Hannover, Staatsoper Hannover, TRIONFO – Vier letzte Nächte – nach G. F. Händel, IOCO Kritik, 22.09.2020

September 22, 2020 by  
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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

 TRIONFO – Vier letzte Nächte  –  nach G F Händel

– Die Zeit breitet im verborgenen ihre Flügel aus… –

von Christian Biskup

Trionfo – Vier letzte Nächte: so der Titel der ersten Opernproduktion im großen Haus der Staatsoper Hannover. Diese, auf einem eher unbekannte Händel – Oratorium nach einem Libretto des Kardinals Benedetto Pamphili basierend, entwickelte sich dank des dramatischen Musikgehalts und der Inszenierung von Elisabeth Stöppler zu einem nachdenklichen Opernabend.

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Georg Friedrich Händel Grabplatte in Westminster Abbey © IOCO

Die Entstehungsgeschichte des Werkes ist schon kurios. Nach einem Erdbeben im Jahr 1703 durften in Rom für fünf Jahre keine Opern aufgeführt werden. Zu lasterhaft erschien dem Papst das Leben der Stadt – und scheinbar auch die Gattung Oper. Da jedoch Georg Friedrich Händel im Jahr 1707 – gerade einmal 22 Jahre alt – in Rom weilte, mussten stattdessen eben Oratorien komponiert werden. Eines davon ist Il trionfo del Tempo e del Disinganno – Der Triumpf von Zeit und Erhellung. Doch anders als in den bekannteren geistlichen Werken des deutsch/englischen Komponisten sind die Handlungstragen der vier Allegorien – die Schönheit (Bellezza), das Vergnügen (Piacere), die Zeit (Tempo), die Erhellung / Desillusionierung (Disinganno), die von ihren Fragen, Sehnsüchten und Ängsten erzählen.

Trionfo – Vier letzte Nächte – vorgestellt von Elisabeth Stöppler …..
youtube Trailer  der Staatsoper Hannover
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Die Zeit breitet im verborgenen ihre Flügel aus…

Wenn sich jedoch der Vorhang der Bühne öffnet, wird nicht einfach ein Oratorium vorgestellt. Regiesseurin Elisabeth Stöppler und Dramaturg Martin Mutschler hauchen den Allegorien ein Leben ein, machen das Werk dadurch zu einer Handlungsoper. So wird die Schönheit, B., (für Bellezza) als Hausfrau mit Kind, voller Träume und Wünsche, dargestellt. Sie fühlt sich eingeengt, fühlt die Zeit verrinnen ohne, dass sie wirklich zum Leben kommt. Sie sehnt sich nach dem Vergnügen, P. (Piacere) Vom Brustkrebs gezeichnet, im Hier und Jetzt lebend, ist sie wie ein Sehnsuchtsort für B., die jedoch die Abgründe der Figur nicht sieht. Denn P.  ist verzweifelt. Sie hat das Leben gelebt, aber jetzt? Ihre Zeit verrinnt stetig; jede Nacht kann ihre letzte Nacht sein, der sie nicht fliehen kann. Und dann ist da auch noch D., die Erhellung und Desillusionierung. Er ist Schriftsteller, jedoch unfähig zu schreiben, die Welt richtig zu fassen. So verzweifelt er jedoch ist, eine helle Seite kann er jeder Situation abgewinnen. Bleibt nur noch die Zeit, T., die sich fragt, wer er/sie eigentlich ist. Es zeigt sich, dass er eigentlich seit Jahren ein Mädchen sein will, die Zeit jedoch noch nicht dafür da war.

Staatsoper Hannover / Trionfo - hier : Nina von Essen als Piacere - Vergnügen und Sarah Brady als Bellezza - Schönheit © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Trionfo – hier : Nina von Essen als Piacere – Vergnügen und Sarah Brady als Bellezza – Schönheit © Sandra Then

Stöppler versucht die Figuren in eine logische Handlung einzubinden, was dank dem Umschieben verschiedener Nummern gut gelingt. Besonders die Figur T. (Zeit / Tempo) kommt jedoch nicht voll zum Tragen und hinterlässt mehr Fragen als sie Klarheit schafft. Klar wird jedoch: alle Figuren fürchten die Zeit, hadern mit ihr, die als Uhr an der Wand tickt und gleichzeitig im Verborgenen ihre Flügel ausbreitet, wie eine Figur es singt. Jede Figur sitzt zu Beginn in ihrer eigenen kleinen Welt; doch die Zeit bringt sie Zusammen – und auch wieder auseinander. Dies ist das Glück für B. – T. und D. können sie überzeugen, dass das Leben im Hier und Jetzt nicht das Glück der Welt verspricht. B. sagt sich von ihrem Kind los um sich zu entfalten, wandert jedoch nicht den Pfaden des Vergnügens nach. Jede Figur muss ihren eigenen Platz im Rinnsal der Zeit finden, so könnte die Moral der Inszenierung sein. Der himmliche Chor „Thou knowest, Lord, the secrets of our hearts“ aus der Beerdigungsmusik von Henry Purcell beschließt den Abend, der einen der elementarsten Konflikte der Menschen betrifft:  das Leben mit der Zeit!

In musikalischer Hinsicht war der Premierenabend ungemein beglückend. Das absolute Highlight der Aufführung war das Orchester unter Leitung des jungen, dynamischen Dirigenten David Bates. Da es immer schwer ist, einem großen, auf Romantik und Spätromantik eingespielten Sinfonieorchester barocke Töne zu verleihen, kann man dem Ensemble zu dem Klangereignis nur beglückwünschen. Stets den großen Bogen atmend, kostet Bates die Affekte der Partitur hör- und sichtbar aus. Wenn man das lebendige Orchesterspiel in Hannover hört, wird dem Publikum schnell bewusst, weshalb Händel als der „Popstar des Barock“  galt.

Staatsoper Hannover / Trionfo hier Sunnyboy Dladla als Zeit - Tempo © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Trionfo hier Sunnyboy Dladla als Zeit – Tempo © Sandra Then

Auch die Sänger verdienen größte Würdigung, allen voran die Niederländerin Nina van Essen, die in der Rolle der P. (Vergnügen) nicht nur als Kolloraturakrobatin, sondern auch schauspielerisch überzeugen konnte. Besonders die Arie „Lascia la spina, cogli la rosa“, die später im Rinaldo so berühmt gewordene Nummer, gelang bezaubernd schön. Ihre Stimme sehr zurücknehmend, kongenial vom Orchester begleitet, gelang ein Augenblick berückender Intimität, sodass auch das Publikum erst nach einer gefühlten Ewigkeit zu großen Bravorufen aufbrauste.

Ebenfalls höhen- und koloraturensicher erwies sich Nicolas Tamagnas kultiviert geführter Countertenor in der Rolle des D., Disinganno. Sehr expressiv im Ausdruck, verdeutlichte er die dramatische Dimension der Textvorlage äußerst intensiv. Ebenfalls überzeugend agierten Sarah Brady in der Rolle der B. sowie Sunnyboy Dladla als Time, der besonders in der Mittellage über ein äußerst wohlklingendes Timbre verfügt.

Dank der ausgeklügelten Corona-Sicherheitsbestimmungen, konnte man eine entspannte Aufführung im großen Haus erleben, welches nur mit 312 statt über 1200 Plätzen belegt werden durfte. Das Publikum feiert den ersten Opernabend der Saison frenetisch. Sowohl für Orchester und das Ensemble auf der Bühne als auch für die Regie ist die TRIONFO – Vier letzte Nächte ein voller Erfolg. Keine Buhs, nur schier endloser Applaus! Danke!

Trinfo – Vier letzte Nächte an der Staatsoper Hannover; die nächsten Termine: 22.9.; 24.9.; 2.10.; 9.10.; 17.10.; 23.10.; 30.10.2020 und mehr

—| IOCO Kritik Staatsoper Hannover |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Gartentheater Herrenhausen – Le Vin herbé, IOCO Aktuell, 18.06.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover / Sommer Festival im Gartentheater Herrenhausen @ Robert Robinson

Staatsoper Hannover / Sommer Festival im Gartentheater Herrenhausen @ Robert Robinson

Staatsoper Hannover : 19. Juni – 12. Juli 2020
Summer Session – Gartentheater Hannover Herrenhausen

Ab 19. Juni 2020 zeigt die Staatsoper Hannover eine inszenierte Musiktheater-Aufführung live  und ist damit eines der ersten Opernhäuser in Deutschland, das nach der Hochphase der Corona-Pandemie wieder eine komplette Operninszenierung für Publikum spielt: Regisseur Wolfgang Nägele und Hannovers neuer Generalmusikdirektor Stephan Zilias erarbeiten für die Summer Session 2020 im Gartentheater Herrenhausen das Musiktheater Le Vin herbé. Darüber hinaus stellt Ballettdirektor Marco Goecke einen Ballettabend mit eigenen Choreografien zusammen, Nachwuchs-Choreograf*innen wagen erste Schritte und zwei Konzertprogramme runden das Programm ab.

Staatsoper Hannover – Summer Session 2020 im Gartentheater Herrenhausen
youtube Video Staatsoper Hannover
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Oper, Ballett und Konzerte in Herrenhausen – Das Programm

Le Vin herbé / Der Zaubertrank
Musiktheater von Frank Martin

Weltliches Oratorium in einem Prolog, 3 Teilen (18 Bildern) und Epilog. Libretto nach 3 Kapiteln aus „Le Roman de Tristan et Iseut“  („Der Roman von Tristan und Isolde“) in der Übersetzung und Wiederherstellung (1900) von Charles Marie Joseph Bédier

Die Staatsoper Hannover eröffnet das Sommerfestival in Herrenhausen mit dem Musiktheater Le Vin herbé / Der Zaubertrank von Frank Martin, einem Werk über Liebe, Schuld und Tod in schicksalhaften Zeiten, einer der tiefsten, berührendsten und traurigsten Beziehungs-geschichten: Isoldes Mutter hat ihrer Tochter für die Hochzeitsnacht mit König Marke einen Kräuterwein, Le Vin herbé, mitgegeben. Dieses magische Gebräu ist es, das Tristan, König Markes Brautwerber, und Isolde, die irische Prinzessin, in unwägbaren Zeiten zusammenführt. Irrtümlich wird beiden der Zaubertrank gereicht, und aus der Begegnung wird untrennbares Schicksal: Sie geben sich einander hin.

IOCO,  Christian Biskup, wird Le Vin herbé sehen und berichten

Le Vin herbé ist ein Stück, das aus der Zeit gefallen scheint. Schicksalhaft schwer schon die Entstehungsgeschichte: 1938 beschäftigt sich der Schweizer Komponist Frank Martin erstmals mit dem Stoff, 1939 stirbt seine Frau. Mitten im Krieg, der alle bürgerlichen Kulturtraditionen in Frage stellte, Opernhäuser und Konzertsäle zerstörte, entstand die Musik, 1948 fand bei den Salzburger Festspielen die szenische Uraufführung des Gesamtwerks statt. 12 Sänger*innen, sieben Streichinstrumente und Klavier kreieren einen Klang von atmosphärischer Zeitlosigkeit, voll zerbrechlicher Zartheit und ausdrucksstarkem Wohllaut, mit bittersüßem, glasklarem Schimmer. Ein Kunstwerk, nicht zugehörig einer Zeit und dennoch hochmodern komponiert, unwirklich, anachronistisch.

Stephan Zilias, ab nächster Spielzeit Hannovers neuer Generalmusikdirektor, startet unverhofft und mit Kammerorchester noch vor dem Sommer in sein neues Amt:   Le Vin herbé  ist musizierte Verzauberung, intim, verletzlich, berührend. Obwohl es scheinbar undramatisch, fast etwas ritualhaft wirkt, entfaltet es eine immense Sogwirkung. Die Sängerinnen und Sänger übernehmen eine Doppelrolle, sie sind Chor und Soli zugleich. Unsere Herausforderung wird vor allem darin bestehen, unter den gegebenen Umständen in den Gärten eine klangliche Homogenität herzustellen und einen innigen Musizierton zu finden.“

Regisseur Wolfgang Nägele inszeniert im Sonnenuntergang der Herrenhäuser Gärten. Zu seinen Regiearbeiten zählen Musiktheater- und Schauspielinszenierungen, Stückentwicklungen und Uraufführungen u. a. an der Bayerischen Staatsoper, der Hamburgischen Staatsoper, der Musikbiennale Venedig und der Philharmonie Luxemburg. „Frank Martins Le Vin herbé ist episches Theater und gleichzeitig eine tief berührende, sinnliche Nahaufnahme zweier Liebender, die einander auf Grund moralischer Restriktionen entsagen und dennoch nicht aufhören können sich nacheinander zu sehnen. Dieser Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen Sehnsucht und Isolation lässt sich gerade besonders gut nachspüren.“

Termine Fr 19.06.2020 21 Uhr Premiere, weiter Termine So 21.06.2020, 21 Uhr, Mi, 24.06.2020, 21 Uhr, Fr 26.06.2020, 21 Uhr, So 28.06.2020, 21 Uhr, Sa 04.07.2020, 21 Uhr, Mi 08.07.2020, 21 Uhr, Fr 10.07.2020, 21 Uhr So 12.07.2020, 21 Uhr  Weitere Informationen und Karten HIER!

Das weitere Programm im Gartentheater Herrenhausen

All you can dance —  Junge Choreograf*innen in Herrenhausen

Acht Tänzer*innen des Staatsballetts Hannover werden im Rahmen von All you can dance erste Erfahrungen als Choreograf*in haben: Alessandra La Bella, Francisco Baños Diaz, Giovanni Visone, Javier Ubell, Lilit Hakobyan, Michèle Seydoux, Veronica Segovia Torres und Rosario Guerra. Choreograf*in zu sein bedeutet mehr, als sich „nur“ Schrittfolgen auszudenken. Neben der Entscheidung, mit welchen Tänzer*innen man zusammenarbeiten möchte, geht es auch um die Wahl der Musik, die Planung der Proben sowie um Kostüm, Licht und die Nutzung des Raums   in diesem Fall des Gartentheaters Herrenhausen.

Termine Mi 01.07.2020, 21 Uhr, Do 02.07.2020, 21 Uhr, Weitere Informationen und Karten

We’ll meet again  –  Ballettabend mit Choreografien von Marco Goecke

Das Staatsballett zeigt im Gartentheater sechs Choreografien von Marco Goecke. Darunter sind mit Cry Boy und Tué zwei Solo-Kreationen, die erstmals in Hannover aufgeführt werden.

Termin  Fr 03.07.2020, 21 Uhr  Weitere Informationen und Karten

Staatstheater Hannover / hier : Marco Goecke, Ballett, Laura Bermann - Intendantin Staatsoper, Sonja Anders - Intendantin Schauspiel @ Staatstheater Hannover

Staatstheater Hannover / hier : Marco Goecke, Ballett, Laura Bermann – Intendantin Staatsoper, Sonja Anders – Intendantin Schauspiel @ Staatstheater Hannover

Sh*t happens  – Konzertabend mit Musik von Verdi und Tschaikowski u.a.

Mit Sh*t happens gibt es ein Opernarien-Programm, das den Bässen der Staatsoper Hannover gewidmet ist. Arien von Vaterfiguren aus Opern von Giuseppe Verdi und Peter Tschaikowski werden von den Ensemblemitgliedern Shavleg Armasi, Pavel Chervinsky und Daniel Miroslaw gesungen. Und wo russische und italienische Väter klagen, sind deren unglückliche Kinder nicht weit: Die Sopranistin Barno Ismatullaeva und der Tenor Long Long brillieren mit Arien aus dem Repertoire des 19. Jahrhunderts – aus der Position der Töchter und Söhne.

Termine  –  Sa 20.06.2020, 21 Uhr, Sa 27.06.2020, 21 Uhr, Do 09.07.2020, 21 Uhr
Weitere Informationen und Karten

Tanzen! Singen! Küssen!  –  Operettenabend mit Musik und Liebe auf Abstand

Wenn viele liebenswerte Vergnügungen während einer Pandemie nicht mehr möglich sind, bedeutet das nicht, dass der Wunsch danach verschwindet: Der Konzertabend Tanzen! Singen! Küssen! ist ganz der Sehnsucht gewidmet, sich endlich wieder berühren, über Zimmerlautstärke hinaus singen … und nicht nur den*die Ehepartner*in küssen zu dürfen.

Termine  –  Do 25.06.2020, 21 Uhr, So 05.07.2020, 21 Uhr, Sa 11.07.2020, 21 Uhr
Weitere Informationen und Karten

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Rund 200 Plätze können unter Einhaltung aller Hygiene- und Sicherheitsvorschriften im Gartentheater angeboten werden.  Die Staatsoper Hannover hält sich für die Vorstellungen konsequent an die geltenden Verordnungen für die weitere Eindämmung der Corona-Pandemie. Alle Vorstellungen finden darum unter strengen Schutz-und Hygienemaßnahmen statt.

Bitte halten Sie sich während Ihres Theaterbesuchs an die allgemeinen Empfehlungen zur Prävention des Robert Koch-Instituts. Wahren Sie bitte auch aus Rücksicht auf die anderen Besucher*innen und Mitarbeiter*innen die Nies- und Hustenetikette, und halten Sie bitte den Mindestabstand von 1,5 m zu anderen Menschen, die nicht zu Ihrem eigenen oder einem weiteren Hausstand gehören, ein. Vor Ort erinnern Hinweisschilder und unser Abendpersonal an unsere Hygieneregeln. Hier können Sie unser Hygiene-Knigge herunterladen.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Graz, Styriarte, Ein Klavierkonzert der Tausend – Corona-Meditation, 30.04.2020

Steirische Festspiele

Steirische Festspiele / Gerd Kuehr  © Werner-Kmetitsch

Steirische Festspiele / Gerd Kuehr © Werner-Kmetitsch

Ein Klavierkonzert der Tausend – „Corona-Meditation“ von Gerd Kühr

Welturaufführung live im Internet – Zentrale in Graz

Die Uraufführung seines neuen Werks, der gerade eben entstandenen „Corona-Meditation“ für beliebig viele Klaviere, dezidiert für eine Realisierung über das Internet komponiert, überträgt der renommierte österreichische Komponist Gerd Kühr dem Hause styriarte und seinem Intendanten Mathis Huber, der in der heutigen Pressepräsentation vorausschickt: „Heute, gerade 40 Tage nach dem Start der Quarantäne, ist die Zeit der Absagen vorbei und die Zeit der Ansagen in der Kultur sollte wieder kommen. Denn wir brauchen die Botschaft der Kunst, dass sie sich nicht unterkriegen und einsperren lässt.“

Am Donnerstag, dem 30. April, Beginn um 20.20 Uhr, wird das Werk mit einer Zentrale im styriarte.STUDIO im Grazer Palais Attems live über die Internet-Bühne gehen. Olga Chepovetsky, ganz junge Ausnahme-Pianistin aus Riga, spielt das Werk von dort aus, der steirische Jungstar Philipp Scheucher schaltet sich aus seiner Wohnung in Hannover über „Zoom“ zu. Nach der ersten Vorstellung des Werkes durch diese beiden wird Mathis Huber ein Gespräch mit Gerd Kühr und Olga Chepovetsky führen, in dem das Publikum essentielle Gedanken zum Werk erfährt. In einem zweiten Durchgang der „Corona-Meditation“ sollen sich dann Pianistinnen und Pianisten aus aller Welt – egal ob renommierte Künstler oder Laien – über Zoom zuschalten und das Werk gemeinsam aufführen. Jede Stufe des Könnens befähigt die Menschen dazu, mitzuwirken. Man muss etwa nicht das gesamte Notenmaterial mitspielen, sondern kann sich auch auf eine Auswahl an gespielten Tönen beschränken. Um diese Mitspielenden auch in Bild und Ton erlebbar zu machen, wird ein Technik- und Tonmeisterteam ein gemeinsames Ergebnis aller Klänge und PianistInnen in ein Live-Gesamtbild fassen. Das Stück ist von Gerd Kühr schon mit allen zu erwartenden Unschärfen, den Verschiebungen in Tonhöhen, Klang und Tempi, konzipiert und will damit eine neu Art von „Hauskonzert“ hervorbringen, wozu sich der Komponist folgend äußert:

„Das Stück war plötzlich da und musste sein! Wir erleben eine Zeit der Besinnung, die Gelegenheit zur Meditation bietet. Der ruhige Grundpuls, nicht durch ein Metronom koordiniert, sorgt dafür, dass das Zusammenspiel der prinzipiell unendlich vielen Klaviere kaum präzise ausführbar wird. Diese Unschärfe, gepaart mit der langsamen Auffüllung des Tonraums, sorgt für einen Ausdehnungseffekt, analog der Ausdehnung des Kosmos. Das Stück ruht in sich und erweitert sich zugleich.

Unschärfen in Timing, Klavierstimmung und Klangqualität sind explizit erwünscht. Das Werk wird dadurch ein präziser Kommentar zur gegenwärtig aufblühenden Streamingkultur, in der eben ein gewohnt perfektes Echtzeit-Zusammenspiel, wie wir es vom konventionellen physischen Konzert kennen, nicht möglich ist.“

Mitwirkende:

Die Zusage zur Mitwirkung hat man bisher bereits von: Christopher Hinterhuber, Markus Schirmer, Piano Duo GrauSchumacher, Clara Frühstück, Janna Polyzoides, Christoph Traxler, Florian Groß, Aleksandra Mikulska, Markus Koropp, Clara Murnig

… und die Liste wächst beständig, denn viele weitere mit dem Haus styriarte verbundene KünstlerInnen sind herzlich eingeladen … wie auch jeder Laie, der mitspielen möchte.

Für Interessierte steht auf der Homepage der styriarte ein umfangreiches Infopaket bereit (Noten, Spielanleitung, ein Forum für Fragen, und Hilfe in technischen Belangen über eine Kontakt-Telefonnummer).

Tickets:

Um die Live-Uraufführung am 30. April um 20.20 Uhr (MESZ) als Konsument mitzuerleben, können Musikfreunde sich ab Montag, 27. April um 15 Uhr, für 9 Euro (oder auch 99 bzw. 909 für den KünstlerInnen-Hilfsfonds der styriarte J) ein Ticket kaufen und erhalten dann per Mail einen Zugangslink zur Übertragung aus dem styriarte Kartenbüro.

Bestellung über www.styriarte.com/events/corona-meditation/

oder per Mail an tickets@styriarte.com

Zusammenfassend hier im O-Ton Matthias Wagner, der das Projekt im Hause styriarte hochzieht:

„Das Besondere und Hochaktuelle an dieser Unternehmung ist wohl, dass wir eben keinen vorproduzierten Content streamen, sondern tatsächlich ein hochambitioniertes Live-Konzert via Internet, an dem sich voraussichtlich KünstlerInnen aus vielen Ländern beteiligen. Die technischen Limitierungen (siehe Beschreibung) werden dank einer klugen Werkkonzeption sogar in künstlerische Tugenden umgewandelt. Und dann ist da noch dieses Stück mit seiner jungen Entstehungsgeschichte, das die aktuelle Lage der Welt und der Kunst auf mehreren Ebenen exakt auf den Punkt kommentiert.“

Im Rundfunk und TV wird das Werk zu einem späteren Zeitpunkt zugänglich gemacht. Diese Termine sind dann auf www.styriarte.com zu erfahren.

Alle Informationen zum Projekt erreichen Sie über: www.styriarte.com/events/corona-meditation/

Homepage von Gerd Kühr: www.gerd-kuehr.at

—| Pressemeldung styriarte |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Die griechische Passion – Bohuslav Martinu, 21.03.2020

März 6, 2020 by  
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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

The Greek Passion / Die griechische Passion –  Bohuslav Martinu

Premiere Samstag, 21.03.2020, 19:30 Uhr

Gibt es eine Identität ohne die Abgrenzung gegen Andere? Bohuslav Martinus The Greek Passion legt den Finger in die Wunde der gesellschaftlichen Verantwortung jeder*s Einzelnen. Sie stellt die Frage, ob eine Gemeinschaft durch Zugezogene in ihrer Sicherheit bedroht wird.

Staatsoper Hannover / Greek Passion Plakat - Barno Ismatullaeva © Clemens Heidrich

Staatsoper Hannover / Greek Passion Plakat – Barno Ismatullaeva © Clemens Heidrich

Ein Dorf zur Zeit des Griechisch-Türkischen Kriegs 1919 – 1922. Die Bewohner*innen bereiten sich auf die jährlichen Passionsspiele vor, als eine zweite, ebenfalls griechische Dorfgesellschaft auf der Flucht vor türkischen Truppen um Aufnahme bittet. Sofort folgt die Probe aufs Exempel: Was bedeutet die christliche Heilslehre im Ernstfall? Die spontane Solidarität, wie sie der Hirte Manolios vertritt, der Jesus spielen soll, ist der konservativen Kirchenmacht ein Dorn im Auge. Sie hält nichts von einer Gemeinschaftlichkeit, die ihre Herrschaft in Frage stellt. Das Gedankengut der biblischen Bergpredigt erweist sich als revolutionär.

Bohuslav Martinus in den 1950er Jahren für London entstandene Vertonung als Griechische Passion ist zugleich ein Spiel mit Identitäten: Wer bin ich, und wer kann ich werden? Und was braucht es, um ein guter Mensch zu sein? Der tschechische Komponist mischt wie selbstverständlich die kristallklare Symphonik seiner französischen wie seiner US-amerikanischen Wahlheimat mit Weisen seiner böhmischen Herkunft, um ein universell gültiges Drama zu erzählen. Die Eingängigkeit und Direktheit der Musik – leidenschaftlich und intensiv – lässt die dramatische Handlung in versöhnlichem Licht erscheinen.

Ebenso arbeitet die Regisseurin Barbora Horáková, Hausregisseurin der Staatsoper Hannover, an diesem Helldunkel: Die Inszenierungen der „Newcomerin des Jahres“ (International Opera Awards 2018) kennzeichnet ein psychologisch genauer Blick auf den Menschen, der allerdings nie ohne Empathie für das Handeln der Figuren ist. Horáková wird in den kommenden Spielzeiten als Hausregisseurin an der Staatsoper Hannover tätig sein.

Musikalische Leitung Valtteri Rauhalammi Inszenierung Barbora Horáková Choreografie James Rosental Bühne Susanne Gschwender Kostüme Eva-Maria van Acker Licht Susanne Reinhardt Video Sarah Derendinger Chor Lorenzo Da Rio, Matthias Wegele Kinderchor Tatiana Bergh Dramaturgie Martin Mutschler

Priester Grigoris Tassos Apostolou, Archon – Daniel Eggert, HauptmannFrank Schneiders,  Lehrer – Latchezar Pravtchev, Ladas / Kommentator August Zirner, Kostandis James Newby, Dimitri Darwin Prakash, Manolios Magnus Vigilius, Yannakos Rupert Charlesworth, Michelis Pawel Brozek Panait Uwe Gottswinter Andonis Aljoscha Lennert Nikolio Philipp Kapeller Lenio Nikki Treurniet Die Witwe Katerina Barno Ismatullaeva Priester Fotis Michael Kupfer-Radecky Despinio Clara Nadeshdin Eine alte Frau Monika Walerowicz Ein alter Mann Stephen Owen Stimme im Orchester Gagik Vardanyan

Bewegungschor Chor der Staatsoper Hannover Extrachor der Staatsoper Hannover Kinderchor der Staatsoper Hannover Niedersächsisches Staatsorchester Hannover Projektchor

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

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