Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Tod in Venedig – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 24.04.2019

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Tod in Venedig  –  Benjamin Britten (1913 – 1976)

– zwischen apollinischem Ideal und dionysischem Rausch –

von Randi Dohrin

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Benjamin Britten Gedenkmuschel am Strand von Aldeburgh © IOCO

Englisch ist normalerweise keine Opernsprache; in Benjamin Brittens Komposition Death in Venice jedoch, ist eine andere kaum vorstellbar. Die Uraufführung dieses Dramas fand während des Aldeburgh Festival, am 16. Juni 1973, in England statt. Der Tenor und Lebensgefährte von Benjamin Britten, Peter Pears, sang damals triumphal die Rolle des Gustav von Aschenbach, auf den sich die ganze Handlung bezieht. Britten verstarb am 4. Dezember 1976 in den Armen seines Lebensgefährten in Aldeburgh.

Schattierungsreiche, leicht ungeschmeidig spröde, aber auch melancholisch klingende Melodien werden in Brittens genialer Opernvertonung hörbar. Der modern-musikalische Klang des 20. Jahrhunderts verstärkt sich durch ein umfangreiches Schlagwerk sowie ein begleitendes Klavier, das die Handlung zwischen den Rezitativen häufig unterbricht.
Die kongenial aufwühlende Musik Brittens spiegelt die Ambivalenz des Dichters Aschenbach, zwischen rauschhaftem Liebesbegehren nach einem 14-jährigen Jungen und seinem nahendem Tod, fesselnd wider. Der Schriftsteller, der sonst eher nach Perfektion und Leistung strebte, befindet sich plötzlich in zwei Welten, die gegensätzlicher nicht sein können.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : links Hans-Jürgen Schöpflin als Gustav von Aschenbach und Uwe Tobias Hieronimi als Reisender © Falk von Traubenberg

1911 erschuf der Erfolgsschriftsteller Thomas Mann die Novelle Der Tod in Venedig, die im Oktober/November-Heft des Jahres 1912 in der Neuen Rundschau erschien. Bis heute gilt sie als eine der am meisten interpretierten Erzählungen. Der Autor selbst bezeichnete sein humorloses Werk als …„Entwürdigung einer Tragödie“... .

Aschenbachs Konflikt, sich seinen Gefühlen stellen zu müssen, ist zeitlos. Ergreifend, fesselt die nah am Libretto ausgerichtete Inszenierung von Felix Seiler. Unverkennbar verdeutlicht er die konträren inneren Prozesse des Schriftstellers und Hauptfigur Gustav von Aschenbach.

Der in der Regel auf Disziplin und Vernunft bedachte Schriftsteller Aschenbach, (Hans-Jürgen Schöpflin) kann wegen persönlicher Umstände und einer künstlerischen Schaffenskrise der Versuchung nicht widerstehen, für ein paar Wochen nach Venedig zu reisen. Dort unterliegt er Tadzio, (Olv Grolle) einem bildschönen, polnischen Knaben, den er für ungeheuer inspirierend hält und ihn buchstäblich verfolgt, ohne ihm jedoch wirklich zu nahe zu treten.

Mit ausdrucksstarker Bühnenpräsenz und tragender klarer Tenorstimme gelang es Hans-Jürgen Schöpflin, die intensive Rolle des Gustav von Aschenbach darzustellen. Durchgängig wurden die gegensätzlichen Stimmungen von Depression und Begierde, Angst und Liebe für den schönen Knaben Tadzio, erkennbar. Sehr schwierig ist es, überzeugend die Partie des Tadzio – ohne Gesang und ohne Worte – auszudrücken. Olv Grolle gelingt auf glaubhafte Weise, den durch die hereinstürzenden Sympathien des Aschenbachs, überforderten stummen Tadzio zu charakterisieren.

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig - hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Theater für Niedersachsen / Tod in Venedig – hier : Olv Grolle als Tadzio, Schöpflin als Aschenbach © Falk von Traubenberg

Uwe Hieronimi als Reisender und in sechs weiteren Figuren, füllte jede Rolle bestechend aus. Mit Bravour bewies er seine sängerischen und darstellerischen Qualitäten an diesem Premierenabend.

Stimmlich und mimisch bestens besetzt, waren auch der Hotelportier mit Julian Rohde und Jesper Mikkelsen als Clerk im englischen Reisebüro. Beachtlich und ideenreich war die Präsenz des Opern- und Jugendchores sowie der Statisterie des Theaters für Niedersachsen. In ihren Kostümen aus der Zeit um 1900 (Hannes Neumaier) hauchten sie der Oper erfrischende Lebendigkeit ein, wie auch der Gondolieri (Hyeh Young Baek) auf dem angedeuteten venezianische Kanal. Wohlklingend facettenreich erklangen lückenlos die reichlich vorhandenen solistischen Stellen der Chorsänger des TfN.

Das TfN-Orchester, unter der Leitung von Achim Falkenhausen, glänzte und beeindruckte durch ein sicheres, präzises und höchst transparentes Musizieren auf hohem Niveau, in dem auch kleinste Nuancierungen hörbar wurden, nicht nur in den zahlreichen Instrumenten-Soli.

In Venedig herrscht die todbringende Cholera und Aschenbach überlegt, die polnische Familie zu warnen, setzt diesen Gedanken in seinem Liebeswahn aber nicht um. Seinem sonst apollinischen Ideal von Selbstdisziplin, Schönheit und Ordnung verpflichtet, unterliegt er dem dionysischen Liebesrausch wie in seinem Traum, wo es zwischen Apollo und Dionysos zu einem Streit kommt, den Apollo verliert. Die Stimme des Apollo erklang verführerisch hell und glockenrein, durch den Countertenor Tobias Hechler als Glanzpunkt dieses gelungenen Opernabends.

Am Tag vor der Abreise der polnischen Familie muss Aschenbach sterbend mit ansehen, dass sein geliebter Tadzio von anderen Knaben gequält wird. Er will ihm helfen, seine Kräfte lassen das aber nicht mehr zu. Er stirbt an der Seuche, ausgelöst durch den Verzehr von Erdbeeren, während Tadzio aufs Meer hinausläuft. …

Anerkennend langer Applaus, stehende Ovationen eines berührten Publikums für diesen ergreifenden Abend.

—| IOCO Kritik Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, September 2017

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Theater für Niedersachsen / Stadttheater Hildesheim © Andreas Hartmann

Spielzeit 2016/17
TfN ? Produktionen im September 2017


PREMIEREN:


KÖNIG DER HERZEN Komödie von Alistair Beaton

Theater für Niedersachsen / König der Herzen © Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / König der Herzen © Theater für Niedersachsen

Der britische Thronfolger Prinz Richard löst eine Staatskrise aus, weil er sich entschlossen hat, der Stimme seines Herzens zu folgen und seine große Liebe zu heiraten, auch wenn sie Muslimin ist. Die Premierministerin und der Oppositionsführer versuchen hinter den Kulissen mit allen Mitteln diese Ehe zu verhindern. – Beaton zählt in Großbritannien zu den populärsten Autoren politischer Satire. Er lässt uns ins Zentrum der Macht blicken – um mit bissigem Humor Klischees und Ressentiments aufs Korn zu nehmen. Inszenierung Dietrich Trapp Bühne und Kostüme Swana Gutke Mit Simone Mende (Nicola Bailey), Martin Schwartengräber (Stephen Clarke), Marek Egert (Prinz Richard), Tim Czerwonatis (Prinz Arthur), Michaela Allendorf (Annie Brett), Moritz Nikolaus Koch (Toby Frost), N.N./ Gotthard Hauschild (Marcus Linklater), Joëlle Rose Benhamou (Nasreen Sazwari), Dieter Wahlbuhl (Sir Terence Pitch), Gregor Müller (Harry Holbrook), Statisterie
PREMIERE Sa, 2.9., 19:00 Uhr, Großes Haus


AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY

Theater für Niedersachsen / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY © Theater für Niedersachsen

Oper von Kurt Weill, Libretto von Bertolt Brecht Drei Gangster gründen mitten in der Wüste eine Paradiesstadt, in der alles, was der Mensch begehrt, für Geld zu haben ist. In einer Nacht, als ein Hurrikan alle um ihr Leben zittern lässt, ruft der Holzfäller Jim Mahoney die noch radikalere Parole aus: Alles ist erlaubt! Nimm dir, was immer du willst, du darfst es! – Bertolt Brechts kraftvolle Parabel ist in ihren Fragen nach gesellschaftlicher Freiheit, Lustbefriedigung und der Rolle des Geldes heute hochaktuell und gleichzeitig mit der Musik Kurt Weills ein schillerndes und dramatisches Musiktheater-Meisterwerk des 20. Jahrhunderts. Musikalische Leitung Florian Ziemen Inszenierung Hans Hollmann Bühne und Kostüme Romina Kaap Chöre Achim Falkenhausen Mit Neele Kramer (Leokadja Begbick), Christoph Waltle (Fatty, der Prokurist), Uwe Tobias Hieronimi (Dreieinigkeitsmoses), Meike Hartmann (Jenny Hill), Hans-Jürgen Schöpflin (Jim Mahoney), Aljoscha Lennert (Jakob Schmidt), Levente György (Sparbüchsenbill), Peter Kubik (Alaskawolfjoe), Aljoscha Lennert (Tobby/ Mann musikalisch), N.N. (Ausruferin), Natascha Flindt (Tänzerin), Opernchor, Extrachor und Jugendchor des TfN, Orchester des TfN, Statisterie des TfN
PREMIERE Sa, 23.9., 19:00 Uhr, Großes Haus


KONZERTE:


1. SINFONIEKONZERT
Die TfN · Philharmonie in ihrer Wandlungsfähigkeit steht im Mittelpunkt des ersten Konzertes des neuen Generalmusikdirektors Florian Ziemen. Drei Werke des Aufbruchs bilden dieses Eröffnungsprogramm: Auf Haydns klein besetzte theatralische Sturm-und-Drang-Sinfonie Nr. 59 folgt Jani Christous monumentales und aufrüttelndes Werk Enantiodromia von 1967. Beethovens Siebente ist wohl sein radikalstes sinfonisches Werk und wurde von Zeitgenossen wahlweise als „Apotheose des Tanzes“ bewundert oder mit „Jetzt ist er verrückt geworden!“ geschmäht.
LEITUNG Ziemen
TERMIN So, 3.9., 20:00 Uhr, Großes Haus


1. KAISERPFALZ-KONZERT
Gleich drei prägende Werke der Klavierkonzert-Geschichte stehen auf dem Programm des ersten Kaiserpfalz-Konzerts: Mozarts 20. Klavierkonzert gilt als eines der wegbereitenden Werke auf dem Weg zum sinfonischen Klavierkonzert. Nicht von ungefähr orientiert sich Beethovens frühes 2. Klavierkonzert (zeitlich eigentlich sein erstes) an eben jenen Werken Mozarts, weist aber in seiner Expressivität bereits auf die weitere Entwicklung Beethovens hin. Mit Chopins virtuosem 2. Klavierkonzert, zeitlich gesehen ebenfalls sein erstes, ist das Klavierkonzert endgültig in der Romantik angekommen.
TERMIN So, 17.9., 18:00 Uhr, Kaiserpfalz Goslar


WIEDERAUFNAHME:


HEXENJAGD Schauspiel von Arthur Miller

Theater für Niedersachsen / HEXENJAGD - Elizabeth Proctor (M. Allendorf) John Proctor (G. Müller) © v. Traubenberg

Theater für Niedersachsen / HEXENJAGD – Elizabeth Proctor (M. Allendorf) John Proctor (G. Müller) © v. Traubenberg

Abigail und ihre Freundinnen werden nachts nackt tanzend im Wald entdeckt. Die Erklärung: Teufelswerk. Um einer Strafe zu entgehen, bezichtigen die Mädchen unbescholtene Personen der Hexerei. Inszenierung Bettina Rehm Bühne und Kostüme Julia Hattstein Bühnenmusik Thomas Hertel Mit Moritz Nikolaus Koch (Reverend Parris), Laureen Hoffmann/ Nicole Knap (Betty Parris), Lilli Meinhardt (Abigail Williams), Simone Mende (Mrs. Ann Putnam), Dieter Wahlbuhl (Thomas Putnam), Paula Freter (Mercy Lewis), Joëlle Rose Benhamou (Mary Warren), Gregor Müller (John Proctor), Katharina Wilberg (Rebecca Nurse), Martin Schwartengräber (Giles Corey), Marek Egert (Reverend John Hale), Michaela Allendorf (Elizabeth Proctor), Gotthard Hauschild (Ezekiel Cheever), Thomas Strecker (Richter Hathorne), Jürgen Haug (Danforth), Nicole Knap/ Laureen Hoffmann (Ruth Putnam)
Dauer ca. 2 Stunden 30 Minuten, inklusive einer Pause


REPERTOIRE:


LOVE STORY Musical von Howard Goodall und Stephen Clark, nach Erich Segal
Die Liebesgeschichte der beiden Collegestudenten Oliver und Jenny kommt jetzt auf die Musicalbühne.
Ohrwurmverdächtige Songs und die weltbekannte Filmtitelmelodie bilden die musikalische Grundlage für die Adaption des Kinoerfolgs der 1970er Jahre. Inszenierung Jörg Gade Musikalische Leitung Andreas Unsicker Bühne und Kostüme Hannes Neumaier Choreografie Annika Dickel Mit Elisabeth Köstner (Jenny Cavilleri), Jürgen Brehm (Oliver Barrett IV), Alexander Prosek (Phil Cavilleri/ Eishockey-Fan), Jens Krause (Oliver Barrett III/ Eishockey-Fan/ Mann 2/ Konzertbesucher), Judith Bloch/ Laura Mann (Alison Barrett/ Eishockey-Fan/ Konzertbesucherin), Sandra Pangl (Jennys Mutter/ Barista/ Frau 1/ Eishockey-Fan/ Jenny-Double/ Hochzeitsgast), Tim Müller (Eishockey-Fan/ Ärzte/ Konzertbesucher/ Timothy/ Kellner/ Mann 1), Teresa Scherhag/ Valentina Inzko Fink (Eishockey-Fan/ Konzertbesucherin/ Hochzeitsgast/ Kellnerin/ Frau 2), Dirk Flindt/ Klaus Möller (Eishockey-Fan/ Konzertbesucher/ Bediensteter im Hause Barrett/ Hochzeitsgast), Dagmar Hohls/ Uta van Venrooy (Eishockey-Fan/ Konzertbesucher/ Bediensteter im Hause Barrett/ Hochzeitsgast)


JUNGES THEATER:


DIE REISE DES KLEINEN H.
Eine Geschichte nach Theodor Storm – Uraufführung. Koproduktion mit dem Theater Karo Acht, ab 3 Jahren Zwei Menschen erkunden die Welt der Bewegung. Bewegung heißt Entdeckung. Entdeckt werden können Geschichten, die aus nichts weiter als zwei Körpern, Musik und Fantasie entstehen. LEITUNG Grünwald-Waack, Schörghofer, Tripitsis
PREMIERE Do, 7.9., 11:00 Uhr, theo


DIE ABENTEUER DES HÄSSLICHEN ENTLEINS
Kindermusical nach Hans Christian Andersen Koproduktion mit dem Theater Persephone, ab 3 Jahren In einem Reigen von Bildern, Bewegungen und Liedern sucht – und findet! – das nur scheinbar hässliche Entlein seinen Platz in der Welt. LEITUNG Müller, Linnhoff, Tafel, Pohnert
WIEDERAUFNAHME Sa, 23.9., 15:00 Uhr, Kloster Lamspringe


NACH FEUERLAND UND DURCH
Herr Magellan will um die Welt. Gastspiel Theater zwischen den Dörfern, ab 6 Jahren
In diesem Stück dreht sich alles um die große Sehnsucht nach echten Abenteuern, nach eigenen Antworten auf große Fragen.
LEITUNG S. Wessel, Pourian, F. Wessel


THEATERGARTEN 2017:


Noch bis zum 23.9.2017 ist die Gastronomie des THEATERGARTENS täglich von 16:00 bis 22:00 Uhr für Sie geöffnet und wartet mit spannenden Programmpunkten auf, umsonst und draußen – jeden Tag! NEU: Bei Regen finden die Veranstaltungen trotzdem statt – im Theater!

QUIZ ROYAL Klugscheißen für Royalisten mit Katharina Wilberg und Dr. Christof Wahlefeld Beweisen Sie, wie gut Sie zum Thema „Klatsch und Tratsch rund um Königshäuser“ informiert sind. Passend zu KÖNIG DER
HERZEN wird es beim

QUIZ ROYAL fürstliche Preise geben.
TERMIN Fr, 1.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)

ORPHEUS IM WALD Eine (unvollständige) Geschichte des Musiktheaters
Vor ca. 2000 Jahren wurde das Theater, etwas später das Musiktheater und wiederum etwas später das Musical erfunden. Solisten der MusicalCompany und des Musiktheaters nehmen Sie mit auf diese kleine Reise.
TERMIN Di, 5.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


FROM BRITAIN WITH LOVE Liederabend mit Mitgliedern des Opernchores
Bei einem Liederabend präsentieren Mitglieder des Opernchores englische Musik von Barock bis Moderne.
TERMIN Do, 7.9., 18:30 Uhr, F1 (Eintritt frei)


TANZ IM THEATERGARTEN Offenes Tanzen mit Michaela Allendorf und Alexander Prosek Nach dem großen Erfolg im letzten Jahr führen erneut unsere beiden Künstler charmant durch das Programm und zeigen für alle Anfänger die Grundschritte.
TERMIN Fr, 8.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)

SOMMERNACHTSBALLADEN Liederabend mit Alexander Prosek und Andreas Unsicker Alexander Prosek (Gesang) und Andreas Unsicker (Klavier) präsentieren ein stimmungsvolles Programm bestehend aus Titeln u. a. von Joe Cocker, Robbie Williams und Adele.
TERMIN Mi, 13.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


VORHANG AUF FÜR IMPRO-OPEN-AIR Impro-Show mit Christine Nitschke und Sebastian Barnstorf Die neue Spielzeit beginnt für Christine Nitschke und Sebastian Barnstorf mit einer Premiere: Auf dem Theatervorplatz spielen sie für Sie – mit einem Überraschungsgast – Improvisationstheater.
TERMIN Do, 14.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY Matinee Operdirektor Florian Ziemen und Regie-Altmeister Hans Hollmann berichten von ihrer Arbeit an Weills Klassiker und das Ensemble singt Auszüge.
TERMIN So, 17.9., 11:15 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


SINGEN MACHT SCHÖN Offenes Singen für alle
Bekannte deutsche und englische Lieder und Schlager werden unter der charmanten Anleitung von Theaterpädagogin Bettina Braun gemeinsam mit dem Publikum geschmettert.
TERMIN Di, 19.9., 18:30 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


DIE WELT VON JIM KNOPF Theater-Workshop für Kinder, ab 6 Jahren
Wir spielen und bewegen uns durch die Welt von Jim Knopf. Alle Kinder, die Lust auf Bewegung und Theater haben, sind eingeladen mitzumachen.
TERMIN Mi, 20.9., 16:00 Uhr, Theatervorplatz (Eintritt frei)


DAS WEIßE BAND Film von Michael Haneke
Anlässlich der Wiederaufnahme von HEXENJAGD: das Oscar nominierte Meisterwerk „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“.
TERMIN Mi, 20.9., 19:30 Uhr, Thega-Filmpalast (Karten nur im Kino).


MACH MIR EINE SZENE! Theater-Workshop für Erwachsene
Das Hildesheimer Theaterpädagogische Zentrum (TPZ) lädt anlässlich seines 10. Geburtstags alle interessierten Erwachsenen zu
einem zweistündigen Theater-Schnupper-Workshop ein.
TERMIN Do, 21.9., 18:30 Uhr, Treffpunkt: Bühneneingang (Eintritt frei)


WIR SIND DIE NEUEN Lesebühne: Lesung der Komödie nach Ralf Westhoff Oldie-WG trifft Studenten-WG. Überraschend und witzig: Jung und spontan geben sich die Alten, spießig und lerngestresst die Jugend. Mitglieder des Schauspiel-Ensembles lesen die Dramatisierung des Kinoerfolges von 2014.
TERMIN Fr, 22.9., 18:30 Uhr, F1 (Eintritt frei)


EXTRA:


TfN IM WOHNZIMMER Faust-Häppchen. Das Wichtigste in 60 Minuten. Ein Pakt mit dem Teufel, und schon bekomme ich alles, was ich will? Die Legende um Faust fasziniert seit über 400 Jahren.
Anlass genug, die „Acts and Facts“ der Faust-Saga zu einem Wohnzimmer-Infotainment-Abend zusammenzutragen. Mit Neele
Kramer, Peter Kubik, Astrid Reibstein.
TERMIN Fr, 8.9., 20:30 Uhr, Bar Wohnzimmer (Kaiserstraße 41)


KANN MAN DAS TANZEN? Zeitgenössische Tanzproduktion zur Musik Telemanns Das Tanzprojekt ist eine Kooperation zwischen dem Theaterpädagogischen Zentrum, dem Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung Magdeburg, dem Vokalsolisten-Ensemble Gli Scarlattisti und der Sticky Trace Company.
TERMIN So, 10.9., 19:00 Uhr, Großes Haus

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

Hildesheim, Theater für Niedersachsen, Premiere Doktor Faust – Busoni, 15.04.2017

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Theater für Niedersachsen

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST - Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST – Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

  Doktor Faust von Ferruccio Busoni

Karsamstag, 15. April 2017, um 19 Uhr: Mit dieser Oper verabschiedet sich Generalmusikdirektor und Operndirektor Werner Seitzer nach 33 Jahren vom TfN Hildeheim und empfindet die Aufführung der Busoni-Oper als einen geeigneten Schlussstein seines Wirkens in Hildesheim.

 „… ich, Faust, ein ewiger Wille!“

Mit der Produktion Doktor Faust verabschiedet sich der Operndirektor und Generalmusikdirektor des Theater für Niedersachsen in Hildesheim, Werner Seitzer, nach über 30 Jahren in den Ruhestand. Zudem zählt die Oper von Ferruccio Busoni, die am Karsamstag, 15. April 2017, um 19 Uhr Premiere feiert, als Beitrag des TfN zum Reformationsjubiläum.

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST - Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Theater für Niedersachsen / DOKTOR FAUST – Faust-A. Pöhl_-Mephistopheles-H.-J. Schöpflin © J.Quast

Der deutsche Gelehrte Faust zählt zusammen mit dem spanischen Don Juan zu den zentralen Gestalten der abendländischen Kultur, welche die schöpferischen Geister immer wieder zur Auseinandersetzung reizten. Für sein musiktheatralisches Hauptwerk schwankte der Deutsch-Italiener Ferruccio Busoni lange zwischen beiden Stoffen hin und her, bevor er sich für den Faust des frühneuzeitlich Puppenspiels entschied. Der 1925 in Dresden uraufgeführte „Doktor Faust“ spielt zur Zeit der noch jungen Reformation überwiegend da, wo alles begann und wo auch unter Fausts Studenten heftig über Martin Luther diskutiert wird: zu Wittenberg. In einzelnen, episodischen Bildern erzählt das Werk, wie Doktor Faust mit Hilfe eines magischen Buches fünf Geister beschwört; dem sechsten verschreibt er im sprichwörtlichen Teufelspakt seine Seele. Mephistopheles tötet dafür Fausts Verfolger und beschützt ihn im Kampf gegen den Bruder eines von ihm verführten Mädchens. Am Hof von Parma hilft er ihm, die junge Herzogin zu verzaubern und sie ihrem Gatten vor der Hochzeitsnacht zu entführen. Zurück in Wittenberg erlebt der in einer Kneipe mit katholischen und lutherischen Studenten diskutierende Faust, wie Mephisto, als Kurier auftretend, sein Parma-Abenteuer in Bänkelmanier vorträgt und ihm ein totes Kind als letzten Gruß der Herzogin vor die Füße wirft. Neben dem Kinde auf verschneiter Straße liegend findet der Gescheiterte den Tod, noch in seinen letzten Worten das Fortwirken seines Strebens beschwörend: „… ich, Faust, ein ewiger Wille!“

Busonis letztes Bühnenwerk blieb ein Fragment, an dem er knapp zehn Jahre arbeitete, denn der Komponist starb noch vor Beendigung der Oper im Jahr 1924. Nach Skizzen Busonis vervollständigte sein Schüler Philipp Jarnach die Komposition. Das Premierendatum für Doktor Faust am TfN ist signifikant gewählt: Die mit den österlichen „Pax“- und „Et resurrexit“-Rufen des Chores beginnende Oper feiert am Karsamstag, 15. April 2017, Premiere und versteht sich zugleich als Beitrag des TfN zum Reformationsjubiläum 2017. Generalmusikdirektor Werner Seitzer verabschiedet sich mit dieser Produktion als Leiter des Musiktheaters in den Ruhestand. Seitzer empfindet die Aufführung der Busoni-Oper als einen geeigneten Schlussstein seines Wirkens in Hildesheim. „Es war mir immer ein Anliegen, Bildung und Unterhaltung nicht als trennende, sondern als sich gegenseitig belebende und ergänzende Elemente des Theaters erfahrbar zu machen.“

Für die Inszenierung zeichnet Uwe Schwarz – der in Hildesheim u. a.  bei „Sweeney Todd“ Regie führte – verantwortlich. Die beiden zentralen Partien der Faust-Saga übernehmen diesmal Gäste. So sind Albrecht Pöhl als Doktor Faust und  Hans-Jürgen Schöpflin als Mephistopheles zu sehen. Neben dem Orchester des TfN erlebt das Publikum zudem natürlich Solisten des Musiktheaterensembles, den Opern- und Extrachor des TfN sowie zahlreiche Statisten auf der Großen Bühne des Stadttheaters Hildesheim.

—| Pressemeldung Theater für Niedersachsen |—

 

 

Frankfurt, Oper Frankfurt, Der Sandmann von Andrea Lorenzo Scartazzini, IOCO Kritik, 27.09.2016

September 27, 2016 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper Frankfurt

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Oper Frankfurt

Der Sandmann: „Die neue Opernsaison an der Oper Frankfurt beginnt mit einer Übernahme der Baseler Uraufführungsproduktion des Sandmann von Andrea Lorenzo Scartazzini, in der Regie von Christof Loy. .“ Von Ljerka Oreskovic Herrmann“

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

„ALLES EINE FRAGE DER PROGRAMMIERUNG“
Der Sandmann von Andrea Lorenzo Scartazzini

Oper Frankfurt – Der Sandmann, weitere Vorstellungen: 30.9.2016, 03.10.2016, 08.10.2016, 13.10.2016, 23.10.2016

Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Die neue Opernsaison an der Oper Frankfurt beginnt mit einer Übernahme der Baseler Uraufführungsproduktion des Sandmann von Andrea Lorenzo Scartazzini, in der Regie von Christof Loy.

Oper Frankfurt / Der Sandmann - Mitte Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Der Sandmann – Mitte Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

E.T.A. Hoffmanns Sandmann-Erzählung erschien erstmals 1816. Zweihundert Jahre später ist in der Oper Frankfurt die deutsche Erstaufführung von Andrea Lorenzo Scartazzinis 2012 entstandener gleichnamiger Oper zu sehen. Das Unheimliche, zentrales Motiv bei E.T.A. Hoffmann, ist auch in den zehn Bildern der Sandmann-Oper spürbar, und doch ist es auch eine (Librettio: Thomas Jonigk) Beziehungsgeschichte von heute: Ein Mann und eine Frau, mit unterschiedlichen Zielen und Wünschen, die nicht kompatibel sind. Das Unheimliche ist nicht das Schauermärchen, das Kindern den Schlaf raubt, es ist wie es Nathanaels Vater prägnant formuliert: das Trauma, die Traumata, die wir im Elternhaus erleben und ein Leben lang nicht mehr abschütteln können.

Oper Frankfurt / Der Sandmann - Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Der Sandmann – Daniel Schmutzhard als Nathanael © Monika Rittershaus

Die Rahmen-Handlung findet durch einen Licht-Rahmen (Bühnenbild: Barbara Pral, Licht: Stefan Bolliger), der die fast vollständig schwarze rechteckige Bühne umfasst, ihre Entsprechung. Für die Liebenden gibt es daraus keinen gemeinsamen Ausgang, nur die „Gespenster“ passieren die beiden Welten mühelos. Auf mehreren Ebenen wird die Geschichte erzählt.

Da ist Nathanael, der sich im Wahnsinn verfängt und als großer Schriftsteller wähnt, gepeinigt von den nur für ihn sichtbaren Toten – sein Vater und Coppelius. Diese beiden sind die Spielmacher, fast möchte man sie Conferenciers nennen, weil sie auch den Kommentar zur Handlung liefern. Komisch und wunderbar grotesk ist das von Loy inszeniert, wohlwissend, dass der Abgrund zu tief wäre; lieber lässt er uns darüber lachen.

Und dann gibt es noch Clara, im weißen Kleid der Lichtpunkt, die immer verzweifelter angesichts des sich im Wahn verlierenden Nathanael wird. Zumal ebendieser mittlerweile Clarissa – bei Hoffmann ein Puppenautomat, bei Jonigk und Scartazzini ein Android, der allerdings immer neu programmiert werden muss – in ihrem roten Kleid anziehender findet. Eine Männer-Vision, die kaum zufällig an den 1975 entstandenen Film Die Frauen von Stepford erinnert, wo echte (Ehe-)-Frauen von Androiden ersetzt werden. Sie sehen gut aus, sind immer freundlich, für den Mann immer da und verfügbar. Am Ende tragen alle Chor-damen rote Kleider wie Clarissa – unentscheidbar identisch sollen sie aussehen, jegliche Individualität verlierend, ist dies zugleich ein geschickt verpackter Hinweis auf die heutige Gleichförmigkeit und Gleichmacherei. Das Orchester dagegen entwickelt (nicht nur) für die Liebenden eigene Klangfarben: das Akkordeon ist der zärtliche Begleiter. Die Streicher können stattdessen fast bedrohlich scharf klingen. Der weibliche Computermensch verfügt über einen begrenzten Sprach- und Tonvorrat, auf den der rot gewandete Damenchor (Kostüme: Ursula Renzenbrink) aufspringt um ihn musikalisch wie sprachlich zu sprengen und Nathanael vollends in den Wahnsinn zu treiben.

Oper Frankfurt / Der Sandmann -Ensemble © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Der Sandmann -Ensemble © Monika Rittershaus

Hartmut Keil leitet das gut einstudierte Orchester sehr souverän durch den Abend, klar und transparent gelingt ihm der musikalische Bogen. Die Sänger, allen voran Daniel Schmutzhard als Nathanael, Thomas Piffka (Vater) und Hans-Jürgen Schöpflin (Coppelius) sowie Daniel Miroslaw (Lothar) sind musikalisch und darstellerisch sehr überzeugend. Ebenso wie der in jeder Hinsicht gut geführte Chor. Clara/Clarissa, hervorragend Agneta Eichenholz, bleibt wie schon bei Hoffmann zurück. Die Entfremdung zwischen ihr und den in ihren Augen Möchtegern-Autor Nathanael ist unüberbrückbar. Nathanael phantasiert von einer toten Clara, mit der er intim werden möchte, ihr Entsetzen darüber und die Erlösung am Ende als er stirbt, gehören zusammen: Auf die Frage ihres Bruders beim Begräbnis, wie sie sich fühle, antwortet sie mit einem unverhohlenen „besser“. Dieses leise verhauchte „besser“ könnte ein vager Hoffnungsschimmer für eine bessere Zukunft sein. Mit diesem Trost, keineswegs aber sicherer Gewissheit, und wie bei Loy gewohnt gut durchdachten Inszenierung, entlässt uns der rundum geglückte Saisonstart der Oper Frankfurt nachdenklich nach Hause.  IOCO / Ljerka Oreskovic Herrmann / 25.09.2016

Oper Frankfurt – Der Sandmann, weitere Vorstellungen: 30.9.2016, 03.10.2016, 08.10.2016, 13.10.2016, 23.10.2016

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