Hannover, Staatsoper Hannover, Stephan Zilias – Neuer Generalmusikdirektor, IOCO Personalie, 16.04.2020

Staatsoper Hannover

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Staatsoper Hannover © Marek Kruszewski

Stephan Zilias – Generalmusikdirektor ab Spielzeit 2020/21

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Staatsoper Hannover / Intendantin Laura Bermann © Franz Bischof

Laura Berman, Intendantin der Staatsoper Hannover,  hat nach Abschluss eines breit angelegten Auswahlverfahrens, Stephan Zilias als neuen Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover vorgeschlagen. Es bestand Einigkeit im Aufsichtsrat darüber, die Verhandlungen mit Stephan Zilias zum Abschluss zu bringen. Damit wird zum Beginn der Spielzeit 2020/21 die Stelle nach einjähriger Vakanz wieder besetzt: Vorgänger  Ivan Repušic hatte 2017, als Nachfolger von Ulf Schirmer (IOCO berichtete,  link HIER)  die Leitung des Münchner Rundfunkorchesters übernommen.

„Ich bin glücklich, dass unser ausführlicher Auswahlprozess, in den viele Mitarbeiter*innen der Staatsoper eingebunden waren, zu einem neuen Generalmusikdirektor geführt hat, der bei allen im Haus auf positive Resonanz trifft. Die Zeit, die wir uns genommen haben, war extrem hilfreich, hat der Staatsoper gut getan und gezeigt, dass das Haus sich einig ist“, äußert sich Intendantin Laura Berman.Ich freue mich auf einen Partner, den ich als Dirigenten und Musiker mit großer Sorgfalt, Mitgefühl für seine Mitmenschen und ganz großem Herzen kennengelernt habe.“

Energiegeladen, leidenschaftlich, überzeugend und risikofreudig: Stephan Zilias, zur Zeit Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin, hat im Herbst 2019 an der Staatsoper Hannover die Wiederaufnahme von Salome geleitet sowie das 4. Sinfoniekonzert Verwandlungen mit Werken von Henri Dutilleux, Béla Bartók und Robert Schumann dirigiert.

„Ich fühle mich tief geehrt, zum Generalmusikdirektor der Staatsoper Hannover ernannt worden zu sein. Es ist eine wunderbare Aufgabe mit großer Verantwortung, auf die ich mich aus vollem Herzen freue. Ich hatte das Vergnügen, in den letzten Monaten mit dem fantastischen Orchester und den Sänger*innen des Ensembles schon intensiv arbeiten zu können. Ich freue mich auf die Arbeit mit Laura Berman, dem Ensemble, mit Orchester, Chor und den Teams von Staatsoper und Staatsballett. Gemeinsam werden wir uns neuen Herausforderungen stellen und alles daransetzen, die lange und exzellente Musiktradition in Hannover fortzuführen und neue Impulse zu setzen – einer Stadt, die meiner Familie und mir bald zur neuen Heimat werden wird,“ so der designierte Generalmusikdirektor Stephan Zilias.

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias - kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Staatsoper Hannover / Stephan Zilias – kommender Generalmusikdirektor © Simon Pauly

Stephan Zilias studierte Klavier und Dirigieren in Köln, Düsseldorf und London. Zu seinen Lehrern zählten Pierre-Laurent Aimard und Tamara Stefanovich (Klavier), sowie Volker Wangenheim, Rüdiger Bohn und Colin Metters (Dirigieren). Wichtige musikalische Impulse erhielt er durch Meisterkurse bei Bernard Haitink, Gianluigi Gelmetti und Ilan Volkov.

Bereits während seiner Studienzeit wirkte er als Dirigent und musikalischer Assistent von Markus Stenz an der Oper Köln, wo er 2011 mit drei Vorstellungen von Wozzek debütierte. Prägende Erfahrungen sammelte er auch als Assistent von Edward Gardner und Thomas Hengelbrock an der English National Opera bzw. bei den Pfingstfestspielen Baden-Baden und bei Stefano Montanari an der Opéra de Lyon.

Im Sommer 2013 debütierte er mit Die Zauberflöte auf der Seebühne der Bregenzer Festspiele. Nach zwei Spielzeiten als Repetitor und Kapellmeister am Staatstheater Mainz, folgte er 2014 dem Ruf ans Theater Lüneburg als 1. Kapellmeister, bevor er 2015 in der gleichen Rolle an die Oper Bonn berufen wurde. Dort dirigierte er die gefeierten Inszenierungen von Madama Butterfly, La bohème, Turandot, Le nozze di Figaro, Don Giovanni, Cosi fan tutte, Die Zauberflöte, Il barbiere di Siviglia, Lucia di Lammermoor, La Traviata, Rusalka, Carmen und Philip Glass‘ Akhnaten. Während seiner Amtszeit in Bonn war er aktiv an den Bildungs- und Vermittlungsprogrammen des Beethoven Orchesters beteiligt. Zu seinen weiteren symphonischen Erfahrungen gehörten Konzerte mit den Hofer Symphonikern und dem Orchestre Symphonique de Mulhouse.

In der Saison 2018/19 wurde Stephan Zilias Kapellmeister und Assistent von Donald Runnicles an der Deutschen Oper Berlin. In der vergangenen Saison dirigierte er Wiederaufnahmen von La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Carmen und Neuproduktionen von Wozzeck, La Sonnambula und Detlev Glanerts neuer Oper Oceane.

Zu Beginn der Spielzeit 2019/20 gab er sein Hausdebüt an der Staatsoper Hannover mit Salome und kehrte später für symphonische Konzerte zurück. Außerdem dirigierte er Aufführungen mit dem Beethoven Orchester Bonn und an der Deutschen Oper Berlin (Don Giovanni, La Traviata, Die Zauberflöte, Die Fledermaus, Nabucco und Langgaards Antikrist). Weitere Hausdebüts in dieser Saison sind Auftritte an der Oper Leipzig (Il barbiere di Siviglia) und bei den Opernfestspielen von Savonlinna (Carmen).

Für die Zukunft sind Debüts im Herkulessaal der Residenz München, im Wiener Konzerthaus und an der Royal Swedish Opera geplant. Außerdem kehrt er an die Deutsche Oper Berlin zurück, um in den nächsten zwei Spielzeiten vier Produktionen als Gastdirigent zu dirigieren.

Im Mai 2018 wurde Stephan Zilias vom Honours Committeein London zum Associate of the Royal Academy of Music ernannt.

—| Pressemeldung Staatsoper Hannover |—

Lüttich, Opéra Royal de Wallonie-Liège, Tosca – Giacomo Puccini, IOCO Kritik, 23.11.2108

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège.

Opéra Royal de Wallonie-Liège © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège

Tosca – Giacomo Puccini

– Himmel und Hölle der Gefühle –

Von Ingo Hamacher

Tosender Applaus, Ovationen, rythmisches Klatschen und Standing Ovations krönten einen Abend, bei dem das begeisterte Publikum die Darsteller und das Produktionsteam so oft an die Bühnenrampe zurück forderte, bis dass der Inspizient das Machtwort sprach, und den Vorhang endgültig in den nicht enden wollenden Jubel fallen ließ.

Musikalisch ein Genuss und stimmlich großartig bis in die kleinste Partie stellt diese Tosca einen Höhepunkt der jetzigen Saison dar. TOSCA errang schnell, obwohl sie attraktive Partien für Tenor und Bariton aufweist, als Primadonnenoper Ruhm und Anfeindung.

Tosca  –  Giacomo Puccini
Youtube Trailer der Opéra Royal de Wallonie-Liège
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1913 wurde die Oper noch vernichtend beurteilt: „Die Sensation schlägt durch. Ein ekelhafter Text, blutig nicht bloß im Stoff, auch in der Behandlung“, die Musik sei „Schlächterarbeit im Kleid des Liebenswürdigen, lächelnder Mord“ und die Arien seien versungen und vertan: „geopfert dem Moloch der Kinodramatik“.

Inzwischen gilt TOSCA als eine der bekanntesten Opern der Welt; Puccinis Musikdrama wird vom Publikum als realistisch empfunden, als komplexer Ausdruck einer psychischen Situation der Opernfiguren. Gianluigi Gelmetti, der die Aufführung musikalisch leitet, zeichnet die musikalischen Welten des Stücks, wie die Welt Scarpias mit ihrem tonalitätsfernen Blechbläserklang; die schmerzliche Chromatik der gequälten Revolution; wie auch die naive Sphäre des naiven Messners, feinfühlig und differenziert nach.

Gianluigi Gelmetti, 72, ist ein italienischer Dirigent und Komponist. Lange Jahre hatte Gelmetti die Position als Chefdirigent des SWR Radio-Sinfonieorchester Stuttgart (1989–1995) inne. Im Jahre 2001 wurde er zum Chefdirigenten des Teatro dell’Opera in Rom ernannt.

Wie häufig in Puccinis Werk sind in TOSCA sinnliche Liebe und Todesnähe oft unentrinnbar miteinander verknüpft. Das Werk ist dramatisch stringent und steht dem Verismo nahe. Die Handlung der TOSCA lässt sich auf den Tag genau festlegen: den Nachmittag und Abend des 17. Juni 1800 mit folgendem Morgen, drei Tage nach der Schlacht bei Marengo.

Hintergrund: Napoleon Buonaparte hatte in den Jahren zuvor fast ganz Italien erobert, und freiheitliche Republiken nach französischem Vorbild errichtet. Als er anschließend zu seinem Ägypten-Feldzug aufbracht, kam es zu einem Sieg reaktionärer Kräfte, die die republikanischen Bestrebungen aufs heftigste unterdrücken, und statt dessen eine Polizeiherrschaft errichten. An ihrer Spitze: die Königin Maria Carolina, die in Rom alle Unterstützer der vormaligen Republik erbarmungslos verfolgen ließ. Napoleon kehrte aus Ägypten zurück, marschierte erneut in Italien ein und errang den entscheidenden Erfolg in der Schlacht von Marengo am 14. Juni 1800. Vor diesem historischen Hintergrund spielt das Stück.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier links  A. Machado als Cavaradossi © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Die berühmte Sängerin Tosca, die sich ihre Frömmigkeit bewahrt hat, liebt einen freigeistigen Maler, den liberal intellektuelle Cavaradossi, der neben seiner bildenden Kunst auch noch zum republikanischen Parteigänger wird. Dadurch kommt er in Konflikt mit dem allmächtigen Polizeichef Scarpia, dessen Persönlichkeit durch eine Mischung aus rücksichtsloser Grausamkeit und sexueller Obsession geprägt ist, und der den ehemaligen republikanischen Funktionär Angelotti jagt, dem nach Monaten im Kerker als Strafe für seinen Kampf gegen den alten Feudalismus die Flucht gelungen ist.

1. Akt

Ohne Ouvertüre, nur mit drei wuchtigen Harmonien eingeleitet, beginnt der erste Akt. Der Vorhang hebt sich und gibt den Blick frei auf das Innere von Sant’Andrea della Valle, eine römische Kirche im Stil des Barock, die in einzelnen Elementen auf der Bühne nachgebildet wurde. Linkerhand sehen wir die zuerst verhangene akuelle Arbeit des Künstlers: Ein Bildnis der Magdalena. Im Hintergrund barocke Goldelemente und lebensgroße Heiligenstatuen; rechts das Gitter einer Familienkapelle sowie den Kerzen und Blumenschmuck einer Madonna.

Der politische Gefangene Angelotti (Bass) versteckt sich in der Kirche Sant’ Andrea, wo sein Freund, der Maler Cavaradossi (Tenor) ein Bildnis der Magdalena fertigstellt. Der Messner behauptet, das Bild ähnelt einer der Frauen, die zum Beten regelmäßig in die Kirche komme. Cavaradossi malt tatsächlich die Gesichtszüge dieser Frau in sein Bild, besingt jedoch leidenschaftlich seine große Liebe: Tosca.
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MARIO CAVARADOSSI – Aquiles Machado
Für den venezuelanischer Tenor, 45, der sein Debut 1996 in Caracas in L‘elisir d‘amore hatte gehört die Partie des Cavaradossi zu einer seiner Paraderollen, mit denen er weltweit auftritt. Die Wärme seiner großartigen Stimme passt perfekt zu dem Menschenfreund Cavaradossi, der bereit ist, selbst Schaden zu nehmen, um andere zu schützen.
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Angelotti kommt aus seinem Versteck und Cavaradossi will ihm helfen. Als Tosca (Sopran) die Kirche betritt, versteckt sich Angelotti erneut. Im Bild der Magdalena erkennt die Primadonna die Ähnlichkeit mit der Gräfin Attavanti, Angelottis Schwester, und beim Anblick der überlebensgroßen lasziven Nacktheit der Sünderin werden es wohl nicht nur die besungenen blauen Augen gewesen sein, die ihre flammende Eifersucht geweckt haben. Cavaradossi überzeugt sie jedoch von seiner Liebe und kann sie beruhigen.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Virginia Tola als Tosca © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Virginia Tolah, ein international gefeierter argentinischer Sopran, 42, singt die Partie der FLORIA TOSCA mit der gebotenen leichten Hysterie der gefeierten Künstlerin im ersten Akt, um dann folgend alle Tiefen der Emotionen und Leidenschaften stimmschön und kraftvoll musikalisch zu gestalten.Kanonenschüsse sind zu hören. Angelottis Flucht wurde entdeckt und Cavaradossi bietet ihm seinen Garten als Versteck an. Der Polizeichef Scarpia (Bariton) kommt in die Kirche und bemerkt den Korb mit Essen, den Cavaradossi für Angelotti hingestellt hat. Zudem findet Scarpia einen Fächer. Er behauptet gegenüber Tosca, dies sei der Fächer der Gräfin aus dem Bild, mit der der Maler eine Affäre habe. Erneut eifersüchtig verlässt Tosca die Kirche.

Als nachtschwarze Bosheit und Schlechtigkeit, die sich in Scarpia manifestiert, steht Marco Vratogna, ein italienischer Bariton, mit schwarzem Bart, Glatze und mephistotelischem Umhang auf der Bühne. Vratogna hat die Partie schon in Wien, Dresden, Berlin, London, Hamburg und Baden-Baden gesungen; in Lüttich feiert er sein Hausdebut. Auch er, wie die beiden voraus genannten Hauptfiguren, stimmlich ein Erlebnis, dass den Abend noch lange nachklingen lassen wird.

Die Nachricht einer gewonnenen Schlacht gegen Napoleon läßt die reaktionären Kräfte jubeln. Scarpia schwört unterdessen, Tosca zu erobern. Das zur Feier des – vermeintlichen – Sieges aufgeführte Te Deum gibt der Regisseurin Claire Servais die Möglichkeit, den bisher kammerspielartigen Handlungsablauf zur großen Chorszene auszuweiten.

Zahllose Messnerknaben, Mönche, Nonnen, Priester, Kardinäle und nicht weniger als neun Bischöfe verwandeln die gold-barocke Szenerie mit ihrer schier unüberschaubaren Menge an Menschen, Weihrauch, Gesang und Gebet in ein Abschlussbild, bei dem man den Eindruck gewinnt, einen Blick auf himmlische Heerscharen geworfen zu haben und dem Himmel nahe gekommen zu sein.

2. Akt

Haben wir am Ende des ersten Aktes einen Blick in den Himmel geworfen, erwartet uns nun die Hölle. An der Rückwand der bis auf Scarpias Festtagstafel leeren, schwarzen Bühne sehen wir 13 Bilder alter Holzschnitte, die historische Folter- und Tötungsszenen grafisch darstellen. Als 14. und uns allen als Erlösungszeichen bekannte Darstellung hängt lebensgroß der gekreuzigte Jesus vor uns, nicht als Heiland, sondern als figürliche Darstellung des Sterbens und des Leidens.

Vor diesem Hintergrund beginnt der dramaturgisch geschickte zweite Akt: Während Scarpia im oberen Stockwerk seinen Machenschaften nachgeht, feiert die Königin im Stockwerk darunter ein Fest zu Ehren des mutmaßlichen Siegs über Napoleon. In Scarpias Wut darüber, daß seine Häscher Angelotti nicht gefunden haben, und in seiner Freude über die vorsorgliche Verhaftung Cavaradossis ertönt dann aus dem Festsaal eine Kantate mit Fünfstimmigem Chor mit dem Solo der Sopran-Primadonna Tosca.

Wir befinden uns in Scarpias Räumen im Palazzo Farnese. Der Palazzo Farnese, nach dem Adelsgeschlecht der Farnese benannt, ist eines der bedeutendsten Bauwerke der italienischen Renaissace und einer der größten Paläste Roms. Scarpia will Tosca besitzen. Triumphierend singt er „Ella verrà“, „Sie wird kommen“. Seine Diener holen Cavaradossi und bringen ihn genau in dem Moment herein, als auch Tosca kommt. Der Polizeichef befiehlt, Cavaradossi foltern zu lassen, bis er das Versteck des geflohenen Angelottis verrät.

Cavaradossi wird durch eine verborgene Tür in der Wand des Grauens in einen dahinter liegenden Raum geführt. Da die Türe einen Spalt offen steht, erleben wird die Qualen seine Folter durch seine zu uns dringenden Schreie mit. Wie der Gottessohn, der für die Sünden der Menschen sein Leben gab, erleidet auch der Maler seine Leiden, um einen anderen Menschen zu schützen. Wie der Erlöser wird auch Cavaradossi mit einem Dornenkranz um den Kopf gefoltert, wie wir aus dem Bericht Scarpias erfahren. Der weiße Corpus Christi als einzig erleuchteter Fleck in dieser Dunkelheit des Schreckens veranschaulicht uns die Gemeinsamkeit der Schicksale.

Tosca ist erschüttert und verrät das Versteck, um ihren Geliebten zu retten. Darüber ist Cavaradossi außer sich, zeigt aber, dass er sich über die von einem Boten gebrachte Nachricht vom endgültigen Sieg Napoleons freut. Daraufhin ordnet Scarpia seine Exekution an. Nur wenn sich Tosca mit ihm Scarpia einließe, würde ihr geliebter Maler verschont bleiben. In der berühmten Arie „Vissi d’arte, vissi d’amore“, der Tradition entsprechend liegend gesungen, wendet sich die Primadonna zu Gott und fleht „Nur der Schönheit weihte ich mein Leben“.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier Roger Joakim als Cesare Angelotti © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Kurz darauf erfahren wir, dass sich Angelotti umgebracht hat, um der Gefangenschaft zu entgehen. Scarpia erpresst Tosca weiterhin, um sie zu erobern. Er ist bereit eine Scheinhinrichtung Cavaradossis organisieren, ihn aber anschließend freilassen, wenn sie ihm zu Willen ist. Als sich Scarpia schließlich Tosca nähert, ersticht sie ihn mit dem Ausruf „Hier ist Toscas Kuss!“. Tief in ihrem christlichen Glauben verwurzelt, kann sie selbst ihn nicht unversorgt liegen lassen. Sie lagert seine Hände und bedenkt ihn mit einer Rose. Vor Gott ist Vergebung. Das übergroße Kreuz neigt sich von der Wand, und kommt dem Sünder entgegen. Atemberaubend!

3. Akt

Dem dritten Akt geht eine lange Einleitung voran, bis auf das kurze Lied des jungen Hirten, ganz ohne Text. Die Musik schildert Umgebung, Situation und Szene, die am Ende der Nacht auf der Plattform der damals noch vor den Toren der Stadt liegenden Engelsburg spielt, was den Hirtenknaben verständlich macht. Schließlich ertönen in verschiedenen Höhen und Rhytmen die Morgenglocken der städtische Kirchen. Puccini war persönlich nach Rom gefahren, um die Schauplätze der Handlung kennen zu lernen und besonders die Stimmung der Engelsburg und den Klang der umgebenden Kirchen im stimmigen musikalischen Couleur wieder geben zu können.

Gefängnis in der Engelsburg. Die Engelsburg in Rom wurde ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian (117–138 n. Chr.) errichtet und später zur Festungsanlage umgebaut. Den heutigen Namen erhielt die Anlage im Jahr 590, als in Rom die Pest wütete. Papst Gregor I. der Große soll über dem Grabmal die Erscheinung des Erzengels Michael gesehen haben, der ihm das Ende der Pest verkündete.

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Opéra Royal de Wallonie-Liège / Tosca hier V. Tola als Tosca und Marco Vratogna als Scarpia © Opéra Royal de Wallonie-Liège

Wir blicken auf eine leere, steingraue Bühne, auf der das Auge bis auf eine nach oben führende Treppe mit anschließender Empore keinen Anhaltspunkt findet. Darüber ein nachtblauer Himmel mit einem Sternenmeer. Die Hinrichtung von Mario Cavaradossi soll in einer Stunde stattfinden. Er denkt an Tosca: „E lucevan le stelle“, „Es funkeln die Sterne“. Tosca kommt und erzählt, dass sie Scarpia getötet hat und ihm nur eine Scheinhinrichtung bevorstehe. Er solle wie in einem Theaterstück mitspielen und sich nach den Schüssen fallen lassen.

Für die Hinrichtungsszene senkt sich eine ebenfalls graue Wand vor den Hintergrund. Auf der davor befindlichen Empore erscheint das Erschießungskommando; Cavaradossi steht mit dem Rücken zum Publikum. Die Schützen zielen, und auf Befehl schießen sie auf ihn und damit gleichzeitig auch auf das Publikum. Erneut ein schwer auszuhaltender Moment. Cavaradossi stürzt und Tosca ruft: „Ecco un artista!“, „Was für eine Schauspieler!“. Die Mauer im Hintergrund hebt sich wieder und gibt den Blick auf das blutrote Morgenlicht frei. Tosca sagt ihm mehrfach, er solle noch liegenbleiben, merkt dann jedoch, dass ihr Geliebter wirklich tot ist.

Bevor der Polizeiagent Spoletta, der inzwischen Scarpias Tod bemerkt hat, Tosca verhaften kann, stürzt sie die Treppen zum Rand der Engelsburg hoch. Die Figur des Erzengels Michael wird sichtbar; Tosca stürzt in den Tod.

Regie: Claire Servais
Claire Servais hat Tosca bereits 2016 in Toulon inszeniert. Ihre letzte Inszenierung in Lüttich war die wunderschöne und märchenhaft verspielte ZAUBERFLÖTE als Kinderzimmertraum eines kleinen Jungen im Frühjahr 2017. Mit dieser dritten Inszenierung für Lüttich wird die große Breite ihres künstlerischen Arbeitens erlebbar.
Bühne: Carlo Centolavigna, 65-jähriger italienischer Bühnenbildner mit internationaler Arbeitserfahrung.
Kostüme: Michel Fresnay
Fresnays erste Kostümarbeit fand im Jahre 1965 statt. Seit dem hat er nicht nur Produktionen auf fast allen französischsprachigen Bühnen ausgestattet, sondern auch Shows im Ausland und fürs Fernsehen ausgestattet. Die Kostüme von TOSCA geben die Mode der Handlungszeitdes Stücks wieder.
Licht: Olivier Wéry / Chorleiter: Pierre Iodice / ORCHESTRE, CHŒURS ET MAÎTRISE / Opéra Royal de Wallonie-Liège
CESARE ANGELOTTI: Roger Joakim
EIN MESSNER: Patrick Delcour
Beide Bariton und Mitglied des Ensembles der königlichen Oper Lüttich / SPOLETTA: Pierre Derhet / Belgischer Solist des Royal Theater la Monnaie, Brüssel
SCIARRONE: Marc Tissons / EIN TRÄGER: Pierre Gathier

Tosca an der Opéra Royal de Wallonie-Liège, weitere Vorstellungen 25.11.; 27.11. – 15.00 Uhr; 28.11.; 29.11.; 30.11.; 1.12.; 2.12.2018

—| IOCO Kritik Opéra Royal de Wallonie-Liège |—

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