Meiningen, Meininger Staatstheater, DAS SCHLOSS DÜRANDE – Othmar Schoeck, 08.05.2019

Meininger Staatstheater 

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

Meininger Staatstheater © Marie Liebig

DAS SCHLOSS DÜRANDE – Othmar Schoeck (1886 – 1957)

nach einer Novelle von Joseph von Eichendorff, Szenische Uraufführung der Neufassung,  Libretto Francesco Micieli, musikalische Adaption Mario Venzago

„So lebe und liebe! Bis du sattgeküsst.“  –  Renald ertappt seine Schwester bei einem Stelldichein mit einem jungen Mann, den er als den Grafen Armand erkennt. Er glaubt nicht an aufrichtige Absichten des Grafen und bringt Gabriele in ein Kloster.

Meininger Staatstheater / Das Schloss Dürande - Yücel, Sailings © Sebastian Stolz

Meininger Staatstheater / Das Schloss Dürande – Yücel, Sailings © Sebastian Stolz

Bei einem Erntefest, zu dem auch die gräflichen Herrschaften erscheinen, erfährt Gabriele, wer der Geliebte ist. Als Gärtnerbursche verkleidet folgt sie ihm nach Paris. Renald glaubt seine Schwester entführt und reist hinterher. In Paris gerät er in den Kreis populistischer Agitatoren und schließt sich ihnen an. Die Französische Revolution wird nicht von politischen Ideen motiviert, sondern von einer Horde Gewaltbereiter ins Rollen gebracht. Während draußen die Walze der Revolution über das Land hinwegfegt, liegt der Adel in Agonie. Der Alte Graf von Dürande spielt lieber seine Spieluhr und sein Sohn Armand zieht sich in einen poetischen Elfenbeinturm zurück. Die Zeichen der Zeit, die wie Wetterleuchten am Horizont aufblitzen, bleiben unverstanden. Die Liebe von Gabriele und dem Grafen bleibt in diesen Zeiten eine chancenlose Utopie.

Als Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) 1837 seine Novelle DAS SCHLOSS DÜRANDE schreibt, stand er unter dem Eindruck des politischen wie sozialen Umbruchs, der seit der Französischen Revolution in Wellen der Gewalt, der Restauration und neuer Gewaltausbrüche Europa schließlich neu formte. Selbst dem Adel entsprossen, steht Eichendorff diesem kritisch gegenüber. Was er im alten Regime sieht ist nicht so sehr eine Willkürherrschaft, sondern die völlige Gleichgültigkeit gegenüber der Welt und damit auch gegenüber den Menschen. Der Alte Graf von Dürande verkörpert dieses Bild: ein alter Schlossbesitzer, der von früheren Festen träumt und die Gegenwart nicht mehr versteht.

Die Oper wurde 1943 in Berlin uraufgeführt mit einem stark der Zeit verhafteten Libretto, das eine Aufführung nach 1945 schlichtweg unmöglich machte. Ein Projekt der Hochschule der Künste in Bern ersetzte nun den Text und führte ihn zurück zur Poesie von Eichendorff. Als Uraufführung dieser textlichen Neufassung am Meiniger Staatstheater setzt Ansgar Haag das politisch brisante Werk mit seiner emotionalen, packenden Musik unter der musikalischen Leitung von GMD Philippe Bach für die Bühne um.

Musikalische Leitung: GMD Philippe Bach, Regie: Ansgar Haag, Bühne & Kostüme: Bernd Dieter Müller/Annette Zepperitz, Chor: André Weiss, Dramaturgie: Corinna Jarosch
Besetzung, Armand: Ondrej Šaling

Mit:  Der alte Graf: Matthias Grätzel, Priorin: Anna Maria Dur, Gräfin Morvaille: Sonja Freitag,  Renald Dubois: Shin Taniguchi, Gabriele: Mine Yücel/Sophie Gordeladze, Nicolas: KS Roland Hartmann, Wildhüter: Mikko Järviluoto, Volksredner: Remy Burnens, Wirt Buffon: Daniel Pannermayr/Giulio Alvise Caselli, Advokat: Robert Bartneck, Gärtnerbursche: Sanjun Lee, 1. Helferin: Heejoo Kwon/Imogen Thirlwall, 2. Helferin: Kylee Slee/Dana Hinz, Kommissar: Youngkyu Suh, Ein anderer Revolutionär: Pedro Arroyo, Ein Soldat: Lars Kretzer, Polizist: Kuk Sung Han, Wachtmeister: Sang-Seon Won, 1. Jäger: Thomas Lüllig, 2. Jäger: Steffen Köllner, 3. Jäger: Gerhard Goebel, Pariser: Silvio Wild/Sanjun Lee, Eine Stimme: Axel-Michael Thoennes

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Hagen, Theater Hagen, Ritter Roland – Heldenkomödie – von Joseph Haydn, 08.02.2018

Februar 7, 2018 by  
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Theater Hagen

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

Theater Hagen bei Nacht © Stefan Kuehle

RITTER ROLAND  –  HELDENKOMÖDIE

MUSIK  JOSEPH HAYDN

FASSUNG DOMINIK WILGENBUS-  NACH VON NUNZIATO PORTA

Premiere 3.2.2018, weitere Vorstellungen: 8.2., 14.2., 23.2.; 7.3.; 7.4., 21.4., 26.4.; 3.6. (18 Uhr) 2018 – jeweils 19.30 Uhr, soweit nicht anders angegeben

Am 3. Februar 2018 fand die Premiere/Hagener Erstaufführung der Oper Ritter Roland Orlando Paladino, von Joseph Haydn im Theater Hagen (19.30 Uhr, Großes Haus) statt.

Theater Hagen / Ritter Roland - Eric Laporte (Ritter Roland), Statisterie. © Klaus Lefebvre

Theater Hagen / Ritter Roland – Eric Laporte (Ritter Roland), Statisterie. © Klaus Lefebvre

Worum geht’s in dieser, 1782 uraufgeführten musikalischen Heldenkomödie?

Vom magischen Wald über eine Zaubergrotte und sogar in die Unterwelt führt der Weg des Ritters Roland, der Angelika bis zum Wahnsinn liebt und nicht widergeliebt wird. Denn sie hat nur Augen für Medoro, den sie im höchsten Glück und immer am Rande der Tragik liebt, wie das in der Oper nun einmal so ist. Alcina, die geheimnis- wie humorvolle Zauberin, wirbelt zusätzlich diese kleine Gesellschaft von sich ständig bekämpfenden Rittern, tragisch Verliebten und chronisch hungrigen Knappen gehörig durcheinander. Doch mit allen Mitteln des (Theater-)Zaubers führt sie auch ein glückliches Ende herbei.

Das ganze Füllhorn phantastischen Zaubertheaters ergießt sich über den staunenden Zuschauer, noch dazu im Takt von Haydns heiterer, mal dramatischer und immer betörend schöner Musik. Eigentlich kein Wunder, dass das Werk eine der meistgespielten Opern des ausgehenden 18. Jahrhunderts war. Umso unbegreiflicher, wie es so lange in Vergessenheit geraten konnte. Diese Liebeserklärung ans Theater, seinen Zauber, seine Magie, verspricht ein Haydn-Spass zu werden.

In seiner eigenen Fassung der Heldenkomödie auf Deutsch erzählt Regisseur Dominik Wilgenbus mit witzigen Einfällen und spritzigen, neuen Texten die Geschichte von Ritter Roland für Opernliebhaber, Opern-Neulinge und Immer-Neugierige. Die musikalische Einstudierung und Leitung liegt in den Händen von Generalmusikdirektor Joseph Trafton. Die fantasievolle Ausstattung gestalteten Peter Engel (Bühnenbild) und Christiane Luz (Kostüme).

Es singen und spielen: Dorothea Brandt, Giulio Alvise Caselli, Kristine Larissa Funkhauser, Eric Laporte, Kenneth Mattice, Musa Nkuna, Matthew Overmeyer, Cristina Piccardi, Egidijus Urbonas; Statisterie des Hagener Theaters, Philharmonisches Orchester Hagen.

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