Mannheim, Nationaltheater, Der Troubadour – Il Trovatore, IOCO Kritik, 25.07.2019

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 DER TROUBADOUR – Giuseppe Verdi  

– Liebe und Rache –  In Zeiten des Krieges –

von Uschi Reifenberg

Kurz vor der Sommerpause setzte das NTM, das Nationaltheater Mannheim,  mit einer Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Der Troubadour einen phänomenalen Schlusspunkt nach einer glanzvollen, an Höhepunkten reichen Spielzeit und stellte wieder einmal seine herausragende Stellung in der Theaterlandschaft unter Beweis.

Il Trovatore gilt mit seiner verworrenen und widersprüchlichen Handlung, seiner langen und komplizierten Vorgeschichte und den dramaturgischen Ungereimtheiten als schwer inszenierbar und stellt so große Herausforderungen. Das Aufeinanderpallen polarer Leidenschaften von Liebe und Hass, Eifersucht und Opferbereitschaft, menschliche Abgründe in vielfacher Ausprägung, Kindesverwechslung, Unterdrückung, Menschen-verbrennung, Folter und Mord sowie das alles beherrschende Trauma der Rache, spitzen sich in Verdis Schauerdrama in einer unaufhaltsam Spirale der Ausweglosigkeit immer weiter zu.

Il Trovatore –  Giuseppe Verdi
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Die Darstellung der entgrenzten Emotionen, die Fülle an melodischen Einfällen, hinreißende Solonummern, Ensembles und Chöre, sowie die Vielfalt an prägnanten und federnden Rhythmen, lassen den Troubadour bis heute auf der Beliebtheitsskala ganz oben rangieren.

Im Schaffen Verdis ist Il Trovatore stilistisch in der Mitte zwischen den genialen Spätwerken und der frühen Schaffensperiode einzuordnen. Mit Rigoletto und La Traviata bildet die Oper die sogenannte „trilogia popolare“ (populäre Trilogie), Höhe- und Wendepunkt in Verdis Schaffen, die ihm weltweite Anerkennung bescherte.

Verdis Weg zum italienischen Musikdramatiker im 19. Jahrhundert nimmt seinen Ausgang in der Tradition des frühromantischen Belcanto im Stil eines Bellini, Rossini oder Donizetti mit deren  artifiziellem Ziergesang, Trillern und Koloraturen. Verdis Bestrebungen galten aber zunehmend der psychologischen Durchleuchtung seiner Figuren, der musikalischen Umsetzung einer inneren Wahrheit, dramatischem Ausdruck und realistischer Darstellung auf der Bühne. Die Gesangstimmen transportieren in bis dahin nie gehörter Weise alle Facetten der menschlichen Seele, ihre Abgründe, Konflikte und Grenzerfahrungen.

Il Trovatore – Arie   Di quella pira – Irakli Kakhidze als Manrico
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1850 hatte Verdi das Drama El trovador (1836) des spanischen Literaten Garcia Gutierrez als Vorlage für eine neue Oper ins Auge gefasst. Er beauftragte Salvatore Cammarano, einen der damals begehrtesten Textdichter, mit dem ihn bereits eine frühere Zusammenarbeit verband, mit der Verfassung eines Librettos. Cammaranos starke Verkürzung und Komprimierung des Stoffes hatte zur Folge gehabt, dass das Endergebnis des Werkes als wenig befriedigend galt. Die Einteilung erfolgte in 4 Akte mit je zwei Bildern mit den Titeln: Das Duell, Die Zigeunerin, Der Sohn der Zigeunerin und Die Hinrichtung. Als Cammarano 1852 überraschend starb, wandte sich Verdi an den Schriftsteller Leone Emanuele Bardare, der die fehlenden Teile des 3. und 4. Aktes nach den vorliegenden Skizzen vollenden sollte. Auch das wiederum war einem einheitlichen Handlungsablauf nicht förderlich. Die Verdichtung der einzelnen Bilder und ihre lose Folge, gaben Verdi aber auch die Möglichkeit, deren Essenz musikalisch unmittelbar und focussiert zu gestalten und die Handlung zwischen die Akte zu verlegen.

Die Uraufführung 1853 im Apollo Teatro in Rom war einer der größten Triumphe der italienischen Aufführungsgeschichte und verbreitete sich in Windeseile in ganz Europa. Die historische Vorlage, El trovador, ist um 1410 in Spanien angesiedelt, als ein Thronfolgestreit um die Krone von Aragon zwischen den Häusern Urgel und Kastilien entbrannt war und die Gesellschaft in einem grausamen Bürgerkrieg tief gespalten wurde.

Zwei Brüder, Graf Luna und der Troubadour Manrico, deren Beziehung zueinander erst am Ende der Oper enthüllt wird, kämpfen in gegnerischen Lagern und lieben unglücklicherweise die gleiche Frau. Zentrale Figur in diesem obskuren Nachtstück aber ist die Zigeunerin Azucena, deren Leben nur noch um die unkontrollierbare Obsession der Rache kreist. Ihre Mutter wurde dereinst vom alten Grafen Luna auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Daraufhin raubte sie aus Rache eines der beiden Kinder von Luna und warf im Wahn versehentlich das eigene Kind statt des geraubten ins Feuer. Eben jenen Ziehsohn, den Rebellen und Sänger Manrico, den sie für ihren Rachefeldzug gegen den jungen Graf Luna instrumentalisiert und den sie dennoch abgöttisch liebt.

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore -  hier :  Irakli Kakhidze als Manrico und Julia Faylenbogen als Acucena © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore – hier : Irakli Kakhidze als Manrico und Julia Faylenbogen als Acucena © Hans Jörg Michel

Der renommierte Regisseur Roger Vontobel, der am NTM bereits mit großem Erfolg Verdis Aida und Beethovens Fidelio inszenierte, stellt in seiner Deutung des Troubadour den Topos des Scheiterhaufens ins Zentrum der Handlung. Auf der Bühne herrscht undurchdringliches Dunkel, nur spärlich erhellt vom Feuerschein, der auf übergroße Leinwände im Hintergrund gespenstische Schatten projiziert. Die albtraumhafte Atmosphäre wird bereichert durch starke hell-dunkel Kontraste in der beklemmenden Lichtregie von Frank Kraus. Nur wenn Azucena die Flammen des Scheiterhaufens heraufbeschwört, färbt sich das weiße Licht rot, ein magischer Effekt.

Eine kleine Drehbühne in der Mitte unterstützt die gelungenen Bildwechsel im variablen Einheitsbühnenbild von Claudia Rohnert. Die einzelnen Szenen sind zeitlich nicht definiert, das Geschehen changiert zwischen Archaik, Gegenwart oder auch Zukunft.

Vor dem Einsetzen der Musik kommt eine junge Frau im heutigen Outfit mit Jeans und Baseballkappe auf die Bühne, sie trägt ein in Tüchern gewickeltes Bündel auf dem Arm; ein Kleinkind? Das Heulen eines Sturmes ist zu hören, dann windet sich die Frau, lässt die Tücher fallen: sie sind leer!

Der Paukenwirbel beginnt, die junge Frau verwandelt sich nun in das „tanzende Trauma“, eine von Roger Vontobel eingefügte Kunstfigur, die in faszinierenden Choreografien (Zento Haerter) die Protagonisten begleitet, deren Seelenzustände verdoppelt, illustriert oder konterkariert. Nebelschwaden wabern im Raum, gezackte Holzscheite hängen bedrohlich von der Decke, symbolisieren den Scheiterhaufen, Kerkermauern oder formieren sich später auch zu einem riesigen Kreuz. Es herrscht trostlose Dunkelheit, ab und zu blitzt ein Licht auf. Soldaten sitzen auf der Drehbühne, sie sind kriegsversehrt, erinnern an den 1.Weltkrieg, mit bleichen Gesichtern, maskenhaft verfremdet, es fehlen ihnen Gliedmaßen.

Alle Personen sind vom Bürgerkrieg schwer gezeichnet, auch Graf Lunas Waffenbruder Ferrando hat nur noch einen Arm, seine Erzählung an die Soldaten ist eine Rückblende der vormaligen Geschichte des alten Grafen Luna, seiner beiden Söhne und der unseligen Zigeunerin, die zur Rächerin ihrer auf dem Scheiterhaufen verbrannten Mutter wird. Die Szene wird wieder von riesigen gruseligen Schattenbildern im Hintergrund bebildert.

Leonora, Objekt der Begierde der beiden verfeindenden Brüder, ist zunächst in Spiel und Gestik ein junges, verliebtes Mädchen, das mit einem Messer spielt und dieses trotzig mal gegen ihre Freundin Inez oder gegen sich selbst richtet, nichtsahnend, welch grausame Wendung ihr Schicksal nehmen wird.

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore - hier :  Bartosz Urbanowicz als Ferrando und Ensemble © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore – hier : Bartosz Urbanowicz als Ferrando und Ensemble © Hans Jörg Michel

Graf Luna erscheint nicht nur als die Inkarnation des Bösen, sondern wird ebenfalls von seinen Traumata beherrscht. Eine zweifelnde Gestalt, die zwischen seiner unglücklichen Liebe zu Leonora und dem Versprechen, den verschwundenen Bruder zu finden, hin-und hergerissen ist. Auch Manrico befindet sich in einer zwiespältigen Situation. Er ist der Rebell, der mit den Aufständischen gegen die Herrschenden kämpft und gleichzeitig der Troubadour, der mit der Kraft seiner Stimme eine Gegenwelt der Poesie und Schönheit in der grausamen Realität des Krieges schafft, aber von Leonora geliebt wird. Manrico und Luna ähneln sich auch äußerlich, sie haben die gleiche Frisur, Statur und Mantel, nichts ahnend von ihrer Herkunft.

Die einzigen Farbtupfer im düster dräuenden Dunkel sind Azucena und die Zigeuner mit ihren bunten und lebenslustigen Kostümen (Nina von Melchow). Diese handeln mit Arm-und Beinprothesen, ein einträgliches Geschäft in Zeiten des Krieges. Die alte Zigeunerin Azucena mit Gehstock und wirren grauen Haaren, quälen die immer gleichen wahnhaften Visionen vom Feuertod ihrer Mutter auf dem Scheiterhaufen und ihrer entsetzlichen Tat, das eigene Kind versehentlich ins Feuer geworfen zu haben.

Die Klosterszene wird wieder beherrscht vom Kontrast der gleißend weißen Kutten der Nonnen im dunklen Bühnenbild, das vom Schein der Kerzen schwach erleuchtet wird und der Szene eine sakrale Aura verleiht. Leonora, die sich vom schwärmerischen jungen Mädchen zur liebenden Frau entwickelt, ist bereit, den Opfertod für Manrico zu sterben und verspricht dem verhassten Luna, ihn zu lieben, wenn  dieser Manrico die Freiheit schenkt. – Eine Vorläuferin der Tosca 

Luna, der sich am Ziel seiner Wünsche wähnt, willigt ein. Ein beeindruckender Regieeinfall ist,  wenn Luna das Lager für sich und Leonora auf seinem mit Blumen übersäten Mantel vorbereitet.

Leonoras Opfertod entspringt keinem spontanen Entschluss, sondern wird immer wieder von Zweifeln und Momenten der Hoffnung überlagert. Die Flasche mit dem Gift trinkt sie erst nach langem Bangen und Zögern, eine psychologisch glaubhafte Haltung, die ihr fast antike Größe im Angesicht des nahenden Todes verleiht. Der Regie gelingt eine überwältigende Schlusswirkung,  wenn der jetzt rot leuchtende Scheiterhaufen unheilvoll die Schatten der Vergangenheit beschwört und Azucena in Erwartung ihrer und Manricos Hinrichtung in einer Wahnsinnszene über sich hinauswächst, während das Trauma sie fest umschlungen hält. Nachdem Manrico von Luna exekutiert wurde, nimmt das Trauma Luna in seinen Besitz, Azucena schleudert ihm ihren letzten Rache-Triumph entgegen: Er war dein Bruder!

Ein häufig kolportierter Ausspruch von Enrico Caruso lautet: „es ist sei, den Troubadour aufzuführen, man braucht lediglich die vier besten Sänger der Welt“. Das zeigt, welche immensen Anforderungen an die vier Hauptrollen gestellt werden. Das NTM besteht diese Herausforderung mit Bravour und punktet mit einem erlesenen Solisten-Quartett, das sich auf extrem hohem Niveau präsentiert und für eine Sternstunde im ausverkauften Opernhaus sorgt.

Der georgische Tenor Irakli Kakhidze ist als Manrico eine Idealbesetzung. Sein heldischer Tenor besitzt Schmelz, Kraft und Metall, er berührt in der lyrischen Arie „Ah! si, ben mio“ mit wunderbar phrasierten Bögen und inniger Verhaltenheit und darf anschließend seine Stretta an der Rampe stehend ins Publikum schmettern. Seine hohen C’s waren strahlend, leidenschaftlich und absolut mitreißend, was vom Publikum mit begeistertem Applaus honoriert wurde.

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore - hier :  Miriam Clark als Leonore © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Il Trovatore – hier : Miriam Clark als Leonore © Hans Jörg Michel

Die Sopranistin Miriam Clark besticht mit einem beeindruckenden Rollendebüt der Leonora. Die junge Sängerin verfügt über einen weichen ausgeglichenen lyrischen und sehr beweglichen Sopran, der nach oben keine Grenzen zu kennen scheint. Mit ihren Koloraturen und Trillern in „D‘amor sull‘ ali rosee“ sorgte Miriam Clark für Gänsehauteffekt. Hinreißend Ihre hohen piano Töne, die fast unhörbar im Nichts verhauchen. Mühelos und mit verblüffender Präzision gerieten die halsbrecherischen Schwierigkeiten dieser Arie. Auf ihre weitere Entwicklung darf man gespannt sein.

Als Graf Luna überzeugte Evez Abdulla mit seinem kernigen, virilen und edel timbrierten Bariton sowohl als Schurke als auch in seinen introvertierteren und schwachen Momenten. In der  Arie “Il balen“, brachte er alle Facetten einer klangschönen und höhensicheren Stimme zur Geltung. Die Zigeunerin Azucena wurde von Julia Faylenbogen mit Magie, Dämonie und der nötigen Portion Fanatismus ausgestattet. Ihr voluminöser Mezzo trägt ideal im tiefen Register und steigerte sich auch in den Höhen zu dramatischem Ausdruck und großer Expressivität.

Bartosz Urbanovic füllte die Rolle des Ferrando mit tragfähigem, sonorem Bass wunderbar aus und gestaltete seine Erzählung am Anfang spannungsgeladen und mit perfekter Diktion. Natalija Cantrak als kraftvolle Inez, Koral Güvener als wohlklingender Ruiz, sowie Xuecheng Zhang als Bote und Daniel Claus Schäfer als Zigeuner überzeugten ebenfalls in ihren Rollen. Wie zuletzt die fabelhafte Trauma-Tänzerin Delphina Parenti, die der Handlung einen spannenden und schillernden Aspekt hinzufügte.

Roberto Rizzi Brignoli am Pult entlockte dem bestens disponierten Nationaltheater Orchester nicht nur das lodernde Feuer der typisch schwungvoll – federnden Verdi Rhythmen, es gelangen ihm auch groß angelegte Steigerungen mit rasanten Tempowechseln, fein gesponnene, schwebende  Melodiebögen, sensibel durchgehörte Übergänge in den lyrischen Szenen und eine wunderbar einfühlsame Grundierung der Gesangsstimmen. Der Chor unter der Leitung von Danis Juris präsentierte sich homogen, differenziert und klangschön in jeder Szene.

Begeisterungsstürme, Jubelrufe und tosender Applaus nach einer grandiosen Opernpremiere.

Der Troubadour am Nationaltheater Mannheim; die nächsten Vorstellungen 15.9.;  22.9.; 28.9.; 5.10.2019

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Dortmund, Theater Dortmund, Il Trovatore, IOCO Kritik, 08.02.2013

Februar 11, 2013 by  
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Kritik

Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Giuseppe Verdi  und  Il Trovatore

Premiere am 02.02.2013, Besuchte Vorstellung am 08.02.2013

Ein neuer Troubadour im Theater Dortmund schon lange überfällig. Der letzte Troubadour liegt meines Wissens schon mehr als zehn Jahre zurück. So ist der 200. Geburtstag von Giuseppe Verdi ein guter Anlass, dies Werk auf die Bühne der Oper Dortmund zu bringen.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Es ist eine wüste, abstruse Geschichte, die Giuseppe Verdi Mitte der 1850er Jahre auf eine  Tragödie des Spaniers Gutierrez vertonte und 1853 in Rom uraufgeführte. Die Geschichte um Macht, Hexerei, Kriege und Liebe zwischen Verrat und Hingabe wäre ungenießbar, wenn nicht Verdis kraftvolle, melodienreiche, wunderbare Musik sie adeln würde.

 

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Es ist eine ideale Sängeroper. Der legendäre Enrico Caruso meinte, es würde reichen, wenn man die vier größten Sänger der Welt auf die Bühne stellte, dann hätte man die ideale Besetzung.

Wie will man also solch ein Werk inszenieren? Es hat viele Deutungen gegeben. Hier in Dortmund verlegte die Hausregisseurin Katharina Thoma die ursprünglich im 15. Jahrhundert in Aragón angesiedelte Handlung in die Bürgerkriegsjahre Spaniens mit allen unerlässlichen wie lässlichen Zutaten. Ihre Betrachtungsweise ist interessant, trägt aber letztlich wenig dazu bei, die diffuse Handlung aufzuhellen. Hinzu kommt, dass ihre Personenführung viel im Statischen verweilt.

Thoma’s Ausstatterin Julia Müer baute ihr eine karge, graue, bedrückende Betonlandschaft mit Luken, Gittern und verschiebbaren Wänden, auf die häufig Kriegsgräuel projiziert wurden.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Bei den Kostümen, die Irina Bartels entwarf, dominierten die Uniformen. Ansonsten herrschte Alltagskleidung vor, weiße Nonnengewänder und etwas Zigeunerkolorit bei Azucena und Manrico.

Die musikalische Seite hatte viel Licht.  Ganz fabelhaft war der Chor des Theaters (von Granville Walker einstudiert). Er ließ wieder einmal erkennen, dass er zu den besten der Region zählt. Doch an diesem Abend ließen sich leider einige Wackler nicht überhören. Aus dem Graben klang es gut. Die Dortmunder Philharmoniker unter der diskreten Führung von Lancelot Fuhry, spielten präzise, sauber und akkurat.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Aber der entscheidende Funke, der da heißt “Italianatá“, und der ein orchestrales Feuerwerk entfachen sollte, wollte nicht zünden.

Die Titelpartie sang der italienische Tenor Stefano La Colla. Seine Stimme hat Biss, große Strahlkraft, ist von angenehmer Farbe und weiß mit einer bombigen Höhe zu punkten. Letzteres verleitet natürlich gelegentlich zu mehr Power, als nötig wäre.

 

Seine Leonora war Susanne Braunsteffer. Die junge Sängerin ist Absolventin des Salzburger Mozarteums. Sie verfügt über einen angenehmen, gut klingenden Spintosopran, der kaum Mühe mit der diffizilen Partie hatte, aber in hohen Lagen schneidend wurde. Sie verstand es gut, der zwischen Liebe und Leid schwankenden Partie Profil zu geben.

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture - Theater Dortmund

Theater Dortmund / Trovatore © Björn Hickmann / Stage Picture – Theater Dortmund

Ein wenig zu kultiviert sang die sympathische Hermine May die Zigeunerin Azucena. Ein paar saftige Orgeltöne im unteren Register sind einfach unerlässlich bei dieser Partie. Ihr fehlte einfach die Durchschlagskraft, sich im Tutti zu behaupten. Ganz toll klang ihre Stimme bei “ai nostri monti“, da konnte kein voller Orchestersound sie eindecken. Darstellerisch war sie sehr engagiert und berührte insbesondere im Finale des letzten Bildes. Ganz prächtig spielte und sang Wen Wai Zhang den Ferrando, Hauptmann des Grafen Luna.

Luna, in Gestalt des koreanischen Baritons Sangmin Lee, gebührt die vokale Palme des Abends. Er sang die Partie mit einem wohl gerundeten, dunklen, vibrierenden Klang, perfektem Legato und unglaublichem Atemvolumen. Seine Arie “Il balen del suo sorriso“ war ein Highlight des Abends.

Das Publikum spendete freundlichen Beifall. Eine Gruppe jugendlicher Zuschauer war geradezu begeistert.

IOCO / UGK / 08.02.2013

Weitere Vorstellungen des Il Trovatore in der Oper Dortmund sind am:

Sa, 16. Februar 2013
So, 24. Februar 2013
Mi, 27. Februar 2013
Sa, 02. März 2013
So, 10. März 2013
Fr, 15. März 2013
Do, 21. März 2013
Sa, 30. März 2013
Sa, 06. April 2013
So, 14. April 2013

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