Mörbisch, Seefestspiele Mörbisch, 2018: Gräfin Mariza von Emmerich Kalman, Juli 2018

Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza - Die größte Geige der Welt © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza – Die größte Geige der Welt © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

GRÄFIN MARIZA von Emmerich Kalman

12. Juli – 25. August 2018

Die größte Geige der Welt begeisterte die Premierengäste am 12. Juli 2018. Der Künstlerische Direktor Peter Edelmann bringt in seiner ersten Mörbisch-Saison den beliebten Operettenklassiker Gräfin Mariza auf die Seebühne.

Apropos Bühne: In diesem Jahr bildet eine gigantische Geige von 45 Metern Länge und 14 Metern Höhe die Kulisse. Die technischen Raffinessen der Geige und ihr „Innenleben“ brachten das Premierenpublikum zum Staunen. Die unsterblichen Melodien von Emmerich Kálmán und ein begeistertes Ensemble auf der Bühne sorgten für großen Beifall und bleibende Eindrücke bei den Besuchern.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza -Janevska (Manja), Ondrej Janoska (Geiger), Vida Mikneviciute (Gräfin Maiza) Statisterie © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza -Janevska (Manja), Ondrej Janoska (Geiger), Vida Mikneviciute (Gräfin Maiza) Statisterie © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah – das war ein wichtiger Gedanke bei der Auswahl dieses Wunderwerkes von Emmerich Kálmán für meine erste Saison als Künstlerischer Direktor“, so Peter Edelmann. Der Ort der Handlung liegt im Original in der ungarischen Puszta und fügt sich somit perfekt in die pannonische Landschaft rund um die Seebühne. Dazu passend stammen die Bilder auf den ins Bühnenbild integrierten Videowänden aus dem Archiv des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza - Rinnat-Moriah (Lisa, Tassilos Schwester) und Christoph Filler (Kolomán Zsupán) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza – Rinnat-Moriah (Lisa, Tassilos Schwester) und Christoph Filler (Kolomán Zsupán) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Die Produktion ist fast ausschließlich „Made in Austria“. Regisseur Karl Absenger ist Grazer, Bühnenbilder Manfred Waba Burgenländer, der musikalische Leiter Guido Mancusi ist Wiener, genauso wie Peter Edelmann. Die Choreografin Johanna Bodor kommt von der Staatsoperette Budapest und hat somit den Csárdás im Blut.

Prominente Gratulanten
Auch zahlreiche prominente Besucher freuten sich mit dem Künstlerischen Direktor Peter Edelmann über die gelungene Premiere. Dabei waren die Bundesministerinnen Margarete Schramböck und Karin Kneissl, die Landeshauptleute Hans Niessl und Erwin Schützenhofer, Bürgermeister und Landeshauptmann Michael Ludwig, Landeshauptmann-Stv. Johann Tschürtz und Franz Schnabl, Landesrat und Festspielpräsident Hans-Peter Doskozil, Landesrätin Astrid Eisenkopf, Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Landesräte Norbert Darabos und Alexander Petschnig, Harald Serafin mit Gattin, Mirjana Irosch, Sigrid Martikke, Guggi Löwinger, Richard Lugner, Eva Maria Marold, Alfons Haider u.v.a.

Inszenierung: Mörbisch geigt auf!
„Höre ich Zigeunergeigen, wird es mir ums Herz so eigen, wachen alle Wünsche auf“, singt Gräfin Mariza in ihrem Auftrittslied und bringt so die Sehnsucht zum Ausdruck, einmal das Glück der Liebe kennenzulernen.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza - Vida Mikneviciute (Gräfin Mariza) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza – Vida Mikneviciute (Gräfin Mariza) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

„In keinem anderen Stück steht die Geige so im Mittelpunkt wie in Emmerich Kálmáns mitreißender Operette Gräfin Mariza. Mit feurigen Csárdás-Rhythmen und melancholischen Zigeunerklängen verbindet dieses Instrument das weite Feld zwischen Lachen und Weinen und beschert uns ein Wechselbad der Gefühle“, so Regisseur Karl Absenger über das Stück.

„Die Aufgabe war ein Bühnenbild zu schaffen, das den See zur Geltung bringt, in die Landschaft passt und natürlich dem Stück gerecht wird. So suchten wir nach einem poetischen Stimmungsbild mit hoher Symbolkraft und sehr schnell war die Idee einer Geige als Bühnenbild geboren. Um der riesigen Seebühne gerecht zu werden ist daraus nichts Geringeres als die größte Geige der Welt geworden: 45m lang und 12m hoch. Durch ein ausgeklügeltes mechanisches System lässt sich das Bühnenbild aufbrechen und verwandelt sich so in die verschiedenen Schauplätze, die das Stück benötigt“, lässt Manfred Waba, bekannt für seine fantastischen Bühnenbilder, hinter die Kulissen des Entstehungsprozesses dieses imposanten Bühnenbildes blicken.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza -Vida Mikneviciute (Gräfin Mariza) und Roman Payer (Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza -Vida Mikneviciute (Gräfin Mariza) und Roman Payer (Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

„Besonders das Aufeinandertreffen zweier Welten, einmal der ungarischen Folklore und zum Zweiten der dekadenten Städter machen den besonderen Reiz der Kostümausstattung aus. Federn, Boas, Seide, Pelz, Pailletten und edelste Perlstickereien auf der einen und Plissee, Rüschen, Bänder, bestickte Westen und Mieder in wunderschönen Farbkombinationen auf der anderen Seite. Echte Highlights werden natürlich die Kostüme der Gräfin Mariza – feinst aus Seide, Strass, Tüll und Federn gearbeitet. Daneben opulent, die Gräfin Božena im schrägen Texaslook. Und dann die besonderen Auftritte des Balletts. Von LED-Kostümen und großen Revueauftritten bis hin zur Folklore bilden die Auftritte einen reizvollen Bilderbogen“, macht Kostümbildnerin Karin Fritz Lust auf den Besuch in Mörbisch.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza - Melanie Holliday (Fürstin Božena Cuddenstein zu Clumetz) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza – Melanie Holliday (Fürstin Božena Cuddenstein zu Clumetz) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin:

„Es ist sehr wichtig für mich, dass die Choreografie mit der Aussage und der Seele des Stückes zusammen atmet: die Energie und Leidenschaft, das Spiel, die Vielseitigkeit, Lebenslust und Glück, Reichtum an Stilen, Weiblichkeit und Männlichkeit muss sich in den Tänzen widerspiegeln. Ich arbeite für das Publikum und deshalb muss die Choreografie über die Unterhaltung hinaus auch Freude bereiten. Und hoffentlich manchmal auch die Herzen des Publikums berühren“, so Choreografin Johanna Bodor.

„Emmerich Kálmán ist ein als ernsthafter Musiker sehr unterschätzter Komponist, dem man gerne nachsagt, die leichte Muse kitschig darzustellen. Die Wahrheit ist aber, dass seine Partituren wahre kompositorische Meisterwerke sind, die sich ganz nebenbei auch noch weltweit als Gassenhauer ins Kollektiv einprägen. Er schafft es, volkstümliche Musik in ein symphonisches Korsett zu bringen und es manchmal auch zu sprengen. Durch ihn ist Zigeunermusik auf die Bühnen der Welt gekommen und hat Weltstatus erreicht. In der Folge wurde seine Musik verkitscht, verzerrt und ins volkstümliche verdreht. Das gilt es wieder gut zu machen und zu berichtigen“, sieht der Musikalische Leiter Guido Mancusi die große Herausforderung für ihn und das Orchester der Seefestspiele Mörbisch.

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza - Julian Looman (Karl Stefan Liebenberg) und Roman Payer (Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Gräfin Mariza – Julian Looman (Karl Stefan Liebenberg) und Roman Payer (Graf Tassilo Endrödy-Wittemburg) © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Premieren-Besetzung
Vida Mikneviciute als Gräfin Mariza, Horst Lamnek als Fürst Populescu, Christoph Filler als Baron Kolomán Zsupán, Roman Payer als Graf Tassilo, Rinnat Moriah als Lisa, Julian Looman als Karl Stefan Liebenberg, Melanie Holliday als Fürstin Božena, Franz Suhrada als Penižek, Peter Horak als Tschekko, Mila Janevska als Manja, Verena Te Best als Ilka von Dambössy.

Inhalt
Die ebenso reiche wie schöne Gräfin Mariza kann sich ihrer Verehrer und Mitgiftjäger kaum erwehren. Deshalb erfindet sie einen Verlobten, nur leider gibt es tatsächlich einen Baron mit diesem Namen, der zu Marizas Entsetzen nicht abgeneigt ist, sie zu heiraten. Und das just in dem Moment, wo sie auf ihrem Landgut den neuen Verwalter Tassilo kennen gelernt hat, der ihr – Standesunterschied hin oder her – viel besser gefällt als alle Verehrer zuvor.

—| Pressemeldung Seefestspiele Mörbisch |—

Annaberg-Buchholz, Eduard von Winterstein Theater, Spielplan März 2018

annaberg_erzgebirgische_theater_und_orchester___

Eduard von Winterstein Theater

Do 1.3. 20.00 Hap Slap –Ist doch nur SpaßStudiobühne
THEATERJUGENDCLUB
von Nenad Zanic


Fr 2.3. 19.30 Cabaret
Musical von Joe Masteroff und Fred Ebb
Musik von John Kander


Sa 3.3. 19.30 Sonnenallee
Ein Theaterstück mit Live-Musik
nach dem gleichnamigen Film von
Thomas Brussig, Detlev Buck und Leander Haußmann


So 4.3.1 0.30 spielraum Der Frieder und das Katerlieschen
Studiobühne
Puppentheater Glöckchen
ab 4 Jahren

19.00 Der Bajazzo | Gianni Schicchi
Der Bajazzo
Oper in zwei Akten und einem Prolog
Von Ruggiero Leoncavallo
Gianni Schicchi
Oper in einem Akt von Giovacchino Forzano
Musik von Giacomo Puccini


Mo 5.3. 10.00 Tschick Studiobühne
von Wolfgang Herrndorf
Bühnenfassung von Robert Koall


Di 6.3. 20.00 Café Bohème
Der Theaterförderverein lädt zu einer Talkrunde mit musikalischen Kostproben


Do 8.3. 20.00 Kartoffelsuppe mit Band Studiobühne
Das HARTZ-IV-Musical


Fr 9.3. 19.30 Der Obersteiger
Bergmännische Operette in 3 Acten
von Moritz West und Ludwig Held
Musik von Carl Zeller


Sa 10.3. 9.30 Cabaret


So 11.3. 11.00 Premierenschaufenster Foyer
Blossom Time
15.00 Der Bajazzo | Gianni Schicchi
20.00 Kartoffelsuppe mit Band Studiobühne


Di 13.3. 10.00 Hap Slap –Ist doch nur SpaßStudiobühne
THEATERJUGENDCLUB


Fr 16.3. 19.30 Und alles auf Krankenschein
Turbulente Komödie von Ray Cooney


Sa 17.3. 19.30 Cabaret


So 18.3. 19.00 PREMIERE Operettenausgrabung –Blossom Time
Amerikanische Operette von Dorothy Donnely
Musik von Sigmund Romberg
nach dem „Dreimäderhaus“ von Franz Schubert,
Heinrich Berté und Alfred Maria Willner


Mi 21.3. 19.30 Operettenausgrabung –Blossom Time Aktionstheatertag


Do 22.3. 19.30 Cabaret


Fr 23.3. 19.30 Der Bajazzo | Gianni Schicchi


Sa 24.3. 19.30 Wie im Himmel

Schauspiel nach dem Film von Kay Pollak
Deutsch von Jana Hallberg


So 25.3. 11.00 Premierenschaufenster Foyer
Das Käthchen von Heilbronn oder Die Feuerporobe

19.00 Operettenausgrabung –Blossom Time


Mo 26.3. 19.30 7. Philharmonisches Konzert
Werke von Ludwig van Beethoven, Walter Braunfels
und Johannes Brahms


Sa 31.3. 19.30 Gräfin Mariza
Operette in drei Akten von Julius Brammer und Alfred Grünwald Musik von Emmerich Kálmán


Veranstaltungen außerhalb des Eduard-von-Winterstein-Theaters:


Fr 23.3. 20.00 poetry slam Neues Konsulat Annaberg-B.
Du hast den Text -Wir haben die Bühne


Der Konzertplan der Erzgebirgischen Philharmonie Aue sieht folgende Konzerte vor:


Sa 24.3.19.30 7. Philharmonisches Konzert Kulturhaus Aue
Werke von Ludwig van Beethoven, Walter Braunfels
und Johannes Brahms


—| Pressemeldung Eduard von Winterstein Theater |—

 

Gießen, Stadttheater, GMD Michael Hofstetter im Interview, IOCO, 23.11.2017

Stadttheater Giessen

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

Stadttheater Gießen © Rolf K. Wegst

  GMD Michael Hofstetter im Interview

„Das tiefgründige an der Oberfläche verstecken“

Ljerka Oreskovic Herrmann (LOH) führte für IOCO das folgende Interview mit Michael Hofstetter, *1961, seit 2012 Generalmusikdirektor am Stadttheater Gießen.

LOH: Ist die Operette eine veraltete, altmodische Theaterform?

 Stadttheater Giessen / GMD Michael Hofstetter © Werner Kmetisch

Stadttheater Giessen / GMD Michael Hofstetter © Werner Kmetisch

MH: Gar nicht. Ich finde man kann grundsätzlich jedes Theater altmodisch oder altbacken inszenieren. Oder man kann es sehr lebendig inszenieren. Ich glaube es ist eine Frage der Umsetzung. Und da ist in unserem Fall, die Arbeit von Balász Kovalik (Regisseur von Herbstmanöver) sicher ein unglaublich berührendes Meisterwerk geworden. Grundsätzlich, finde ich die Operette überhaupt nicht altmodisch. In moderner Form lebt sie sowieso weiter, sagen wir als Soap-Opera – nur ist sie im Original viel besser.

LOH: Liegt es vielleicht daran, dass man die Operette als „harmlos“ betrachtet, was sie ganz und gar nicht ist?

MH: Absolut. Es trifft genau ins Schwarze und hätte ich nicht besser sagen können. Man denkt, es ist harmlos, schöne Melodiechen, derweil steckt so vieles da drin, auch an ehrlicher Emotion, ein großes Stück Zeitgeschichte, wirklich ein Gesellschaftsspiegel.

LOH: Vielleicht weil man lacht, denkt man: „Es ist nicht so schlimm.“ Bei der Fledermaus hat man die Parodie und den Fasching, wo alles verhandelt wird – die ganz tiefen Emotionen.

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

Grabstaette Hugo von Hofmannsthal © IOCO

MH: Ja. Ich denke dabei gleich an ein Zitat von Hugo von Hofmannsthal, der mal in einem Interview gesagt hat, er müsse das Tiefgründige verstecken. Dann fragt der Interviewer, aber wo: ‚An der Oberfläche, natürlich!’

LOH: Das sind wir wieder bei der Operette. Was macht für Sie das Faszinosum „Operette“ aus?

MH: Ich war zunächst Kirchenmusikstudent, und ich bekam in München eine Stelle an einem Tourneetheater als Studienleiter. Ich dachte, etwas nachdirigieren während meines Studiums wäre toll, es war ‚learnig by doing’, was wirklich unbezahlbar ist. Und natürlich war das Repertoire dieses kleinen Tourneetheaters im Landkreis München primär die Operette, zu 70-80%. Und so fing ich aus Neugierde an, auch um mein Kirchenmusikstudium dirigentisch zu unterfüttern. Ich verliebte mich aber dann in das Theater und wechselte wirklich von einem Tag auf den anderen, während meines Studiums, von Bach, Messiaen und Max Reger zu Johann Strauß, Kálmán und Max Greger, und ich landete so weich. Es ist keine intellektuelle Antwort, es ist eine Gefühlsantwort. Ich fühlte mich zuhause. Das gilt auch für die Kirchenmusik, aber die Begegnung mit der Operette war auf unerwartete Weise glücklich.

LOH: Aber ist denn das, was in einer Kirche stattfindet, nicht auch „in gewisser Weise“ Theater?! Und wenn wir wieder auf die Operette zurückkommen: Was macht eine gute Operette sowohl musikalisch als auch inhaltlich aus? Sind es die für die Wiener Operette geltenden „Dreiklänge“: Walzer-, Polka- und Marschmusik?

MH: Das stimmt wahrscheinlich, dass es von der Kirche zum Theater überhaupt nicht so weit ist. Das Tolle an der Operettenmusik ist, dass diese aufgeschriebene, notennotierte Musik sich nährt aus Musik, die nicht minutiös aufgeschrieben wurde. Das eine sind die Wiener Walzer, und die wurden in Wien sicherlich erst mündlich tradiert, durch die Strauß-Kapellen oder Tanzkapellen. Es waren Haydn, Schubert, die Ländler und Trios aufgeschrieben, aber nicht genuin erfunden haben; vieles kommt direkt aus dem Einflussbereich der alpenländlichen/volkstümlichen Musik. Auch das ungarische Element – Csárdás, Zigeunerkapellen – ist sicherlich keine Musik, die in ihren Ursprüngen genauestens notiert wurde, sondern vom Meister zum Schüler, von einem Musiker zum anderen Musiker durch das gemeinsame Musizieren weitergegeben wurde. Diese genialen Operettenkomponisten – wie Lehár, Kálmán oder Johann Strauß – schreiben es dann auf für ihre Kapellen. In dieser zweiten Generation, bei Lehár und Kálmán, kombinieren sie das Ganze mit der großen Blechbläserbesetzung des sinfonischen Orchesters sowie mit einem damals schon vom frühen Jazz angehauchten Schlagwerk. D.h. sie begründen und bereiten etwas vor, was später zum Big Band-Sound wird, und lassen mit diesem witzigen und raffiniert eingesetzten Schlagzeug und mit den raffiniert komponierten Bläsersynkopen das schwere Blech tanzen. Auch die frühe Filmmusik wäre ohne sie gar nicht denkbar.

LOH: Und inhaltlich?

MH: Da können wir gleich auf unser Stück kommen – auf Herbstmanöver. Das ist inhaltlich so grandios, schön, so einzigartig. Es gibt Szenen, die an Strindberg oder Szenen und Atmosphären, die an Tschechows Kirschgarten erinnern. Da gibt es Figuren, wie den alten Diener, da denkt man an den Firs aus dem Kirschgarten, der Jahrzehnte auf seine Herrschaft wartet, die irgendwo in der Stadt ist. Das Stück ist reich an tiefen Situationen und Emotionen Es findet sich aber auch brillantester jüdischer Humor, total spritzig, witzig, raffiniert, süffisant. Eine historische Aufnahme von 1908, auf der der Burgschauspieler Max Pallenberg eines der Couplets aus dem Herbstmanöver singt, lässt uns den virtuosen Esprit dieses Genres erahnen. Das ist von jüdischen Autoren für ein Publikum, dass das verstanden hat, geschrieben. Für so viel Selbstironie braucht es wahre Geistesgröße. Und dann die Liebesgeschichten, die verhandelt werden, die haben große Tiefe. Die Beziehung zwischen Riza und Lörenthy erinnert an Eugen Onegin. Der Unterschied ist nur, wenn die Musik hinzukommt, dann ist es in der Operette immer eine Musik, die so einen Tanzrhythmus hat – Walzer, Polka oder Marschryhthmen, bei Herbstmanöver viel Valse lento, weil das eben eine elegische Geschichte ist.

 Stadttheater Giessen / GMD Michael Hofstetter © Werner Kmetisch

Stadttheater Giessen / GMD Michael Hofstetter © Werner Kmetisch

LOH: Was macht die Besonderheit von Kálmáns Ein Herbstmanöver aus? Warum haben Sie sich für dieses Stück entschieden?

MH: Wir haben verschiedene Operetten geprüft, wobei ich noch einmal Balász Kovalik erwähnen möchte, der Unbezahlbares für unser Haus geleistet hat. Wir wollten ein unbekanntes Stück machen und uns nicht aus dem Kanon, der immer wieder gespielten Operetten, bedienen. Diese ganze Recherche unternahm Balász. Er fuhr nach Budapest in die Archive, immer wieder. Balász und mir war dann sehr schnell klar, dass wir mit der Operette Herbstmanöver, die meines Wissens achtzig Jahre nicht gespielt wurde, einen Schatz bergen können. So einen Fund wie diesen, macht man vielleicht ein Mal alle zehn Jahre, und bei den Proben hat sich das mehr und mehr bewahrheitet.

LOH: Warum verschwand dann diese Operette aus dem Repertoire? Kálmán war, auch wenn er es nicht zunächst nicht glauben wollte, mit dem Stück durchaus erfolgreich?!

MH: Super erfolgreich. Hunderte Male en Suite in Budapest, in Wien und in Berlin, wobei es in den jeweiligen Städten leicht unterschiedliche Fassungen gab. Wir haben in unsere Aufführung auch Musik aus der nicht gedruckten Budapester Uraufführung genommen – ein Duett von unfassbarer Schönheit für die beiden Hauptpartien Lörenthy und Riza komponiert. Alleine dieses Duett zu hören, lohnt bereits den Besuch der Vorstellung.

Warum das Stück aber, nachdem es ein Erfolg war, nicht mehr gespielt wurde, kann ich nur erahnen. Ein Erklärungsansatz könnte sein, dass diese Tartaren- und Husarengeschichte nach dem 1. Weltkrieg, als die Tartaren ins Giftgas geritten und umgekommen sind, nicht mehr gespielt werden konnte. Im ungarischen Original heißt das Stück Tatárjárás – ‚Tatarenplage’, weil die Tataren angeblich weniger ans Kämpfen dachten, sondern lieber ans Tanzen und an Frauen. Sie ziehen die feschen Uniformen an, weil sie damit bei den Frauen gut ankommen. Kálmán hat danach weiter komponiert und u.a. mit der Csárdásfürstin und der Gräfin Mariza sein geniales Erstlingswerk in gewisser Weise in den Schatten gestellt hat.

LOH: Ist nicht gerade die sogenannte „leichte Muse“ eine besonders schwere Angelegenheit?

MH: Die Operette braucht das Witzige. Und das soll jetzt kein Widerspruch zu dem sein, was ich vorher sagte, dieser Sprung von der Kirchenmusik zur leichten Muse und auch meine Erfahrung am Wiesbadener Theater, wo ich meine ersten Jahre nach dem Studium als Kapellmeister verbracht habe, ist: Dass es leichter sein kann, sich Tragödien und all diesen großen Themen zu nähern, als der leichten Muse. Verdi war, zumindest für mich, lange Zeit zugänglicher als Rossini. Es braucht vielleicht Lebenserfahrung, damit man das Augenzwinkernde verstehen kann, und das ehrliche, wahrhaftige menschliche Gefühl mit dem Leichtfüßigen und dem Esprit verbinden kann. Wenn das gelingt, ist das ganz besonders beglückend.

LOH: Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Sind Sie mit dem Linzer Operettenkomponisten Igo Hofstetter verwandt?

MH: Leider nicht, wäre schön. Es ist eine typische Musik der 50er Jahre, schöne Musik, aber ganz fein gemacht. Und er ist der geistige Erbe von Kálmán. Seine Musik ist sehr bläserlastig, dazu ein beschwingtes Schlagzeug, und schon fängt das Blech an zu tanzen. Eine ganz wunderbare Musik. Aber – meine Vorfahren kommen vom Chiemsee – wir  sind zu meinem großen Bedauern weder verwandt noch verschwägert. Schade.

LOH:  Herr Hofstetter, ich danke Ihnen für das anregende Gespräch

—| IOCO Interview Stadttheater Giessen |—

 

Mörbisch, Seefestspiele Mörbisch, Gala 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch, IOCO Aktuell

Seefestspiele Mörbisch

Seefestspiele Mörbisch / Gala - 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Gala – 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

 „60 Jahre Seefestspiele Mörbisch“

Gala im Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt

Die Feierlichkeiten des Jubiläumsjahres der Seefestspiele Mörbisch gipfelten am 3. November 2017 in einer großen Gala im Kultur Kongress Zentrum Eisenstadt. Zahlreiche Festgäste waren der Einladung der Seefestspiele Mörbisch gefolgt..

Die Seefestspiele Mörbisch feiern heuer ihr 60-jähriges Bestandsjubiläum. Aus diesem Anlass wurde im Rahmen der Gala mit all jenen gefeiert, die diese sechs Jahrzehnte maßgeblich mitgestaltet haben. Gefeiert wurde mit einem abwechslungsreichen Programm, das ganz im Zeichen der 60-jährigen Geschichte der Seefestspiele Mörbisch stand. Das musikalische Programm bestritt das Orchester der Seefestspiele Mörbisch unter der Leitung von Guido Mancusi und die Solisten Vida Mikneviciuté, Alexander Geller und Andreas Sauerzapf.

Seefestspiele Mörbisch / Gala - 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

Seefestspiele Mörbisch / Gala – 60 Jahre Seefestspiele Mörbisch © Seefestspiele Mörbisch / Jerzy Bin

LR Helmut Bieler, Präsident der Seefestspiele Mörbisch, und Vize-Präsidentin LRin Astrid Eisenkopf betonten im Gespräch mit Gerhard Krammer, dem Moderator der Gala, die kulturelle, touristische und wirtschaftliche Wichtigkeit der Seefestspiele für die Region und weit darüber hinaus. Die Seefestspiele Mörbisch sind in den ersten 60 Jahren ihres Bestehens aus einem kleinen nordburgenländischen Festspielort zu einem internationalen „Festival“ mit rund 400 Beschäftigten und mehr als 100.000 BesucherInnen pro Saison gewachsen.

Klassische Inszenierungen, klassische Bühnenbilder und klassische Kostüme sind bis heute Garant für den Erfolg der Seefestspiele Mörbisch. Die Seefestspiele gelten nach wie vor als die Pflegestätte der Wiener Operette, als jener Ort, wo man Operette so spielt, wie es das Publikum liebt und erwartet. Zu den Festgästen der Gala zählten große Künstler und Publikumslieblinge der letzten 60 Jahre, u.a. Dagmar Koller, Silvana Dussmann, Gaby Bischof, Sona Ghazarian, Zoryana Kushpler, Sigrid Martikke, Ursula Pfitzner, Alexandra Reinprecht, Katrin Fuchs, Cornelia Zink, Mehrzad Montazeri, Horst Lamnek, Gerhard Ernst, Peter Horak.

Peter Edelmann, seit September Künstlerischer Direktor der Seefestspiele Mörbisch, hatte im Rahmen der Gala seinen ersten großen offiziellen Auftritt in seiner neuen Funktion und gab einen Ausblick auf die kommenden Entwicklungen des weltweit größten Operetten-Festivals. „Als neuer Künstlerischer Direktor bin ich bestrebt, die kommenden Produktionen zu etwas Besonderem zu machen. Es liegt mir sehr viel daran, diese urösterreichische Musiktheaterform, der ich mich seit Beginn meiner Karriere sehr verpflichtet fühle, auch international zu fördern.“

In der Saison 2018 bringt Edelmann mit Emmerich Kálmáns Gräfin Mariza eine der meistgespielten und beliebtesten Operetten aus der goldenen Operettenära auf die Seebühne. „Der Bühnenbildentwurf von Manfred Waba verspricht schon jetzt etwas ganz Spezielles zu werden. Die Besetzung setzt sich einerseits aus Publikumslieblingen wie Andreas Sauerzapf und SängerInnen, die auf der Seebühne debütieren werden, darunter Vida Mikneviciuté und Alexander Geller, zusammen„, freut sich Peter Edelmann auf seine erste Mörbisch-Saison. PMSFMö

Gräfin Mariza:  Festspiele 12. Juli bis 25. August 2018

Seefestspiele Mörbisch –  Karten Hier 
Karten Kaufen

Nächste Seite »