Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Aktuelles 2019/20 – Spielzeit 2020/21, IOCO Aktuell, 07.04.2020

Staatsoper unter den Linden

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Im Traum © Max Lautenschläger

Staatsoper Unter den Linden – Aktuelles – Spielzeit 2020/21

Staatsoper-Intendant   Matthias Schulz   –  stellt vor

Staatsoper Unter den Linden / Intendant Matthias Schulz © Martin Lengemann, Welt24

Staatsoper Unter den Linden / Intendant Matthias Schulz © Martin Lengemann, Welt24

Gerade in diesen schwierigen Zeiten möchte die Staatsoper Unter den Linden den Blick nach vorne richten und Ihnen heute das Programm der Saison 2020/21 vorstellen. Ruhelosigkeit ist das Schlagwort, das über der Saison 2020/21 steht: Sie treibt die Menschen an und lässt sie nicht stillstehen. Durch Ruhelosigkeit entsteht Dynamik. Auch Ruhe ist von Bewegung nicht losgelöst. In-sich-Ruhen ist nicht mit Stillstand zu verwechseln. Ohne Bewegung ist keine Ruhe denkbar und umgekehrt. Verzögerung oder Langsamkeit können ebenso zu Fortschritt und Veränderung führen. Wer hätte gedacht, dass dieser Ausgangspunkt in der heutigen Situation aktueller ist denn je?

Aufgrund der durch die Corona-Pandemie bedingten Entwicklungen nach Druckschluss der – schon veröffentlichten – Programmvorschau müssen im Spielplan 2020/21 der Staatsoper Unter den Linden Anpassungen vorgenommen werden. Das betrifft:

  • CHOWANSCHTSCHINA: Die Produktion kommt 2020/21 noch nicht, an den geplanten Terminen wird nun eine Wiederaufnahme von Verdis MACBETH stattfinden.
  • IDOMENEO: Die schon für die Spielzeit 2019/20 geplante Neuproduktion (entfällt) wird zur Premiere der Spielzeit 2020/21. Es wird dabei leichte Terminänderungen geben.
  • COSÌ FAN TUTTE: Ob die Produktion (die Premiere war für die Spielzeit 2019/20 geplant)  in 2020/21 zu den geplanten Wiederaufnahmeterminen als Premiere stattfinden kann, wird derzeit noch geprüft. Diese Information wird rechtzeitig vor dem vorgezogenen Vorverkaufsbeginn für Abonnements und FESTTAGE-Zyklen am 25. April 2020 bekannt gegeben
  • Über die genauen (Termin-)Änderungen informiert  staatsoper-berlin.de.

Macbeth – 2020/21 wieder an der Staatsoper
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Besondere Akzente setzen in der neuen Saison sieben Premieren im Großen Haus, das Format LINDEN 21 (mit vier Produktionen, darunter eine Uraufführung), die dritten BAROCKTAGE (13. bis 22. November 2020) sowie die FESTTAGE (26. März bis 5. April 2021). Ebenso gehören 26 wiederaufgenommene Musiktheaterwerke sowie mehr als 90 Konzerte zum Kern des Spielplans. Insgesamt präsentiert die Staatsoper Unter den Linden 2020/21 rund 360 Veranstaltungen, zudem zahlreiche Projekte der Jungen Staatsoper. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir zudem dem Jubiläum der Staatskapelle Berlin, die ihr 450-jähriges Bestehen feiert: Eine Festwoche vom 5. bis 12. September 2020 wird hierbei den Höhepunkt bilden.

PREMIEREN

Mit dem Engagement von Barbara Wysocka, Satoshi Miyagi, Calixto Bieito, Damiano Michieletto, Lydia Steier und Vincent Huguet werden alle Premieren der Spielzeit 2020/21 im Großen Haus von Regisseurinnen und Regisseuren inszeniert, die erstmals an der Staatsoper Unter den Linden arbeiten. Als siebte Premiere wird die ursprünglich für die aktuelle Spielzeit 2019/20 geplante Neuproduktion von Mozarts IDOMENEO in der Regie von David McVicar nachgeholt. Bei LINDEN 21 werden zudem Simon Steen-Andersen, Swaantje Lena Kleff und Barbora Horáková Joly ihr Hausdebüt geben.

Die Eröffnungspremiere der Spielzeit wird am 3. Oktober 2020 Luca Francesconis QUARTETT sein, in der Regie von Barbara Wysocka, dirigiert von Daniel Barenboim. Die Zweipersonen-Oper nach Heiner Müllers gleichnamigem Schauspiel, das auf dem berühmten Briefroman Gefährliche Liebschaften von Choderlos de Laclos basiert, wurde 2011 in englischer Sprache uraufgeführt und wird nun erstmals in einer deutschen Fassung auf die Bühne gebracht. Es singen Mojca Erdmann (Marquise de Merteuil, Rollendebüt) und Thomas Oliemans (Vicomte de Valmont, Haus- und Rollendebüt).

Staatsoper Unter den Linden / 2017 - als die Oper saniert wurde - hier die Bühne © IOCO

Staatsoper Unter den Linden / 2017 – als die Oper saniert wurde – hier die Bühne © IOCO

Der Mozart-Da-Ponte-Zyklus, der ursprünglich bei den diesjährigen FESTTAGEN 2020 mit COSÌ FAN TUTTE beginnen sollte, startet nun im kommenden Jahr bei den FESTTAGEN 2021 mit der Premiere von LE NOZZE DI FIGARO (Premiere: 27. März), in der Regie von Vincent Huguet und unter der musikalischen Leitung von Daniel Barenboim. Zum Ensemble zählen u. a. Elsa Dreisig (Gräfin Almaviva, Rollendebüt), Nadine Sierra (Susanna), Marianne Crebassa (Cherubino), Waltraud Meier (Marcellina), Gyula Orendt (Graf Almaviva, Rollendebüt), Riccardo Fassi (Figaro), Siegfried Jerusalem (Don Curzio) und Stephan Rügamer (Basilio).

Darüber hinaus wird Daniel Barenboim während der FESTTAGE die Wiederaufnahme von Wagners PARSIFAL in der Regie vonDmitri Tcherniakov musikalisch leiten sowie bei den FESTTAGE-Konzerten in Erscheinung treten: als Dirigent der Wiener Philharmoniker und der Staatskapelle Berlin sowie in der Doppelfunktion als Dirigent und Pianist bei Mozarts Konzert für zwei Klaviere und Orchester Es-Dur KV 365 sowie als Solist bei einem Duo-Recital, beides gemeinsam mit Martha Argerich. In der Spielzeit 2020/21 wird der Generalmusikdirektor außerdem vier Abonnementkonzerte der Staatskapelle Berlin gestalten sowie im Rahmen der Festwoche »450 Jahre Staatskapelle Berlin« das FESTKONZERT und das Open-Air-Konzert im Rahmen von STAATSOPER FÜR ALLE auf dem Bebelplatz dirigieren. Des Weiteren steht er bei einem KONZERT FÜR BERLIN, bei den Konzerten zum Jahreswechsel und bei den Gastspielen nach Paris, Wien und Athen am Pult der Staatskapelle Berlin.

Staatsoper Unter den Linden / Der Besucherraum © Marcus Ebener

Staatsoper Unter den Linden / Der Besucherraum © Marcus Ebener

Zu den weiteren Premieren der Saison 2020/21 zählen Wagners LOHENGRIN (Premiere: 13. Dezember 2020) in der Regie von Calixto Bieito und unter der musikalischen Leitung von Matthias Pintscher, mit Roberto Alagna in der Titelrolle und Sonya Yoncheva als Elsa von Brabant, die beide hiermit ihr Rollendebüt geben. Zum weiteren Ensemble zählen René Pape (Heinrich der Vogler), Martin Gantner (Friedrich von Telramund) und Ekaterina Gubanova (Ortrud). Zusammen mit TANNHÄUSER und DER FLIEGENDE HOLLÄNDER als Wiederaufnahmen sind die drei romantischen Opern Wagners in der kommenden Spielzeit vertreten.

Mit der Premiere von JENUFA (Premiere: 14. Februar 2021) setzt Simon Rattle seine Auseinandersetzung mit zentralen Werken von Janácek an der Staatsoper Berlin fort. Inszeniert wird die Neuproduktion von Damiano Michieletto. Mit der Staatsoper Unter den Linden verbindet JENUFA eine besondere Beziehung, da die Berliner Erstaufführung 1924 unter Erich Kleiber, bei der auch Janácek selbst anwesend war, dem Werk den endgültigen Durchbruch auf deutschen Bühnen brachte und die Berliner Janácek-Tradition begründete. Zu erleben sind u. a. Camilla Nylund, die ihr Debüt in der Titelrolle gibt, Evelyn Herlitzius (Küsterin Buryjovka), Stuart Skelton (Laca Klemen) und Ladislav Elgr (Števa Buryja). Flankierend zu dieser Neuproduktion wird Musik von Janá?ek auch bei den Kammerkonzerten mit Musikerinnen und Musikern der Staatskapelle Berlin im Fokus stehen.

Giacomo Puccinis LA FANCIULLA DEL WEST (Premiere: 13. Juni 2021), inszeniert von Lydia Steier und dirigiert von Antonio Pappano, wird erstmals an der Berliner Staatsoper zu erleben sein. Puccinis »Wild-West-Oper«, die zu Hochzeiten des Goldrauschs in der kalifornischen Einöde spielt, zeichnet ein treffendes Porträt einer Welt voller Entbehrungen und geplatzter Träume. Es singen u. a. Anja Kampe (Minnie), Yusif Eyvazov (Dick Johnson) und Michael Volle (Jack Rance, Rollendebüt). Ergänzt wird diese Neuproduktion im Repertoire durch eine Trias der bekannten Puccini-Opern LA BOHÈME, TOSCA und MADAMA BUTTERFLY.

Staatsoper Unter den Linden / GMB Daniel Barenboim © Holger Kettner

Staatsoper Unter den Linden / GMD Daniel Barenboim © Holger Kettner

MITRIDATE, RE DI PONTO, Mozarts frühe Opera seria, ist die BAROCKTAGE-Premiere am 13. November 2020. Inszeniert wird sie von Satoshi Miyagi, der in seiner Inszenierung eine Brücke zwischen der westlichen Theatertradition und der Ästhetik des japanischen Kabuki-Theaters schlägt. Die musikalische Leitung übernimmt Marc Minkowski. Zum Ensemble zählen u. a. Pene Pati, der in der Titelrolle sein Haus- und Rollendebüt gibt, sowie Julie Fuchs (Aspasia, Haus- und Rollendebüt), Elsa Dreisig (Sifare, Rollendebüt), Jakub Józef Orlicski (Farnace, Rollendebüt) und Anna Prohaska (Ismene, Rollendebüt). Es spielen Les Musiciens du Louvre.

Die BAROCKTAGE finden 2020 vom 13. bis 22. November statt und richten in ihrer dritten Ausgabe den Blick auf den frühen Mozart, auf Gluck sowie auf den Orpheus-Mythos. Neben der Premiere von Mozarts MITRIDATE, RE DI PONTO sind die Wiederaufnahmen von Glucks ORFEO ED EURIDICE und Monteverdis L’ORFEO zu erleben, zudem eine konzertante Aufführung einer ORFEO-Oper von Carl Heinrich Graun, dem Berliner Hofkapellmeister Friedrichs des Großen. Im Rahmen von LINDEN 21 wird es mit NEVER LOOK BACK – EIN ORPHEUS-FESTIVAL eine Kooperation mit Studierenden von Berliner Kunsthochschulen geben. Daneben stehen ein Roundtable-Gespräch sowie 14 Konzerte auf dem Programm.

LINDEN 21 umfasst die Produktionen und Projekte des Spielplans, die den vielfältigen Formen zeitgenössischen Musiktheaters nachspüren. Neben NEVER LOOK BACK – EIN ORPHEUS-FESTIVAL in Kooperation mit der Universität der Künste Berlin, der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch sowie dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (Premiere: 14. November 2020), wird es mit WALK THE WALK eine Uraufführung von Simon Steen-Andersen geben, der für Komposition, Konzept, Bühnenbild und Licht verantwortlich zeichnet (Uraufführung: 10. September 2020). Elementarer Ausgangspunkt der »Performance für vier Schlagzeuger, Laufbänder, Video, Objekte, Licht und Rauch« ist das »Gehen«. Der dänische Komponist und Installationskünstler Simon Steen-Andersen beschäftigt sich zusammen mit dem Schweizer Schlagzeugerquartett Ensemble This | Ensemble That mit dem Phänomen des Gehens als theatrales wie musikalisches Element und schafft so eine multimediale Performance über Tempo und Bewegung (Produktion und Kompositionsauftrag der Staatsoper Unter den Linden, Musica Strasbourg, Gare du Nord Basel und KLANG Kopenhagen).

Außerdem stehen bei LINDEN 21 die Premiere von Georg Friedrich Haas’ THOMAS in der Regie von Barbora Horáková Joly und dirigiert von Max Renne auf dem Programm (Premiere: 16. April 2021) sowie Lucia Ronchettis PINOCCHIOS ABENTEUER für Kinder ab 6 Jahren, inszeniert von Swaantje Lena Kleff, die musikalische Leitung übernimmt Adrian Heger (Premiere: 17. Januar 2021).

Der Rosenkavalier – von Richard Strauss – an der Staatsoper
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AUSGEWÄHLTE WIEDERAUFNAHMEN

  •  DIE LUSTIGEN WEIBER VON WINDSOR von Otto Nicolai, in der Premierenbesetzung, dirigiert von Daniel Barenboim (September 2020)
  •  TOSCA von Giacomo Puccini mit Angel Blue in der Titelpartie, die damit ihr Hausdebüt gibt (Februar / März 2021)
  • DER ROSENKAVALIER (hier link der IOCO Rezension aus März 2020) von Richard Strauss, inszeniert von André Heller und dirigiert von Simone Young, mit u. a. Camilla Nylund, Günther Groissböck und Nadine Sierra (März 2021)
  • LA BOHÈME von Giacomo Puccini, dirigiert von Rafael Payare und mit Aida Garifullina als Mimì (April / Mai 2021)
  •  LA TRAVIATA von Giuseppe Verdi, dirigiert von Eun Sun Kim und mit Elsa Dreisig als Violetta Valéry (Mai 2021)
  •  WOZZECK von Alban Berg, in der Regie von Andrea Breth, dirigiert von Matthias Pintscher, mit Matthias Goerne in der Titelpartie und Eva-Maria Westbroek als Marie. Die Produktion feierte 2011 im Schiller Theater Premiere und ist erstmals in dieser Inszenierung an der Staatsoper Unter den Linden zu erleben, dem Haus, an dem das Werk 1925 seine Uraufführung erlebte (Mai 2021)
  •  DER FREISCHÜTZ von Carl Maria von Weber wurde 1821 in Berlin uraufgeführt. Zum 200-jährigen Jubiläum steht die Produktion in der Regie von Michael Thalheimer und unter der musikalischen Leitung von Alexander Soddy wieder auf dem Spielplan (Mai / Juni 2021)

—| Pressemeldung Staatsoper unter den Linden |—

Essen, Philharmonie Essen, Rossini-Gala – Jessica Pratt – Xabier Anduaga, 05.03.2020

Februar 21, 2020 by  
Filed under Konzert, Oper, Philharmonie Essen, Pressemeldung

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Philharmonie Essen

Philharmonie Essen / Jessica Pratt© Benjamin Ealovega

Philharmonie Essen / Jessica Pratt © Benjamin Ealovega

Rossini-Gala: Der Barbier von Sevilla, Wilhelm Tell  und mehr

Jessica Pratt – Xabier Anduaga – 5. März, 20 Uhr – Philharmonie Essen

Der Barbier von Sevilla, Wilhelm Tell oder Die Italienerin in Agier – nicht nur Rossini-Fans geraten bei diesen Titeln ins Schwärmen. Bei einer großen Operngala in der Philharmonie Essen präsentieren jetzt zwei prominente Belcanto-Stimmen Arien und Duette aus beliebten Opern von Gioacchino Rossini: Die australische Sopranistin Jessica Pratt und der spanische Tenor Xabier Anduaga sind am Donnerstag, 5. März 2020, um 20 Uhr im Rahmen der TUP-Festtage Kunst? im Alfried Krupp Saal zu Gast. Begleitet werden sie vom Orchester des berühmten Teatro Real Madrid unter der Leitung seines Chefdirigenten Ivor Bolton, der in dieser Spielzeit Artist in Residence der Philharmonie Essen ist. Weitere Rossini-Opern, aus denen an diesem Abend Auszüge erklingen, sind Semiramide, Otello, Matilde di Shabran und Le Compte Ory.

Philharmonie Essen / Xabier Anduaga © privat

Philharmonie Essen / Xabier Anduaga © privat

Jessica Pratt ist regelmäßig auf großen Bühnen wie der New Yorker Metropolitan Opera (Titelpartie in „Lucia di Lammermoor“, Königin der Nacht in „Die Zauberflöte“) oder beim renommierten Rossini-Festival in Pesaro zu erleben. Der junge Tenor Xabier Anduaga wurde erst im vergangenen Jahr mit dem ersten Preis beim bedeutenden, von Placido Domingo gegründeten Operalia Opernwettbewerb ausgezeichnet. Dass er ein herausragender Rossini-Interpret ist, konnte er in jüngster Zeit unter anderem an der Opéra National de Paris (Graf Almaviva in „Der Barbier von Sevilla“) und an der Staatsoper Hamburg (Don Ramiro in „La Cenerentola“) unter Beweis stellen.

Karten (€ 30,00-50,00) und Infos unter T 02 01 81 22-200 und www.philharmonie-essen.de.

Gefördert von der Kulturstiftung Essen

—| Pressemeldung Philharmonie Essen |—

Hannover, Staatsoper Hannover, Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini, IOCO Kritik, 18.02.2020

Februar 18, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, StaatsOper Hannover

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Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini

– (K)eine haarige Angelegenheit – 

von Christian Biskup

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Gioacchino Rossini in Paris © IOCO

Mit nur 23 Jahren schrieb Gioacchino Rossini sein wohl bekanntestes Werk Il Barbiere di Siviglia – und wenn nicht in der legendären Dauer von 13 Tagen, so doch wohl in wenigen Wochen. Die Premiere 20. Februar 1816 in Rom war ein Fiasko – von dem sich Rossini und das Werk nach der Komödie Le Barbier de Séville ou La précaution inutile von Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, aber glücklicherweise schnell erholten. Bis heute feiert das Werk einen Siegeszug über die Bühnen – so auch in der Produktion des Staatstheaters Hannover. Es ist schon erstaunlich, wie gut der gut 200 Jahre alte Humor auch noch heute funktioniert und das Publikum mitreißt. Das Libretto von Cesaren Sterbini ist temporeich, gut nachverfolgbar und vor allem im seinem Aufbau und Gestaltung auch für heutige Inszenierungen ungemein dankbar:

 

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais Paris © IOCO _ Felix

Pierre Augustin Caron de Beaumarchais Paris © IOCO _ Felix

Graf Almaviva hat sich in die ihm unbekannte Rosina verliebt, die unter der Fuchtel des Doktor Bartolo gehalten wird, der sie selber gerne ehelichen möchte. Da passt es gut, dass der stattbekannte Barbier Figaro Zugang zum Hause Bartolos hat und verspricht – gegen ein schönes Sümmchen selbstverständlich – den Grafen in das Haus des Doktors einzuschleusen. Dort im Haus rechnet man schon mit dem Nebenbuhler und es wird kräftig überlegt, wie man diesen loswerden könnte, wobei sich auch der Musiklehrer Basilio eifrig engagiert. Rosina hat derweil schon einen Liebesbrief an den sich als mittelloser Student Lindoro ausgebenden Grafen geschrieben. Dieser – nun in der Rolle eines betrunkenen Soldaten – bittet um Einquartierung im Hause des Doktors. Ein Bescheid, dass Bartolo von der Pflicht der Einquartierung befreit sei bringt das Fass zum Überlaufen.

Der Barbier von Sevilla – Gioacchino Rossini
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Lärm und Zank bringt die Wache auf den Plan. Der Graf gibt sich jedoch dieser zu erkennen und wird – zur Überraschung der Anwesenden – freigelassen. Im zweiten Akt wagt sich der Graf als Vertretungsmusiklehrer Don Alonso erneut in Bartolos Haus. Als Vertrauensbeweis übergibt er dem Hausherrn den Liebesbrief den Rosina geschrieben hat. Nun kann die Gesangsstunde beginnen. Als Bartolo ein romantisches Lied an sein Mündel anstimmen möchte, unterbricht Figaro die Szene – die Rasur ist an der Reihe. Doch da taucht der gar nicht kranke Basilio auf. Die Stimmung droht zu kippen, doch mit Geld und Genesungswünschen wird er wieder nach Hause geschickt. Doch Bartolo hat die derweil stattgefundene Verabredung Don Alonsos mit Rosina mitbekommen und wirft sie hinaus. Er zeigt Rosina den Liebesbrief, die sich als Opfer eine Täuschung sieht. Sie willigt in die Heirat mit ihm ein. In der Nacht klärt der Graf noch schnell alles auf – der Heirat steht nichts mehr im Weg!

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Die Handlung wird von Regiesseurin Nicola Hümpel zeitlos in recht abstrakten Räumen angesiedelt. Ein Hof mit Balkon ist angedeutet, ein Raum in Doktor Bartolos Haus, in der Mitte stets eine große Projektionsfläche. Was auf der Bühne von Oliver Proske erstmal trist anmutet, weiß die Regiesseurin, die mit Perfomances und Installationen mehrfach preisgekrönt wurde, mit sehr viel Leben zu füllen. Und doch ist man im Publikum auf die Leinwand fixiert. Mit Kameras wird das bis ins kleinste Detail enstudierte mimische Spiel wie im Kinosaal angeworfen, was besonders zu köstlichen Momenten beim vor Wut zerissen Bartolo führt. Jeder kleine Augenblick des Gefühlslebens wird unmittelbar erfahrbar. Und trotz dieser Fixierung ist die Figurenführung exquisit.

Die Regisseurin nimmt das Tempo des Librettos auf, nutzt die köstliche Situationskomik aus und sorgt doch für große Bilder, so wenn sich Rosina furienhaft gegen die Projektion des übergroßen Bartolos wirft und auch mal der Mittelfinger mehr oder weniger dezent in seine Richtung weist. Die komischen Momente überwiegen doch. Das Publikum lacht lauthals wenn der Barbier die Canzone des Grafen mit seinem Rasier-Lederriemen statt mit der Gitarre begleitet, wenn Figaro zur Rasur einen großen Schaumberg in Bartolos Gesicht klatscht, wenn der Graf als peppiges Prince-Double als Vertretungsmusiklehrer auftaucht und die Gesangsstunde vom zum Klavier umfunktionierten Sofa aus leitet. Alle Figuren werden mit Charakter gefüllt und die Inszenierung zeichnet sich durch eine komische Frische aus, die nichts mit altbackenem Humor zu tun hat. Der einzige wirkliche Minuspunkt sind die Übertitel, die zum Teil verspätet aber vor allem so stark verkürzt sind, dass große Textstellen fehlen, was besonders in den konversationsreichen Rezitativen zu bemängeln ist.

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Staatsoper Hannover / Der Barbier von Sevilla © Sandra Then

Auch in musikalichen Dingen bewegt sich die Staatsoper auf erstklassigem Niveau. Anna-Doris Capitelli kann als Idealbesetzung für die Rolle der Rosina gelten. Ihr angenehm angedunkelter Mezzo nimmt die Koloraturen fließend mit Leichtigkeit. Ihr Stimme ist in allen Lagen klar und direkt, niemals schrill. Spielfreudig wirft sie sich aus den Armen Bartolos in die Arme des Grafen. Dieser wird von dem südafrikanischen Tenor Sunnyboy Dladla gesungen. Wie sein Name schon zu ahnen gibt, ist sein Spiel euphorisch und mitreißend. Sein sehr vibratoreicher Tenor hat Schmelz und Wärme, wobei seine Stärke in den leisen hohen Tönen liegt. Seine Canzonen und Cavantinen gelingen hervorragend mit ihren klar gesungenen Melismen.

Als etwas schrägen Charakter, mit hoch aufgestylten Haaren und rosasamtenen Umhang (Kostüme von Esther Bialas) gibt Hubert Zapiór den leicht exzentrischen Barbier. Stimmlich kann er durch geradezu teils akrobatische Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme punkten. Obgleich sein kraftvoller Bariton in seiner berühmten Arie etwas dem Tempo hinterherhingt, gelingt ihm ein musikalisch überzeugend überschwängliches Rollenportrait, in das er sich vom Spiel her geradezu hineinstürzt. Welch Gegensatz ist da Daniel Miroslaws Basilio, den er elitär und etwas spießig anlegt. Mit einem voluminösen Bass ausgestattet, konnte er besonders mit der La calunnia-Arie überzeugen und sorgt zudem für so manchen Lacher durch sein lebhaftes Spiel im Quintett des zweiten Aktes.

Als spielerischen Höhepunkt ist Frank Schneiders Darstellung des Doktor Bartolo zu bezeichnen. Was der Mensch an verschiedenen mimischen Ausdrucksmöglichkeiten für seine Wut ob des Nebenbuhlers hat, ist schon den Besuch wert. Musikalisch ist besonders die lebhafte Gestaltung seiner Rezitative hervorzuheben. Auch die weiteren Rollen waren rollendeckend besetzt. James Newby gab den Fiorillo, Carmen Fuggis eine ebenfalls wunderbar schräge Berta, Darwin Prakash den Offizier. Eduardo Strausser leitete das klein besetzte Niedersächsische Staatsorchester Hannover sicher, transparent und meistens äußerst sängerfreundlich. Mit Eleganz und Leichtigkeit, aber auch mit italienisches Feuer führte er klanglich angenehm trocken durch die Partitur. Musikalisch und szenisch ein absolut runder Abend.

Das mit 1200 Plätzen ausverkaufte Haus liebte die Vorstellung und brachte tobend und jubelnd Sängern und Orchester lautstakt ihre Begeisterung zum Ausdruck

Der Barbier von Sevilla an der Staatsoper Hannover; die nächsten Termine 21.2.; 7.3.; 15.3.; 30.4.; 7.5.; 9.5. 2020

—| IOCO Kritik Staatsoper Hannover |—

Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Spielplan Überblick Januar 2020

Dezember 2, 2019 by  
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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

 

Sa 04.01. – 19.30 Uhr Theater Duisburg
Wiederaufnahme: „Le Nozze di Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozart

Mozarts „Le Nozze di Figaro“ hat alles, was einen unterhaltsamer Opernabend auszeichnet: Verwirrungen, Verwechslungen und Blamagen. Zentrales Motiv ist wie so oft die Liebe: Die Bediensteten Susanna und Figaro möchten heiraten, doch ihr Dienstherr, der Graf Almaviva, will dies verhindern, solange die hübsche Kammerzofe nicht seine Liebesbeute geworden ist. Hinter dem großen Spaß offenbart sich die große Tragödie: In Mozarts Musik wie auch in da Pontes Libretto tun sich immer auch die Abgründe der menschlichen Seele auf. Regie-Altmeister Michael Hampe inszenierte die Oper in stimmungsvollen klassischen Bühnenräumen und Kostümen von German Droghetti, die musikalische Leitung haben alternierend David Crescenzi und Benjamin Reiners.


Fr 10.01.-19.30 Uhr Theater Duisburg
BALLETTPREMIERE b.42: Balanchine / ?uchean? / Schläpfer

Als metaphorische Reise an einen Ort „voller ferner, dunkler Geheimnisse“ beschreibt Remus ?uchean? seine choreographische Auseinandersetzung mit Anna Thorvaldsdottirs Komposition „Metacosmos“. „Symphonic Poem“ ist seine fünfte Arbeit für das Ballett am Rhein und steht im Zentrum des neuen Ballettprogramms.

Den Anfang macht „Square Dance“ von George Balanchine: 1957 für das New York City Ballet kreiert, entfalten sich zu Musik von Vivaldi und Corelli Tänze voll sprühender Leichtigkeit, virtuoser Beinarbeit, purer Linien, aber auch Leidenschaft und Lyrik. Mit „Reformationssymphonie“ studiert die Compagnie ein Werk aus Martin Schläpfers erster Spielzeit mit dem Ballett am Rhein neu ein: In seiner expressiven Bewegungssprache erzählt es gleichermaßen von Härte und Aggressivität wie von luftigen Höhen, die von aller Erdenschwere befreit scheinen: eine eindringliche Frage nach dem Tanzen an sich, nach der Bewegung und dem, was dahinter steht.

Die Ballettwerkstatt bietet mit Gesprächen und einer öffentlichen Probe am Dienstag, 07.01., um 18.00 Uhr bei freiem Eintritt im Theater Duisburg erste Einblicke in das Ballettprogramm b.42.


Sa 11.01. – 15.00 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Konzert zum Abschluss der Meisterklasse unter der Leitung von Michael Volle

Im Januar und Februar stehen für die Sängerinnen und Sänger des Opernstudios gleich zwei Meisterklassen bei international renommierten Künstlern auf dem Programm: Zu Jahresbeginn wird erstmals Bariton Michael Volle mit dem Opernstudio arbeiten. Zu Beginn der vergangenen Spielzeit war Volle als Mandryka in „Arabella“ in Düsseldorf zu erleben, 2020 steht er u.a. in Berlin, Paris, an der Wiener Staatsoper, der MET New York, dem Teatro alla Scala Milano und bei den Bayreuther Festspielen auf der Bühne. Am 15. Februar folgt die Meisterklasse der vielseitigen argentinischen Mezzosopranistin Bernarda Fink, die als eine der weltweit meist gefragten Lied- und Konzertsängerinnen mit allen bedeutenden Orchestern und Dirigenten zusammenarbeitet und sich zudem seit Jahren regelmäßig auch in Meisterkursen der Förderung  junger Sängerinnen und Sänger widmet.


Di 14.01. – 19.30 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Stephen Harrison & Friends: Eine Robert-Schumann-Soiree

„Kennst Du das Land, in dem die Zitronen blühen“, so beginnt diese Soiree mit dem ersten der neun Lieder nach Goethes „Wilhelm Meisters Lehrjahre“. In die Sprache romantischer Musik transponiert hat sie Robert Schumann. „Es affiziert mich alles, was in der Welt vorgeht!“, schreibt er 1838 an seine zukünftige Frau Clara Wieck. Kurz nach der Hochzeit widmete er sich verstärkt der innigsten musikalischen Form: „Liebesfrühling“ entstand in seinem „Liederjahr“ 1841 gemeinsam mit seiner Frau. Schumann-Kenner und Pianist Stephen Harrison schlägt mit seinen Gesangssolisten und Musikern feinsinnig den Bogen zu Schumanns einzigem Klavierquartett, das nur ein Jahr später entstand und im Leipziger Gewandhaus mit Clara Schumann am Flügel seine Uraufführung erlebte.


Mi 15.01. – 19.30 Uhr Opernhaus Düsseldorf
Wiederaufnahme: „Madama Butterfly“ von Giacomo Puccini

Die japanische Geisha Cio-Cio-San bricht aus Liebe zu dem amerikanischen Marineoffizier Pinkerton mit ihren Traditionen und schlägt den American Way of Life ein. Ihre Familie verstößt sie, er reist ab. Sie ist sich sicher, er wird wiederkommen und mit ihr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten neu anfangen – mit ihr und ihrem gemeinsamen Sohn. Als Pinkerton nach drei Jahren tatsächlich wieder japanisches Land betritt, bringt er seine US-amerikanische Ehefrau mit und kommt nur zurück, um den gemeinsamen Sohn abzuholen. Cio-Cio Sans grausame Desillusionierung und ihr Freitod werden zum erschütternden Zeugnis über die weitreichenden Folgen einseitigen Kulturtransfers. Puccini erzählt unter Verwendung japanischer Originalmelodien und raffinierter Klangmalereien eine „japanische Tragödie“, deren himmelschreiendes Unrecht über alle Kontinente hinweg berührt.


So 19.01. – 11.00 Uhr Foyer des Düsseldorfer Opernhauses
Symphoniker im Foyer: Fledermaus trifft Freunde

Knapp eine Woche vor der Düsseldorfer Premiere der „Fledermaus“ schlagen auch die Herzen der Düsseldorfer Symphoniker im Dreivierteltakt. In ihrer beliebten Kammermusikreihe „Symphoniker im Foyer“ widmen sich 10 Holzbläser*innen und eine Harfenistin gemeinsam mit den Solistinnen Heidi Elisabeth Meier (Sopran) und Kimberley Boettger-Soller (Mezzosopran) diesmal dem Wirken des weltberühmten „Fledermaus“-Komponisten Johann Strauß (Sohn) und seines nicht minder populären Kollegen Jacques Offenbach. In prägnanten Arrangements erklingen die beliebtesten Melodien aus der „Fledermaus“ und den Operetten Jacques Offenbachs neben Strauß? „Frühlingsstimmenwalzer“.


Sa 25.01. – 19.30 Uhr Opernhaus Düsseldorf
PREMIERE: „Die Fledermaus“ von Johann Strauß (Sohn)

„Champagner hat’s verschuldet, tralalalala“, mag sich manch einer gerade nach der Beerdigung des Hoppeditz denken. Der König der Weine ist auch der Brennstoff für die turbulenten Verwicklungen in Johann Strauß? berühmtem Operetten-Klassiker „Die Fledermaus“, der in der bildgewaltigen Inszenierung von Regisseur Axel Köhler nach seiner umjubelten Duisburger Premiere ab Januar endlich auch auf der Düsseldorfer Bühne zu erleben ist. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der respektable Gabriel von Eisenstein, der für ungebührliches Verhalten eine mehrtätige Arreststrafe verbüßen soll. Freund Notar Dr. Falke überredet ihn, Sorgen und Ehefrau Rosalinde noch einmal auf dem rauschenden Maskenfest des Prinzen Orlofsky zu vergessen. Doch auch Rosalinde und ihre vergnügungslustige Reinigungshilfe Adele haben eine Einladungskarte erhalten. Als die Masken fallen, kommt es, wie es kommen muss… nur gut, dass es da noch König Champagner I. gibt, dem man die Schuld geben kann.

Axel Köhler und sein Team machen Gabriel von Eisenstein zu einem umtriebigen Düsseldorfer Lokalpolitiker, der mit dem Bau eines Weltraumbahnhofs der Landeshauptstadt zu neuem Glanz zu verhelfen will. Vor dieser intergalaktischen Kulisse tanzt, singt und spielt ein großes Ensemble aus Hausmitgliedern und Gästen wie dem bekannten Schauspieler Wolfgang Reinbacher als Frosch.

Die Opernwerkstatt bietet mit Gesprächen und einer öffentlichen Probe am Dienstag, 21.01., um 18.00 Uhr bei freiem Eintritt im Opernhaus Düsseldorf erste Einblicke in Strauß? Operetten-Klassiker.

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

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