Essen, Philharmonie Essen – Klavierfestival 2014 – Bilanz 2014, 22.07.2014

Juli 22, 2014 by  
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KLAVIER-FESTIVAL RUHR 2014
PHILHARMONIE ESSEN

Philharmonie Essen © PE-SvenLorenz

Philharmonie Essen © PE-SvenLorenz

Nach zahlreichen musikalischen Sternstunden:
51.500 Besucher – Klavier-Festival Ruhr 2014 mit Erfolgszahlen

Mit einer an Sternstunden besonders reichen künstlerischen Bilanz, einem neuen Rekord-Ticket-Umsatz der Stiftung und mit 51.500 Besuchern (davon rund 10.000 bei der Nacht der Industriekultur in Bochum und erstmals in Hattingen) endet morgen (Sa. 12. Juli) das Klavier-Festival Ruhr 2014. Das weltweit bedeutendste Treffen der internationalen Pianisten-Elite setzte insgesamt fünf Schwerpunkte: Es feierte den 150. Geburtstag von Richard Strauss, ermöglichte durch einen singulären Beethoven-Gipfel Interpretationsvergleiche auf höchstem Niveau, erkundete die Klavierliteratur „Für die linke Hand“, unternahm eine Reise in die Welt der Etüden und präsentierte in einer besonders reichhaltigen JazzLine erstmals acht Konzerte.

Das Education-Team des Festivals stellte seine Aktivitäten erstmals unter ein Jahresthema: „Ein Jahr mit György Ligeti“ hinterließ vielfältige Spuren im diesjährigen Programm. Ein Höhepunkt war die große „Ligeti-Nacht“ in Essen, die einen einzigartig intensiven Zugang zum Werk des ungarischen Komponisten ermöglichte. Der Preis des Klavier-Festivals Ruhr 2014 ging an den polnischen Pianisten Krystian Zimerman.

Das Klavier-Festival ließ die Ruhrmetropole auch 2014 auf 29 Podien in 20 Städten zur internationalen Klavierhauptstadt werden. Musikfreunde erlebten zahlreiche Sternstunden bei Wiederbegegnungen u.a. mit Pierre-Laurent Aimard, Martha Argerich, Daniel Barenboim, Rafa? Blechacz, Anna Gourari, Evgeny Kissin, Lang Lang, Elisabeth Leonskaja, Benjamin Moser, Gerhard Oppitz, Alice Sara Ott, Mona Asuka Ott, Maria João Pires, András Schiff, Herbert Schuch, Grigory Sokolov, Martin Stadtfeld, Tamara Stefanovich, Francesco Tristano, Lilya Zilberstein und Krystian Zimerman. Zudem gaben 19 Pianisten und Wettbewerbssieger im Jahr 2014 ihr Festival-Debüt.
Die Schirmherrin des diesjährigen Festivals, Frau Traudl Herrhausen, resümierte zum Ende des erneut weltweit wichtigsten Pianistentreffens u.a.: „Nicht zuletzt künden sehr gute Zahlen von der hervorragenden Arbeit, die auch in diesem Jahr von Franz Xaver Ohnesorg und seinem Team geleistet wurde. In einem durch inzwischen erhebliche kommunale Konkurrenz geprägten Umfeld in Essen und Dortmund – und nicht zuletzt auch in Konkurrenz zur Fußball-WM – neue Umsatzrekorde zu erzielen, zeigt, wie unerschrocken unser Intendant seine Arbeit angeht. Und wie attraktiv die Konzerte und die Präsentationen des Education-Programms des Festivals auch 2014 waren!”

Intendant Franz Xaver Ohnesorg ergänzte hierzu: „Ich freue mich, dass wir auch in diesem Jahr für das kulturelle Leitprojekt des Initiativkreises Ruhr überzeugende Erfolge erarbeiten konnten und danke unseren Künstlern für zahlreiche Sternstunden, unseren treuen Sponsoren und unseren großzügigen Donatoren für ihre tatkräftige Unterstützung, unserem begeisterungsfähigen Publikum für zahlreiche Standing Ovations und nicht zuletzt meinem hoch motivierten Team für das fabelhafte Ergebnis unseres großen Gemeinschaftswerkes!“

Das Klavier-Festival Ruhr 2015 findet von April bis Juli 2015 statt (voraussichtlich vom 16. April bis 5. Juli 2015).

—| Pressemeldung Klavierfestival Ruhr |—

Düsseldorf, Kunstpalast – Klavierfestival Ruhr, Gerhard Oppitz & Richard Strauss, IOCO Kritik, 14.05.2014

Mai 19, 2014 by  
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 Klavier-Festival Ruhr 2014

Museum Kunstpalast

Klavierabend mit Gerhard Oppitz
Raritäten von Richard Strauss zum 150. Geburtstag

Klavierfestival Ruhr 2014 /Zum Auftakt des Strauss-Schwerpunkts des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr spielte Gerhard Oppitz gestern in Düsseldorf © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 /Zum Auftakt des Strauss-Schwerpunkts des diesjährigen Klavier-Festivals Ruhr spielte Gerhard Oppitz gestern in Düsseldorf © KFR/Frank Mohn

Es war ein Abend mit Repertoire-Raritäten, alle aus der Feder von Richard Strauss (1864 – 1949), dem man 2014 zum 150. Geburtstag huldigt. Es wäre schön gewesen, wenn ein größeres Publikumsinteresse für dieses Konzert vorhanden gewesen wäre. Es waren viele Plätze frei und das bei der ohnehin nicht sehr großen Platzkapazität des Robert Schumann-Saales im Kunstpalast. Schade!

Das Liedschaffen von Richard Strauss ist sehr umfangreich. Viele Preziosen sind darunter. Fünf seiner schönsten Lieder (Heimkehr – Ständchen – Freundliche Vision – Ständchen – Winterweihe) arrangierte der große Pianist und Komponist Walter Gieseking für Klavier Solo. Er spielte sie bei seinen Konzertabenden als Zugaben. Diese Transkriptionen wurden erst nach Giesekings Tod entdeckt.

An diesem Abend im Düsseldorfer Robert Schumann-Saal spielte sie Gerhard Oppitz kompetent und in einer großen Ausgewogenheit. Die Melodie der Singstimme in den Liedern war immer erkennbar und wurde nicht durch umrankende “dazukomponierte“ Musik zugedeckt. Die Stücke klangen sehr gut und Oppitz spielte sie mit sichtbarer Freude.

Ein erstaunlich großartiges Stück ist die H-Moll Sonate des jungen Richard Strauss. Der damals erst 16-jährige komponierte sie 1880. Es ist legitim, von einem meisterlichen Werk zu sprechen. Dieses rasante Opus lässt den späteren Strauss schon ahnen, seine Meisterschaft des Instrumentierens und die Opulenz der unerschöpflichen musikalischen Einfälle.

Gerhard Oppitz spielte das Werk mit markantem Zugriff, präzise in den Läufen und der musikalischen Gestaltung. Oppitz gelang es auch sehr gut, den dramatischen Impuls, der sich durch das ganze Stück zieht, herauszuheben.

Nach der Pause erfreute die Begegnung mit einer weiteren Rarität aus dem Schaffen von Richard Strauss. Das Melodrama Enoch Arden, op.38 entstand 1897. Es ist sozusagen ein Dankeschön an Erich von Possart, den neuen Intendanten des Münchner Hoftheaters. Er hatte Strauss wieder an das Haus gebunden, das dieser nach Querelen mit der vorherigen Direktion verlassen hatte.

Das Melodram für Klavier und einen Rezitator ist auf eine Ballade des Engländers Lord Alfred Tennyson komponiert. Ort der Handlung ist ein englisches Hafenstädtchen.

Klavierfestival Ruhr 2014 / Das Melodram "Enoch Arden" führten Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern im Robert-Schumann-Saal auf © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 / Das Melodram „Enoch Arden“ führten Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern im Robert-Schumann-Saal auf © KFR/Frank Mohn

Der Fischer Enoch Arden geht mit seinem Boot auf Fahrt. Seine Frau Annie und die Kinder bleiben zurück. Enoch hofft durch Erlöse dieser Handelsfahrt die Familie besser ernähren zu können. Doch es kommt anders. Enoch erleidet Schiffbruch und rettet sich auf eine verlassene Insel. Nach langen Jahren wird er zu Hause für tot erklärt. Noch zögerlich heiratet Annie den besten Freund Enochs, der sie immer schon verehrte. Aber die Zeit des Glücks ist nur kurz für Annie und ihre Familie. Enoch wird gerettet und kommt nach langen Jahren zurück in die Heimat. Er sieht das neue Glück seiner Frau von weitem, verzichtet auf sie, die er immer noch liebt und stirbt an gebrochenem Herzen.

Klavierfestival Ruhr 2014 / Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern beim Klavier-Festival Ruhr © KFR/Frank Mohn

Klavierfestival Ruhr 2014 / Gerhard Oppitz und Friedrich von Thun gestern beim Klavier-Festival Ruhr © KFR/Frank Mohn

Diese melodramatische Ballade schreit geradezu nach musikalischer Untermalung. Strauss erkannte die Möglichkeiten der Dichtung und ging zu Werke. Doch er hält sich in der Untermalung sehr zurück und gibt der Sprache den Vortritt. Die Uraufführung war 1897 mit Strauss am Klavier und Possart als Rezitator.

Auch Gerhard Oppitz hielt sich an diesem Abend in Düsseldorf sehr zurück. Der Rezitator Friedrich von Thun sprach die Texte sehr präzise, aber seine leicht verhangene, weiche Stimme war nicht immer gut zu verstehen. Eine Spur Überschwang hätte seiner sonst tadellosen Deklamation zuträglich gewesen.

Freundlich war der Beifall, insbesondere für Thun, der durch seine mediale Präsenz einem breiten Publikum bekannt ist.

IOCO / UGK / 14.05.2014

—| IOCO Kritik Klavierfestival Ruhr |—