiges Pathos und lässt die Norddeutsche Philharmonie klar und durchsichtig aufspielen. Lediglich die „Halle des Bergkönigs“ gerät in Kombination mit dem Chor etwas muffig. Noch im Konzert in der letzten Saison – da allerdings in der akustisch deutlich besseren Werfthalle – war es gerade dieses Stück, das in seiner rhythmisch-extatischen Wucht im besonderen Maße die Vorfreude auf diese Premiere anheizte.

Volkstheater Rostock / Peer Gynt - hier : das Oliver Breite als Peer Gynt © Dorit-Gätjen

Volkstheater Rostock / Peer Gynt – hier : das Oliver Breite als Peer Gynt © Dorit-Gätjen

Neben den beiden Peer Gynts glänzt Ulrich K. Müller als besorgter Vater Solveigs, Ulf Perthel als schweinsnasiger Trollkönig und Frank Buchwald in seiner Rolle als Vater Moen, Typ Ekel-Alfred, sowie Sandra-Uma Schmitz als Aase und alte Solveig. Judith Österreicher singt sich mit kristallklarem, leicht dramatischem Sopran als Solveig nach Marzelline (Fidelio) und Adina/Gianetta (Der Liebestrank) noch tiefer in die Herzen des Publikums. Die Vorstellung endet mit dem Wiegenlied, das ein hochkonzentriertes Publikum einige Sekunden ausklingen lässt, ehe sich ein unglaublicher Applaus Bahn bricht.

Ein außergewöhnlicher Abend, eine großartige Leistung Aller, die so eng verzahnt interagieren, dass wohl nur die regelmäßigen Besucher merken, wer welcher Sparte zugehörig ist. Ein anspruchsvolles Stück, das viele Gefahren birgt, nicht nur „geschafft“, sondern mit Bravour gemeistert. Rostocker! Hier könntet ihr einmal mehr stolz auf euer Theater sein und wer nicht in der Nähe ist – DAS ist ein Grund, die Hansestadt Rostock zu besuchen. Einige scheinen es bereits zu ahnen, die zeitnahen Vorstellungen sind komplett ausgebucht. Und dieses Stück gehört einfach auf eine große Bühne!

Trotz der ungewöhnlichen Länge blieben viele Besucher bis spät nach Mitternacht auf der Premierenfeier und ließen den gelungenen Abend im Kreise der Darsteller und Musiker nachklingen, von denen einer noch ganz ordentlich nach Zwiebel roch.

Peer Gynt am Volkstheater Rostock, die weiteren Termine:  13.4.; 19.4.; 26.4.

—| IOCO Kritik Volkstheater Rostock |—

Krefeld, Theater Krefeld-Mönchengladbach, Premiere STIFFELIO, 13.12.2014

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Krefeld © IOCO

Theater Krefeld © IOCO

Premiere: Stiffelio

Oper von Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave nach É. Souvestre und E. Bourgeois
in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Neue, kühne Stoffe, kühn bis zum äußersten, das forderte Giuseppe Verdi für die Opernbühne. Und kühn war tatsächlich, was Verdi 1850 dem Publikum mit seiner Oper Stiffelio präsentierte: Die Handlung deckt den Ehebruch einer protestantischen Pfarrersfrau auf, doch statt moralischer Verwerfung steht am Ende ein großherziges Verzeihen.

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Ohne historische Verkleidung legte Verdi seine Oper als ein aktuelles Zeitstück an und rief damit die Zensur auf den Plan, die zahlreiche Änderungen am Libretto erzwang. Aber auch das Publikum im katholischen Italien war über das Sujet höchst irritiert und reagierte mit Unverständnis. Verdi zog die Oper schließlich für Aufführungen zurück und erstellte sieben Jahre später eine weniger überzeugende Neufassung unter dem Titel Aroldo, die die Handlung in das Milieu der Kreuzfahrer verlegte.

Erst Ende des 20. Jahrhunderts (!) wurde Stiffelio in seiner ursprünglichen Gestalt für die Opernbühne wiederentdeckt – nicht nur als ein musikalisch reifes Werk, das zeitgleich mit Verdis Rigoletto entstand. Auch in seiner Dramaturgie mutet Stiffelio heutzutage wieder modern an. Die Charaktere wirken wie von Henrik Ibsen oder August Strindberg erdacht und werden durch Verdis Musik als vielschichtige Figuren gezeichnet: zerrissen in ihrem moralischen Anspruchsdenken und verloren in ihren Beziehungen zueinander.

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Erstmals am Theater Krefeld und Mönchengladbach

Musikalische Leitung: Mihkel Kütson
Inszenierung: Helen Malkowsky
Bühne: Hartmut Schörghofer
Kostüme: Susanne Hubrich
Choreinstudierung: Ursula Stigloher
Dramaturgie: Andreas Wendholz
Nachdirigat: Andreas Fellner

BESETZUNG:
Stiffelio: Michael Wade Lee, Kairschan Scholdybajew
Lina: Janet Bartolova, Izabela Matula
Stankar: Johannes Schwärsky
Raffaele: Michael Siemon
Jorg: Hayk Dèinyan
Federico von Frengel: Andrey Nevyantsev, James Park
Dorotea: Eva Maria Günschmann

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Theater Krefeld-Mönchengladbach / Stiffelio © Matthias Stutte

Premiere: Sa, 13. 12. 2014, 19:30 Uhr, Theater Krefeld

Weitere Vortellungen:
So 28. 12. 2014, 16:00 Uhr
Fr 23. 01. 2015, 19:30 Uhr
Mi 28. 01. 2015, 19:30 Uhr
So 01. 03. 2015, 19:30 Uhr
Di 10. 03. 2015, 19:30 Uhr
Fr 03. 04. 2015, 19:30 Uhr
Sa 18. 04. 2015, 18:00 Uhr
Theater Krefeld

Frühstücks-Matinee: So 07. 12. 2014, 11:15 Uhr, Theater Krefeld, Glasfoyer

—| Pressemeldung Theater Krefeld Mönchengladbach |—

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