Bonn, Beethovenfest Bonn, 7 Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis, 06. – 29. September 2019

Juli 31, 2019 by  
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Beethovenfest

 Beethovenfest Bonn 2019 –  Sieben Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis

Zwischen dem 6. und 29. September 2019 veranstaltet das Beethovenfest Bonn im Rhein-Sieg-Kreis sieben Konzerte an sechs Spielorten: Im Rahmen einer Tournee bespielt die Deutsche Streicherphilharmonie nicht nur in der Stadthalle Troisdorf, sondern auch zwei neu dazugewonnenen Spielstätten – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach. Mit zwei Konzerten im Stadtmuseum Siegburg, einem Konzertabend im Steigenberger Grandhotel auf dem Petersberg und einer Aufführung der Kammeroper München in der Rhein-Sieg-Halle Siegburg präsentiert sich das Beethovenfest Bonn zudem an bereits etablierten Spielorten. Das starke regionale Engagement des Beethovenfestes Bonn wird durch regelmäßige Förderung der Kreissparkasse Köln sowie des Rhein-Sieg-Kreises möglich. Erstmals unterstützt auch die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland die Konzerte im Rhein-Sieg-Kreis.

»Auch in diesem Jahr ist es der Intendantin Nike Wagner gelungen, das Festivalmotto Mondschein mit ihrer eigenen künstlerischen Handschrift zu versehen. Entstanden sind sieben exklusive Programme an besonderen Orten im Rhein-Sieg-Kreis mit Künstlern von internationalem Format, die unverwechselbar die Vielfalt des Festivals präsentieren. Die Kreissparkasse Köln unterstützt daher wieder gerne das Beethovenfest im Rhein-Sieg-Kreis  – unser Beitrag, dass die Eintrittspreise für eine möglichst große Anzahl von Musikliebhabern erschwinglich bleiben«, sagt Alexander Wüerst, Vorsitzender des Vorstands der Kreissparkasse Köln.

»Ich freue mich sehr, dass das Beethovenfest auch in diesem Jahr wieder zu Gast im Rhein-Sieg-Kreis ist und wir diese langjährige Tradition aufrecht erhalten. An ausgewählten, teilweise neuen, Spielorten geben wir den Musikinteressierten sicher schon jetzt einen wunderbaren Vorgeschmack auf das große Beethoven-Geburtstagsjahr 2020. Ich bin sehr gespannt darauf, wie das Motto »Mondschein« musikalisch umgesetzt wird«, so Landrat Sebastian Schuster.

»Das Projekt »Beethovens Heimatregion« verbindet zum 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens die Geburtsstadt des Komponisten mit der sie umgebenden Region. Das Beethovenfest Bonn führt im Jahr 2019 erstmals eine Konzertreihe im Rhein-Sieg-Kreis durch, die mit Meckenheim und Rheinbach sowie Königswinter (Petersberg), Siegburg und Troisdorf gleichmäßig rechts- und linksrheinisch alle konzertinteressierten Bürgerinnen und Bürger erreicht. Wir freuen uns sehr, an dieser regionalen Stärkung des Beethovenfestes beteiligt zu sein und damit einen Beitrag für das kulturelle Bewusstsein der Region zu leisten«, sagt Dorothée Coßmann, Geschäftsführerin der Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, Düsseldorf

Das Beethovenfest Bonn unter der künstlerischen Leitung von Nike Wagner steht 2019 unter dem Motto »Mondschein«. Was zunächst wie ein kleiner Anspielungs-Scherz auf Ludwig van Beethovens »Mondscheinsonate« wirkt, entpuppt sich als ein programmatisch fruchtbares Gelände. Dem silbernen Schimmer des Erd-Trabanten konnten weder die Dichter je widerstehen noch die Komponisten, er verzaubert die Konturen der Welt – oder macht sie bizarr und unheimlich. »Mondschein« ist ein extrem romantisches Thema, wie gemacht für die neue Subjektivität eines Erlebens, wie es um 1800 heraufdämmerte und im Lauf des 19. Jahrhundert zu schmerzlich-süßen Entfaltungen der Gefühle und Orchesterfarben führte.

Nike Wagner, Intendantin des Beethovenfestes Bonn: »Wir freuen uns, auch 2019 wieder im Rhein-Sieg-Kreis zu Gast zu sein. Gleich zwei neue Orte sind diesmal mit dabei – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach. Unter dem Motto »Mondschein« bringen wir ein breit gefächertes, hervorragendes Programm – von drei Auftritten der Deutschen Streicherphilharmonie über Originalklang- und Preisträger-Konzerte bis hin zu Joseph Haydns komischer »Mond«-Oper. Die Spielstätten dieser kulturell aufgeschlossenen Region tun ein übriges, um das Publikum herzlich zu empfangen.«

Ein weitgespanntes musikalisches Panorama bietet die Deutsche Streicherphilharmonie auf ihrer kleinen Tournee durch den Rhein-Sieg-Kreis, auf der nicht nur die Stadthalle Troisdorf, sondern auch die beiden neu erschlossenen Konzertorte – die Jungholzhalle Meckenheim und das Stadttheater Rheinbach – bespielt werden. Neben Mozarts legendärer »Kleiner Nachtmusik« steht Max Bruchs posthume »Serenade«, und neben der hinreißenden »Capriol Suite« (1926) des Briten Peter Warlock nach Tänzen aus dem 16. Jahrhundert ertönt aus Beethovens letztem Streichquartett der langsame Variationensatz, in einer Skizze als »Süßer Ruhegesang oder Friedensgesang« bezeichnet. Schließlich Schostakowitsch: die populäre Orchesterfassung seines achten Streichquartetts – eines der persönlichsten und eindringlichsten Werke des russischen Komponisten (12./14./15.9).

Beethovemfest Bonn / Dorothee Oberlinger © Dorothee Oberlinger

Beethovemfest Bonn / Dorothee Oberlinger © Dorothee Oberlinger

Dorothee Oberlinger hat der »Einfachheit« der Blockflöte ungeahnte neue Ausdrucksqualitäten erschlossen. Begleitet vom Barockensemble Sonatori de la Gioiosa Marca, bringt sie eine Auswahl aus ihrem aktuellen Repertoire. Vivaldi ist dabei mit seinem berühmten Konzert »La notte«, zwei Nachtstücke des blinden Flötenvirtuosen Jacob van Eyck und die Serenade des Salzburger Hofkapellmeisters Biber mit dem »Nachtwächterlied«. Das Programm wird abgerundet von dem Modern-Jazz-Musikstück, dem der Abend seinen Titel

verdankt: »Round midnight« aus der Feder von Thelonious Monk (15.9.).

Der junge Pianist Tomoki Kitamura konnte sich dem Klassikpublikum bereits 2017 als Preisträger der International Telekom Beethoven Competition Bonn empfehlen. In seinem Konzert im Stadtmuseum Siegburg spannt er einen Bogen von György Kurtágs acht kurzen Klavierstücken, Robert Schumanns »Vier Fugen für Klavier« über Franz Liszt und Alban Bergs Klaviersonate hin zu Beethovens monumentaler »Hammerklavier-Sonate« (21.9.).

Obwohl der aus den Niederlanden stammende Ronald Brautigam auch auf modernen Flügeln konzertiert, gilt er als führender Virtuose auf dem Hammerklavier. Wenn er nun Beethovens »Hammerklavier-Sonate« im Rahmen des Beethovenfestes 2019 vorträgt, so in einem historisch eindrucksvollen Rahmen: 2019 ist der 200. Jahrestag der Erstausgabe der »Hammerklavier-Sonate«. Aus diesem Grund findet in Siegburg eine Beethoven-Tagung statt. Für Ronald Brautigam, der sich stets auch für den geschichtlichen Hintergrund seines Repertoires interessiert, die perfekte Gelegenheit für einen neuen Auftritt mit diesem grandiosen Klavierwerk (22.9.).

»Die Welt auf dem Monde« ist eine komische Oper auf ein Libretto des gewitzten Carlo Goldoni und mit der Musik des nicht minder gewitzten Joseph Haydn – eine einzige köstliche Narretei mit tieferer Bedeutung. Da sind zwei Töchter, zwei Liebhaber und ein störrischer alter Vater … Was tun, um ihn herumzukriegen? Die Herren lassen sich etwas einfallen … Haydns Oper, uraufgeführt 1777 auf Schloss Esterházy, entfaltet einen märchenhaften Zauber, der in der Bearbeitung durch die Kammeroper München frische Konturen erhält. Freche, gesprochene Texte und eine Kammermusikfassung machen aus der »Welt auf dem Monde« eine flotte Nummernrevue … (27.9.).

Beim Beethovenfest Bonn 2019 sind 27.000 Eintrittskarten für ein Hauptprogramm von 46 Veranstaltungen an 24 Spielstätten in Bonn und Umgebung im Verkauf. Ermöglicht wird dies durch öffentliche Zuwendungen der Bundesstadt Bonn, des Bundes, des Rhein-Sieg-Kreises und durch die projektbezogene Förderung des Landes Nordrhein-Westfalen. Weitere Finanzmittel werden durch die Gesellschaft der Internationalen Beethovenfeste Bonn gGmbH von Sponsoren und Stiftungen sowie durch Spenden, den Verkauf von Eintrittskarten und Medienverwertung eingeworben.

—| Pressemeldung Beethovenfest Bonn |—

Dresden, Kulturpalast Dresden, Cappella Andrea Barca und András Schiff, IOCO Kritik, 08.02.2019

Februar 8, 2019 by  
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Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden © Nikolaj Lund

Kulturpalast Dresden

András Schiff  –  Cappella Andrea Barca

– Mozart – Palastkonzert –

von Thomas Thielemann

Seit im April des Jahres 2017 der umgebaute Konzertsaal im Kulturpalast Dresden wieder seiner Bestimmung zugeführt worden war, haben wir jede Gelegenheit genutzt, Konzerte in diesem Pseudo-Weinberg auf Plätzen der unterschiedlichsten Positionen zu besuchen, weil wir eigentlich fanatische Verfechter der Schuhschachtel-Konzerträume sind und die Klangentwicklung auch nach dem Umbau als etwas „undemokratisch“ empfinden.

Die Dresdner Musikfestspiele finden in diesem Jahr erst vom 16. Mai bis zum 10. Juni 2019 statt. Vermutlich um die breiten Möglichkeiten der Klangentfaltung in diesem noch vergleichsweise neuen Konzertsaal breit auszutesten, veranstaltet das Management, verteilt über die Festspiel-freie Zeit des Jahres, die Reihe „Palastkonzerte“. Zudem möchte man den Ruf des Saales in der Musikwelt möglichst weit verbreiten, um sowohl Interpreten als Besucher auch abseits von Semperoper und Frauenkirche nach Dresden zu locken.

Kulturpalast Dresden / Capella Andrea Barca und Andras Schiff im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Capella Andrea Barca und Andras Schiff im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Mit einem Mozart-Abend feierte András Schiff mit seiner Cappella Andrea Barca am 6. Februar 2019 ein Saal-Debüt. Sir András Schiff, 1953 in Budapest geboren und an der Franz-Liszt-Musikakademie unter anderem bei György Kurtág ausgebildet, versteht sich als österreich-britischer Pianist und Dirigent ungarischer Herkunft. Neben seiner Tätigkeit als Solist und Dirigent leitet er auch Musikfestivals.

Die Musiker der Cappella Andrea Barca sind in aller Welt tätige Solisten und Kammermusiker, somit an kein Orchester fest gebunden. András Schiff hatte diese Musiker ursprünglich für eine Gesamtaufführung der Klavierkonzerte in den Salzburger Mozartwochen der Jahre 1999 bis 2005 ausgewählt.

Offenbar hatten die Musiker Freude am gemeinsamen Musizieren auf der Grundlage von Sympathie, Verständnis sowie ästhetischer, musikalischer und menschlicher Gleichgestimmtheit gefunden, so dass sie sich auch weiterhin in kammermusikalischer und solistischer Formation präsentieren.

Der „Namenspatron“ des Ensembles Andrea Barca, vermutlich zwischen 1730 und 1735 bei Florenz in einer Bauernfamilie geboren, hatte bei einem Konzert des Wolfgang Amadeus Mozart am 2.April 1770 in der Villa Poggio Imperiale als „Umblätterer“ mitgewirkt. Beeindruckt vom Genius Mozarts war er diesem nach Salzburg gefolgt. Da sich dort für ihn als Musiker kein Erfolg eingestellt hatte, kehrte er nach Italien zurück und war in der Folgezeit als Pianist und Komponist tätig. Sein Hauptwerk, die Oper La Ribolita bruciata gilt derzeit noch immer als Höhepunkt der toskanischen Musikgeschichte. Wann, wo und unter welchen Umständen er verstorben ist, bleibt unbekannt. Es wäre auch denkbar, daß die Namenswahl eine andere Deutung zuläßt: Andrea = András, Barca = Schiff, wonach die obige Historie eine Schalkerei wäre.

Die eingeladenen Musiker werden von Schiff nach dem Repertoire der Konzerte mit Arbeiten von Bach, Mozart, Haydn, Mendelssohn bis Bartok ausgewählt.

Der Beginn des Palastkonzertes am 6. Februar 2019 gehörte dem Klavierkonzert Nr. 15 B-Dur KV 450, das Mozart 1784 vollendet hatte. Mit diesem Konzert ließ Mozart erstmalig Bläser als Melodieninstrument auftreten, so dass gemeinsam mit dem Klavier und den Streichern faszinierende Klangfarben entstehen.

András Schiff, der das Konzert zum Teil den Musikern zugewandt und ansonsten vom Piano aus leitete, darf nach der ersten Orchester- Einleitung mit einer Art Kadenz einsteigen, bevor die Cappella zur konzertanten zweiten Exposition ansetzt. Der Pianist erweist sich als Vollblutmusikant. Sein wunderbarer Anschlag am legendären Bösendorf-Flügel nahmen uns sofort gefangen. Die Darbietung wirkt sympathisch impulsiv und intuitiv inspiriert. Der erste und der dritte Satz wurden heiter und konzertant geboten, der zweite eher poetisch. Gelöste Spielfreude prägte das Finale.

Mozarts viersätzige Symphonie Nr. 39 Es-Dur KV 543 ist die erste der drei Sinfonien, die innerhalb kurzer Zeit vom Juni bis zum August 1788 drei Jahre vor seinem Tode als sein „Schwanengesang“ entstanden waren.

Kulturpalast Dresden / Andras Schiff und die Capella Andrea Barca im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Kulturpalast Dresden / Andras Schiff und die Capella Andrea Barca im Kulturpalast Dresden © Oliver Killig

Regelrecht majestätisch leitete die Cappella Andrea Barca den ersten Satz Adagio-Allegro ein, als ob etwas Schicksalhaftes im Raum stehe, bis dann der Klangfluss ins angenehm-Lyrische, zum Satzschluss aber in das weitgehend Kräftige und Festliche überging. Schicksalhaft-festlich auch der zweite Satz, bis dann Schiff den dritten Satz etwas schneller dirigierte, um das Finale heiter , verspielt und schalkhaft spielen zu lassen.

Interessant war, welche Klangwirkung die Cappella der nicht in eine Orchesterdisziplin eingezwängten Instrumentalisten erzeugte, wenn letztlich jeder Musiker seine individuellen Klangfärbungen einbringt.

Das abschließende Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur KV 453, 1784 für eine Schülerin komponiert, gehört nach meiner Auffassung zum schönsten, originellsten und wahrscheinlich persönlichsten, was Mozart komponiert hat. András Schiff als Solist, leitete das Spiel gleichfalls zum Teil vom Klavier aus. Das Orchester wusste allerdings genau, mit der regelrecht suggestiven Musik umzugehen, so dass sich der Solist auf sein Spiel konzentrieren konnte, wenn es erforderlich war. Aus dem Mittelsatz gestaltete er ein Adagio und wenn das üppig aufspielende Orchester den Frage-Antwort-Komplex hinter sich hatte, war das schon eine eigene Welt.

Mit einer berückenden Bach-Zugabe demonstrierte András Schiff seinen außergewöhnlichen Anschlag und den besonderen Klang des Bösendorfers. Für uns, die wir inzwischen bei Mahler, Bruckner, Schostakowitsch und Wagner …und Eötvös angekommen sind, war dieser Mozart-Abend doch ein Erlebnis.

—| IOCO Kritik Kulturpalast Dresden |—