Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Die Czárdásfürstin: Produktion mit Verve, IOCO Kritik, 15.01.2014

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Deutsche Oper am Rhein

Düsseldorf Opernhaus © IOCO

Düsseldorf Opernhaus © IOCO

Esprit und Varieté: Glücklich ist, wer…dabei gewesen ist!

Vor fast 100 Jahren, 1915, mitten im ersten Weltkrieg, wurde die Czárdásfürstin,  erfolgreichste Operette von Emmerich Kálmán, uraufgeführt. Im Johann-Strauß-Theater, einem Wiener Operettentheater wurde die Czardásfürstin bis 1917 über 500-mal gespielt. Die Silberne Operettenära mit den Komponisten Franz Léhar, Leo Fall, Emmerich Kálmán, Ralph Benatzky erreichte im 1. Weltkrieg ihren Zenit. Das Johann-Strauß-Theater überlebte nicht, 1960 wurde es abgerissen. Die Czárdasfürstin reussiert  unbeirrt weiter auf vielen Bühnen der Welt.

Komponist Emmerich Kálmán (1882 – 1953) genoss in jungen Jahren die Halbwelt des Varietés, sie inspirierte ihn. So schuf er eine lebensnahe Czárdásfürstin: Seine Sylva Varescu, Chansonette und Czárdásfürstin, lebt in der prallen Glitzerwelt des Varieté, sehnt sich nach bürgerlicher Geborgenheit. Träumend realisiert sie mit melancholischer Wehmut, dass die Liebe zu ihrem Verehrer Edwin aus gehobenem Stand scheitern muss. Die männlichen Protagonisten der Operette werden in wirklichkeitsnahen Mustern gezeichnet: Sie agieren standesgemäß, leichtlebig oder treuherzig; zu wenig, um Sylvas Nöte zu lindern.

Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli (Féri Bácsi) und N. Kovalova als Sylva Varescu © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli (Féri Bácsi) und N. Kovalova als Sylva Varescu © Hans Jörg Michel

Regisseur Joan Anton Rechi zeichnet in seiner zeitlos modernen Inszenierung pralle Lebensfreude und Scheinwelt des Varieté unterhaltend filigran. k.u.k. leuchtet immer wieder ironisch durch. Klamottig flaches: Fehlanzeige. Schon zur Ouvertüre wird die  emotionale Ambivalenz der Chansonette Sylva Varescu angedeutet: Der sich öffnende Bühnenvorhang gibt den Blick frei auf eine Putzfrau mit Besen und Putzwagen, welche im Dämmerlicht traumverloren den blanken Boden eines Ballsaales wischt. Reale Welt. Zum Ende der Ouvertüre senken sich aus der glitzernden Decke „Illusionstreppen“, (so Regisseur Rechi) auf welchen die Putzfrau hinauf in die Scheinwelt steigt um Momente später gleißend umstrahlt als strahlende Chansonette in den Ballsaal zurückzukehren. Traum und Wirklichkeit der Sylva Varescu verkehren in dauerhaft spürbarem Wechselspiel.

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Weitere Vorstellungen der Czárdásfürstin:   Opernhaus  Düsseldorf:  19.1.2014 15 Uhr;  7.2.2014; 13.2.2014; 20.2.2014; 26.4.2014
Theater Duisburg:  8. Mai 2014;  23.5.2014; 19.6.2014

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Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli, Frey und Tänzerensemble © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli (Féri Bácsi) und N. Kovalova als Sylva Varescu © Hans Jörg Michel


Kálmáns
Operette lebt hauptsächlich von der Musik. Seine Evergreens „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“, „Die Mädis von Chantant“, Machen wir´s den Schwalben nach“, „1000 kleine Engel“ und mehr erleichtern guten Regisseuren ihr Handwerk. Und Rechi ist ein guter Regisseur: Er verzichtet auf altklug  belehrendes Regietheater   sondern schmiegt Choreographie (Amelie Jalow), Varietéleben, (Kostüme Sebastian Ellrich) Tänze, Wortwitz sinnlich wie beschwingt in und um die Musik. Das Publikum wirkt hin und her gerissen zwischen Staunen und Mitklatschen.

Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli (Féri Bácsi) und N. Kovalova -Sylva Varescu © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Czárdásfürstin, Balmelli (Féri Bácsi) und N. Kovalova als Sylva Varescu © Hans Jörg Michel


Lukas Beikircher
und seine Düsseldorfer Symphoniker, wenn auch unsichtbar im Orchestergraben, hatten großen Anteil an dem gelungenen Abend: Mit feinem Gespür schaffen sie einen lebendigen aber sensiblen Operettenausdruck, unaufdringlich zu den Sängern, Emotionen subtil übertragend. Die  Kommunikation zwischen Orchester und Gesang funktionierte. Wie auch Ensemble und Chor überzeugten: Nataliya Kovalova dominierte in ihrer großen, zentralen Partie der Sylva Varescu mit weithin spürbarer Melancholie und sicherem, schönem Sopran und starker darstellerischer Präsenz.  Sie wurde  gestützt durch einen hervorragend disponierten Bruce Rankin als Edwin, welcher mit wohl timbrierter Höhe prunkt. Doch auch Florian Simpson als Graf Boni überzeugte, wie seine heimliche Geliebte, Alama Sadé als Komtesse Stasi, mit sensibel geführtem, lyrischen Sopran. Peter Nikolaus Kante als grantiger Fürst Lippert-Weylersheim, Barbara Olschner als Anhilte, seine hüftschwingende Frau und Bruno Balmelli als Feri Bacsi runden eine glänzende Vorstellung   stimmlich und darstellerisch ab.

Eine gelungene Inszenierung, ein begeistertes Publikum: Die Czárdásfürstin wird wohl auf Jahre zum festen Bestand des Rheinoper-Repertoires. Besuchte Vorstellung: 12.01.2014

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Weitere Vorstellungen der Czárdásfürstin:  Opernhaus  Düsseldorf: 19.1.2014 15 Uhr; 7.2.2014; 13.2.2014; 20.2.2014; 26.4.2014
Theater Duisburg:  8. Mai 2014; 23.5.2014; 19.6.2014


IOCO / Viktor Jarosch / 15.01.2014

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