Wien, Wiener Staatsoper, Der Freischütz – Carl Maria von Weber, 11.06.2018

Juni 5, 2018 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

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 DER FREISCHÜTZ – Carl Maria von Weber

Premiere und Produktion

Die kommende Premiere der Wiener Staatsoper  von Der Freischütz  am 11. Juni 2018 sowie die Aufführungen am 14., 17. und 28. Juni 2018 werden im Rahmen von Oper live am Platz live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.

Mit Der Freischütz steht am Montag, 11. Juni 2018 die letzte Staatsopernpremiere der Spielzeit 2017/2018 auf dem Programm: Mit dieser Neuinszenierung ist Carl Maria von Webers 1821 in Berlin uraufgeführte „romantische Oper in drei Aufzügen“ nach 19 Jahren wieder im Haus am Ring zu erleben.

Schon wenige Monate nach der Eröffnung der Hofoper – am 1. Jänner 1870 – wurde das Werk zum ersten Mal im Haus am Ring gezeigt. Es folgten weitere acht Neuproduktionen (davon eine im Volksoperngebäude) bis zur bisher jüngsten Neuinszenierung 1995 in einer Regie von Alfred Kirchner und unter der musikalischen Leitung von Leopold Hager. Der Freischütz wurde im Haus am Ring bisher insgesamt 477 Mal in zehn unterschiedlichen Produktionen gezeigt, zuletzt stand die Oper im April 1999 auf dem Staatsopernspielplan.

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Camilla Nylund als Agathe © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Camilla Nylund als Agathe und Ensemble © Michael Pöhn

Musikalisch geleitet wird die nun anstehende Neuproduktion von Tomáš Netopil: Der tschechische Dirigent, Generalmusikdirektor des Aalto Theaters und der Philharmonie Essen, debütierte 2014 mit Rusalka im Haus am Ring und leitete bisher weiters auch Vorstellungen von Das schlaue Füchslein, Così fan tutte und Kátja Kabanová. Er dirigiert Der Freischütz erstmals komplett und will in seiner Interpretation die ursprüngliche Form der Oper zeigen, wie er im Gespräch mit Oliver Láng für das Staatsopernmagazin Prolog betont: „Den Freischütz möchte ich am liebsten nicht aus dem interpretieren, was die nachfolgenden Generationen aus ihm gemacht haben, sondern aus seiner Zeit heraus. Mit anderen Worten: Mich interessiert die Weber’sche Romantik, die „klassische“ Romantik und nicht die späteren Steigerungsstufen.“ Das Musikalisch-Romantische im Freischütz definiert der Dirigent so: „Ich denke, es ist die große Kraft der Kontraste – das hat in der damaligen Zeit gewirkt und ist bis heute ungemein wirkungsvoll. Melodie, Rhythmik, Harmonik, die Effekte: Hier verwendet Weber starke Gegensätze. Dazu kommt eine Freiheit in den melodischen Linien. Auch der Einsatz von Volksmusik-Klängen spielt in diese Richtung: Dadurch wird das Menschliche unterstrichen, aber auch das romantische Sujet unterstützt.“

Der deutsche Regisseur Christian Räth brachte an der Wiener Staatsoper bisher Macbeth heraus. Er nähert sich der Freischütz-Partitur – wie Dramaturg Andreas Láng im Staatsopernmagazin „Prolog“ erläutert – und dem ihr innewohnenden Wechselspiel aus Schönheit und Abgründen, indem er den männlichen Protagonisten Max (Foto unten) in ein neues Umfeld stellt respektive sein Betätigungsfeld erweitert. Dieser ist bei Räth nicht bloß Jäger, sondern zuvorderst Künstler, genauer Komponist. Damit gliedert Christian Räth die Freischütz-Handlung in eine Denk- und Erzähltradition ein, nach der geniale Künstler ihre kreative Schöpfungskraft aus dunklen, verbotenen Quellen speisen. Max’ wohl psychologisch motiviertes Nicht-schießen-können wird auf diese Weise als Inspirationsblockade gelesen, die ihn am Beginn einerseits daran hindert, seien Oper zu vollenden und ihn andererseits in Tagträume ausweichen lässt, die seinen von ihm erhofften Ruhm und Erfolg antizipieren. Die Fallhöhe, die sich dadurch zu Max’ Realität auftut, wird entsprechend größer und macht ihn anfällig, zu neuen, bisher unbeschrittenen Wegen verführt zu werden: Was ihm der geheimnisvoll-bedrohliche Caspar dann allerdings einflüstert, Inspirationen nämlich, denen sich Max bis dahin aus moralischen und gesellschaftlichen Gründen nicht zu ergeben getraut hat, könnten, so Christian Räth, durchaus aus ihm selber stammen. Das Publikum erlebt somit auf der Bühne Max’ Innenschau, den Freischütz gewissermaßen aus seiner Perspektive – Realität und Visionen wechseln einander ab, überlappen sich und sind zum Teil bewusst nicht voneinander zu trennen. Die ihn umgebenden Charaktere erscheinen folglich auch als Projektionsfläche des um die Schaffenskraft ringenden Komponisten. Diese Neuproduktion zeigt also ein Künstlerdrama, in der sich der Protagonist entscheiden muss, zwischen seiner Verantwortung gegenüber der Wahrheit seines Schöpfertums und der Verantwortung gegenüber seinen ihn umgebenden und liebenden Nächsten.

Die Ausstattung stammt aus der Feder des irischen Bühnen- und Kostümbildners Gary McCann, der an der Wiener Staatsoper bereits für Macbeth mit Christian Räth zusammenarbeitete. Für das Lichtdesign zeichnet Thomas Hase verantwortlich, für die Videoeffekte Nina Dunn und für die Choreographie Vesna Orlic.

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Hans Peter Kammerer als Samiel und Albert Dohmen als Eremit © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Hans Peter Kammerer als Samiel und Albert Dohmen als Eremit © Michael Pöhn

Die Sängerbesetzung

Alle Solistinnen und Solisten geben in der Premiere ihr Staatsopern-Rollendebüt:

Andreas Schager gestaltet den Max Der Freischütz ist nach seinem bejubelten Staatsoperndebüt mit dem Apollo in Daphne im vergangenen Dezember die erste Premiere des österreichischen Tenors im Haus am Ring. Für das Staatsopernmagazin Prolog sprach er mit Andreas Láng über den Max in der neuen Produktion, der vor allem ein Künstler, ein Komponist ist: „Als ich meinen ersten Max sang, hat der leider schon verstorbene Robert Herzl zu mir gesagt: ‚Du, das ist leider eine undankbare Rolle.‘ Und er hatte irgendwie Recht: Die schöne, bekannte Arie, in der wirklich alles drinnen ist, kommt schon zu Beginn dran, und dann verläuft die – nicht sehr lange – Partie immer mehr. Max ist am Ende nur bedingt präsent. Außerdem ist er ein Versager, was ihn zu Unrecht als schwach erscheinen lässt. Das ist auch einer der Gründe, warum er fälschlicherweise oft zu lyrisch besetzt wird. So wie der Erik im Fliegenden Holländer, den Wagner ausdrücklich nicht larmoyant, sondern kernig, männlich gewünscht hat, muss auch der Max etwas darstellen … […] Dadurch, dass die eigentliche Handlung [Anm.: in der kommenden Produktion] sich mit den Visionen und Vorstellungen des Komponisten überschneidet, vieles durch die Brille des Max gesehen wird, ist er deutlich stärker mit der Gesamtgeschichte verwoben und gewinnt demzufolge an Profil. Ja, ich freue mich auf diese Produktion.“

Die Agathe verkörpert Camilla Nylund. Der Freischütz ist für die finnische Sopranistin nach der Elsa (Lohengrin) die zweite Premiere im Haus am Ring, wo sie weiters u. a. in den Titelpartien von Arabella, Ariadne auf Naxos, Rusalka, Salome sowie als Elisabeth (Tannhäuser), Leonore (Fidelio), Marschallin (Der Rosenkavalier), Sieglinde (Die Walküre) sowie kürzlich als Capriccio-Gräfin erfolgreich war. Auf die Frage, was Agathe an Max in der kommenden Freischütz-Produktion liebt, antwortet sie im „Prolog“: „Wir haben lange mit dem Regisseur darüber gesprochen: Vielleicht hat sie Mitleid mit ihm, ein Rettersyndrom? Frauen wollen doch so oft Männer vor sich selber schützen. Auf jeden Fall ist sie verliebt in ihn und lässt sich von niemandem diese Liebe ausreden. Selbst die Tatsache, dass sie die Schwierigkeiten im Zusammenleben mit einem Künstler erkennt, noch dazu mit einem, der an sich zweifelt, lässt sie nicht umdenken. Auch nicht ihr augenscheinliches Dilemma: Einerseits sucht sie in seiner Musik Trost, wie man bei uns in ihrer ersten Arie sehen wird, andererseits ist Max eher an seiner Musik interessiert als an ihr. Sie weiß, dass das Komponieren der Sinn seines Lebens ist, dass es aber zugleich zwischen ihnen steht.“

Alan Held singt den Caspar – der amerikanische Bassbariton debütierte 2001 als Wotan (Das Rheingold) an der Wiener Staatsoper und sang hier bisher noch Jochanaan (Salome), die vier Bösewichte (Les Contes d’Hoffmann) und Orest (Elektra). Der Freischütz ist seine erste Premiere an der Wiener Staatsoper.

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Andreas Schager als Max © Michael Pöhn

Wiener Staatsoper / Der Freischütz hier Andreas Schager als Max © Michael Pöhn

Daniela Fally ist als Ännchen zu erleben, ein, wie die Künstlerin sagt, „Zwischenwesen, das sich an Agathe dranhängt und sich für die Zukunft noch alle Optionen offen lässt“. An der Wiener Staatsoper feierte die international gefragte Sängerin bisher u. a. als Fiakermilli (Arabella), Zerbinetta (Ariadne auf Naxos), Amina (La sonnambula) und Sophie (Der Rosenkavalier) Erfolge. Nach der Fiakermilli, Waldvöglein (Kinderopern-Premiere Wagners Nibelungenring für Kinder), Pünktchen (Kinderopern-Uraufführung Pünktchen und Anton), Barbarina (Le nozze di Figaro), Ada (Kinderopern-Premiere Die Feen) und der Zerbinetta ist Der Freischütz ihre siebte Premiere im Haus am Ring.

Den Ottokar verkörpert der der Wiener Staatsoper seit vielen Jahren verbundene Publikumsliebling KS Adrian Eröd. Der Freischütz ist bereits seine 15. Premiere im Haus am Ring nach Mercutio (Roméo et Juliette), Albert (Werther), Zauberer/Magier (Kinderoper Aladdin und die Wunderlampe), Lhotský/Vara (Osud), Heerrufer (Lohengrin), Graf Dominik (Arabella), Lescaut (Manon), Andrei Schtschelkalow (Boris Godunow), Olivier (Capriccio), Valentin (Faust), Loge (Das Rheingold), Jason (Uraufführung Medea), Prospero (The Tempest) und Pelléas (Pelléas et Mélisande).

Als Eremit ist Albert Dohmen zu erleben. Der deutsche Bassbariton verkörperte im Haus am Ring seit seinem Debüt 2001 als Wotan in Das Rheingold zahlreiche wichtige Partien seines Fachs, darunter u. a. die Titelpartie von Der fliegende Holländer, Scarpia (Tosca), Wotan/Wanderer (Der Ring des Nibelungen), Méphistophélès (Faust) und Jochanaan (Salome). Nach Graf Tomski (Pique Dame) und Komtur (Don Giovanni) ist Der Freischütz seine dritte Staatsopernpremiere.

Hans Peter Kammerer gibt den Samiel. Zu seiner Partie bzw. deren Darstellung in der anstehenden Neuproduktion sagt er: „Samiel ist sicher das absolut Böse, eine personifizierte archaische Figur. Andererseits kann der Leibhaftige als sichtbare Person natürlich nicht wirklich real sein. Es ist ein wunderbares Privileg des Theaters, solche Figuren zum Leben zu erwecken – warum einmal nicht auch als Illusion des Protagonisten? Die Theater- und Schauspieltechnik ermöglicht vieles.“

Die beiden Staatsopern-Ensemblemitglieder Clemens Unterreiner und Gabriel Bermúdez sind als Cuno bzw. Kilian zu erleben.

Der Freischütz „live am Platz“, im Radio und Fernsehen

Die Premiere am 11. Juni sowie die Aufführungen am 14., 17. und 28. Juni werden im Rahmen von „Oper live am Platz“ live auf den Herbert von Karajan-Platz übertragen.
Die Vorstellung am 14. Juni 2018 wird ab 22.30 Uhr live-zeitversetzt auf ORF 2 ausgestrahlt. Radio Ö1 (+ EBU) strahlt Der Freischütz am 16. Juni ab 19.30 Uhr aus, aufgenommen am 11. und 14. Juni an der Wiener Staatsoper

—| Pressemeldung Wiener Staatsoper |—

Wien, Oper in der Krypta, Die Winterreise – Franz Schubert, IOCO Kritik, 10.04.2018

April 12, 2018 by  
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 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

Die Winterreise von Franz Schubert  

Von Marcus Haimerl

Die Peterskirche, ist im Zentrum von Wien, im 1. Bezirk gelegen. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins 4. Jahrhundert, als im dort gelegenen römischen Lager Vindobona eine Kaserne in ein Kirchengebäude umgebaut wurde. Der Bau der heutigen Peterskirche begann 1701, unter Kaiser Leopold I., Fertigstellung und Weihung war 1733. Die Peterskirche war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der Krypta der Peterskirche wunderbare Opernproduktionen statt.  80 Besucher sitzen dort in unmittelbarer Nähe der Sänger, immer mit dem intensiven Gefühl, Teil der Aufführung zu sein.


Franz Schubert führte seinen Zyklus „schauerlicher Lieder“ im Herbst 1827 im engsten Freundeskreis im Hause Franz von Schobers erstmalig auf. In einem ebenso intimen Rahmen konnten die Besucher der Krypta der Wiener Peterskirche die Interpretation der Winterreise des Liedduos Matthias Spielvogel und Andreas Mersa erleben.

Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Matthias Spielvogel, Tenor und Andreas Mersa © Marcus Haimerl

Der Tiroler Pianist Andreas Mersa, Absolvent der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien studierte im Anschluss Liedbegleitung am Konservatorium Privatuniversität Wien. Der im deutschen Wittlich geborene Tenor Matthias Spielvogel erhielt in seiner Jugend ersten Gesangs-, Klavier- und Orgelunterricht. Es folgten Studien an den Musikhochschulen in Weimar und Wien. Er tritt als Chorsänger an der Wiener Staatsoper auf und gestaltet auch eine Vielzahl an Rollen bei Oper in der Krypta, u.a. Tony in der West Side Story, Don Ottavio in Don Giovanni oder Basilio in Le nozze di Figaro. Die beiden jungen Künstler verbindet eine jahrelange Zusammenarbeit im Bereich des romantischen Liedrepertoires. Gemeinsam vertiefen sie ihre interpretatorischen Studien beim Staatsopernsänger Hans Peter Kammerer.

Was sich nun dem Zuhörer bietet, ist wahrlich außergewöhnlich. Von Beginn gelingt es den Künstlern die spezielle beklemmende, dem Liederzyklus innewohnende Atmosphäre zu schaffen und das Publikum in ihren Bann zu ziehen.

Matthias Spielvogel zeigt hier die große Bandbreite seines stimmlichen Ausdrucks: von leichtgeführten, kopfstimmigen Passagen (Der Leiermann) über aufblühend dramatische Fortestellen (Der stürmische Morgen) bis hin zu starren, scheinbar leblosen Tönen (Der greise Kopf) reicht sein stimmliches Ausdrucksvermögen, welches er wohlüberlegt einsetzt.

Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO

Franz Schubert Grabstätte in Wien © IOCO

Andreas Mersa bewies sich als herausragender Liedbegleiter. Einfühlsam trägt er den Sänger durch den gesamten Liederzyklus und beherrscht das Wechselspiel zwischen seiner Rolle als Begleiter und Solist perfekt. Als ein Beispiel sei hier das Lied Nr. 21 „Das Wirtshaus“ genannt, in welchem Andreas Mersa seine klangliche Vielfalt unter Beweis stellt.

Bemerkenswert auch die formale Dramaturgie des Abends, über die sich die Interpreten merklich Gedanken gemacht haben. Lieder, die inhaltlich und musikalisch zusammenhängen, folgen gruppiert rasch aufeinander (beispielsweise die Nummern 2-4), andere stehen einzeln für sich (Der Lindenbaum, Nr. 5; ,Rast, Nr. 10). Dieses Wechselspiel verleiht dem Abend eine übergeordnete Struktur, die dem Zuhörer das Verstehen dieses komplexen Zyklus‘ erleichtert. Die kurze Pause nach dem zwölften Lied ist ein Verweis auf die kompositorische Entstehungsgeschichte der Winterreise. Schubert hatte im Februar 1827 zuerst die Lieder 1-12 und später dann, im Oktober desselben Jahres, die Nummern 13-24 komponiert und damit den Zyklus zweiteilig angelegt.

Interessant auch die Wahl der Tonarten: bei der für gewöhnlich im Konzert dargebotenen Fassung der Winterreise, wie sie in der Erstausgabe (Haslinger, Wien, 1828) erschienen ist, wird außer Acht gelassen, dass Schubert bei einigen Liedern ursprünglich andere Tonarten vorgesehen hatte. Ein Beispiel: Die Künstler lassen auf das vorletzte Lied ,Die Nebensonnen‘, das in A-Dur endet, den finalen Leiermann im ursprünglich vorgesehen h-Moll anstatt üblichen a-Moll erklingen, was die Szenerie des armen Bettlers, der barfuß auf dem Eis seine Leier spielt, auch tonal noch entrückter erscheinen lässt.

Nachdem der letzte Ton des Leiermanns verklungen war, herrschte ein langer Augenblick Stille, ehe der Jubel des Publikums anhob. Ein neuerliches Highlight in der Zusammenarbeit der beiden jungen Künstler stellt die Aufführung von einem weiteren Liederzyklus Schuberts, Die schöne Müllerin, am 05. Und 09. Mai 2018 am gleichen Ort, in der Krypta der Peterskirche in Wien dar.

Wien, Wiener Staatsoper, Netrebko: Kammersängerin der Staatsoper, Februar 2017

Februar 17, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Anna Netrebko  –  Kammersängerin

Anna Netrebko, die umjubelte Leonora der Trovatore-Premiere an der Wiener Staatsoper (letzte Vorstellung dieser Serie: Samstag, 18. Februar), wurde am heutigen Donnerstag, 16. Februar 2017 im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper mit dem Berufstitel Kammersängerin ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgte durch Kulturminister Thomas Drozda und Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Zu den Gästen zählten u. a. der Ehemann Yusif Eyvazov, der Vater Yuri Netrebko, der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender, der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Rošcic sowie die SängerkollegInnen Luciana D’Intino, Dmitry Korchak, KS Wolfgang Bankl, Hans Peter Kammerer, Simina Ivan, KS Ileana Cotrubas und Dirigent Marco Armiliato.

Wiener Staatsoper / Anna Netrebko und Dominique Meyer © Wiener Staatsoper GmbH / Ashley Taylor

Wiener Staatsoper / Anna Netrebko und Dominique Meyer © Wiener Staatsoper GmbH / Ashley Taylor

Staatsoperndirektor Dominique Meyer betonte in seiner Ansprache, dass Anna Netrebkos Auftritte ein „Geschenk sind, die große Emotionen auslösen – so wie meine Emotion heute groß ist. Jedes Mal, wenn Du an die Wiener Staatsoper kommst, sind alle glücklich: Du gehörst zur Familie! Es wird eine große Freude sein, die zwei kleinen Buchstaben „KS“ auf Deinem Namensschild in der Garderobe am Künstlergang zu lesen.“

„Der Name Netrebko steht weltweit für allerhöchste Opern- und Gesangskunst und gleichzeitig auch für schauspielerische Fähigkeiten, die jeder Traditionsbühne am Sprechtheater zu Ehre gereichen würden. Sie repräsentiert das Genre Oper für viele Menschen so wie keine andere und vermag es, ein breites Publikum in ihre musikalische Welt zu entführen“, sagte Kulturminister Thomas Drozda.

KS Anna Netrebko betonte in ihren Dankesworten: „Ich bin sehr glücklich und stolz über diesen Titel: „Kammersängerin“. Es gibt in Wien so eine lange Tradition großer Sänger und viele von ihnen haben diese besonderen zwei Buchstaben vor ihrem Namen: KS. Ich singe nun seit gut 15 Jahren in Wien und Salzburg, und Österreich ist mein Zuhause geworden. Es gibt nichts Schöneres für mich, als jetzt gerade in Wien zur „Kammersängerin“ ernannt zu werden. Ich danke der Stadt Wien, der Wiener Staatsoper und natürlich besonders Herrn Direktor Meyer für diese Auszeichnung. Vielen herzlichen Dank“.

Die in Krasnodar geborene Anna Netrebko studierte am St. Petersburger Konservatorium. Seit ihrem Debüt als Donna Anna bei den Salzburger Festspielen 2002 gehört sie zu den bekanntesten Künstlerinnen ihrer Generation. Engagements führen sie an alle bedeutenden Opern und Konzerthäuser rund um die Welt. Erfolgreich war sie bisher u. a. als Violetta (La traviata), Manon, Iolanta, Donna Anna, Elsa (Lohengrin), Susanna (Le nozze di Figaro), Amina (La sonnambula), Giulietta (I Capuleti e i Montecchi), Tatjana (Eugen Onegin), Lucia di Lammermoor, Adina (L’elisir d’amore), Gilda (Rigoletto), Musetta und Mimì (La Bohème), Giovanna d’Arco, Elvira (I puritani) und Norina (Don Pasquale).

Sie erhielt die von Musical America verliehene Auszeichnung „Musician of the Year“ (2008), den Classical BRIT Award, wurde vom Time Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt und erhielt mehrere ECHO Klassik-Preise.  An der Wiener Staatsoper debütierte sie am 2. April 2004 als Violetta (La traviata) und sang hier weiters noch die die Titelpartien in Manon, Manon Lescaut, Anna Bolena, Lucia di Lammermoor; Donna Anna (Don Giovanni), Tatjana (Eugen Onegin), Adina (L’elisir d’amore), Micaëla (Carmen), Mimì (La Bohème), Amina (La sonnambula) und Juliette (Roméo et Juliette) – insgesamt bisher 68 Opernvorstellungen. PM Wiener Staatsoper