Hamburg, Elbphilharmonie, Sächsische Staatskapelle – Mendelssohn Bartholdy – Bruckner, IOCO Kritik, 10.02.2019

Februar 10, 2019 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung der Elphi © Ralph Lehmann

Christian Thielemann – Frank Peter Zimmermann – Staatskapelle Dresden

Felix Mendelssohn Bartholdy – Anton Bruckner

von Michael Stange

Am 06. Februar 2019 beendeten die Sächsische Staatskapelle und Christian Thielemann in der Hamburger Elbphilharmonie ihre Europa Tournee nach Konzerten in Wien, Baden-Baden und Frankfurt. So ging der von Dirigent und Publikum 2017 geäußerte Wunsch nach einer baldigen Wiederkehr nach Hamburg in Erfüllung.

Sternenklarer Mendelssohn, impressionistisch, farbenreicher Bruckner

Auf dem Programm standen Felix Mendelssohn Bartholdys Konzert für Violine und Orchester e-Moll op. 64; im zweiten Teil beendete die Sächsische Staatskapelle ihren auch auf DVD erhältlichen Bruckner-Zyklus mit der bisher fehlenden Sinfonie Nr. 2 c-Moll.

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Das Konzert bot Gelegenheit, den kompositorischen und spirituellen musikalischen Parallelen beider Komponisten nachzuspüren. Glaube und die Kirchenmusik bedeuteten Pfeiler ihres Seelenlebens und kompositorischen Wirkens.

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy © IOCO

Felix Mendelssohn Bartholdy war einer der maßgebenden Treiber der Wiederentdeckung der Vokalmusik Johann Sebastian Bachs und führte mit nur 20 Jahren in Berlin dessen Matthäus Passion auf. Die weltoffenen katholischen Düsseldorfer beriefen ihn, den Protestanten, 1831 – als den wohl Besten den sie bekommen konnten – als Generalmusikdirektor und damit auch als Leiter der Kirchenmusik. In Berlin übernahm er 1842 die Oberaufsicht über die Kirchenmusik im Berliner Dom.

Seine Oratorien Elias und Paulus sind heute Eckpfeiler der nicht-lithurgischen Kirchenmusik. Von der Welt verabschiedete er sich mit der Motette „Herr, nun lässest du deinen Diener in Frieden fahren“. Beim Katholiken Bruckner schimmert eher der gewaltige Gott als Schöpfer durch. Christian Thielemann hat Bruckners Schöpfungen auch mit der Weite der Landschaft Ostpreußens verglichen. Sie und Bruckners Musik entwickeln sich nach seiner Lesart langsam. Man dächte, äußerte er, da passiere gar nichts. Nach einer Weile stelle man jedoch fest, da passiert wahnsinnig viel.

Gleiches galt auch für diesen Konzertabend.

Die Einleitung von Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert spielte Frank Peter Zimmermann Violinkonzert derart verhalten, das man ein wenig an das Weinen des Engels um das verlorene Paradies denken musste. Konzentriert ging er die Betonungen des ersten Taktes des Hauptthemas an. Die virtuosen Passagen des Kopfsatzes waren von beeindruckender Geläufigkeit und Spielfreude. Im sehnsuchtsvollen Andante glänzte er mit ruhigem, klaren Melodienbögen und berührenden Tönen. Zimmermanns schnörkelloses, klares Musizieren legt durch seinen organischen Ansatz Bezüge der Melodien offen und macht das Konzert dadurch zu einer runden, eindringlichen musikalischen Erzählung. Es wird innerlich und tief empfunden ohne Beimischung von Zuckerguss und Süßholz gespielt.

Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle verschmelzen mit ihm musikalisch und interpretatorisch zu einer ungeahnten kaum erlebten klanglichen Einheit. Runde Bögen, ein fein sowie präzise abgestimmtes Zusammenspiel, das den Violinpart immer hörbar macht und eine beseelte Dynamik ließen die kompositorische Größe des Werks in einer glühender Intensität und leuchtender Klarheit wie neu erstehen.

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Zwischen Solisten und Orchester bestand eine Symbiose aus gemeinsamen Atem, Spiel und gemeinsamer Werkauffassung die die Zuschauer suggestiv bannte. Klanglich wurde zudem ein farbenfroher sinfonischer Teppich mit manchmal raschen Tempi ausgebreitet. Im dritten Satz zieht Christian Thielemann das Tempo mächtig an. Tänzelnd mit zum Teil atemberaubenden Feinheiten entlockt er dem Orchester einen märchenhaften klanglichen Reichtum. Der romantische, warme und sinnlichen Klang der Staatskapelle Dresden kommt in der Elbphilharmonie vollendet zur Geltung. Ein fulminantes, paradiesisches Finale.

Diese interpretatorische Glanzleitung sprang auf das Publikum wie ein Funke über. Mit frenetischem Jubel wurden die Künstler gefeiert.

Dafür bedankte sich Frank Peter Zimmermann mit der innig und virtuos gespielten „Melodia“ aus der Solo-Sonate von Béla Bartók.

Nach der Pause folgte Bruckners 2 Sinfonie. Zum Zeitpunkt ihrer Uraufführung war ihr Komponist bereits 48 Jahre alt. Das Werk hat den individuellen Kompositionsstil des früh Vollendeten und erst spät zum Sinfoniker Gewandelten. Sein Urmodell „Stirb und werde“ und Merkmale des Aufbaus der folgenden Sinfonien werden schon in diesem früher Sinfonie sichtbar. Auch in Bruckners 2. Sinfonie paaren sich verzweifelte, wüste Ausbrüche mit innigen Momenten. Gleichzeitig verstummt die Musik oft. Im langsamen Satz zitiert er das Kyrie und das Benedictus aus seiner f-moll Messe.

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Elbphilharmonie Hamburg / Sächsische Staatskapelle, Christian Thielemann, Frank Peter Zimmermann © Matthias Creutziger

Gespielt wurde die Carragan-Fassung von 1877. Sie glättet und zeichnet ein fließendes Brucknerbild. Diesen dem organischen und den sich aus dem musikalischen Fluss entwickelnden Spannungen folgte Christian Thielemanns Lesart. Seine Sichtweise auf Bruckner betont nicht das Harsche oder die Gegensätze. Er schafft fließende Übergänge zwischen sehnsüchtigen, berührenden Klängen und den sinfonischen Urgewalten Bruckners. Durch diese organische Verbindung werden die Steigerungen konzeptionell in ein gesamtes Klangbild eingebettet, das dem Hörer Bruckner nahe bringt. Vordergründige Gegensätze werden zu einem zueinander hinführenden Ganzen verschmolzen.

Das Andante wurde fließend eingeleitet und lyrisch singend entwickelt. Das weitgespannte Hauptthema wurde in meditativer Ruhe ausgekostete, so dass die Musik Zeit hatte zu fließen. Dergestalt eingeleitet begann der 2. Satz (Andante) langsam mit intensiver Durchleuchtung der Themen. Die Kulmination dieses Satzes wurde dadurch sorgsam vorbereitet und wurde als Steigerung und Fortentwicklung des Vorherigen verständlich. Das Scherzo wurde auch noch feinsinnig und differenziert genommen. Im Scherzo erhöhte Chrisitan Thielemann das Tempo als Einleitung auf das ungemein dynamisch genommene Finale. Die Reminiszenzen an Alpen, Schubert und Beethoven wurden romantisch tiefsinnig ausgelotet. Im Finale folgte Thielemann der Anweisung sehr schnell und dem Orchester gelang eine atemberaubende virtuose Darbietung.

Stets blieben Streiche und Holzbläser hörbar. Die Durchsichtigkeit des Orchesters, die Balance zwischen den Instrumentengruppen und sein warmer Klang blieben selbst im Fortissimo nie auf der Strecke. Der blendend gelaunte Maestro unterband mit zurückhaltenden Gesten Applaus zwischen den Sätzen, umarmte am Ende seinen Konzertmeister, bedankte sich blendend gelaunt bei seiner Staatskapelle und machte einen überaus gelösten, glücklichen Eindruck.

Die Virtuosität des Orchesters und die Lesart Christian Thielemanns ergaben eine Symbiose, die unvergleichlich mitriss und faszinierte. Hier fand eines der außergewöhnlichsten und großartigsten Konzerte seit der Eröffnung der Elbphilharmonie statt. Dank auch an Pro Arte für diesen glanzvollen Abend, der selbst mit Gold nicht aufzuwiegen war und den Anwesenden unvergessen bleiben dürfte.

Hoffen wir, dass es für ihn wieder ein großes Vergnügen war, in Hamburg zu musizieren. Für die Zuhörerinnen und Zuhörer dürfte nach diesem Abend der brennende Wunsch auf ein das Wiederhören und –sehen mit der Staatskapelle Dresden bestehen.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

Essen, Philharmonie Essen, Organistin Iveta Apkalna – Kremerata Baltica, 11.11.2018

November 5, 2018 by  
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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Iveta Apkalna © Nils Vilnis

Philharmonie Essen / Iveta Apkalna © Nils Vilnis

Organistin Iveta Apkalna – Kremerata Baltica

Konzert am Sonntag, 11. November 2018  20 Uhr

Seit 2017 ist Iveta Apkalna Titularorganistin an der Hamburger Elbphilharmonie – und bekleidet damit wohl eines der begehrtesten Organistenämter weltweit. Am Sonntag, 11. November 2018, um 20 Uhr ist die Lettin nun an der großen Kuhn-Orgel der Philharmonie Essen zu Gast. Und sie kommt nicht allein: Mit dabei ist das vom weltbekannten Geiger Gidon Kremer gegründete Ensemble Kremerata Baltica. Gemeinsam präsentieren Apkalna ein Programm, das die Musik von Johann Sebastian Bach mit Werken baltischer Komponisten kombiniert. Zur Aufführung kommen das Konzert d-Moll für Orgel und Streicher (BWV 1052) und die Chaconne aus der Partita Nr. 2 d-Moll für Violine solo (arrangiert für Streichorchester) von Johann Sebastian Bach, die „Voices“- Sinfonie von Peteris Vasks, die Sinfonie für Streicher und Pauken von Lepo Sumera und das „Voice of the Ocean“- Konzert für Orgel und Streichorchester von Eriks Esenvalds.

Die in Berlin und Riga lebende Iveta Apkalna ist als Orgelvirtuosin weltweit gefragt. In der aktuellen Spielzeit tourt sie gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter der Leitung von Mariss Jansons in Europa und gastiert in München, Budapest, Luxemburg, Amsterdam, Paris und im Musikverein Wien. Im Juli 2018 gab sie ihr Debüt bei den BBC Proms in der Royal Albert Hall in London. In der Philharmonie Essen war Iveta Apkalna schon mehrfach zu Gast.

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Hamburg, Elbphilharmonie, Jonas Kaufmann – Diana Damrau, IOCO Kritik, 12.02.2018

Februar 13, 2018 by  
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Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg

  Italienisches Lieberbuch  –  Hugo Wolf

Diana Damrau und Jonas Kaufmann

Von SebastianSiercke

„Auch die kleinen Dinge können uns entzücken“, dieser Titel des ersten Liedes des Italienischen Liederbuches könnte an diesem Abend in der Hamburger Elbphilharmonie auch als Motto des Konzertes stehen. Der zweite Abend der Reihe „Große Stimmen“ wurde am 8.2.2018 von Diana Damrau und Jonas Kaufmann mit dem nur selten komplett aufgeführten Italienischen Liederbuch von Hugo Wolf gegeben.

46 kleine Lieder, von Hugo Wolf in zwei Büchern 1890-91 und 1896 nach volkstümlichen italienischen Liebesgedichten, in der Übersetzung des Literatur-Nobelpreisträgers Paul Heyse komponiert. Die Lieder wurden in anderer Reihenfolge als üblich gesungen, was dem Ganzen den Charme eines Rede- und Antwortspiel eines verliebte jungen Paares gab. Liebe, Streit, Trauer, Hoffen und Sehnen, Zorn und Spott abwechselnd von Sopran und Tenor gesungen, ergaben einen sehr spannenden Abend.

Mit Diana Damrau und Jonas Kaufmann standen nicht nur die wohl international bedeutendsten deutschen Opernstars zusammen auf der Bühne, sondern eben auch zwei anerkannte Liedersänger. Zart gehauchte Liebesgedichte, auftrumpfende Spottverse, beide Sänger können mit ihren Stimmen spielen und ausdrücken, was auch immer gerade gefordert wird. Jonas Kaufmann mit heldentenoralen Einwürfen, dann einen Moment später in feinstes Pianissimo wechselnd, wenn die Stimmung des Liedes dies verlangt.

Damrau und Kaufmann sind hervorragende Bühnendarsteller; sie machten sie aus diesem Wechselgesang durch Gestik und Mimik ein wahrhaft bühnenreifes Zwei-Personen-Stück, weit entfernt von der sonst gelegentlich etwas akademisch wirkenden Stimmung eines Liederabends.Ein phantastischer Abend zweier Weltstars, begleitet von dem großartigen Pianisten Helmut Deutsch. Die Zugabe zweier  Duette rundete den Abend harmonisch ab.

Für etliche der Besucher war allerdings der wohl größte Star des Abends die Elbphilharmonie selber.  Man wünschte sich zwar für einen solchen Liederabend eher einen intimeren, stimmungsvolleren Rahmen, als den des Großen Saals.  Das dieser aber komplett ausgebucht war, spricht sowohl für den Magneten Elbphilharmonie, als auch für die zwei unvergleichliche Weltstars.

 Optik und Akustik im Großen Saal – Nicht Optimal ! 

Der Große Saal hält allerdings Wermutstropfen vor, da die Anordnung des Publikums Teile der Darbietung unsichtbar macht. Wenn man zu weit seitlich oder gar hinter der Bühne sitzt, bleibt von den Sängern nur eine Rückenansicht, die auch noch vom geöffneten Flügel verdeckt wird. Von der Schauspielkunst und Darstellung der Künstler ist dann nicht mehr viel zu sehen und die Stimmen bekommen einen gelegentlich etwas bleiernen Klang. Die Laeiszhalle Hamburg wäre für solche Konzerte vermutlich geeigneter.

Trotz der kleinen Schwächen der großartigen Elbphilharmonie ist dieser Abend mit dem Italienischen Tagebuch von Hugo Wolf, mit wunderbarer Gesangskunst von Diana Damrau und Jonas Kaufmann vorgetragen, bereichernd und belebend für das Musikleben Hamburgs.

—| IOCO Kritik Elbphilharmonie Hamburg |—

 

 

 

Hamburg, Elbphilharmonie, Eröffnung Januar 2017 – Weisse Haut installiert, IOCO Aktuell, 06.02.2016

Elbphilharmonie Hamburg

Hamburg / Elbphilharmonie © Oliver Heissner

Hamburg / Elbphilharmonie © Oliver Heissner

Weltweit einzigartig: Die Weiße Haut im Konzertsaal

Für viele Jahre war die Hamburger Elbphilharmonie verlässlicher Garant für Negativschlagzeilen. Die Bauzeit dauert spektakuläre sieben Jahre länger als ursprünglich geplant, die Baukosten von € 77 Mio stiegen auf € 789 Mio, die Staatsanwaltschaft untersucht. Deutsche Baukompetenz, so glaubte man bisher, sei aus anderem Stoff gemacht. Doch nun wird alles etwas gut:

Hamburg / Elbphilharmonie Westansicht © Thies Raetzke

Hamburg / Elbphilharmonie Westansicht © Thies Raetzke

Im Januar 2017 werden erste Töne in der Elbphilharmonie Hamburg erklingen. Im Januar 2016 hat das Konzerthaus den Meilenstein hin zu einer überwältigenden Akustik erreicht: Die Weiße Haut in Großen Konzertsaal wurde fertiggestellt. Lediglich letzte Arbeiten an der innovativen rund  6.000 Quadratmeter großen Wand- und Decken-verkleidung werden noch vorgenommen. Dies betrifft besonders den Einbau der Orgel.

Hamburg / Elbphilharmonie Gruppenfoto v.l.n.r. Lieben-Seutter, Herzog, Prof. Barbara Kisseler, Cornils, de Meuron, Mergenthaler 3.2.2016 © Johannes Arlt

Hamburg / Elbphilharmonie Gruppenfoto v.l.n.r. Lieben-Seutter, Herzog, Prof. Barbara Kisseler, Cornils, de Meuron, Mergenthaler 3.2.2016 © Johannes Arlt

Kultursenatorin Prof. Barbara Kisseler: „Mit Erreichen des letzten Zwischentermins bis zur Eröffnung am 11. und 12. Januar 2017 liegen wir nun voll im Zeitplan. Dies ist das Ergebnis einer ausgezeichneten Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten, seit der kompletten Neuordnung des Projektes vor gut drei Jahren.

Auch wenn wir erst in einem knappen Jahr den überwältigenden Klang in der Elbphilharmonie Hamburg genießen können, wird bereits jetzt sichtbar, was für ein architektonisches Juwel mit der Elbphilharmonie in Hamburg entsteht.“

Für die hervorragende Akustik im Konzertsaal ist neben der Geometrie des Raumes und den Materialien auch die Oberflächenstruktur entscheidend. Die spezifische Oberflächenstruktur der Wände und Decken wurde von Herzog & de Meuron durch Materialrecherchen und Formstudien und Mustern in Abstimmung mit dem japanischen Akustiker Yasuhisa Toyota von Nagata Acoustics entwickelt und von HOCHTIEF realisiert. Die Weiße Haut ist eine der vielen Innovationen und komplexen Entwicklungen in der Elbphilharmonie Hamburg.  Jacques Herzog, Architekturbüro Herzog & de Meuron:Entscheidend für die Qualität der Akustik ist die Verbreitung des Schalls im Konzertsaal. Dafür müssen die Geometrie des Raumes, die verwendeten Materialien und die Oberflächenstruktur optimal aufeinander abgestimmt werden. Es sind diese Struktur und der fließende Übergang zwischen Wänden und Decke, die dem Konzertsaal etwas Naturhaftes verleihen.

Beate Cornils, Projektleiterin HOCHTIEF: „Der Einbau der Weißen Haut war auch für die Ingenieure und Handwerker eine große Herausforderung. Von den rund 10.000 Platten aus Gips und Papier, die jeweils im Durchschnitt 70 Kilogramm wiegen, sieht keine aus wie die andere, und jede musste ihren Platz an der komplexen Unterkonstruktion finden, um sich zu dem beeindruckenden Ganzen zu fügen. Mit dem Einbau der Orgel wurde bereits begonnen, sodass wir uns mit großen Schritten der Fertigstellung der Elbphilharmonie nähern.

In der Elbphilharmonie Hamburg ist Musik so nah wie in keinem anderen Konzerthaus.
Das Weinberg-Prinzip des Großen Saals stellt dabei auch eine besondere Nähe zwischen Publikum und Künstlern her: Mit maximal 30 Metern Abstand zwischen dem Dirigenten und den Zuschauern ist in der Elbphilharmonie Hamburg Musik sehr nah.
Generalintendant Christoph Lieben-Seutter:Mit der Fertigstellung der Weißen Haut bestätigt sich einmal mehr die Einmaligkeit des Großen Saales, dem Herzstück der Elbphilharmonie. Der räumliche Eindruck ist phantastisch. Der Saal wirkt gleichzeitig intim und großzügig, seine organische Form macht ihn zu einem idealen Ort für große künstlerische Erlebnisse.“

Die Weiße Haut: Das akustische Konzept

Hamburg /Elbphilharmonie - Einweihung Weiße Haut © Johannes Arlt

Hamburg /Elbphilharmonie – Einweihung Weiße Haut © Johannes Arlt

Für gute Akustik im Konzertsälen ist neben der Raumgeometrie und den Materialen auch die Oberflächenstruktur entscheidend, um Schall gezielt zu streuen. Bei historischen Konzertsälen übernehmen zum Beispiel barocke Ornamente diese schallstreuenden Funktionen.

Bei der Elbphilharmonie sind es rund eine Million muschelförmige Fräsungen, die den Schall lenken beziehungsweise streuen und ihn so optimal im Raum verteilen. Die Oberfläche erhält so ein sehr lebendiges, fast handwerklich geschnitzt anmutendes Erscheinungsbild. Dabei sind das Massengewicht und die Dichte der sehr schweren Gipsfaserplatten für den hohen Grad an Schallreflektion entscheidend. Wand und Decke gehen ineinander über und wirken wie eine einheitliche „Weiße Haut“.

Diese spezifische Oberflächenstruktur der Wände und Decken wurde durch ausführliche Materialrecherchen und in zahlreichen Formstudien und Mustern und Brandschutz-experten entwickelt. Maßstabsgetreue Versuchsaufbauten, eine 3D-Ausführungsplanung und eine sehr präzise Werk- und Montageplanung ermöglichten die Realisierung. Der Reflektor, 15 Meter über der Bühne in der Mitte des Deckengewölbes aufgehängt, reflektiert den Klang auch für das Orchester optimal. Weitere Einzelheiten des Konzeptes:

• Die Weiße Haut:  Rund 6.000 Quadratmeter
o  1.700 Qm Weiße Haut der Saaldecke
o   200 Qm   Weiße Haut Reflektorunterseite
o   3.700 Qm Weiße Haut der Ränge für Wände, Decken, Brüstungen
• Anzahl Gipsfaserplatten: zirka 10.000
• Anzahl gefräste Täler: zirka 1 Million
• Frästiefe: variabel, zwischen 5 und 90 Millimeter
• Größe pro Platte: variabel, in der Regel rund 0,5 Quadratmeter
• Gesamtgewicht Weiße Haut: 226 Tonnen
• Gewicht pro Platte: variabel, je nach Größe zwischen 35 bis 200 Kilogramm
• Durchschnittliches Gewicht pro Platte: 70 Kilogramm
• Montagebeginn der Unterkonstruktion Weiße Haut Saaldecke: Oktober 2013

Der Große Saal
• 2.100 Sitzplätze:  in Abhängigkeit von Nutzung des Saals
• Maximale Entfernung zum Dirigenten: 30 Meter
• Höhe oberster Platz: rund 17,80 Meter über dem Parkett des Konzertsaals
• Grundfläche (inklusive Bühne): rund 2.590 Quadratmeter
• Maße Großer Saal: Länge: 50 Meter, Breite: 40 Meter, Höhe: 25 Meter
• 362 Federpakete dienen zur Lagerung und akustischen Entkopplung des         Konzertsaals im Gebäude („Raum in Raum“)
• Höhe des Konzertsaals (Parkett) im Gebäude: 50,81 Meter (12. Stock)Bühne: Grundfläche von 270 Quadratmetern, Breite: 21,3 Meter, Tiefe: 15,5 Meter
• Reflektor: Höhe über der Bühne: 15 Meter, Durchmesser: 15 Meter

—| IOCO Aktuell Elbphilharmonie Hamburg |—