Wien, Altes Rathaus, Richard Wagner-Verband – Stipendiaten-Konzert, IOCO Aktuell, 15.03.2020

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Verband Wien

Richard Wagner-Verband Wien – Altes Rathaus Wien – Barocksaal

– Konzert der Stipendiaten –

von Elisabeth König

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Bayreuth © IOCO

Bereits zum vierten Mal präsentierte der Richard Wagner-Verband Wien seine Stipendiaten der letzten Jahre seinen Mitgliedern und dem Publikum. Die ersten drei Konzerte waren gemeinsam mit der Wiener Staatsoper in deren Räumlichkeiten präsentiert worden, das aktuelle Konzert wurde erstmals vom Verband selbst organisiert und im Barocksaal des Alten Wiener Rathauses zur Aufführung gebracht. Ehrengast des Verbandes war einer der erfolgreichsten Stars der Wiener Staatsoper, Kammersängerin Olivera Miljakovic, die sich nach dem Konzert über das hohe Niveau der Stipendiaten sehr erfreut zeigte.

Am Beginn des Konzertes stand zur Begrüßung die Hallenarie der Elisabeth („Dich, teure Halle, grüß‘ ich wieder“) aus Richard Wagners Tannhäuser, welche von Rebecca Blanz mit schönem, großem und klarem Sopran dargebracht und einfühlsam von der Pianistin Stella Marie Lorenz begleitet wurde.

Begrüßt wurde das Publikum durch das Vorstandsmitglied Marcus Haimerl, der nicht nur auf die Geschichte des Verbandes, sondern auch auf die langjährige Tradition der Jugendförderung hinwies, die dem Verband eine Herzensangelegenheit ist. Magdalena Hoisbauer, Dramaturgin der Wiener Volksoper und diesjährige Stipendiatin, moderierte den Abend souverän und versorgte das Publikum mit viel positiver Energie und Charme mit Informationen zu den einzelnen Stipendiaten und Stücken. Sowohl Magdalena Hoisbauer als auch Marcus Haimerl zeichneten auch für die anspruchsvolle Programmgestaltung und die – in Grippezeiten umso anspruchsvollere – gelungene Organisation verantwortlich.

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Akkordeonist Leo Herzog © Marcus Haimerl

Der kurzen Ansprache und Einführung zum Konzert folgte ein ganz besonderer musikalischer Moment: der im deutschen Pforzheim geborene Akkordeonist Leo Herzog spielte Domenico Scarlattis Sonate in F-Moll K.19 mit enormer Virtuosität. Auf ebenso hohem Niveau war im zweiten Teil des Konzerts auch seine Darbietung des 1.Satzes „Winter“ aus Antonio Vivaldis Die vier Jahreszeiten. Er bewies dabei gleichzeitig die unglaubliche Vielfalt dieses möglicherweise etwas unterschätzten Instruments wie auch seine Kunstfertigkeit. Ein Solokonzert dieses großartigen jungen Künstlers wäre wünschenswert.

Zu Beginn des zeitgenössischen teils des Konzertes standen zwei Lieder des Komponisten Carl Tertio Druml, der 2019 mit einem Stipendium den Wagner-Verband Wien bei den Bayreuther Festspielen repräsentierte.

Das erste Lied, dargeboten von einem Stipendiaten des Wagner-Verbands Linz, dem in Seoul geborenen Seho Chang, der bereits auf erfolgreiche Auftritte im Musiktheater des Landestheater Linz zurückblicken darf, war die Vertonung des Textes „A Mellow Phantom“ von Koen Kleijn. Seho Chang gestaltete dieses kurze, anspruchsvolle Lied mit kräftigem und sehr tiefem Bariton. Begleitet wurde er von Daniel Strahilevitz, der sich an dem Abend durchwegs als kongenialer Pianist und hervorragender Begleiter präsentieren durfte.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : die Teilnehmer mit Vorstandsmitglied Marcus Haimerl 2 vr © Elisabeth Koenig

Besonders interessant erwies sich das zweite Lied, die Vertonung des Gedichts Abschied von Paul Celan. Gestaltet wurde dieses längere und außerordentlich anspruchsvolle Lied von Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz, die sich beide erst vier Tage vor Konzertbeginn bereit erklärt hatten, für eine erkrankte Kollegin einzuspringen und das Lied in nur zwei Tagen zu lernen. Das außerordentliche Talent der beiden Künstlerinnen und das absolute Gehör von Rebecca Blanz ermöglichten, dass dieses Lied zur Aufführung gelangen konnte. Man könnte Paul Celans Gedicht als eine Art Abrechnung mit Ingeborg Bachmann sehen, mit der er ein Verhältnis hatte. Abschiedsbriefe zwischen dem Lyriker und der Schriftstellerin gab es ja mehrere.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz,am Fluegel © Marcus Haimerl

Carl Tertio Druml hebt in seiner Komposition zwei Geschwindigkeiten gegeneinander hervor, ein Tempo für Klavier und eines für Gesang. Nur bei einer einzigen Stelle („Oh falsches Gespiel“) finden sich die beiden Stimmen, die sich ansonsten vollkommen autonom voneinander weg oder aneinander vorbei bewegen. Ein schiefer Walzer als Illusion der Liebe, ein Furioso als ausbrechende Wut und die Rückkehr zu diesem Walzer, Resignation und Abschiednehmen. Die technische Herausforderung dieses Liedes liegt in dem gewünschten Nebeneinander, das trotz plötzlicher gemeinsamer Momente, in denen Klavier und Gesang auf demselben Ton enden, doch nie ein Miteinander wird. Die schwebende Gestaltung der Höhen unterstreicht die Fragilität des Konstrukts und der Emotionen. Ein Abschied mit Wehmut, mit Wut, aber dennoch mit Liebe. Die komplexe, tief berührende Komposition Carl Tertio Drumls wurde durch die virtuose, hochprofessionelle Gestaltung durch Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz am Klavier zu einem musikalischen Hochgenuss.

Der in Bozen geborene Manuel Zwerger war 2015 Stipendiat des Richard Wagner Verbands. Für die lyrische Koloratursopranistin Beata Beck, ebenfalls Wagner-Stipendiatin, komponierte er das Lied „Nacht wird lang sich nicht erhellen“. Beata Beck sang diese frühromantische Komposition mit schönem, schlankem Sopran, begleitet mit großer Präzision und Musikalität vom österreichischen Pianisten und Organisten Stefan Donner.

Mit dem düsteren und dramatischen Lied „Das irdische Leben“ von Gustav Mahler aus seiner Liedsammlung Des Knaben Wunderhorn konnten Rebecca Blanz und Stella Marie Lorenz noch einmal das Publikum für sich einnehmen.

Eine große Bereicherung für den Abend war auch die belgische Sopranistin Anne-Sophie Sevens, die ihr Stipendium 2019 antrat. Dem Publikum im Barocksaal des Alten Rathauses stellte sich die Künstlerin mit Elsas Arie „Einsam in trüben Tagen“ aus dem ersten Akt von Wagners Lohengrin vor und begeisterte mit ihrem großen, ausdrucksstarken Sopran das Publikum. Begleitet wurde sie von Daniel Strahilevitz, der sich auch bei dieser Arie als einfühlsamer Begleiter erwies.

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Richard Wagner Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Isabella Kuess und Daniel Strahilevitz © Marcus Haimerl

Daniel Strahilevitz konnte sich gleich darauf auch eindrucksvoll als virtuoser Solist vorstellen. Mit dem meisterhaft gespielten Adagio und Presto der 2. Klaviersonate in F-Dur KV 280 von Wolfgang Amadeus Mozart bewies der junge Pianist und Dirigent seine feinsinnige Musikalität und außerordentliche Begabung und begeisterte das Publikum.

Einer großen Arie nahm sich im Anschluss Beata Beck an: die Arie der Zerbinetta „Großmächtige Prinzessin“ aus der Oper Ariadne auf Naxos von Richard Strauss. Die Sopranistin bewies in der einigermaßen umfangreichen Arie mit gelungenen Koloraturen Leichtigkeit und wurde dabei erneut von Stefan Donner ausgesprochen feinfühlig begleitet.

Zum Abschluss des ersten Teils lernte das Publikum nochmals zwei neue Künstler kennen: Mit dem kraftvollen hellen Tenor Hans-Jörg Gaugelhofers und der präzisen Begleitung Anton Brezinkas wurde die Romanze des Fenton „Horch die Lerche singt im Hain“ aus der Oper Die lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai zu einem wunderschönen Abschluss des ersten Programmteils.

Nach der Pause konnte auch Stefan Donner, dessen einfühlsame Begleitung bereits im ersten Teil angenehm auffiel, sein Talent als Solist beweisen. Sein inniger und differenzierter Vortrag von drei Romanzen von Clara Schumann berührte mit zarten Farben.

Mit zwei Liedern aus den vier weißen Liedern Richard Wagners, stellte sich der Tenor Calon Danner, einer der diesjährigen Stipendiaten, dem Publikum vor.

Zu Beginn stand das Lied „Dors, mon enfant“ WWV 53 und im Anschluss „Mignonne“ WWV 57. Calon Danners schöner, eleganter Tenor eignete sich optimal für diese beiden Lieder und hinterließ gemeinsam mit dem intensiven Klavierspiel Anton Brezinkas großen Eindruck.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Anne-Sophie Sevens und Daniel Strahilevitz   © Marcus Haimerl

Der zweite Auftritt von Anne-Sophie Sevens widmete sich wieder einem Lied Gustav Mahlers:Wo die schönen Trompeten blasen“. Wie schon bei der Arie Elsas im ersten Teil des Konzerts bewies die belgische Sopranistin aufs Neue ihre Eignung für das deutsche Fach, und wurde dabei erneut mit ungeheurer Musikalität und Farbenpracht von Daniel Strahilevitz am Klavier begleitet.

Im nächsten Programmpunkt ehrte die Wiener Sopranistin Isabella Kuëss den Jahresregenten Ludwig van Beethoven zu seinem 250. Geburtstag mit der großen Arie Leonores „Abscheulicher, wo eilst Du hin?“ aus Fidelio. Mit ihrem ausdrucksvollen dramatischen Sopran ist sie im deutschen Fach perfekt besetzt und wurde von Daniel Strahilevitz eindrucksvoll und mit Brillanz begleitet. Ihre nuancenreiche Interpretation und musikalische Gestaltung vermochten Verzweiflung und Wut ebenso auszudrücken wie feingliedrige lyrische Momente treuer Liebe.

 Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert - hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Richard Wagner-Verband Wien / Stipendiatenkonzert – hier : Yasuyo Segawa © Marcus Haimerl

Für eine überwältigende Leistung sorgte auch die japanische Pianistin Yasuyo Segawa, die nach einem Unfall nur noch mit der linken Hand spielen kann. Mit unglaublicher Ausdruckskraft und Intensität gelang es der jungen Künstlerin mit dem „Miserere“ aus Giuseppe Verdis Il Trovatore das Publikum zutiefst zu berühren und zu begeistern.

Ein weiteres Mal bewies auch der koreanische Bariton Seho Chang sein Können und läutete mit der Arie des WolframOh, Du mein holder Abendstern“ aus Richard Wagners Tannhäuser das Finale des Abends ein. Mit seiner imposanten dunklen Stimme wurde diese romantisch-schwelgende Arie Wagners zu einem der vielen musikalischen Höhepunkte des Abends, für deren Begleitung sich erneut Daniel Strahilevitz mit seiner unglaublichen Vielseitigkeit verantwortlich zeigte.

Für die letzte Arie kehrte nochmals Isabella Kuëss auf die Bühne zurück. Mit Sentas Ballade „Johohoe! Traft ihr das Schiff im Meere an“ aus Richard Wagners Der fliegende Holländer sprang die Künstlerin nur wenige Stunden vor dem Konzert für eine erkrankte Kollegin ein. Mit nur einer kurzen Probe vor dem Konzert und einer für sie neuen Arie, konnte die Künstlerin das Publikum erneut mit ihrem beeindruckenden Sopran und ihrer Musikalität überzeugen, und sorgte gemeinsam mit ihrem virtuosen Begleiter Daniel Strahilevitz für ein imposantes Finale.

Nach dem eindrucksvollen Schluss des Konzerts stand großer Jubel für die vielen begabten Künstlerinnen und Künstler seitens des Publikums. In der Tat präsentierten sich alle StipendiatInnen auf höchstem Niveau. Mit Freude wird man ihre weitere Karriere verfolgen und es bleibt die Vorfreude auf das nächste Konzert im kommenden Jahr.

—| IOCO Aktuell Richard Wagner Verband Wien |—

Wien, Oper in der Krypta, Die Fledermaus von Johann Strauss, IOCO Kritik, 28.01.2018

Januar 31, 2018 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Peterskirche

 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

Oper in der Krypta

 Die Fledermaus von Johann Strauss

Von Marcus Haimerl

Die Geschichte der Wiener Peterskirche reicht weit zurück. Der Bau der Kirche begann 1701, unter Kaiser Leopold I.. Fertigstellung und Weihung der Peterskirche war 1733. Die Peterskirche war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der Krypta der Peterskirche wunderbare Opernproduktionen statt. 80 Besucher erleben diese Opern in unmittelbarer Nähe der Sänger, mit intensiven Gefühlen, selbst Teil der Aufführung zu sein. IOCO berichtet seit einiger Zeit über diese Erlebnisse.

  Oper in der Krypta

Die Fledermaus von Johann Strauss Sohn

Von Marcus Haimerl

Gemeinsam mit dem Ensemble Oper@Tee schloss sich Oper in der Krypta der langen Tradition an, zu Silvester und der darauffolgenden Januarwoche Johann Strauss‘ Operette Die Fledermaus auf den Spielplan zu setzen. Gerne nahm das Publikum dieses zusätzliche Angebot neben der Wiener Staatsoper und der Wiener Volksoper an, um das Stück um Champagnerlaune, Verwechslungen und die Rache des Dr. Falke an seinem Freund Gabriel von Eisenstein hautnah miterleben zu können. Die Vorstellungen in der Krypta der Peterskirche sind immer ausverkauft, sehr ausverkauft, wie auch Die Fledermaus.

Oper in der Krypta / Die Fledermaus - hier Florian Pejrimovsky als Frank, Alice Waginger als Adele, Magdalena Punz als Ida © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Die Fledermaus – hier Florian Pejrimovsky als Frank, Alice Waginger als Adele, Magdalena Punz als Ida © Marcus Haimerl

Und dies zurecht. Magdalena Punz zeichnete sich für die Regie verantwortlich und lieferte launige und wahrhaft spritzige Vorstellungen. Die junge Sopranistin und Cellistin ist dem Publikum der Krypta auch als Illustratorin der Programmhefte für die Kinderopern ein Begriff. Neben der Regiearbeit übernahm die junge Künstlerin auch die Partie der Ida, mit welcher sie das Publikum ebenso nachhaltig überzeugen konnte.

Die musikalische Leitung oblag, wie bei fast allen Produktionen von Oper@Tee dem hochbegabten Pianisten Maximilian Schamschula. Sein unglaublich differenziertes und schwungvolles Klavierspiel deckt das gesamte Orchester ab und trägt die Sänger förmlich auf Händen.

In der Partie des Gabriel von Eisenstein erlebte man Max von Lütgendorff. Er singt und lebt diese Rolle mit großem, ins Heldenfach gehenden Tenor mit baritonaler Färbung und kräftiger Höhe. Intensiv und leidenschaftlich auch die Rollengestaltung des jungen Sängers, der bereits mit großen Dirigenten wie Ingo Metzmacher oder Bertrand de Billy unter anderem bei den Salzburger Festspielen, im Landestheater Linz oder im Theater an der Wien erfolgreich zusammengearbeitet hat. Spätestens beim Wodka Trinken mit Prinz Orlovsky hatte er die Lacher und Sympathien des Publikums auf seiner Seite.

Auf ebenso hohem Niveau agiert Isabella Kuëss als seine Gattin Rosalinde. Ihr jugendlich dramatischer Sopran verfügt über eine kräftige Mittellage und einer schönen, sicheren Höhe. Auch mit ihrer ausdrucksvollen Darstellung weiß sie zu überzeugen. Oft genügt ein Blick, eine kleine Geste der jungen Künstlerin, um die Tiefe ihrer Rollengestaltung zu entdecken.

Alice Waginger, Mastermind des Ensembles Oper@Tee verkörpert das Stubenmädel Adele mit mühelosen Koloraturen und einer gehörigen Portion Wiener Schmäh. Maria Lukasovsky ist ein sehr nobler und souveräner Prinz Orlofsky und verfügt über einen klaren, schön geführten Mezzo mit warmem Klang. Alternierend überzeugte auch Anna Kargl mit kraftvollem, wohlklingenden Mezzo das Publikum. Als Dr. Falke ist der Wiener Bariton Michael Weiland eine Klasse für sich. Mit seinem kräftigen Bariton mit schöner Höhe begeisterte er das Publikum genauso wie mit seiner intensiven und leidenschaftlichen Darstellung.

Oper in der Krypta / Die Fledermaus -  hier Alice Waginger als Adele, Max von Luetgendorf als Eisenstein © Marcus Haimerl

Oper in der Krypta / Die Fledermaus – hier Alice Waginger als Adele, Max von Luetgendorf als Eisenstein © Marcus Haimerl

Florian Pejrimovsky, häufiger Gast vieler Partien in der Krypta der Peterskirche ist ein unglaublich humoriger Gefängnisdirektor Frank mit schönem, dunklen beinahe dröhnendem Bassbariton. Als Sänger Alfred erlebt man Savva Tikhonov. Der junge Tenor, mit wunderschönem Schmelz in der Stimme gesegnet, ist beinahe schon eine Luxusbesetzung für diese eher kleine Partie. Abwechselnd war auch Hans-Jörg Gaugelhofer in dieser Partie zu erleben, der mit seinem klaren, schönen Tenor diese Figur ebenso professionell ausfüllt. Die Rollen des Advokaten Blind und des Frosch übernahm Robert Herzl. Seine Darstellung in beiden Partien waren sehr humorvoll in der Darstellung geprägt von altbekannten Witzen und tagespolitischen „Scherzen“.

Nur selten ertönt in der Krypta der bedeutenden Peterskirche so großer wie wenig kryptischer Jubel. Das gesamte, exzellent agierende Ensemble dieser spritzigen Fledermaus wurde  mit diesem Jubel belohnt; und, so wurde auch vertraulich berichtet, der Jubel kam nicht von himmlischen Heerscharen sondern aus höchst irdischen Kehlen der Besucher!

Wien, Peterskirche, Oper in der Krypta – Wiener Blut, IOCO Kritik, 20.06.2017

Juni 20, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Operette, Peterskirche

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche Wien

 Wiener Blut  von Johann Strauss

Libretto von Victor Leon und Leo Stein

Von Marcus Haimerl

Grabmal Johann Strauss Sohn und seiner Frau Adele in Wien © IOCO

Grabmal Johann Strauss Sohn und seiner Frau Adele in Wien © IOCO

Im Alter von 74 Jahren, gesundheitlich angeschlagen, sah sich Johann Strauss außerstande dem Wunsch des Theaterdirektors Franz Jauner und seiner dritten Ehefrau Adele nach einer neuen Operette nachzukommen. Mit seinem Einverständnis kreierte Adolf Müller jun. aus bereits vorliegenden Tanzmelodien eine Operette unter dem Namen Johann Strauss, das Textbuch stammte von Victor Leon und Leo Stein. Das musikalische Material reicht zurück bis in die 1860er Jahre und enthält unter anderem die Walzer Morgenblätter (1864), Wein, Weib und Gesang (1869), den titelgebenden Walzer Wiener Blut (1873) und die Schnellpolka Leichtes Blut (1867). Zwar wurde dadurch die Homogenität des Stils wie in den anderen Strauss-Operetten nicht ganz erreicht, jedoch hat Adolf Müller jun. die Originalinstrumentation beibehalten und in den entsprechenden Klangfarben nur dezente Überleitungen geschrieben. Seinem bühnensicheren Spürsinn bei der Auswahl der Tänze ist es zu verdanken, dass dieses letzte Bühnenwerk Johann Strauss‘ trotz einer flauen Uraufführung am 26. Oktober 1899 im Wiener Carltheater dennoch seinen Siegeszug auf deutschen Bühnen antreten konnte.

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut Ensemble © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta – Wiener Blut Ensemble © Marcus Haimerl

Wiener Blut handelt von Graf Balduin Zedlau, dem Gesandten von Reuß-Schleiz-Greiz, der seiner Wiener Gattin Gabriele zu spießig ist. Ihm fehlt das „Wiener Blut“. Sie zieht auf das Schloss ihrer Eltern, Graf Zedlau beginnt eine Affäre mit der schönen Franziska Cagliari, Tänzerin am Kärntnertor-Theater und lebt mit ihr in seiner Villa. Zum Wiener „Hallodri“ umerzogen, wirft er auch ein Auge auf die Freundin seines Kammerdieners Josef („Pepi“), die Probiermamsell Pepi Pleininger. Gabriele erfährt vom Treiben ihres Mannes und kehrt neugierig in die Villa zurück. Nach vielen turbulenten Verwechslungen treffen sich alle beim Heurigen in Hietzing (Draust‘ in Hietzing gibt’s a Remasuri). Gabriele wird vom Vorgesetzten ihres Mannes Premierminister Fürst Ybbsheim-Gindelsbach geleitet, Balduin mit der Probiermamsell Pepi Pleininger und Kammerdiener Josef mit Franzi Cagliari. Es endet alles mit einem Happy End: Balduin kehrt zu Gabriele zurück, Josef macht Pepi zu seiner Braut und der Premierminister ist von Franzi so entzückt, dass er ihr einen Kontrakt für das Hoftheater von Reuß-Greiz-Schleinz anbietet, der mit Hilfe von Franzis Vater, dem Karussellbesitzer Kagler, sogar in einem Heiratsantrag mündet. Champagner hat’s verschuldet heißt es in der Fledermaus. In diesem Fall liegt die Schuld am Wiener Blut („Wiener Blut,Wiener Blut! Eig’ner Saft, Voller Kraft, Voller Glut. Wiener Blut, selt’nes Gut, Du erhebst, Du belebst unser’n Mut!“)

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Christian Graf als Josef der Kammerdiener, Martin Eder als Kellner © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta – Wiener Blut – Christian Graf als Josef der Kammerdiener, Martin Eder als Kellner © Marcus Haimerl

Das Ensemble Oper@Tee, eine Institution in Sachen Operette, gestaltete diese Ur-Wiener-Operette für Oper in der Krypta. Max Buchleitner, selbst Bariton, übernahm die Regie. Dank seiner klugen Personenführung bewegt sich das gesamte Ensemble auf der kleinen Spielfläche nicht nur anmutig im Dreivierteltakt, sondern auch die darstellerischen Höchstleistungen kommen hier nicht zu kurz. Sehr beeindruckend auch das Bühnenbild von Georg Weiland. Begrenzt wird die Bühne durch drei Türrahmen, welche in jedem Akt anders gestaltet sind und im letzten Akt als Gartenlauben beim Heurigen in Hietzing dienen. Im zweiten Akt ziert auch ein Kristallluster die Räumlichkeiten bei der Vernissage und auch die Gartenlauben sind mit bunten Lichtern geschmückt.

Die musikalische Leitung lag beim Wiener Pianisten Maximilian Schamschula, der neben dem richtigen Takt, auch für ein ganz besonderes Klangerlebnis sorgte.
Hans-Jörg Gaugelhofer überzeugt in der Rolle des Grafen Balduin Zedlau mit klarem Tenor, großer Wortdeutlichkeit und munterer Darstellung. Besuchern der Kinderoper in der Krypta ist der junge Tenor als Tamino in der Zauberflöte ebenso vertraut wie als Eduard in Der Diamant des Geisterkönigs. Seit 2015 ist er auch Mitglied im Vokalensemble am Wiener Burgtheater (in der Produktion Antigone). Als seine Gattin Gabriele konnte Ellen Halikiopoulos mit ihrem ausdrucksvollen, starken Sopran gleichermaßen begeistern. Die vielseitige Künstlerin ist in der Krypta unter anderem als Rosalinde in Die Fledermaus, als Pamina in Zauberflöte für Kinder oder Der Diamant des Geisterkönigs zu erleben, feiert aber auch international Erfolge in Operetten wie Der Opernball oder Ein Walzertraum oder der Mutter Gertrud in Humperdincks Hänsel und Gretel. Eine Klasse für sich ist der Wiener Bassist Michael Weiland in der Partie des Fürsten Ybbsheim-Gindelsbach. Mit authentischem, preußischem Dialekt, großer Portion Humor, halsbrecherischem Körpereinsatz und ungeheurer Spielfreude konnte er das Publikum ebenso mitreißen wie mit seiner kräftigen, wohltönenden Bassstimme. Ihm ebenbürtig ist Alice Waginger als Tänzerin Franziska Cagliari. Die Koloratursoubrette besticht mit klarer, agiler Höhe und schöner, stabiler Mittellage und eroberte mit ihrem grandiosen Wiener Dialekt die Herzen des Publikums im Sturm. Das Repertoire der Wiener Sopranistin erstreckt sich von Operette (Adele in Die Fledermaus) über Oper (Despina in Così fan tutte) bis hin zu Liedern von Richard Strauss.

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta - Wiener Blut - Alica Waginger, Michael Weiland, Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer, Elisabeth Jahrmann, Christian Graf © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Oper in der Krypta – Wiener Blut – Alica Waginger, Michael Weiland, Ellen Halikiopoulos, Hans-Jörg Gaugelhofer, Elisabeth Jahrmann, Christian Graf © Marcus Haimerl

In der Partie der Pepi Pleininger ist die aus Linz gebürtige Koloratursopranistin Elisabeth Jahrmann das Ideal des einfältigen, liebenswerten Wiener Mädels. Nicht nur das Spiel und die Wiener Mundart, auch ihr markanter, schön geführter Sopran wissen zu überzeugen. Christian Graf beweist als Kammerdiener Josef nicht nur komödiantisches Talent, auch sein schlanker, sehr beweglicher Tenor sind pures Vergnügen. Als Karussellbesitzer Kargel brilliert Philipp Landgraf. Spätestens beim Wienerlied „Geht’s und verkauft‘s mein G’wand“ im dritten Akt lässt der Wiener Bariton Heurigengefühl und Operettenseligkeit aufkommen. Mit drei kleinen Rollen (Fürst Bitowski/ein Kutscher/ ein Kellner) beweist der Bariton Martin Eder, dass er neben Sakralmusik auch im leichteren Fach mehr als nur eine gute Figur macht.

Das gesamte Ensemble sorgte für eine gehörige Portion Leichtigkeit und Humor und bewies, dass Operette immer noch funktionieren kann. Das Publikum, und nicht alle verfügten über Wiener Blut, dankten mit entsprechenden Beifall und Jubel. Man kann  schon auf die nächste Produktion in der Krypta der Peterskirche, Der Bettelstudent,  gespannt sein.

 

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung