Mailand, Teatro alla Scala, Vor der großen Wachablösung, IOCO Aktuell, 20.05.2013

Mai 20, 2013 by  
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Aktuell

Die Scala im Umbruch: Neue Führung Ante Portas

Teatro  alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Teatro alla Scala © Jean-Christophe Benoist

Das Mailänder Teatro alla Scala, an der Piazza della Scala gelegen, wurde 1776 auf dem Gelände der Kirche Maria della Scala erbaut. Mit 2300 Plätzen ist die „Scala“ heute eines der größten Opernhäuser Europas. „Bauherrin“ der Scala war die damalige Kaiserin von Österreich, Maria Theresia. In der Folge des Spanischen Erbfolgekrieges war, 1714,  Mailand österreichisch geworden.

Die Mailänder Scala ist seit ihrer Erbauung ein Fixstern am Opernhimmel. Italiens große Nationaloper, Nabucco von Giuseppe Verdi, wurde hier 1842 mit 57 Wiederholungen überaus erfolgreich uraufgeführt. Arturo Toscanini wirkte über Jahrzehnte an der Scala. Unvergessen die 50er Jahre, als Maria Callas, La Primadonna Assoluta, von Mailand aus die Opernwelt beherrschte, inspirierte und, von Skandalen begleitet, ihren Abstieg einleitete. Doch die Zeiten ändern sich: Drastische Einsparungen im Kulturhaushalt zwingen die Opernhäuser Italiens zu wirtschaftlichem Verhalten, Programmkürzungen und Kurzarbeit. Auch die Scala ist von Kürzungen betroffen. Im Dezember 2012 wurde wegen Streiks eine Ballettpremiere abgesagt. Intendant Stephane Lissner wechselt 2015 nach Paris, denn sein Gehalt wurde inzwischen drastisch gekürzt. Mit ehemals € 1 Mio/Jahr war Lissner Europas bestbezahlter Intendant; tempi passati. Auch der Generalmusikdirektor der Scala muss bestellt werden. Der Vertrag des derzeitigen Positionsinhabers Daniel Barenboim endet 2015/16. So steht die altehrwürdige Scala, finanziell bereits in schwierigem Umfeld, auch vor einer großen Wachablösung in der Chefetage.

Teatro alla Scala bei Nacht © Giovanni Dall'Orto

Teatro alla Scala bei Nacht © Giovanni Dall’Orto

Die öffentliche Ausschreibung zur Intendanz der Scala erzielte 25 schriftliche Bewerbungen. Es entscheidet der Aufsichtsrat des Opernhauses, geleitet vom Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia. Vielleicht, nicht gesichert, wird der Nachfolger Lissners am 23. Mai 2013 bei der Vorstellung des Scala Spielplanes für die Saison 2013/14 bekannt gegeben. Dominique Meyer von der Wiener Staatsoper hatte abgesagt. Meist gehandelte Namen sind Pierre Audi, Intendant der Amsterdamer Oper, Sergio Escobar, Intendant des Teatro Piccolo in Mailand, Gérard Mortier aber auch Alexander Pereira, noch-Intendant der Salzburger Festspiele. In Salzburg kokettiert Pereira seit Monaten und lauthals mit seiner Kündigung. Einen Tag vor der Aufsichtsratssitzung in Mailand, tagt am 22. Mai  in Salzburg das Kuratorium der Salzburger Festspiele, um die Salzburger Festspiel Zukunft zu gestalten. Mit oder ohne Pereira. Noch im April berichtete die Zeitung „La Stampa“, Pereira sei in Mailand wegen extremer Gehaltsforderungen bereits aus dem Intendantenrennen ausgeschieden.

Es wird spannend in Mailand. Das findet vermutlich auch Ricardo Chailly, (60), derzeit Kapellmeister am Gewandhaus Leipzig, welcher 2015 gerne Daniel Barenboim als Musikdirektor der Scala ablösen möchte. Laut „La Republica“ ist die Schlacht um die Position des Musikdirektors für Chailly, entschieden; passend, denn Chailly besitzt 20 Kilometer von Mailand entfernt ein Haus. Aber, genau weiß dies heute nur der Scala-Aufsichtsrat: Vielleicht bleibt Daniel Barenboim in Mailand (und Berlin) und alles kommt ganz anders. Nach dem 23. Mai 2013 wissen wir mehr. IOCO wird berichten.

IOCO / Viktor Jarosch / 20.Mai 2013