Linz, Landestheater Linz, Romeo und Julia und mehr, IOCO Aktuell, 18.05.2021

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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz – blüht auf – In  Schönheit und Vielfalt

Vier Premieren – in fünf Tagen

  • 1. LIEDER FÜR EINE NEUE WELT   –  MUSIK UND GESANGSTEXTE VON JASON ROBERT BROWN  Premiere: 19. Mai 2021, 19.30 Uhr | Großer Saal Musiktheater Musikalische Leitung: Tom Bitterlich,  Inszenierung, Choreografie, Bühne: Simon Eichenberger
  • 2. CREDO (UA)  –  TANZSTÜCK VON URS DIETRICH
    Premiere: 21. Mai 2021, 20.00 Uhr | BlackBox Musiktheater, Inszenierung und Choreografie: Urs Dietrich
  • 3. I CAPULETI E I MONTECCHI  –  Romeo und Julia – TRAGEDIA LIRICA IN ZWEI AKTEN VON VINCENZO BELLINI,  Premiere: 22. Mai 2021, 19.30 Uhr | Großer Saal Musiktheater, Musikalische Leitung: Enrico Calesso,  Inszenierung: Gregor Horres
  • 4. DIE KATZE, DIE IHRE EIGENEN WEGE GING (UA) KAMMER-MUSIKTHEATER FÜR ALLE AB 6 JAHREN VON MIKE SVOBODA,  Premiere: 23. Mai 2021, 15.00 Uhr | FoyerBühne Musiktheater, Inszenierung: Sabine Sterken

I CAPULETI E I MONTECCHI  –  ROMEO UND JULIA

TRAGEDIA LIRICA IN ZWEI AKTEN  –  VINCENZO BELLINI

Premiere Samstag, 22. Mai 2021, 19.30 Uhr  Großer Saal Musiktheater, Die weiteren Vorstellungstermine: 6., 9., 12., 16., 19., 21. Juni, 1., 8. Juli 2021

Zum Stück: Vincenzo Salvatore Carmelo Francesco Bellini (1801 – 1835) – Die Belcanto-Version von Vincenzo Bellini der tragischen Liebesgeschichte des legendären Veroneser Liebespaars Romeo und Julia ist von allen musikalischen Bearbeitungen vielleicht die wirkungsmächtigste geblieben. Felice Romani greift mit seinem Opernlibretto, das nicht auf der in Italien wenig bekannten Shakespeare-Version, sondern auf der Novellenliteratur der Renaissance beruht, mitten hinein in ein Geschehen, das bereits seinen Lauf genommen hat. Romeo hat den Bruder Julias getötet, Tebaldo soll Rache an ihm nehmen und Julia heiraten. Lorenzo, hier ein Arzt, versucht vergeblich, Frieden zwischen den Konfliktparteien zu stiften oder die Flucht der Liebenden zu ermöglichen. In einer Nahaufnahme der letzten 24 Stunden loten Komponist und Autor die Gefühlswelt ihrer Figuren aus. Mit emotional packenden Melodien, zu einem elegisch-melancholischen Sog verbunden und von keinem heimlichen Liebesglück unterbrochen, führt Bellini in seiner sechsten und 1830 im Theater La Fenice in Venedig uraufgeführten Oper seine Protagonist*innen einem unversöhnlichen, aber ergreifenden Opernfinale zu.

Das himmlische Teatro La Fenice in Venedig © IOCO

Das himmlische Teatro La Fenice in Venedig © IOCO

Musikalische Leitung  Enrico Calesso, Inszenierung Gregor Horres, Bühne Elisabeth Pedross, Kostüme Yvonne Forster, Video Jonatan Salgado Romero, Choreografie Ilja van den Bosch, Dramaturgie Katharina John, Chorleitung Elena Pierini, Leitung Extrachor Martin Zeller, Nachdirigat Claudio Novati,

Capellio, Oberhaupt der Capuleti und Vater Giuliettas  Dominik Nekel, Giulietta  Ilona Revolskaya / Elena Gorshunova, Romeo, Führer der Montecchi  Anna Alàs i Jové,  Tebaldo, Parteigänger der Capuleti Joshua Whitener / Mathias Frey,  Lorenzo, Arzt und Vertrauter Capellios  Michael Wagner

Herrenchor des Landestheaters Linz, Herrenextrachor des Landestheaters Linz, Statisterie des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz

BIOGRAFIEN

ENRICO CALESSO   –  MUSIKALISCHE LEITUNG

Enrico Calesso wurde in Treviso (Italien) geboren und studierte Klavier in Venedig am dortigen Konservatorium bei Anna Colonna Romano. Parallel dazu schloss er 1998 sein Philosophiestudium bei Emanuele Severino an der Universität Venedig mit Auszeichnung ab. Anschließend besuchte er die Dirigierklasse von Uroš Lajovic an der Universität Wien. Wichtige Erfahrungen sammelte er auch als Assistent von Ulf Schirmer. 2008 übernahm Enrico Calesso für drei Jahre die musikalische Leitung der Oper Klosterneuburg (bei Wien) und warvon 2007 bis 2010 am Theater Erfurt als Kapellmeister tätig. 2010 wechselte er als Erster Kapellmeister an das Mainfranken Theater Würzburg. Im Jahr darauf wurde er dort zum Generalmusikdirektor ernannt.

Enrico Calesso dirigierte unter anderem das Orchestra Filarmonica della Fenice Venezia, die Wiener Symphoniker, das Radio Symphonie-Orchester Wien, die Berner Symphoniker, das Orchestre Symphonique de Mulhouse, die Mecklenburgische Staatskapelle Schwerin, die Norddeutsche Philharmonie Rostock, das Philharmonische Orchester Erfurt, die Nordwestdeutsche Philharmonie, die Jenaer Philharmonie, die Filarmonia Veneta Malipiero sowie das Philharmonische Orchester Rzeszów. In der Spielzeit 2016/2017 stand er zum ersten Mal am Pult des Bruckner Orchesters Linz, des Haydn Orchesters Bozen und der Neuen Philharmonie Westfalen. Nach seinem erfolgreichen Debüt an Venedigs Teatro La Fenice kehrte er 2017 mit der musikalischen Leitung von La Traviata dorthin zurück. Am Landestheater Linz übernahm er erstmals 2016/2017 die musikalische Leitung von Mozarts Don Giovanni. Mit Verdis Il Trovatore (2019/2020) und Bellinis I Capuleti e i Montecchi setzt das Landestheater die erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Seit Beginn der Saison 2020/2021 ist Enrico Calesso ständiger Gastdirigent am Landestheater Linz.

Julia, hier ganz zu Hause im Casa di Giulletta von Verona © IOCO

Julia, hier ganz zu Hause im Casa di Giulletta von Verona © IOCO

Julia, hier als Attraktion im Casa di Giullietta von Verona Foto IOCO

GREGOR HORRES  –  INSZENIERUNG

Der deutsche Regisseur Gregor Horres studierte zunächst Kunstgeschichte. 1991 wurde er Assistent von Karl Kneidel und Gerd Heinz am Staatstheater Darmstadt und wechselte mit diesem Team 1993 nach Freiburg, wo er begann, selbst Regie zu führen.1998 wurde er Oberspielleiter des Theaters Bielefeld. In dieser Zeit inszenierte er unter anderem Orpheus und Eurydike (Gluck), Hänsel und Gretel(Humperdinck), Die Meistersinger von Nürnberg (Wagner), Rusalka (Dvo?ák), Carmen (Bizet) und Die Zauberflöte. Als Gastregisseur war er bei den Freilichtspielen Tecklenburg (Benatzky: Im Weißen Rössl), an der Oper Ljubljana, Slowenien (Ullmann: Der Kaiser von Atlantis), an den Vereinigten Bühnen Mönchengladbach-Krefeld (Rihm: Oedipus) und bei den Opernfestspielen Savonlinna, Finnland (Offenbach: Les Contes d’Hoffmann). Als freier Opernregisseur inszenierte er ab der Spielzeit 2005/2006 La Traviata (Verdi),Der Kreidekreis(Zemlinsky),Einstein(Dessau) und Un ballo in maschera (Verdi) an verschiedenen deutschen Bühnen. In den letzten Jahren kamen dazu: Manon Lescaut (Puccini) in Regensburg, Lucia di Lammermoor (Donizetti) in Biel, Der fliegende Holländer (Wagner) und Die Frau ohne Schatten (R. Strauss) in Mannheim, Rigoletto und La Traviata (Verdi) in Hagen, Wozzeck (Berg) und Andrea Chénier (Giordano) in Innsbruck,  L’italiana in Algeri (Rossini) in Dortmund, Das Gesicht im Spiegel(Jörg Widmann) an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf, Pique Dame(Tschaikowsky) in Erfurt, Tosca(Puccini) in Bremerhaven und L’Africaine (Meyerbeer) in Würzburg, Selma Jezková (Dancer in the dark -von Poul Ruders),La Bohème am Staatstheater in Schwerin, Don Quichotte von Massenet und Fidelioam Stadttheater Hagen, Gegen die Wand von Ludger Vollmer an der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf sowie Cimarosas Der Operndirektor in Lübeck.2015/2016 inszenierte er Die lustigen Weiber von Windsor in Würzburg und Der Rosenkavalier in Hagen.Seit Oktober 2008 unterrichtet er szenische Gestaltung an der Hochschule für Künste in Bremen. Seit der Spielzeit 2016/2017 ist Gregor Horres  Leiter des Oberösterreichischen Opernstudios am Landestheater Linz. Hier zeichnet er für die Regie zahlreicher Produktionen mit dem Oberösterreichischen Opernstudio, aber auch mit dem Musiktheaterensemble des Landestheaters Linz verantwortlich.

ELISABETH PEDROSS  –  BÜHNE

Elisabeth Pedross wurde in Südtirol / Italien geboren. Nach dem Bühnenbildstudium in Rom zog sie nach Deutschland um, wo sie seit 1994 als freischaffende Bühnenbildnerin arbeitet. Sie stattete zahlreiche Schauspielproduktionen u. a. für die Regisseure Stephan Kimmig, Marcus Mislin, Thilo Voggenreiter, Matthias Fontheim am Staatstheater Stuttgart, Maxim Gorki Theater Berlin, Schauspielhaus Graz, Staatstheater Mainz, Theater Luzern , dem Deutschen Theater Berlin, Theater St. Gallen, Stadttheater Augsburg aus, sowie Opernproduktionen u. a. für die Regisseure Christof Loy, Gerd Heinz, Ewa Teilmans und Philipp Himmelmann an der Oper Bonn, dem Theater Klagenfurt , Theater Freiburg, Opernhaus Graz, Stadttheater Aachen, Stadttheater Lübeck, der Oper Göteborg in Schweden, der Opera national de Lorraine in Nancy / Frankreich und der Staatsoper Hannover. Elisabeth Pedross wurde im Theater heute und der Opernwelt mehrfach als beste Bühnenbildnerin nominiert. Mit Gregor Horres verbindet sie eine enge Zusammenarbeit. Nach den Bühnenbildern für Leonard Evers Musiktheater für junges Publikum Gold!(2016/2017) und Alois Bröders Oper Unverhofftes Wiedersehen (2017/2018) zeichnet sie in der Spielzeit 2020/2021 für die Bühnenbilder von Heinrich Bertés  Dreimäderlhaus und Bellinis I Capuleti e i Montecchi verantwortlich.

YVONNE FORSTER – KOSTÜME

Nach ihrem Studium zur staatlich geprüften Modedesignerin war Yvonne Forster zunächst als Kostümassistentin am Theater Freiburg tätig und begann nach zwei Jahren mit eigenen Kostümausstattungen in Oper, Schauspiel und Tanz. Seit 1999 arbeitet sie als freischaffende Kostümbildnerin an verschiedenen Theatern in Deutschland, der Schweiz und in  Österreich, u. a. für die Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf, die Staatsoper Hannover, das Theater Hagen, das Theater Lübeck, das Theater Freiburg, das Staatstheater Mannheim, das Schauspielhaus Salzburg sowie das Konzert Theater Bern. Mit den Regisseuren Cihan Inan, Gregor Horres, Gerd Heinz, Klaus Hemmerle, Norbert Hilchenbach u.v.a. verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. Auch im Bereich Kinofilm ist sie tätig, der letzte Film, Zone Rouge kam im Herbst 2018 in die Kinos. Ein weiteres Standbein ist Yvonne Forsters langjährige und fortwährende Assistenz im Atelier des Künstlers Anselm Kiefer in Croissy in der Nähe von Paris.

JONATAN SALGADO ROMERO – VIDEO

Der spanische Tänzer Jonatan Salgado Romero strebt eine „Symbiose“ zwischen Bewegung und Bild an. Parallel zu seiner Tätigkeit als Tänzer am Landestheater Linz seit 2008, entwickelte er ein enormes Interesse für das Filmen, Schnitt und Regie. Seine Leidenschaft für Bewegung überträgt sich auch in seine Arbeit als Videofilmer.Er debütierte als Videomacher beim Tanzhafen Tanzkurzfilm Festival (2015) mit den zwei Kurztanzfilmen Der Kantinenweg und Making of Short Memory. 2019 war sein Video Kaplun-Miyazato bei der offiziellen Auswahl beim Crossing Europe Film Festival dabei. Derzeit arbeitet Jonatan Salgado Romero als Videomacher am Landestheater Linz und setzt seine selbständige Karriere mit Projekten wie Dokumentationen für das OÖ Kulturquartier, Werbevideos für Kunst Via und Linz Tourismus sowie Musikvideos für Künstler wie Sister Jones, Ariana Schirasi-Fard, Dramas und Anna Katt fort.

ILJA VAN DEN BOSCH – CHOREOGRAFIE

Ilja van den Bosch wurde in den Niederlanden geboren und erhielt ihre Ausbildung u. a. in ihrer Heimat am Königlichen Konservatorium in Den Haag. An der John Cranko Schule in Stuttgart schloss sie ihre Ausbildung ab, und ihr erstes Engagement führte sie ans Flensburger Ballett. Nach zwei Spielzeiten wechselte sie an das Ballett Vorpommern. Zu ihren wichtigsten Rollen zählen hier Chloë in Daphnis und Chloë und die Titelrolle in Coppélia. Mit der Saison 2005/2006 wurde sie Mitglied des Tanztheaterensembles am Tiroler Landestheater Innsbruck unter Ballettdirektor Jochen Ulrich und in der Spielzeit 2006/2007 wechselte sie als Tänzerin in das Ensemble des Landestheaters Linz, wo sie u. a. als Marie in Nussknacker und Mausekönig, Coppélia und Klara in Coppélia, Marzelline in Fidelio – Ein Ballett, Prinzessin Aurora in Dornröschen und Julia in Romeo und Julia zu erleben war. Sie tanzte bei internationalen Festivals und arbeitete mit verschiedenen Choreografen zusammen. Ilja van den Bosch ist außerdem ausgebildete und erfahrene Tanzpädagogin. In Zusammenarbeit mit dem u\hof: Theater für junges Publikum und MOVE.ON, der Orchesterwerkstatt des Bruckner Orchesters Linz, entstanden viele Choreografien (z. B. Integrationsprojekte, Konzerte für Kinder).

Mit passwort: klassik – Musikvermittlung der Wiener Philharmoniker erarbeitete sie Bilder einer Ausstellung von Modest Mussorgsky. Seit der Spielzeit 2013/2014 hat sie die künstlerische Leitung der Tanzakademie OÖ in Zusammenarbeit mit dem Landestheater Linz und dem OÖ. Landesmusikschulwerk inne.

—| IOCO Aktuell Landestheater Linz |—


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Linz, Landestheater Linz, IL TROVATORE – Giuseppe Verdi, 11.01.2020

Dezember 12, 2019 by  
Filed under Landestheater Linz, Oper, Premieren, Pressemeldung

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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

 Il Trovatore –  GIUSEPPE VERDI

Text – Salvadore Cammarano _ Drama – Antonio García Gutiérrez

Premiere Samstag, 11. Jänner 2020, 19.30 Uhr

Manch einer bezeichnet den Inhalt von Verdis populärer Oper Il trovatore als den Gipfel der Absurdität: eine Mutter, die ihr eigenes Kind in die Flammen wirft, im Glauben, es sei ein anderes; zwei Brüder, die seit frühester Kindheit getrennt sind, und sich nicht nur unerkannt in einem Bürgerkrieg feindlich gegenüberstehen, sondern auch Rivalen um die Gunst derselben Frau sind; einer der beiden Brüder, der just in dem Moment, in dem er den anderen töten lässt, erfährt, dass selbiger sein lang vermisster Bruder ist, etc. etc.
Natürlich ist all dies monströs und absurd. Aber vielleicht ist die Oper nie näher bei sich als Gattung, als bei solch einer Geschichte. Denn: Je größer die Gefühle, je mehr die Handlung von der Sphäre des Gewöhnlichen und Alltäglichen geschieden ist, umso stärker kann sich die Musik entfalten und die emotionale Wahrheit hinter den geschilderten Vorgängen zum Glühen bringen.

Musikalische Leitung Enrico Calesso, Inszenierung Gregor Horres, Bühne und Kostüme Jan Bammes, Video Volker Köster, Chorleitung Elena Pierini, Nachdirigat Marc Reibel
Dramaturgie Christoph Blitt

Graf Luna, ein junger Adliger im Dienst des Fürsten von Aragonien, Federico Longhi, Adam Kim; Leonora, Hofdame der Fürstin von Aragonien Izabela Matula, Sonja Šarii, Azucena, eine alte Zigeunerin Katherine Lerner, Julia Faylenbogen, Manrico, Offinzier im Heer des Grafen Urgel, vermeintlicher Sohn Azucenas Sung-Kyu Park, James Lee, Ferrando, Hauptmann im Heer des Grafen Luna Dominik Nekel, Ines, Leonoras Gesellschafterin und Vertraute Gotho Griesmeier

Chor des Landestheaters Linz, Extrachor des Landestheaters Linz, Statisterie des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz

—| Pressemeldung Landestheater Linz |—


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Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere Die verkaufte Braut, 16.11.2019

November 7, 2019 by  
Filed under Oper, Premieren, Pressemeldung, Theater Pforzheim

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Theater Pforzheim

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Theater Pforzheim © Sabine Haymann

Dorfidyll voller Tücken und Überraschungen – mit folkloristischem Flair und lyrischen Arien!

Premiere der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana

Pforzheim. Wenzel, der Sohn des reichen Bauern Micha, ist ein Außenseiter im Dorf, denn er stottert. Marie, deren Eltern Schulden bei Micha haben, soll mit Wenzel verheiratet werden. Doch sie liebt den armen Hans und tut alles dafür, dass Wenzel der Hochzeit nicht zustimmt. Der Ehevermittler Kezal bringt jedoch Hans dazu, auf Marie gegen Bezahlung zu verzichten – und so verkauft Hans seine Geliebte zu aller Entsetzen. Hans besteht aber auf einer Klausel im Ehevertrag, die besagt, dass Marie nur mit einem Sohn des Bauern Micha verheiratet werden darf. Was passiert nun mit Wenzel, und wird Marie doch noch mit ihrem Hans glücklich werden? Am Samstag, 16. November um 19.30 Uhr feiert die Oper „Die verkaufte Braut“ von Bed?ich Smetana ihre Premiere im Großen Haus des Theaters Pforzheim.

Regisseur Gregor Horres sagt über seine Inszenierung: „Im Zentrum dieser Geschichte steht die junge Marie, die vor vielen Jahren von ihrem Vater an einen reichen Bauern für Geld verkauft wurde. Inzwischen ist Zeit vergangen. Marie hat sich in Hans verliebt. Um die Heirat zwischen Marie und dem Sohn des reichen Bauern zu realisieren, bedient man sich nun eines Heiratsvermittlers, der alle Hebel in Bewegung setzt, Hans auszuschalten. Was keiner weiß, Hans ist der erste Sohn des reichen Bauern. Er wurde aus dem Haus geworfen und will sich nun an seinen Eltern rächen. Die Eltern planen, ihren zweiten Sohn mit Marie zu verheiraten. Hans‘ Ziel ist es, diesen Plan der Eltern zu verhindern.

Das Schicksal dieser drei jungen Menschen steht im Zentrum meiner Arbeit. In der dörflichen Gemeinschaft finden diese drei jungen Menschen keinen Halt. Obwohl sie dort leben, sind sie Außenseiter. Die Gemeinschaft trifft sich auf einem Fest, geht dann wieder auseinander. Viel wissen die Menschen nicht voneinander. Sie erkennen noch nicht einmal in dem zugereisten Hans den ‚ehemaligen‘ Sohn des reichen Bauern. Man könnte dies fast als Zeichen einer Erosion des dörflichen Lebens deuten – fast im Sinne des Romans von Juli Zeh „Unterleuten“. Träume, Wünsche, Sehnsüchte besitzen diese jungen Menschen selbstverständlich. Sie wissen, was sie nicht wollen, befinden sich auf der Suche nach ihrem eigenen Weg. Eine Möglichkeit, einen ganz anderen Weg zu gehen, zeigt der Zirkus auf. Innerhalb des Zirkus verbinden sich die Gegensätze. Der Bär tanzt mit der Esmeralda, bekannt für ihre Seitensprünge, unter den Augen des Indianers. Die Welt in dem Dorf glaubt, jedes Problem mit Geld und einem dazugehörigen Vertrag lösen zu können.“

Mit der Oper „Die verkaufte Braut“ wurde Bed?ich Smetana zum Nationalkomponisten Tschechiens. Die Ouvertüre und der „Furiant“, ein schneller Volkstanz, werden häufig in Konzertprogrammen gespielt. Die Musik der Oper begeistert durch folkloristisches Flair und lyrische Arien, die sich mit lebendigen Chören abwechseln. Voller Lebensfreude werden typische Charaktere einer Dorfgemeinschaft vor Augen geführt, samt ihren Abgründen und liebenswerten Eigenheiten.

„Die verkaufte Braut“

Komische Oper von Bed?ich Smetana
Libretto von Karel Sabina
Deutsche Übersetzung von Kurt Honolka
In deutscher Sprache

Mit Tomas Möwes, Dorothee Böhnisch, Stamatia Gerothanasi/Anna Gütter, Aleksandar Stefanoski, Jina Choi, Philipp Werner/Benjamin Werth, Dirk Konnerth, Lukas Schmid-Wedekind, Steffen Fichtner/Karel Pajer, Elisandra Melián/Helena Steiner und Spencer Mason

Chor des Theaters Pforzheim
Extrachor des Theaters Pforzheim
Badische Philharmonie Pforzheim
Musikalische Leitung Florian Erdl
Inszenierung Gregor Horres
Bühnenbild und Kostüme Jan Bammes
(R)Einblicke – die öffentliche Probe am Samstag, 9. November um 11.30 Uhr im Großen Haus
Opernfrühstück am Sonntag, 10. November um 11 Uhr im Foyer

Premiere am Samstag, 16. November um 19.30 Uhr im Großen Haus mit Einführung um 19.10 Uhr im Foyer

Weitere Vorstellungen am So, 24. und Di, 26. November sowie an weiteren Terminen im Laufe der Spielzeit, jeweils mit Einführung 20 Min. vor Beginn im Foyer

—| Pressemeldung Theater Pforzheim |—


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Linz, Landestheater Linz, The rape of Lucretia – Benjamin Britten, IOCO Kritik, 12.10.2019

Oktober 11, 2019 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Landestheater Linz, Oper

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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

 The rape of Lucretia – Benjamin Britten

– Too late, Lucretia, too late! – or –  I refuse! –

von  Elisabeth König

 Gedenkmuschel für Benjamin Britten am Strand seines Heimatorts Snape Maltings © IOCO

Gedenkmuschel für Benjamin Britten am Strand seines Heimatorts Snape Maltings © IOCO

Benjamin Brittens dritte Oper, die Kammeroper rund um Ehre und Vernichtung einer treuen Frau wurde 1946 in Glyndebourne mit Kathleen Ferrier in der Titelrolle uraufgeführt. Das Libretto der Oper in zwei Akten schrieb Ronald Duncan nach dem Schauspiel Le Viol de Lucrèce von André Obey. Die Kammeroper arbeitet mit minimalen Mitteln zu großem Effekt; der griechische Chor ist auf zwei Erzähler reduziert und auch das nur 14 Instrumente umfassende Kammerorchester erzielt überraschend volle große Klangmomente.

Dennoch sollte der Oper historisch nur geringer Erfolg beschieden sein. Die Abstraktion der Handlung, die hochkomplexe Tonwelt, in die nur selten melodische Stimmführung einbricht, und die Bezugnahme auf christliche Mythologie und Erlösungsmetaphern (in einer Handlung ca 500 Jahre vor Christi Geburt), schaffen ein höchst vielschichtiges Werk, in welchem Britten nicht nur die Geschichte einer Vergewaltigung erzählt, sondern auch anschließt an den Gründungsmythos der römischen Republik und des christlichen Abendlandes.

In der in der Black Box des Landestheater Linz zur Aufführung gebrachten Produktion der Oberösterreichischen Opernstudios gelingt es der Inszenierung von Opernstudiochef Gregor Horres, mit simplen Mitteln szenenweise ungeheuer starke Momente auf die Bühne zu bringen.

The rape of Lucretia – Benjamin Britten
youtube Trailer des Landestheater Linz
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Auf der als Laufsteg zwischen zwei Publikumstribünen konzipierten Bühne mit dem Orchester an der einen Längsseite und einem simplen Bühnenbild bestehend aus drei Zugtüren auf der anderen, spielten die SängerInnen mehr oder minder von allen Seiten umzingelt. Dies ermöglichte gewisse szenische Freiheiten und band das Publikum gelungen in das Stück mit ein, ließ es sozusagen zu Mitleidenden und Mittätern werden. Es erschwerte jedoch auch in manchen Momenten die emotionale und dramatische Steigerung. Die schauspielerische Stringenz war stellenweise unterbrochen durch Momente nicht inszenierten Stillstands bzw. Spannungsabfalls. In den Momenten der inszenierten Paralyse jedoch beginnt das Stück zu atmen und die SängerInnen schaffen große emotionale Momente, die sich auf das Publikum übertragen.

Die jungen SängerInnen waren durchweg von hohem Niveau, und meisterten akustische Herausforderungen des nicht unkomplizierten und trockenen Raumes ebenso mit Bravour wie mit musikalischer Präzision.

Landestheater Linz / The rape of Lucretia - hier : Timothy Connor und Svenja Isabella Kallweit © Petra Moser

Landestheater Linz / The rape of Lucretia – hier : Timothy Connor und Svenja Isabella Kallweit © Petra Moser

Rafael Helbig-Kostka in der Rolle des Erzähler /Männerchores beeindruckte mit perfekter nahezu britisch-klarer Diktion, eleganter Phrasierung und einem schönen, weichen Tenor, den man sich sowohl als Rodolfo in La Bohème als auch auf einer Lied-Bühne überzeugend vorstellen kann. Obgleich nur Beobachter und Berichterstatter, vermochte er es doch, mit emotionaler Tiefe und berührender Empathie mit den handelnden Personen auch dem Publikum als emotionaler Haltepunkt im Stück zu dienen.

Svenja Isabella Kallweit als sein weiblicher Gegenpart in der Rolle der Erzählerin /Frauenchores, zeigte nach einer kurzen Einsingphase einen klaren Sopran mit runder dramatischer Mittellage. Ihre perfekte Umsetzung der anfänglich unemotional beobachtenden und kommentierenden „Nachrichtenlady“ wich mit den Gräueln gegen die weiblichen Charaktere immer mehr einem Mitleiden und empathischer Identifikation.

Generell war die Verbindung von Erzähler und Erzählerin mit den handelnden Charakteren ihres jeweiligen Geschlechtes, die ja auch von Britten so komponiert ist, szenisch gelungen umgesetzt; besonders, wenn der Erzähler zum Sprachrohr der inneren Vorgänge des Tarquinius wird, und auch im Außen als sein szenischer Spiegel dient.

Als Prinz Tarquinius wusste Timothy Connor mit einer reifen und erwachsen-profunden Stimme zu überzeugen. Er vermochte es, von Anfang an eine gewaltbereite Virilität zu präsentieren, die in ihrer Aggression jeden Augenblick hervorzubrechen droht. Hieraus seine geifernd-lechzende Anziehung zu Lucrezia zu entspinnen, setzte das Publikum von Anfang an gekonnt unter psychologischen Druck und warf die Schatten der Tat voraus.

Philipp Kranjc in der Rolle des Collatinus, des mit Lucretia verheirateten römischen Generals, besticht mit schöner, weicher Stimme, und überzeugender und eleganter schauspielerischer Leistung. Der koreanische Bariton Seunggyeong Lee überzeugte in der Rolle des moralisch unambizionierten und maliziös stichelnden römischen Generals Junius.

Landestheater Linz / The rape of Lucretia - hier : Ensemble © Petra Moser

Landestheater Linz / The rape of Lucretia – hier : Ensemble © Petra Moser

Florence Losseau in der Titelpartie der keuschen Lucretia begeistert mit schönem, warmen Alt, der sich stückbedingt nur selten zu dramatischen Ausbrüchen aufschwingen darf, jedoch mit klar verständlicher Diktion und Emotionalität punktet. Ihre großartige schauspielerische Leistung geht Hand in Hand mit Verständnis für die Menschlichkeit Lucretias und berührt in ihrer würdevollen Verzweiflung umso mehr. In der Rolle ihrer Amme Bianca weiß Sinja Maschke zu überzeugen und Etelka Sellei als Dienerin Lucia zeigt flötende Höhen und zierliche Piani.

Die feinfühlige und dynamische musikalische Leitung des Abends oblag Leslie Suganandarajah, dem neuen musikalischen Leiter des Salzburger Landestheaters, der mit seinem klaren, verständlichen Dirigat und hoher Energie Orchester wie Sänger sicher durch die trügerischen Klippen von Brittens Musik führte und dabei auch sichtbar gute Laune hatte und verbreitete. Das Linzer Bruckner Orchester spielte an diesem Abend souverän, wenn auch leider mit ein, zwei kleinen „Verstimmungen“. Sehr gelungen war auch das Wechselspiel von Orchestern und Sängern, das durch die räumliche Aufteilung entstand und das Publikum in das Bühnengeschehen miteinzubinden vermochte.

Die Bühnengestaltung von Jan Bammes, der auch für die Kostüme verantwortlich zeichnet, war schlicht, aber effektvoll: drei Türen, die Einblicke in das Leben der Charaktere ermöglichen, wie auch Brittens Oper in ihrer periodenhaften Behandlung des Stoffes Einblicke in deren Seelen bietet. Das Bühnenbild dient zusätzlich als Projektionsfläche für zwei Schlüsselszenen der Oper und wird von Regisseur Gregor Horres multifunktionell eingesetzt.

Landestheater Linz / The rape of Lucretia - hier : Ensemble hier Philipp Kranjc und Florence Losseau © Petra Moser

Landestheater Linz / The rape of Lucretia – hier : Ensemble hier Philipp Kranjc und Florence Losseau © Petra Moser

Hervorzuheben sind zwei Momente dieser Oper, die notorisch schwierig darzustellen sind  und vom Regisseur meisterhaft gelöst wurden. Tarquinius‘ lustgeifernder nächtlicher Ritt nach Rom ist als projizierte Autofahrt durch die reizüberflutenden Straßen Roms dargestellt, deren stilisierte Bilder mehr und mehr den Fokus verlieren, bis er schließlich bei Lucretia ankommt.

Die Vergewaltigungsszene fand – entgegen befürchteter Gewaltexzesse im Stil des deutschen Regietheaters – hinter verschlossenen Türen statt. Lucretia wird an den Haaren von der Bühne geschleift, und die Türe schließt sich, um einer Projektion eines eine Gazelle jagenden Geparden Platz zu machen. Die Gleichsetzung der Vergewaltigung mit einem Tötungsakt im Tierreich ist ein eindrucksvolles Bild und kann als Metapher für den ganzen Abend dienen.

Männer werden hier mit Raubtieren gleichgesetzt, die in ihrem Egoismus über Leben und Ehre, Frauenschicksale und Tod verfügen. Die Tyrannei der etruskischen Regierung Tarquinius über das wehrlose römische Volk ist widergespiegelt in der Tyrannei seines Sohnes über die wehrlose und schuldlose Frau.

Vergewaltigung ist nicht nur körperlicher Besitz, es ist Besitzergreifung der Identität und Seele des Opfers und absolute Macht über dieses. Lucretias Integrität und Charakter muss nicht nur in Frage gestellt werden, sie muss vernichtet und ausgelöscht werden durch private Schmach und öffentlich-politische Demütigung. Auch die Liebe ihres Gatten vermag den traumatischen Übergriff nicht auszulöschen. Die Vergewaltigung bedeutet für sie nicht nur Schande, sie bedeutet die komplette Eradikation alles Guten in ihrer Welt, und angesichts dieser Auslöschung ist ihr einziger Weg der Tod.

Generell hervorzuheben ist die szenische Eleganz, mit der das schwierige Thema behandelt war. In einer Zeit, in der #metoo aus dem Theatergeschehen auf vielfältige Weise nicht wegzudenken ist, versetzte der Regisseur den Gewaltakt in die Vorstellung und Fantasie des Publikums, anstatt ihn tatsächlich auf der Bühne stattfinden zu lassen.

So dankbar das Publikums schien, nicht mit der rohen Brutalität einer aktiv sichtbaren Vergewaltigung umgehen zu müssen, und so gelungen die Bilder Ersatz und Erklärung boten, so erstaunlich wenig Schockwirkung schien die Szene tatsächlich auszulösen. Erst das Erwachen Lucretias am Morgen danach und ihre Reaktion lösten diese aus. Ob dies genug Appell gegen die Schändung und Auslöschung einer Frau war, möge sich jeder in den kommenden Vorstellungen selbst beantworten.

Das Nachspiel, in welchem die menschliche und drückende Hoffnungslosigkeit der Figuren durch die Erlösung durch Jesu Tod am Kreuz gelindert und überhöht wird, scheint angesichts der weltweiten Realität nahezu zynisch zu klingen. Und doch kann der Mensch angesichts der erschütternden Tragödie nur mit dem Glauben und der Hoffnung auf ein besseres Morgen weiterleben.

Mit diesem Hoffnungsschimmer endete ein aufwühlender und doch toller Opern-Abend

The rape of Lucretia am Landestheater Linz; die weiteren Vorstellungen 12.10.; 17.10.2019

—| IOCO Kritik Landestheater Linz |—


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