Münster, Theater Münster, Ballett Bach.Immortalis von Hans Henning Paar, IOCO Kritik, 16.11.2017

November 16, 2017 by  
Filed under Ballett, Hervorheben, Kritiken, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Bach.Immortalis – Ballett von  Hans Henning Paar 

Getanzte Hommage an Bach

Von Hanns Butterhof

Johann Sebastian Bach in Weimar © Gallée

Johann Sebastian Bach in Weimar © Gallée

Dem unsterblichen Barock-Komponisten Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750) widmet Münsters Tanzchef Hans Henning Paar sein neues Tanzstück „Bach.Immortalis“ am Großen Haus des Theaters Münster. In dreizehn Szenen tanzt das Ensemble aus je sechs Tänzerinnen und Tänzern zu zwölf life gespielten Kompositionen Bachs. Zu einer Szene hat der Dirigent des Abends, Thorsten Schmid-Kapfenburg, die Eigenkomposition „Reflexionen über B-A-A-C-H-H“ beigesteuert.

Am Beginn liegt  Jason Franklin zu dem Bach-Choral „Komm, süßer Tod“ wie ein nacktes Neugeborenes auf dem Rücken. Dann windet er sich wie ein Falter aus seinem Kokon, erarbeitet sich und feiert mit großem Schwung den aufrechten Gang, und sinkt dann langsam wieder in sich zusammen.

 Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Jason Franklin © Oliver Berg

Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Jason Franklin © Oliver Berg

Die Szene dürfte Paars Ausdruck für sein Programm sein, im Tanzen den Menschen zu zeigen als Summe dessen, was vor uns geschah, was jetzt geschieht und nach uns geschehen wird, wie das Textbuch sinngemäß Salman Rushdie zitiert.

Was dann folgt, erfüllt dieses Programm nicht zwingend. Im rasanten Wechsel der Szenen dominieren die Ensembles. In Paars typischer athletischer Handschrift jagen die Tänzerinnen und Tänzer in Alltags-Kleidung  über die mit einer halbrunden, matt goldenen Wand abgeschlossene Bühne (Bühne und Kostüme: Isabel Kork). Innerhalb der Ensembles finden und trennen sich Paare, es wechseln individuelle mit kollektiven Gesten, und Vokabular aus dem klassischen Ballett wie Pirouetten, Hebungen und Sprünge mischt sich mit dem des freien Tanzes.

 Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Ensemble © Oliver Berg

Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Ensemble © Oliver Berg

Der Mensch ist nicht immer nur ernst und auf das Jenseits ausgerichtet. So tanzen zur schwungvollen Polonaise aus der Orchestersuite in h-Moll vier Paare über die Bühne. Sie scheinen nicht mehr ganz nüchtern, haben lustige kleine Karnevalshütchen auf den Köpfen und Scherz-Flöten im Mund. Deren schräges Tröten setzen sie am Ende dem Wohlklang Bachs und der Angst vor dem Tod entschlossen entgegen.

Irritierend untänzerisch sind die Beschwörungen barock Gekleideter im Bühnennebel. Einer von ihnen trägt langsam zum Mittelsatz des Zweiten Brandenburgischen Konzerts einen Koffer herein, während das Ensemble sich wie erinnernd rückwärts bewegt. Und wenig plausibel sind die Projektionen alter schwarz-weißer Familienfilme auf eine vom Schnürboden heruntergelassene Videowand oder in einen Koffer hinein, in dem dann ein laufendes Kind zu sehen ist. In spannungsreichem Gegensatz dazu erklingt Schmid-Kapfenburgs Bach-Reflexion, die in ihrer anfänglichen Dynamik und dem spätromantischen Zur-Ruhe-Kommen dem Leben zum Tode hin schmerzlich Ausdruck verleiht.

 Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Maria Bayarri Pérez, Keelan Whitmore © Oliver Berg

Theater Münster / Ballett BACH.IMMORTALIS hier Maria Bayarri Pérez, Keelan Whitmore © Oliver Berg

Aus den rasenden Ensembles ragen die stilleren Paartänze und Soli heraus. Vor allem ergreift das Duett der ausdrucksstarken Maria Bayarri Pérez mit dem eleganten Keelan Whitmore als das innige Bild eines Paares, in dem er sie hält, trägt und hebt. Das kann tänzerisch ganz für sich stehen wie auch ein langes, intensives Solo von Elizabeth Towles zwischen den nicht immer sinnvoll vom Schnürboden mal mehr, mal weniger hoch herabgelassenen Lastenzügen.

Nach neunzig pausenlos getanzten Minuten galt der begeisterte Beifall des Publikums dem aufopfernd kraftvollen Tanz des Ensembles und der kleinen Besetzung des Sinfonieorchesters Münster unter Thorsten Schmid-Kapfenburg.

Bach.Immortalis – Ballett am Theater Münster; Die nächsten Termine: 3.12., 15.12. und 22.12.2017 jeweils 19.30 Uhr

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, CIRC…US – Tanzstück von HH Paar, IOCO Kritik, 19.05.2017

Mai 20, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Operette, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

 CIRC…US –  Viel Beifall für Hans Henning Paars neues Tanzstück

„Die Welt als chaotischer Zirkus“

CIRC…US  –  Die nächsten Termine:2., 8.und 30.6.2017, jeweils 19.30 Uhr;  25.6.2017 19.00 Uhr.

VON HANNS BUTTERHOF

Wie beim richtigen Zirkus empfangen in Livreen gewandete Türsteher das Publikum zur Uraufführung von Tanzchef Hans Henning Paars neuem Stück „CIRC…US“. Der fesselnde Tanzabend im Kleinen Haus des Theaters Münster zeigt unsere Welt als chaotischen Zirkus.

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Die Bühne, um die das Publikum wie in einer echten Zirkus-Manege im Kreis herum sitzt, ist mit einem flammend roten Tuch bedeckt. Wenn sich unter ihm nach und nach die Tänzer mit verschiedenen Formen und Bewegungen abzeichnen, geht bei elektronischen Urwald-Geräuschen sofort das Kopfkino los. Bewegt sich hier eine Schlange, da ein Elefant und dort ein Krokodil oder was? Paars Zirkus handelt dann aber nicht von Tieren, sondern vom Menschen.

Das Ensemble in seinen phantasievoll verschiedenartig schwarz-weiß gemusterten Kostümen (Bühne und Kostüme: Hans Henning Paar und Bernhard Niechotz) zeigt zur fetzigen Musik der rumänischen Brass-Band Fanfare Ciocirlia facettenreich eine chaotische Gesellschaft. Zarten Szenen von inniger Zweier-Beziehung stehen Ensembles von grotesker körperlicher Verdrehtheit und ruckartigen Marionetten-Bewegungen gegenüber. Es wird schrill geschrien, und Grimmassen grinsen ins Publikum.

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Im rasenden Bewegungsfluss halten immer einzelne Szenen inne. Bizarr streitet sich ein clowneskes Paar  in athletischer Körperlichkeit, aber sieghaft ist nicht der Einsatz von Kraft, sondern strategische Heulerei. Und wenn Ako Nakonome im blauen Bühnennebel unter einer Kopfmaske mit vier Gesichtern tanzt, bleibt stets verblüffend unklar, ob sie sich gerade nach vorn oder nach hinten oder gar zur Seite beugt; sie ist faszinierend die personifizierte Uneindeutigkeit..

Die Szenen von „CIRC…US“ haben eine Tendenz zum Schrecklichen. Unter der Hand wird aus einem fröhlichen Paar-Tanz ein gespenstischer Totentanz Vereinzelter, und ein vertierter Mob zerstört böswillig das Schöne. Da erscheint Maria Bayarri Pérez mit gasgefüllten Ballons an ihren Gliedmaßen wie ganz schwerelos; die Herzen fliegen ihr zu, fast erwartet man, dass sie langsam zur Saaldecke hinaufschwebt, wenn sie nur noch die Zehenspitzen eines Fußes am Boden halten. Doch unter affenartigem Gelächter und primitiven Machtgebärden lässt ein fünfköpfiger Mob einen Luftballon nach dem anderen platzen, und die  mühsam fortkriechende Pérez wird  brutal zu Tode getreten.

Nach dem heiteren Zirkus-Empfang macht Paar in der szenischen Abfolge bewegend deutlich, dass sich unsere Gesellschaft vom individuell Chaotischen zum egoistisch Negativen, Brutalen und Hässlichen, letztlich Unmenschlichen hin verändert. Nach 75 spannenden Minuten pausenlosen, ausdrucksstarken Tanzes  lang anhaltender, begeisterter Applaus des Premierenpublikums für das beeindruckende Ensemble und das Regieteam.

CIRC…US  –  Die nächsten Termine:2., 8.und 30.6.2017, jeweils 19.30 Uhr;  25.6.2017 19.00 Uhr.

 

—| IOCO Kritik Theater Münster |—

 

Münster, Theater Münster, Uraufführung Tanzabend CIRC…US, 04.05.2017

Mai 1, 2017 by  
Filed under Ballett, Pressemeldung, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

CIRC…US – Tanzabend von Hans Henning Paar

Manege frei für die Fantasie!

Uraufführung, Musik von Fanfare Ciocarlia, Jun Miyake, Olafur Arnalds, Amon Tobin u.a.,  

Premiere: Freitag, 4. Mai 2017, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 12. Mai, 19.30 Uhr, 28. Mai, 19.00 Uhr, 2.6.2017, 8.6.2017, 25.6.2017, 30.6.2017

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Der Zirkus bedient die Sehnsucht der Menschen nach einer Fantasiewelt, nach allem Unbekannten und Spannenden. Seit Jahrhunderten ziehen Schausteller, Artisten und Tiere von Ort zu Ort und sorgen mit ihren physischen Fähigkeiten, atemberaubenden Kunststücken – und früher auch mit bizarren Wundergestalten – für Unterhaltung. Die Zuschauer erwarten ein Spektakel, das alle Sinne anspricht und gleichzeitig zum Lachen, Weinen, Träumen und Fürchten einlädt.

Die Zirkuskünstler leben für den kurzen Moment im Scheinwerferlicht, den Auftritt in der Manege. Mit ihren teils lebensgefährlichen Kunststücken gehen sie auch immer ein großes Risiko ein. Was sie machen, ist im Grunde kein Beruf – es ist eine Lebensweise, eine Religion, eine Kultur und oft das einzige Leben, das sie kennen. Der Zirkus ist eine Welt für sich, mit eigenen Traditionen, Prinzipien und Gesetzen. Ein Ort, wo Fremdartigkeit nicht gemieden, sondern das Anderssein ausgestellt und gefeiert wird.

Inspiriert von der Geschichte des Zirkus‘, zeigt Hans Henning Paar einen Mikrokosmos der Gesellschaft, in dem liebenswerte skurrile Charaktere, tierische Menschen und menschliche Tiere aufeinandertreffen. Surreale Momente von poetischer Melancholie wechseln mit grotesken Bildern und irrwitzigen Szenen – eine Kuriositätenschau des alltäglichen Wahnsinns.

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Theater Münster / CIRC…US © Oliver Berg

Inszenierung: Hans Henning Paar, Choreografie: Hans Henning Paar in Zusammenarbeit mit dem Ensemble, Choreografische Assistenz: László Nyakas, Bühne & Kostüme: Bernhard Niechotz, Dramaturgie: Esther von der Fuhr

Mitwirkende:  Maria Bayarri Pérez, Mirko de Campi, Anna Caviezel, Jason Franklin, Melanie López López, Adrián Pla Cerdán, Ako Nakanome, Tri Thanh Pham, Alessio Sanna, Elizabeth D. Towles, Keelan Whitmore

Premiere: Freitag, 4. Mai 2017, 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 12. Mai, 19.30 Uhr, 28. Mai, 19.00 Uhr, 2.6.2017, 8.6.2017, 25.6.2017, 30.6.2017,

—| Pressemeldung Theater Münster |—

Münster, Theater Münster, 2017/18 – Bekenntnis zum Unterhaltungstheater, IOCO Aktuell, 06.03.2017

März 7, 2017 by  
Filed under IOCO Aktuell, Spielpläne, Theater Münster

theater_muenster_logo_50

Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster: Pressekonferenz  zur Spielzeit 2017/18
Bekenntnis zum Unterhaltungs-Theater

Von Hanns Butterhof

Zufrieden mit der Auslastung des Theaters Münster mit über 200.000 Besuchern in der laufenden Spielzeit zeigte sich Generalintendant Dr. Ulrich Peters auf seiner inzwischen 6. Jahrespressekonferenz. Er positionierte sich ausdrücklich für ein Unterhaltungstheater, wobei er „Unterhaltung“ als Interesse am Stück, nicht als Spaß an flachem Klamauk verstanden wissen will, obwohl manche Inszenierung unter seiner Intendanz einen starken Zug in diese Richtung aufwies.

Theater Münster / Leitung : Dr. Ulrich Peters, Julia Dina Heße, Frank Behnke, Golo Berg, Rita Feldmann, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Theater Münster / Leitung : Dr. Ulrich Peters, Julia Dina Heße, Frank Behnke, Golo Berg, Rita Feldmann, Susanne Ablaß, Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Für die kommende Spielzeit 2017/18 gibt es kein übergreifendes Thema, aber an manchen Stellen eine thematische Verklammerung in den Sparten Schauspiel, Musik- und Tanztheater. Vor allem im Schauspiel soll auf aktuelle politische Entwicklungen reagiert werden; Schauspieldirektor Frank Behnke sieht den Künstler in einer besonderen Verantwortung.

Das Musiktheater bietet eine ansprechende Mischung aus großklassischen Opern wie Mozarts „Don Giovanni“ und Verdis „Don Carlo“ und ausgefalleneren Werken wie Peter Eötvös‘ „Angels in America“ und der Rock-Oper „Everyman“ von Günter Werno, Andy Kuntz und Stephan Lill nach Hugo von Hoffmannsthals Schauspiel „Jedermann“, in der die Metal-Band „Vanden Plas“ mit dem Sinfonieorchester für den rechten Sound sorgen soll. Jules Massenets Märchenoper „Cendrillon“ (Aschenputtel) wird ebenso Zuspruch finden wie Emmerich Kálmáns Operette „Csárdásfürstin“, mit der die Intendanz die Abonnenten mit den angehobenen Abonnementspreisen aussöhnen möchte.

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Johann Wolfgang von Goethe © IOCO

Frank Behnke stellt für das Schauspiel 13 neue Stücke in Aussicht, beginnend mit dem, wie er sagt, „wütenden politischen Text“ Falk Richters „Je suis Fassbinder“. Eine thematische Verklammerung mit der Eötvös-Oper gibt es mit Shakespeares „Der Kaufmann von Venedig“ und Max Frischs „Andorra“, in denen es auch um den Umgang mit Minderheiten geht. Ein Widerschein davon findet sich in Tennessee Williams‘ Stück „Die Katze auf dem heißen Blechdach“, in dem auch darüber räsoniert wird, dass es besser gewesen wäre, Toleranz statt Baumwolle anzubauen.

Jubiläen geben Anlass zurückzublicken: mit „Heldenangst“ nach dem Roman von Gabriel Chevallier wird an 100 Jahre Ende des Ersten Weltkriegs, mit dem Live-Konzert „Das Weiße Album“ nach dem Album der Beatles an 50 Jahre 1968 erinnert.

Von alledem soll eine gewisse Frische ausgehen, vor allem von dem Schauspiel „Die Leiden des jungen Werther“ nach dem Briefroman, der Goethe den literarischen Durchbruch brachte, aber sicher auch von den Komödien „Ich bin wie Ihr, ich liebe Äpfel“ von Theresia Walser und „Amphitryon“ von Heinrich von Kleist. Auf die Schauspiele „Falsch“ von Lot Vekemans und „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ von Joël Pommerat, einem Beziehungsreigen, in dem Korea keine Rolle spielt, darf man gespannt sein.

Abstrakter Tanz – Tanzgeschichte im Fokus

Theater Münster / Leitung : Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Theater Münster / Leitung : Hans Henning Paar © Hanns Butterhof

Der Leiter des TanzTheaterMünster, Hans Henning Paar, überrascht mit der Absicht, mehr in Richtung abstrakter Tanz zu gehen, auch nach der Geschichte und möglichen Entwicklung des Tanzes zu fragen. Das Markenzeichen des Choreographen, dessen Vertrag kürzlich bis zum Ende der Spielzeit 2021/22 verlängert wurde, ist bislang ein athletisches Handlungsballett; seine Fassung von „Romeo und Julia“ ist im Großen Haus beständig ausverkauft. In der nächsten Spielzeit soll in einem Tanzabend, ebenfalls im Großen Haus, mit „Bach, immortalis“ zu live aufspielendem Sinfonieorchester das Wesen des Menschen zur Tanz-Sprache kommen. Auch örtlich eine Nummer kleiner, im Kleinen Haus, will Paar mit „True Romance“ (für wen sind eigentlich diese prätentiös fremdsprachigen Titel gedacht?) darauf Antwort geben, was Romantik heute noch ist oder sein könnte. Als Gastchoreographen der kommenden Spielzeit überlässt Paar sein Ensemble James Wilton für „Hold On“, ein Stück, in dem es um das Zusammenleben/-können geht.

Künftiger GMD Golo Berg stellt sich mit erstem Programm vor

Theater Münster / Golo Berg © Hanns Butterhof

Theater Münster / Golo Berg © Hanns Butterhof

Sehr sympathisch unabgehoben bringt sich der künftige Generalmusikdirektor Golo Berg auch in sein Programm ein. Der 1968 in Weimar geborene Dirigent stellt sich in Münster beim 1. Sinfoniekonzert mit Dimitri Schostakowitschs 6. Sinfonie vor und schlägt damit einen Bogen vom Stalinschen Terror zur Zeit der Komposition 1939 zu seinem eigenen Aufwachsen in der DDR – über diese Statement darf man ruhig nachdenken. Unter dem Gesichtspunkt der thematischen Verklammerung, an das Ende des I. Weltkriegs zu erinnern, steht das 4. Konzert Gustav Holsts „Mars, The Bringer of War“, zusammen mit Edward Elgars Konzert für Violoncello e-Moll, op. 85 und Carl Nielsens Sinfonie Nr.4, op. 29, „Das Unauslöschliche“ im Programm; auf Péter Eötvös‘ Oper bezieht sich im 9. Sinfoniekonzert dessen Konzert für Violine und Orchester „Sven“, das den Tod der sieben Astronauten in der Columbia-Raumfähre 2003 verarbeitet. Dazu sind „Engelsmusiken“, wie Berg sie nennt, zu hören: Johann Sebastian Bachs Kantate „Ach Gott, vom Himmel sieh darein“ und Josef Suks Sinfonie Nr. 2 c-Moll op.27, „Asrael“.

Im 5. Sinfoniekonzert wird mit Bernhard Rombergs Konzert für Flöte und Orchester h-Moll op. 30 ein Münsteraner Komponist zu hören sein. Berg beabsichtigt, seine Aufmerksamkeit auf das Münsteraner musikalische Schaffen zu richten und in den kommenden Jahren in jedem Konzert einen Komponisten aus Münster vorzustellen, eine sehr freundliche bodenständige Geste an sein westfälisches Publikum mit hohem Überraschungspotenzial.

Für das Kinder- und Jugendtheater berichtet Julia Dina Heße von erfolgreichen Gastspielen in Asien; die sind dadurch möglich, dass die Kinderstücke mit Bewegung und Bildern, nicht mit Worten arbeiten und so überall verstanden werden können. Musiktheater-Projekte und Schauspiele wie selbst „1984“ nach George Orwell ergeben ein ansprechendes Programm, so dass die Sparte berechtigte Aussicht hat, weiter zu wachsen. Mit einem Familienstück, dem Märchen „König Drosselbart“, kommt das Kinder- und Jugendtheater sogar ins Große Haus.

Dem ambitionierten Spielplan für 2017/18 ist eine im Sinne Peters unterhaltsame Umsetzung zu wünschen.

 

—| IOCO Aktuell Theater Münster |—

Nächste Seite »