Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze, IOCO Kritik, 22.03.2019

Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze

– Träume und Visionen – Wirkmächtiger als reales Handeln ? –

von Peter Schlang

Am 17. März 2019 hob sich in der Stuttgarter Staatsoper der Vorhang für die fünfte Neuproduktion der ersten Spielzeit des neuen Leitungs-Duos Viktor Schoner und Cornelius Meister. Zu sehen war – und ist in weiteren Vorstellungen noch bis 4. Mai – als Stuttgarter Erstaufführung Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg, in dessen revidierter Fassung von 1991. Gleichzeitig wurde damit das erste Frühjahrsfestival der Stuttgarter Staatsoper eröffnet, das noch bis zum 15. April 2019 dauert und unter dem Motto „wirklich wirklich“ steht. Das Haus am Eckensee widmet sich dabei den Phänomenen von Wirklichkeitskonstruktionen und Realitätsverschiebungen sowie dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit. Wie im Weiteren zu zeigen sein wird, war Henzes Prinz von Homburg mit seinem verschiedenen (Traum-)Welten verhafteten Protagonisten der perfekte Auftakt für diese musikalische Versuchsanordnung, die am 13. April von einem „Wirklichkeitskongress“  theoretisch unterfüttert werden wird.

Der Prinz von Homburg  –  Hans Werner Henze
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart – Cornelius Meister und Probeneinblicke II
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Das Libretto zu Henzes Musik wurde 1958/59 von Ingeborg Bachmann geschrieben, die sich dazu zwar des gleichnamigen Schauspiels Heinrich von Kleists bediente, die berühmte Vorlage aber einer behutsamen bis deutlichen Bearbeitung unterzog. Diese umfasste nicht nur Kürzungen, eine Zusammenfassung von Details und die Hinzufügung weiteren, vor allem weiblichen Personals, sondern zeichnet sich auch durch die für Ingeborg Bachmann typische, sehr poetische Sprache aus. Diese bildet nicht nur eine ideale Ausgangsbasis für Henzes Musik, sondern ist dieser eine kongeniale wie hilfreiche Partnerin und Begleiterin.

Der aus Stuttgart stammende und durch mehrere Inszenierungen am hiesigen Schauspielhaus bestens eingeführte Regisseur Stephan Kimmig arbeitete mit dieser Henze-Oper erstmals für die Stuttgarter Staatsoper. Er legt von Anfang an Wert auf eine möglichst enge Heranführung des Traums an die Wirklichkeit, ja vermischt, wo es nötig und angebracht ist, sogar die beiden Sphären. Andererseits macht er aber durch zahlreiche Details und eine klare Personenzeichnung auch  deutlich, wo sich Traum und Realität ausschließen und entsprechende Handlungen ihre Grenzen haben. Dazu bedient er sich klarer, zum Teil sehr drastischer theatralischer Elemente und gibt seiner Personenführung etwas betont Statuarisches, ja manchmal zu Artifizielles, das den Betrachter immer wieder an die Personenregie in Inszenierungen Robert Wilsons denken lässt.

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg - hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Vera-Lotte Boecker als Prinzessin von Oranien © Wolf Silveri

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg – hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Vera-Lotte Boecker als Prinzessin von Oranien © Wolf Silveri

Katja Haß hat ihm dafür einen weißen Einheitsraum gebaut, der Anklänge an einen Laborraum aufweist, aber auch an eine in die Jahre gekommene Turnhalle erinnert und etwas Hermetisches verkörpert. Darin und an den an den Wänden angebrachten Ballett- oder Turnstangen absolvieren nicht wenige der Protagonisten ihre sie auf die bevorstehenden Kämpfe vorbereitenden Fitness-Übungen. Seine Schäbigkeit – die Farbe blättert ab, Rostspuren „zieren“ die Wände – mag auf die Zustände des historischen Fürstentums Brandenburg wie auf jene aktueller Systeme und Strukturen schließen lassen, ohne klar Position für die eine oder andere Wirklichkeit zu beziehen.

Dazu passen die von Anja Rabes geschaffenen Alltagskostüme, die irgendwo zwischen früher Nachkriegszeit und zeitgeistigem Retro- wie Freizeitlook anzusiedeln sind. Sie zeugen von überraschendem Wechsel, von einer Haltung des Noch-nicht- Bereitseins und auch davon, dass ihre Träger noch ganz andere Schlachten schlagen müssen als die auf dem Feld. Darauf mag auch der übermäßig häufige Einsatz von Unterwäsche bei Obrigkeit und Soldaten hinweisen. Er ist stellenweise sinnenhaft und wohl auch ironisch gemeint, ermüdet aber im Lauf der Zeit genauso wie die immer wieder über die Wände zuckenden Lichtreflexe oder die auf den Zwischenvorhang projizierten Video-Doppelungen. (Videos: Rebecca Riedel, Lichtregie: Reinhard Traub) Beides soll wohl die Traumseite unterstreichen, doch sind die in Handlung und Musik vorhandenen Hinweise darauf so klar und deutlich, dass diese optischen Verstärker eher eine mentale Unterforderung der Zuschauer bewirken. Dies alles sind aber eher Luxus- oder Randprobleme, die Kimmigs Regie nichts von ihrer großen Dichte und dramaturgischen Stringenz rauben.

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg - hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Erster, Zweiter, Dritter Offizier © Wolf Silveri

Staatsoper Stuttgart / Der Prinz von Homburg – hier : Robin Adams als Prinz von Homburg und Erster, Zweiter, Dritter Offizier © Wolf Silveri

Auch musikalisch bewegt sich die Stuttgarter Erstaufführung von Henzes wichtigem Werk der klassischen Moderne auf allerhöchstem Niveau. Dafür sorgt an erster Stelle Cornelius Meister, der nach Wagners Lohengrin zum Spielzeitbeginn mit dem Prinz von Homburg seine zweite Stuttgarter Premiere dirigierte und auch schon bei mehreren Repertoirevorstellungen und Sinfoniekonzerten seine überaus großen Kompetenzen als Musikgestalter und Leiter musikalischer Kollektive unter Beweis stellte. An diesem Abend ist er auch  der komplex-polyphonen Musik Henzes mit ihren so vielschichtigen epochalen, stilistischen und musik-ästhetischen Anspielungen ein leidenschaftlicher wie verlässlicher Sachwalter und steuert das unter seiner Leitung immer souveräner und mitreißender agierende Staatsorchester so hochkonzentriert wie gefühlsbetont durch die verflixt anspruchsvolle Partitur. Henzes höchst klangsinnliche Musik hat den nötigen Raum zu wirken und aufzublühen, gerade auch an den Vor- und Zwischenspielen, die bei geschlossenem Bühnenbild wie filmische Schnitte wirken und eine ganz eigene erzählende wie kommentierende Funktion besitzen.

Bei aller Hingabe an sein Orchester mangelt es Meister nicht an jenem sorgfältigen Blick auf und für die Sängerinnen und Sänger – dazu dirigiert er aus leicht erhöhter Position – die diesen eine sichere und  rollengerechte Bewältigung ihrer ja ebenfalls  höchst diffizilen Partien ermöglichen. Und so ist das Staatsorchester bis auf ganz wenige Stellen, an denen es vielleicht ein bisschen zu engagiert und damit zu laut tönt, ein wunderbarer und verlässlicher Begleiter und Unter- und Hintergrund-Geber.

Aus der vokalen Solistenriege jemanden hervorzuheben, ist nur wegen der Größe und des Schwierigkeitsgrads der Hauptrollen gerechtfertigt. Die fünf Sängerinnen und neun Sänger bilden nämlich ein Protagonistenteam, das den Abend ohne jegliche Trübung und Einschränkung bereichert und um welches die Stuttgarter Oper von nicht wenigen Opernhäusern und deren Publikum beneidet werden dürfte. Diese Leistung wirkt umso eindrucksvoller, wenn man berücksichtigt, dass die Sänger häufig musikalisch „nahezu nackt“ auftreten, also nur von wenigen Instrumenten „begleitet“ werden, die zudem wie spätestens seit Wagner üblich eine völlig andere, eigene Melodie zu spielen haben.

Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze
youtube Trailer der Staatsoper Stuttgart – Stephan Kimmig und Probeneinblicke I
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Von höchster stimmlicher wie darstellerischer Präsenz und Leidenschaft gestalten Vera-Lotte Böcker die Rolle der Prinzessin Natalie von Oranien und Robin Adams jene des Prinzen von Homburg, dabei wunderbar zwischen den verschiedenen Stimmungen wie Stimmlagen changierend und sehr glaubhaft ihren Emotionen Ausdruck verleihend. Diese inneren Zustände nach außen zu transportieren gelingt aber auch allen anderen Darstellerinnen und Darstellern, vor allem der wundervoll sich zurücknehmenden und fast devot wirkenden Helene Schneiderman als Kurfürstin. Stefan Margita singt deren Gemahl, den Kurfürsten von Brandenburg, mit tief gründendem, Respekt einflößendem und Distanz ausdrückendem Tenor, der aber auch Zerbrechlichkeit und eine gewisse Überforderung im Amt erkennen lässt.

Ein fabelhaftes Rollendebüt gelingt Moritz Kallenberg als Graf Hohenzollern, der nicht nur in der Interaktion mit seinem Freund und Vertrauten Friedrich Artur von Homburg seine große Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. Mit geschmeidiger, flexibel geführter und in allen dynamischen Abstufungen bewegend eingesetzter Stimme macht er zu jeder Zeit vergessen, dass  er erst bzw. noch Mitglied des Opernstudios der Stuttgarter Oper ist und erst zur kommenden Spielzeit in das „große“ Opernensemble übernommen wird.

Weiteren großen Anteil an der überragenden  gesanglichen Ausstrahlung dieses Opernabends haben die Sängerinnen der drei Hofdamen Catriona Smith, Anna Wehrle und Stine Marie Fischer, die aber ebenso darstellerisch Großes leisten – auch wenn sie nicht stimmlich im Einsatz sind – wie ihre Kollegen Michael Ebbecke als Feldmarschall Dörfling, Friedemann Röhlig als Obrist Kottwitz und Johannes Kammler als Wachtmeister. Gleiches gilt ohne jede Einschränkung für Mingjie Lei, Pawel Konik und Michael Nagl als die drei Offiziere.

Im Schlussbild präsentieren sich alle auf der Bühne Mitwirkenden mit einer Mischung aus Fan-Schal und Demo-Transparent, auf denen für die Gesellschaft und deren Zukunft  wichtige Werte und Einstellungen zu lesen sind. Dies mag etwas plakativ wirken, erscheint aber angesichts der populistischen, ja  rechtsextremen Tendenzen in vielen Ländern Europas als ein zulässiges, ja notwendiges Instrument, um Einfluss auf die politische und gesellschaftliche Wirklichkeit und die dortige Willensbildung zu nehmen. Und auch Träume müssen ja befeuert und  ins Bewusstsein gerufen werden….

Am Ende gab es vom ausverkauften Haus begeisterten, ja für eine zeitgenössische Oper frenetischen Beifall, der alle Beteiligten einschloss und an keiner Stelle durch eine noch so kleine Missfallenskundgebung getrübt wurde.

Der Prinz von Homburg an der Staatsoper Stuttgart, weitere  Vorstellungen am 20., 22. 29. März, 6. April, 4. Mai 2019

—| IOCO Kritik Oper Stuttgart |—

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Der Prinz von Homburg – Hans Werner Henze, 17.03.2019

Februar 19, 2019 by  
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Oper Stuttgart

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Oper Stuttgart ©Matthias Baus

Der Prinz von Homburg  –  Oper von Hans Werner Henze

 Nach Heinrich von Kleist, für Musik eingerichtet von Ingeborg Bachmann

Sonntag, 17. März 2019, 18 Uhr, Weitere Vorstellungen : 20. / 22. / 29. März 2019, 06. April 2019, 04. Mai 2019

Wovon träumst Du?
Cornelius Meister dirigiert Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg in der Regie von Stephan Kimmig zum Auftakt des Frühjahrsfestivals an der Staatsoper Stuttgart

Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg feiert am Sonntag, 17. März 2019, um 18 Uhr Premiere im Stuttgarter Opernhaus. Mit der Stuttgarter Erstaufführung dieses Werks knüpft die Staatsoper Stuttgart an die große Henze-Tradition des Hauses an. Die Oper Der Prinz von Homburg basiert auf Heinrich von Kleists Drama über den Konflikt des träumenden Menschen mit der auf Gehorsam zielenden staatlichen Ordnung. Generalmusikdirektor Cornelius Meister dirigiert Henzes revidierte Fassung aus dem Jahr 1991. Der aus Stuttgart stammende Regisseur Stephan Kimmig, derzeit Hausregisseur am Deutschen Theater in Berlin, wird nach zahlreichen Arbeiten im benachbarten Schauspielhaus bei dieser Premiere zum ersten Mal an der Staatsoper Stuttgart inszenieren.

Prinz von Homburg – Hans Werner Henze
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In ihrer Interpretation von Kleists Drama entwarfen Hans Werner Henze und seine Librettistin Ingeborg Bachmann 1958/59 die Idealversion einer offenen und sich reflektierenden Gesellschaft, die für den Regisseur nichts an Dringlichkeit eingebüßt hat: „Ingeborg Bachmanns Libretto ist der Traum eines Gegenentwurfs zur verknöcherten Realität: der Traum von einem freigeistigen Brandenburg, in dem Gerechtigkeit lebbar wird und wo Freimut kein Wagnis mehr ist, einem Brandenburg, in dem der Staat Zweifel und Widerstand seiner Macht gegenüber nicht nur duldet, sondern legitimiert, ja, sich wünscht.“

In der Titelpartie debütiert Robin Adams. Der britische Bariton ist regelmäßiger Gast an den Opernhäusern in Buenos Aires, Barcelona, Basel, Leipzig, Frankfurt und dem Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel. 2011 debütierte er an der Mailänder Scala bei der Uraufführung von Luca Francesconis Zweipersonenstück Quartett nach Heiner Müller. Vera-Lotte Böcker singt Prinzessin Natalie von Oranien und gibt damit ihr Rollen- und Hausdebüt in Stuttgart. Ks. Helene Schneiderman, die seit mehr als 30 Jahren dem Stuttgarter Solistenensemble angehört, singt die Kurfürstin.

Die Premiere von Hans Werner Henzes Der Prinz von Homburg ist der Auftakt zum ersten Frühjahrsfestival der Staatsoper Stuttgart vom 17. März bis zum 15. April 2019 unter dem Motto „wirklich wirklich“: Eine Reihe von Gesprächsveranstaltungen, Sinfonie-, Kammer- und Liedkonzerten, eine Lange Nacht der Minimal Music, ein Wirklichkeits-Kongress sowie zahlreiche Repertoire-Vorstellungen widmen sich in diesem Zeitraum den Phänomenen von Wirklichkeitskonstruktionen und Realitätsverschiebungen sowie dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit. Weitere Höhepunkte des Festivals markieren nach Der Prinz von Homburg auch die Premieren von John Adams‘ Oper Nixon in China in der Regie von Marco Štorman (Premiere am Sonntag, 7. April 2019) sowie Vorstellungen der jüngsten JOiN-Produktion Antigone-Tribunal (Uraufführung am 9. März 2019, Vorstellungen bis 31. März 2019).

—| Pressemeldung Oper Stuttgart |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, La Sonnambula – Ein Alpentraum, IOCO Kritik, 15.02.2019

Februar 15, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

La Sonnambula  im  Zauberberg

– Ein Alb/p-Traum nach Vincenzo Bellini  –

von Kerstin Schweiger

„Ich steh mitten auf ‚ner Alm, Heugabel in der Hand,
mir ist das neu, weil ich mich gerade noch im Bett befand.
Ich träume offenbar im Tiefschlaf vor mich hin,
guck mich erstmal verschlafen um, wo ich wohl bin.
Dunkle Tannen, grüne Wiesen und Sonnenschein.
Ach, nee, bloß nicht, ich muss in den Alpen sein.
Oh, Gott, ich hab ‘nen Alpentraum, es ist alles so furchtbar, ich hab ‘nen Alpentraum.
Weck mich auf, weck mich auf, Weck mich auf!“

Songtext von Weber-Beckmann „Alpentraum“

Die majestätische Weite der Bergwelt ist als hermetischer literarischer Ort bekannt. Thomas Manns Zauberberg versammelt in den Schweizer Alpen 1924 eine geschlossene Gesellschaft als Zwangsgemeinschaft in erhobener Lage, in einem Sanatorium. Johanna Spyris Welterfolg Heidi von 1883 setzt Stadtleben in Frankfurt und das entlegene Landleben in den Schweizer Alpen gegeneinander und thematisiert dabei sogar Heidis Schlafwandelsymptome aus Heimweh nach den Bergen.

Vincenzo Bellini - Père Lachaise - Paris © IOCO

Vincenzo Bellini – Père Lachaise – Paris © IOCO

Knapp 50 Jahre zuvor siedelte Bellini zusammen mit seinem Librettisten Felice Romani LA SONNAMBULA in einer entlegenen Bergwelt an, in deren verschlossenen Grenzen seltsame Dinge vor sich gehen.

Worum geht es? Amina, mittellose Waise, ist verlobt, hat gar schon den Ehevertrag unterschrieben, ist aber noch nicht mit ihrem Elvino vor den Altar getreten. Aus einfachen Verhältnissen kommend, wird sie den reichsten Bauern im Dorf heiraten. Als sie nachts im Schlafzimmer des inkognito heimgekehrten Grafen Rodolfo aufwacht, zerbricht die trügerische Idylle: Amina ist sich keiner Schuld bewusst, doch Elvino löst die Verlobung auf und kehrt zu seiner verflossenen Geliebten Lisa zurück. Erst als Amina der versammelten Dorfgemeinschaft wie ein Geist erscheint, wird ihre Unschuld offenbar: die Dorfgemeinschaft realisiert, was passiert ist: Schlafwandelnd war sie nicht Herrin ihrer Sinne. Aus der Trance erwacht, findet sich Amina als Braut Elvinos wieder.

Als Bellini eine ganze Handlung um eine Schlafwandlerin herum entwarf, war der Sonnambulismus – das Schlafwandeln als pathologischer Befund jedoch noch nicht erforscht. Erst 1843 wurde eine erste medizinische Aufzeichnung zu diesem Thema veröffentlicht: „Mittheilungen über die Sonnambüle Auguste K.“ von Johann Karl Bähr in Dresden veröffentlicht. Zuvor wurde das Schlafwandeln als Geistererscheinung oder Wahnsinn gesehen. Eine psychologisch gestützte Betrachtungsweise entwickelte sich erst Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts.

La Sonnambula – Vincenzo Bellini
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Die Geschichte wirft jedoch weitere Fragen auf: das Verhältnis zwischen Adel und Volk, eventuell sogar die überkommene Tradition eines ius primae noctis, ist der Figaro-Graf ein Verwandter im Geiste des Grafen Rodolfo, sind die die pragmatischen Frauenfiguren in LA SONNAMBULA Schwestern von Gräfin und Susanna? 1831 lag die Französische Revolution noch nicht lange zurück. In dieser Zeitenwende zogen sich die Bürger ins Private zurück. Der Eskapismus machte auch bei den erdachten Figuren und Schauplätzen in Theater und Oper nicht halt. Angesichts privater und politischer Widrigkeiten flüchteten sich auch Opernfiguren in andere Geisteszustände: Es wimmelte von Geistern, Untoten, Wahnsinnigen und Somnambulen. In Bellinis LA SONNAMBULA verunsichert ein Gespenst die Einwohner im Schweizer Bergdorf. Erst im Laufe der Handlung wird sich herausstellen, dass es die junge Amina ist, die nachts durch das Bergdorf irrt.

Vincenzo Bellini schrieb die Oper 1831, im gleichen Jahr wie auch seine berühmteste Oper NORMA. In der Aufführungstradition dieser Werke aus der Belcanto-Epoche legten Publikum und Produzenten lange einen starken Fokus auf die musikalische Seite dieser Werke, mit einer Konzentration auf die Stimme und das Können der Sängerinnen und Sänger im Interesse eine sogenannten Belcanto-Tradition, die als Schöngesangoper zu wörtlich genommen wird. Denn die Schönheit der Melodien verstellt den Blick auf Konflikte und tieferliegende Schichten der Handlung. Das Drama findet im Mikrokosmos der Vorstellungswelt der handelnden Figuren statt. Diese persönlichen Dramen in der und mit der Musik sichtbar zu machen, ist das Anliegen des Regie-Duos Jossi Wieler und Sergio Morabito.

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula - hier : Verena Gimadieva als Amina, Helene Schneidermann als Teresa, Alexandra Hutton als Lisa © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula – hier : Verena Gimadieva als Amina, Helene Schneidermann als Teresa, Alexandra Hutton als Lisa © Bernd Uhlig

Die dünne (Berg-)Luft, wenn es um vermeintliche Untreue, Überschreiten von Standesgrenzen und weitere Grenzgänge in einem abgelegenen streng gestrickten dörflichen Mikrokosmos und die Enge einer solchen traditierten Gemeinschaft geht, bekommen die Protagonisten in deutlich zu spüren. Wieler und Co-Regisseur Morabito legen das Unausgesprochene, das hinter dem Stück schlummernde frei, befördern das akzeptiert Unausgesprochene hinter der verschlafenen Bergdorffassade ans Tageslicht.

Sie erzählen die Geschichte mit einer fundierten dramaturgischen Begleitung durch Lars Gebhardt handfest und heutig so: Mit schlafwandlerischer Sicherheit landet die allseits geschätzte junge Frau Amina, ein Waisenkind, durch eine pathologische Besonderheit im bisher größten Fettnäpfchen ihres Lebens. Kurz vor der Hochzeit mit ihrem Traummann Elvino, dem reichsten und attraktivsten Junggesellen weit und breit, vermasselt Amina sich und ihrer ehrgeizigen Ziehmutter Teresa in einem nächtlichen Alleingang wider Willen erstmal die gute Partie. Sie schlafwandelt zielsicher in das Gästebett des regionalen Grafen, der nach langer Abwesenheit zurückkehrt und in Lisas Gasthaus Quartier genommen hat. Obwohl dort nichts passiert ist, was ihre Hochzeit mit Elvino in Frage stellen könnte, interpretiert die Dorfgemeinschaft einen Fehltritt mit dem Grafen, ein gefundenes Fressen und interessante Abwechslung für alle. Dorfbewohner.

Aminas größte Neiderin, die proletenhafte Wirtshausbesitzerin Lisa, mit Pullover und Hirn aus Mohair-Wolle, herauswachsendem Haaransatz, prekären Manieren und einem sonnigen Herzen mit Schnauze, nutzt die Gunst der Stunde und macht sich prompt mit Elvino auf den Weg zum Altar. Nicht ohne ihrem Dauer-Verehrer, dem smarten Alessio, mit einem kräftigen Tritt vor das Macho-Schienbein endgültig den Laufpass zu geben.

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula - hier : Verena Gimadieva als Amina, Ante Jerkunica als Graf Rodolfo © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula – hier : Verena Gimadieva als Amina, Ante Jerkunica als Graf Rodolfo © Bernd Uhlig

Alles vor den Augen der plump-schlauen Dorfgemeinschaft, die sich im Dorfgasthaus das Leben der anderen auf der Lästerzunge zergehen lässt. Grenzen verschieben sich, Strukturen, die Halt geben, brechen auf. Alles vollzieht sich vor der Augen und Ohren der größten Instanz vor Ort: der Dorfgemeinschaft, die in dumpfer Eintönigkeit stehengeblieben ist. Amina steht an der Schwelle zum Erwachsensein, ihr bisheriges Leben als Ziehtochter einer umtriebigen Mutter würde sich mit der Heirat in eine andere soziale Ebene komplett ändern. Die Gastwirtin Lisa versinkt im tristen Alltag, sie verzweifelt an der Eintönigkeit des Seins. Teresa, Aminas Ziehmutter, wittert den Karrieresprung zur reichen Schwiegermutter. Der Graf kehrt aus der Stadt zurück in die Berge, um alte Geschichten oder Beziehungen aufzuarbeiten.

Graf Rodolfo, der Amina gern wach in seinem Bett gesehen hätte, jedoch die pathologische Seite ihres Ausflugs erkennt, bleibt fair und klärt die Gemeinde über Aminas Sonnambulismus auf. Elvino springt über seinen Schatten und bekennt sich zu Amira als sie erneut schlafwandelnd im Gastraum erscheint. Amina erwacht und findet sich dort wieder, wo die Geschichte anfing. Doch an die Unbeschwertheit des Anfangs kann keiner der Protagonisten anknüpfen, das Happy End schmeckt schal, ein Alpentraum – für alle Beteiligten.

Kongenial wirkt der von Anna Viebrock entworfene Bühnenraum. Ein herunter gekommener Landgasthof. Der riesige hallenartige gewölbte Gastraum lässt an Trostlosigkeit kaum zu wünschen übrig. Schwere Holzschränke, Stromzähler, kahle Glühbirnen und vollgestopfte und nicht geleerte Briefkästen lassen ahnen, dass sich das Dorfleben komplett an diesem Ort abspielt, Fenster oder Alpenpanorama gibt es nicht. Hier wird das Äußere nach innen gekehrt.

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula - hier : Verena Gimadieva als Amina, Ante Jerkunica als Graf Rodolfo © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula – hier : Verena Gimadieva als Amina, Ante Jerkunica als Graf Rodolfo © Bernd Uhlig

Bellini gibt dieser Sichtweise recht. Der Komponist setzte Koloraturen und Verzierungen sparsamer ein als in seinen anderen Opern. Selbst in den Nachtwandelszenen Aminas – die durchaus als „kleine Schwestern“ der großen Wahnsinnsszenen wie z.B. in Donizettis LUCIA DI LAMMERMOOR zu verstehen sind – wird die Koloratur nie zum Selbstzweck eingesetzt: Der Komponist konzentriert sich hier ganz darauf, den Gefühlen der Protagonistin nachzuspüren.

Die Mezzosopranistin Helene Schneiderman gibt ein furioses Hausdebüt an der Deutschen Oper Berlin. Sie zeichnet eine scharfe Charakterstudie von Aminas Ziehmutter Teresa, hält die Fäden in Richtung Heirat mit Elvino gegen alle Widrigkeiten zielgerichtet in der Hand. Ihre Ziele liegen symbolisch in der Handtasche, an der sie sich fast das ganze Stück hindurch festhält. Jede Geste sitzt, sie beherrscht in präsenter Unauffälligkeit die Szene. Was Teresa und den Grafen möglicherweise früher verbunden hat, bleibt in Blicken und szenischen Andeutungen unklar.

Venera Gimadieva in der Titelpartie der Amina vereint innigen Schmelz, zartes Piano und großzügige Geläufigkeit in der an Koloraturen reichen Titelpartie. Fragil in der Darstellung, ist sie von klarer Präsenz in sich ruhend, aber nicht fatalistisch dem Geschehen ergeben.

Der mexikanische Tenor Jesús León als Elvino beherrscht alle Belcanto-Techniken. Mit elegantem hellem Tenor präsentiert er ein differenziertes Rollenverständnis des in tiefe Verwirrung fallenden Elvino, der mit einem Herz aus Gold aber wenig Standhaftigkeit gegenüber der fordernden Gemeinschaft und vor allem gegenüber Amina zeigt.

Alexandra Hutton als Gastwirtin Lisa ist der große Gegenentwurf zur fragilen zögerlichen Gestalt Aminas. Sie signalisiert einen kommenden selbstbewussten Frauentypus. Ihr heller Sopran lässt die vielen Verzierungen in den Gesangslinien der Rolle mühelos leuchten. Sie ist eine durch und durch heutige Figur, Prekariat pur, Herz mit Schnauze. Andrew Harris als ihr Liebhaber Alessio gestaltet einen Hipster mit geschmeidigem und durchsetzungsstarkem Bass.

Als Graf Rodolfo glänzt der kroatische Bass Ante Jerkunica. Er zeichnet mit Eleganz einen belesenen und differenzierenden Adligen an der Schwelle zur Bürgerlichkeit, mit Handkoffern ohne Dienerschaft reisend, Bücher im Gepäck, ein Kämpfer zwischen Verlangen und Anstand. Mit profundem, schönem Bass und müheloser Höhe, ergänzt er eine Ensembleleistung die nicht in Schöngesang zum Selbstzweck verfällt, sondern diesem ein spannendes Psychodrama selbstverständlich an die Seite stellt.

Der Chor der Deutschen Oper Berlin zeigt die Dorfgemeinschaft musikalisch wie szenisch als vielseitiges Charakterbild, Individuen, die in der Gruppe stark sind, inklusive Polizist und Person mit Handicap. In der Zeit eingefrorene Sonderlinge, die Druck auf Außenseiter wie Lisa und Amina ausüben, eine Instanz, an der kein Individuum vorbei kommt.

In Stephan Zilias, der in der Endprobenphase als Musikalischer Leiter einsprang, haben Chor und Ensemble einen einfühlsamen Begleiter, der mit moderaten Tempi Raum für ausführliche Gesangslinien bietet. Fein abgestimmt mit der Regie, gewährt er sogar Generalpausen für Schockmomente oder Umbauten.

Ein Alpentraum aus einem Guss. Wer daraus aufwacht fragt sich, wie es wohl nach dieser Nacht weitergehen wird

Besucherstimmen  –  Zur Premiere von La Sonnambula 
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Die Deutsche Oper Berlin hat das Thema Belcanto begleitend in einem öffentlichen dreitägigen Symposium im Februar 2019 zu einem aktuellen Thema gemacht und in Vorträgen und Diskussionen unterschiedlicher Referenten die Gültigkeit des Belcanto—Begriffs ausgelotet.

Als Ideal einer Verschmelzung von Klangschönheit, Ausdruck und Virtuosität steht der Begriff „Belcanto“ seit Claudio Monteverdis L’ORFEO, also seit über 400 Jahren, für die Faszinationskraft, die vom Einsatz der menschlichen Stimme auf der Opernbühne ausgehen kann. Was „schön“ ist, entscheidet jede Generation aufs Neue. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die Oper mit einem realistischeren Musikstil einen anderen Weg einschlug, änderte sich auch der Begriff des Belcanto zuletzt erneut gravierend.

LA SONNAMBULA von Vincenzo Bellini, Deutsche Oper Berlin, Premiere am 26.1.2019,  weitere Vorstellungen in dieser Spielzeit am 19. und 25. Mai 2019

—| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |—

Berlin, Deutsche Oper Berlin, La Sonnambula – Vincenzo Bellini, IOCO Aktuell, 26.01.2018

Januar 23, 2019 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Von Weltflucht, Traum und Trance … und dem Erwachen in der Realität

La Sonnambula – Vincenzo Bellini

Premiere: 26. Januar 2019, weitere Vorstellungen: 2., 7., 10. Februar, 19., 25. Mai 2019

Vincenzo Bellini - Père Lachaise - Paris © IOCO

Vincenzo Bellini – Père Lachaise – Paris © IOCO

Immer noch sind die Opern des romantischen Belcanto eines Donizetti (1797-1848) und Bellini (1801-1835) als „Schönsangopern“ ohne inhaltliche Tiefe verschrien. Die Schönheit der Melodien, die Konzentration auf die Stimme und das Können der Sängerinnen und Sänger verstellen gerade bei Bellini immer wieder den Blick auf Konflikte und tieferliegende Schichten. Insbesondere LA SONNAMBULA wird gern als letztes Aufflackern eines naiven Pastoralspiels rezipiert. Es stimmt, die großen Herrschaftskonflikte und der absolute Wahnsinn fehlen hier, doch auch im Kleinen gibt es große Dramen:

HANDLUNG: In einem abgelegenen Dorf in den Schweizer Alpen spielt sich eine Tragödie mit gutem Ausgang zwischen einfachen Menschen ab. Amina ist verlobt, hat gar schon den Ehevertrag unterschrieben, ist aber noch nicht mit ihrem Elvino vor den Altar getreten. Aus einfachen Verhältnissen kommend, wird sie den reichsten Bauern im Dorf heiraten. Als sie des Nachts im Schlafzimmer des inkognito heimgekehrten Grafen Rodolfo aufwacht, zerbricht die trügerische Idylle: Elvino löst die Verlobung auf und kehrt zurück zu seiner verflossenen Geliebten Lisa. Erst als Amina, in schwindelerregender Höhe und dem Tode nah, der versammelten Dorfgemeinschaft wie ein Geist erscheint, wird ihre Unschuld offenbar: Schlafwandelnd ist sie nicht Herrin ihrer Sinne – aus der Trance erwacht, findet sich Amina als Braut Elvinos wieder.

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula - hier : Verena Gimadieva, Helene Schneidermann, Alexandra Hutton © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula – hier : Verena Gimadieva, Helene Schneidermann, Alexandra Hutton © Bernd Uhlig

Das Regieduo Jossi Wieler (ehemaliger Intendant der Oper Stuttgart) und Sergio Morabito hat in den letzten Jahren immer wieder eine Lanze für die Opern Bellinis gebrochen: Ihre Produktionen von NORMA, IL PIRATA und eben auch LA SONNAMBULA legen bei genauer Analyse die tieferen Schichten der vermeintlich so oberflächlichen Figuren frei. Dabei greifen sie bei LA SONNAMBULA auf verworfenes Material von Romani und Bellini zurück: Libretto-Skizzen zeigen sehr deutlich, dass die im finalen Libretto nur angedeutete Vaterschaft Rodolfos für Amina von den Autoren durchaus intendiert war. Damit eröffnen sich natürlich neue Perspektiven für die Interpretation. Amina fällt mit ihrer naiven Gutgläubigkeit aus der misstrauisch-dumpfen Dorfgesellschaft heraus, aber auch Lisa – die Konkurrentin um das Herz Elvinos – ist eine durchaus selbstbestimmte Außenseiterin. Und auch der Blick auf das Gespenst, das die ganze Dorfbevölkerung, inklusive Amina, glaubt, immer wieder zu sehen, wird bei Wieler / Morabito geschärft.

Bellini setzt Koloraturen und Verzierungen sparsamer ein als sein Kollege Donizetti, und in LA SONNAMBULA gezielter noch als in seinen anderen Opern. Selbst in den Nachtwandelszenen Aminas – die durchaus als „kleine Schwestern“ der großen Wahnsinnsszenen der Belcanto-Opern zu verstehen sind – wird die Koloratur nie zum Selbstzweck eingesetzt: Der Komponist konzentriert sich hier ganz darauf, den Gefühlen der Protagonistin nachzuspüren. Wieler und Morabito machen diese Gefühle und die psychologischen Dimensionen der Musik erfahrbar.

Die Produktion entstand 2012 für die Staatsoper Stuttgart und wurde in einer Kritikerumfrage zur „Inszenierung des Jahres“ gekürt. Jossi Wieler und Sergio Morabito haben sie nun für die Deutsche Oper Berlin einstudiert – gemeinsam mit den Solisten erarbeiten sie die Figuren neu.

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula © Bernd Uhlig

Deutsche Oper Berlin / La Sonnambula © Bernd Uhlig

Anna Viebrocks realistisch-überzeichneter Bühnenraum und die detailgenauen Kostüme, die auch jeden Chorsänger zum Individuum machen, tragen wie so oft bei den Arbeiten von Wieler und Morabito zum Erfolg bei.

Die musikalische Leitung übernimmt Diego Fasolis, der längst nicht mehr nur Spezialist für Alte Musik ist, sondern sich – nicht zuletzt in der historisch-kritischen Einspielung von Bellinis NORMA mit Cecilia Bartoli – auch im Belcanto-Fach einen Namen gemacht hat.

Wir freuen uns auf Venera Gimadieva in der Titelpartie, die mit ihrem lyrischen Koloratursopran zu einer der gefragtesten Interpretinnen ihres Fachs gehört. An der Deutschen Oper Berlin stand sie im Februar 2016 als Giulietta in Bellinis I CAPULETI E I MONTECCHI an der Seite von Joyce DiDonato und war auch bereits als Violetta Valéry (LA TRAVIATA) hier zu erleben. Noch in dieser Saison wird  sie an der Semperoper Marguerite von Valois in der Neuproduktion von LES HUGUENOTS interpretieren.

Der mexikanische Tenor Jesús León übernimmt die Partie des Elvino, der nach Vorstellungen an der Staatsoper Stuttgart kein Neuling mehr in der Rolle ist. Als Graf Rodolfo ist der kroatische Bass Ante Jerkunica zu erleben, dessen Präsenz als Pimen in BORIS GODUNOW und alsMarcel in LES HUGUENOTS in den Neuproduktionen der Deutschen Oper Berlin von Publikum und Presse einhelligen Beifall erhielt. Und als Teresa gibt die Mezzosopranistin Helene Schneiderman endlich ihr  Debüt an unserem Haus.

—| IOCO Atuell Deutsche Oper Berlin |—

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