Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Die Hochzeit des Figaro – Wolfgang A Mozart, IOCO Kritik, 17.09.2020

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Die Hochzeit des Figaro – Wolfgang Amadeus Mozart

Aufbegehren des Individuums gegen das Establishment

von Ingrid Freiberg

Für Mozart war sein Librettist Lorenzo da Ponte ein kongenialer Partner: Eigentlich Emmanuele Conegliano war er der Sohn eines jüdischen Vaters, der zum Katholizismus konvertierte, den Namen da Ponte annahm und seinen Sohn zum Priester ausbilden lassen wollte. Er wurde aber wegen Ehebruch aus der Stadt verbannt und gelangte dank der Einladung des sächsischen Hofdichters Mazzolà über Dresden nach Wien, wo ihn Joseph II zum Librettisten der italienischen Oper ernannte. Sein erster großer Erfolg wurde die Bearbeitung von Beaumarchais‘ Le nozze di Figaro für Mozart.

Die Hochzeit des Figaro – Wolfgang A Mozart
youtube Trailer Hessisches Staatstheater Wiesbaden
[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet ]

Das Stück präsentiert eine zeitlose Liebesgeschichte, eine verspielte Komödie, eine beißende Gesellschaftssatire – und doch greifen alle diese Umschreibungen zu kurz, wollen sie dem Panoptikum an stilistischen und sinnlichen Erfahrungen gerecht werden, die Mozart in seiner Musik entfesselt. Es ist vor allem eines: ein Werk des Umbruchs, ein Stück des stürmischen Drängens nach persönlicher Anerkennung und damit zugleich ein überzeitlich erfahrbares Sinnbild für das Aufbegehren des Individuums gegen das Establishment. Da Ponte und Mozart begannen, sehr ungewöhnlich, ohne Auftrag mit der Arbeit. Der Librettist, den der Kaiser schätzte, vermochte die Vorbehalte zu zerstreuen, indem er ihm versicherte, jeglichen politischen Zündstoff zu entschärfen. Zeitlich wenige Jahre nach dem Barbier angesiedelt steht Figaro, inzwischen wieder Bediensteter im Schloss des Grafen, kurz vor der Hochzeit mit seiner geliebten Susanna, der ersten Kammerdienerin der Gräfin. Der Graf versucht allerdings seinem Diener die Braut abspenstig zu machen, weil er meint, ein altes Herrenrecht wieder geltend machen zu können. Dass es dieses ius primae noctis in Wirklichkeit nie gegeben hat, ist zwar inzwischen erwiesen, aber es veranschaulicht hier sinnbildlich den Machtmissbrauch des Adels, das eindeutige Fehlverhalten des Grafen. Seine Selbstherrlichkeit, Untreue und die Ausnutzung seiner Machtposition wird unverhohlen thematisiert und kritisiert. Mit Le nozze di Figaro verabschiedet sich Mozart endgültig von den Typisierungen der Buffo-Oper und stellt lebendige, emotionsstarke Menschen auf die Bühne. Nach einer Aufführung in Prag schrieb er: „Ich sah aber mit ganzem Vergnügen zu wie alle diese Leute auf die Musick meines Figaro, in lauter Contretanze und teutsche verwandelt, so innig vergnügt herumsprangen. Denn hier wird von nichts gesprochen als vom Figaro, nichts gespielt, geblasen, gesungen und gepfiffen als Figaro, keine Opera besucht als Figaro und ewig Figaro. gewiss große Ehre für mich….“

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro - hier : Benjamin Russel als Graf Almaviva und Anna El-Kashem als quecksilbrige Susanne © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro – hier : Benjamin Russel als Graf Almaviva und Anna El-Kashem als quecksilbrige Susanne © Karl + Monika Forster

Inszenierung und Ausstattung – eine selten dargebotene Harmonie

In Wiesbaden ist anfänglich ein Zeichentrickfilm zu sehen. Anknüpfend an Il barbiere di Siviglia, der am Vorabend Premiere hatte, singt die Maus Jerry die berühmte Kavatine „Largo al factotum della città…“ und triumphiert über den Kater Tom. Eine Vorhersage über das folgende Machtverhältnis zwischen Graf Almaviva und Figaro? Uwe Eric Laufenberg (Inszenierung) macht neugierig! Seine Personenführung ist vortrefflich. Es gelingt ihm, die psychologische Pointierung und die Handlungen der Figuren, auch die sozialen Beziehungen zu vertiefen. Auch gelingt es ihm, deren Persönlichkeit einleuchtend und überzeugend aufzuzeigen. Schon zu Beginn wirkt Susanna egozentrisch und Figaro in den ersten Minuten etwas unbeholfen im Umgang mit seiner Braut. Sie reden aneinander vorbei, das zeigt das erste Duettino. Figaro misst penibel, fast pedantisch den Raum aus, während Susanna von ihrem Schleier spricht. Dabei fragt sie Figaro mit rhetorischem Unterton: „Sieh doch nur, sieh doch nur, meinen Brautkranz!“ Ohne ihr zuzuhören entgegnet er: „Ich schau, ob dieses Bett, das der Graf uns bestimmte, sich hier wohl ausnimmt.

Als er von Susanna vernimmt, dass das großzügige Geschenk zweckgebunden ist, wird er wütend. Die Position von Almaviva wird zusätzlich geschwächt, als Gräfin und Susanna, dem Grafen eine Lektion erteilen, die ihn zur Reue gegenüber seiner Frau bringen soll, indem sie ihn zum Rendezvous mit der als Susanna verkleideten Gräfin locken. Allerdings belastet diese Intrige auch die Beziehung Figaros zu seiner Braut, da er sich aufgrund seiner Unkenntnis betrogen fühlt. Zuletzt klärt sich die Verwirrung auf und die Eintracht zwischen den Paaren wird wiederhergestellt. Zusätzliche Spannung erhält die Handlung durch den Einsatz zahlreicher weiterer Personen, die oft in den ungünstigsten Augenblicken die Handlung kreuzen. Besonders der junge Page Cherubino taucht immer wieder als unberechenbarer Träumer auf, der in seiner unbändigen Leidenschaft für die Frauenwelt, erst Susanna und dann die Gräfin bedrängt, und somit die Eifersucht Figaros und des Grafen herausfordert. Auch der chronisch betrunkene Gärtner Antonio, seine Tochter Barbarina, sowie Bartolo, der Marcellina unterstützt, und Don Basilio, der sich als Ränkeschmied im Auftrag des Grafen versteht, stiften in ihren Nebenrollen zusätzliche Verwirrung. Es bleibt Figaro, der die Rolle des Barbiers von Sevilla mit der des Kammerdieners des Grafen vertauscht – ein Aufsteiger, der es zweifellos noch weit bringen wird. Er ist der Mann, der das Herz auf dem rechten Fleck hat, jeder Situation gewachsen ist, gesellschaftliche Schranken ohne weiteres zu überspringen vermag, von keiner Schwäche befallen ist. Klug zeigt Laufenberg alle politischen Facetten des Le nozze di Figaro auf, ohne die Form der Commedia per musica zu vernachlässigen. Seine Inszenierung ist unaufgeregt und lässt Raum. Das ist ein gelungener Wurf! Hinzu kommt, dass es ihm gelungen ist, ein hochkarätiges Ensemble zu engagieren.

Wie für Il barbiere di Siviglia ist auch das Bühnenbild für Le nozze di Figaro von Gisbert Jäkel und wie in der Premiere am Vorabend in der Zeit angesiedelt. Und auch in dieser Oper gibt es überraschende Umbauten. Die Räume in Schlossatmosphäre mit Barockmöbeln und dem großen champagnerfarbenen Bett der Gräfin, eine Spielwiese für Gräfin, Rosina und Cherubino, mit zarten weißen Vorhängen, die im Wind spielen, sich daran anschließende Kabinette und ein großes Fenster lassen ungebremst das verwirrende Spiel zu. Fürstlich ausgestattet mit einem prächtigen schwarz-goldenen Schreibtisch mit zwei roten Plüschsesseln ist das Empfangszimmer des Grafen. Höhepunkt sind die räumlichen Chancen und Widrigkeiten der Gartenszene: Die hohen Erwartungen der rollentauschenden Protagonisten und ihre Suche mit Taschenlampen nach den gewünschten Partnern endet fatal zwischen niedergetretenen grünen Hecken und in einem in ihnen versteckten Bett. Die Kostüme von Jessica Karge unterstützen die Inszenierung: Benjamin Russell (Graf Almaviva) mit blonder Perücke ist kaum wiederzuerkennen. Er ist standesgemäß angezogen, bis er sich in der Gartenszene wollüstig seine Kleider vom Leib reißen will. Die elegante Gräfin trägt ein rosafarbenes Negligé und ein bordeauxfarbenes Nachmittagskleid. Susanna ist zunächst eine moderne junge Frau, danach eine klassisch gekleidete Kammerzofe. Der hemdsärmelige Figaro mausert sich optisch zu  einem eleganten Herrn. Der kleine, die Damenwelt verzaubernde Cherubino, gewinnt mit seinem Aussehen als Page, Soldat und Kammerzofe wie auch die ebenfalls sehr zierliche Barbarina, die unschuldig mit weißem Kleid und Pferdeschwanz zu entzücken weiß. Marcellina und Bartolo heben sich mit ihren Kostümen ein wenig ab und demonstrieren damit schon vorab ihre Zusammengehörigkeit, während der Intrigant Basilio optisch nichtssagend daherkommt. Schlurfend alkoholseelig mit schiefsitzendem Hut ist Antonio sofort als Gärtner zu erkennen. Inszenierung, Bühnenbild und Kostüme bilden eine selten dargebotene Harmonie…

 Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro - hier : Heather Engebretson als Cherubino und Konstantin Krimmel als Figaro © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro – hier : Heather Engebretson als Cherubino und Konstantin Krimmel als Figaro © Karl + Monika Forster

Untreu aus Prinzip, eifersüchtig aus Stolz…

Benjamin Russell, seit 2014 Ensemblemitglied am Hessischen Staatstheater Wiesbaden, überrascht mit jeder neuen Rolle aufs Neue: Als Graf Almaviva betört er mit seinem warmen beweglichen, kraftvollen Bariton und Zwischentönen auf allerhöchstem stimmlichem Niveau. Eine der schönsten Momente des Abends ist, wenn er vor der Gräfin niederkniet und um Verzeihung bittet, vom ergriffenen Ensemble leise nachempfunden – großartig! Seine Gratwanderung zwischen lächerlichem Schürzenjäger und ernstzunehmendem Graf ist überzeugend, eine differenzierte Charakterzeichnung, in der sich fleischliche Begierde mit kultivierten und galanten Zügen mischt.

Zweifellos gehören die Arien „Porgi, amor, qualche ristoro“ und „Dove Sono i bei momenti“, die verdeutlichen, wie sehr die Gräfin durch die Ablehnung ihres Ehemanns verletzt ist, zum Schönsten und Lyrischsten, was je komponiert wurde. Slávka Zámecníková  ist eine höhensichere Gräfin und findet wunderschöne Farben der Sehnsucht mit nobler Melancholie. Sie gibt der Figur einen großen Reichtum an Emotionen. Sie ist eine Gräfin, die fühlt und mitfühlen lässt. Anna El-Khashem, die quecksilbrige Susanna, die an vielen Ensembles (6 Duette, 2 Terzette) beteiligt ist und über Cherubino zweideutig sagt „Oh, in Wahrheit macht er alles gut, was er macht.“ und zur Gräfin „Frauen wie ich haben solche Leiden nicht!“ ist keck und souverän in dieser Rolle. Letztlich hat sie alle Fäden in der Hand. Ausgestattet mit einer brillanten Stimmtechnik, einer Leichtigkeit auch in der hohen Lage, hat ihr Sopran großen klanglichen Facettenreichtum.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro - hier : Kosntantin Krimmel als Figaro und Franziska Gottwald als Marcellina © Karl + Monika Forster

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Die Hochzeit des Figaro – hier : Kosntantin Krimmel als Figaro und Franziska Gottwald als Marcellina © Karl + Monika Forster

Konstantin Krimmel, ein junger, schlanker, beweglicher Figaro, spricht gleich zu Beginn seiner Kavatine „Se vuol ballare“ vom „Contino“ (Gräfchen), und überspielt damit die soziale Kluft zwischen beiden. Das ist revolutionär, weniger durch die ironische Kampfansage an den Herrn als durch die Siegesgewissheit des überlegenen Dieners. Er verkehrt das Rollenverhältnis, macht sich zum Lehrer und den Grafen zu einer Person, die von ihm lernen kann, prangert auch die Falschheit der Frauen und die Dummheit der Männer an. Und schließlich ist der berühmte Monolog Figaros zu nennen: „Was haben Sie denn getan, um so viele Vorzüge zu verdienen? Sie machten sich die Mühe, auf die Welt zu kommen, weiter nichts; im Übrigen sind Sie ein ganz gewöhnlicher Mensch; während ich, zum Teufel, ein Kind aus der obskuren Menge, nur um zu leben mehr Witz und Verstand aufbringen musste, als man seit hundert Jahren auf das Regieren ganz Spaniens und seiner Länder verwandt hat.“, eine zu dieser Zeit sehr gewagte Aussage. Krimmel gestaltet die Rolle des Figaro derart souverän, dass er, kaum dass seine Stimme ertönt, die Szene beherrscht.

Wenn, wie bei Heather Engebretson, Optik und Stimme zusammenkommen, erblüht der kleine Adonis Cherubino als ein erotischer Schmetterling. Allein wie sie in ihrer ersten Arie ihrer Verwirrung Ausdruck verleiht, was sie vor ständiger Verliebtheit tun soll, war eine stimmliche und charakterisierende Meisterleistung. Ihr jünglinghaftes Liebesbegehren lässt die Gräfin aufstöhnen. Mit ihrer umwerfenden Bühnenpräsenz und Spielfreude ist Engebretson sehr authentisch. Gepaart mit einem unverwechselbaren charakteristischen Timbre ist sie einer der Stars des Abends. Franziska Gottwald als Marcellina zunächst nur eine Buffo-Figur, wird zu einer glücklichen hingebungsvollen Mutter und Braut. Köstlich wie sie Cherubino in der Gartenszene den Wein versagt, selbst aber aus der Flasche trinkt und über die Bühne torkelt. Ihr warmer, in der Tiefe anregender Mezzo, der sowohl Bosheit als auch Glück im fulminanten Trubel zeichnet, ist äußerst variabel. Eine Luxusbesetzung für einen Bartolo ist der herrlich markante Wolf Matthias Friedrich – imposant, sicher im Ton und angenehm im Klang, verbunden mit großer szenischer Ausstrahlung. Wie immer füllt Erik Biegel mit tenoraler Helligkeit eine Rolle mit großer Spielfreude. Sein Basilio ist fies und liebedienerisch. Wolfgang Vater, ist ein grölender Antonio mit ausgeprägter Körpersprache und profunden Baritontönen. Im großen Finale des 2. Aktes – beispiellos in seiner dramatischen Steigerung – ist er in die intrigenreiche Handlung mit einbezogen. Schade, dass Worte nicht ausreichen, optische Wahrnehmungen ausreichend zu beschreiben. Stella An passt mit ihrem frischen Sopran und ihrem lustvollen Spiel als jugendlich-naive Barberina ausgezeichnet zu Cherubino, den sie anhimmelt „Und ich werde dich lieben wie ich mein Kätzchen liebe…“ Der Richter Don Curzio wälzt das Gesetzbuch, bis sich herausstellt, dass Figaro der Sohn von Marcellina und Bartolo ist. Osvaldo Navarro-Turres schwimmen mit gut geführtem Tenor die Fälle davon. Der Chor, unter Leitung von Albert Horne, und die Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden sind als Bäuerinnen, Bauern und Diener stimmlich und szenisch stark gefordert. Alle zusammen finden zu einem organisch atmenden Grundton. Fröhlich eilen sie zum Hochzeitsfest und wollen ein Happy End, das angesichts dessen, was in den vier Akten geschieht, unglaubwürdig wird. Es macht immer wieder Freude diesen Chor zu hören.

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Schon die Ouvertüre weckt Schmetterlinge im Bauch

Das Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, unter der Leitung von Konrad Junghänl, lässt trotz deutlicher Verschlankung mit emotionalen Abgründigkeiten aufhorschen. Schon die Ouvertüre weckt Schmetterlinge im Bauch, rasant, aber nicht hektisch dirigiert. Hervorragend das Finale des 2. Aktes, eine in acht Nummern gegliederte, ständig mit veränderten szenischen Situationen konfrontierte, nach den Gesetzen des klassischen Sonatenhauptsatzes entwickelte Ensembleszene. Leicht werden diese Ensembleszenen unterschätzt, sie sind im Zusammenspiel ungemein anspruchsvoll und erfordern ein sehr genaues Aufeinanderhören und Reagieren. Pointiert die von Mozart so geliebten Holzbläser. Besonderes Augenmerk richtet Junghänl auf das Finale, gefühlvoll der melancholisch eingetrübte Moment von nur vier Takten im Pianissimo vor dem Rausschmeißer, in dem Mozart die scheinbar wiederhergestellte Harmonie Lügen straft. Gerne zitiere ich auch Volker Milch, Wiesbadener Kurier, „die Figaro-Besetzung gehört zum Besten, was man (nicht nur) in diesem Staatstheater in den vergangenen 30 Jahren gehört hat…“

Ein begeistertes – nein, tief beeindrucktes Publikum spendet langen Applaus. Die Besucher gehen aus dem Theater, beglückt und mit leuchtenden Augen.

Die Hochzeit des Figaroam Hessischen Staatstheater Wiesbaden; die weiteren Vorstellungen: 16.9.; 18.9.; 20.9.; 25.9.; 23.10.; 21.11.; 9.12.2020 und mehr …..

—| IOCO Kritik Hessisches Staatstheater Wiesbaden |—

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, RIGOLETTO – Giuseppe Verdi, 30.01.2020


Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

RIGOLETTO –  Giuseppe Verdi
Libretto von Francesco Maria Piave

Premiere: 30. Januar 2020

Bereits im Dezember begann Regisseur Herbert Föttinger gemeinsam mit den Solistinnen und Solisten des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit der Arbeit an Rigoletto. Am 30. Januar 2020 feiert die Neuinszenierung von Verdis Meisterwerk Premiere am Staatstheater am Gärtnerplatz.

Der Herzog von Mantua liebt das Vergnügen und die Frauen. In seinem Hofnarren Rigoletto hat er einen zynischen Handlanger, denn dem Buckligen ist nichts und niemand heilig – außer Gilda, sein einziges Kind. Um sie vor den Nachstellungen seines Herrn zu bewahren, hält er sie vor aller Welt verborgen. Doch der Fluch des Grafen von Monterone, dessen Tochter vom Herzog entehrt wurde, fällt auf Rigoletto, und ein brutales Schicksal nimmt seinen Lauf.

Rigoletto begründete Giuseppe Verdis Weltruhm als unumschränkter Herrscher über die italienische Oper. Er selbst glaubte, nie wieder etwas so Schönes schaffen zu können. Die auf Grundlage von Victor Hugos atmosphärischem Drama Le roi s’amuse komponierte Oper vereinigt alle Elemente, die das Opernpublikum um 1851 liebte und die auch heute noch begeistern: eine zynische Außenseiterfigur inmitten von Lust und Gewalt, Schuld und Unschuld. In der Inszenierung des Wiener Theaterdirektors und Regisseurs Herbert Föttinger zeigt das Staatstheater am Gärtnerplatz eines der berührendsten und gleichsam schauerlichsten Werke der Opernliteratur.

Musikalische Leitung: Anthony Bramall / Andreas Kowalewitz I Regie: Herbert Föttinger, Choreografie: Karl Alfred Schreiner I Bühne: Walter Vogelweider I Kostüme: Alfred Mayerhofer Licht: Michael Heidinger I Video: Raphael Kurig, Meike Ebert I Choreinstudierung: Pietro Numico Dramaturgie: Fedora Wesseler

Besetzung:
Herzog von Mantua: Lucian Krasznec / Alexandros Tsilogiannis
Rigoletto: Aris Argiris
Gilda: Jennifer O’Loughlin / Ilia Staple
Sparafucile: Levente Páll / Christoph Seidl
Maddalena: Valentina Stadler / Anna-Katharina Tonauer
Graf von Monterone: Christoph Seidl / Timos Sirlantzis
Giovanna: Ann-Katrin Naidu
Marullo: Ludwig Mittelhammer / Daniel Gutmann
Borsa Matteo: Gyula Rab
Graf von Ceprano: Holger Ohlmann
Gräfin von Ceprano: Elaine Ortiz Arandes
Ein Gerichtsdiener: Martin Hausberg
Ein Page der Herzogin: Caroline Adler

Chor des Staatstheaters am Gärtnerplatz Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz

Premiere: 30. Januar 2020, Weitere Vorstellungen: 1./7./9./12./15./22./27. Februar, 4./8. März

—| Pressemeldung Staatstheater am Gärtnerplatz |—

Leoben – Steiermark, Stadttheater, Die Csárdasfürstin – Emmerich Kálmán, IOCO Kritik, 15.01.2020

Januar 14, 2020 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Operette, Stadttheater Leoben

Stadttheater Leoben in Österreich © leopress

Stadttheater Leoben in Österreich © leopress

Stadttheater Leoben

Die Csárdásfürstin  –   Emmerich Kálmán

So war es wirklich:  Sylva Varescu entstammt dem Leobener Stadtteil Hinterberg

von Marcus Haimerl

Das in der Altstadt befindliche Stadttheater Leoben feierte 2015 sein 225-jähriges Bestehen und ist damit das älteste durchgehend bespielte bürgerliche Theater Österreichs und bietet dem Publikum 283 Sitzplätze und 105 Stehplätze.

2017 wurde mit der Gründung des Vereins Operette Leoben – Musiktheater in Kooperation mit der Musik- und Kunstschule Leoben, mit der Kunstuniversität Graz und der Oper Graz das Stadttheater Leoben wieder regelmäßig um den Jahreswechsel mit Operette bespielt. Nach

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Emmerich Kalman in Wien © IOCO

Johann Strauss Fledermaus (2017) und Franz Lehárs Die lustige Witwe (2018) stand dieses Mal Emmerich Kálmáns 1915 in Wien uraufgeführte Operette Die Csárdásfürstin auf dem Programm. Ursprünglich sollte das Stück „Es lebe die Liebe“ heißen, als Hauptperson die rumänische Sängerin Sylva Varescu. Nach Beginn des ersten Weltkriegs im Juli 1914 wurde Kálmáns Arbeit mit den Librettisten Leo Stein und Bela Jenbach unterbrochen und erst im Sommer 1915 wieder aufgenommen. Der Kriegsbeginn hatte auch Auswirkungen auf die Arbeit der Liedtexte im zweiten und dritten Akt und aus der rumänischen Sängerin wurde eine Ungarin – nur der rumänische Name ist geblieben. Vermutlich um Ähnlichkeiten mit der Oscar-Strauss-Operette „Rund um die Liebe“ zu vermeiden, wurde der Titel in Die Csárdásfürstin umbenannt. Der Erfolg blieb nicht aus: 533 Vorstellungen bis 1917 im Johann-Strauss-Theater. 1916 finden die deutsche, ungarische und schwedische, 1917 schließlich die dänische, finnische, polnische und russische Erstaufführung statt. Im September 1917 fand schließlich in der Terrace Garden Hall New York die amerikanische Erstaufführung in ungarischer Sprache statt.

Emmerich Kálmáns und seine beiden Librettisten thematisieren in ihrer Operette die Liebesgeschichte des Fürstensohn Edwin Lippert-Wylersheim mit der Chansonnière Sylva Varescu. Entgegen dem Wunsch seiner Eltern möchte Edwin die Sängerin ehelichen. Um die Affäre zu unterbinden, lässt das Fürstenpaar ihrem Sohn einen Einberufungsbefehl überbringen und haben auch bereits die Verlobung mit seiner Cousine der Komtesse Stasi (Anastasia) arrangiert. Als Graf Boni (Bonifazius), ein Freund Edwins, Sylva die Verlobungsanzeige zukommen lässt, reist diese doch für ihre Amerikatournee ab.

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : Severin Praßl-Wisiak als Edwin, Julia Wiszniewski als Stasi © Rudolf Thausing

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin – hier : Severin Praßl-Wisiak als Edwin, Julia Wiszniewski als Stasi © Rudolf Thausing

Einige Wochen später, auf der Verlobungsfeier Edwins mit Stasi, erscheint Sylva gemeinsam mit Graf Boni und gibt sich als dessen Frau aus. Edwin, der Sylva immer noch liebt, bittet seinen Freund Boni um die Scheidung, weiß er doch das dieser eigentlich seine Verlobte Stasi liebt. Sylva willigt in die angebliche Scheidung ein, kurz vor der Verkündigung gibt Edwin ihr zu verstehen, dass er sie jetzt ehelichen kann, da sie nunmehr eine geschiedene Gräfin ist. Sie enthüllt ihre Identität als Csárdásfürstin und löst einen Skandal aus.

Im dritten Akt treffen alle Protagonisten nochmals aufeinander. Unter Missverständnissen und Turbulenzen stellt sich heraus, dass Feri-Bacsi, ein Freund Edwins, in dessen Mutter, Anthilte, Fürstin Lippert Weylersheim seine ehemalige Liebe Hilda Kupfer, eine Provinzprimadonna, wiedererkennt. Dem Fürsten Leopold gehen die Argumente gegen eine Hochzeit aus und alle willigen in die Ehe von Edwin und Sylva, aber auch jener von Boni und Stasi ein.

Für das Stadttheater Leoben entschied sich Regisseur Christian Thausing, die Handlung an die örtlichen Begebenheiten anzupassen. So wurde aus dem Theater in Budapest im ersten Akt das Stadttheater Leoben, Sylva Varescu kommt, wie auch Corina Koller, die Interpretin der Partie, aus dem Leobener Stadtteil Hinterberg („wo die Schweinderl auf der Promenade spazieren“), was im Publikum für Vergnügen und Heiterkeit sorgt. Aber auch die Regiearbeit von Christian Thausing, der seit der Saison 2011/12 als Regieassistent und Spielleiter an der Oper Graz beschäftigt ist, weiß zu beeindrucken. Jede Geste, jeder Blick ist abgestimmt, jegliche Handlung der Akteure ergibt Sinn und zeigt eine deutliche Handschrift des Regisseurs.

Für den ersten und dritten Akt schufen Isabel Toccafondi (Ausstattung) und Kristina Six (Assistenz Ausstattung) eine Künstlergarderobe mit Sofas, Sesseln, Schminktisch, Garderobenständer und einem großen Büffet, der zweite Akt wird von dunkelblauen Vorhängen, einem Büffet und zwei erotisch anmutenden Skulpturen, die als Lampen fungieren, dominiert.

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin - hier : das Ensemble © Rudolf Thausing

Stadttheater Leoben / Die Csardasfürstin – hier : das Ensemble © Rudolf Thausing

Musikalisch lag die Csárdásfürstin in den Händen des in Leoben geborenen Dirigenten David Schlager, der das 23-köpfige Operettenorchester Leoben temporeich und schwungvoll auf höchstem Niveau leitete. Für die Dernière am 5. Jänner übernahm David Schlager nochmals Johann Strauss Polka schnell Opus 324 „Unter Donner und Blitz“ als Einlage vor dem dritten Akt, wie es bereits in der Silvestervorstellung gespielt wurde.

Als Sylva Varescu brillierte die gebürtige Leobenerin Corina Koller bereits bei ihrem Auftrittslied „Heia, heia, in den Bergen ist mein Heimatland“ mit ihrem kräftigen, höhensicheren Sopran, aber auch mit schauspielerischer Leistung wusste die Stipendiatin der Richard-Wagner-Stipendienstiftung das Publikum zu überzeugen. Auf gleich hohem Niveau erlebte man den Tenor Severin Praßl-Wisiak in der Rolle des Edwin. Mit viel Charme und Leidenschaft und der Strahlkraft seines schön geführten Tenors konnte der gebürtige Grazer begeistern. Wunderbar harmonierte Severin Praßl-Wisiak mit Corina Koller in den gemeinsamen Duetten „Heller Jubel – Weißt Du es noch“ und „Tanzen möchte ich – Tausend kleine Englein singen“. Mit letzterer Arie wird am 16.2.2020 auch der Wiener Opernball 2020 eröffnet; dann gesungen von Piotr Beczala.

Berührend und mit viel Humor gestaltete der in Istanbul geborene Taylan Reinhard die Partie des Grafen Boni und überzeugte nicht nur mit seinem strahlenden Tenor, mit besonderer Intensität bei dem Duett mit Stasi „Das ist die Liebe die dumme Liebe“, auch mit seinen darstellerischen Fähigkeiten konnte er das Publikum gewinnen. Als Stasi erlebte man die junge Grazerin Julia Wiszniewski, deren lieblicher Sopran mit klarer Höhe großen Eindruck hinterließ. Auch ihre sympathische Rollengestaltung konnte das Publikum überzeugen.

Eine beeindruckende Leistung auch vom ungarischen Bariton János Mischuretz als Ferenc Ritter Kerkes (Feri Bácsi). Ebenso außergewöhnlich war jene von Christopher Stein in der Rolle des Leopold Maria, Fürst Lippert-Weylersheim, dem Vater Edwins. Die Gestaltung dieser Rolle durch den niederösterreichischen Schauspieler, war eine ausgesprochen gelungene Parodie auf einen alten, etwas dusseligen Fürsten mit Standesdünkel, was vom Publikum mit entsprechender Heiterkeit quittiert wurde. Die vielseitige Leobener Künstlerin Krista Böchzelt konnte als seine Gattin Anthilte überzeugen. Souverän auch die Tänzerinnen Evamaria Mayer (auch Choreographie), Anna Reischenbacher, Sarah Kerneza, Doris Stütz, Ute Veronika Olschnegger und Heidi Hödl-Tomitsch, die nicht nur als „Mädis vom Chantant“ Sylva Varescus Eröffnungslied tänzerisch gestalteten, sondern auch der Verlobungsfeier von Edwin und Stasi ein besonderes Flair verliehen.

Das begeisterte Publikum dankte dem Ensemble mit Jubel und Standing Ovations für diese insgesamt erstklassige Produktion.  Man darf gespannt sein, mit welchem Werk das Leobener Publikum Ende dieses Jahres verwöhnt werden wird

—| IOCO Kritik Stadttheater Leoben |—

Duisburg, Deutsche Oper am Rhein, Premiere Pique Dame, 28.09.2019

logo_dor2.jpg

Deutsche Oper am Rhein

Theater Duisburg © IOCO

Theater Duisburg © IOCO

Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet die Opernsaison in Duisburg

Mit der Premiere von Peter Tschaikowskys „Pique Dame“ eröffnet die Deutsche Oper am Rhein am Samstag, 28. September, um 19.30 Uhr die Opernsaison im Theater Duisburg. Die russische Oper kreist um Spielsucht, Geld und Liebesbesessenheit – Hermann, ein haltloser junger Offizier, Lisa, eine von ihm leiden­schaftlich geliebte, aber unerreichbar schei­nen­de Frau und deren Großmutter, eine geheimnis­umwitterte Gräfin, sind die Haupt­figuren in dem tragischen Spiel um Zuneigung und gesellschaftliche Anerkennung. Die US-amerikani­sche Regisseurin Lydia Steier versetzt „Pique Dame“ ins Hollywood der 50er Jahre: In der blankpolierten Scheinwelt der amerikanischen Filmmetropole lotet sie die gegensätzlichen Welten in Tschaikowskys Außenseiter-Drama aus.

Deutsche Oper am Rhein / Pique Dame - Sergej Khomov (Hermann) und Sarah Ferede (Lisa) ©Andreas Endermann

Deutsche Oper am Rhein / Pique Dame – Sergej Khomov (Hermann) und Sarah Ferede (Lisa) ©Andreas Endermann

Peter Tschaikowsky selbst hielt „Pique Dame“ für sein Meister­werk. Die große Operntragödie mit stark melodramatischen Zügen wurde Ende Mai bereits in Düsseldorf gefeiert. In Duisburg bringt Aziz Shokhakimov sie jetzt mit einer neuen Sängerbesetzung, dem Chor der Deutschen Oper am Rhein, den jungen Vokalisten der Akademie für Chor und Musiktheater und den Duisburger Philharmonikern zum Klingen. Sergej Khomov (Hermann), Sarah Ferede (Lisa) und Renée Morloc (Gräfin) übernehmen die Hauptpartien innerhalb des großen Ensembles.

Aufführungen im Theater Duisburg

PREMIERE Sa 28.09. – 19.30 – 22.45 Uhr
Do 03.10. – 18.30 – 21.45 Uhr
Mi 16.10. – 19.30 – 22.45 Uhr
So 08.12. – 15.00 – 18.15 Uhr


Pique Dame Peter Tschaikowsky

Oper in drei Akten
Text von Modest Iljitsch Tschaikowsky nach der gleichnamigen Novelle von Alexander Puschkin
In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Dauer ca. 3 ¼ Stunden, eine Pause
Empfohlen ab 14 Jahren

MUSIKALISCHE LEITUNG : Aziz Shokhakimov
INSZENIERUNG : Lydia Steier
BÜHNE : Bärbl Hohmann
KOSTÜME : Ursula Kudrna
LICHT : Stefan Bolliger
CHORLEITUNG : Gerhard Michalski
LEITUNG KINDERCHOR : Justine Wanat
DRAMATURGIE : Mark Schachtsiek
HERMANN : Sergej Khomov
GRAF TOMSKI / SLATOGOR : Stefan Heidemann
FÜRST JELETZKI : Jorge Espino
DIE GRÄFIN : Renée Morloc
LISA : Sarah Ferede
POLINA / MILOWZOR : Maria Kataeva
MASCHA / PRILEPA : Panagiota Sofroniadou
TSCHEKALINSKI : Johannes Preißinger
SURIN : Beniamin Pop
TSCHAPLITZKI : Andrés Sulbarán
NARUMOW : Andrei Nicoara
ZEREMONIENMEISTER : Luis Fernando Piedra
CHOR : Chor der Deutschen Oper am Rhein
KINDERCHOR : Akademie für Chor und Musiktheater
ORCHESTER : Duisburger Philharmoniker

—| Pressemeldung Deutsche Oper am Rhein Düsseldorf |—

Nächste Seite »

Diese Webseite benutzt Google Analytics. Die User IPs werden anonymisiert. Wenn Sie dies trotzdem unterbinden möchten klicken Sie bitte hier : Click here to opt-out. - Datenschutzerklärung